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Full text of "St Petersburger Medicinische Wochenschrift 34.1909"

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St. Petersburger 

HEDKMCIE WOCHENSCHRIFT 


unter der Redaction von 


Dr. Ad. v. Bergmann, Dr. E. Blessig, Dr. 0. Brehm, Dr. X. Dombrowski, Dr. J. Dsime, Dr. C. Frankenhäuser, 

Riga. St. Petersburg. Libau. St. Petersburg. Moskau. St. Petersburg. 

Dr. P. v. Hampeln; Dr. H. Hildebrand, Dr. W. Kernig, Dr. P. Klemm, Prof. 0. v. Petersen, Dr. 0. v. Schiemann, 

Riga. Mitau. St. Petersburg. Riga. St. Petersburg. Moskau. 

Dr. Ed. Schwarz, Prof. G. Tfling. Dr. R. Wanach, Dr. H. Westphalen, Dr. C. Wiedemann, Dr. R. v. Wietinghausen, 

Riga. St. Petersburg. St. Petersburg. St. Petersburg. St. Petersburg. Reval. 

Prof. W. Zoege v. Manteuffel. 

Jurjew (Dorpat), 
unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Dorpat. Riga. 

Dr. Franz Dörbeck. 

St. Petersburg. 


XXXIV. JAHRGANG 


ST. PETERSBURG. 

Buchdruckerei von A. W I e n e c k e, Katharinenhofer Prosp., .Ns 15. 

1909 . 


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INHALTS-VERZEICHNIS 


Originalen. 


Ueber die Dauerresultate der Therapie des Ulcus 
rotundum ventriculi. VonDr. H. West- 

phalen . 1 

Aus dem Deutschen Alexanderhospital in St. Pe¬ 
tersburg. Ueber paranephri tische Abscesse. 

Von Dr. W. Fick . 9 

Otitischer Abscess oder Encephalitis. Von Dr. J. 

V i erhoff . 13 

UeberHeine-MedinscheKrankheit. Von Dr. Eduard 

Schwarz ..21 

Zur Behandlung der scrophulösen Ophthalmie und 
des Trachoms bei gleichzeitig bestehenden Er¬ 
krankungen der oberen Luftwege. Von Dr. G. 

Reinhard .27 

Aus dem klinischen Laboratorium des kaiserl. Gynä¬ 
kologischen Instituts in St. Petersburg. Die 
osmotischen Vorgänge im lebenden Gewebe 
als Schutzmittel des Organismus gegen In- 
fection. Von Dr. F. H o 1 z i o g e r . . . . 35 

Ueber den Wert zweier neuer Eiweissprobeu. Von 

Dr. J. M. Wol pe . 37 

Magenkrebs und Magenresection. Von Priv.-Doc. 

Dr. med. Dsirne .45 

Ueber den postdiphtheritischen Herztod. Von Dr. E. 

M i c h 1 i n.50 

Zur Statistik der Arthritis gonorrhoica. Von Dr. 

Arthurjordan .59 

Differentialdiagnose der Abdominallumoren. Von Dr. 

A. v. Bergmann .61 

Ueber die Behandlung schwerer Arthritiden. Von 

Dr. A. S c h a w 1 o w.71 

Zur operativen Behandlung der chronischen absce- 
dierenden Prostatitis. Von Dr. med. P v. 

Wiehert . 76 

Ueber Coxitis. Von Dr. Saar fei s.89 

Bemerkungen zur Novozon-Therapie. Von Dr. med. 

Fried r. Hinz . 91 

Aus dem K. K. hygienisch-bacteriologischen Institut 
der Jagellouischen Universität in Krakau. Zur 
Frage der Nilblau-Fettfärbuug. Von Dr. 
Philipp Eisenberg.105 


Zur Syphilisdiagnose. Von Dr. med. J. Lichtmann io7 
UeberacatePancreatitis. VonDr. Leo Bornhaupt IL5 
Aus der Chirurgischen Abteilung des Stadtkranken¬ 
hauses in Riga (Chefarzt Dr. A. v. Berg¬ 
mann). Ueber traumatische Hüftgelenkverren* 
kungen. Von Dr. J. Janko wski. . . . 118 

Ueber die gegenwärtige Lage unseres Militärsani¬ 
tätswesens. Von Dr. Köcher .118 

Die Hydrotherapie der Tabes dorsalis. Von Priv.-Doc. 

Dr. H. De terra an n.129 

Die Arteriosclerose des Herzens und der Aorta u. 
die Therapie der Arteriosclerose. Von Dr. A. 

Haller . 133 

Ueber seröse Expectoration bei Punction. der Pleura. 

Von Dr. P. Hampeln .145 

Ueber Morbus Basedowii und seine operative Be¬ 
handlung. Von Dr. E. Soko lo wski. . . 149 

Ueber Oxalurie und Phosphaturie. VonDr. med. K. 

Zoepffel .. . 153 

Ueber die Gicht. Von Dr. P. Ham pel n . . . 161 
Die Vererburg in der Schwindsuchtsfrage. Von Dr. 

S. Unterberger. ..167 

Ueber moderne Bestrebungen in der Geburtshilfe. 

Von Dr. Th. Dobbert . . . . . . . 180 

Die Gicht. Von Dr. v. Engelhard t.184 

Die Bekämpfung der Syphilis. Von Dr. med. G. v. 

Engelmann .195 

Ueber die Bedeutung psychischer Ursachen in der 
Aetiologie der Geisteskrankheiten. Von Dr. med. 

Wilh. Stieda . . . ^.197 

Ein Fall von doppelseitiger combinierter Serratus- 
lähmung nach Typhus. Von Dr. T. 0. 
Schabad. . . . . . . . . . . : 207 

Zur Frage der Choleraschutzimpfung. Von Dr. V. 

Pallop. .210 

Ueber Atoxyl-Polyneuritis und Atoxyl-Amblyopie. 

Von Dr. Eduard Sch war z.223 

Zur Casnistik der frühen Periostitis bei Ileo-Typhus. 

Von Dr. med. E. Fuhrmann. . . . . 227 

Ueber Indicationen und Technik der operativen Be¬ 
handlung der Gallensteine. Von Dr. F.W eher. 237 
Zur Casuistik der multiplen Scierose. Von Dr. med. 

Th. Schwarte. 243 


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4. 


St. Petersburger Medicinische Wochenschrift. A& 52. 


1909. 


Zar Frage der sogenannten foetalen Rhachitis. Von 

Dr. E. Fuhrmann und Dr. A. Ucke . . 251 
Medicinische Genealogie. Von Stabsarzt F. Eich* 

f n 8 8 . 254 

Ans dem Evangelischen Hospital zu Moskau. Ein 

Fall von Coitus Verletzung. Von Dr. H. G r e i f e. 259 
lieber Zellparasiten und Zellveränderungen bei 

Trachom. Von Dr. H. von K rüden er . . 2C7 
Ueber das Hämatom der Vulva. Von Dr. A. 

H o 1 o w k o.269 

Ueber Scharlachbehandlung mit besonderer Berück¬ 
sichtigung der Seruratherapie. Von Dr. 

Blaeher ..283 

Die Indicationen zur operativen Behandlung der 
Prostatahypertrophie. Von Dr. med. G. v. 

Engelmann.285 

Trauma und Lues cerebri.Von Dr. Eduard Schwarz 295 

Zur Frage des Scharlachs. Von Dr. Benjamin 

Kaplan .298 

Ueber den gegenwärtigen Stand der Lepratherapie. 

Von Dr. med. A. Kupffer .... 311, 323 

Aus der I. chirurgischen Abteilung des Stadt- 
Krankenhauses zu Riga. (Ord. Dr.'med. A. 
v. Bergmann) Ueber acute Magendilata¬ 
tion und arterio-mesenterialen Darraver¬ 
schluss. Von Dr. Fried rieh Mich eis o n. 331 

Die Vererbung der Schwindsucht auf Grund der 
Riffel-Schlüterschen Ahnentafeln. Von Dr. 


S. Unterberger.343 

Ueber Zellparasiten bei Trachom. Von Dr. H. v. 

Krüdener.346 

Zur Casuistik des Paratyphus A. Von Dr. B. 

Kallmeyer .357 

Der Kampf mit der Tuberculose und die specifische 
Behandlung derselben. Von Dr. F. We¬ 
ber senior. .367 


Ueber Estoral und seine Verwendung in der La- 

ryngo-Rhinologie. Von Dr. Alfred Feldt. 377 
Aus der Akad. Chirurgischen Klinik der Kaiser!. 
Militär-Medicinischen Akademie in St. Peters¬ 
burg. Neue Beleuchtungsart von Operations¬ 
räumen mit künstlichem Licht. Von Dr. W. 


Toinasche wski .379 

Ueber gynäkologische Koeliotomien. Von Dr. A. v. 

Schrank .385 

Die Frühdiagnose der Lungentuberculose. Von 

Dr. A. Haller .399 

Die Diffusionstheorie des Blutkreislaufs. Von B. N. 

Nicolaieff . 411 

Die Gustav Zimmermannscbe Theorie der Mechanik 

des Hörens. Von Dr. I. F. Neu man n . . 423 
Die Lepra im Kreise Grobin. Von Dr. S. Priss¬ 
mann .439 

Zur Frage vom Choleraheilserum. Von Dr. L. B e r- 

theuson .449 

Ans der medicinischeq Universitäts-Klinik in Dor¬ 
pat. Zur Autoserotherapie der exsudativen 
Pleuritis. Von Dr. W. Zimmer mann . . 461 

Die Hefepilzerkrankungen der Haut (Blastomycosis). 

Von Prof. Dr. Ö. v. Petersen . . . . 463 

Die Pathologie der Arteriosclerose. Von Dr. E. 

Weiss .473 

Ueber die Anwendung des Mercuriolöls zur Syphi- 

lisbehandlnng. Von Dr. I. Lichtmann . . 485 

Zur Eklampsie der Schwangeren, Kreissenden u. 

Wöchnerinnen. Von Dr. F. Weber senior . 489 
Aus den Medicinischen Kliniken zu Dorpat und 
Heidelberg. Ueber die Einteilung der Anä¬ 
mien. Von Dr. Ernst Masing .497 

Ueber habituelle Kopfschmerzen. Von Dr. H. Hirsch 500 
Aufruf zur Bekämpfung des Gebärmutterkrebses. 

Von Dr, v. z. Mühlen. 503 


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Die Ernährung der Säuglinge. Von Dr. A. Berk¬ 
holz .509 

Ueber Augen-Verletzungen u. deren Entschädigung. 


Die Indicationen und Contraindicationen der See¬ 
bäder. Von Dr. V. Zoepffel .519 

Ueber Krankheitsursachen und Disposition. Von 

Dr. EdgarMey .522 

Zur Therapie des Volvulus der Flexura sigmoidea. 

Von Dr. W T . Greiff en hagen .527 

Aus dem Evangelischen Hospital in St. Petersburg. 

Ein Fall von beiderseitiger Nierendystopie. 

Von Stud. med. E. Meuschen . . . . 537 

Zur internen Röntgendiagnostik. Von Dr. 0. v. 

Dehn .539 

Die Wirkung des Jod (Jodglidine) auf das Herz. 

Von Dr. J. Schi rokog o r o w .... 547 

Zur Myopiefrage und über die Briliencorrection der 

Kurzsichtigen. Von Dr. Th. Ger mann . 553 
Ueber die operative Behandlung des Ulcus rotun- 
dum und seiner Folgezustände. Von Dr. W. 

Greiffenhagen .565 

Ein Fall von Spaltdaumen. Von Dr. Erich Hesse 569 
Die II. internationale Lepra-Conferenz in Bergen. 

Von Prof. Dr. 0. v. P e te rse n . . . . «77 

Entstehung und Heilung der acuten Gonorrhoe (des 

acuten Stadiums) von Dr. B. Weinberg . 582 

Bericht über die Leprakolonie Krutyje Rutschji im 


Gouvernement St. Petersburg während der 
Jahre 1894—1908. Von Prof. Dr. 0. v. Pe¬ 


tersen. . . . 589 

Zur Anwendung des Momburgschen Schlauches bei 
atonischen Blutungen nach der Geburt. Von 

Dr. W. Beckmann. 601 

Aus der gynäkologischen Abteilung des städtischen 
Alten Katharinenhospitals in Moskau. Ueber 
Serumbehandlung des Puerperalfiebers. Von 

Dr. E. Arndt . . 604 

Ueber die localen Tuberculinreactionen. Von Dr. 

H. Krannhals.613 

Zur Physiologie und Pathologie der Epithelkörper. 

Von Dr. E. Fuhrmann.618 

Aus dem Kaiserlichen Institut für experimentelle 


Medicin zu St. Petersburg. Beitrag zur Lehre 
von der Anaphylaxie. Von Dr. 0. Hart och 633 
Zur percutorischen Grössenbestimmung des Herzens. 

Von Dr. Walther Hollmann . . . . 637 

Die innere Secretion der Ovarien and die Bezie¬ 
hung derselben za anderen Organen. Von 

Dr. L. v. L i n g e n. . . 649 

Ueber die pathologische Anatomie und Pathogenese 

des primäreu Glaukoms. Von Dr. G. Ischrey t 654 
Ueber die Therapie des Glaukoms. Von Dr. E. 

Blessig .660 

Das Unfallversicherungsgesetz und seine Folgen. 

Von Dr. Edu ard S ch warz .671 

Ein Fall eines multiplen Osteoms der oberen und 

unteren Extremitäten. Von Dr. L. Kr ich 680 
Aus dem Kaiserlichen Iustitut für Experimentelle 
Medicin. Nachtrag zur Arbeit „Beitrag znr 


Lehre von der Anaphylaxie“. Von Dr. O. 

Har toch.682 

Gastroenteroanastomose und Magenresection. Von 

Dr. A. v. Bergma nn .689 

Uber den Krankheitsbegriff in der Psychiatrie. Von 

Dr. med. W. Stieda.693 


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1909. 


St. Petersburger Medicinische Wochenschrift. Ks 52. 


5. 


Sammelreferate. 

Ueber die Behandlung der Placenta praevia von 

Dr. W. Beckmann .93 

Ueber extraperitonealen und transperitonealen Kai¬ 
serschnitt von Dr. W. Beckmann . . . 110 
Die Bedeutung der Cytodiagnostik bei syphiliti¬ 
schen Erkrankungen des Central - Nerven¬ 
systems von Prof. 0. v. Petersen . . . 121 
Die Nierendecapsulation bei Eklampsie von L, v. 

Lingen.190 


Verhandlungen medieinfacher Gesell¬ 
schaften und Congressberichte. 

Mitteilungen aus der Gesellschaft praktischer Aerzte 

zu Riga. 

17,31, 42, 273, 289, 433,444,439, 571, 587, 

596, 609, 699. 

Protocolle des Vereins St. Petersburger Aerzte. . 

66, 230, 247, 261, 273, 371, 550, 697. 

Bericht über die wissenschaftliche Tätigkeit des 
Vereins St. Petersburger Aerzte im Jahre 

1908, 56.. 

Protocolle des Deutschen ärztl. Vereins zu St. 
Petersburg. 

66, 142, 872, 586, 684. 

Protocolle des XX. Aerztetages der Gesellschaft liv- 
Jändischer Aerzte in Dorpat vom 28. bis zam 
30. August 1908 . 

67, 80, 95. 

Protocolle der Gesellschaft praktischer Aerzte zu 


Libau.101 

337, 349. 

Prolocolle der Gesellschaft prakt. Aerzte zu Reval. 113 

124, 175, 383, 404, 419, 431, 625, 646. 

Protocolle der Dorpater Medicinischen Gesell¬ 
schaft .192 

203, 364, 373, 525, 663. 

Der 30. Balneologen-Congress in Berlin von Dr. 

M. Hi rsch.213 


Protocolle des Wissenschaftlichen Vereins der Aerzte 
des städtischen Obuchowhospitals in St. Pe¬ 
tersburg .220 

279, 336, 363. 

Protocolle des V. Aerztetages der Estländischen 
Aerztlichen Gesellschaft am 5, 6 u. 7. Dec. 

1908 zu Reval.290 

302, 321. 

Der erste allrussische Congress der Fabrik-Aerzte 
und Vertreter der Fabrik-Industrie in Moskau 
v. 1—7. April 1909 von Dr. S. Bobr inski. 291 

307, 352. 

Der XVIII. Dentsche Bädertag von Dr. Max 

Hirsch .574 

Protocoll der X. Jahresgeneralversammlung der 
livl. Abteilung des St. Petersburger ärztlichen 
Vereins zu gegenseitiger Hilfe am 25. August 

1909 . 626 

L Baltischer Aerztecongress in Dorpat .... 665 

684. 


Feuilleton. 

Wiener Briefe. Von Dr. L. Sofer .125, 

232, 338, 406, 481, 533, 666. 

Chirurgische Eindrücke in Wien. VonDr.W. Schaack 468 
Brief aus Breslau. Von Dr. Schiess . . . . 610 
Chirurgische Eindrücke in London. Von Dr. 

W. Schaack .628 

Zum 75-jährigeu Bestehen des Nikolai-Kinderhospitals 

in St. Petersburg.686 


Nekrologe. 

Dr. med. Carl Koch .436 

Dr. med. A. Metzler .576 

Dr. med. Carl Theodor, Herzog in Bayern. . . 631 

Professor Dr. med. Peter Lesshaft.669 


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Sach-Register. 


Die mit * bezeichneten Zahlen beziehen sich ^uf Original-Artikel, die eingeklammerten aut die russische Literatur-Beilage. 


A. 

Abdominale Schmerzanfölle 55. 

Abdominaltumoren, Differentialdia- 
gnuse der 61*. 

Aborts, Innere Krankheiten der 
Schwangeren und die Indicationen 
zur Einleitung des 175. 

Abscess, otitischer oder Encephalitis 
13*. 

Abscesse, Ueber paranepbritische 9*. 

Abscesses, Durchbruch eines — der | 
Gallenblase in d. Nierenbecken (5). : 

Abwehrreaction, locale — des Orga- j 
nismus gegen Reize (9). | 

Acanthosis nigric. (3). 

Achondroplasie, Ein atypischer Fall 
von (58). 

Acne vulgaris, Vaccinetherapie der I 
-und opsonischer Index 403. | 

actinomycosa, Paraproctitis (37). 

Actinomykose des Blinddarmes (13). 

— der Lunge u. Pleura (69). 

Acute Ueberanstrengung des Herzens 
u. deren Behandlung 123. 

Adams-Stokesche Krankheit, Ueber 
(13). 

Adams-Stokeschen Krankheit, Ueber 
die Bedeutung des oesophagealen 
Cardiogramms für d. Diagnose der 
(13). 

Adams-Stokescher Krankheit, Ergän¬ 
zung zum Fall von (24). 

Adams-Stokescher Symptomencomplex- 
Gnmma des Vorhofsseptnm 347. 

Adenome des Nabels (40). 

Adenomyoroa cysticum uteri (9). 

Adipositas dolorosa. (Dercum) (18). 


Adnexerkrankungen, Zu operativen 
Anzeigestellungeu bei chronischen 
entzündlichen 174. 

Aerztliche Obergutachten aus der 
Praxis eines Ohren , Nasen- und 
Halsarztes 494. 

Affect, Ein geriehtlich-medicinischer 
Fall von pathologischem (17). 

Agglutinationsfähigkeit, Ueber die — 
des Blutserums Cholerakranker, die 
mit dem Serum I. S. Shurupows 
behandelt u. solcher, die damit 
nicht behandelt werden (40). 

Akroerythrosis, Ueber schmerzlose 
(25). 

Alaun-Hämatoxylin, Ein schnelles u. 
zuverlässiges Verfahren der Be¬ 
reitung vou — nach Hansen (13). 

Albuminurie, Die lordotische (or- 
thostatische) 382. 

Alcoboliker, Ueber die Crimiualität 
und Zurechnungsfähigkeit der (23). 

: Alexinen, zur Lehre von den (58). 

Altern als abwendbare Krankheit 544. 

—, Das —, seine Ursachen u. seine 
Behandlung durch hygienische u. 
therapeutische Massnahmen 6G3. 

Amblyopie, Ueber Atoxyl-Polyneu- 
ritis und Atoxyl — 223*. 

Amboceptors, Ueber die Bindung des 
j — mit dem Antigen (57). 

I ambulatorischen Kranken, Die (46). 

' Ammoniaklösung, Vergiftungen mit 
! (13). 

Amyloid, Experimentelle Nachprü- 
; fnngen d. Arbeiten üb. künstl. her- 
1 vorgernfenes (33). 

Anäraia splenica (48). 


Anämie üb. syphilitische (f>). 

Zur Frage Uber den Einfluss des 
Trichocephalus dispar auf die Ent¬ 
wickelung der 646, (24). 

Adämien, Ueber d. Einteilung der 497*. 

Anaphylaxie, Ueber (52). 

—, Beitrag zur Lehre von der 633*. 

—, Nachtrag zur — -- 682*. 

Anästhesie, Ueber die in der Land¬ 
praxis bequemsten Methoden der 
(16). 

—spinale (35). 

—, locale (44). 

—, Zu den experimentellen Ergeb¬ 
nissen der arteriellen (57). 

Anatomie, Gegenbaurs Lehrbuch 
der 683. 

Auatomie, Räuber s Lehrbuch der — 
d. Menschen 544. 

Aneurysma, Ein Fall von — d. Art. 
poplit. (2. 

Aneurysmen, Zur Diagnose u. Behänd- * 
lung d. traumatischen (36). 

Angiorne, Behandlung der — m. 
Elektricität (3). 

Aokylostomiasis 531. 

Anomalien der Art. brachialis. Zwei 
seltene Fälle von (19). 

Antefixatio uteri vaginalis extraperi- 
tonealis (37). 

Anticholeraimpfungen, Die — in ex¬ 
perimenteller Beleuchtung der Opso¬ 
nintheorie der Unempfänglichkeit 
(40). 

Anticholeraserum, Ueber d. Behand¬ 
lung mit dem — I. Schurupows 
I (39). 


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8. 


St, Petersburger Medicinische Wochenschrift. JSfg 52. 


1909. 


Anticholerasernms, Zur Frage über 
d. Erlangung eines wirksamen (33). 

—, Versuche von Anwendung des — 
v. Prof. Kraus (34). 

—, Intravenöse Eingiessungen des 

— v. Prof. Kraus als Heilmittel 
(54). 

—, Heilwirkung des — von I. S c h n- 
rupow (57). 

—, Vergleichend klinische Ergebnisse 
über die Wirkung des — v. I. 
Schurupow (57). 

Anticholeravaocine, Morphologische 
Blutveränderungen bei injectionen 
von Kollescher (40). 

Antihämolysine, Zur Frage der Bil¬ 
dung der Opsonine und — aus 
Leukocyten (11). 

Antimosquito-Flüssigkeit von J. Ma« 
linin, Ueber den Einfluss der — auf 
Krankheitserreger. (21). 

Antiphagine, Ueber (28), (63). 

Antistreptococcenserum (3). 

—, Zur Frage über die Wirkung des 
polyvalenten (40). 

Antituberculose-Serums, Klinische Be¬ 
obachtungen über die Wirkung des 

-S. Neporoshn y is (26), 

(33). 

Aorta, A Report upon the patho- 
logical condition of the 219. 

Aphasie nach Trauma (3). 

Aplasie, Ein Fall von — des Uterus 
u. d. Vagina (10). 

Appendicitis, z. Casuistik der (3). 

— larvata 101. 

— 124. 

—, Zur Casuistik der Complicationen 
bei (36). 

— u. Salpingitiden, Die Bezie¬ 

hungen zwischen (44). 

— o. rechtsseitige Salpingo - Oo¬ 

phoritis (55). 

—, Eine neue Schnittrichtung bei — 
mit gleichzeitiger Affection der Ad- j 
nexa bei der Frau (55). 

—, Klinische Bemerkungen über 75 
operativ behandelte —fälle (50). 

—, Aetiologie n. Verlauf der Kot¬ 
fisteln im Gefolge der (50). 

appendiculaire, Les 16sions bßpatiques 
d’origine — et leur retentissement 
gastrique 122. 

Appendix, Gleichzeitige Affection von 

— u. rechtsseitiger Adnexa (55). 

• Argyrosis conjunctivae,' Zur (27). 

Armee, Uebersicht der Krankheiten 
in der mandschurischen (20). 

—, Ein Project der Auswahl, Er¬ 
nennung u. Ausbildung der Feld¬ 
scher-Schüler u. Sanitäre in der 
(20). 

—? Gibt es viele Imbecille in den 
Reihen unserer (20). 

d’Arsonval, Ueber die Behandlung 
der Hämorrhoiden mittelst hoch¬ 
gespannter Ströme nach (16). 

Arteria, Ueber eine Anomalie der — 
mammaria dextra (50). 

— renalis accessoria inferior einer 
Wanderniere (12). 


Arteriosclero8e, Ueber nervöse Stö¬ 
rungen der oberen Extremität bei 

53. 

—, Die — des Herzens u. der Aorta 
u. die Therapie der 133*. 

—, Die Pathologie der 473*. 

Arthritiden, Ueber die Behandlung 
schwerer 71. 

Arthritis gonorrhoica, Zur Statistik 
der 59*. 

— deformans und sogenannter 
chronischer Gelenkrheumatismus 
247, 

Arzneibehandlung, Lehrbuch der kli¬ 
nischen 229. 

Aerztlichen Praxis im Auslande, Be¬ 
stimmungen über d. Zulassung zur 

54. 

associierende Reaction in den Be¬ 
wegungen, Ueber reproductive und 
(17). 

Ataxie, Ein Fall Friedreichscher 
(35). 

Atemeuren mit 115 Recepten. 288. 

Atmungswege, Ueber Fremdkörper 
der — bei Kindern (12). 

—, Radix Selemi bei Erkrankungen 
der — der Kinder (41).. 

atonUche, Die — und spastische Ob¬ 
stipation 123. 

Atoxyl b. Febris recurrens (4). 

— bei Syphilis u. Lichen ruber 
planus (11) (37). 

Atoxyl-Polyneuritis und Amblyopie 
223*. 

Atoxyls, Die Einwirkung des — auf 
die weissen Blutkörperchen (23). 

Atrepsie (5). 

Atresia ani vestibularis 100. 

Atrophia maculosa cutis (61). 

Aufgaben der Chirurg. Pathologie u. 
Therapie (36). 

Aufmerksamkeitsactes, resp. des Pro- 
cesses der Concentrierung. Zur 
Methodik der experimentell-psycho¬ 
logischen Untersuchung des (17). 

Auge, Ueber den Einfluss von nephro¬ 
toxischem Serum auf das (57). 

—, Veränderungen am — bei Leu¬ 
kämie (52). 

Augäpfel, Binoculare u. monoculare 
pendelförraige Bewegungen der — 
beim willkürlichen Augenschluss 
(14). 

Augen, Ueber den Einfluss der Toxine 
auf die Bindehaut der (18). 

—, Zur Casuistik der Schussver- 
letzungen der (18). 

—, Zustand der — von Taubstum¬ 
men im schulpflichtigen Alter (52). 

— der Schüler in den städt. Ele¬ 
mentarschulen zu Tomsk. (52). 

Augenärzte, Bericht üb. d. Coogress 
der — in Neapel (63). 

—, Taschenbuch für 550. 

Augenärztliche Arbeit am Landschafts- 
hospital zn Borisoglebsk. Bericht 
üb. die (63). 

Angenärztlichen Vereins, Protocolle 
des Odessaer (52). 

augenbewegenden Centren beim Men¬ 
schen. Die corticalen (14). 


Augenerkrankungen. Resection des 
Canalis nasolacrimalis in der The¬ 
rapie der (11). 

— u. Schädeldeformität (62). 

Augenheilanstalt. Mitteilungen der 
St. Petersburger 542. 

Augenheikunde, Lehrb. d. 80. 

Augenheilstation, Bericht über die 
Tätigkeit der — im Dorfe Bisch- 
kow (62). 

Augenklinik des Carolinischen medico- 
chirurgischen Instituts zu Stockholm. 
Mitteilungen aus der 141, 543. 

Augenneuralgien (62). 

Augenschluss, Bewegungen der Aug¬ 
äpfel beim (14). 

Augenverletzungen u. deren Ent¬ 
schädigung 515*. 

Auges, Organologie des 156. 

Autochromophotographie, Die — und 
die verwandten Dreifarbe nrester- 
Verfahren 192. 

Autolyse d. lebenden Zelle (5). 

B. 

Bacteriämie, typhöse (3). 

Bacterien, leuchtende (6). 

—, Einfluss osmotischer Strömungen 
auf Entwickelung n. Lebensfähig¬ 
keit der 595. 

Bacterieninfectionen. Die therapeu¬ 
tische Verwendung von Vaccinen 
zur Heilung von (12). 

Bacterienvermehrung im Wasser (63). 

Bacteriologisc he rJU n terRUchungen. Ei n- 
fache Hilfsmittel zur Ausführung 
16. 

Bacteriurie. Ueber 31. 

Bäder. Sibirische 51*. 

Bädertag. Der XVIII. Deutsche 574. 

Balantidium coli 55. 

Balkenblase, als Frühsymptom bei 
Tabes dorsalis 201. 

Balneologen-Congress in Berlin, Der 
30. 213. 

Bantische Krankheit (57). 

Bantischen Krankheit. Zur Casuistik 
der 16. 

Basedowii Ueber Morbus — und seine 
operative Behandlung, 149* (s. a. 
Morbus Basedowii). 

Basedowschen Krankheit, Blutver¬ 
änderungen bei der (40). 

-, Behandlung der-mit Serum 

(58). 

-, Behandlung der-'mit Rönt¬ 
genstrahlen (58). 

Bauchschuss. Ein Fall von 350. 

Bauchspeicheldrüse. Primäres Sarcom 
der (22). 

Bauchwassersucht in einem Fall v. 
Laennecscher Lebercirrhose. Aus¬ 
heilungen der (13). 

B&uchwunden, penetrierende (2). 

—. Zur Casuistik der penetrierenden 
( 51 ). 

Becken, Beiträge zur Lehre vom 
engen 480. 

Beckenappendicitiden bei Franen (58). 

Behandlung schwerer Arthritiden 71* 


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Original fro-m 

UNIVERSETY OF MICHIGAN 



1909. 


St. Petersburger Medicinische Wochenschrift. Ms 52. 


Behandlung der chronischen abscedie- 
renden Prostatitis 76*. 

— der Kehlkopftuberoulose (13). 

Beleuchtung von Operationsräumen, 

Zur Frage der (19). 

— der Bauchhöhle des Dick¬ 
darms u. d. Harnblase, Die zu* 
diagnostischen Zwecken angewandte 
unmittelbare (37). 

Beleuchtungsart Ton Operationsräu- 
men mit künstl. Dicht, Neue 379*. 

Bericht, a. e. Moskauer Kinderhospital 
(4). 

— über d. wissenschaftl. Tätigkeit 
des Vereins St. Petersb. Aerzte 
i. J. 1908. 56. 

— über d. Tätigkeit des Vereins 
St. Petersburger Aerzte während 
des zweiten Vierteljahrhunderts 
seines Bestehens 1884—1909. 348. 

— über die Tätigkeit der neuge¬ 
gründeten spec. klinischen Abteilung 
an d. Univ. Kiew. (38). 

Bestimmungen über d. Zulassung zur 
ärztl. Praxis im Ausland 54. 

„Beugereflex der Zehen* Bechterews, 
Ueber den (17). 

Bierschen Säughyperämie, Ueber die 
Behandlung der Furunkel mittelst 
der 191. 

Bindehaut, Bacterienbefunde bei Er¬ 
krankungen der (62). 

Biographisches Album des Vereins 
St. Petersburger Aerzte 1859— 
1909. 348. 

biologischen Reinigung der Abwässer 
in Russland, Ueber die Anwendung 
der (23). 

Blase, Zur Casuistikder Fremdkörper 
der (36). (s. a. Harnblase). 

Blasenectopie, 3 Fälle von (51). 

Blasengeschwulst, Ueber operativen 
Eingriff bei — Schwangerer (56). 

Blastomycosis, Die Hefepilzerkran¬ 
kungen der Haut 463*. 

Blennorrhoe u. andere Genitalinfectio- 
nen, Ueber ein einfaches Vorbeu¬ 
gungsmittel gegen 201. 

Blinddarmes, Ein Fall v. Aktinomy- 
cose des (18). 

Blindheit, Ueber d. Fehlen der Wahr¬ 
nehmung der eigenen — bei Hirn¬ 
krankheiten 53. 

Blnt, Die practiscbe Bedeutung der 
Reaction von Deleart u. Benoit auf 
(57). 

—, Die Methoden des klinischen Nach¬ 
weises von — im Magen-Darmin¬ 
halt (13). 

—Tuberkelbacillen imbei Tuber- 
culose 121. 

Blutarmut und Bleichsucht 191. 

Blutdruckes, Ueber die gleichzeitige 
Registratiou verschiedener Teile des 
Herzens und des (14). 

Blutes, Zur Morphologie einiger farb¬ 
losen Elemente des (4). 

—, Bestimmung der Coagulations- 
fäbigkeit des *-r nach d. Methode 
v% Wri$ht (28). 


Blutes, Veränderungen des — bei bös¬ 
artigen Neubildungen (34). 

Blutgefässe, 9 Fälle von traumatischer 
Verletzung grosser (36). 

Blutkörperchen, Ueber d. Einfluss 
verschied. Methoden zur Erlangung 
nicht gerinnenden Blutes auf d. 
Zahl d. weissen (34). 

Blutplättchen, Zur Frage der (5). 

Blutungen, Zur Casuistik der — bei 
Influenza (12). 

—, Serumanwendung bei 126, 

Blutuntersuchung, Grundriss der kli¬ 
nischen 301. 

Bogengang-Apparates beim Menschen 
Physiologie u. Pathologie des 507. 

Bolus alba, Zur Ehrenrettung der 

532. 

Bradykardie u. Adams - Stokesche 
Krankheit (18). 

Brief aus Breslau 610. 

—, Wiener 125, 232, 338, 406, 481, 

533, 666. 

Bromural als Sedativum u. Hypnoti- 
cum bei Kinderkrankheiten 127. 

— als nervinum 143. 

Bromurals, Die hypnotische u. sedative 
Wirkung des 561. 

Bronchiektasie beider Lungen 276. 

Bronchoskopie (47). 

—, Die klinische Bedeutung der Oeso- 
phagoskopie und (47). 

Bronchoskops, Ein Fremdkörper, extra¬ 
hiert mit Hilfe des — aus einem 
Bronchus 2. Ordnung 201. 

Brunnen- u. Badeorte, Die wichtig¬ 
sten — nach ihren Heilanzeigen 
alphabetisch zusammengestellt 506. 

Bubonen, Behandlung venerischer (3). 

Bursa subcut. coccygea (2). 

Buskschen Mineralwässer, Ueber d. 
therapeut. Bedeutung der (46). 


c. 

Calomeis, Ueber das Schicksal des 
innerlich eingenommenen (23). 
Camphosan 30. 

Canalis nasolacrimalis, Reseotion des 

— in d. Therapie der Augener¬ 
krankungen (11). 

Cancer, Cytolyse alto-fröquente du 

— (Fulguration) 361. 

Carcinoma, Two cases of osteoplastic 

— of the prostate 662. 

Carcinom d. Cervix u. d. Portio 99. 

(8. a. Krebs). 

Cardiogramms, Ueber die Bedeutung 
des oesophagealen — für d. Dia¬ 
gnose der Adams-Stokeschen Krank¬ 
heit (13). 

Carotis communis, Zur Frage über den 
Einfluss der Unterbindung der Art. 

-auf das Centralnervensystem, 

(17). 

Central-Nervensystems, Die Bedeutung 
der Cytodiagoostik bei syphiliti¬ 
schen Erkrankungen des 121*. 
Centren, die corticalen augenbewegen- 
deu — beim Menschen (14), 


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9. 


Cervix- u. Portiocarcinom 99. 

Cervix-Scheidenfisteln bei Abort, 

2 Fälle von (45). 

Cheyne-Stokesche Atmung, Zur Frage 
üb. d. chronische (34). 

Chirurgie, Lehrb. der 41. 

—, Grundzüge d. allgemeinen 42. 

—, d. — b. Geisteskrankh. (7). 

—, bei Nervenkrkh. (8). 

—, Lehrb. d. allgem. 54. 

Chirurgische Krankheiten u. Verlet¬ 
zungen des Gesichts 54. 

— Verbände 16. 

— Eindrücke in Wien 468. 

- London 628. 

Chirurgischen Beobachtungen im Re- 

gimentslazaret, Aus — (20). 

—, Abteilung, Uebersicht der Tätig¬ 
keit der-des Militärhospitals 

in Kars (46). 

Chirurgischer Instrumente, Ueber die 
Sterilasation (16). 

Chloräthyl narcose (1). 

Chloroformnarcose m. d. Harconot- 
schen Apparat (2). 

Chlorose, larvierte 532. 

Cholaemie u. verschiedenen patholo¬ 
gischen Zuständen während der 
Schwangerschaft, Ueber den Zu¬ 
sammenhang zwischen der (16). 

Cholelithiasis, Ein Fall von (5). 

—, chirurgische Behandlung der 85. 

— und Pankreaserkrankungen 95. 

Cholera, Verlauf der — während der 

Epidemie des Jahres 1908 in Russ¬ 
land (27). 

—, Die — in Odessa im Sept. 1908 
(40). 

—, Die Epidemie der asiatischen — 
im Herbst 1908 in Rostow a/D. (4). 

— u. nervös-geistige Erkrankun¬ 
gen (54). 

—, Schutzimpfung gegen die — in 
Zarizyn während d. Epidemie 1908 
(54). 

—, 2 Fälle von Rückfalltyphus u. 
asiatischer (54). 

—, Complicationen der — nach d. 
Material des Obuchow-Männer- 
hospital 1908 (54). 

—, Ueber die Reaction der comple- 
mentbildenden Stoffe bei asiati¬ 
scher (39). 

—, Zur Frage über die mikroskopi¬ 
schen Veränderungen der Nerven 
bei (39). 

—, Ueber die Behandlung der — mit 
systematischer Anwendung grosser 
intravenöser Eingiessnngen physio¬ 
logischer Kochsalzlösung (39). 

—, Ueber den Opsoninindex bei 
(39). 

—, Zur Frage über den klinischen 
Verlauf u. die Behandlung der —* 
auf Grund der Beobachtungen im 
Nishni-Nowgorodschen Stadthospital 
für Cholerakranke im Herbst 1907 
(28). 

—, Kali hypermanganicum bei der 
(46). 

—, 2 Fälle von Tetanie bei (67), 


Original fro-m 

UNIVERSITf OF MICHIGAN 



io. 


St. Petersburger Medicinische Wochenschrift. Ms 53. 


Mk 


Choleraabteilang, Bericht u. klinische 
Beobachtangen in der — des Ma¬ 
rienhospitals während der Epide¬ 
mie vom 25. Aug. — 20. Dec. 1908. 
(40). 

Choleradiagnose ohne Obduction, 
Einige Fälle postmortaler (27). 

Choleraendotoxin, Das — o. Anti¬ 
endotoxin (Anticholeraheilserum) 
(57). 

Chöleraepidemie in Petersburg im J. 
1908, Zar Statistik der (27). 

—, Allgemeine Beobachtungen über 
die — 1908—9 aus dem mftnnl. 
Obuchow-Hospital in St. Petersburg 
(67). 

— 1907—1908 in Kurland (64). 

— iu Kiew 1907, Beobachtungen 
über die (13). 

— 1908—9 nach den Ergebnissen 
des Obuchow-Männerhospitals (64). 

— bei Kindern im Jahre 1908, 
Ueber die (57). 

Choleraepidemien Ueber das Gesetz 
der Entwickelung der (28). 

— in Moskau früher u. jetzt (27). 

Choleraerkrankungen, Die Curve der 

— u. d. atmosphär. Niederschläge 
(64). 

Choleraheilserum, Zur Frage vom 
449*. 

Cholerairapfung während d. Schwan¬ 
gerschaft, Die präventive (44). 

Cholerakranken, Die bacteriologische 
Untersuchung der — während der 
letzten Epidemie (27). 

—, Beobachtungen an (34). 

—, Ueber die Infustion von physio¬ 
logischer (7 °/oo) Kochsalzlösung 
bei der Behandlung von (57). 

Choleraschutzimpfung, Zur Frage der 
210*. 

Choleraschutzimpfung, in St. Peters¬ 
burg, Einige Daten über (34). 

Choleratoxine, Ueber (56). 

Choleravibrionen, Ueber das Verhalten 
der — zum Mageninhalt des 
Menschen (13). 

—,? Wie wirkt das Salzen von 
Fischen auf (21). 

—, Zur Frage der Diagnostik der 
(28). 

—, Das Gerinnen der Milch u. der 
Finfluss dieses Processes auf die 
(28). 

—, Zur Frage über d. Durchgangs¬ 
fähigkeit der — R. K o c h s durch 
die Darm wand in d. Gewebe u. 
Organe (34). 

—, Einfluss einiger Bedingungen auf 
die Lebensfähigkeit u. Agglutination 
der (40). 

—, Ueber die Lebensfähigkeit der — 
bei Culturen auf Früchten (46). 

—, Wuchs u. Virulenz der — auf 
einzelnen Nfthrböien (57). 

—, Vorkommen von — bei von der 
Cholera Genesenen (57). 

Cholesteatoms, Wesen u. Entstehung 
des (36). 

Cholins, Ueber die physiologische 
Wirkung des 260, (41). 


Chörionhpitheriom der Vagina 42. 

ChorioDepithelioms Die Behandlung 
des (16). 

Clitoris, Zur Frage der Verletzung 
der — während d. Schwangerschaft 
( 10 ). 

Cocainismus (4). 

Coitusverletzung, Ein Fall von 259*. 

Colitis membranacea, Ein Fall von 

--corapliciert durch Phospha- 

turie (35). 

Collargol Cred6, Zur Frage über die 
bäcterioide Wirkung des (41). 

Compendium d. modern. Electro- 
medicin 31. 

— der Verbandlehre 79. 

Concentration, resp. Aufmerksamkeit 
u. psychische Arbeitsfähigkeit bei 
Epilepsie (26). 

Concentrierung bei Schwachsinnigen, 
Versuch einer experimentellen 
Untersuchung des Processes der 
(17). 

Condylomen, Spirochäta refringens 
bei spitzen (32). 

Congress,d. 1. russ. oto-laryngologische 
43. 

—, Der erste allrussische — der 
Fabrik-Aerzte u. Vortreter der 
Fabrik-Industrie in Moskau 291, 
807, 352. 

Congresses, Protocolle des I. Balti¬ 
schen Aerztecongresses 665, 684. 

Conjunctivalreaction, Ueber den dia¬ 
gnostischen u. prognost. Wert der 
382. 

Conjunctivitis Parinaud, klinische Be¬ 
obachtungen über die sogenannte 
(26). 

Conservierung derOrgane des menschl. 
Körpers (13). 

Cowperschen Drüsen, Entzündung 
der (60). 

corticalen, die — augenbewegenden 
Ceotren beim Menschen (14). 

Coxitis 89*. 

Coxitisbehandlnng 31. 

Creeping disease. Zur Aetiologie der 
(60). 

Crupöser Pneumonie, Recidive bei 
65. 

Cutis verticis gyrata, Ursprung der 
(61). 

Cyste, Ein Fall von — der Träuen- 
drüse bei gleichzeitiger Verlagerung 
der Drüse (26). 

Cysticercus des Oberkiefers, Ent¬ 
fernung auf intranasalem Wege (16). 

Cystoskopie, Die 608. 

Cytodiagnostik, Die Bedeutung der 
— bei syphilitischen Erkrankungen 
des Nervensystems 121*. 


D. 

Dammrisses, Zur Casuistik eines 
centralen (45). 

DampfdesinfectionBk&mraer ohe Dampf 
nach dem System von P. Prochorow 


Dariersdher Krankheit* Ein Fall Von 

(60). 

Darm, Anwendung der Dr&btnaht bei 
Operationen am (9). 

Darmblutungen nach Operationen v. 
eingeklemmten Hernien (2). 

Darmerkrankungen bei Kindern, Pa¬ 
thogenese der (48). 

Darmfistel nach Operation einer ein¬ 
geklemmten Hernie, Eine (16). 

Darmflora, Die wichtigsten Bacterien- 
typen der — beim Säugling 543. 

Darmiuhalt, Nachweis von Blut im 
(13). 

Darmocclusion u* Schwangerschaft (9). 

Darm Verschluss infolge von Darmein- 
klemmang durch einen Mesenterial- 
sträng d. Meckelscben Divertikels 
(ßl). 

—, Ueber acute Magendilatation und 
arterio-mesenterialen 331*. 

Dauerresultate der Therapie des Ulcus 
rotundum ventriculi 1* 

Decapsulation der Nieren (Edebohlsche 
Operation) Ueber den Einfluss der 
(30). 

Degeneration, Fraget der — u. der 
Kampf mit dieser (25). 

—, Morel u. die moderne Lehre über 
die psychischen Zeichen der (25). 

Dementia praecox, Aufmerksamkeit, 
psychische Arbeitsfähigkeit und 
spontan anftretende Associationen 
bei Kranken mit (16). 

Dermatitis, Ein Fall von — exfolia¬ 
tiva chron. (31). 

Dermatologische Vorträge für Prac- 
tiker 247. 

— Propädeutik 419. 

dermoiden Geschwülste, Zar Casuistik 
der — — des Eierstockes (30). 

Desinfection der Hände n. des Ope¬ 
rationsfeldes mit Spiritus u. Jod 
(43). 

Desmoidreaction, Ueber die Sahllsche 
532. 

Diabetischer, Notwendigste Angaben 
f. d. Kostordnnng 112. 

Diabeticnm, Koma — u. seine Behand¬ 
lung 141. 

Diätbehandlung inneier Krankheiten, 
Vorlesungen über 458. 

Diätetik, Specielle des Lungen- u. 
Kehlkopfschwindsüchtigen 682. 

Diätetisch-physikalische Therapie in 
d. tägl. Praxis 54. 

Diätetische Kochkunst 493. 

Diätvorsohriften für Gesunde and 
Kranke 683. 

Diagnose, Specielle — der inn. Krank¬ 
heiten 112. 

Diagnostik, Medicinische 696. 

Diagnostische Bedeutung der Probe 
auf Pepton (13). 

Dickdarms, Ueber die idiopathische 
Dilatation des (1). 

Differentialdiagnose der Abdominal» 
tumoreu 61*. 

Differentialfärbnng, Gleichseitige — 
von Bindegewebe, Muskelgewebe 
u. elask Fasert 94. 


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Original fro-m 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 



im. 


St. Petersburger Medicinische Wochenschrift M 52. 


11. 


Difh«zlo»atheorle des Blutkreisläufe, 
Die 411*. 

Digalen bei Erkrankungen des Herzens 

^ (4). 

Digitalone, Bin nettes Digitalispräparat 
64. 

Dimethylamidobenzaldehyd - Reaotion, 
Ueber d. Bedeutung der Ehrich- 

sehen-- in d. Klinik d. psych. 

Krankheiten (62). 

Diphtherie der Neogeborenen u< der 
Säuglinge (56). 

—, Ueber Pyocyanasebehandlung der 
141. 

— u. Erysipel der Nase (88). 

DiphtheriereeidiY, Ein Fall von (24). 

Diphtherietoxin o. Antitoxin 41. 

Diplegia facialis (25). 

Diplococcenepldemie, Eine Influenza- 
ähnliche 662. 

Diplococcusart, Eine neue —: Tetra- 
diplococcus flliformans Lodzensis 
(23). 

Diplosa), ein neues Salioylpräparat 
156. 

Dissociatio ventriculorura, Ueber- 

cordis nenrogenetica u. ihre klini¬ 
sche Bedeutung (28). 

Diärese, die heutigen Methoden zur 
Anregang der 64. 

Doppeltkathodenröhren, Die gleich¬ 
seitige Aufnahme d. beiden Nieren 
mittelst 531. 

Drahtnaht bei Operationen an d. 
Scheide u. am Darm (9). 

Drillinge, Ausgetragene (56). 

Drillingsschw&ngerscbaft mit beson¬ 
derer Berücksichtigung des Pia- 
eentarsitzes 560. 

Ductus thoracicus, Zur Frage der 
Verletzungen des —- — u. d. Fälle 
v. Chylothorax u. Ascites chylosus 
(63). 

Dosebemassage bei Beschäftiguogs- 
neurosen 624. 

Dysenterie, Ueber die Anwendung 
des Metschnikowschen Laktobacil- 
Jins bei (23). 


E. 

Echinococcus, Ein Fall v. — d. 1. 
Pleurahöhle (2). 

—, Ein Fall v. — d. Herzens (5). 

—, Die eosinophile Leukocytose, als 
diagnostisches Kennzeichen des 
(23). 

— hydatidosus, der Bau der Kap¬ 
sel des 431. 

Eier, Die Entwickelung menschlicher 
100 . 

Eierstockes, Rolle des — im Orga¬ 
nismus (56). 

Einfache Hilfsmittel zur Ausführung 
bacteriol ogischer Untersuchungen 

16. 

Eisentherapie, Theorie u. Praxis der 
683. 

Eiten, diago. Bedeutung des (4). 


Eiweissbestimmung, Schuellmethode 
zur — im Harn 607. 

Eiweisses im Urin. Vergleich des 
Wertes d. Methoden v. Essbach 
u. Tschnly bei d. Bestimmung des 
(48). 

Eiweissproben, Ueber den Wert zweier 
neuen 37*. 

Eiweisssubstanzen, Ueber (48). 

Eklampsie, Die Nierendeoapsnlation 
bei der 190. 

—, Therapie der (29). 

—, Zur — der Schwangeren, Kreis¬ 
senden n. Wöchnerinnen 489*. 

Ekzemformen, Behandlung einiger — 
durch Cauterisation der Wirbel¬ 
säule mit dem Paqueliu (31). 

Ekzems, Zur Klinik n. Therapie des 
constitutioneilen Säuglings— 141. 

—, Diagnose und Therapie des 261. 

—, Behandlung des — mit d. Uviol- 
lampe 532. 

—, Therapie des 684. 

Electromedicin, Compendium der 
31. 

Elektropathologie, Atlas der 605. 

Empyem der Kieferhöhle, Resection 
der Nasenwand der Kieferhöhle bei 
chronischem (38). 

Encephalitis oder otitischer Abcess 
13*. 

Encyclopädie der pract. Medicin 80. 

Endometrititiden, Ueber die Behand¬ 
lung von (30). 

Endotheliora der Lymphdrüsen, Ein 
Fall von primärem (33). 

Engem Becken, Behandlung der Ge¬ 
burten bei 561. 

Entartuugsfrage, Zur 361. 

Entero-Gastroentero- u. a. Anasto- 
mosen, Eine neue Methode zur 
Bildung von (43). 

Entgiftung, Die perentane 289. 

Entwickelungsfehler, Znr Casnislik 
der — der welbl. Geschlechtsorgane 
( 10 ). 

Entzündungen der Nebenhöhlen der 
Nase, Zur Behandlung der acuten 
u. subacuten (11). 

Enuresis (46). 

Epididymitideu, Znr Behandlung go¬ 
norrhoischer u. traumatischer — 
mit Stauungshyperämie (37). 

Epilepsie nach Schädelverletzung 101. 

—, Das Grenzgebiet der 320. 

—, Operative Behandlung der idio¬ 
pathischen (50). 

Epiphyse des Radius, Ueber trau¬ 
matische Lösung der unteren 
(43). 

Epitheikörper, Zur Physiologie u. 
Pathologie der 618*. 

Ergebnisse der inneren Medicin u. 
Kinderheilkunde 42. 

Erisypels, Zur Klinik und Bacterio- 
logie des (41). 

Ernährung der Säuglinge, Die 509. 

—, Die Wege der foetalen 683. 

Ernährungslehre, Zur 123. 

Ernährnngs-Therapie, Grundzüge der 
-auf Grund der Energetik 467. 

Erythrocytosis (3).. 


Estoral u. seine Verwendung in d. 
Laryngo-Rhinologie 877*. 

Eucerin, Die Behandlung der Ich- 
tyhosis mit 201. 

Evaooation, Verbandplätze a. (3), 

— der Schlachtfelder und der 
Transport der Verwundeten im 
russisch-japanischen Kriege, Die 
( 21 ). 

Evacuations-Commission, Der Sortie- 
rungspnnct der (46). 

Excision der Funiculargefässe bei der 
radicalen Herniotomie 94. 

Exophthalmos and other signs in 
chronic nephritis 607. 

Exsudaten, Ueber die Unterscheidung 
v. Transsudaten u. (12). 

Extractum Bolodiae fragrantis (Boldo- 
verne) Einfluss des — auf d. 
Magenverdauung (5). 

Extraperitonealer n. traosperitonealer 
Kaiserschnitt 110*. 

Extrauteringravidität, Zur Casuistik 
der (56). 


F. 

Familienmord dnreh Geisteskranke 58. 
Farbensinnes, Psendo-isochromatische 
Tafeln zur Prüfung des 821. 
Farbensinnstörungen n. ihre Diagnose, 
Einführung in die Kenntnis der 
220 . 

Febris recurrens (s. a. Typhus recur¬ 
rens) Atoxyl bei (4). 

-, Ueber Reinfection der (13). 

-, Ein Fall von hämorrhagischer 

Pleuritis und Erkrankung des N. 
facialis bei (24). 

-, Complicationen von Seiten d. 

Ohres, d. Nase n. d. Halses bei 
(47). 

Ferment, Ueber d. Einfluss hoher 
Temperaturen auf d. diastatische 

(34) . 

Festsitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte 247, 261, 273. 
Fettfärbung, Nilblau- 105*. 

Fibrolysiu (6). 

Fibrom, Ein vom lig. rot. ausgehendes 
(44). 

Fibromyoma parietis lateralis dextrae 
vaginae (29). 

Fibromyome, Zur Frage der Corapli- 
cation der—durch Gravidität (10). 
Fischnahrang, Einfluss von — auf d. 

Stickstoffumsatz (31). 

Fistel, Ein Fall von gallenbronchialer 
(27). 

— u. Drainagegänge, Zur Be¬ 
handlung der (36). 

Fistula gastrocolica, Zur Frage der 

(35) . 

Fleischconserven, Ueber bacteriologi- 
sche Untersuchung auf Sterilität 
von —, hergestellt nach der Methode 
von J. Raptschewski n. N. 
Iwanow (21). 

Foetor ex ore (38). 

Folie, Travail et 288. 


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Original frem* 

UNIVERSETY OF MICHIGAN 



12. 


St. Petersburger. Medicinische Wochenschrift. JMs 52. 


1909. 


Fractures, Treatment of ununited — 
of ihe neck of the femur 79. 

Frauenkrankheiten, Zur Behandlung 
von — mit Röntgen-Strahlen (50). 

Frauenärzte, Taschenbuch für 646. 

Frauenleiden, Günstige Beeinflussung 
von Periodenbeschwerden u. — 
durch Röntgenstrahlen 595. 

Fremdkörper in der Trachea (11). 

— der Atmungswege bei Kindern 

( 12 ). 

Frucht- n. Beeren Wässer, Moussierende 

-— u. Limonaden (14). 

Frühdiagnose u. Behandlung des Kehl¬ 
kopfkrebses (13). 

Frtthlingskatarrh, Zur pathologischen 
Anatomie des (26). 

Furunkel, Ueber die Behandlung der 
— mittelst der Bierschen Saug- 
hyperfimie 191. 

Furunkulose, Zur Aetiologie der 
(35). 

—, Ein Beitrag zur Vaccinetherapie 
der — nach Wright (41). 


Gh 

Gabritschewskische Vaccine, Ueber die 
(40). 

Gaffky-Eberthscher Bacillus, Ein Fall 
von primärer eitriger Nephritis, 
hervorgerufen durch (24). 

Gallenblase, Abscess der (5). 

Gallenblasenperforation 18. 

Gallensteine, Ueber Indicationen u. 
Technik der operativen Behandlung 
der 237*. 

Ueber e. Fall röntgenographisch 
nachgewiesener 523. 

—, Ueber die Structur u. die Patho¬ 
genese der 585. 

Ganglion Gasseri, Zur Frage ttber d. 
Technik d. Exstirpation des (36). 

--, Ueber die physiolog. Exstirpa¬ 
tion des (43). 

Gangrän d. Füsse in d. Nachgeburts¬ 
periode (37). 

—, Ueber angiosklerotische — bei 
jugendlichen Individuen 645. 

Gaoljans und der Tschumisa, Der 
chemische Bestand des (24). 

Gasphlegmone, Ein Fall von (19). 

gastric ulcer, Remarks on the treat- 
ment of — by immediate feeding 
467. 

Gastritis, Zur Casuistik der phlegmo¬ 
nösen 201. 

Gastroenteroanastomose u. Magenre- 
section 689*. 

Gastroenterostomie bei Strictur d. 
Pylorus (2). 

Gebärasyls, Bericht über d. Tätigkeit 
des (44). 

Gebärmutter, Ueber d. chirurgische 
Behandlung der Senkungen u. des 
Vorfalls der — u. d. Scheide (45). 

Gebärmutterblutungen Behandlung der 
— mit Serum. 272. 

Gebärmutterkrebs, Resultate des 
Kampfes gegen den (9). 


Gebärmntterkrebses Aufruf z. Be¬ 
kämpfung des 503*. 

Geburtshilfe u. Gynäkologie (9). 

—, Massnahmen zur Verbesserung 
der (9). 

—, Ueber moderne Bestrebungen in 
der — 180*. 

—, Ergebnisse der — u. Gynäkologie 
661. 

geburtshilfliche Abteilung des So¬ 
phienhospitals, Die (44). 

— Seminar, Das 624. 

Gefässe Veränderungen der — bei 
ihrer Entblössung (49). 

geheilt, Kann ich — werden? 480. 

Gehirnabscesse, Zur Casuistik der — 
u. eitrigen Meningitiden (63). 

Gehirncyste 66. 

Gehirns Die Pathogenese der Unregel¬ 
mässigkeiten des Herzrhythmus 
bei Krankheiten des (13). 

Gehirnvolumen, Einwirkung von ther¬ 
mischen Hautreizen auf das 623. 

Gehörganges, Exostosen des äusseren 
— bei e. Minderjährigen (38). 

Gehörorgans, Zur Frage der sogen, 
arteficiellen Erkrankungen des — 
bei Soldaten (38). 

Geisteskranke, Die Moskauschen Pa¬ 
tronagen für (41). 

—, Die Hilfsorganisation für — in 
Kriegszeiten (62). 

Geisteskranker, Ein Versuch zur 
Familienpflege (18). 

—, Die Pflege 272. 

—, Familienflege (61). 

Geisteskrankheiten im Zusammenhang 
mit den politischen Ereignissen in 
Russland (21). ' 

—, polit. Leben u. (6). 

—, die Chirurgie bei (7). 

—, u. Hautkrankheiten (10). 

—, Ueber die Bedeutung psychi¬ 
scher Ursachen in der Aetiologie 
der 197*. 

Gelatine, Verwendung yoü — zur Be¬ 
festigung v. Präparaten in Stand- 
gefässen (63). 

Gelenkrheumatismus» die therapeu¬ 
tische Wirkung des salicylsauren 
Natrons auf d. acuten (13). 

Genealogie, Medicinische 254*. 

Genieproblem. Das 305. 

Genitalapparat, Die gutartigen Wuche¬ 
rungen des Epithels im weiblichen 
(55). 

Genitalapparates, Ueber den Zusam¬ 
menhang der Erkrankung des weib¬ 
lichen — und des Darmes (41). 

Genitalorgane, Zur Casuistik der 
Bildungsfehler der weibl. (44). 

Geräusche, Ueber d. diagnost. Be¬ 
deutung diastolischer — über Er¬ 
weiterungen der Aorta 541. 

Gerichtliche Medicin der Chinesen 
156. 

Gerinnungsgeschwindigkeit des Blutes 
u. dessen Gehalt an Erdalkali- 
Metallen (48). 

Geschichte der Medicin 662. 


Geschlechtsorgane, Zur Casuistik d. 
Entwicklungsfehler der weibliohen 
( 1 °). - • 

—, Ursachen u. operative Behand¬ 
lung des Prolapses der weibl. 
( 10 ). 

Geschmackscentrum, Zur Frage über 
das corticale (26). . 

Geschwülste, Eine neue Hypothese 
über Ursachen und Wesen bösar¬ 
tiger 192. 

—, Gleichzeitige Entwickelung 3 ver¬ 
schied. bösartiger — bei einer 
Person (36). 

— in der Bauchhöhle, Ueber e. 
Symptom zur Differeutialdiagnose 
der (44). 

Gesichts, Verletzungen u. Chirurg. 
Krankheiten des 54. 

Gicht, Ueber die 159*. 

—, Die 184*. 

Glaukom 102. 

Glaukoms, Ueber die Therapie des 
660*. 

— Ueber die pathologische Anatomie 
und Pathogenese des primären 654*. 

Gliom — d. Netzhaut (8). 

Gonococcen, Ueber Fehlerquellen bei 
Untersuchungen auf (10). 

Gonorrhoe, Entstehung u. Heilung 
der acuten (des acuten Stadiums) 
der 682*. 

Gonorrhoica, Arthritis, zur Statistik 
der 59*. 

Gonorrhoische Peritonitis, Ascendie- 
rende (61). 

Granulom, malignes des lymphatischen 
Apparates 55. 

Gravidität, Zur Frage der Compli- 
cation der Fibromyome durch 
( 10 ). 

—, beider Faloppischen Tuben. 
Gleichzeitige (22). 

Greisenkrankheiten, Lehrbuch der 
371. 

Grenzgebiet, Das — * zwischen Gy¬ 
näkologie, Chirurgie u. Urologie 
(44). 

Grenzgebiete der Medicin 532. 

Grundriss der allgemeinen Sympto¬ 
matologie 54. 

Grnndzüge der allgemeinen Chirurgie 
u. chirugischeü Technik 42. 

Gujasanol (5). 

Gumma, Ein Fall von — des 1. Vo£- 
hofes (13). 

Gumma der Netzhaut, mit Mergal 
geheilt 200. 

Gummöse Vaginitis 99. 

Gynäkologie 65. 

— und Geburtshilfe (9). 

—, Allgemeine 542. 

Gynäkologisches Vademecum (95). - 

Gyrus cinguli, Zur Frage über den 

histologischen Bau des — beim Men¬ 
schen (42). 

K. 

Hachich, Le. 289. 

halbcirkelförmigen Canäle, Die- 

als System des Gleichgewichts (38J. 


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Original fro-m 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 



1900. 


St. Petersburger Medicinische \Vochenschrift. JSß 52. 


Halsh 4 Ohren/, o. Nasenkrankheiten 

( 11 ). 

—, kn Tussich-japanischen Kriege 

. (38). 

Hämangiom der Orbita (62). 

Hämatom der Scheide n. d. änss. 
Geschlechtsteile (9). 

—, der Vulva. Ueber das 269*. 

Hfmatomyelie (7). 

Hämoglobinurie — u. Hämolyse 15. 

Hämolytische Reactiön Bordet-Was¬ 
sermann in der chirurgischen Kli¬ 
nik (59). 

Hämorrhoiden bei Kindern, Physio¬ 
logisch • klinische Studien über 
<36). 

Hämorrhoiden, Ueber die Behandlung 
der — mittelst hochgespannter 
Strötae. (16). 

Hämorrhoisid. Ueber 174. 

Handbuch der allgem. Pathologie 16. 

--physiolog. Methodik 17. 

—* — Krankenpflege 65. 

— — ärztlichen Sachverstäudigen- 
Tfitigkeit 495. 

Harn, Quecksilberausscheidung durch 
den (6). 

Harnblase, (s. a. Blase) Das einfach 
perforierende Geschwür der (60). 

: —. Ein seltener Fall v. Fremdkör¬ 
per in der (36). 

Harnsäuremenge, Zur Methode der 
klinischen Bestimmung der (23). 

Hautkrankheiten, Therapie der 31. 

—- und Geschlechtskrankheiten, Lehr¬ 
buch der 30. 

—, Zur Röntgenbehandlung der 
191. 

Hautkrebses, Ueber die Behandlung 
des (10). 

Hautveränderung, Zwei Fälle von 
simulativer (31). 

Hebosteotomie, Zur Casuistik der 
(46). 

—> Ueber spätere Geburten nach 
(45). 

Hefepilzerkrankungen, Die — der 
Haut (Blastomycosis) 463*. 

Heine-Medinsche Krankeit 21* 34. 

Heilschlamm, Der — u. seine Mi¬ 
kroorganismen (54). 

Hemiplegiker v Zur Behandlung der 
Spätcontracturen der 174. 

Hemitonie, Zur Frage der (25). 

höpatiques, Les läsions — d’origine 
appendiculaire et leur retentisse- 
ment gastrique 122. 

Hermaphroditismus, Ueber 202. 

Hernia intercostalis ventralis. Fall 
v. (61). 

Hernie, Eine Darmfistel nach Opera¬ 
tion einer eingeklemmten (16). 

Hernien, Zur Frage der — der Linea 
alba (50). 

Hernien, incarcerierte 100. 

—, Zur Frage der Reposition incar- 
cerierter (16). 

—, Zur Casuistik der vermeintlichen 
Reposition der eingeklemmten (35). 

—, Congenitale — d. Diaphragma 531. 


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Ir 


Hernien, Casuistik der seltenen 

(60). 

Herniotomie, Excision der Funicu- 
largefässe bei der radicalen 94. 

Herz, Die physiologische Wirkung 
der Ureide auf das — der Kalt- 
u. Warmblüter (13). 

—, Einfluss des farad. Stromes und 
der Franklinisation auf das (34). 

Herzapparates, Ueder d. Bau u. d. 
Tätigkeit des (13). 

Herzarhythmien 371, 

Herzdilatation Die Beeinflussung der 
— durch koblensäurehaltige Bä¬ 
der. 219. 

Herzens, Klinische Beurteilung ein¬ 
zelner Methoden d. Untersuchung 
d. functionelleu Tätigkeit des (34). 

—, Acute Ueberanstrengung des — 
u. deren Behandlung 123. 

—, Digalen b. Erkr. des (4). 

—, Ein Fall v. Missgestaltung des 
( 4 )- 

—, Echinococcus des (5). 

—, Zur percntori8chen Grössenbe¬ 
stimmung des 637*. 

—, Ueber d. gleichzeitige Registra- 
tion verschied. Teile des — u. d. 
Blutdruckes (14). 

Herzkranke im Gebirge 229. 

Herzkrankheiten, die gegenwärtige 
Diagnostik der (34). 

Herzmittel, Auwendung von. Chlor¬ 
calcium als (54). 

Herzrhythmus, Die Pathogenese der 
Unregelmässigkeiten des — bei 
Krankheiten des Gehirns (13). 

Herzruptur, Ein Fall von 561. 

Herzspitze, Zur Symptomatologie des 
ersten Tones über der (ß). 

Herztätigkeit, Ueber den normalen 
Ausgangspunkt der — und seine 
Aenderung unter pathologischen 
Umständen 347. 

Herztones, Ueber die Entstehung des 
zweiten (13). 

Hilfsbuch zum Anlegen chirurgischer 
Krankengeschichten 79. 

Hirnabscesse, Die oti tischen (60). 

Hirnbruch, Fall von congenitalem 

(50) . 

Hirnkrankheiten, Ueber das Fehlen 
der Wahrnehmung der eigenen 
Blindheit bei 53. 

Hirnrinde, Die Untersuchung der 
Functionen der (18). 

Hirntumor 98. 

Histologie, Grundzüge der Allgemei¬ 
nen Pathologischen 191. 

Holzspiritus, Ueber giftige Wirkung 
des denaturierten (34). 

Hörens, Die G. Zimmermannsche 
Theorie der Mechanik des 423*. 

Hornhaut, Ein Fall von Leprom der 

(51) . 

—, Ein Fall von doppelseitiger pe¬ 
ripherer Ectasie der (52). 

Hörprüfung, Die — u. deren Ver¬ 
wertung bei der Untersuchung d. 
Wehrpflichtigen 524. 

Hospital, Bericht a. d. Moskauer 
Sophien-Kinder— (4). 


Hospital bauten im Kampfe mit Ip- 
fectionskrankheiten 585. 

Hüftgelenksluxation, Die Pathologie 
und Therapie der congenitalen 
(50). 

Hüftgelenkverrenkungen, Ueber trau¬ 
matische 118*. 

Hühnercholera, Ueber Antiphagine 
des Mikroben der (40). 

Hydrocele testis (2). 

-im Kindesalter 79. 

Hydronephrose 67. 

—, Ein Fall von — einer Wander¬ 
niere (12). 

Hydrotherapie der Tabes dorsal ip, 
Die 129*. 

Hygiene, Leitfaden d. 17. 

— d. Sitzens (4). 

—, Wochenschrift für Therapie und 
— d. Auges 550. 

—, Atlas u. Lehrbuch der 609. 

Hygienische Grausamkeiten gegen Kin¬ 
der 543. 

Hyperacidität, Alkalitherapie hei 
645. 

Hyperaciditätszustände des Magens. 
Untersuchungen zur medicamen- 
tösen Therapie der 228. 

Hyperemesis gravidarum und Adre¬ 
nalintherapie 583. 

Hypernephrome, Zur Chirurgie der 
(49). 

Hysterie im Kindesalter (8). 

—, Klinische Beiträge zur Lehre von 
der 128. ; 

—, Zur Frage üb. d. Wesen der 
(62). 

Hysterische Hyperthermie oder Fie¬ 
ber? (25). 


I- 


Ichthalbin 127. 

Ichthyosis. Die Behandlung der -— 
mit Eucerin 201. 

Immunität, Vorlesungen über Infec- 
tion u. 467. 

Immunitätsforschung, Jahresbericht üb. 
die Ergebnisse der 65. 

—, Die Krise in der 468. 

Immunkörpern, Vorläufige Mitteilung 
Uber die Behandlung mit 141. 

Implantiernog, Zur Frage über die — 
von embryonalem Gewebe (28). 

Impotenz, Beitrag zur Pathogenese 
u. Behandlung der — beim Manqe 
( 11 ). 

Incontinentia, Casuistik der — urinae 
bei Kindern (54). 

Induratio lienis flbrosa (68), 

inneren Krankheiten, Kurzgefasstes 
Lehrbuch der 650. 

innerer Krankheiten, Das Indications- 
gebiet des Alcohols bei der Be* 
Handlung 288. 

-Pathogenese 362. 


Original fro-m 

UNIVERSITf OF MICHIGAN 



14. 


St. Petersburger Medicinfsche Wochenschrift. N2 52. 


1909. 


Infectton, Schotzmitttel gegen 35* 

— tuberoulöse und tuberculöBe Er- 
krankang 122. 

Vorlesungen über — und Immu- 
nität 467. 

Infectionskrankheiten in der Mand¬ 
schurischen Armee: Acute (21). 

, Die Methode v. Bordet u. Gengon 
bei einigen (48). 

Influenza, Zur Casuistik der Blutun¬ 
gen bei (12). 

— Conjunctivitis, Eine 219. 

Die — in epidemiologischer und 
hygienischer Beziehung (41). 

Inguinalhernie, Fall von linksseitiger 
—, welche das Coecum mit Appen¬ 
dix enthielt (60). 

Inguinalhernien, Ueber artificielle u. 

: ‘ traumatische (51). 

—, 6 Fälle artificieiler (51). 

Intercostalneuralgie, Ueber (27). 

Irrenpflege, L. F. Ragosin u. d. — 
i. Russl. (8). 

—, im St. Petersb. Gouvernera. (8). 

—, Ueber die — im Zartuni Polen 
(42). 

Irrenpfleger, Leitfaden für 431. 

Irrigationsapparat, Ein — zur Be¬ 
handlung der Sexualnenrastheuie, 
Hämorrhoiden, Prostatitis u. chro¬ 
nischen Metritis mit constantem 
Wasserstrom ( 2). 

Ischaeinie der Netzhaut. Zur ope¬ 
rativen Behandlung der (26). 

Ischias Ueber die Behandlung der — 
mit Injectioneu von physiologi¬ 
scher Kochsalzlösung. (25). 

—i Die Inflltrationstherapie der sub¬ 
acuten und chronischen 623. 


0 “. 

Jahrbuch d. prakt. Medicin 30, 624. 

Jahrbuch für psychoanalytische und 
psychopathologische Forschungen 
348. 

Jahresbericht über d. Ergebnisse der 
Immunitätsforschung 65. 

— — — Fortschritte der Inneren 
Medicin 682. 

JaKa als Curort (64). 

Jodferratose in der Kinderheil¬ 
kunde 246. 

Jodglidine, Die Wirkung der — 
auf das Herz 547*. 

Jodpräparate (4). 


Kaiserschnitt (s. a. Sectio caesarea), 
Ueber extraperitonealen u. trans¬ 
peritonealen 110*. 

—, Ein Fall von — bei relat. Indi- 
cationen (9). 

—, Zwei Fälle von — an Mori¬ 
bunden (16). 

—, Wiederholter (29). 

—, der Dührsßensche — i. e. Fall 
von vorzeitiger Placentarlösung 
(44). 


Kaiserschnittes, Zur Casuistik des 
conservativen (45). 

Kala-Azar (26). 

—, Ein Fall von 642.' - 

Kehlkopfkrebses, Ueber Frühdiagnose 
u> Behandlung des (13). 

Kehlkopfs, Erkrankungen des —bei 
Syringobulbie (11). 

Kehlkopfs, Sensibilitätsstörungen des' 
(47). 

—, Zur Frage über d. späten Er¬ 
st! ckungsanfälle nach totaler Ex¬ 
stirpation des (35). 

Zur Casuistik der Fremdkörper 
des (47). 

Kehlkopftuberculose, Die allgemeine 
und chirargische Behandlung der 
(38). 

Kehlkopftuberculose, die Behandlung 
der (13). 

—, Pathologie und Therapie der 

494. 

—, Behandlung der (47). 

Kinderausflüge, Vergnügungen, Spiele, 
Beschäftigungen in den Gärten der 
Stadt Petersburg (23). 

Kinderbalsam, Toxischer Gesichtsver¬ 
lust nach Gebfauch v. gefälschtem 
(64). 

Kinderekzeras, Beitrag zur Therapie 
des constitutionellen 418. 

Kinderepilepsie 17. 

Kinderheilkunde, Einführung in die 
moderne 608. 

—, Ergehn, der 42. 

Kinderlähmung, Einige Fälle von —, 
behandelt mit Uebungstherapie 201.. 

Kinderpraxis, Therapeutisches Ta¬ 
schenbuch für die 261. 

Kleinhirns, Abscess des — otitischer 
Provenienz (30). 

Klinischen Untersnchungsmethoden. 
Lehrbuch der 645. 

Klumpfusses, Ueber die Behandlung 
des (19). 

Knochen, Wie verschaffen wir unse¬ 
ren Kindern gesunde? (79). 

Knochenbrüche der unteren Extremi¬ 
täten, Die ambulatorische Behand¬ 
lung der einfachen — mit Schienen 
und dem Apparat nach Prof. N. 
Wolkowitscb (15). 

—, Zur Behandlung complicierter 
(19). 

—, Die modernen Methoden der Be¬ 
handlung der (46). 

Knochenfische, Zur Morphologie eini¬ 
ger Skeletteile der 544. 

Knochentransplantation, Wiederher¬ 
stellung d. unteren Epiphyse des 
Humerus durch (46). 

Knochen- u. Gelenktnberculose, Or¬ 
thopädische Behandlung der 624. 

Knochenveränderungen, gonorrhoische 
und syphilitische (61). 

Koeliotomien, Ueber gynäkologische 
385*. 

Kohlensäure, Douchen von (4). 

Kolpitis, s. Vaginrtia. 

Koma, Das —diabeticum und seine 
Behandlung 141. • 


Kopfschmerzen, Ueber habituelle 
500*. 

Körpergewicht, Das —. des erwachse¬ 
nen Menschen bei normalem Er¬ 
nährungszustand u. seine Berech¬ 
nung 466. 

Körperpflege durch Wasser, Luft u. 
Sport 175. 

Kosmetik, Ein Leitfaden f. Amte 
683. 

Kostordnong, Notwendigste Angaben 
für d. — Diabetischer 112. 

Krankenpflege, Haqdbnch der 65. 

Krankenpflege in der Chirurgie, Die 

201 . 

Krankenstände im Felde n. ihre Ab¬ 
schätzung 30. 

Krankheit, Das Wesen der 608. 

Krankheiten, Rubricierong Von (6). 

—, — i. d. Mand8chur. Armee (6), 

—, Specieile Diagnose d. laueren 

112 . 

Krankheitsbegriff ln der Psychiatrie, 
693*. 

Krankheitsursachen und Disposition 
522*. 

Krebs (s. a. Carcinom), Die Resul¬ 
tate des Kampfes wider den Gebär¬ 
mutter— (9). 

— der Gebärmutter, compliciert 
mit Schwangerschaft. Uebetr (22). 

Krebsepidemie (5). 

Krebserregers, Die künstl. Züchtung 
des 17. 

Krebses, Statistik des — n. d. Ver¬ 
sorgung d. Krebskranken (36). 

— der Eierstöcke, Zur Frage 
über d. Resultate der operat. Be¬ 
handlung des primären (37). 

Krebsforschung (1). 

Krebsfrage, Ueber den gegenwärtigen 
Stand der 155. 

Krebsgeschwülste (54). 

Krebskachexie, Frage über die 
(57). 

Krebsneubildungen, Ueber die Wir¬ 
kung der Röntgenstrahleu auf 
(19). 

Kreissender, Frage <L Desinfection 
584. 

Kriege, Zur allgemeinen Charakteri¬ 
stik der Verwundungen im rus¬ 
sisch^ apanisehen (2.0). 

Krieges, Skizzen aus der ärztlichen 
u. chirurgischen Tätigkeit in Port- 
Arthur während des russisch japa¬ 
nischen (1904—1905) (20). 

Krigschirurgische Rück- u. Ausblicke 
vom asiatischen Kriegsschauplatz 
361. 

Kriminalistische Tätigkeit und Stel- 

* lang des Arztes 192. 

Kropfes, Erforschung des endemischen 
532. 

Kugeln im Körper, Zur Casuistik der 
Senkung von (19). 

Kumyscuren (6). 

Künstlich hervorgerufene Krank¬ 
heiten u. Beschädigungen der Glied¬ 
massen bei Personen, die zum Mi¬ 
litärdienst einberufen: sind (46). 


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UNIVERSfTY OF MICHIGAN 



St. Peterstürger 'Medicinrscbe Wochenschrift. Jsfe 52. 


15. 




' Tj 

Lübyriathfistel, Kllnisehe und patho¬ 
logisch-histologische Beiträge zur 
Frage der 219. 

Laennec scher Leberoirrbose, Aus¬ 
heilung des Bauchwassersucht in 
einem Falle von (13). 

Lagophthalmns 66. 

laryngealen Erscheinungen, Die •*- ^ 
bei multipler Sklerose des Gehirns 
und Rückenmarks 524. 

Laryngologen, Verhandlungen des 
Vereins Süddeutscher 494. 

Laryngologie, Geschichte der an 
der Universität Heidelberg seit der 
Erfindung des Kehlkopfspiegels 301. 

Laryngo-Rhinologen-Congresses, Ver¬ 
handlungen des 1. 624. 

Laryngostomie bei Perichondritis la¬ 
ryngis (47). 

Larynx, Lymphangiom des (8). 

Larynxsyphilis p. Rachensyphilis 155. 

Larynxtu bereu lose n. Gravidität 419. 

Leberatrophie u. Hufeisen niere. Ein 
Fall von acuter gelber (24). 

Lebercarcinom, Die morphol. Verän¬ 
derung des Blntes n. ihre diagnost. 
Bedentnng bei (35). 

Lebercirrhose, Ausheilung der Bauch¬ 
wassersucht in einem Falle von Laen- 
necscher (13). 

, Ueber Veränderungen der Bauch¬ 
speicheldrüse bei (22). 

Lebercy^ten Im Kindesalter, Ueber 
(28). 

Leberecbinococcus* pathologisch-ana¬ 
tomische Veränderungen der Kapsel 
(59). 

Lebererkrankungen, Zur Frage der 
fonctionellen Diagnostik der 
(63). 

UebergeschwUlste^ Zar Casuistik der 
melanotischen (35). 

Lebrbneh der Chirurgie 54. 

— Pharmakotherapie 41. 

— Nachbehandlung nach Opera¬ 
tionen 42. 

— Augenheilkunde 80. 

Leistenbröcbe, Die Art der Entste¬ 
hung u. d. Diagnostik kindlicher 
(31). 

Leistenhernien, Ueber congenitale 
(13). 

Leitfaden d. Hygiene 17. 

Lepra im Kreise Grobin, Die 439*. 

—, Wassermannsche Reactiou bei 
122 . 

Lepratherapie, Ueber den gegen¬ 
wärtigen Stand der 311* 327*. 

Lepraconferenz, Die IT. internatio¬ 
nale in Bergen 579*. 

Leprskolonie, Bericht über die — 
Krutyje Rutsclyi im Gouv. St. 
Petersburg während der Jahre 
1894—1909. 569*. 

Leptomeningitis, Eitrige — otogenen 
Ursprungs (41). 

L6sions häpatiqnes d'origine appendi- 
diculaire et leur retentissement 
gastrique 122. 

Leukämie 98. 


Leukeöyten, Zur Frage der Bildung 
der Opsonine and Antihämolysine 
aus (LI)» . , - ’ * * * 

Leukocytose, Die « lymphetreibende 
Wirkung dea Spiritus 1 und mecha¬ 
nische (23).,- 

Lichen roher pianus, Ueber die An¬ 
wendung v. Atoxyl bei Syphilis u. 
( 11 ). ... 

Licht, Ueber das in- Schulen und 
Werkstätten notwendige (26). , 

Liman, Ueber die Behandlung gynä¬ 
kologischer Affectionen 1 im Odes- 
saer (29). • ,. f 

Linse, Messende Untersuchungen über 
die Gelbfärbung der menschl.— 
u. ihren Einfluss auf d. Sehen 
381. j 

Lipom, Ein Fall von subfascialem 

( 2 ). 

Littlesche Krankheit 101- 

Lues, Ein Fall von — vom Lande 
in die Hauptstadt importiert 
( 10 ). 

— cerebri. Trauma und 295*. 

luetischer, Versuch einer Prüfuog 
der Psyche hereditär —• Kinder 
(32). • ; 

LnftschiFährt, Unfälle und Rettongs- 
massoahmen auf dem Gebiet der 
645. 

Luftwege, die Krankheiten der obe¬ 
ren 336. 

—, Ueber d. Verhältnis des Allge- 
meinzustandes zn d. Erkrankungen 
der oberen (36). 

Lumbalanästhesie (3). 

Lunge, Zur Casuistik der bösartigen 
Neubildungen der (48). 

Lnngeuabscess nach Friedlftnderscher 
Pneumonie, Ein Fall von (34). 

Luogencollapstherapie, Erfahrungen u. 
Ueberlegungen zur 381. 

Lungentuberculose, Neuere Gesichts¬ 
punkte bei der Behandlung der 
122 . 

—, Die Frühdiagnose der 399. 

Lungen- u. Kehlkopfschwindsüchtigen, 
Specielle Diätetik des 682. 

Lupus, Ein Fall von raschem Ver¬ 
schwinden von — erythematodes 
des Gesichts nach Entfernung tu- 
berculöser Lymphdrüsen am Halse 
(32). 

—, Ueber die Behandlung des — 
mittelst Tnberculihsalbe 191. 

Lupustherapie, Indicationen der — 
nach ihrem gegenwärtigen Stande 
443. 

Lyssa, Zur Casuistik der (48). 


3S/L> 

Magendilatation, Ueber aente — und 
arterio - mesenterialen Darmver¬ 
schluss 331*. 

Magengeschwürs, Durchbruch eines 
runden — in die freie Bauchhöule 
mit günstigem Ausgang nach der 
Operation* (57). 


t—, Zur diätetischen Behandlung des 
623. 

Mageninhalt, Ueber das Verhalten 
der Choleravibrionen zum — des 
Menschen (13).. 

—, Nachweis von Blut im (13). 

Magenkrankheiten, periodische 84’ 

Magenkrebs u. jMagetikrebsresection 
45*. 

Magenkrebses, Frühdiagnose des (6). 

Magenresection, Gastroenteroanasto- 
mose und 689*. 

Magens, Bedentnng der desmoiden 
Reaction für d. Bestimmung der 
fnuctiouellen Tätigkeit des — (4). 

—, Bestimmung d. unteren Grenze 
des 94. 

—, Zun Frage über primäre phleg¬ 
monöse Entzündung des (34). 

Magensaftes, Ueber d. Veränderung 
des — beim Transpirieren (46). : 

Magensaftsecretion, Einfluss einer 
24-tägigen Huügerperiode auf die 
229. 

Magnetismus, Anwendung des — zur 
Bestimmung der unteren Grenze 
des Magens u. v. Speiseröhren* 
Weiterungen 94. 

Malaria, Zar Frage des Kampfes 
gegen die (21). 

Malignes Granulom des lymphatischen 
Apparates 55. 

Mammilla, Die Lage der — beim 
Manne nnd die Bedentnng der 
Mammilla sinistra bei der Bestim¬ 
mung der Herzgreuzen (24). 

Mandschurische Flecktyphus, Der sog. 
-und sein Erreger (39). 

Marmorek, Ueber den therapeuti¬ 
schen Wert des Marmorekschen An- 
tituberculosserums 347. 

—, Ueber die Behandluug tubercu- 
löser Erkrankungsformen mit — 
Serum 347. 

Massage iqi Moorbade (12). 

Massendesinfection nach japanischer 
Methode, Ueber schnelle (28). • 

Mastoiditis nach traumatischer Trom¬ 
melfellperforation, Ein Fall von 
beiderseitiger eitriger 190. 

Maturilas praecox (10). 

Mediastino- Perikarditis, Rin Fall von 
schwieliger (35). 

Mediastinitis posterior, Ein Fall von 

-nach Stecken bleiben eines 

Fremdkörpers im Oesophagus (27). 

Mediastinum, Atlas der Anatomie 
des — im Röntgenbilde 494. 

Medicio, Jahrb. d. pract. 30, 624. 

—, Ergebn. d. inner. 42. 

—, Encyclopädie d. pract. 80. 

—, Wesen u. Wertschätzung der 
524. 

—, Geschichte der 662. 

Medicinisohe Terminologie 95. 

—, Logik 335. 

Mendelejew, Das Gehirn des Chemi¬ 
kers D. J. 696. 

Meningocele sacralis (50). 

Menschliche Körper, Der — r — in 
Sage, Brauch u. Sprichwort 229. 

Menses, vicarierende (9). 


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Original fro-m 

UNIVERSETY OF MICHIGAN 



16. 


St. Petersburger Medicinische Wochenschrift. Ns 5^. 




mercurielles, Le passiv des injections 
140. 

Mergal, Syphilisbehandlung mit 
382. 

Mershejewski, J. P. Gedächtnisrede 
auf (14). 

Mesenterialcyste, Maligne Degenera¬ 
tion einer 18 

Methodik, Handbuch der physiologi¬ 
schen 17. 

Militärdienst, Ueb. Tanglichk. znra 

( 6 ). 

Militärsanitätswesens, Ueber die ge¬ 
genwärtige Lage unseres 118*. 

Milzchirurgie, Zur (2), (59). 

Mineralwässer, Die Radioactivität der 
käuflichen kaukasischen (14). 

—, Ueber den Einfluss der — auf 
denVerdauungstractus. (24). 

Missbildungen der Finger, Ueber an¬ 
angeborene (45). 

—, Zur Casuistik der (45). 

Missed labour, Zur Casuistik u. ope¬ 
rativen Behandlung des (56). 

Missgeburten, Drei (10). 

Mitteilungen aus d. Gesellsch. pract. 
Aerzte zu Riga, s. Protocolle. 

—, aus der Augenklinik des Caroli- 
uischen Medico-Chirurgischen Insti¬ 
tuts zu Stockholm 141, 543. 

Mittelohrentzündung, Die Behandlung 
der acuten exsudativen — mildern 
farradischen Strom (47). 

Mittelohrerkrankungen (5), (6). 

Mittelohrkatarrhe, Behandlung der 
trockenen — mit Fibrolysin (38). 

Molluscum, Zur Pathologie des — 
contagiosum (32J. 

Momburg in der Geburtshilfe, Ueber 
die Anwendung der Blatleere der 
unteren Körperhälfte nach 272. 

Momburgscben Schlauches, Zur An¬ 
wendung des-bei atonischen 

Blutungen nach der Geburt 601*. 

Moorbad, Ueber Massage im (12). 

Morbus Addisonii (4). 

— Basedowii und seine operative 
Behandlung. Ueber 149*. 

— Basedowii, Häraatom’yelie u. 
(7) (s. a. Basedowsche Krankheit). 

— maculosus Werlhofli (13). 

Morphium, gastr. Krisen d. Tabetiker 

hervorgerufen durch (7). 

Morphologie der Neurofibrillen (8). 

Mortalität d. Rekruten (6). 

Moussierende Frucht- u. Beerenwässer 
u. Limonaden (14). 

Mucocele ethmoidalis, Ein Fall von 
(30). 

Muskelatrophie, Zur Frage über die 
Pathogenese der centralen (42). 

—, Beitrag z. neuralen progressiven 
504. 

Muskelcontracturen, nene Gelenkbild, 
bei (6). 

Muskelplastik bei mangelhafter Bauch¬ 
presse (43). 

Mutterkornvergiftung, Eine Epidemie 
von (10). 

Myasthenia gravis pseudoparaiytica 
(61). 


Mycosis, Ein Fall von — fungoides 
(32). 

Myeloische Metaplasie und foetale 
Blutbildung 696. 

Myelom der Knochen mit Kalkmeta¬ 
stasen in d. Lungen u. anderen 
Organen, Diffuses (36). 

Myom der Haut mit Uebergang des¬ 
selben zum Sarcom (31). 

Myomectomie bei Schwängeret!, Ueber 
d. conservative (45). 

Myoms, Stieldrehung des — mit 
Torsion des Uterus (29). 

Myopiefrage, Zur — u. über d. 
Brilleucorrection der Kurzsichtigen 
553*, (63). 

Myotonia congenita (Thorqsensche 
Krankheit) (41). 

Myxoedem 32. 

—, Noch 2 Fälle von — im Kindes¬ 
alter (40). 


3ST. 

Nachbehandlung n. Operationen, Lehr¬ 
buch d. 42. 

Nachruf, gewidmet Dr. A. W. Natan- 
son (62). 

Naevus, Zur Casuistik des — zoni- 
formis (32). 

Nahrung des Soldaten, Zur Frage 
der Zusammensetzung der (24). 

Nase, Zur Behandlung der acuten u« 
subacuten Entzündungen der Neben¬ 
höhlen der (11). 

—, Pathologie u. Therapie der ent- 
zündl. Erkrankungen der Neben¬ 
höhlen der 505. 

Nasenblntungen u. ihre Behandlung 
(38). 

Nasenhöhle, Ein überzähliger Zahn 
in der (38)- 

Nasen-, Ohren- u. Halskrankheiten 

( 11 ). 

Nasenrachenraumes, Plastische Ope¬ 
rationen bei Verwachsungen des 
(38). 

—, Methode einer plast. Operation 
bei Verwachsungen des (16). 

Nasenseptumtumor (47). 

Nasensyphiiis, Zur Casuistik der 

( 11 ). 

Natron salicylsauren, Die therapeu¬ 
tische Wirkung des — — auf d. 
Gelenkrheumatismus (13). 

Natrum perboricum bei chronischen 
Ohreiterungen (11). 

Naturheilkunst, Ueber 288. 

Nebenhöhlen der Nase, Zur Behand¬ 
lung der acuten u. subacuten Ent¬ 
zündungen der (11). 

Nebenniere, Angeborenes Sarcom der 

( 12 ). 

Nebennieren, Ueber die phagocytäre 
Function der (12). 

Nebennierentumoren, Die — im Lichte 
der BJastocytentheorie (63). 

Nekrolog gewidmet Prof. A. K r j u - 
kow (18). 

—, — Dr. G Koch 486 . 


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Nekrolog, —Dr. med. A. Metzler 
575. 

—, — Dr. Carl Theodor, Herzogin 
Bayern 631. 

—, —Professor Peter L e s s h a f t 669. 

Nervenärzte u. Psychiater, Taschen¬ 
buch für 505. 

Nervenkrankheiten, Bez. zw. psych. u. 
Nervenkrankheiten (7). 

Nervenplastik, Zur Frage über die — 
bei Lähmung des Gesichtsnerven 
(35). 

Nervensystem, pathol. anat. Veränder. 
im (8). 

— u. Syphilis 112. 

Nervöse Störungen der oberen Extre¬ 
mität bei Arteriosclerose 53. 

Netzes, Operationsresultate der An- 
nähuug des grossen (36). 

Netzhaut, Veränderungen in der — 
bei infectiösen Processen (57). 

—, Gliom der (52). 

Neubildungen, Zur Frage über die 
primären bösartigen — des grossen 
Netzes (Primäres Sarcom des 
Netzes) (39). 

Neugeborener, Ueber das Baden 

( 22 ). 

Neuralgie, Gesichts — (5). 

—, d. N. ischiad. (5). 

—, Zur Frage üb. d. Behandlung d. 
— des N. trigeminu8 (36). 

Neurexairese bei Trigeminusneuralgie 

66 . 

Neuritis des linken Plantarnerven 
nach Cholera (57). 

Neurofibrillen, Entwickelung der 

(7). 

—, Z. Morphologie der (8). 

Neurosenlehre, Sammlung kleiner 

Schriften zur 348. 

Niere, Mischgeschwüiste d. (49). 

—, Fall einer solitären Cyste d. 1. 
(49). 

Nieren, Ueber die Vereiterong der 
(67). 

Nierenanomalien, Zur Frage über d; 
klin. Diagnose der (36). 

—, Zur Frage der angeborenen (50). 

Nierenbecken Papilläre Neubildungen 
d. — u. d. Ureters (50). 

Nierendecapsulation bei Eklampsie. 
Die 190. 

Nierendystopie, Ein Fall von beider¬ 
seitiger 637*. 

Nierenfilters, Ueber die Dichtigkeit 
des 645. 

Nierensteine, Frage der Häufigkeit der 
(51). 

N ierentumoren, Differentialdiagoose 
der 276. 

Nielblau-Fe ttfärbung 105*. 

Nikolai-Kinderhospitals, Zum 75 jäh¬ 
rigen Bestehen des 686. 

Nitrobenzol Vergiftung 124; 

Novozon-Therapie, Bemerkungen zur 
91*. 

o 

Oberschenkelfracturen, Verband bei 
(16). 

Obe8itas praecox (5). 


Original fro-m 

UNIVERSUM OF MICHIGAN 



1909. 


St. Petersburger Medicinische Wochenschrift. X 2 52. 


17. 


Obstipation, Die atonische u. spasti¬ 
sche 123. 

Oesopbagoskopie, Die klinische Be¬ 
deutung der — u. Bronchoskopie 
(47). 

oesophagealen Cardiagramms, Ueber 

die Bedeutung des --für d. 

Diagnose der Adams-Stokeschen 
Krankheit nebst Bemerkungen über 
Bradykardie (13). 

Ohr (6). 

—, Einfloss des Alcohols auf d. 
innere — d. Tiere (33). 

Ohreiterungen, Natrura perboricum 
bei chronischen (11). 

Ohrenheilkunde, Lehrbuch der 444. 

Ohrenobturator, ein neuer (8). 

Ohres, Die Abhängigkeit intra- 
cranieller Complicationen von Er¬ 
krankungen des — u. M assregeln 
gegen ihre Entstehung (47). 

—, Epidermoidale Ansammlungen in 
d. Höhlen des äusseren u. mittleren 
(47). 

—, Ueber Schussverletzttngen des 

( 11 ). 

Ohrgeräusche, Sublimat gegen (11). 

Ohrkatarrhen, Schlammbehandiung bei 
chronischen — u. Otosclerose (46). 

Oligodaktylie, Ein Fall von ange¬ 
borener symmetrischer — aller 4 
Gliedmassen (40). 

Operation — der Nasenscheidewand¬ 
verbiegungen nach 0. Freer (38). 

Operationen, Dringliche 596. 

—, Nachbehandlung nach 42. 

Operationslehre, Atlas und Grund¬ 
riss der chirurgischen 348. 

Operativer u. taktischer Sanitäts¬ 
dienst eines Corps 382. 

Ophthalmie Surgery 113. 

Ophthalmie, Behandl. d. serophul. — 
u. d. Trachoms 27*. 

Ophthalmologie, Neue Bahnen in der 

( 18 ). 

Ophthalmologische Beobachtungen in 
unserer Armee im Jahre 1906 (18). 

— Beobachtungen (18). 

Ophthalraologischen Gesellschaft, Be¬ 
richt der Moskauer (62). 

Oph thalmologisches Generalregister 
der Arbeiten . im Correspondenz- 
blatt f. Schweizer Aerzte 544. 

Ophthalmoreaction, — v. Calmette (5). 

—, Zur Frage der — des Tuber- 
culins (12). 

— v. Calmette, Zur Frage über 
die diagnostische Bedeutung der 
(16). 

— v. Calmette, Ueber die Mög¬ 
lichkeit schwerer Complicationen 
(18). 

Opiumvergiftung, Ueber die Behänd- 
lang der acuten (46). 

Opsonine, Zur Frage der Bildung der 
— u. Antihämolysine ans Leuko- 
cyten (11). 

Qpticusatrophie, Thiosinamin bei (51). 

Organolpgie des Auges 156. 

Orthopädische Apparate (2). 


Orthopädischer Corsette, Ueber schäd¬ 
liche Nebenwirkung der Kopfhalfer 
(36), 

Osmotischen Vorgänge, Die-im 

lebenden Gewebe als Schutzmittel 
gegen Infection 35*. 

Osteomalaoie (9). 

Osteoms, Ein Fall eines multiplen — 
der oberen und unteren Extremi¬ 
täten 680*. 

Otitis media u. Entzündung des 
Kniegelenks 101. 

Otitischer Abseess oder Encephalitis 
13*. 

otogene Pyäraie n. Septicopyämie u. 
ihre Behandlung (47). 

Oto-laryngologische Congress, Der 
erste russische — zu St. Peters¬ 
burg 43. 

Ovarialnenbildungen, Seltene (29). 

Ovarien, Die innere Secretion der—und 
die Beziehung derselben zu anderen 
Organen 649*. 

— Atrophie der — Durch X-strahlen 
auf experimentellem Wege hervor¬ 
gerufene (16). 

Ovariotomie, Znr Casuistik der (9). 

Oxalurie und Phosphaturie, Ueber 
153*. 


Pagetscher Knochenkrankheit, Ein 
Fall von 230. 

Pancreas, Veränd. d. Zellen des (4). 
Pancreaserkranknngen 95, 98, 101. 
PancreasfnnctionsprUfung 229. 
Pancreasnecrose 67. 

Pancreassaftes, Die festen Bestand¬ 
teile des — u. d. Theorie der Ab¬ 
sonderung desselben 260. 
Pancreatitis, Ueber acute 115. 
Parafflnprothesen im Allgemeinen u. 
Correction v. Satteinasen im Spe- 
ciellen (11). 

Paraffins, Die Rolle des — bei Selbst¬ 
verstümmelungen (20). 

Paralyse, Beziehung der ascendieren- 
den — zur ac. Poliomyelitis (61). 
Paramyoclonus, Ueber — duplex. (8). 
Paranephritische Abscesse 9*. 
Paranoia (33). 

Paratyphus A, Zur Casuistik des 
357*. 

Parkinsonsche Krankheit (8). 
Patellarfracturen 100. 

Pathologie, Handbuch d. allgera. 
16. 

— u. Therapie der Perityphlitis 94. 
pathologisch-histologischen, Die — — 

Untersuchungsmethoden 609. 
pathologischem Schlaf, Ein Fall von 
(58). 

Pectus carinatum (38). 

Pemphigus vulgaris (32). 

— — n. parenchymat. Nephritis 
(61). 

Pepsin im Magensaft, Ueber die 
titrimetrische Methode von Jacoby- 
Solras zur Bestimmung von (33). 


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Pepton, Die diagnostische Bedeutung 
der Probe auf (i3). 

Percussion, stumme 122. 

Perioesophagitis, Ein Fall von — 
durch e. Fremdkörper (64). 

Periostitis, Zur Casuistik der frühen 

— bei Ileo-Typhus 227*. 

Periplozins, Digalens, Ueber die 

Wirkung des — — und Stro- 
phantus auf das isolierte Herz von 
Warmblütern (41). 

Peritonitiden, Ueber appendiculäre 
abgesackte (46). 

Peritonitis, Ascendierende gonorrhoi¬ 
sche (61). 

Perityphlitis, Pathologie u. Therapie 
der 94. 

Pest, inficierte Wanzen, Weitere Be¬ 
obachtungen über mit (23). 

—, ihre Bekämpfung in Russland. 
Die Bedingungen der Verbreitung 
der (23). 

Pfannenstielschen Schnitt, Ueber den 
(30). 

Pflege u. Ernährung der jungen Mutter 
543. 

Pflüger als Naturforscher 544. 

phagocytäre Function, Ueber die 

— der Nebennieren (12). 

Pharmakotherapie, Lehrb. d. (41). 

Phiraosenoperationen bei schmerz¬ 
haften Processeu, Zur Technik der 
(19). 

Phlebosclerose, Ueber (27). 

Phosphatarie, Ueber Oxalurie und — 
153*. 

Photographischer Aufnahmen, Die 
Projection 54. 

Phthisiker, Wie sollen — unterge¬ 
bracht werden? (64). 

Physikalische Chemie und Medicin261. 

Physikalische Therapie d. Hautkrank¬ 
heiten 81. 

Physiologischen Methodik, Handbuch 
der 17. 

Pirquet, Die Bedeutung der Reac- 
tion von (22). (s. auch Tuber- 
culihimpfung). 

Placenta praevia, Ueber die Behand¬ 
lung der 23*. 

-Zur Behandlung der 175 (55). 

Pleura, Ueber seröse Expectoration 
bei Punction der 146*. 

Pleuritis, (5). 

—, Zar Autoserotherapie der exsu¬ 
dativen 461. 

—, Doppelseitige eitrige (49). 

Pneumococcen, Kampher u. 662. 

Pneumonie, Ueber Recidive bei cru- 
pöser 65. 

Pneumonien, Zur Frage über post¬ 
operative (15). 

Pocken, Trockener Gyps bei der Be¬ 
handlung von (28). 

Pockenimpfung (5). 

Pockenvacoination in d. Armee, über 
d. besten Modus der (46). 

Polioencephalitis hämorrhagica acuta 
(63). 

Poliomyelitis nuclei n, facialis si- 
nistri, Ein Fall von 273. 


Original fro-m 

UNIVERSITf OF MICHIGAN 



St. Petersburger Medicinische Wochenschrift. Kz 52. 


1909. 


,18. 


Polyarthritis chronica progressiva 
thyreotoxica (15). 

Palyarthritis, Ueber erysipelatöse — 
n. deren Beziehung zur rheumati¬ 
schen (58). 

Polyneuritis, Ueber Atoxyl—- und 
Atoxyl-Amblyopie 223*. 

Polypen als Prothesen (47). 

Pölyposis intestini 19. 

Polyurie, experimentelle (4). 

Portio, Carcinora der — u. der Cer¬ 
vix 99. 

postoperative Pneumonien, Zur Frage 
über (15). 

Practischen Medicin, Jahrbuch der 
30, 624. 

Praxis, Bestimmungen üb. d. Zulas¬ 
sung z. ärztl. — im Auslande 54. 

progressive Paralyse, Zur Lehre über 
die jugendliche (42). 

progressiver—, Lecithin bei-und 

Tabes (42). 

Projection photographischer Aufnah¬ 
men 54. 

Prolaps, Beitrag zur Frage über d. 
Ursache u. d. operat. Behandlung 
des — der weibl. Geschlechtsor¬ 
gane (10). 

Prostata, Die Reflexneurosen der 
419. 

Prostatahypertrophie, Oper. Behandl. 
der (2). 

—, Die Indicationen zur oper. Be- j 
handlang der 285*. 

Prostatitis, Zur Behandlung der chro¬ 
nischen, abscedierenden 76*. 

Prothesen, Paraffin — im Allgemei¬ 
nen u. bei Correction v. Sattel¬ 
nasen im Speciellen (11). 

Protocoll der X. Jahresgeneralver- 
sammlong der livl. Abteilung d. 
St. Petersburger ärztlichen Vereins 
zu gegenseitiger Hilfe 626. 

Protocolle d. I. Baltischen Aerzte- 
congresses in Dorpat 665, 684. 

— d. Deutschen ärztl. Vereins zu 
St. Petersburg 65, 202, 278, 372, 
586, 684. 

— derDorpater Medicinischen Gesell. 
192, 203, 364, 373, 525, 663. 

— des V. Aerztetages der Estlän- 
dischen Aerztlichen Gesellschaft zu 
Reval 290, 302, 321. 

— des XX. Aerztetages der Gesell¬ 
schaft livländ. Aerzte 67, 80, 95. 

— d. Gesellsch. pract. Aerzte zu 
Libau 101, 337, 349. 

— d. Gesellsch. pract. Aerzte zu 
Reval 113, 124, 175, 383, 404, 
419, 431, 625, 646. 

— d. Gesellsch, pract. Aerzte zu 
Riga 17, 31, 42, 275, 289, 433, 
444, 459, 571, 578, 596, 609, 699. 

— des Vereins St. Petersburger 
Aerzte 55, 56, 142, 230, 247, 
261, 273, 550, 697. 

— des ersten allrussischen Con- 
gresses der Fabrik-Aerzte in Moskau 
291, 307, 352. 

— der Kiewschen Ophthalmologi- 
schen Gesellschaft (26). 


Protocolle des Wissenschaftlichen Ver¬ 
eins der Aerzte des städtischen 
Obuchowhospitals in St. Peters¬ 
burg 220, 279, 336, 363. 

Pseudarthrosen, Ueber die Klopfung 
als eine Methode der Beschleuni¬ 
gung der Verheilung der Brüche 
und als Hilfsmittel bei der Be¬ 
handlung der p 5 )- 

Pseudoappendicitis (4). 

Pseudomastoiditis, Zur Casuistik der 
(15). 

Pseudomyxoms, Fall eines — des Pe¬ 
ritoneum (50). 

Pseudosclerose, Ueber (17). 

Psendotuberculose des L Bauchfelles 
(60). 

Psychiatrie, Mershejewski u. d. 
russische (8). 

—, Einführung in die 272. 

—, Forensische 192. 

—, Ueber den Krankheitsbegriff in 
der 693. 

psychischer Zustände, Zur Frage über 

den Einfluss-auf die Farben- 

äuderung der Haare und der Haut 
und über die Heilung des „bibli¬ 
schen Aussatzes“ (25). 

Psychosen, Zur Casuistik der —, 
welche zu politischen Ereignissen 
Beziehung haben (42). 

— neurasthenische (7). 

—, Einige Daten über die Morbi- 
t dität der Hebräer und Polen an 
( 21 ). 

—, günstige Wirkung intercurr. In- 
fectionskrankheiten auf d. Verlauf 
von (61). 

— bei Zwillingen (17). 

Psychotherapie höherer Ordnung. Die 

( 21 ). 

Psychrophor, Ein neuer (10). 

Pubeotomie, Geburten nach — (56). 

—, Ein Fall von (10). 

—, Zur Frage der (10). 

Puerperalfiebers, Ueber Serumbehand¬ 
lung des 604*. 

Pyämie otitischen Ursprungs (88). 

— und Septicopyämie, otogene (47). 

Pylorusstenose 102. 

—, Ueber die sogenannte — der 
Säuglinge 155. 

Pyocyanasebehandlung der Diphtherie 
141. 

Pyonephrose, Ueber geschlossene tu- 
berculöse (54). 

Pyopneumothorax subphrenicus bei 
Febr. recurrens (13). 


Q. 

Quecksilberausscheidung durch den 
Harn (6). 


IR. 

Rabdomyom des Herzens mit gleich¬ 
zeitiger angeborener Herdsclerose 
des Hirns. Ein multiples (23). 


Rachen- und Larynxsyphilis 155. 

— u. auf der Bindehaut. Statistische 
Beiträge über gleichzeitige follicu- 
läre Erkrankungen im (26). 

Radioactivität der käuflichen Kauka¬ 
sischen Mineralwässer (14). 

Radiographie intracranieller Processe 
in der inneren Medicin 595. 

Radium, Ein Besteck zur Behand¬ 
lung von Höhlen mit (51). 

Raphania (10). 

Raynaudsche Krankheit (5), (62). 

Reaction des Blutes, Ueber die — 
nach der Methode der Indicatoren 
bei pathologischen Zuständen (40). 

Rechtshändigkeit des Menschen, Ueber 
die 505. 

Rectalnarcose (1), 122. 

Recurrens, Atoxyl bei (4). 

Recurrensepidemie in Charkow (64). 

Recurrenskranken, Beobachtungen üb. 
Leukocytose im Blute bei (23). 

Recurrensrailz (99). 

—, Reinfection der (13). 

—, Ueber Complicationen bei Typhus 
(13). 

Rede an Prof. Magnan zum Tage 
seines 50 • jährigen Jubiläums 
(42). 

Reflexe bei Kindern, Ueber bedingte, 
(28). 

Regio ileo coecalis, Zur Untersuchung 
der (54). 

Registration, Ueber die gleichzeitige 
— verschiedener Teile des Her¬ 
zens u. d. Blutdruckes (14). 

Reinfection, Ueber — der Febris 
recurrens (13). 

Reposition incarcerierter Hernien, 
Zur Frage der (16). 

reproductive u. associerende Reaction 
in den Bewegungen, Ueber (17). 

Resection des Canalis nasolacrimalis 
in d. Therapie der Angenerkran¬ 
kungen (11). 

Respirationsorgane, Erkrankungen d. 
288. 

Revolververletzungen, operative Be¬ 
handlung von — des Darmes (59). 

Rhachitis, Zur Frage der sogenannten 
foetalen 251*. 

—, Die Häufigkeit der — der Kinder 
in Irkutsk und die Massnahmen 
zum Kampf wider dieselbe als 
Factor der Kindersterblichkeit 
(28). 

—, Behandlung d. — mit Leber- 
thran, Phosphor und Kalk (54). 

—, Der Kalk und Phosphorumsatz 
bei (54). 

Rheumatismus, Die therapeutische 
Wirkung des salicylsauren Natrons 
auf den Gelenk— (13). 

Rhinolithen, Zur Casuistik der (5). 

—, Casuistisches über — dentalen 
Ursprungs (30). 

Rindencentren der Pupillenbewegun¬ 
gen. Untersuchungen über die To¬ 
pographie der 200. 

Rodanverbindungen, Reaction auf (6). 

Röntgenbehandlung der Hautkrank¬ 
heiten 191. 


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Original fro-m 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 




1909. 


St. Petersburger Medicinische Wochenschrift. Ns 52. 


Röntgendiagnostik, Atlas und Grund¬ 
riss der — in der inneren Me- 
dicin 494. 

— des nropoetischen Systems 528. 

—, Znr internen 539*. 

Röntgenogramm, Ueber plastisches 

(13). 

Röntgenogramme n. über Schnellauf¬ 
nahmen. Ueber scharfe 229. 

Röntgenphotographie 192. 

Röntgenoskopie des Herzens (54). 

Röntgenstrahlen, Ueber die Behand¬ 
lung venerischer Ulcerationen mit 
201 . 

—, — Ueber die Wirkung der auf 
Krebsbildungen. (19). 

—, Zur Frage des Einflusses der — 
auf d. sexuelle Sphäre (37). 

—, Ueber Schädigungen der Haut 
durch 523. 

—, Methode, hohe Dosen — in d. 
Tiefe d. Gewebe zur therapeuti¬ 
schen Wirksamkeit zu bringen. 
531. 

—, Die therapeutische Verwendbar¬ 
keit der — 531. 

Röntgentherapie, Compendium der 
229. 

Röntgentherapie des praktischen Arz¬ 
tes. 623. 

Röntgenuntersuchung, Die Bedeutung 
der — für d. Diagnase umschrieb. 
Eiterungen der Lunge. 523. 

—. Die — der Brustorgane u. ihre 
Ergebnisse für Physiologie und 
Pathologie. 362. 

Röteln, Einige Beobachtungen über 
(64). 

roten Blutkörperchen, Die phagocy- 
täre Tätigkeit d.-u. d. Blut¬ 

plättchen. 595. 

roter—ZurFrage über dieRegeneration 

— — bei experimentellen Auämien. 
361. 

Rctzerkrankung, Ein Fall von pri¬ 
märer — des rechten Auges. 
(26). 

Rückfallfiebers, Ein Fall sog. chron. 
— Ebsteins. (34). 

—. Ueber die Verbreitung des 
(41). 

—, Behandlung des — mit Arsa- 
cetin. (57). 

Ruhr, Die Behandlung der (41). 

Russoschen Reaction, Zur Frage des 
diagnostischen Wertes der (27). 


S. 


Sachverständigen-Tätigkeit, Handbuch 
der ärztlichen 608. 

Salicylsauren Natrons, Die therapeu¬ 
tische Wirkung des-auf d. Ge¬ 

lenkrheumatismus (13). 

Sanitä'tswesens, a. d. Geb. d. Mili¬ 
tär— 30, (6). 

Sarcom, Angeborenes — der Neben¬ 
niere bei einem Kinde (12). 


Sarcom, Ueber primäres — der Regen¬ 
bogenhaut (26). 

Sarcoms, Zur Histiogenese des idiopati- 
schen, multiplen u. hämorrhagi¬ 
schen (28). 

Sattelnasen, Paraffinprothesen zur 
Correction von (11). 

Saturnismus, Zur Frage des allge¬ 
meinen chronischen (41). 

Sauerstoffs, Ueber d. Einfluss des — 
auf d. Cultur des Staphylococcus 
aureus u. über d. Sauerstoffthe¬ 
rapie der eitrigen Keratitis bei 
Kaninchen (35). 

Säuglinge, Die Ernährung der 
509*. 

—, Sterblichkeit d. — in ihrem ter¬ 
ritorialen Verhalten in Würtem- 
berg, Bayern u. Oesterreich 585. 

Säuglingsfürsorge, Ergebnisse der 
493. 

Säuglings-Sterblichkeit, Die Ursachen 
u. die Vermutung der hohen 
301. 

Säure, üb. schweflige — in getr. 
Früchten (4). 

Scabies, Albuminurie bei (32). 

Scarlet red, Effect of — upon the 
epitheliasation 662. 

Schädeldefectplastik 101. 

Schädels, Ueber d. Behandlung com- 
plicierter Schädelbrüche des (37). 

Schädel Verletzung u. Epilepsie 101. 

Schanker, Harter — des oberen Au¬ 
genlides (31). 

—, Ein Fall von hartem — am 
Praeputium eines einjährigen Kin¬ 
des (32). 

—, — am Bauch (61). 

Scharlach, Ueber Schutzimpfung bei 
(40). 

—, Streptococcenvaccine Gabritschew- 
skis zur Immunisierung gegen 

(23) . 

— , Schutzimpfung gegen (5). 

—, Die Schutzimpfungen gegen 

( 22 ). 

—, Zur Frage des 298*. 

—, Zur Frage über die Präservati¬ 
ven Injectionen bei (28). 

—, Ueber d. Rolle d. Streptococcen 
in d Aetiologie des — u. d. Wir¬ 
kung d. Antischarlachserums (34). 

Scharlaehbehandlung mit bes. Be¬ 
rücksichtigung der Serumtherapie 
283. 

Scharlach-Epidemie im Rjasanscheu 
Gouvernement. Ueber Versuche mit 
Streptococcense,rum während einer 

(24) . 

Scharlachimpfung, Ueber d. Krank¬ 
heitsbild bei (35). 

—, Ueber präventive (40). 

Scharlachimpfungen, Ueber einige 
Bedenken gegen die präventiven 
(40). 

—, Immunisierende — u. ihre facti- 
sche Bedeutung (22). 

Scharlachparasiten, Ein Beitrag zur 
Frage der (63). 


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Gck igle 


19. 


Scharlachvaccine G. Gabritschewskis 
im Herbst 1907. Schutzimpfungen 
mit der (23). 

—, Beobachtungen über die — von 
Prof. Gabritschewski u. ihre Be¬ 
deutung im Kampf gegen die 
Scharlachepidemien (40). 

—, Ein Beitrag zur Anwendung der 

— von Gabritschewski in der 
Land praxis (40). 

Scheide, Hämatom der — u. d. äusseren 
Geschlechtsteile (9). 

—, Anwendung der Drahtnaht bei 
Operationen an d. Scheide (9). 

Schilddrüse, Entzündung der (6), (47). 

—, Die Erkrankungen der —/Myx¬ 
ödem u. Kretinismus 524. 

Schilddrüsenlosen Hunde, Ueber das 
Verhalten der — — znr hohen 
n. niedrigen Temperatur des um¬ 
gebenden Mediums u. zur Er¬ 
höhung der Eigenwärme des Kör¬ 
pers (28). 

Schilddrüsentoxines, Wirkung des — 
auf d. Auge (18). 

Schlacht bei Kudjasä, Die (46). 

Schlingact Ueber die Localisation des 
Centrums für den (18). 

Schmerzanfälle. Ueber abdominale 55. 

Schönheitspflege, Die 431. 

Schulterarterie, Ueber die Entwick¬ 
lung der (58). 

Scbnltergeflechtes, Fünf Fälle von Läh¬ 
mung des (42). 

Schultergelenk, Operative Behand¬ 
lung der habituellen Luxation im 
(19). 

Schussverletzung, d. Art. u. Von. 
crural. (2). 

—, ein Fall v. Septicaemie nach (3). 

Scliussverletzungeu — des Ohres (11). 

—, der Augen. Zur Casuistik 
der (18). 

—, Zur Casuistik der (20). 

—, des Schädels mit zweifacher 
Localisation (22). 

Schutzmittel, Osmot. Vorgänge im leb. 
Geweb. als — gegen Infeetion 35*. 

Schwachsinns iu den ersten Schul¬ 
jahren. Die ärztliche Feststellung 
der verschiedenen Formen des 273. 

—, Die Erkennung des — im Kin- 
desalter 543. 

Schwangeren Innere Krankheiten der 

— und die Indicationen zur Ein¬ 
leitung des Aborts 175. 

Schwangerschaft, Darmocclusion und 
(9). 

—, Einfluss der — und Geburt auf 
d. Tuberculose (9). 

—, Ueber den Zusammenhang zwi¬ 
schen der Cholämie u. verschie¬ 
denen pathologischen Zuständen 
während der (16). 

—, Zur Frage über den Einfluss der 
—, der Geburt u. des Wochenbetts 
auf die Unempfänglichkeit d. müt¬ 
terlichen Organismus für Infeetion 
(30). 

—, Ueber künstliche Unterbrechung 
der 560. 


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UNIVERSITY OF MICHIGAN 



20. 


St. Petersburger Medicinische Wochenschrift. 52. 


1909. 


Schwangerschaft, Extra- oder intrau¬ 
terine (44). 

—, Herzfehler u. (55). 

— u. Tubercnlose n. ihre gegen¬ 
seitigen Beziehungen (56). 

Schwerhörigkeit, Die chronische, pro¬ 
gressive 506. 

—, Combinierte Vibration n. d. Me¬ 
tallmuschel in d. Therapie der — 
u. der Ohrgeräusche (46). 

—, Fibrolysinbehandlung der (47). 

Schwindel (46). 

Schwindsucht, Erblichkeit bei der 
(54). 

Schwindsuchtsfrage, Die Vererbung 
in der 167*. 

Sclerodermie, Zur Frage über die 
verschiedenen Formen der (42). 

Sclerora, Einige mit Röntgenstrahlen 
behandelte Fälle von (47). 

Sclerose, Zur Casuistik der multiplen 
243*. 

—, Diagnose primärer — an den 
Tonsillen (32). 

Solerosis multiplex, Demonstration 
eines Falles von 289. 

Scopolamin - Morphin -InhalatioDsnar- 
cose, Erfahrungen mit der 246. 

Scorbuts, Zur Aetiologie des (32). 

Scrophulöse Ophthalmie u. Trachom 
bei gleichzeitiger Erkrankung der 
ob. Luftwege 27*. 

Sectio alta, Entfernbare Nähte bei 
der (51). 

Sectio caesarea (s. a. Kaiserschnitt) 
cervicalis (29). 

See, An die 585. 

Seebäder, Die Indicationen u. Contra- 
indicationen der 519*. 

Sehnenplastik 32. 

Sehproben, nach Snellens Princip 
321. 

Sehschärfe in die Ferne Beziehungen 
zwischen der — und der Refraction 
des Auges (18). 

Selbstmordversuch nach Infeetion mit 
Syphilis (61). 

Selbstverstümmeluug, Noch eine Art 
von (21). 

Semiotik, Klinische — mit beson¬ 
derer Berücksichtigung der gefahr¬ 
drohenden Symptome u. deren Be¬ 
handlung 220. 

Seröse Expectoration bei Punction 
der Pleura 146*. 

Serpylli, Herba — bei Erkrankung 
d. Atmungsorgane d. Kinder (35). 

Serratuslähmung nach Typhus, Ein 
Fall von doppelseitiger combinier- 
ter 207*. 

Serumanwendung bei Blutungen 126. 

Serumfieber, Diazoreaction bei (5). 

Serumtherapie, Ueber Scharlachbe¬ 
handlung mit besonderer Berück¬ 
sichtigung der 283*. 

Sibirische Bäder 51*. 

Sigmoiditis et Perisigmoiditis 16. 

Simulation u. Selbstverstümmelungen 
(46). 

Singultus u. seine Behandlung (13). 

Sinns pericranii Stromeyer, Ein Fall 
Yon (36). 


Sklerom, Ein Fall von allgem. — mit 
rautilierender Sklerodactylie (61). 

Soldatenbrotes, Ueber d. Verbesse¬ 
rung des (46). 

Spaltdaumen, Ein Fall von 569*. 

Spasmus pylori permanens gravis 
Zur Frage über den (34). 

Spätcontracturen der Hemiplegiker, 
Zur Behandlung der 174. 

Speiseröhre, Beitrag zur Kenntnis 
von Divertikeln in der 695. 

Speiseröhreerweiterungen, Bestim¬ 
mung Yon 94. 

Spina bifida, Ein Fall von erfolgrei¬ 
cher Osteoplastik bei congenitaler 
(50). 

Spiritus, Herstellung von festem — 
(3). 

Spirochaeta pallida, Zur Morphologie 
der (61). 

Spirochäte, Untersuchung der weissen 

— im lebenden Zustande (31). 

Splitterfractur, Ein Fall v. compli- 

cierter (2). 

Spondylosis, Fall von rheumatischer 
(57). 

Sporothrichose (3). 

Sporotrichosis als eigentümliche Form 
einer Hautmykose (30). 

Sputum Tuberculöser, Einfache Me¬ 
thode der Bestimmung der Zahl 
der Bacillen im (54). 

Staphylom, Seltene Form von subacu¬ 
tem Qlaucom mit intracalärem 
(61). 

Star, Begutachtung eines Falles von 
angeblich künstlich hervorgerufe- 
nem (62). 

Staroperation, Zur Statistik der 

— mit u. ohne Iridektomie (63). 

Staunngsbehandlung nach Bier bei 

acut eitrigen Entzündungen (60). 

Stauungshyperämie, Die — nach Bier 
in der Ohrenheilkunde 480. 

Sterblichkeit,im Kiewschen Mili- 
tärhosp. (6). 

Sterilisation chirurgischer Instrumente 
in der Flamme, Ueber die (16). 

Stirnbeins, Fall v. Fractur des (3). 

Stirnhirns, Entwickl. d. Windungen des 

( 8 ). 

Stirnhöhle, Beitrag zur Statistik der 
malignen Neubildungen der (52). 

Stirnhöhlen, Zur Casuistik der Ent¬ 
zündung der (35). 

Stirnlagen (55). 

Stoffwechselstörungen, Ueber die Be¬ 
handlung einiger wichtiger (Hun¬ 
gerzustand, Mastcuren, Entfettungs- 
curen, Gicht) 467. 

Stoffwechselversuche über den Ei¬ 
weissbedarf des Kindes 335. 

Streptococcie, Ein Fall von allge¬ 
meiner (20). 

Stricturen, Hydraul. Appar. z. Hei¬ 
lung von (3). 

— der Harnröhre, Die radicale Be¬ 
handlung der — durch Exstirpa¬ 
tion der verengten Stelle (43). 

Styptol, Ueber einige Beobachtungen 
mit 143. 


Styptol, Ueber eine besondere Wir¬ 
kung des — (auf Pollutionen) 532. 

—, Ueber eine besondere Wirkung 
des 561. 

Sublimat gegen Ohrgeräusche bei 
chronischen nicht eitrigen Proces¬ 
sen im Mittelohr (11). 

Sublimatlösung, Zwei Fälle von partiel¬ 
ler Hautgangrän und Blutung in das 
Rückenmark u. seine Häute nach 
Subcutaninjectionen von (21). 

Symphyse, Ruptur der — sub par- 
tu (29). 

Symptomatologie, Grundriss der all¬ 
gemeinen 54. 

Syphilis, Serodiagnostik der (3). 

— Atoxyl bei (3), (37). 

— u. Nervensystem 112. 

—, Ein Fall v. wahrscheinlicher — 
der dritten Generation (10). 

— d’erablöe u. d. Berufssyphilis d. 
Aerzte 403. 

—, Ueber d. Infectionsmodus bei d. 
consiitutionellen 419. 

—, Ueber die Anwendung von Ato¬ 
xyl bei — u. Lichen ruber pla¬ 
nus (11). 

—, Theorie u. Technik der Wasser- 
mannschen Reaction u. ihre Be¬ 
deutung f. d. Diagnose der (11). 

— der Nase, Zur Casuistik der 
(11). 

—, des Rachens und Larynx 155. 

—, Die Bekämpfung der 196*. 

—, in den Tropen, deren Verlauf 
und Behandlung. Die 246. 

—, Zur Serodiagnostik der 272. 

—, bei Eheleuten und in Familien 
(31). 

—, Ueber Serumdiagnose der (31). 

—, Vereinfachung der Technik bei 
der Serogiagnose der (32). 

—, hereditäre in frühem Säugliogs- 
alter (37). 

—, des Rachens u. Kehlkopfs (38). 

—, Serodiagnostik (64). 

Syphilisbehandlung, Ueber die An¬ 
wendung des Mercuriolöls zur 486*. 

— mit Mergal 260, 382. 

Syphilis, Zur Behandlung der — mit 
grossen Quecksilberdosen (37). 

—, Ueber frühzeitige Abortivbehand¬ 
lung bei (37). 

Syphilisdiagnose 107*. 

— u. Wassermannsche Reaction (32). 

Syphilisinfection, Ein Fall v. extra- 

genitaler (32). 

Syphilisstellen, Verdeckte 403. 

Syphilitica, Ein Fall von Reinfectio 

(30) . 

Syphilitiker, Zur Frage über den 
Einfluss der speoifischen Behand¬ 
lung auf die Anwesenheit sog. Anti¬ 
körper im Serum des Blutes der 

(31) . 

syphilitischen Erkrankungen des Cen- 
tral-Nervensystems. Die Bedeutung 
der Cytodiagnostik bei 121*. 

syphilitischen Sclerose, Auftreten 
einer (61). 

Syringobulbie, Erkrankungen des 
Kehlkopfs bei (11). 


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- UNIVERSffY OF MICHIGAN 



1909. 


St. Petersburger Medicinische Wochenschrift. JNß 52. 


21. 


T. 


Tabak, Einfl. d. —rauches a. Tiere 
(4). 

Tabaksrauch, Vergift, mit (8). 

Tabaksrauches, Experimentelle Unter¬ 
such UEgen über d. physiol. Wir¬ 
kung des 53. 

Tabes dorsalis postsyphilitica. Ein Fall 
von Heilung der (14). 

-, Die Hydrotherapie der 129*. 

-im Geschlechtsleben der Ffau 

174. 

-, Balkenblase, als Frühsymptom 

bei 201. 

Tabetiker, gastr. Krisen d. (7). 

Tabletten, Uber die Qualität der me- 
dicamentö9en—, hergestellt von der 
Apotheke der Fabrik militär-medi- 
cinischer Präparate (20). 

—, Untersuchung medicamentöser 

( 20 ). 

Talusexstirpation, Veränderungen des 
Fasses nach einer (60). 

Taschenbuch für Ohren-, Nasen- und 
Halsärzte 480. 

— für Magen-, Darm- u. Stoffwech¬ 
selkrankheiten 493. 

— für Chirurgen u. Orthopäden 
493. 

Taschenbuch d. Therapie 31. 

Temperement? Was ist (14). 

Teratom, Fall von (50). 

— der Krezbeingegend beim Kind 
als Gebortshindernis (55). 

Terminologie, Medicinische 95. 

Testis, Verwundung des — intra 
coitum (32). 

Tetanie, Ein Fall von 275. 

Tetanus traumaticus, Zur Casuistik 
des (36). 

Thalamus, Tumoren des (8). 

Therapie, Grundztige der 645. 

—, Handbuch der gesamten — in 
7 Bänden 336, 492. 

—, Taschenb. d. 31. 

—, physikal. — d. Hautkrankh. 81. 

—, diätetisch-physikalische — in d. 
tägl. Praxis 54. 

Therapeutisches Jahrbuch 646. 

Thoraxdeformitäten pleuralen Ur¬ 
sprungs (60). 

Thorakopagu9 100. 

—, Ein Fall von (45). 

Thrombose, Ueber einen Fall von — 
der Mesenterialvenen und der Vena 
portae mit folgender Abscessbildung 
in der Leber nach appendicitis 

1 perforativa 219. 

Thyreotoxica, Polyarthritis chronica 
progressiva (15). 

Tiere, Die giftigen 683. 

Toxine Ueber den Einfluss der — auf 
die Bindehaut der Augen (18). 

Trachea, Ein Fremdkörper in der 

( 11 ). 

—, Entfernung eines Fremdkörpers 
aus der — mit Hilfe derTraeheo- 
skopie von Kilian (20). 

Tracheo-Bronchoskopie (3). 


Tracheotomierten, Zur Frage über 
d. Geburtsverlauf bei (37). 

Trachom, Behandl. d. scroph. Oph¬ 
thalmie u. des 27*. 

—, Ueber Zellparasiten und Zell¬ 
veränderungen bei 267*. 

—, Ueber Zellparasiten bei 346*. 

Trachoms, Zur Behandlung des — u. 
seiner Complioationen mit acid. 
jodicum (46). 

—, Ueber d. Behandlung des — nach 
d. Methode von Schiele (46). 

Transperitonealer u. extraperitonealer 
Kaiserschnitt 110*. 

Trans- u. Exsudaten, Ueber die 
Unterscheidung von (12). 

Trichinen-Epidemie in Charkow im 
Jahre 1907, Beschreibung einer 
(24). 

Trigeminusneuralgie, Neurexairese bei 
66. 

Tripper, Zweiwöchentliohe Incuba- 
tionszeit bei acutem (32). 

—, Ursachen der langen Incubation 
bei (61). 

Tromraelfellperforationen, Zur Be¬ 
handlung der (11). 

Tropenhygiene 79. 

Tuberculin, z. diagn. Bedeut, d. 
Reaction mit (5). 

— Denis (9). 

—, Zur Frage der Ophthalmoreactlon 
des Tuberculins (12). 

—, K o c h in der Kinderpraxis (34). 

— von Beranek (35). 

Tuberculine, Röaction diagnostique de 

la — sur la muqueuse nasale 174. 

Tuberculinum purum, Ueber die 

Wirkung des-auf den Allge- 

raeinzustand Tuberculöser (12). 

— — u. seine Wirkung auf d. 
Lungenschwindsucht (33). 

Tuberculinanwendung behufs activer 
Immunisierung 65. 

Tuberculinimpfung, Ueber die v. 
Pirquet sehe — u. d. Ophthalmo- 
reaction bei lupösen Erkrankungen 
443. 

Tuberculinreaction bei Kindern (12). 

Tuberculinreactionen, Ueber die lo¬ 
calen 613*. 

Tuberculinsalbe, Ueber die Behand¬ 
lung des Lupus mittelst 191. 

Tuberculo-immunes Blut, tuberculöse 
Immunität u. Behandlung mit tuber- 
culo-immunem Blut (35). 

Tuberculöse, die Augenreaction b. 
(3). 

—, d. —- bei Kindern (5). 

—, e. diagn. Reactiv a. (6). 

—, Einfluss d. Schwangerschaft u. 
Geburt auf d. (9). 

—, Zur Frage der — bei Kindern 
(12). 

—, Die Behandlung der — des Kehl¬ 
kopfes (13). 

—, Tuberkelbacillen im Blut bei — 
121. 

—, Neuere Gesichtspunkte bei der 
Behandlung d. — der Lungen 122. 

—, Lehrbuch d. specif. Diagnostik 
u. Therapie der 458. 


Tuberculöse und Menstruation (39). 

—, Zur internationalen Statistik der 
— u. d. Krebses 544. 

—, Verbreitung der — in der Kap- 
colonie 662. 

—, Anwendung der Augen- u. Haut- 
reaction bei der Diagnose der 

(58) . 

—, Der Kampf mit der — und die 
speoiflsche Behandlung derselben 
367*. 

—, Ueber d. Entstehung u. Verbrei¬ 
tung der — im weibl. Genitaltracte 
458. 

—, Isolierte primäre — d. Tnbe mit 
e. Beitrag z. Lehre d. weibl. Ge- 
nitaltuberculose im Allgemeinen 
(45). 

—, Die Desiufection be 607. 

—, Pathologische Anatomie n. Patho¬ 
genese der — der männlichen Ge¬ 
nitalorgane (57). 

—, Ein Fall von —' der Bindehaut 
(26). 

Tuberculosebekämpfnng, Wohnungs¬ 
frage u. 645. 

Tnberculose-Immunität, Frühdiagnose 
und — - unter Berücksichtigung 
der neuesten Forschungen 320. 

Tuberculose-Immunblut, — Immuni¬ 
tät u. —Immunblut-Behandlung 141. 

— bei Kindern. Neue Methoden 
zur Diagnose der — (24). 

Tuberculöse häufigkeit im Kindesalter. 
Die — 272. 

Tuberculöse Infection u. tuberculöse 
Erkrankung 122. 

tuberculöser Spondylitis, Operative 
Behandlung der Paraplegien bei 

(59) . 

— Personen, Massnahmen zur Iso¬ 
lierung 549. 

Tuberkelbacillen im Blut bei Tuber- 
culose 121. 

— in den verschiedenen Organen 
nach intravenöser Injection 549. 

Tumoren des weibl. Genitaltractus, 
Maligne (44). 

Turnvereine, Der Verband der 
französischen 156. 

Typhus abdominalis, Urobilinuric b. 
(4). 

—, Ohrenentzündung b. (6). 

—, Ulnarislähm. nach (8). 

Typhus, Ein Fall von doppelseitiger 
combinierter Serratuslähmung nach 
207*. 

—, Zur Casuistik der frühen Perio¬ 
stitis bei Ileo- — 227*. 

—, Zur Behandlung der perforativen 
Peritonitis bei — abdominalis (60). 

Typhusepidemie (6). 

Typbusforschung (4). 

Typhus recurrens, s. febris rec. 

—, Complicationen bei (13). 

TT. 

Ueberanstrengung, Acute — des 
Herzens u. deren Behandlung 123. 

Uebungstherapie, Einige Fälle von 
Kinderlähmung behandelt mit 201. 


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22 . 


St. Petersburger Medicinische Wochenschrift. jYs 52. 


1909. 


Ulcus corneae rodens (63). 

— durum d. Nasenschleimhaut (61). 

— rotundum ventriculi, Ueber die 
. Dauerresultate der Therapie des 1*. 

-, Ueber die operative Behandlung 

. des — •— u. seiner Folgezustände 

565*. 

Ulnarislähmung u. Typhus (8). 
Umbilicalhernie, Appendix, Coecum, 
Ileum u. Netz als Inhalt einer ein¬ 
geklemmten (60). 

Undurchgängigkeit des Darmes. Fall 
' von chronischer (51). 

Unfähigkeit, Die zunehmende — d. 
Frauen ihre Kinder zu stillen 
543. 

Unfallverletzungen, Wichtigkeit einer 
raschen Beurteilung von 623. 
Unfallversicherungsgesetz, Das- u. 

. seine Folgen 671*. 

Unglücksfälle auf Wasserstrassen 
(13). 

Unregelmässigkeiten des Herzrhyth¬ 
mus bei Krankheiten des Gehirns, 

, Die Pathogenese der (13). 
Untersuchungen, bacteriologische 16. 
Untersuchungsergebnisse d. Verband- 
• materials (2). 

Ureide, Die physiologische Wirkung 
. der — auf das Herz (13). 

Urethra, Divertik. d. raännl. (2). 

—, traumat. Strictur der (3). 
Urethritis, Ueber d. Leistungsfähig¬ 
keit der Irrigationstherapie bei 
chronischer 443. 

Urin, Schleimiger (54). 

Urine, A note on very high specific 
gravity of 504. 

Urobilinurie, b. Typh. abdom. 

(4). 

Urticaria oedematosa (3). 

Uterus, Ein Fall von Aplasie des — 
u. d. Vagina (10). 

—, Fremdkörper im (30). 

—. Blutungen n. Ausfluss aus dem 
396. 

Uterusadnexe, Zur Frage über d. 
entzündlichen Erkrankungen der — 
u. ihre Behandlung (37). 

U teruscarcinoms, Epithelmetaplasie, 
Histogenese u. Frühdiagnose des 
(56). 

Uterusperforation bei Ausschabungen 
(30), (45). 

Uterusruptur, Zwei Fälle von — 
während der Geburt (56). 

—, Spontane — während der Ge¬ 
burt (56). 

Uterusrupturen, Pathologie u. The¬ 
rapie der (29). 

Uviollampe bei Ekzem 532. 

Uvula bifida, Zur Pathologie der 

( 11 ). 


T7\ 

Vaccinen, Die therapeutische Ver¬ 
wendung von — zur Heilung v. 
Bacterieninfectionen (12). 
V^demecum, Gynäkologisches 95. 
Vagabundieren, Zur Lehre vom (42). 


Vagina, Ein Fall von Aplasie des 
Uterus u, d. Vagina (10). 

Vaginalirregationen, Ueber kühle (10). 

Vaginitis, Gummöse 99. 

Vagusreizung Ueber den Einfluss einer 

— auf die Synergie der Herzven¬ 
trikel (24). 

Vagusresectionen beim Menschen, Zur 
Casuistik der (63). 

Vegetationen, Einfluss der adenoiden 

— auf Erkrankungen des Ohres 
(47). 

Vena portae, Folgen der Unterbindung 
der 596, 

Venenanästhesie nach Prof. Bier, Be¬ 
merkungen über die Methode und 
Anwendungsform der (20). 

venerischen Krankheiten in den Ar¬ 
meeverbänden des Moskauschen Mi¬ 
litärbezirkes im Jahre 1897—1907. 
Die Morbidität an (21). 

venerischer Ulcerationen Ueber die 
Behandlung — mit Röntgenstrahlen 
201 . 

Veränderungen der Gefässe bei ihrer 
Entblössung (49). 

Verbandes Eine Modification des Wol- 
kowitschen — bei Oberschenkel- 
fracturen (16). 

Verbandlehre, Compendium der 79. 

Verbandplatz des 148. Kaspischen 
Infanterieregiments während der 
Schlacht bei Mukden. Der (21). 

Verbandplätze, Die sanitäre Taktik 
der ersten (20). 

Verblödung, Ueber 176. 

Verbrennungen, Therapie der 5G0. 

Verdauungsdrüsen, Die Arbeit der 
wichtigsten —, der Magendrüse 
und Bauchspeicheldrüse bei Fisch- 
und Fleischnahrung (28). 

Vererbung der Schwindsucht auf 
Grund der Riffel-Schlüterschen 
Ahnentafeln. Die 343*. 

— in der Schwindsuchtsfrage, Die 
167*. 

Vergiftungen mit Ammoniaklösung 
(13). 

Vergleichend— anatomische Untersu¬ 
chungen an Gebärmüttern von Affen, 
von Menschen u. von Tieren (56). 

Verkalkungen, Ueber pathologische 

— u. ihren Nachweis durch Rönt¬ 
genstrahlen 595. 

Verkehrsmittel, Ueber d. Schatten¬ 
seiten d. heutigen (35). 

Verletzungen, Chirurgische Begutach¬ 
tung der Folgen traumatischer (51). 

— u. Chirurg. Krankheiten des Ge¬ 
sichts 54. 

— v. Kindern (36). 

Verrücktheit, Der Charakter der 

Associationen bei Kranken mit 
chronischer primärer (62). 

Vibrio aquatilis alcaligenes (57). 

Volvolus des Coecum (16). 

— der Flexura sigraoidea, Zur The¬ 
rapie des 527*. 

Vurhofes, Gumma des linken (13). 

Vulvovaginitis (aphthosa), Einige 
Fälle einer seltenen Form der — 
bei Kindern (10). 


Wachstumsfieber, Ueber das sog. —, 
fievre de crolssance der Franzosen 
(28). 

Wanderniere, Ein Fall von Hydrone- 
phrose einer (12). 

Wärmebehandlung, Zur — eiternder 
Wanden (35). 

Wasserraansche Reaction bei Lepra 122. 

--Einwirkung der specifischen 

Therapie auf die 403. 

Wassermannschen Reaction, Theorie 
u. Technik der — — u. ihre Bedea- 
tung f. d. Diagnose d. Syphilis 
( 11 ). ; 

—, Die negativen Seiten der (32). 

—, Zur Technik der (57). 

—, Syphilisreaction, Ueber die 
practische Bedeutung der 155. 

Wassermann-Neisser-Brucksche Reac¬ 
tion bei Syphilis, Untersuchungen 
üb. d. (31). 

-und ihre Bedeutung bei Gei¬ 
stes- und Nervenkrankheiten (62). 

Wassermannschen Reaction, Ueber 
die klinische Bedeutung der (41), 

— — Ueber die Möglichkeit bei der 
— — das syph. Extract durch 
künstl. Gemische zu ersetzen (60). 

Wasserstrassen, Unglücksfälle auf (13). 

Wasseruntersuchungskasten, Ein bak¬ 
teriologischer 645. 

Weber-Fechnersche Gesetz, Das 

im Gebiete der Gehörempfindungen 
bei Nerven- und Geisteskranken 
(62). 

Werlhofii, Ein Fall v. Morbus macu- 
losus (13). 

Wiener Brief, 125, 232, 338, 406, 
481, 533, 666. 

Wochenbettfiebers,Behandlungdes549., 

Wunden der Schädel-, Brust- and 
Bauchhöhle, Penetrierende (46). 

Wurmfortsatzes, Zur Untersuchung 
des (34). 

Wutkrankheit, Zur Frage über Imrau- 
nisation mit normaler Hirnsubstanz 
gegen (34). 

X-strahlen, (s. a. Röntgenstrahlen) — 
auf experimentellem Wege hervor- 
gerofene Atrophie der Ovarien — 
Durch — (16). 

Z. 

Zahnlose Soldaten (6). 

Zahnwurzelcysten, Ueber die Pathoge¬ 
nese der 52. 

Zähne, Extraction der 646. 

Zimmermannsche Theorie der Me¬ 
chanik des Hörens, Die G. 423*. 

Züchtung, künstliche des Krebserre¬ 
gers 17. 

Zwangszustände, behandelt nach der 
psychoanalytischen Methode von 

Breuer-Freuds (42). 

Zwillingen, Ein überaus seltener Fall 
von Verwachsung von (45). 


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UNIVERSITY OF MICHIGAN 



1909 . 


St. Petersburger Medicinische Wochenschrift. Ns 52 . 


23 . 


Abel 16.- 
A beimann (4). 
Abramow, D. (40). 
Abramowitseh, A. f 206. 
Abrashanow, A. (50). 
Abrikosow, A. (23). 
Acholediani, D. (36). 
Adamkiewicz, A. 155. 
Adler, H. f 632. 
Afanassjew, A. (46). 
Ahlmann, B. (52). 
Aichel. 0. 192. 
Aisenberg, M. (47). 
Akimow, M. f 178. 
Albrecht, G. (43). 
Alba 623. 

Alenew, A. f 612. 
Alexandrow, J. (10). 
Alexandrowsky, P. f 
518. 

Alexandrow, Th. (10). 
Alexandrow, W. (13). 
Alissow, P. t 398. 
Aljantschikow, P. f 384. 
Aljnchin, S. f 206. 
Alksne 101. 

Almkvist 122. 
Alyschewskij f 518. 
Andrejewskij (6). 
Anirejewskij, A. f 282. 
Andropow, P. (46). 
Anfimow, W. (26). 
Anitsch kow-Platono w 
(3). 

Anschelew, J. (45). 
Arapow, A. (59). 
Arinkin, M. (11), (28), 
(41), (48). 

Aristowsky, W. (35). 
Arkanow (5). 
Armstrong, W. f 158. 
Arndt, E. 604*. 
Arnsperger, H. 362. 
Asclie, M. f 460. 
Astachow, N. 52. 
Atkinson, W. B. f 688. 
Aufrecht 607. 
Awdejew, F. (18). 
Awerbach, M. (26), 
(62). 

Axenfeld 80. 


Baas, J. f 600. 
Babkin (4). 

Bachem, M. 531. 
Badigin, K. f 194. 
Bakaleinik (3). 

Balch, L. f 496. 

Balk f 144. 

BAn 141. 

Bandelier 458. 
Baradulin, G. (34), 
(49). 

Baranowski, A. f 588. 
Barany 507. 
Baratyn$ki, P. (51). 
Barbera, A. f 414. 
Bardy, H. 201. 

Barette f 194. 


A utoren-Register. 


Barikin, W. (39). 
Barker, F. 607. 
Bartoschewitsch, J.(23). 
Baschowski, W. (27). 
Basjutinski (62). 
Bauer, G. (3), (46). 
Bechterew, W. (7), (8), 
(17), (18), (25), 

696. 

Bechterew, D. f 484. 
Becker 100. 

Becker, Th. 272. 
Beckers 272. 
Beckmann, W. 65,93*, 
94, 95, 110*, 261, 
396, 542, 560, 561, 
583, 584, 601*, 625. 
Behla 17. 

Belinow (38). 

Belizki, S. (7), (26). 
Beljaew, D. (22). 
Beljakoff, S. t 222. 
Beljawski, A. (48). 
Belogolowow (38). 
Benderski, J. (12), (13). 
Benez6, M. f 44. 
Berdejew, A. (16). 
Berdjaew, A. (19). 
Berdnikow, A. (28), 
(57). 

Bereshnegowski,N.(17). 
Bergier, S. f 58. 
Bergmann, A. v. 18, 
61*, 85, 276, 689*. 
Berkholz, A. 275,276, 
509*. 

Berliner, M. 624. 
Berthenson, A. f 194. 
Berthenson, L. 86, 
449*. 

Besnier, E. f 342. 
Besold, D. 494. 
Bessonow. W. f 128. 
Betagh, G. f 114. 
Bieaanski, W. 335. 
BiehJ, K. 524. 
Bielefeld, A. 549. 
Binstock (5), (23), (27). 
Bircher-Benner 467. 
Biron, S. (34). 
Bjeljakow, S. f 158. 
Bjelkin f 356. 
Bjelorutschew, E. (56). 
Blacher 283* (34). 
Blaschko 191. 

Blau, A. 458. 

Ble3sig, E. 66, 660*. 
Bleuler, E. 348. 
Blisner (44). 

Bloch, L. (47). 

Blum (2), (12), (35). 
Blumenfeld 494, 682. 
Blumenthal, F. (27). 
Blumer 662. 
ßobrikow, S. f 636. 
Bobrinski, S. 291,807. 
Bobruk, M. f 68. 
Boddaert, R. f 496. 
Boerling, Josuaf 546. 


Bogoljubow (l), (3), 
(49). 

Bogoljubow, A. f 144. 
Bogrow, S. (32), (60). 
Böhme 201. 

Boikow, Wl. f 366. 
Boikow, W. (61). 
Boldirew, W. (28). 
Boljatrjan, G. f 422. 
Bollmger, Prof, f 448. 
Bondet f 398. 
Boudurowskij, W.f 670. 
Bonvicini, G. 53. 
Borcbsenius f 564. 
Borissow (3). 

Borissow, P. j* 546. 
Bormann (8). 
Bornhaupt, L. 17,101, 
115*. 

Bornträger, S. 683. 
Borodenko, F. (60). 
Borowski (2). 
Bortkewitsch, A. (45). 
Boshowski, W. (57). 
Bourneville f 342. 
Boursier, A. f 128. 
Boysen 585. 

Brauer, L. 381. 
Braunstein, E. (26). 
Brehm 101, 102, 350. 
Breitenstein, H. 156. 
Brick, A. (60). 
Bridgewater, Th. f 536. 
Brissaud f 688. 

Britto, Thora6 de f 366. 
Brjuchanow, W. f 356. 
Brodzki, J. 645. 
Bronnikow (2). 

Brower, Daniel R. f 
158. 

Brustein, S. (13). 
Bubnow, S. F. f 578. 
Bachstab f 178. 
Bugarewicz, F. J. f 
588. 

Bugarewitsch f 564. 
Bukoemski, F. (56). 
Bull, William f 158. 
Bum, A. 623. 

Bungart, J. 65. 

Bunge, G. v. 543. 
Burdenko, N. 596. 
Burack, S. (11), (13). 
Busch (5). 

Buschke 201. 
Buschujew (6). 

Busse, W f 272. 
Butenko, A. (62). 
Butke witsch, F. (50). 
Butkewitseh, A. (18). 
Büttner, H. f 700. 
Büttner, W. 84. 
ßystritzki, J. (48). 
Byzelski, S. f 472. 

Cambria, A. f 114. 
Calderone, C. t 114. 
Caraillon, P. f 326. 
Charschak, M. (60). 


Chishin, P. f 410. 
Chitrowo, A. (28). 
Cliolmogorow, S. (9), 
(29), (37), (55), (56). 
Cholodkowskij (44). 
Cholzow, B. (36), (43), 
(57). 

Choroschilow, W. (34). 
Choroschko, W. (25). 
Ch worostowski, M.(16). 
ChworostansKi, M. (50). 
Clark, H. E. f 128. 
Cobb, C. H. f 612. 
Costa, J. R. t 356. 
Costa, J. t 376. 
Cozzolino, 0. 127. 
Crigern, van 174. 
Crisafi, D. f 114. 

Cron 30. 

Cunningham, D. J. f 
376. 

Curci, A. t 484. 
Czerniecki, W. 15. 


Dagajew, L. (19), (50). 
Dahmer, 494. 
Damperow, N. (30). 
Damski, A. (54). 
Danilow, N. (22). 
Davidow, A. (54). 
Davis 662. 

Dawidenkow, S. (63). 
Dawydow, M. (6), (13), 
(24). 

Dawydow f 104. 
Dechanow, S. (63). 
Dedin 246. 

Dehn, 0. v. 539*. 
Dembskaja, W. (27). 
Deinbo, G. (27). 
Denissow, A. (21). 
Derewenko, W. (50). 
Derjushinski, S. (51). 
Derville f 266. 
Determann, H. 129*. 
Dibailow (5). 

Dibailow, S. (27). 
Dieterichs (1), (2). 
Diterichs, M. (2b). 
Dittrich, P. 495, 608. 
Dillon Brown f 222. 
Djakonow, P. t 20. 

- (16). 

Djedow, B. (60). 
Dmitrenko, L. (27). 
Dmitriew, W. f 58. 
Dmitrowski, N. + 34. 
Dobbert, Th. 180*. 
Dobromyslow, W. D. 
(35). 

Dobrow, J. f 376. 
Dobrowolski, N. t 34. 
Dodin, N. (38). 

Dodina, R. (33). 
Dogilaiski, W. (62). 
Donit3ch f 104. 
Dörbeck, F. 53, 55, 

112, 122, 174, 190, 
191, 219, 220, 229, 


230, 336, 458, 467, 
493, 504, 506, 524, 
585, 595, 607, 608, 
663, 682. 

Dörbeck, W. 16, 94, 
260, 348, S82, 624, 
682. 

Dorofejew, D. (40). 
Doroschenko, S. P. f 
294. 

Dowjakowski, H. A. t 
250. 

Draper, Fr. W. f 282. 
Drshewetzki (5). 
Dsjewizki, W. f 144. 
Dsirne, J. 45*, 608. 
Dührssen, A. 95. 
Dujardin-Beaumetz f 
282. 

Dumont 122. 

Dutoit, A. 544. 

Dylewa (8). 

Eberleio, A. (45). 
Egunow, A. (34), (54). 
Ehrlich, P. 646. 
Eichfuss, F. 254*. 
Eisenberg, Ph. 105*. 
Eiischer, J. v. f 646. 
Ellis, George f 70. 
Eminet (5). 

Engel, S. 696. 
Engelhardt 184*, 305. 
Engelmann, G. v. 195*, 
285*. 

Engel mann, Th. W. f 
310. 

Erbstein, M. (47). 
Erikson, E. (8), (21), 
(42). 

Ernst, K. f 536. 
Eschweiler 480, 

Ewald, C. 624. 

Ewald, K. 79. 

Fabrikant, M. (49). 
Falkenberg, W. 272. 
Ffidorow, J. (64). 
Fedorow, M. (62). 
Fedorow, P. (64). 
Fedorow, W. (10). 
Fedorow, S. (55). 
Fedorowitsch, K. (60). 
Fedynski, S. (12). 

Feer, E. 141. 

Feldt, A. 219, 377*. 
Felix 228. 

Fenster, M. (21). 

Fick, W # . 9*, 42, 67. 
Ficker 16. 

Filatoff, W. P. (26). 
Filbry 191. 

Filontschikow, N. (19). 
Fiüppow (4), (5). 
Finkelstein (2), (12), 
(16), (59). 

Finogejew, P. f 508. 
Fiorentiui, P. f 114. 
Fischer, H. 361, 696. 



Original fro-m 

UNIVERSITf OF MICHIGAN 



24. 


St. Petersburger Medicinische Wochenschrift. Ns 52. 


1909. 


Fleischer, R. f 250. Gottlieb (5). Hausmann, M. 645. Iwaschenzow, G. (39). Kasem-Bek, A. (28). 

Flemming 645. Gottscbalk 65. Hayer, Th. f 250. Iwersen, J. (57). Kasparjantz f 356. 

Fluss 201. Gottwald, E. A. t 546. Hecker, 41, 301, 493, Kassation, N. f 632. 

Fournier, A. 480. Gowers, YV. K. 320. 494, 543. Jaffe, M. E. f 508. Kassowski, W. (35). 

Fraenkel, E. 595. Gramenitzki, M. (34). Hecht, A. 220. Jäger, 0. 560. Kaschnew (5). 

Fraenkel, M. 695. Graefe, M. 560. Hein, K. (16). Jakimow, W. (23). Kaschtschenko (8). 

Frankel, J. (32). Grawe, A. (50). Hellat, P. (38). Jakowlew, W. (41). Katschkowski, P. E. f 

Franz, K. 661. Grawirowski, N. (19), Henggeier 531. Jaknbowski (44). 294. 

Fraser, Prof. A.f 160. (45), (46). Hering, H. 347. Janischewski, A. (42). Katz, R. (26). 

Frei 532. Gravirowski, W. (28). Heryng, F. 155, (38). Jankau, C. 480, 493, Katz, Prof, f 52ti. 

Freiberg, N. (64). Grauermann (9). Herz, M. 122. 505, 550, 646. Katznelson, L. (10). 

French, H. 504. Gregori (2). Herzberg. S. 141. Jankowski, J. 118*. Keeling, 1. f 194. 

Frenkel, L. (37). Greidenberg, A. (47). Hess, C. 381. Janowski, W. (13), Keilmann 99. 

Freud, S. 348. Greife, H. 259*. Hess, N. t 114. (27). Keller, A. 493. 

Friedlowsky, A. *f 194. Greiffenhagen, W. 124, Hesse, E. 221, 229, Jarmarkin, W. f *38. Kellner, A. (20). 

Frost, F. f 366. 527*, 565*. 348, 361, 362, 364, Jassenetzi-Woino, W. Kerner, J. (40). 

Fuhrmann, E. 227*, Grekow, J. (43). (36), 494, 523, 531, (16). Kester (4). 

251*, 618*. Grigorjew, L. (54). 533, (51), 569*, 595, Jawein, G. (33). Kibardin, P. f 448. 

Fullerton, B. .f 484. Grinew, D. (63). 596, (60). Jazuta (6), (19). Kiber f 158. 

Fürbringer, M. 683. Grinewsky, A. 156. Hilgermann, R. 645. Jehle, L. 382. Kieseritzky, G. 33, 98. 

Groedel, Theo 219. Hinders, E. (10), (12). Jellinek, S. 505. Kieseritsky, W. 192. 

Gabrilowitsch, L. (33), Groedel, Fr. M. 219, Hinz, F. 91*. Jemeljanow, N. (40). Kijanitzyn, J. (24). 

(54). 494, 531. Hippius, A. (45). Jenter, G. (10). Kirchner, M. 607. 

Gagarin, N. (26). Grochow (4). Hirsch, M. 213, 674. Jeremitsch, A. (44). Kirejew, M. (58). 

Galin, M. (21). Grödinger (9). Hirsch, H. 500*. Jessipow, Nikolai f 376. Kladnitzki, N. (27). 

Galvagüi, E. t 250. Grösz 141. Hocbmann 30. Jessner, S. 261. Klemm, P. 19, 31,3'. 

Galpern, J. (32). Gross, Hans 192. Hoffmann, Fr. A. 494. Jester, C. 301. Klibawski, S. (57). 

Garaalei, N. (40). Grosser, 683. Hoehlein, J. (38), 494. Jewezki, 0. A. f 266. Klieneberger, Carl 595. 

Gamaleja, R. (64). Grossmann, E. (35). Hoen, v. 382. Jewdokimow, W. (61). Kljutscharew, Ss. (13). 

Garngee, A. t 222. Gruel, M. f 398. Hofer, L. v. + 356. Jogschess (3). Klopotowski, N. (13). 

Garsiew f 366. Grtineisen (2). Hoffa, A. 247. Johanson, E. 515*. Klodnizki, N. (23). 

Gärtner 17. Grushewskij, A. + 310. Hoffer, L. G. + 376. Jordan, A. 59*, 141, Klug, F. f 310. 

Gaul (3). Gottschalk, Ed. 523. Hoffmann, H. 687. (31). Kljutscharew, Ss. (23). 

Gaupp, E. 505. Gruber, G. 524. Hofmeier, M. 584. Jordan, M. t 632. Knight. Frederick J. f 

Gawrilow, N. (30). Grusenberg, 0. f 294. Höhlein, J. (11), 494, Jordanski, W. (23). 158. 

Gawrilow, T. (47). Grusinenko t 104. 495, 505, 507,(47), Josefowitsch, A. (18). Knortz, K. 229. 

Gedroitz, W. (50). Gubarew, P. (37). 524. Jüdin, K. (26). Kobosew, J. f 366. 

Gegenbaur, K. 683. Gussarow, D. (57). Holler f 546. Jundell 122. Kobert 41. 

Geissler 418. Gussew, W. (55). Hollmann, W. 637*. Jungmann 443. Kobrinez, K. W. f 250. 

Geissler, Th. (39). Gussiew, P. (36). Holzinger, F. 35*, 51*, Jurasz, A. 301. Koch 261. 

Genter, G. (45). Gubarew (2), (6). 54, 55, 64, 65, 123, Jure witsch, H. (28). Koch, C. f 422, 436. 

Gerbsmann, J. (11). Gurewitsch (8), (13). 155, 174, 192, 288, Jürgens, E. (38). Koch, E. 112,122,141. 

Gerassiraow, W. W. f Gurfinkei, A. (52). 289, 320, 335,(35), Juszewitsch f 410. Kochanskij, J. t 58. 

158. Gushewski, B. (34). 467, 468, 595, 645, Köcher 118*, 382, 545, 

Gering, Th. (13). Guttraann, W. 95. 662, 663. Kakbugin, S. (54). 585. 

Germann (18), (27), Gutmanu, L. (62). Holowko, A. 269*. Kahn, E. (29). Kofmann, S. (50). 

553*, (63). Guttstadt f 282. Honorowski, J. 94. Kalabin, G. (9). Köhler, Alban 531. 

Germs, J. t 222. Hoppe-Seyler, G. 541. Kalatschnikoff, A.(13). Köhler, F. 645. 

Geroniraus, A. 438. Hadsen, E. f 564. Horoschko, W. (21). Kallistratow (6). Kolesnikowa, E. (36). 

Gerschnn (3). Haenisch, F. 523. Hotz, F. K. f 222. Kallmeyer, B. 367*. Kolle 532. 

Gersteln, G. (15). Haffner, v. 18. Hughes, II. 288. Kalmykow, M. (16), Kolotiuski, W. (17). 

Gidionsen, H. v. 494.Haffter, E. t 472. Hunt, Prof. Ch. 0. f (35), (44), (56). Kolpaktschi, J.M.jf310. 

Giese, E. (57). Hagen-Torn, J. (36). 460. Kalut (5). Kölpin, 0. f 700. 

Gilewitsch, S. (33). Hajek, M. 505. Kamanin (3), (46). Koltschin, P. (51). 

Ginsburg, A. (36). Hallam Hardy, Fr. f Iljin, A.(17), (18), (27). Kamanin, W. (20}, (32). König 443. 

Gishden (6). 222. Iljin, M. (14). Kamssarakan, S. (58). König, Jos. 532. 

Giwult t 128. Haller 122, 133*, 141, Isabolinski, M. (31), Kannegiesser, N.f422. Kononenko f 104. 

Glaubermann (4). 382, 399*, 549, 650. (41), (48). Kamenski, 0. (10). Konossewitsch, A. (31). 

Glintscbikow (3). Halpcrin (2>. Isatscbik, M. (21). Kaplan, Benjamin 298*. Konstantinowitsch (4). 

Glöckner, H. 480. Halperin, A. (24). Ischreyt 80, 102, 156, Karaffa-Karbut(2),(12). König, E. 192. 

Godsjatzki, J. (21). Hamilton, D. J. fll4. 192, 220, 321, 381, Karassew, V. A. t 53 6. Kopilow. N. (31) (49), 

Goldblum, f 326. Hampeln 31, 145*, 544, 550. 654*. Karl Theodor, Herzog (60). 

Golomba, C. (22). 159*. Isnpow, M. (62). in Bayern f 612, 631. Kopystynski, E. (42), 

Golowin, E. A. f 552. Hamburger, F. 272. Issaenko, B. N. f 612. Karnitzki, A. (36). (61). 

Golowikow, A. (21). Hancken, W. 155. Iwanow, A. (11), (38), Karmzki, K. (51). Kopp, A. (40). 

Gomolitzki, W. (9), (13), Hanes ,F. M. 607. (47). Karschin r A. (32). Korach, G. 175. 

(34). Handwerck, C. 347. Iwanow, E. (20). Kartamyschew,S.+410. Korfinyi, A. v. 201. 

Goralewitscb, K. f 460. Hartocb, 0. 634*, 682*. Iwanow, I. (16), (58). Kasanzew, W. P. 544. Korb (3). 

Gorochow,D.(19), (36), Hatfield, Marcus, P. tI w *now, M. (24). Kasas, J. (34). Kornilowicz, E. J. f 

(60). 632. Iwanow, W. (48). Kasarinow, G. (51). 612. 

Gorodezkij, W. (38). Handring, Ed. v. f 144. Iwanow, W. A. f 536. Kaschkadamow,W.(23), Korolkewitscb, J. f-366. 

Gorski, P. (24). Haug, E. R. f 236. Iwanow, P. (54). (34). Korolkow (8), (40). 


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1909. 


St. Petersburger Medicinische Wochenschrift. Ns 52 . 


25. 


Korschenewskij, S. N. Legge, Fr. f 44. Makowetzki f 236. Michelson 53, 54,101,|Nastinkow, M. (13). 

t 552. Lehmann (10), (18). Malis, I. (51). (14), (18), 192, 272. Naunyn, B. 112. 

Korschun, S. (63). Leibfreud, L. (63). Maljarewskaja, C. t 273, (26), 348, 361, Nedjelski f 88. 

Koslowski, N. (21). Leinenberg t 114. 670 431, (42), 495, 504, Nefedow, W. (13), (24). 

Koshuchowsky, A. f Leikin, S. (61). Majorow, D. F. t 158. 505, 506, (62). Nejelow, N. (55). 

366. Lejars, F. 596. Malassez, L. 700. Michin, P. (44). N6ljubow, E. (35). 

Koslowski, I. (36). Lenger 191. Maljutin, E. (16), (46). Michnewskij, A. (46). Nemenow, M. (58). 

Koslowski, P. (34). Leus, A. de (47). Maller, J. 113. Mickwitz 41, (10), (13), Nemenow, N. (36). 

Kraepelin, E. 361. Leontjew, W. (57). Mainonoff, W. N. 544. (16), (18), (19),(21), Netto, Fr. 143. 

Krajuscbkin, W. (34). Lesebner, N. (13). Mandalari, L. t 114. (22), (23), (24), (30), Nemerad 143. 

Kraimhals, fl. 614*. Lesshaft, P. f 670, 669. Mangoldt, von f 206. (31). Nemser, M. (23). 

Kraus 42. Leszynski, A. f 472. Mangubi, S. (60). Mickwitz (45), (58). Nese, E. (63). 

Krassnogorski, I. (28). Leube, W. v. 112. Mankowski, L. (13). Miklascbewski 13, (18). Netschaew, Ä. (57). 

Kratschenko, S. (34). Levin, L. (36). Manteuffel 32. Miller, A. I. + 648. Neuburger, M. 662. 

Krawkow (4), (56). Lewascbow, W. (28), Manuchin, J. (34). Minin, A. f 194. Neugebauer, N. v. 202. 

Krehl 16. (35). Marchand 16. Minz, W. (35), (40). Neuraan, I. f 448. 

Kreindel (6), (20), (21). Lewtschenkow, D. (61). Marcuse, Julian 175. Mironowitscb, (32). Neumann, J. F. 423*. 

Krich, 680*. Lexer, E. 54. Margulies, M. (27). Mitropolskij, S. Ä. f Neumann 549. 

Kriwsky, L. (29). (45) Lezenius 113, 142. Margulis, M. (18). 578. JNielsen, E. (61). 

Krotkow, S. (21). Lichtmann, J. 107*, Mariantschik, N. (36). Modrakowski, G. 260, Nikitin, W. (38). 
Krüdener, H. von 267*, 191, 201, 403, 404, Marie, A. 288. (41). Nicolaieff, B. N. 411*. 

3 16 *. 419, 443, 444,485*. Markelow, G. (42), (58). Mokejew, A. (23). jNielsen, E. (25). 

Krylow, B. (13). Liebermann, J. (31). Markewitsch, M. (40). Mokejew, A. t 688. iNikitin, M. (8), (16), 

Krymow (2), (51). Liepraann, W. 624. Markow, D. (20). Mokin, N. (50). I (25), (42). 

Kubli, M. (18). Litschkuss, L. (30). Markow, S. 1. f 578, Molunow, N. t 356. Nikolski (6), (13), (46). 

Kubli, Th. (27). Ljustritzki, W. (17). (61). Molodenkow, St. (21).|Nikonow, S. (40). 

Kuegelgen, 176. Liebermann, J. (11), Marques, E. t 44. Molinier, 174. jNishbitzki, N. (19). 

Kufferath, E. f 222. (54). Martemjanow, F. f 342. Monin, L. (9). 'Nitowski, C. t 34. 

Kögel (3). Lifschütz (5). Martial, K. 288. Monti, R. 272. Nitzeinadel, E. 646. 

Kügelgen, K. v. 504. Lindfors, 0. t 688. Martin, A. 543. Monti, Alois f 578. Nocht 79. 

Kuhn, Ph. 662. Lingen, L. v. 54, (9), Martin, Karl Bernold Morgenroth 41. Nonne, M. 112. 

Kukowjerow, N. f422. (16), 190, 272,(30), 191. Morosow, A. (58). Noorden, C. v. 467. 

Kunzewitscb, I. A. f (45), 543,596, (56), Martins, Fr. 362. Moritz, 0. 55,122,123, Nourney 65. 

294. 649*, 696. Maschkileisson (3). 124, 229, 302, 37J,Novakowitscb,D.f 326. 

Kupffer, A. 311* 327*. Lipinskij, Wl. W. f Masing, E. 66, 361, 532, 646, 696. Nowikow (5), (10). 

Kupp (6). 552. 497*. Morosow, I. (32). Nowoselsky, S. A. 544. 

Kurlow, M. (40). Litschkuss, L. (39). Maslakowez, P. (11), Morosowa (1). Nussbaum, M. 544. 

Kuschew (5), (13) Liwschitz, P. (32). (31), (57). Moskalew, M. (57), 

Kusnetzki (2), (4), (37), Lissowsky f 356. Massalitinow, G. A. (61). Obraszow, N. (37). 

(54), (56). Ljaschenko, M. (37), 431. Mosso, Ugolino t 158. Obraszow, W. (58). 

Kusnezow, W. P. f (41). Massol, L. t 700. Motel f 168. Oeder, G. 466. 

250. Ljaschenko, (35), (38). Matthews, J. (12). Msarenlow (3). Oestreich, R. 54. 

Küster 42. LjubimOw, I P. f 250. Maximow, W. (40). Mühlen (9), (11), (14), Okinschiz, L. (9). (41), 

Knschtalow, N. (29) Ljubomudrow, W. (41). Mayet f 588. 174, 175, (15), 191, (56). 

Küster, L. 65. Loktew, W. (46). Mayer, K. 94. 219, 246, (23), (28), Okunew (11), (38). 

Kutner, R. 532. Lombroso, Cesare f Marzurkiewiez, W. 260. (30), (31), (34), (36), Olkin, A. W. f 294. 

Kwaschnew, W. f 564. 552. Mc. Cosh, A. f 44. (37), (38), 458, (42), Olschewskij t 700., 

Kwjatkowskaja f 236. Lopatin, M. N. f 178. Medowikow (5), (22), 480, (44), (45),(46), Omorokow, L. (17), 

Lorand, A. 663. (34), (48). (48), 550, (51),(54), (61), (62). 

Laan, H. A. 261. Lorentz, H 201. Meissner, P. 543. 584, (56), 645, 646, Opokin, A. (56), (59). 

Lafite-Dnpont 174. Lortet f 700. Melkich, A. (58). 683. Oppel, W. (36), (57). 

Lahnstein 443. Losaberidse, E. (12). Melle, f 114. Mühlen, v. z. (Reval Oppenheim, A. N. t 

Lamonow, W. Lossen, H. f 484. Melnikow, G. (23).. 503*. 294. 

Landau (8) Lubenezki (4). Meitzer, E. Ingenieur Mühlmann, M. (63). Orleanskij, L. f 58. 

Lande, E. (45). Lucae, A 506. 585. Mühsam, 79. Orlow, K. f 58. 

Lange, Fr. 624. Lukjanowski t 88. Mendelson, A (42). Müllern, K. v. 301. lOrlow, W. (29). 

Langerbans, P. f 376 Lundberg 99. Merknlowitsch (6). Müller, W. f 366. Orlowski, W. (34), (54). 

Langowoi, N. (24). Lungwitz, H. 335. Merlon, P. f 612. Mnchin, E. (29). Orlowski (Berlin) 431. 

Lasarew (8). Lütkens, A. (64). Mershejewski, I. (42). Müller, P. Th. 467 Oschmann, A. (36), 

Laqneur, L. t 250. Lutscbew, A. f 206. Meschtscherski, G. (10), Mursay, R. A. t 194. (43), (öl). 

Laquer, L. 273. Lutschinsky, St. |366. (30), (32), (60), (61). Marsaew, B. (57). Osokin, P. (24). 

Lasareff, E. (26). Lysowski, L. (49). Mesernitzki, P. (14). Mussatow, N. (9). Ossowski, N. (54). 

Lasserre 140. Luzenberger, v. 623. Mestorf, Johanna 1422. Mykertscbiantz, A.(10). Ostankow (7), (8). 

Lastotschkin J. (45). Metzger, G. t 144. Osten-Sacken, E. v. 

Latzko, W. 649. Maconachie, G. A. f Metzler, A. t 518, 675. Näcke, P. 53. (20), (36). 

Lavonius, H. 201. 398. Meunier, R. 289. Nadeshdin, F. M. f Ostmann, P. 444 

Lazarus, A. 646. Magnus-Levy, A. 141. Meuschen, E. 537*. 688. Ostwald, W. 584. 

Ledomski (3), (29). Magelhaes, P. d. Al- Mey, Edgar 522*. Nadler 632. Ostrjanski (2), (46). 

Lebedew, E. f 206. meida f 222. Michailow (1), (64). Nagel, W. 220. Otschapowski, S. (Öl), 

Lebedew, W. f 460. Makaweisky 98. Michailowski, J. (13). Natanson, A. (64). (62). 

Lebedew, N. (31). Maklakow, A. (52). Michelsson, Fr. 331*. Natanson, W. f 578. Ott, Dm. (37). 

Lebedew, N. P. t 588. Makow, K. (40). Michels, E. 645. Naumann, A. (46). Otten, M. 523. 


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26. 


St. Petersburger Medicinische Wochenschrift. X 2 52. 


1909. 


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Pariski, N. (45). Prawossud, N. t 88. Rodionow (6). Schadkowski, F. f 70 - 

Paroschin, M. (45). Predtetschenski (5). Romberg 64. Schaikewitz, M. (54). 

Parzer-Mühlbacher, A. Preis, M. (38). Rona, S. 419. Schak, W. (51). 

Passek, W. (63). Preobrashenski, P. (58). Roshdeswenskij, A. f Scharaario, W. (40). 

Pasternak, R. (11) Preobrashenskij,S.(46). 356. Schapiro (7). 

Pasternazki, Th. (52). Prenschen, F. v. f 20. Rosen, A. (02). Schapowalenko, U. (13). 

Paulun f 158. Pribram, A. 645. Rose, C. 6b2. Schapschal, I. (40). 

Pawlowa, Marie t 194. Pribytkow, G. f 826. Rosenbacb (8), (23). Schaschkin, A. f 34. 

Pawlowa, N. (34). Priklonski, J. 61. Rosenberg, A. t 508. Schawlow, A. 71*. 

Pawlow, A. (45). Primo, N. (44V Rosenhauch, E. 260. Schatilow, P. (31). 

Pawlow, P. (30), (61). Prissmann S. 139*. Rosenthal, I. 229. Scheff, I. 646. 

Pels-Leusden 560. Prochownich, L. 174. Rosenberger R. C. 121. Scherber 403. 

Penzoldt, Fr. 229, 336, Prokopowitsch, F. M. Rosenberger, F. (60). Schewaldyschew, A. (9), 

492. t 236. Rosenfeld, G. 288. (22). 

Perchnrow (2). Proshauski, N. (41). Rosthorn, A. v. Prof. Schewelew, N. f 294. 

Perott, B. (12). Proskurin, W. (51). t 448. Schestopalow, M. (29). 

Petersen, O. v. 30, Prosorowski, N. (9). Rostowzew, G. (24). Schegalkin, P. (19). 

113, 121*, 419,431, Prosorow, C. (41). Roth, A. 321. Schiele, W. 30, 31, 

463*, 579*, 589** Protopopow, Th. (15). Rshewkin, N. t 422. (10), (11), (12), 155, 

Peterson, Th. (56). Protopow, W. (25). Rschanitzin, Th. (52). 156, (16), (18), 212, 

Petrow, A. f 88. Prshibytek (4). Rubaschkin (4). 247, (20), (21), (22), 

Petrow, N. W. f 578. Pumjanzew, Th. (23). Rubert, J. (63). (24), 261, (28), (30), Semenow - Blnmenfeld, 

Petrow, N. (16), (36). Pürckhauer 403. Rubinstein (3). (31), (35), (41), 480, S. (47). 

Peukert, M. 174. Pussep (6). Rumjanzew, (28). (45), (48), (52). Senowitsch - Kasch- 

Pewnizki, A. (42). Pütter, A. 156. Runge, M. Prof, f 438. Shiraow, A. (40), (58). tschenko, B. (24). 

Pewsner, M. (24). Putschkowski (5), (6), Russki, E. (16). Scbipin. D. (24). Sentschenko, L. (11). 

Pfannenstiel, I. 175. (11), (15), (38),(41). Rütimeyer 229. Schirjajew, P. A.f 578. Serapin, K. (59). 

Pfannenstiel, J. 384. Rutenberg, M. f 410. Scliirokauer, H. 683. Serena, Santi f 484. 

Pflüger, E. F, W. 544. Rabotnow, L. (47). Ruttin, E. 219. Schirokogorow, I. (12), Sewastjanow, E. (34), 

Pharmakowski, N. (16). Radkowski f 70. Rybalkin, J. f 44. (22). 595. 

Pick, A. 220. Radlinski 94. Rydygier, A. 190. Schirokogorow, J. 547*. Shdanowitsch, W. (10), 

Pick, W. 584. Radsiewski, A. (36). Schischkin, A. f 20- (H). 

Pilikin, S. 70. Raimista, J. (63). Saalfeld, E. 683. Schischkow, A. S. t Shattock, S. G. 219. 

Piltz, 1. 260. Rakitin, W. (46). Saarfels 89*. 266. Shebrowski (4). 

Pinker 100. Rajewski, P. (60). Saboia, Candido de Fi- Schischkina-Jawein, P. Shitkow, A. (39). 

Pissemski, T. (28). Rancken, Dodo 201. gueiredo f 266. (3). Shukow (3). 

Piwowarow, G. + 422. Ranke, H. v. f 294. Sachanow, S. (33). Schischmann, W. (52). Shukowski, W. (12), 
Plastunow, B. (45). Rapoport, L. (37). Sacher, A. 43, (11), Schlecht 229. (28). 

Platonow, W. (29). Raptschewski, I. (2), 301, 419, 444, 458, Schiess 611, 624, 683. Sikow, W. (57). 

Pletnew, D. (13), (24). (20). 480. Schlöss, H. 431. Sigwart, W. 272. 

Pleschkow, N. (19). Raschba (4). Sack, N. (30). Schlüter, R. 550. Silberberg, L. (41). 

Pietenew, W. (46). Raskina (4). Sack, I. (37). Schmidt (7). Silberberg, H. G. t 

Podjapoljski, P. (25). Rasumowskij (43). Saemisch, Th. f 632. Schmidt, Hans 54. 518. 

Podlewski (4). Räuber 544. Sahli, H. 645. Schmidt, H. E. 229. Sile, M. (28). 

Pobodinski, N. (29). Ratner 53. Saizew, M. G. t 536. Schmidt, Moritz 336. Simin, A. N. (35). 

Podresan t 104. Reamy, Th. A. f 194.1 Saizew, M. f 564. Schmidt, V. 336, 361, Singalewski, S. (59). 

Poggenpohl, S. (22), Rebaudi, Stephan 583. Saizew, Th. (22). 544, 683, 697. Singa, G. 123. 

(57). Redlich, A. (44). Sajontschkowski, S. + Schmidt, W. (19). Simsen, M. M. f 178. 

Pokomy, W. f 536. Redlich, Emil 63. 194, 205. Schmigelski, N. (26). Sittler, P. 543. 

Polenow, A. (50). Redmond 531. Saks, I. f 326. Schmorl, G. 609. Siwre, A. (20). 

Poletajew, A. (35), (41). Reformatski, N. (18). Salge 13, 261, 608. Schmurlo, I. (11), (47). Sitnikow, M. (28). 

Poliwalowski (3). Reich, I. (18). Salenski (5). Schneider, A. 100. Sjögren, T. 595. 

Polland, R. 260, 382. Reichel, P. 42. Salzwedel 65. Schneider, N. (47). Shlobkowskij, Th. t 

Pomper, A. L. f 158. Rein, G. (44). Sandmann 122. Schuirer 31, 80. 648. 

Ponzio, F. f 114. Reinhard 27*‘ Santscbenko, P. (30). Scholkow, B. (57). Skop, W. (62). 

Poorten 31, 42. Rendu, M. H. 122. Sanssailow, (16). Schott 123. Skrobanski, K. (44). 

Poper, P. (20). Renvers f 178. Sapatsch-Sapotschinski Schour, M. (51). Skrypt, A. (47). 

Popow, A. (37). Rethi, L. 524. (57). Schredl, L. 219. Skutschenko, N. S. 

Popow, D. (9), (56). Reyburn, R. t 250. Sapalsky, J. N. t 546. Schreiber, 682. (41). 

Popow, N. (20), (46). Ribbert, H. 608. Saretzki, S. (16). Schrenck, A. von 385*. Sljepjan, f 178- 

Popow, G. I. f 236. Richter, P. E. 261. Sarzewitsch, G. (51). Schubenko, G. f 632. Statogorow, S. (28). 

Popoff, A. f 538. Riecke 30. Sassaparel, J. (46). Schukowski, M. (26). Slonewski, J. (63). 

Popowa, M. f 144. Rieder, H. 2o8. Saturnow, N. (64). Schultz, C. f 496. Slowzow, B. (34), (57). 

Porosz 4l9. Rietschel 419. Sauerbeck, E. 468. Schürer v. Waldheim, Sluka, E. 542. 

Poroschin (3). Rigler, 682. Sawicki 16. F. 289. Smirnow, P. + 484. 

Poshariski, I. (63). Ripamonti, f 670* Sawin, Th. (60). Schurmayer, 682. Smirnoff, A. f 194. 

Pospelow, A. (32), (61). Rivi6re, I. A. 361. Schaack, W. 468,628. Schurupow, J. (57). Smirnow, A. (40). 

Pospelow, P. (16). Robertson, D. f 44. Schabad, J. (48). Schurupow, S. (33). Smirnow, S. (40). 

Posser 219. Rochlin, A. f 356. Schabai, T. 0. 206*, Schtschegolew, M. (23). Smith, Dr. Thomas f 

Potemkowski t 104. Rodari 228. (54). Schtscherbak, A. (14). 552. 


Schwalbe 30, 54, 624. 
Schwalbe, J. 371,624. 
Schwarz, Ed. 21*, 224*, 
295*, 671*. 
Schwartz, Th. 243*, 
275, 289. 

Schwarzwasser, I. (23). 
Schweizer, P. (22). 
Scipiades, B. 561. 
Sdanowitsch, I. (28). 
Scott, A, f 496. 

Scott, X. Ch. f 612. 
Segal, S. (öl). 

Seibert, A. 662. 

Seiler 532. 

Selenew (3). 

Selenew, I. (32), (61). 
Selenkin, W. (10). 
Selenko t 194. 
Selenkowski, L. (51). 
Selikin, S. (40). 
Selkin, S. (34). 
Semenow, A. + 58. 


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Original fro-m 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 



1909. 


St. Petersburger Medicinische Wochenschrift. Ns 52. 


27. 


Sserebrowskij, M. 

578. 

Ssnegirew, K. (52). 
Snell, S. f 250. 

Stortz, L. P. f 588. 
Sofer 125-127, 236,1 
341, 409, 483, 535.| 
Sokolow, A. (39). 
Sokolow, I. (51). 
Sokolowski, E. 149*. 
Sokolowsky, R. 419. 
Solowjew, N. (51). 
Solowjew, W. f 688. 
Solowzew, N. (38). 
Sommer, E. 596. 
Sonnenburg 79, 94. 
Sonn, N. f 206. 
Spakowski f 128. 
Spassoknkozkaja (4), 
(34). 

Spasski, A. P. f 266.| 
Spengler, C. 141. 
Spengler, K. (35). 
Speranski, N. S. 
144. 

Spisharnyi, I. (35),] 
(43), (44). 
Spitzmacher, f 144. 
Spriggs, E. I. 467. 
Springenfeldt, J. (64).] 
Sredin, C. W. f 578. 
Ssacharow, G. (52). 

Ssawitsch (4). 
Ssaweljew, D. T. 
158. 


Sticker, G. 288. 

Stieda, W. 197* 693*.] 
Stille 122. 

Stilling, I. 321. 
Stintzing, B. 336,492.1 
Stojanow f 236. 
|Straicber (2). 
Strashenko, N. (14),| 

(34) . 

Strasser, Alois 624. 
Strauch, W. 156. 
Strauss, Prof. H. 458. 
Strelkow, A. (40). 
Stroganowa-Ulesko, K. 

, (*)• 

]Stubbs, G. E. f 600. 
Studainski (34). 
Stühlern, W. (57). 
Stukowa, M. (34). 
Stülern (3). 

Stülern, W. (39). 
Stusimski, I. (24). 
Subow, I. (42). 
tlSulakow, A. (41). 
Swerew, B. (44). 
Swershewski, L. (47). 
Swetlow, W. (14). 
Swistunow-Switlowskij 
W. f 342. 

Swoechotow, A. (13),I 

(35) . 

Sykow, W. (10). 
Syliwanowicz, C. t 44. 
tlSylwestrowicz, F. 

632. 


Ssemenow, S. (60). 
Sseliwerstowa f 648. 
Sseslawinsky, W. t 
356. 

Ssilujanow, W. A. f 
600. 

Ssinakewitsch, N. (30). 
Ssisemski, W. (20). 
Sokolow, N. f 448. 
Ssokolow, W. (30). 
Sokolow, I. (32). 
Ssobolewski, A. (42). 
Ssuchanow (4), (21). 
Ssulylkowitsch \ 460. 
Ssusdalski (6), (32). 
Ssyrenski, N. (40). 
Stamirowskij, S. |326. 
Stackeiberg, A. (57). 
Starodubzew, N. (63). 
Steer, J. f 398. 

Stein (4), (13), (16). 
Stein, S. v. (46). 
Steinberg. 

Steinhardt, I. 155. 
Steinhaus, I. 191. 
Stelker, L. (57). 

Stern (5), (13). 
Sternberg, W. 493. 
Stescbinski (4). 

Steyen, J. L. f 123. 


Syssin, P. (16). 

Szurek, St. 347. 

Taschenberg, 0. 683. 
Tawildarow, F. (37). 
Telfund, E. 79. 
Telitschenko, E. (16). 
Ter - Nerssessow, G. 
(51). 

Testa, B. f 114. 
Tichoinirow, S. M. t 
588. 

Tigerstedt 17. 
Tikanodse, J. (37), 
(55). 

Tiesenhausen, M. (28). 
Timofejew, P. f 70. 
Timofejew, S. (23). 
Timofejewski, P. (20). 
Thal, R. (20). 
Thanhoffer, L. v. f 
194. 

Theilhaber, A. 396. 
Thomson, G. (37). 
Thies, I. 175. 

Tizner, A. | 410. 
Todorow, P. (46). 
Tolstow f 236. 
Toraoschewski, W. 
379*. 


Tonkow, W. (58). 
Tranjen 544. 

Trabsch, 0. (30). 
Trendelenburg, H. 54. 
Troümow, N. (38), 
(47). 

Troizki, N. (52). 
Tscbetschott, 0. (14). 
Tschelnawski, N. (16). 
Tschernogubow, J N. 
(32). 

Tschirjew, S. (14). 
Tschisch (6). 
Tschirkowski, W. (18). 
Tschistjakof, P. I. (26). 
Tschistjakow, M. f 44. 
Tschistjakow, M. (10). 
Tschistowitsch, F. (36). 
Tschistowitscb, N. (28), 
(34). 

Tschistowitsch, M. (40). 
Tschumakow, J. (32). 
Turner, G. (15), (46). 
Tuschinski, M. (39), 
(52). 

Twerdowski (2). 


ücke, A. 16, 17, 155, 
175, 192,251*, 431, 
595, 543, 608, 609, 
646, (64). 

Uglow (6), (21). 
Ugrjumow, P. f 34. 
Ukrainzew -Jumaschew, 
N. t 564. 

Ulesko-Stroganowa, K. 

(9), (55). 

Ullmann 31. 

Ulrich, W. A. f 678. 
Ungern-Sternberg, Ba¬ 
ron W. v. 42. 
Unterberger, S. 167*, 
344*, (54), (64). 
Untilow, P. (55). 

Unna 201. 

Urbanski, J. f 70. 
Urbschis, P. f 20. 
Urso, G. d’ f 114. 
Uspenskij, S. f 410. 
Veit, I. 561. 

Vierhuff 13*. 

Villaret, A. 606. 
Violin, I. (20), (36). 
Vogel, Aug., Ritter v. 

Fernheim f 422. 
Vogl 585. 

Vollmer 30. 

Vörner 403. 

Voss, G. 123. 


Waelsch 403. 

Wahl, A. v. (10). 
Wainbaum, N. f 384. 


Wakley, Thomas+158.j 
Wanach 41, 64, 247, 
362. 

Wang-in-Hoai 156. 
Wandel, 0. 53. 
Warschawski, I. (12). 
Warschawsky, M. L. t 
546. 

Wassiljewa, M. (57). 
Wassiljew, S. (36). 
Wassiljew, M. (59). 
Wattenberg, H. 79. 
Weber, F., sen. 367* 
489*. 

Weber, F. 79, fcO, 237*, 
631, 544, (50), 596, 
608, (60). 

Weber, H. 122. 
Wedenjapinski, P. (56). 
Weichardt, Wolfgang , 
65. 

Wein, E. 347. 
Weinbaum, U. f 484. 
Weinberg, B. 582*. 
Weinberg, K. 696. 
Weingerow, L. (33). 
Weinstein, A. (18), 
(51). 

Weiss, E. 473*. 
Weijaminow, N. (15). 
Welikanow, A. (26). 
Wenderowitsch, E. 
( 61 ). 

Wereschtschagina, A. 
(34). 

Wernke, Th. (18). 
Wersheiski, W. t 114. 
Wersilowa, M. (32), 
(61). 

Wershbizky, I. f 356. 
Westenrich, N. (23). 
Westenrick, N. (40). 
Westphalen 1* 

Wiehert, P. 76*, (32), 
662, (61), 683. 
Weyert, F. 53, 65, 
141, 272, 347, 642, 
6o9, 662. 

Weygandt, W. 192. 
Wiehrew, N. (13). 
Widmark, I. 141. 
Wigdortschik, A. (34). 
Wigura, I. F. f 144. 
Wilms 41. 

Wilson, H. 79. 
Winawer, E. f 648. 
Winkler, F. 623. 
Winckel, F. v. 542. 

Winogradow, W.f 114. 

Winogradow, P. f 700. 
Wischnewski, A. (60). 
Wirschubski (5). 

Witlin, W. (63). 
Wittgenstein, 549. 

Wiss, 0. W. t 376. 


Wladimiroff, A. 65,,79. 
Wladimirow, G. (35). 
Wladimirow, W. (30). 
Wladytschenskij, A. P. 
(35), (52). 

Wladytschko (8), (16), 
(62). 

Wlajew, G. t 128. 
Wlajew, G. (35). 
Wloczewski, C. f 384. 
Wojatschek (3), (47). 
Wollf-Eisner, A. 320. 
Wollenberg, A. 247. 
Wolodsko, B. f 58. 
Woloschin, A. (34). 
Wolpe 37*. 
Woskresenskaja* M. f 
460. 

Woskressenskij, N.(46). 
iWoskressenski, W. F. 
f 178. 

Wosnessenskij f 508. 
Wostrikow, P. (60). 
Wreden, R. (46). 
Wschadshik, E. (56). 
Wsewolodow, P. 422. 
Wsewolodow,Wl. + 398. 
Wsewolodow, W.f 356. 
Wullstein 41. 


Xenophon, Ch. Scott 
f 552. 

Yco, G. Fr. f 282. 


Zadro, E. 246. 
Zanietowski 31. 
Zaregradski, A. (28). 
Zarfl, M. 542. 

Zäslein, Th. 64. 
Zatzkin, A. (20), 
Zazkin (6), (31), (8), 
(46). 

Zebrowski, A. 190. 
Zechmeister, H. 246. 
Zeidler, 66, 67. 
Zeuner, W. 174. 

Zezin, W. (35). 
Ziegler, 0. 382. 
Ziehen, Th. 543. 
Zimmermann, W. 461*. 
Zincone, A. f 114. 
Zitowitsch (3), (20), 
(38), (47). 

Zotowski, M. (18), (63). 
Zuckerkandl, V. 348. 
Zoepffel, 153*, 521*. 
Zülzer, G- 54. 


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Original fro-m 

UNIVERSETY OF MICHIGAN 



Druckfehlerberichtigung. 


Seite 355, linke Spalte, 7. Zeile von unten ist zu lesen hochherzigen statt hochwttrdigen. 


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373, rechte 

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Dorpat statt Libau. 

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Frankl Hochwart statt 

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396, * 

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Ileus statt Ulcus. 

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Häckel statt Hankel. 

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oben 

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Iso ton ie statt Isotomie. 

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414, rechte 

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ff 

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Isotonie statt Isotomie. 

n 

419, 

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29. B 

n 

TI 

n 

n 

ti 

Reval statt Liban. 

» 

632, 

TI 

25. , 

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TI 

n 

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Schnürer statt Scheuer. 


Seite 16 der Revue der russ. med. Zeitschriften linke Spalte, 6. Zeile von oben ist za lesen: Dampfdesinfec* 
tionskammer statt Dampfmfectionskammer. 

„ 20 der Revne der rnss. med. Zeitschriften linke Spalte, 3. Zeile von unten ist zu lesen: Raptschewski 
statt Kaptschewski. 



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Original fro-m 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 



ST. nrnsnun 

MEDICINISCHE WOCHENSCHRIFT 

unter der Mitwirkung von 

Dr. Ad. v. Bergmann, Dr. E. Blessig, Dr. 0. Brehm, Dr. X. Dombrowski, Dr. J. Dsime, Dr. C. Frankenhäuser, 

Riga. St. Petersburg. Libau. St Petersburg. Moskau. St. Petersburg. 

Dr. P. v. Hampeln, Dr. H. Hildebrand, Dr. W. Kernig, Dr. P. Klemm, Prof. 0. v. Petersen, Dr. 0. v. Schiemann, 

Riga. Mitau. St. Petersburg. Riga. St. Petersburg. Moskau. 

Dr. Ed. Schwarz, Prof. G. Tiling, Dr.RWanach, Dr. H. Westphalen, Dr. C. Wiedemann, Dr. R. v. Wistinghausen, 

Riga. St. Petersburg. St. Petersburg. St. Petersburg. St. Petersburg. Reval. 

Prof. W. Zoege v. Manteutfel, 

Jurjew (Dorpat), 
unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Juijew (Dorpat) Riga. 

Dr. Franz DÖrbeck. 

St. Petersburg. 


1 St. Petersburg, den 3. (16.) Januar 1909. XXXIV. JAHRGANG. 


lieber die Dauerresullate der Therapie des Ulcus 
rotundum ventricull. 

Von 

Dr. H. Westphalen. 

(Nach einem Vortrage anf dem V. Estiändiochen Aeiztetage 
in Reval, 5.-7. Dec. 1908). 


Mit zu den dankenswertesten Aufgaben des Inter¬ 
nisten gehört die Behandlung des einfachen uncompli- 
eierten chronischen Magengeschwürs. Nach richtig ge¬ 
stellter Diagnose kommt der Patient ins Bett, erhalt die 
für die Behandlung dieser Krankheit nunmehr ganz 
allgemein anerkannte v. Leubesche Kost je nach 
Umständen Breiumschläge auf das Epigaslrium und schon 
in wenigen Tagen sind alle Schmerzen und das Er¬ 
brechen geschwunden und so geht es zur Zufriedenheit 
aes Patienten und seines Arztes fort, bis der Patient 
nach einigen Wochen das Krankenhaus verlassen, als 
„geheilt“ ausser Behandlung treten kann. 

Auf diese Welse verläuft die grosse Mehrzahl der un- 
complicierten Ulcnsfälle und so erklärt sich auch das 
procentisch günstige Heilungsresnltat, welches bei Be¬ 
rücksichtigung der Statistiken von v. L e u b e *). — 
Welch 1 ). — Debore und Remond 8 ) — Ewald*), — 
Warren 8 ), — Schulz 6 ) u. A. mit 68 % im Mittel 
beziffert werden kann. Doch sinkt diese Zahl mit zu¬ 
nehmender Beobachtungszeit, beträgt nach Warren, 
Schulz und Wirsing 7 ) nach V* Jahre blos 55,5%, 
nm nach Ablauf einer weiteren Zeit von 5 Jahren, wenn 
wir ans an die Zahlen von Greenough und Soss- 
lin 8 ) halten, auf 40% abznsinken. 

Im Mittel durfte sich mithin bei zn Grandelegung 
einer Beobachtungsfrist von */*—5 Jahren das Dauer- 
resnltat der ersten internen Behandlung des Ulcns ven- 
.tricuÜ den Angaben ans der Literatur zufolge anf 45,7 % 
belaufen. Von den Testierenden 54,3% können dann 


noch durch später wiederholte interne Behandlung 40% 
zur Heilung gelangen, — so dass als definitives Resul¬ 
tat der Statistik hingestellt werden kann, dass 50°/o 
aller Ulcuskranken durch eine interne Behandlung nach 
v. Lenbeschen Principien dauernd geheilt werden. 
Von den verbleibenden 50%, in die hauptsächlich die 
Complicationen des Ulcus hineingehören, wie die Stenose, 
die Perigastritis, die Blutungen etc., gegen die die 
interne Therapie machtlos ist, können jedoch nach 
Brenner*) und C1 airmont 10 ) noch weitere 50% 
operativ definitiv genesen, so dass das endgültige Resnltat 
ans der Literatur durch folgende Tabelle illustriert wird: 
Definitiv genesen nach einer oder mehereren in¬ 


ternen Curen.50% 

Definitiv genesen durch Operation . 25°/o 

Ungeheilt bleiben.l5°/o 

Es verstarben an Ulcns.10°/o 


So weit die kurzen Angaben aus der Literatur. Da 
ich in der Lage bin verhältnismässig viel Magenulcera zu 
sehen, so war es mir interessant festzustellen, in wie 
weit meine eigenen Dauerresultate mit diesen Angaben 
der Literatur übereinstimmen oder nicht. Ich habe daher 
mein Ulcuskrankenmaterial in dieser Richtung zusam¬ 
mengestellt und nur diejenigen Fälle verwertet, deren 
Behandlnngsresnltat mir mindestens 2 Jahre nach absol¬ 
vierter interner oder chirurgischer Behandlung bekannt 
war, und zwar habe ich zur Bewertung des „Dauerre¬ 
sultates“ 2 Jahre und nicht weniger gewählt, weil nach 
der Angabe von Wirsing die meisten Recidive inner¬ 
halb des I. Jahres zu erfolgen pflegen und zwar: 


2—4 Wochen nach beendeter Cur 

. 10 mal 

2 Monate nach beendeter Car . . 

. 9 

n 

3 n n 

» 

r> 

. 5 

» 

4 6 „ 

n 

n * • 

. 13 

n 

7-12 „ 

n 

w 

. 6 

» 

nach 3 Jahren 

n 

» • • 

. 1 

n 


Wenn ich hierbei von Heilung spreche, so stelle ich 
„Heilung“ gleich „BeschWerdefreiheit“ — da ich ja bei 


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2 


der bekannten Latenzfähigkeit des Ülcus von einer 
Heilung nur dann sprechen könnte, wenn diese Heilung 
durch eine nachträgliche Section einwandfrei festgestellt 
worden ist. Zum Capitel Latenz des Ulcus möchte ich 
noch anführen, dass ich u ) in einer früheren Arbeit über 
das Ulcns ventriculi angeben konnte, dass io unserem 
Alexander Hospital unter 28 Sectionsfällen, in denen 
Ulcus ventr. oder duodeni — ich mache darin keinen 
Unterschied — gefunden wurde, dieses 8 mal als zufäl¬ 
liger Befund notiert werden musste, sich intra vitam 
absolut durch gar keine Symptome verraten hatte. Dass 
es auch garnicht die frischen Fälle sind, welche so 
latent verlaufen, dürfte am besten dnreh folgenden Fall 
illustriert werden, den ich der Curiosität halber citiere. 

Vor ein paar Jahren wurde dem Alexander Hospital ein reicher 
Globetrotter eingeliefert, der aut einer grossen Reise um die 
Welt begriffen war. Vor paar Tagen in 8t. Petersburg einge¬ 
troffen, schickte er sich an, ins Theater zu fahren, wurde 
aber daran durch den plötzlichen Ausbruch van Fieber und 
heftigem Kopfweh verhindert. Bei seinem Eintritt ins Hospi¬ 
tal wurde eine Meningitis aut dem Boden eines alten Oüren- 
leidens fest gestellt. Die auf das aUergenaueste bei der 
Schwester des Patienten von hier erhobene Anamnese ergab 
nicht den geringsten Hinweis auf irgend eine Störung seiner 
DigestioD, ihren Angaben zufolge wäie der Kranke bis auf 
sein altes Ohrenleiden stetB gesund gewesen, hätte alles 
essen und trinkeu können und hätte in allen Hotels verkehrt. 

Nach einigen Tagen verstarb der Patient. Bei der Section 
fanden wir die eitrige Oiitis und die eitrige Convexitätsrae- 
ningltis, daneben aber auch Mageninhalt in der linken Pleura¬ 
höhle, der durch Perforation eines alten ca. 10 Cc. im Durch¬ 
messer haltenden Ulcus ventriculi nach vorangegaugener Ver- 
lötong und Verklebung mit dem Zwerchfell in (Tie Pleura 
gelangt war, wobei vermutlich noch die Brechbewegnngen 
infolge der Meningitis ein begünstigendes Moment hierzu ab¬ 
gegeben haben dürften. 

Nach diesem Abwege in die Casuistik kehre ich 
wieder zu meiner Statistik zurück. 

Unter allen meinen Ulcnspatieoten gelang es mir 150 
passende Fälle aufzufinden, die dem oben angeführten 
Ansprüche hinsichtlich der Resultate — mindestens 2 Jahre 
a dato der Entlassung aus der Behandlung — ent¬ 
sprachen. Was die Diagnose des Ulcus in diesen Fällen 
anbetrifft, so ist dieselbe in ein par Fällen durch eine 
spätere Section oder durch Operation, soweit solches 
möglich ist, festgestellt worden. In der grossen Mehr¬ 
zahl gründet sie sich auf den klinischen Befund: Schmer¬ 
zen, Erbrechen, Melaena, Blutbrechen, circumscripte 
Symptome bei allgemeinen Hyperaciditätsbeschwerden, 
welche ich zur Abgrenzung des Ulcus gegen die Hyper¬ 
acidität aus nervöser Ursache verlange, lu einzelnen 
wenigen meiner Fälle habe ich den Erfolg einer Probe- 
cur nach v. Leubes Vorschlag zur Diagnose verwandt 
— doch sind ohne dieses immerhin die wesentlich selte¬ 
neren Fälle. 

Das Material von 150 Fällen habe ich zunächst in 
2 Gruppen verteilt, wobei die erste Gruppe diejenigen 
Fälle umfasst, die durch eine einzige, oder, wo es sich 
um Recidive handelte, noch durch eine spätere Behand¬ 
lung definitiv geheilt wurden, d. h. 2 Jahre nach 
der letzten Behandlung beschwerdefrei geblieben sind, 
während die II. Gruppe durch diejenigen Fälle vertreten 
ist, welche durch eine interne Behandlung zwar gebes¬ 
sert, aber nach Ablauf von 2 Jahren nicht frei von 
Beschwerden geworden sind. 

Definitiv geheilt wurden durch interne Massnahmen 
nach v. Leubeschen Principien — blieben be¬ 
schwerdefrei minimum 2 aber auch mehrere Jahre — 
80 Fälle = 53% und zwar gleich durch die erste Cur 
55 Fälle = 37%, während bei den übrigen 25 Patien¬ 
ten = 16°/o das gleiche Resultat erst durch Wiederho¬ 
lung der Behandlung nach mehr oder minder kurzer 
Zeit erzielt werden konnte. — Unter den letzteren han¬ 
delt es sich wohl meist um wahre Recidive, insofern als 
zwischen den Krankheitsphasen and Behandiungsperioden 


ein längerer Abschnitt von % —12 Jahren völliger Be¬ 
schwerdefreiheit lag, was uns wohl berechtigt anzunehmen, 
dass es sich nicht nur um eine Latenz eines fortbeste¬ 
henden Ulcus handelte, sondern um das Wiederauftreten 
eines neuen Ulcus — sei es an neuer Stelle, sei es auf 
dem Boden eines alten, schon bestanden habenden. 
Sehr interessant ist es bei diesen Recidiven den Gründen 
nachzugehen, auf welche voraussichtlich das Recidiv be¬ 
zogen werden musste, wenngleich hierbei nur zu leicht 
Täuschungen mit unterlaufen können. In vielen und, wie 
mir scheint, in den meisten Fällen liess sich ein er¬ 
sichtlicher Grund ftlr das Recidiv überhaupt nicht er¬ 
sinnen. Wo die Ursachen deutlich zu Tage tretea, 
erschienen sie als sehr verschiedenartige; in einem Falle 
waren es Diätfebler, im anderen mechanische Momente. 
Heben einer schweren Last, Springen etc.; in einer 
ganzen Reihe von Fällen machte es den Eindruck, als 
wäre die unmittelbare Ursache für das Recidiv in psy¬ 
chischen Veranlassungen zu suchen. 

Es ist daher sicherlich keine unberechtigte Forderung, 
dass Ulcuskranke nach absolvierter Cur zum mindesten 
1 Jahr lang sieb einer gewissen Diät zu befleissigen 
haben, auch scheint mir in dieser Hinsicht ein auderer 
therapeutischer Vorschlag recht beherzigenswert zu sein, 
den ich einer persönlichen Mitteilung des Professors 
y. Noorden verdanke, welcher alle seine Ulcuskranken 
nach Ablauf eines halben Jahres, gleichviel ob sie sich 
gesund oder krank fühlen, einer 2 wöchentlichen Ulcus- 
Liegecur im Bette unterwirft. Er glaubt die Beobachtung 
gemacht zu'haben, dass er bei Befolgung dieser Anord¬ 
nung weniger Recidive gesehen hätte. 

Gehe ich nun zu der 2. Gruppe über, so umfasst 
diselbe 70 = 47%> Krankheitsfälle, die auf internem 
Wege nicht geheilt worden sind, entweder an Compli- 
cationen erkrankten, die den Gegenstand für einen spä¬ 
teren chirurgischen Eingriff abgegeben haben (36 Fälle) 
oder mehr oder weniger krank sich durchs Leben ge¬ 
schleppt haben, zam Teil auch ihrem Ulcus erlegen sind 
(34 Fälle). 

Betrachten wir diese letzte Krankheitsgruppe bezüg¬ 
lich ihres Verlaufes, so gleichen sie sich alle unter ein¬ 
ander, insofern als es sich um Jahre lang bestehende 
Leiden handelt, welche durch eine jedesmalige Behand¬ 
lung für eine ZeiXlang gebessert, anscheinend latent 
wurden, nm dann bei der geringsten Veranlassung wieder 
anfzufiackern, manifest zu werden. 

Hierbei scheinen die Ursachen für die jedesmalige 
Verschlimmerung in einzelnen Fällen auf der Hand zu 
liegen, in anderen absolut dunkel und unklar zu sein — 
so gaben manche Kranke, die durch ihr langjähriges 
Leiden sich eine gewisse Erfahrung angelegt hatten, an 
und versicherten, dass sie bei vorsichtiger Kost völlig 
beschwerdefrei sind, beim Durchbrechen dieser, sei es 
selbst empirisch gefundenen oder ihnen ärztlicherseits ver¬ 
ordnten Diät sehr bald von einer Aeusserung ihres 
Leidens an das Bestehen desselben in oft sehr unange¬ 
nehmer Weise erinnert werden. 

Beispiel H. — 62 a. n. Meister der Gnmmifabrik. Erste 
Aufnahme im D. AL Hosp. t M. den 9. XL 1902. Arterioscle- 
rose. Splanchnoptose. Seit 1 Monat Ulcusbeschwerden. Schwin¬ 
den dnreh eine mehrwöchentliche entsprechende Behandlung. 
Oct. 1903 erneute Behandlung im Hospital. Ohne Beschwerden 
entlassen. April 1904 wieder Ausbrnch der alten Beschwerden. 
Am 10. III. 1906 macht Patient die Angabe, dass er seit 
seiner Entlassung ans dem Hospital immer von Zeit zn 
Zeit an Schmerzen leide, was aber nur dann eintrete, wenn 
er sich verleiten lässt, von der ihm vorgeschriebenen Diät 
abzuweichen. Er untei wirft sich dann, der ihm vom Hospital 
her bekannten Ruhe und Diätcur, die alles wieder ins Geleise 
bringt. — Genau dieselbe Angabe wiederholte mir Patient im 
März 1907 und in diesem Jahre, wo er sich wieder einmal im 
Hospital befand. 

Die Erklärung für ein solches Verhalten dürfte fol¬ 
gende sein. Das Ulcus besteht fort, ist nicht geheilt, 


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8 


aber latent geworden augenscheinlich so lange, als kein 
abnormer Reiz der Mncosa annähernd normale oder 
sabnormale Aciditätsverhältnisse gewährleistet. Steigert 
sich nun die Acidität dnrch eine Indigestion, so tritt 
das Ulcns ans seioer Latenz nnd verrät seine Anwesen¬ 
heit dnrch Schmerzen. Für eine solche Annahme möchte 
ich als Beleg die Beobachtung Wolkowitsch’s 12 ) an 
seiaem „Fistelhunde* anführen, bei welchem dnrch einen 
acnten Mocosareiz eine Aciditälssteigernng eintrat, die 
onter Umständen, bei vorhandenen hierzu geeigneten 
mechanischen Momenten zur Entwickelung eines Ulcns 
bei dem Hunde führte. — Wie in solchen Fällen der 
Reiz einer Indigestion das latente Ulcns sich änssern 
lässt, so wirkt bei anderen Fällen eine nervöse Veran¬ 
lassung, was nns ja insofern garnicht zu verwundern 
braucht, als wir ja dnrch die Experimente namentlich 
der Schule Pawlow’s und durch die klinische Beob¬ 
achtung die hochgradige Bedeutung der cerebralen In¬ 
nervation für die physiologische Salzsänresecretion und 
ihre pathologische Steigerung kennen gelernt haben. 
Unter zahlreichen ähnlichen Fällen erinnere ich mich 
zweier in dieser Hinsicht sehr bemerkenswerter Fälle. 
Der erste derselben betraf einen alten Herrn, der augen¬ 
scheinlich an chronischem Ulcus leidend, schon Wochen 
lang sich gut befand nnd unter dem Einfluss einer ihm plötz¬ 
lich in der Kirche mitgeteilten schweren Erkrankung eines 
nahen Verwandten, auf dem Wege nach Hause hyperse- 
cretorisch entleerten Magensaft erbrechen musste, welcher 
Zustand sehr bald von dem Wiederauftreten von Schmer¬ 
zen gefolgt war. Eine andere Patientin erkrankte nach 
4-jährigem Wohlbefinden nach absolvierter Ulcuscur (der 
Fall verlief mit schwerer Magenblutnng) an einem Re- 
cidiv in augenscheinlicher Veranlassung eines schweren 
psychischen Choc’s infolge eines miterlebten Erdbebens. 

Wieder andere Patienten führen das Aufflackern ihrer 
Beschwerden auf mechanische Momente zurück, bei einem 
meiner Kranken war das Auftreten erneuter Beschwerden 
an schwere körperliche Arbeit — der Mann war Schmied — 
gebunden, bei dem Anderen an erhöhte körperliche Be¬ 
wegung bei der Jagd anf moorigem Terrain. 

Ln solchen Fällen scheint es nicht unwahrscheinlich zu 
sein, dass eine Zerrung au irgend einer Art perigastri- 
scber Adhäsion das vermittelnde Moment abgibt. 

Schliesslich kommen auch unter den latenten Ulcus- 
fällen so und so viele vor, bei denen weder der Patient, 
noch der Arzt die jeweilige Ursache für das Manifest — 
werden des Ulcus angeben kann. 

3 von diesen 70 Fällen dieser Gruppe sind an Perfo¬ 
ration des Ulcns nach jahrelangem BesUhen des Leidens 
verstorben. 

Die Hälfte aller dieser Fälle 36 sind operiert worden, 
darunter 32 von meinem Hospitalcollegen Dr. Fick 
und 4 von verschiedenen anderen Chirurgen und zwar 
je nach der massgebenden Indieation: 

wegen vorwiegender Pylorusstenose 19 Fälle 

„ fortgesetzter Blutungen . . 4 „ 

„ Perigasiritischer Beschwerden 4 „ 

„ Richtbeilbarkeit eines sonst 

nicht weiter coraplicierten 
Ulcns.9 „ 

Von den 19 wegen Stenose operierten Fällen ist mir 
das lunctionelle Resultat der Operation 2 Jahre nach 
der Operation von 14 Kranken bekannt. Von diesen 
sind dnrch die Operation völlig genesen und frei von 
Beschwerde geworden 12 Fälle = 85,7°/o, 1 Fall wesent¬ 
lich gebessert — aber nicht ganz geheilt, insofern als 
eine Herabsetzung der musculären Function des Magens 
fortbesteht und den fortdauernden Gebrauch von Magen¬ 
spülungen erfordert. 1 Fall ist schliesslich an Ulcus pep- 
ticum jejuni eiugegangen. Unter den 12 definitiv gene¬ 
senen Fällen befinden sich 2 Kranke, bei denen es in 


der Folge zur Ansbildnng eines peptischen Jejnnalge- 
schwürs gekommen ist mit starker perigastritischer Infil¬ 
tration, welches aber bei interner Therapie rückgängig 
wurde; so dass zur Zeit die Patienten als völlig frei von 
Beschwerden unter die Gruppe der durch Operation Ge¬ 
nesenen zn zählen sind. 

Ein ebenso günstiges Resultat der chirurgischen The¬ 
rapie, wie bei der Stenose, geben auch diejenigen Krank¬ 
heitsfälle, bei denen keine Stenose bestand und die Ope¬ 
ration vorwiegend perigastrischer Beschwerden wegen 
vorgenommen wurde. 

Unter 4 aus dieser Veranlassung operierten Kranken 
verstarb der eine gleich nach der Operation. Die 3 an¬ 
deren Fälle sind durch die Operation definitiv — bei 
allen liegen schon viele Jahre seit der Operation zurück 
— geheilt und absolut beschwerdefrei geworden. 

Wesentlich ungünstiger gestaltet sich das Resultat der 
chirurgischen Intervention in den Fällen, die auf die 
Indieation fortgesetzter Blntnngen hin operiert wurden. 
Von den 4 Patienten dieser Gruppe starben 2 sehr bald 
nach der Operation, ein dritter einige Tage danach 
und zwar unter dem Bilde einer rätselhaften plötzlich 
einsetzenden Hemiplegie, für welche auch bei der Ob- 
duction kein ausreichender Grund gefunden wurde (Em¬ 
bolie?). Ueber den 4. Fall, welcher von Dr. Fick ope¬ 
riert nnd anscheinend genesen entlassen wurde, fehlt 
mir jede weitere Kenntnis, da sich derselbe der weiteren 
Controlle durch Verzug ins Ausland entzogen hat. 

Als letzte Iodication findet sich die Angabe, dass 
9 Fälle aus dem Grunde operiert worden sind, weil 
dnrch interne Massnahmen trotz vielfach wiederholter 
Curen das Ulcns nicht zur Verteilung gebracht werden 
konnte, sich stets nach kurzen Phasen relativer Bes¬ 
serung manifestierte und den Kranken jede Arbeitsfähig¬ 
keit nnd Lebensfreude entzog. Bei keinem von diesen 
Kranken bestanden Störungen, die dnrch grobe mecha¬ 
nische Complication erklärt werden konnten, und wo 
die Kranken gelegentlich auch einmal bluteten, so war 
es jedenfalls nicht die Blutung, die das ausschlaggebende 
Moment zur Vornahme der Operation abgab. 

Unter diesen 9 Kranken haben durch die Operation 
ihre völlige Gesundheit wieder erlangt 4 Kranke. 1 Pa¬ 
tient starb 1 Jahr nach der Gastroenterostomie an Per¬ 
foration eines mittlerweile entstandenen peptischen 
Gastro-Jejunalgeschwürs, ein anderer Kranker kam bei 
Fortdauer seiner Beschwerden ca 1 Jahr nach der Ope¬ 
ration zur Section, wobei ausgedehnte flächen förmige Ad¬ 
häsionen des Magens entdeckt wurden nnd 3 Kranke 
kranken auch nach der Operation in derselben Weise 
weiter, wie vor dem chirurgischen Eingriffe. 

Als Resultat meiner Erfahrungen mag folgende Tabelle 
dienen: 

Es genasen nach 1 maliger interner j 
Behandlung. ... 55 Fälle = 37% I 53 o 
Es genasen nach mehrfach wieder- I 
holter Behandlung 25 Fälle = 16°/o I 
Es genasen nicht durch interne 
Behandlung.. . . 70% = 47°/o 

Von diesen 70 Fällen wurden operiert 36. 

19 wegen Stenose des Pylorus. 

4 „ Blutungen. 

4 „ Perigastritis. 

9 „ Nichtheilbarkeit des sonst uncoraplicierten 

Ulcus. 

Von 14 wegen Stenose Operierten war das Dauer¬ 
resultat 2 Jahre post Operation bekannt. 

12 waren genesen = 85,7%>, 1 gebessert, 1 verstorben. 

Von 4 wegen Perigastritis Operierten waren 2 Jahre 

nach der Operation gesund 3 Fälle, 1 verstorben. 

Von 4 wegen Blntnng Operierten verslarben bald 
nach der Operation 3 Falle, 1 verschollen. 


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Von 9 wegen Nichtheilbarkeit des UIcos Operierten 
waren nach 2 Jahren gesund 4 Fälle, 3 ungebessert, 
2 an den Folgen des Ulcns verstorben. 

Auf diese Weise gelang es demnach von den 64 Per¬ 
sonen, die intern nicht geheilt werden konnten und deren 
Gesundheitszustand mir 2 Jahre nach der internen resp. 
chirurgischen Behandlung bekannt ist, 19 Kranke = 30% 
zur vollständigen Genesung zu bringen, während 1 Kranker 
durch die Operation nur gebessert, nicht geheilt wurde 
und 3 Kranke auch durch die Operation keine Besserung 
erfuhren. 

Wir sehen wieder, dass das günstigste, functionelle 
Resultat durch Operation dort erzielt wurde, wo me¬ 
chanische Störungen, Stenose und Perigastritis das 
Leiden complicierten, ein ungünstigeres wo wegen dau¬ 
ernder Heilungsreniteoz des Ulcus operiert werden musste 
und anscheinend noch schlechteres, wo fortgesetzte Blu¬ 
tungen die Indication zur Vornahme der Operation abge¬ 
geben haben. 

Vergleiche ich mein Schlussresultat mit demjenigen 
aus der Literatur, so decken sich dieselben nahezu mit 
einander: 

Literatur: Meine Resultate 

intern genesen . . . 50% 53% 

durch Op. genesen . . 25°/o 30°/o 

durch Op. ungebessert 15°/o 13°/o 

Die Operation, die angewandt wurde, war in allen 
Fällen die Gastroenterostomie. Nachdem von den Chi¬ 
rurgen die Pyloroplastik verlassen worden ist, dürfte die 
Gastroenterostomie, soweit ich als Internist hierüber 
unterrichtet bin, zur Zeit als das Normalverfahren gelten, 
wenngleich es auch jetzt noch immer Anhänger der 
Resection des Ulcus gibt. Für letztere Operation, die 
am eifrigsten, wie mir scheint, von v. R y d y g i n * 8 ) 
verfochten wird, werden folgende Gesichtspuncte ins 
Feld geführt: Die Resection schaffe normalere Abfluss- 
bedingungen für den Magen, ahme die physiologischen 
Verhältnisse am ehesten nach, sie berücksichtige die 
Möglichkeit einer carcinomatösen Umwandlung des Ulcus, 
mit welcher, namentlich bei älteren Leuten, stets ge¬ 
rechnet werden müsse, und schliesse die Gefahr der 
Ausbildung eines Ulcus pept. jejuni, welches bisher nur 
nach einer Gastroenterostomie wegen gutartigen Ver¬ 
änderungen beobachtet worden ist, aus. Von den Geg¬ 
nern der Resection wird angeführt: die schwierigere 
Technik dieser Operation und die dadurch bedingte grös¬ 
sere Gefährlichkeit derselben, sowie die nicht allzu 
selten anzutreffende Multiplicität der Magengeschwüre. 

Es sei mir gestattet, mich einen Augenblick bei diesen 
Puncten aufzuhalten. Die Behauptung, dass durch die 
Resection eines Ulcus normalere Abtlussverhältnisse aus 
dem Magen geschaffen werden, dürfte in seiner allge¬ 
meinen Fassung nicht angestritten werden können, ge¬ 
stattet jedoch eine Einschränkung, wenn wir nachweisen 
können, dass Magenulcera nach einer Gastroenterostomie 
ausheilen und dass durch diese Operation die Be¬ 
dingungen geschaffen werden, welche zur Ausheilung des 
Geschwürs führen. Beides dürfte zutreffen. 

Aus der Klinik und den angeführten Zahlen wissen 
wir es, dass namentlich beim Ulcus, welches mit mecha¬ 
nischen Störungen compliciert ist, aber auch da, wo 
solche fehlen, ein Magenulcus durch die Operation zur 
Verheilung gebracht werden kann. Wir können den 
Nachweis hierfür erbringen durch die klinische Beob¬ 
achtung, durch die Controlle bei etwaigen (Hof¬ 
mann u ), späteren Sectionen und Relaparotomicn 
(Brenner), sowie durch das Experiment (Fiebich 15 , 
Katzen stein 16 ). Auch dem 2. Puncte, der zu Gunsten 
der Resection eines Ulcus erhoben wird, dürfte eine 
absolute theoretische Berechtigung nicht abgesprochen 
werden, dass durch die Resection am ehesten der Mög¬ 


lichkeit einer caroinomatösen Umbildung des Ulcus oder 
seiner Narbe vorgebeugt werde, und dass man sicherer 
gehe, wenn man ein Ulcus, dem man es ja bekanntlich 
weder klinisch, noch bei der Operation ansehen könne, 
ob dasselbe carcinomatös umgewandelt sei oder nicht, 
entferne. 

Leider besitzen wir tatsächlich keine Methode, welche 
uns in die Lage bringen könnte, die maligne Umwand¬ 
lung des Ulcus selbst oder seiner Narbe von einem Ulcus 
Simplex zu unterscheiden, denn auch das Vorhandensein 
eines Tumors ist ja in dieser Richtung nicht ausschlag¬ 
gebend. 

Ich selbst verfüge über die Beobachtung einer ganzen 
Anzahl von Magenkranken, die den berechtigten Ver¬ 
dacht von malignen, umgewandelten Ulcera erweckten, 
auch in einigen Fällen, in denen operiert wurde, diesen 
Verdacht zu bestätigen schienen und hernach, Sei es 
nach Operation, sei es nach interner Behandlung ein 
völliges Verschwinden der Tumoren gezeigt haben. Ich 
meine damit nicht etwa die sogen, falschen Tumore 
des Pylorus, von denen schon paar Mal in der Litera¬ 
tur die Rede gewesen ist, die ich auch schon, wenn auch 
selten gesehen habe, die an einem Tage gefühlt werden 
und am anderen Tage verschwinden, augenscheinlich 
auf spastischen Zuständen bernhen und schon so man¬ 
ches Mal falsche Diagnosen veranlasst haben, sondern die 
wirklich grossen, Boliden, wohl auf plastischer Periga- 
stritis beruhenden Ulcusgeschwülste, die sich erst all¬ 
mählich und consequeut während der Behandlung zu ver¬ 
kleinern pflegen. 

Häufiger scheint allerdings das entgegengesetzte der 
Fall zu sein, dass weder klinisch, noch bei der Operation 
irgend etwas gefunden wird, was für malignen Tumor 
sprechen würde — denn auch eine Schwellung der re¬ 
gionären Drüsen kommt ja bei Ulcus vor und braucht 
nicht als typisch für Carcinom zu gelten — und es sich 
in der Folge doch erweist, dass schon zur Zeit der 
Operation eine carcinomatöse Umwandlung des Ulcus 
bestand. Ich entsinne mich in dieser Richtung eines 
Falles, der vor Jahren fast in extremis mit schwerer 
Pylorusstenose nach Ulcus im Hospital eingeliefert und 
auch bald nach seinem Eintritte gastroenterostomiert 
wurde. Es bestand eine ganz leichte Pylorus stricturie- 
rende Verdickung, die vom Chirurgen für sicherlich nicht 
carcinomatös angesprochen wurde. Die gleiche Meinung 
vertrat auch der Prosector bei der Section des Falles, 
die leider sehr bald nach der Operation vorgenommen 
wurde, und erst die mikroskopische Untersuchung ergab 
das Vorhandensein carcinomatösen Gewebes in der Wand 
und im Boden des Ulcus. Bei einer solchen Lage der 
Dinge ist es denn auch erklärlich, dass alle Bestrebungen 
der Klinik, ich denke hierbei an die Methoden von 
Glucinski, Salomon und der Nachweis der sog. 
occulten Blutungen, der durch Boas 17 ) eine ganz be¬ 
sondere Förderung erhalten hat, das Ulcus Simplex von 
dem Ulcus ventr. carcinoraatosum, dem Carcinom ex 
Ulcere rot. abzugrenzen bisher misslungen sind. Ich per¬ 
sönlich lege noch am ehesten Gewicht und Bedeutung 
auf den Nachweis sog. occulter Blutungen d. h. solcher 
Blutungen, die bei Berücksichtigung der hierbei notwen¬ 
digen Cautelen in den Faeces auf chemischem Wege ge¬ 
funden wurden (van Deensche Guajac-Aloin- 
Benzidenprobe) und auch nur dann, wenn die 
Blutungen nach Beginn einer Ulcuscur nach v. Leu- 
besehen Principien lange fortdauern. Wie schon 
Schloss 18 ) angegeben hat, lassen sich solche occulte 
Blutungen meist ca 3—10 Tage nach Beginn einer 
Wismuthbehandlung nach Flein er in den Faeces nicht 
mehr nachweisen. Auf Grund einer grossen Reihe von 
eioscblägigeu Prüfungen glaube ich solches bestätigen zu 
können mit der Einschränkung, dass keine grosse ma¬ 
kroskopisch grob wahrnehmbare Blutung vorangegangen 


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sei. (Baematemese oder Melaena), nach welcher die 
Blotreaction gelegenllich nach Wochen in den Faeces 
positiv sein kann. Im Augenblick dürfte die Behauptung, 
— so viel mir scheint, aufrecht erhalten werden können, 
dass bei dem Ulcus Simplex ventriculi mit occulter— 
ich wiederhole nicht mit grober — makroskopisch er* 
kennbarer Blutung mit Beginn der v. Leubeschen 
Ruhe und Diätbehandlung das Blut aus den Faeces in 
spätestens 14 Tagen zu verschwinden pflegt, und dass 
das Fortbestehen des Blutnachweises im Kot io hohem 
Masse zu dem Verdachte berechtigt, dass wir es in 
einem solchen Falle mit einer carcinomatösen Umwand¬ 
lung des Ulcus zu tun haben. Einen gleichen Stand- 
punct nimmt auch Boas zu der Frage ein. 

Doch leider hat auch diese Beobachtung nur eine re¬ 
lative Bedeutung, insofern als es zwar sehr selten ist, 
dass ein Ulcus Simplex länger als 14 Tage nach begon¬ 
nener Behandlung fortblutet, häufiger das entgegenge¬ 
setzte Verhalten, dass bei einem Carcinom ex ulcere 
rot. gelegentlich einmal das Bluten vollständig aufhören 
kann. Es bedarf daher auch die von mir herangezogene 
Beubachtung einer Einschränkung. Was nun die Häufig¬ 
keit der carcinomatösen Umwandlung des Ulcus ventr. 
anbetrifft, so wird sie von verschiedenen Autoren sehr 
verschieden beziffert, schwankt zwischen 2—30% (Stoll 
in Zürich 2°/o, Howard 4.8 19 ), Schilling 20 ) in 
Wien 5.5, M o y n i h a n 21 ) 10 %, v. R y d y g i i e r 30%). 
Nach Maya sollen 68°/o aller Carcinome aus dem 
Ulcus hervorgeben, nach Hayers 22 ) Untersuchungen 
waren von 94 Magenkrebsen 21 aus dem Ulcus hervor¬ 
gegangen. 

Wir sehen mithin also diese Ziffern so variieren, dass 
aus ihnen kaum ein Schluss gezogen werden kann, wie 
oft diese carcinomatöse Umwandlung stattfindet. Ich 
selbst bin nicht in der Lage hierzu irgend welche Zahlen¬ 
angaben zu machen, stehe aber unter dem Eindruck, 
als wäre die Geschwulsttendenz des Magengeschwürs kein 
so überaus häufiges, jedenfalls kein so häufiges Vorkomm¬ 
nis, das auf die Möglichkeit einer carcinomatösen Um¬ 
wandlung des Ulcus allein bei der im Uebrigen allge¬ 
mein anerkannten Gefährlichkeit der Resection diese 
Operation zum Normal verfahren bei der chirurgischen 
Behandlung des Ulcus erhoben werden könnte. 

Der dritte Grund, auf welchen, als für die Resection 
sprechend bingewiesen wird, ist die Entstehung des sog. 
peptischen Gastrojejunalgeschwttrs nach Gastroenterosto¬ 
mie wegen Ulcus. Dasselbe ist bekanntlich zuerst von 
Braun beschrieben, später von Tiegel 28 ) und neuer¬ 
dings von Gosset 24 ) genauer bearbeitet worden. Da 
das Ulcus pept. jejuni bisher nur nach Operationen be¬ 
obachtet worden ist, die wegen gutartiger Erkrankung 
des Magens, niemals wegen primären Carcinoms des 
Magens unternommen werden, dürfte es auch klar sein, 
dass es seine Entstehung denselben Bedingungen ver¬ 
dankt wie das primäre Magenulcus selbst. Auch ist es 
Katzenstein gelungen nach ausgeführter Gastroente¬ 
rostomie bei Hunden durch Excision eines Stückes der 
Mucosa an der Vereinigungsstelle zwischen Magen und 
Darm und Verätzung dieser Stelle zwecks Ausbildung 
einer Necrose bei reichlicher Fleischfütterung um die 
HCl-production anzuregen — typische Ulcera pept. jejuni 
zu erzeugen, die mit den menschlichen Geschwüren nach 
Gastroenterostomie das gemeinsame haben, dass sie 
gleich diesen spontan in die Bauchhöhle perforieren 
könnten. 

Ebenso wie dieses peptische Geschwür des Jejuni un¬ 
ter den gleichen Bedingungen entsteht, wie das richtige 
peptische Geschwür des Magens und des Duodenums, so 
scheint es aber auch andererseits durch interne Mass¬ 
nahmen ebenso verheilen zu können, wie dieses letztere. 
Unter den 5 pept. Gastrojejunalgeschwüren nach Gastro¬ 
enterostomie, die ich bisher gesehen habe, perforierte 


eines durch die vordere Bauchwand, ein anderes in die 
freie Bauchhöhle, ein dritter Kranker verstarb an einer 
intercurenten Krankheit und in 2 Fällen, die mit hoch¬ 
gradiger tumorartiger Infiltration verliefen, gelang es 
mir vollständig durch eine typische Ulcuscur das Infiltrat 
zum Verschwinden und das Geschwür selbst anscheinend 
zur definitiven Verheilung zu bringen. 

Diese Tatsache weist darauf hin, in wie hohem Masse 
die ursprünglich, soviel ich weiss von Mikulicz auf¬ 
gestellte Forderung berechtigt ist, dass in einem jeden 
Falle, in welchem bei noch offenem Ulcus ventriculi 
operiert wurde, eine exact durchgeführte Ulcuscur zwecks 
Verhütung der Entstehung eines Ulcus pept.- jejuni an¬ 
geschlossen werden muss. 

Seitdem wir im Alexander Hospital uns diese Regel 
zum Gesetz gemacht haben und kein bei noch bestehen¬ 
dem Ulcus ventriculi gastroenterostoraierter Kranker das 
Hospital ohne streng durchgeführte Ulcuscur nach der 
Operation verlässt, haben wir es auch nur ein einziges 
Mal erlebt, dass es zur Ausbildung eines Ulcus pept. 
jejuni gekommen ist. Der Fall betrifft einen Patienten, 
der wegen Pylorusstenose bei noch offenem Ulcus ope¬ 
riert wurde und bei dem, aus einem von mir unab¬ 
hängigen Grunde keine nachträgliche postoperative Ulcus- 
behandlung durchgeführt worden ist. 

Es ist dieser einer der 2 Fälle, bei denen es nur 
dann noch nachträglich gelungen ist, durch interne 
Massnahmen — Diät, Liege- u. Breicur das neugebildete 
Ulcus zum Verheilen zu bringen. — Mithin hat es den 
Anschein, dass wir durch genügende Vorsicht sehr wohl 
imstande sind die Entstehung der peptischen Jejunal- 
geschwüre nach Gastroenterostomie bei Ulcus ventriculi 
zu verhindern, wodurch dann auch der letzte für die 
Resection des Ulcus sprechende Grund in Wegfall kommt. 
Gegen die Resection wäre schliesslich auch noch anzu¬ 
führen ihre im Verhältnis zur Gastroenterostomie allge¬ 
mein anerkannte grössere Gefährlichkeit und namentlich 
bei Ulcusfällon schwerere Technik, sowie der Umstand, 
dass Magengeschwüre nicht gar so selten multipel vorzu¬ 
kommen pflegen, was von Krönlein unter 27 Fällen 
14 mal beobachtet worden ist, auch von Schuchardt 
und Braun als garnicht selten hingestellt wird, des¬ 
gleichen glaubt auch Linossier 26 ) in seiner sehr be¬ 
achtenswerten Arbeit über das Ulcus, dass ungefähr in 
V» aller Fälle multiple Ulcera angetroffen werden. 

Doch es Hesse sich der Vorzug der Resection vor der 
Gastroenterostomie auch dann noch anerkennen wenn 
wir beweisen könnten, dass die Resection des Ulcus 
bessere functioneile Resultate liefert als die Gastroen¬ 
terostomie bei diesen Leiden. Doch scheint auch solches 
nicht einmal der Fall zu sein. 

Nach 2 Jahren waren nach Brenner von 12 wegen 
Ulcus resecierten Fällen völlig beschwerdefrei und 
arbeitsfähig 8 Fälle = 66.6%. Von 22 wegen Ulcus 
gastroenterostomierten Fällen erfüllten diese Bedingungen 
14 Fälle = 68.4%. Dasselbe Resultat ergibt sich auch 
aus den Angaben von Clairmont. Dauernd geheilt 
wurden nach Resection des Ulcus Yon 6 Fällen 2 = 33%, 
von 26 gastroenterostomierten 9 = 86 %. Also in 
beiden Fällen das gleiche functioneile Resultat nach 
Resection wie nach Gastroenterostomie. Im Gegensatz 
hierzu verhält sich die Mortalität nach Brenner bei 
Resection zu derjenigen bei Gastroenterostomie wie 
28.6% : 13.3%, nach W er n eo ke 39:18%. Wie 
mir scheint, dürfte sowohl die oben ausgeführten Aus¬ 
einandersetzungen, wie auch die zuletzt genannten Zahlen 
zur Evidenz beweisen, dass in der operativen Behandlung 
des Ulcus ventriculi der Gastroenterostomie der Vorzug 
vor der Resection gebührt, das erstere Verfahren als das 
Normale bezeichnet werden muss, wobei ein Abweichen 
von demselben nur durch rein individuelle Gründe ge¬ 
rechtfertigt werden kann. Wie ich eiugaugs erwähutq 


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scheint diese Meinung tatsächlich jetzt Auch von der 
weitaus überwiegenden Mehrzahl der Chirurgen geteilt 
zu werden. 

Wenn wir von der Praxis wieder znr Thoorie zurück¬ 
kehren, so ist es eine interessante Frage. Wodurch heilt 
denn das Ulcus nach einer Gastroenterostomie? Was wird 
durch die Operation im Magen verändert? 

Zunächst wird die Mobilität gebessert. Wo sie vor 
der Operation gestört war, wird sie durch eine gelungene 
Gastroenterostomie normal oder gar gesteigert. Carle 
und Fautino * 7 ) nahmen an, dass sich an der Anasto- 
mosen stelle ein Sphincterverschluss heranbildet. Doch 
ist die Herstellung eines solchen complicierten und muscu- 
laren lnnuvationsapparates a priori unwahrschein¬ 
lich, auch lässt sich derselbe selbst bei Patienten, die 
mehrere Jahre nach der Operation verstorben sind ana¬ 
tomisch nicht erweisen. Doch muss an dieser Stelle daran 
erinnert werden, dass wir uns vor der Ansicht zu hüten 
haben, die Anastomose wirke rein mechanisch, gewisser- 
massen als Trichter, der möglichst an der tiefsten Stelle 
des Magen s angebracht, die Speisen einfach vermittelst 
ihrer Schwere aus dem Magen in den Darm hinüber¬ 
leitet! Gegen eine solche Voraussetzung spricht nicht 
allein das Experiment Hartmanns und Sou- 
paults, «) sowie Katzensteins, die bei Gastroen- 
terostomi e rten in den Magen Luft einbliesen und kein 
Uebertreten der Luft iu den Darm beobachten konnten, 
sondern auch die klinische Wahrnehmung. Vor Jahren 
wurde eine meiner Patientinneu eine schwer hysterische 
enteroptotische Dame wegen schwerer atonischer Insuf« 
ficienz des Magens mit tetaniformen Zuständen gastroen- 
terostomiert. Durch die Operation wurde eine wesentlich 
bessere Mobilität des Magens erzielt und functionierte 
die Fistel gewöhnlich gut. Trat aber unter dem Einfluss 
psychischer Affecte eine plötzliche Innuvationshemmung 
des Magens ein, so verbanden sich mit derselben die 
sübje c tiven Symptome einer mangelhaften Magenentlee¬ 
rung, welcher objectiv eine vorübergehende hochgradige 
Stagnation der lngesta im Magen entsprach. Während 
die Motilität des Magens durch eine Gastroenterostomie 
meist eine Besserung erfährt, pflegt nach Anlegung einer 
Magendarmfistei auch eine Veränderung in der chemischen 
Zusammensetzung des Mageninhalts zu erfolgen. Fast 
regelmässig tritt eine Verringerung der vorher bestanden 
habenden Hyperacidität und Hypersecretion ein. Die 
Salzsäurewerte werden normal oder gar subnormal. 
Stets finden sich nach Gastroenterostomie im Magen, 
gleichviel ob gleichzeitig eine Braun sehe Enteroanas- 
tomose angelegt wurde oder nicht, im letzteren Falle 
ist solches ja ganz selbstverständlich, Galle und Pancreas- 
saft, doch soll sich nach Neu haus **) dieses Verhalten 
oft schon nach Wochen oder Monaten ändern und der 
Mageninhalt in solchem Falle längere Zeit nach der 
Operation frei von Galle und Pancreassecreten gefunden 
werden. Neu haus greift zur Erklärung dieses eigen¬ 
tümlichen Verhaltens auf die ursprünglich von Power 80 ) 
und Rogers 81 ) ausgesprochene Hypothese zurück, das3 
die Magendarmfistel überhaupt nur eine Zeit lang functio- 
niere und dann, nachdem sich die Musculatur des Magens 
erholt, die Speisen wieder ihren natürlichen Weg durch 
den Pylorus passieren. 

Diese Ausschaltung der Anastomose aus der Function 
für Fälle von durchgängigem Pylorus, wird ein solches 
Verhalten auch von Dawson, a2 ) Cameron 88 ) und 
M o y n i h a n angenommen, erfolge, meint N e u h a u s, 
meistenteils infolge directer Narbenschrumpfung der 
Fistel, anderenteils auch deswegen, weil die neuange¬ 
legte Oeffnung au der durch die Operation bewirkten 
allgemeinen Verkleinerung des vorher dilatierten Magens 
sich mit beteilige. Auch käme eine Verkleinerung der 
Anastomose schon deswegen zustande, weil sich die an 
und für sich sehr reichlich bemessene Magendarmschleim* 


haut in das Lumen der Fistel hineinzwänge, prolabiere. - 
Diese interessante Behauptung eines nur zeitweiligen 
Functionierens der Magen-Darmfistel klingt bei Fällen 
ohne wesentliche Verengerung des Pylorus nicht ganz 
unglaubhaft, müsste aber für diejenigen Fälle, bei denen 
gerade wegen einer Stenose des Pförtners operiert wird, 
erst noch bewiesen werden, da sie doch unbedingt eine 
Verkleinerung des Austreibungshindernisses für den 
Magen zur Voraussetzung hat. Viel ist über die Frage 
gestritten worden, ob die Anwesenheit von Galle im 
Magen schädlich sei, wofür namentlich die Experimente 
von von C h 1 u m s k y 84 ) und S t e u d e 1 s zu sprechen 
scheinen. Doch dürfte das Gegenteil durch die tägliche 
klinische Erfahrung erwiesen sein. Dieselbe Erfahrung 
widerlegt auch die Befürchtungen Rosenbergs 8ß ) 
und Sonlins, 8e ) dass eine durch den reichlichen 
Uebertritt der Speisen in den Darm bedingte mangel¬ 
hafte Neutralisation die Resorption der Speisen im Darme 
störend beeinflussen könne. N i c o l a i e r hat übrigens 
den Nachweis geliefert, dass die Störung der Resorption 
nur in der ersten Zeit nach der Operation erfolge, sich 
aber in späterer Zeit völlig ausgleicht. 

Tatsächlich sehen wir ja auch einen vor der Operation 
oft auf das Höchste abgemagerten Patienten nach der 
Operation sehr stark an Gewicht zunehmen. 

Auf den Nachweis der erwähnten Veränderungen der 
Mobilität und des Chemismus nach Gastroenterostomie 
bauen sich nun die verschiedenen Theorien auf, die dahin 
zielen, den die Ausheilung des Ulcus befördernden Effect 
der Operation zu erklären. Sie lassen sich kurz in eine 
mechanische und eine chemische Theorie einteilen. 

Auf eine mechanische Erklärung greift König 87 ) 
zurück, weun er annimmt, dass nach gelungener Opera¬ 
tion der Speisebrei durch die neuangelegte Magendarm¬ 
fistel passiere und hierdurch das alte Ulcus einer Berüh¬ 
rung mit dem Magensafte weniger ausgesetzt sei. 
Körte 88 ) und Hildebrandt 8 *) sind von dieser Er¬ 
klärung unbefriedigt, auch lässt sich derselben der Um¬ 
stand entgegenhalten, dass operierte Patienten nament¬ 
lich einige Zeit nach der Operation nicht selten die 
Empfindung haben, dass der Mageninhalt ganz deutlich 
wenigstens zeitweise den Pylorus passiert. 

Mit der Annahme Königs lassen sich auch schwer 
das Experiment Canon und Blakes in Einklang 
bringen, dem zufolge bei Katzen auch bei völlig ver¬ 
schlossenem Pylorus eine Wismuthaufschwemmung im 
Magen immer zuerst an den Pylorus herangebracht 
wurde und erst Yon diesem her gegen die Gastroenteros¬ 
tomieöffnung hin abfloss, also ein Verhalten zeigte, 
welches vollkommen den physiologischen Tatsachen ent¬ 
spricht, welche wir durch die radiologischen Magenunter¬ 
suchungen der Neuzeit namentlich durch Holzknecht 
kennen gelernt haben. 

Ebensowenig wie die Erklärung Koenigs befriedigt 
auch die Modification dieser Anschauung, welche He¬ 
ring 41 ) aufgestellt hat, indem er meinte, dass das Ma- 
genulcus nach Operation deswegen heile, weil der flüssige 
Anteil des Mageninhalts, speciell der hyperacide Magen¬ 
saft, leichter durch die Magenflstel abfliesse und daher 
in viel weniger innige Berührung mit dem Geschwür 
komme. 

Diese Ansicht dürfte durch ein Experiment F i - 
bichs widerlegt sein, indem Fibich einem Huude 
nach seiner Methode ein Pylorusulcus anlegte, welches 
durch Gastroenterostomie stets abzuheilen pflegte, gelang 
es ihm indessen nicht dasselbe zur Verheilung zu bringen, 
wenn er an Stelle der Gastroenterostomieöffnung eine 
Magenflstel hersteilte, die durch eine eingelegte enge 
Glasröhre so bemessen war, dass der flüssige Magen¬ 
inhalt leicht abfliessen konnte, jedoch die festen Bestand¬ 
teile im Magen zurückgehalten wurden. 


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Da nun die rein mechanischen Deutungen znr Er¬ 
klärung des günstigen Einflusses einer Gastroenterosto¬ 
mie auf den weiteren Ablauf eines Magenulcus nicht 
auszureichen scheinen, versuchte man die Sache von der 
chemischen Seite hin anzugreifen und hier erscheint 
neben vielen anderen Katzenstein als der haupt¬ 
sächliche Vertreter der chemischen Erklärungsversuche. 

Da nachgewiesener Massen nach Gastroenterostomie 
im Magen stets Galle und Pancreassecret vorhanden sind, 
so findet hierdurch einesteils eine stärkere Neutralisie¬ 
rung des Mageninhalts, sowie weiter eine Verminderung 
der HClsecretion statt; da aber das Magenulcus aner¬ 
kannter Weise durch die gemeinsame Einwirkung der 
3 Factoren: Necrose, Pepsin und HCl. entsteht, so 
müssen beim Aufhören selbst eines dieser Factoren auch 
die Bedingung zum Fortbestehen des Geschwürs mit in 
Wegfall kommen, dieses selbst verteilen. Eine weitere 
Stütze für seine Meinung findet Katzenstein in dem 
Experimente, dass nach Herstellung eines kleinen Ma¬ 
gens beim Hunde nach Pawlowscher Methode und 
Einführung von Iejuniinbalt in den grossen Magen, in 
dem kleinen sich eine wesentliche reflectorische Hem¬ 
mung der Magensaftsecretion bemerkbar macht, d. h. mit 
anderen Worten: Darminbalt im Mageu neutralisiert 
nicht allein den sauren Inhalt des Magens, sondern 
hemmt auch auf nervösem Wege die Abscheidung des 
Magensaftes. Durch Anregung des Appetits und Fleisch¬ 
darreichung kann diese Abscheidung gesteigert, durch 
Zufuhr von Wasser und namentlich von Fett, infolge 
hierdurch reflectorisch angeregter stärkerer Tätigkeit des 
Pancreas, vermindert werden. 

Ja es kann sogar die HCl-acidität gleich 0 werden, 
wodurch natürlich jede Pepsinverordnung aufhört, wäh¬ 
rend das Trypsin selbst noch in schwer sauren Medien 
seine verdauende Wirkung entfalten kann. Consequenter 
Weise empfiehlt daher Katzenstein namentlich 
bald nach der Operation eine Erhöhung der Pancreas- 
ausscheidungen zu bewirken und hierdurch die Heilung 
des Magengeschwürs zu begünstigen, nach der Gastroente¬ 
rostomie die Patienten auf ein fett- und wasserreiches 
Regime zu setzen. 

Diese Theorie hat bald nach ihrem Erscheinen viel¬ 
fach Anhänger gefunden (Schönheim 4 *), Bahas 4S ). 
Cam e r on). 

So bestechend diese Theorie nun auch klingt, so er¬ 
klärt auch sie meines Erachtens nach die Frage nicht 
erschöpfend. Wäre die Deutung Katzensteins rich¬ 
tig, so blieben immerhin noch unerklärt die Entstehung 
des Ulcus pept. jejuni nach der Operation und der aner¬ 
kannte Unterschied in der Heilungstendenz eines Ulcus 
nach Gastroenterostomie, je nachdem dasselbe in der 
Nähe des Pylorus oder entfernt von diesem belegen ist. 
Während ersteres nach einer Operation, so gut wie 
ausnahmlos heilt, pflegt beim Sitz des Ulcus an der 
kleinen Curvatur diese Heilung sehr häufig auszubleiben. 

Ich sage oft, entschieden sehr oft, aber zum Glück 
nicht immer. Nach Graf 44 ) sowie nach C1 a i r m o n t 4 *) 
scheint doch in der Hälfte dieser Fälle durch die Ope¬ 
ration eine Heilung herbeigeführt zu werden. Es kann 
dabei Moynihan 46 ) auch nur mit Einschränkung bei¬ 
gestimmt werden, wenn er von jeder Operation beim 
Sitz des Ulcus entfernt vom Pylorus abrät, diese sogar 
für schädlich erklärt. Wenn ich mein Material darauf 
ansehe, so scheint dasselbe allerdings für Moynihan 
zu sprechen, doch ist es viel zu gering um hierbei be¬ 
rücksichtigt zu werden. Von den 19 Fällen, in denen 
bei uns bei noch offenem nicht verheiltem Geschwür 
mit und ohne motorische Störungen des Magens operiert 
wurde, befinden sich 17 Fälle in denen das Ulcus in 
der Nähe des Pylorus notiert ist, in 2 Fällen befand 
Bich das Geschwür an der kleinen Curvatur, entfernt 
vom Pylorus. Die ersten Fälle sind alle genesen, die 


beiden letzten auch nach der Operation krank geblieben. 
Diese Frage kann unter Umständen schwerwiegend und 
Yon entscheidender Bedeutung werden, wenn es sich 
darum handelt, ob Pat. wegen absolut fehlender Hei¬ 
lungstendenz ihres Ulcus und fehlenden Stenoseerschei¬ 
nungen operiert werden sollen oder nicht. 

Da wir ja niemals imstande sind bei solchen Kran¬ 
ken den Sitz des Ulcus zu diagnoslicieren, so glaube ich 
doch, dass wir auch nicht das Recht haben, solche 
Kranke von der Operation auszuschliessen, selbst auf die 
Gefahr hin, das Ulcus entfernt vom Pylorus anzutreffen 
und ihnen infolgedessen kein mehr oder weniger sicheres 
Resultat durch die Operation versprechen zu können.. 

Die Annahme Katzensteins, dass es die vermin¬ 
derte Magensecretion ist, welche das Ulcus nach einer 
Gastroenterostomie zur Verheilung bringt, könnte aber 
doch noch vielleicht richtig sein, doch dann müsste es 
sich erweisen, dass aus irgend einem, allerdings schwer 
ersichtlichen Grunde die Acidität des Magensaftes nach 
der Operation bei dem Pylorns stärker absinkt, als bei 
einer Lage des Geschwürs entfernt vom Pförtner, näher 
zur Cardia. So weit mir solches möglich ist, habe ich 
unter den erwähnten 19 Fällen derjenigen Krankenbögen, 
wo solche Untersuchungen nach Wochen post Operation 
vorgenommen worden waren, darauf angesehen und folr 
gende Zahlen werte gefunden. 

Durchschnittliche Acidität in Fällen von Ulcus nahe 
dem Pylorus — vor der Operation F. A. 72 HCl 58 
nach der Operation F. A. 55, HCl 33. 

In Fällen, wo das Ulcus näher zur Cardia belegen 
war F. A. 75, HCl 54 nach der Operation F. A. 64, 
HCl 42. 

Also in beiden Gruppen Säurewerte, die dem Nor¬ 
malen nahekommen und unter einander nicht wesentlich 
differieren. 

Da nun weder die rein mechanische Erklärung Koe- 
nigs, noch die chemische Auffassung Katzensteins 
unsere Auffassnng nach den Gründen des Verhaltens des 
Ulcus, namentlich des Pylorusulcus völlig befriedigen 
kann, möchte ich mir erlauben, meine eigene Stellung¬ 
nahme zur Discussion zu präcisieren. 

Ich möchte annehmen, dass durch eine Gastroentero¬ 
stomie doch eine Aenderung der mechanischen Verhält¬ 
nisse eintritt, durch welche das Pylorusulcus unter bes¬ 
sere Heilungsbedingungen gesetzt ist als das Ulcus an 
einer entfernter vom Pylorus belegenen Stelle. Schon 
unter normalen Verhältnissen ist der Arbeitseffect der 
Musculatur am Pylorusmagen und am Pylorus selbst, 
welchem die periodisch eintretende Entleerung des Spei¬ 
sebreis in den Darm obliegt, ein wesentlich grösserer 
als derjenige der übrigen Magenmusculatur, die die Auf¬ 
gabe hat den Mageninhalt durchzumischen. 

Dass unter solchen Umständen ein am schon normaler¬ 
weise mehr fixierten Pylorus belegones Ulcus stets durch 
die Peristaltik gezerrt werden muss und daher schwerer 
heilen kann, dürfte a priori sicher sein. Ich möchte 
nunmehr annehmen, dass nach Etablierung einer Magen- 
darrafistel insofern eine Aenderung der mechanischen 
Bedingungen im Magen eintritt, als nunmehr die Haupt¬ 
richtung des austreibenden Mageniuhaltes gegen den 
Ort des geringen Widerstandes geleitet wird, der schon 
unter normalen Verhältnissen, ganz besonders aber bei 
Stenose des Pylorus nicht dieser selbst, sondern die 
neuangelegte Anastomose sein wird. Indem also die Ma¬ 
genperistaltik in dieser Richtung mischt findet eine Ab¬ 
lenkung Yom Pylorus statt und es findet nicht, wie es 
König ausgesprochen bat, eine weniger innige Berüh¬ 
rung des Ulcus mit dem Magensafte statt, sondern nur 
eine Immobilisierung des Ulcus falls es in der Nähe des 
Pylorus gelegen ist, und werden hierdurch die Bedin¬ 
gungen zu seiner Heilung geschaffen. — Das an der 
kleinen Curvatur belegene Geschwür wird, weil es an 


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8 


einer Stelle belegen ist, die anderen physiologischen 
Bedürfnissen — speciell der besseren Vermischung des 
Mageninhalts za dienen hat — von der durch die Ga¬ 
stroenterostomie bewirkten Richtunpsveränderung der 
Peristaltik weniger betroffen, und kommen ihm daher 
auch nicht die Bedingungen zu statten, welche für das 
Pylorusulcus die Heilung herbeiführen. — Für meine 
Hypothese erlaube ich mir auch die Entstehung des 
Ulcus pept. jejuni nach Gastroenterostomie anzuführen. 
Augenscheinlich wird die Gastroenterostomiestelle nach 
der Operation gerade zu dem Orte am Magen, an wel¬ 
chem die stärkste mechanische Insultierung stattündet 
und wird sich daher unter den Umständen, die über¬ 
haupt die Entstehung eines Ulcus veranlassen, an dieser 
Stelle am ehesten ein Ulcus pept. etablieren, während 
das ursprüngliche alte Ulcus nach der Operation sehr 
gut verheilen kann, was ja auch tatsächlich beobachtet 
wird. Ich erinnere daran, dass wir bei Befolgung der 
Forderung Mikulicz’s jeder Gastroenterostomie bei 
mutmasslich offenem Ulcus eine interne Ulcusbehandlung 
anzuschliessen, wir auch keine Ulcera pept. jejuni mehr 
gesehen haben und nur in einem Falle gerade für die 
Unterlassung dieser Vorschrift durch die Entwicklung 
eines Ulcus pept. jejnni haben büssen müssen. 

Augenscheinlich verhindern wir durch eine postopera¬ 
tive interne Cur entweder die Entstehung etwaiger 
Necrosen an der Gastroenterostomiestelle oder wo durch 
die Operation solche entstanden waren und das ist das 
wahrscheinlichere — da bringen wir diese durch eine 
consequente Ulcusbehandlung zur BenarbuDg. 

Meine Hypothese wiederholt und verallgemeinert nur 
die Gedanken, die Dr. Fick und ich 41 ) schon einmal 
in einer gemeinsamen Arbeit über die Perigastritis ad- 
haesiva ausgesprochen haben, in der wir bei solchen 
Zuständen nicht die Lösung etwaiger Adhaesioneu, es 
sei denn, dass es sich um strangförmige Bildungen 
handelt, empfehlen, sondern die Ausserfunctionsetzung 
des von den Adhaesionea betroffenen Magenbezirkes 
durch Anlegung einer Magendarmfistel. 

Zum Schlüsse noch eine Frage: Warum verhalten sich 
die verschiedenen Fälle von Ulcus so verschieden? — 
Dass natürlich ein Ulcus, welches sich mit mechanischen 
Störungen compliciert, durch therapeutische Massnahmen 
nicht ausheilt, ist klar, aber warum sehen wir, dass 
andere nicht mit palpablen mechanischen Störungen ein¬ 
hergehende Magengeschwüre sich klinisch so verschieden 
verhalten und auch unseren Heilungsbestrebungen gegen¬ 
über sich so überaus verschieden gestalten. — Das eine 
Ulcus heilt gleich nach der 1. Kur aus und bleibt 
Patient zeitlebens gesund. Ein anderes verheilt definitiv, 
recidiviert aber nach Jahren. Ein drittes Geschwür ver¬ 
heilt überhaupt nicht, wird höchstens latent, und alles 
dieses unter den gleichen therapeutischen Bedingungen. 
Wieder andere Ulcera zeichnen sich dadurch aus, dass 
sie bei den geringsten Veranlassungen bluten; andere 
bluten niemals, bekunden aber ihre Anwesenheit durch 
Schmerzen. 

In dem einen Falle erfolgt das Recidiv stets nach 
digestieren Verstössen, welche von einem anderen gut 
vertragen werden, welches aber wiederum unter dem 
Einflüsse psychischer Momente in die Erscheinung tritt, 
während wieder ein drittes sich hauptsächlich dann 
äussert, wenn irgend welche mechanischen Insultierungen 
der Magengegend erfolgen. 

Welches sind die Gründe für ein solches Verhalten? 
Ist es etwa die mehr oder weniger lange Dauer des 
Leidens, bevor die Kranken in ärztliche Behandlung 
treten? das Alter der Patienten? ihre Lebensweise? Ich 
glaube, wir finden hierfür keine Antwort. Denn sehe 
ich meine 150 Ulcuskranken auf diese Fragen specieller 
au, so finde ich, dass Patienten V. 5, P. 8, B. 10, v. W. 


13 Jahre fortdauernd an Ulcus gelitten haben bevor 
sie in Behandlung kämm und doch sind' sie nach ein¬ 
maliger Leubescher Kur definitiv genesen, während 
sich unter den ungeteilten Kranken solche finden, deren 
Angaben zufolge die erste Aeusserung der Krankheit bis 
auf 1 Monat, meist auf 1—2 Jahr zurückgeht. Es finden 
sich unter den Uugeheilten junge Leute und unter den 
völlig Geheilten Kranke von über 50 Jahren. Manche 
der Kranken leben auf das vorsichtigste und pedantisch, 
und bleiben doch krank, andere, z. B. Pat. B. führt 
auch nach seiner 1-maligen Kur ein Leben, das hin¬ 
sichtlich des Consums an conc. Alkohol schon nicht mehr 
Als schön bezeichnet werden kann und ist trotzdem 
bisher — es sind schon an die 8 Jahre darüber hinge¬ 
gangen — vollkommen gesund. 

Das bringt auf den Gedanken — und je länger ich 
mich mit dem Ulcus beschäftige, um so mehr möchte ich 
daran festhalten, — dass auch beim Ulcus, wie bei so 
vielen anderen Krankheiten ein Gewisses unmittelbares 
Etwas — hier die bekannte S. Trias. — Necrose — HCl. 
— Pepsin — sehr gut das direct auslösende Moment 
abgeben kann, dass aber der Urgiund für das Leiden 
doch in einer individuellen, vielleicht sogar ererbten 
Disposition zu suchen ist. 

Unter den 150 Fällen sind 9 Fälle, welche Geschwister 
unter einander und Geschwister und Eltern betreffen. 
Solches schien meines Wissens bisher nur Bernhard 
und Huber 48 ) betont zu haben, 49 ). 

Doch familiäre und individuelle Dispositionen sind ja 
auch nur Worte und keine Erklärung. Worin die Dispo¬ 
sition begründet ist, wissen wir noch nicht. 

Ganz neuerdings haben Bolten nnd Katzenstein 
die Frage anf das cytologische Gebiet hinüber gespielt 
und versprechen sich von dieser Seite her eine Klärung 
der Frage. Katzenstein erwartet noch weitere Hin¬ 
weise für die Behandlung des Leidens speciell durch 
Einführung von Antipepsin in den Magen oder das Blut 
Ulcuskranker. 

Erhoffen wir es, dass den Worten Katzensteins 
bald die Tat folge. 

Literatur. 

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Diagnosen • and Therapnie der Magenkrankh. 5. Anf. 1907 p. 
115. 3) D e b o v e und R 6 m o n d. Maladies de l’estomac 1894. 
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Langenbeck’s Arch. 76. 11) W e 81 p b a 1 e n. St. Petersb. 
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18) S c h 1 o s 8, Arch. f. Verdkrh. Bd. X. 19) Howard. Ame¬ 
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1905. 21) M o y n i h a n. Practitioner, Sept. 1904, ref. Arcb. 
f. Verdkr. XI. p. 102. 22) H a n e r n. Acaa. de möd. 1908. 23) 
Tiegel. Mitt. a. d. Grenzgebiete, XIII. 24) Gosset. 
Revue de chir. 1905. 25) L i u o s s i e r. Rapport snr le trai- 
tement de l’ulcöre simple de 1'eBtomac. Congres franejais de 
medöcine 1907. 26) Warnecke. Ueber die Indication zur 
operativen Behandlung des Ulcus ventriculi. Preisschrft. 
Güttingen, 1904. 27) Carle und Fantino, Langen¬ 
becks Arch. 56. 28) Hartmann nnd S a p a o 1 t. Presse 
med. 1899. 29) Neu haus. 8amml. kl. Vorträge Nr. 486, 
1908. 30) Porser. St. Barthol. Hosp. rep. 1905, Vol. 41, 
cit. bei Neabaus. 31) R o j e r s. Annales of surgery, 1904. 
Nr. 4 cit. bei Ne u h a u s. 32) D ns u n. Brit. med. Journal, 


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9 


1906.9. Vai. 33)Cameron. Brit. med. Jonrnal, 1906, 18. 

Jan. 34) Cb ln loo na:. Beiträge z. klin. Chir. 1898 u. 1900. 
35) Rosenberg. Aich. f. Physiol. Bd. 73. 36) Job sl in. 
Berl. kl. Woclienschrif 1897, Nr. 48. 37) Koenig. 1). med. 
Wocbenschr. 1906 Nr. 33. Vereinsbeiträge p. 1358.38) K ö r t s. 
D. med. Wochenschr. 1906, Nr. 4. 39) H il d e b ra n d r. Berl. 
kl. Wochenschrift 1907, Nr. 25. 40) Cannon and Blake. 
Gaitroenterostomy and pyloroplastic an ezperiment stydy by 
mans of The Röntgenrays. Divesin of surgery of the med. 
school of Howard University Boston. 41) M e ri n g. Lehrbnch 
d. wiBsensch. Medicio. 42) S'cliö o ham. Arcb. f. Vrdkrh. XIV. 
43) Baia8. D. med. Wochenschrift 1908, Nr. 1. 44) Graf. 

1). Zeitschrift f. Chir. Bd. 90. 45) Mairmont. 80. Natur¬ 
forscher veri&ininln ng in Cöln 1908 ref. D. med. Wochenschrift. 
1908, Nr. 41. Vereinsb. 46) Kloyiteaa. Brst. med. Jonrnal 

1908.9. Mai. 47) Westphalen nnd. Fick. D. med. Wo¬ 
chenschrift 1899, Nr. 52. 48) Huber. Münch, med. Wochen¬ 
schrift, 1907, Nr. 5. 49) B o 11 o r s. Laucet, 9. Mai 1908. 
50) Ratzenstein. Berliner klinische Wochenschrift 1908, 
Nr. 39. 


Ans dem Deutschen Alexanderhospital in St. Petersburg. 

Ueber paranephritische Abscesse ’). 

Von 

Dr. med. Wold. Fick. 


Obgleich in pathologisch-anatomischer Beziehung kaum 
von eitrigen Zellgewebsentzündungen in anderen Körper¬ 
regionen verschieden, sind die eitrigen Entzündungen 
der Nierenfettkapsel schon seit längerer Zeit als eine 
Krankheit sui generis aufgefasst und beschrieben worden. 
Diese Sonderstellung ist bedingt sowohl durch die in¬ 
teressante Aetiologie dieser Abscesse, als auch durch die 
unter Umständen schwierige Diagnose, die durch die 
versteckte Lage des Entzündungsherdes bedingt ist. 
Schon im Jahre 1841 hatte Bayer*) die paranephri- 
tischen Abscesse als gesondertes Krankheitsbild darge- 
stellt. Was die Nomenclatur anbetrifft, so bezeichnet 
man jetzt allgemein als „Paranephritis“ die Entzündung 
des die Niere umgebenden Fettgewebes, während die Be¬ 
nennung „Perinephritis“ der Entzündung der Bindege- 
webskapsel der Niere znkommt. Zum leichteren Ver¬ 
ständnis des Folgenden seien hier einige anatomische 
Bemerkungen vorausgeschickt, die ich der Arbeit von 
Maass 8 ) entnehme. Nach einer älteren Anschauung 
stellt die Fetlkapsel der Niere nichts anderes dar als 
eine stärkere Ansammlung des retroperitonealen Fett¬ 
gewebes, das an der hinteren Bauchwand überall die 
Zwischenräume zwischen den einzelnen Organen aas¬ 
füllt. Neuere Untersuchungen haben die Irrigkeit dieser 
Anschauung nachgewiesen und festgestellt, dass die Fett¬ 
kapsel der Niere durch ein deutlich ausgesprochenes 
Fascienblatt vom retroperitonealen Fettgewebe abge¬ 
grenzt ist. Nur nach unten längs dem Ureter findet 
ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem Nieren¬ 
fettgewebe und dem retroperitonealen Fettgewebe statt, 
während nach hinten die Abgrenzung am deutlichsten 
ansgesprochen ist. Weitere Untersuchungen haben dann 
erjgeben, dass das Blut- und Lymphgefässsystem der 
Nierenfettkapsel mit dem der Niere selbst in änsserst 
inniger Verbindung steht. Diese anatomischen Tatsachen 
sind von grösster Wichtigkeit für die Aetiologie der 
paranephritischen Abscesse, in welcher erst in letzter 
Zeit völlige Klarheit hergestellt ist. 

Aetiologie. Schon lange war es bekannt, dass 
in der Umgebung der Niere eitrige Entzündungen Vor¬ 


kommen, die ein scheinbar primäres Leiden darstellen. 
Man stellte sie in Gegensatz zu den secundären Ent¬ 
zündungen, die sich im Anschluss an benachbarte Abs¬ 
cesse anf das Nierenfettgewebe fortsetzen. Die primären 
Paranephritiden suchte man durch Erkältung nnd na¬ 
mentlich durch Traumen zu erklären. Je mehr aber 
unsere Kenntnisse über die bacteriellen Ursachen aller 
Eiterungen Zunahmen, um so weniger befriedigte diese 
Erklärung. Noch bevor der ätiologische Zusammenhang 
in allen Einzelheiten klargestellt war, hatte man die 
Tatsache constatiert, dass die paranephritischen Abscesse 
sich liänfig im Anschluss an weit entfernte, oft unbedeu¬ 
tende Eiterungen entwickeln. Heute, wo wir über die 
Ursache der paranephritischen Abscesse im Klaren sind, 
müssen wir nicht mehr primäre und secundäre, sondern 
metastatische und fortgeleitete paranephritische Abscesse 
unterscheiden. Die Träger als idiopatisch oder primär 
bezeichneten Abscesse sind als metastatisch erkannt 
worden und über den Weg, den die Infection genommen, 
besteht kein Zweifel mehr. 

Wir betrachten zunächst die fortgeleiteteu Abscesse. 
Dieselben schliessen sich an Eiterungen in der Umge¬ 
bung an, die direct anf das Nierenfettgewebe übergreifen. 
In diesen Fällen ist der Sitz des ursprünglichen Ent¬ 
zündungsherdes meist leicht festzustellen. In der grossen 
Mehrzahl der Fälle ist die Niere selbst der Ausgangs- 
punct der Entzündung. Steinbildung in der Niere Pyo- 
nephrose, Pyelitis u. s. w. können dank dem innigen 
Zusammenhänge des betreffenden Blot- uod Lymphge- 
lässsysteras auf die Capsula adiposa übergreifen und 
zur Vereiterung des Fettgewebes führen, ln ähnlicher 
Weise sieht man auch tuberculöse Processe von Niere 
und Nierenbecken in das Fettgewebe übergehen. An 
zweiter Stelle kommen dann die Eiterungen im Becken¬ 
bindegewebe in betracht, die sich ascendierend auf das 
Nierenfettgewebe fortpflanzen. Beim Mann spielen 
die gonorrhoischen Prcoesse die Hauptrolle, während 
beim Weibe die puerperalen Entzündungen der Para¬ 
metrien in erster Linie in betracht kommen. Auch Ei¬ 
terungen, die von den unteren Extremitäten ausgehen 
und längs den grossen Gefäasen aufsteigen, können durch 
Vermittlung des Beckenzellgewebes die Capsula adiposa 
renis befallen. Auch im Anschluss au Operationen an 
; den Beckenorganen und im Anschluss an eitrige Appen- 
| dicitis hat man das Auftreten von paranephritischen 
i Abscessen beobachtet. Endlich können eitrige Processe 
i in der Brusthöhle sich nach Durchbrechung des Zwerch¬ 
fells auf die Nierenfettkapsel fortsetzen (Lungengangrän). 

I Interessanter ist die Aetiologie der metastatischen Abs- 
I cesse in den Paranephrien. Die Tatsache, dass parane- 
I phritische Abscesse sich nicht selten an Fnrunkel und 
Panaritien anschliessen, war, wie ich schon erwähnte, 

| bekannt, bevor man sich Uber den engeren Zusammen¬ 
hang dieser Erkrankungen ira Klaren war. Mit der 
I wachsenden Erkenntnis der Eiterungsprocesse wurde der 
metastalische Cbaracter der paranephritischeu Abscesse 
I bald ausser Frage gestellt, und nur die Frage, warum 
: gerade das pararenale Fettgewebe der bevorzugte Ort 
dieser Metastasen ist, blieb zunächst unbeantwortet, 
i Auch darüber sind wir jetzt sowohl durch klinische 
j wie durch experimentelle Erfahrungen genau unter- 
! richtet durch die Arbeiten von Küster 1 ), Israel 
(Maass) 2 ), Jordan 8 ) und Schnitzler 4 ). Kli¬ 
nisch wurde bei Operationen nachgewiesen, dass die 
Eiterung der Nierenfettkapsel ihren Ausgang nimmt 
I von metastatischen Abscessen in der Niereonnde, 


’) Nach einem Vortrage. 

*) Citnach «Handbuch der practischen Chirurgie» v. Berg¬ 
mann , Br n n s and M i k u li cz. 

*) Sammluug klinischer Vorträge. Neue Folge Nr. 170. 
♦Daselbst Liteiatnrverzeichnis). 


i *) Deutsche Chirurgie. Lieferung 52. 

-’) 1. c. 

3 ) Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft für Chi¬ 
rurgie. 1905. 

4 ) ibidem. 


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die, wohl meist durch Perforation, direct das Fett¬ 
gewebe inficieren. Durch das Experiment wurde fer¬ 
ner nachgewiesen, dass bei Injeclionen von nicht töd¬ 
lichen Mengen von Staphylococcen in die Bfutbahn von 
Kaninchen multiple Abscesse in der Nierenrinde entste¬ 
hen, die traumatisiert zu pararenalen Eiterungen führen. 
Durch dieses Experiment war auch die Bedeutung des 
Traumas in der Aetiologie der parauephritischen Abs- 
cesse beim Menschen dem Verständnis näher gebracht 
(Schnitzler). 

Die Abscesse in der Nierenrinde entstehen auf em- 
bolischem Wege ganz analog den Eiterungen im Kno¬ 
chenmark, in Strumen u. s. w. nur ist die Localisation 
in der Niere leichter erklärlich als dieses Organ der 
Ausscheidungsort der im Blute kreisenden Mikroorganis¬ 
men ist. Tatsächlich kommen Eiterungen in der Nieren- 
rinde wohl viel häufiger vor, als man sie klinisch mit 
Sicherheit nackweisen kann. Vorübergehende Albumi¬ 
nurien, nur mikroskopisch nachweisbare Hämaturien, 
ohne wesentliche Störungen des Allgemeinbefindens, die 
man nach Eiterungen und nach Infectionskrankheiten 
beobachten kann, mögen durch solche kleine Nieren- 
rindenabscesse bedingt sein, die durch Perforation in die 
Harnkanälchen zur Ausheilung kommen. 

Die Eingangspforten für die Mikroorganismen werden 
wir in den verschiedensten Eiterungs- und Entzündungs¬ 
processen zu suchen haben, doch lehrt die Erfahrung, 
dass einige Localisationen ganz besonders häufig Niereu¬ 
metastasen geben. So wurde schon auf die Panaritien 
und die Fingerfurunkel hingewiesen. Es ist wohl anzu¬ 
nehmen, dass die ungenügende Schonung bei diesen Af- 
fectionen, Bewegung u. s. w. eine Verschleppung der 
Mikroorganismen in die Blutbahn begünstigt. Ferner hat 
man nach verschiedenen Infectionskrankheiten, die mit 
Eiterung uud Geschwürsbildung einhergehen, das Auf¬ 
treten von paranephritischen Abscessen beobachtet, so 
nach Scharlach, Diphtherie, Typhus. Auch die Möglich¬ 
keit des Eintritts der Infectionsträger durch die lym¬ 
phatischen Apparate des Schlundes und des Darmes ist 
nicht von der Hand zu weisen. Wir müssen also in den 
Nierenrindenabscessen nichts anderes sehen als den 
Ausdruck einer Allgemeininfection des Organismus mit 
pyogenem Material, allerdings in einer milden Form, 
da es sich fast stets um eine einzige Metastase handelt. 
Es ist als ob die vom Organismus schon fast vollkommen 
überwundenen und zur Ausscheidung bestimmten Krank¬ 
heitserreger sich noch im letzten Moment im Ausschei- 
duugsorgan zu einem letzten Angriff aufrafften. 

Pathologische Anatomie. Die paranephriti- 
schen Abscesse entwickeln sich in der grössten Mehrzahl 
der Fälle an der hinteren Fläche der Niere, wo das 
Fettgewebe seine grösste Dicke erreicht. Das Vorkom¬ 
men an der Vorderfläche der Niere wird vou manchen 
Autoren ganz geleugnet. Der Umstand, dass sich die 
Abscesse in der Tiefe, umgeben vom straffen Bindege¬ 
webe und grossen Muskellagern entwickeln, bringt es 
mit sich, dass in pathologisch-anatomischer Hinsicht ge¬ 
wisse Eigentümlichkeiten zum Ausdruck kommen. Eine 
Folge dieser Localisation ist das lange Beschränktblei¬ 
ben auf den primäreu Entzündungsherd uni die relativ 
geringe Tendenz zum Uebergreifen auf die Nachbar¬ 
schaft. Daher kommen auch die Abwehrvorrichtungen 
des Organismus ganz besonders deutlich zum Ausdruck: 
wir sehen, dass die Abscesse in nicht allzu langer Zeit 
durch mächtige Schwarten von neugebildetem Bindege¬ 
webe gegen die gesunde Umgebung abgegrenzt werden. 
In diese Schwarten wühlt sich der Eiter in buchtigen 
Gängen hinein, um aber in immer wieder sich neubil- 
dendera Bindegewebe ein Hindernis zu finden. So kön¬ 
nen solche Abscesse sogar Jahre lang in fester Kapsel 
eingeschlossen liegen, wobei der Eiter allmählich einge¬ 
dickt wird und in krümlichen Detritus verwandelt wer¬ 


den kann. So kommt es zu einer Art von spontaner 
Heilung oder vielmehr zu einem Latentstadium, wie wir 
es in ähnlicher Weise auch in alten osteomyelitischen 
Herden beobachten können. Eine Gelegenheitsursache, 
wie etwa ein Trauma, kann hier wie dort den Prooess 
wieder zum Aufflammen bringen. Ein Latentwerden ist 
immerhin ein sehr seltenes Vorkommnis. Meist greift 
der Abscess, wenn keine chirurgische Hilfe eintritt, 
nach Ueberwindung der Bindegewebsschwarten auf die 
Nachbarschaft über und kommt schliesslich nach au«sen 
oder in eine der Körperhöhlen zum Durchbruch. Je uach- 
i dem, welcher Teil der Niere der Ausgangspunct des 
I Abscesses war, pflegt der Eiter in der Weiterverbrei- 
lung verschiedene Wege einzuschlagen. Bei der grossen 
| Häufigkeit der paranephritischen Abscesse an der Hin- 
, tertläche der Niere kommt es auch am häufigsten zum 
| Durchbruch der fascia retrorenalis (Z u ck e r k a n d 1), 
i worauf sich der Eiter in den Muskelinterstitien der 
j Lendengegend ausbreitet. Es kommt dann schliesslich 
zur Fluctuation und zum Durchbruch nach aussen. 

| Bei Entwicklung der Abscesse am oberen Pol der 
Niere zeigt der Eiter das Bestreben, gegen das Zwerch- 
I feil vorzudringen. Es bildet sich ein subphrenischer 
! Abscess, der, wie wohl ohne Weiteres klar, extrnperito- 
| neal gelegen ist. Weiter wird dann das Zwerchfell selbst 
j ergriffen und nicht selten kommt es zum Durchbruch in 
| die Pleura. Andererseits kann aber auch die Pleura 
! diaphragmatica mit der Luugenpleura verwachsen und 
i der Eiterungsprocess auf die Lunge übergreifen, wodurch 
I ein Durchbruch in den Bronchialbaum ermöglicht wird. 

Auf diese Weise sind Heilungen beobachtet worden, 
i Mein 4-ter Fall ist ein gutes Beispiel für diese Ver- 
breitungsweise des Eiters. Nach längerer Krankheit, 
deren Diagnose nicht feststand, entleerte Patient plötz¬ 
lich unter heftigen Hustenstössen grosse Mengen von Eiter 
durch die linke Lunge. Nach Spaltung des Abscesses in 
der nur mässig vorgewölbten linken Lendengegend hörte 
die Eiterexpectoration auf, trotzdem entwickelte sich erst 
jetzt eine anfangs seröse, allmählich eitrig werdende 
Pleuritis, die eine Thoracotomie erforderte. 

Entsteht die Eiterung am unteren Pol der Niere, so 
hat der Eiter die Tendenz längs dem Ureter ins Becken¬ 
zellgewebe nach unten vorzudringen. Die Senkung er¬ 
folgt um so rascher, als, wie wir gesehen haben, das 
Nierenfett nach unten durch keine Bindegewebsplatte 
abgegrenzt ist. Solche Abscesse können analog den 
spondylitischen unter dem Poupartschen Bande zum Vor¬ 
schein kommen. Spielt der Process auf der rechten Seite 
des Körpers, so können Verwechslungen mit perityphli- 
tischen Abscessen Vorkommen. Ich habe meinen 2-ten 
Fall unter dieser Diagnose operiert und mich erst bei 
der Operation von dem Intactseiu des Appendix uud von 
der retroperitonealen Lage des Abscesses überzeugt. 

Wir sehen, dass die Wege, die der paranephri tische 
Eiter bei seiner Wanderung nach oben und nach unten 
nimmt, dieselben sind, wie die, auf denen die Eiternngs- 
processe aus den Nachbarorganen in umgekehrter Rich¬ 
tung auf das Paranephrium übergreifen. Es kann daher 
unter Umständen schwer sein, den primären Herd der 
Erkrankung festzustellen. 

Als seltenere Ausgänge der paranephritischen Abscesse 
seien erwähnt der Durchbruch des Eiters in die freie 
Bauchhöhle, iu das Duodenum, den Dickdarm und die 
Blase. 

Symptome. Der Beginn der acuten, eitrigen Pa¬ 
ranephritis gleicht dem einer acuten Infectionskrankheit. 
Entweder plötzlich mit Schüttelfrost, oder allmählich 
steigt die Körpertemperatur unter allgemeinen Krank¬ 
heitserscheinungen wie Mattigkeit, Kopf- und Glieder¬ 
schmerzen oft zu beträchtlicher Höhe an. Der Character 
des Fiebers ist im Anfang meist eia cootiauierlicher mit 
geringen Differenzen zwischen Morgen- uud Abendtempe- 


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rator. Erst kn späteren Verlaufe der Krankheit ent¬ 
wickelt sich allmählich der pyämische Typus des Fiebers 
mit tiefen Remissionen und gelegentlichen Schottelfrösten 
beim Anstieg der Temperatur. Die spontanen Schmerzen 
in der Lendengegend der erkrankten Körperseite pflegen 
im Anfang gering zu sein und werden meist als die be¬ 
kannten, durch das Fieber bedingten Rückenschmerzen 
gedeutet. Erst bei grösserer Eiteransamrolung werden 
die Schmerzen heftiger und präciser von den Kranken 
localisiert. Durch Druck unterhalb der zwölften Rippe 
und durch Bewegungen des Körpers werden die 
Schmerzen gesteigert. Wenn sich der Abscess von der 
hiuteren Fläche der Niere entwickelt, so tritt ziemlich 
früh eine Bewegungsbeschränkung der Wirbelsäule in 
typischer Weise ein. Während die seitlichen Bewegun¬ 
gen der Wirbelsäule nach der kranken Seite hin nahezu 
vollständig frei bleiben, werden Beugungen der Wirbel¬ 
säule nach der gesunden Seite von den Kranken ängst¬ 
lich vermieden, offenbar, weil der Eiter durch Spannung 
der Weichteile unter stärkeren Druck gesetzt wird, wo¬ 
durch Schmerzen entstehen. Ausser den Schmerzen in 
der Nierengegend werden von den Kranken nicht selten 
Schmerzen angegeben, die in andere Körperregionen aus¬ 
strahlen, so namentlich in die Schultern, in die Beine, 
in die Oberschenkel und in die Geuitalien. 

Das cbaracteristischste Symptom der sich nach hinten 
entwickelnden paranephritischen Abscesse ist die Vor¬ 
wölbung der Lendengegend der erkrankten Seite. Noch 
bevor dieselbe dem Auge wahrnehmbar ist, kann sie bei 
zarter Palpation in Rückenlage des Patienten gefühlt 
werden. Je näher der Eiter der Körperoberfläche kommt, 
um so stärker wird die Vorwölbung, und es stellt sich 
teigige Schwellung der Weichteile und Oedem der Haut 
ein. Nicht selten gelingt es, in diesem Stadium tiefe 
Flnctuationen nachzuweisen. Bei grösseren Abscessen ist 
bei bimanueller Palpation deutliches Ballotement nach¬ 
weisbar. Aber auch bei ganz kleinen Abscessen wird man 
auch schon in frühen Stadien eine stärkere Füllung und 
grössere Resistenz auf der kranken Seite im Vergleiche 
zur gesunden naebweisen können. 

Bei Ausbreitung der paranephri tischen Abscesse nach 
obeit oder nach unten tritt die Schwellung in der Len¬ 
dengegend natürlich mehr in den Hintergrund, und es 
machen sich Erscheinungen bemerkbar, die auf die Be¬ 
teiligung der Nachbarorgane hinweisen. Man wird bei 
Ausbreitung nach oben Erscheinungen von seiten des 
Zwerchfells und der Plenra erwarten dürfen, während 
bei Fortschreiten des Processes nach unten Beugecon- 
tractur der Beine und ausstrahlende Schmerzen in die 
Beckenorgane und die Beine beobachtet werden. Doch 
greifen die Symptome so vielfach in einander, dass es 
schwer ist, nach dem Sitze der Schmerzen sichere 
Schlüsse auf den Sitz des Eiters und seinen Verbreitungs¬ 
weg zu ziehen. Erst objectiv nachweisbare Veränderun¬ 
gen an Nachbarorganen beweisen deren Befallensein. 

Von einigen weniger constanten Symptomen der eitri¬ 
gen Paranephritis sei die oft sehr hartnäckige Obstipa¬ 
tion erwähnt, für deren Deutung man sowohl die directe 
Compression des Colons durch den Abscess als auch die 
peritoneale Reizung herangezogen hat. Letzterer wird 
auch das im Anfang der Erkrankung nicht seltene Er¬ 
brechen zugeschoben. 

Diagnose. Die Diagnose der eitrigen Paranephritis 
ist nicht schwer, wenn die characteristischen Verände¬ 
rungen in der Lendengegend deutlich ausgesprochen 
sind. Bis es aber dazu kommt, hat der Patient meist 
schon ein wochenlanges Krankenlager hinter sich und 
ist durch das protrahierte Fieber uud die Eiterresorption 
schwer geschädigt. Es ist daher ein ganz besonderes 
Gewicht auf die frühzeitige Diagnose der Krankheit zu 
legen. Durchmustert man aber die Krankengeschichten 
in der Literatur, so erfährt man, dass namentlich in 


der älteren Zeit kaum je Frühdiagnosen gestellt worden 
sind. Das liegt weniger an der Schwierigkeit der Diag¬ 
nose als solcher, als vielmehr daran, dass die eitrige 
Paranephritis eine relativ seltene Krankheit ist, die 
nicht jeder Arzt gesehn hat, und die daher nicht eo ipso 
in den Kreis diagnostischer Erwägungen gezogen wird. 
Der fieberhafte Beginn, die unbestimmten Krankheits¬ 
erscheinungen and leichte Darmstörungen lassen im An¬ 
fang an eine acute Infectionskraukheit dpnken und zwar 
ist es namentlich der Typhus abdominalis, für den die 
eitrige Paranephritis gehalten wird. Treten die localen 
Erscheinungen, namentlich die Schmerzen, mehr in den 
Hintergrund, so muss allerdings zugegeben werden, dass 
das Krankheitsbild ausserordentlich ähnlich sein kann. 
Spielt die Paranephritis links, so werden die Schmerzen 
leicht auf den Milztnmor bezogen, der meist vorhanden 
ist. Wenn man bedenkt, dass die eitrige Paranepbritis, 
wie schon erwähnt würde, sich tatsächlich an einen 
Typhus auschliessen kann, so wird es nicht Wunder 
nehmen, dass es oft schwer hält, rasch zur richtigen 
Diagnose zu kommen. Doch werden die neueren b&cterio- 
logischen Hilfsmittel, die Widalsche Reaction u. s. w. 
in solchen Fällen Klarheit schaffen können. Aach die 
Leucocytenzählung kann wichtige Aufschlüsse ergeben. 

Von anderen Infectionskrankheiten, die mit Parane¬ 
phritis verwechselt worden sind, ist die Malaria zu er¬ 
wähnen. Der gelegentlich stark intermittierende Charak¬ 
ter des Fiebers bei Paranephritis dürfte diese Verwechs¬ 
lung zur Genüge erklären. Die Diagnose einer eitrigen 
Pleuritis oder einer Pneumonie ist ebenfalls verständlich, 
wenn man bedenkt, dass die am oberen Nierenpol koa¬ 
lisierten Paranephritiden früher auf das Zwerchfell über¬ 
greifen können, bevor ln der Lendengegend characteri- 
s tische Zeichen auf treten. Gerade dieses Uebergreifen 
der Paranepbritis auf benachbarte lebenswichtige Organe 
erheischt eine frühzeitige Diagnose. Nach dieser Rich¬ 
tung hin sind wir in den letzten Jahren rasch vorwärts 
gekommen, und es ist ein Verdienst Jordans, auf die 
characteristischen Friibsymptome aufmerksam gemacht 
zu haben. Nach Jordan muss die Diagnose basiert 
sein auf dem Nachweis einer Eingangspforte 
für die Eiterung, auf dem überaus charac¬ 
teristischen Druckschmerz unterhalb der 
zwölften Rippe and aafdem Nachweis der 
Vergrösserung der Niere auf der kranken 
Seite. Jordan meint, dass auf dieser Basis schon 
der Nierenabscess diagnosticiert werden könne, bevor 
er durch Perforation zur eitrigen Paranephritis führt. 
Israel bestätigt diese Angaben und fügt hinzu, dass 
durch den Ureterenkatheterismus weitere Anhaltspuacte 
für die Diagnose im frühen Stadium beigebracht werden 
können, insofern als im Urin der kranken Niere rote 
Blutkörperchen gefunden werden, die auf einen Conge- 
stionszustand des Organs hinweisen. Tatsächlich sind 
denn auch auf Grund so frühzeitiger Diagnose chirurgi¬ 
sche Eingriffe ausgeführt worden, die die Krankheit 
rasch zu günstigem Ausgang geführt haben. 

Die Diagnose der fortgeleiteten Paranephritiden 
braucht nicht näher erörtert zu werden, da die Krank¬ 
heit in diesen Fällen in engster Abhängigkeit vom Pri¬ 
märleiden steht, dessen Erkennung keine Schwierigkeiten 
machen dürfte. 

Prognose und Verlauf. Es unterliegt keinem 
Zweifel, dass die eitrige Paranephritis durch spontanen 
Durchbruch des Eiters zur Ausheilung kommen kann, 
wenn der Durchbruch nach aussen oder in den Darm 
oder allenfalls noch in die Lunge erfolgt. Immerhin sind 
solche Ausgänge als Glücksfälle anzusebnund die Prognose 
ist durchaus ungünstig zu stellen, wenn keine chirurgische 
Hilfe erfolgt. Bei zweckentsprechender Behandlung ist die 
Progaose der Paranephritis sehr verschieden, je nach¬ 
dem, ob es sich um die fortgeleitete oder raetastatische 


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Form der Erkrankeng handelt. Eiterungsprocesse der 
Nacübarorgane, die von solcher Intensität oder Dauer 
gewesen sind, dass sie auf das Paranephrium übergrei¬ 
fen, sind meist so bösartiger Natur (Appendicitis, Lun¬ 
gengangrän, Pyonephrose etc.), dass sie an sich schon 
die böseste Prognose geben und das Hinzutreten der 
Paranephritis an der Sachlage kaum etwas ändert. Für 
die fortgeleiteten Paranepbritiden berechnet Küster 
nach den Angabe» der Literatur eine Mortalität von 
49%. Die Prognose dieser Paranephritiden ist aus¬ 
schliesslich bestimmt durch den Character des primären 
Leidens. 

Ganz anders steht es mit der Prognose der metasta¬ 
tischen Form der eitrigen Paranephritis. Obgleich wir 
diese Form als den Ausdruck einer Allgemeininfection 
des Organismus mit pyogenem Material ansehen müssen, 
müssen wir andererseits sagen, dass es sich um die 
leichteste Form der Pyämie handelt, sofern die Pa¬ 
ranephritis, wie das in der weitaus grössten Mehrzahl 
der Fälle geschieht, die einzige Metastasenbildung 
darstellt. Infolge dieses günstigen Umstandes ist es ver¬ 
ständlich, dass bei sachgemässer Behandlung die Prognose 
der metastatischen Paranephritis keine schlechte ist. 
Küster berechnet hier nur 17% Mortalität. Es unter¬ 
liegt aber keinem Zweifel, dass die Prognose iu der 
letzten Zeit noch erheblich besser geworden ist, dank 
frühzeitiger Diagnosenstellung und energischer, chirur¬ 
gischer Behandlung. In den selteneren Fällen, wo die 
eitrige Paranephritis nicht die ei n zige Localisation 
der Pyämie, sondern nur eine von vielen darstellt, ist 
die Prognose natürlich absolut ungünstig, wenn die an¬ 
deren Metastasen lebenswichtige Organe betreffen. Ein 
Beispiel dafür bietet mein 2. Fall, bei dem ausser der 
Paranephritis eitrige Mediastinitis, Pericarditis und zahl¬ 
reiche Nieren- und Lungenabscesse bestanden. 

Therapie. Dass die Therapie eine chirurgische 
sein muss und in breiter Eröffnung des Eiterherdes zu 
bestehen hat, unterliegt keinem Zweifel. Unser ganzes 
Bemühen ist darauf zu richten, diese Therapie so früh 
als möglich einzuleiten. Ob es möglich sein wird, wie 
Jordan es verlangt, das Eintreten der eitrigen Para¬ 
nephritis durch rechtzeitige Freilegung der Niere und 
Spaltung des renalen Abscesses zu verhindern, erscheint 
mir für die Mehrzahl der Fälle sehr fraglich. Wohl 
aber dürfte die Forderung berechtigt sein, dass der 
chirurgische Eingriff zu einer Zeit geschieht, wo noch 
nicht dicke Schwarten eine Orientierung unmöglich 
machen, denn es ist jedenfalls wünschenswert, dass der 
primäre Nierenherd noch als solcher zu erkennen und 
eventuell chirurgischer Behandlung zugänglich zu machen 
ist. Nur damit ist absolute Garantie für gründliche 
Entleerung des Eiters gegeben. 

Man wird die Paranephritis meist von der Lumbal¬ 
gegend angehen, und nur seiten dürfte sieb ein anderer 
Weg gangbarer erweisen. So habe ich meinen Fall, 
allerdings unter der Diagnose Appendicitis, von der 
vorderen Bauchwand her eröffnet. Es war aber der Ort 
wo man am bequemsten an den Abscess herankam. 

Nach Eröffnung des Abscesses sieht man meist rasche 
Heilung eintreten, die Eiterabsonderung versiecht bald 
und die Wunde verkleinert sich durch lebhafte Granu- 
Jationsbildung. Die Temperatur fällt meist in wenigen 
Tagen zur Norm. Doch macht Jordan darauf auf¬ 
merksam, dass unter Umständen erneute Fieberbewe¬ 
gungen eintreten können, die durch eitrige Nephritis 
bedingt, aber der Ausheilung fähig sind. 

Krankengeschichten. I. D. F., 44 Jahre alt, Ma¬ 
schinist, eingetreten am 19. October 1900, entlassen am 5. Ja- 
nnar 1901. Patient erkrankte im August an einem Nacken¬ 
karbunkel. Einen Monat später Schmerzen in der linken 
Lendengegend und in der Blasengegend. Seit einigen Tagen 
Schwellung in der linken Lendeügegend. Fieber. Husten. 


Schmerzen beim tiefen Atmen. Gelegentlich Schmerzen beim 
Urinieren. 

St. pr.: Mittlere Grösse. Gnter Ernährungszustand. Zunge 
belegt, trocken. Temp. 39. Puls 108. Respiration 32—34. Bei 
tiefem Atmen Bnstenreiz. 

Herzgrenzen normal. Töne rein. 

Rechte Lunge normal. Ueber der linken Lunge hinten 
unten zwei Finger breite Dämpfung. Atemgeräusch daselbst 
abgescbwächt, bionchial. Stimmfremitus aufgehoben. Reister¬ 
rasselo. 

Leber normal. Linke Lendengegend leicht vorgewölbt, 
schmerzhaft, keine Fluctnation. Blasengegend druckempfind¬ 
lich. Urin: spec, Gew. 1015. Keine pathologischen Bestand¬ 
teile. Keine abnormen Formelemente. Probepunction negativ. 

22/X. Schmerzen in der linken Nierengegend, längs dem 
Ureter in die Blase ausstrahlend. Probepesetion wieder ne' 
gaiiv. 

25./X. Kritischer Abfall der Temperatur nnter bedeutender 
Besserung des Allgemeinbefindens. Im Urin Lencocyten and 
verfettete Epithelien. Lnngenbefand an verändert. 

3/Xl. Temperatur steigt wieder an. Stärkere Resistenz 
und Druckempfindlichkeit in der linken Nierengegend. Com- 
pressionserschetQnngen über den unteren Partien der linken 
Lunge unverändert. Im Uriu Eiterkörperchen und Bacterien 
in massiger Menge. 

4. /XI. Deutlichere Vorwölbung der linken Flankengegend. 

10. /XI. Zunehmende Schmerzhaftigkeit and Infiltration in 
der linken Lendengegend. 

16./X1. Starke Schmerzen beim Urinieren. Fieber steigt. 
ia/XI. Operation. Schnitt parallel der Wirbelsäule über 
die stärkste Vorwölbung. Eröffnung eines grossen Abscesses 
hinter und über der linken Niere, der sich weit unter das 
Zwergfell erstreckt. Drainage. 

19. /X1. Temperatur abgefallen. Allgemeinbefinden gut. 
Fieberloser Verlauf. Langsame Verkleinerung der grossen 

Wnnde. 

5. /I. 1901. Entlassen. 

Epikrise: Der Fall lag am Anfang nicht ganz klar, 
da Patient ungenaue anamnestische Angaben machte und 
von abgegangenen Steinen sprach, Angaben, die er 
später wieder zurücknahm. Der wiederholte negative 
Ausfall der Probepunctionen und eine länger dauernde, 
fieberfreie Periode veranlasste einen Aufschub der Ope¬ 
ration. Da der Abscess sich hauptsächlich unter dem 
Zwerchfell ausbreitete, waren die Erscheinungen von 
seiten der linken Lunge deutlich ausgesprochen. Der 
Leucocytenbefund im Urin spricht für Mitbeteiligung 
der Niere. 

11. (L R, 41 Jahre alt, Kaufmann. Eingetreten am 19. I. 
1905. Gestorben am 16. III. 1905. Patient hat seit mehreren 
Monaten bis vor drei Wochen nach Gebrauch eines Enthaa¬ 
rungsmittels mehrfache Abscesse in beiden Achselhöhlea ge¬ 
habt. Vor zehn Tagen erkrankte er an Schmerzen in der 
Blinddarmgegend und Fieber. Kein Erbrechen, keine Uebel- 
keit. Stuhl nach Einlauf. 

Status präsens: Kräftig gebauter Mann von blasser Ge¬ 
sichtsfarbe. Starkes Fettpolster. Lungen und Herz normal. 
Leber und Milz ohne Veränderung. In der rechten Seite 
des Leibes fühlt man in Nabelhöhe in der Tiefe ein klei¬ 
nes Infiltrat, das wenig druckempfindlich ist. Temperatur 
schwankt zwischen 37,5 und 39. Puls 70—80. Widalsche 
Reaction negativ. 

20. —28/1. Das Infiltrat wird etwas grösser, und die Schmerz¬ 
haftigkeit nimmt zn. 

Es wird ein abgekapselter perityphlitischer Abscess ange¬ 
nommen uud am 28. I. operiert. Nach Eröffnung der Bauch¬ 
höhle findet sich der Appendix ohne Veränderungen am Colon 
1 ascendens hinaufgeschlagen. Die Bauchhöhle ist frei. Hinter 
' dem Colon fühlt man eine derbe Resistenz. Der Appendix 
wird amputiert, und da der Stumpf in der Tiefe nicht über¬ 
näht werden kann, wird ein Tampon auf den Stumpf geleitet 
und die Bauchhöhle durch Tampons geschützt Darauf Er¬ 
öffnung des retroperitoneal gelegeuen, bis in die Nierengegend 
hinaufreichenden Abscesses. Temperatur fällt nur vorüber¬ 
gehend ab. Allgemeinbefinden schlecht. Zunge trocken. Mehr¬ 
fache Durchfälle. 

Anfang Februar zeigt sich an mehreren Körperstellen eine 
eigentümliche Rötung und üdenaatöse Schwellung der Haut. 
Am 16. II. plötzlich Hämaturie. 

Am 17. II. Stiche in der Herzgegend. 

Im weiteren Verlauf häufige Nierenblutungen, Bpäter auch. 
Eiter im Urin. Zunehmender Kräfteverfall. Metastatische 
Abscesse am rechten Unterarm und in der linken Wade. 
Schwerhörigkeit. Eitriger Ausfluss aus beiden Ohren. 

Exitus am 16. III. Section: embolische Infarcte beider Lun¬ 
gen mit Abscedierung. Abscessus Mediastini autici, Pericar- 


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ditis pnrulenta, Abscess* In beiden Nieren. Septischer Milz- 
tomor. 

E p i k r i s e: Es handelte sich um eine allgemeine 
Pyäüiie, und die Paranephritis stellte nur eine Teilerschei- 
nuBg derselben dar. Der paranephritische Abscess ent¬ 
wickelte sich hauptsächlich nach vorne unten, wodurch 
eine Appendicitis vorgetäuscht wurde. Auffallend war 
jedoch der Mangel peritonealer Erscheinungen. 

lir. J. T., 28 Jahre alt, Tischler. Patient erkrankte vor 
7elm Tagen mit Fieber, Kopfschmerzen, allgemeiner Mattig¬ 
keit. Appetitlosigkeit, Schmerzen im Leibe nnd in der rechten 
Lumbalgegend. 

St. pr. Kräftig gebanter Mann. Zunge trocken. Tempe¬ 
ratur 38,6. Pols 83. Auf der Haut einige etwas erhabene 
hellrote Flecken. Herz nnd Langen normal. Milz percato¬ 
risch veigrössert, nicht deutlich palp&bel. Leib weich. In 
der Leocöcalgegend Schmerzhaftigkeit und Gurren. W i • 
dal sehe Reaction positiv. Diazoreaction stark positiv. Urin 
normal. 

Contiuuierliclea Fieber, mit geringen Morgeuremisshnen. 
Gelegentliche Dnrchfälle. 

Anfang August steigern sich die Schmerzen in der rechten 
Liunbaigegena. 

Mitte August Dämpfung Über den unteren Partien der 
rechten Lunge und Verminderung der Verschieblichkeit, der 
Grenzen. Jetzt stellt sich auch eine Vorwölbung in der 
Lombalgegend eiD, worauf die Diagnose auf paranephritischen 
Abscess gestellt wird. 

Am £6. VIII. Spaltung des Abscesses durch Längsschnitt 
neben der Wirbelsäule. Glatter Verlauf. Am 15. IX. ent¬ 
lassen. 

Epikrise: Es wurde im Anfang ein Typhus ange¬ 
nommen, da der klinische Verlauf vollständig dem Bilde 
desselben entsprach und Wi dal sehe nnd Diazoreaction 
positiv waren. Immerhin bleibt auffallend, dass der 
Patient von Anfang an Schmerzen in der rechten Len¬ 
dengegend hatte. Da keine anamnestischen Daten über 
etwaige andere Eingangspforten für die Eitererreger 
Vorlagen, so kann man den Fall wobl so deuten, dass 
sich die Paranephritis hier im Anschluss an den Typhus 
eingestellt hat. Jedenfalls kann man den Typhus nicht 
ableugnen. 

IV. R. F., Beamter, 48 Jahre alt. Eingetreten am 14. X. 
1907, entlassen am 21. XII. Patient erkrankte am 1. IX. mit 
Kopfschmerzen, allgemeiner Mattigkeit, Obstipation nnd Fie¬ 
ber. Der behandelnde Arzt constatierte anfangs ausser einer 
Milzvergrösserung keine objectivea Veränderungen. Herz- nnd 
Lnngenbefnnd normal. Zunge stark belegt nnd trocken. 
Leib etwas aafgetrieben. Keine Roseolen. 

Mitte September begann Patient über Schmerzen in der 
Milzgegend zu klagen, die ihn keine bequeme Lage finden 
liessen. Ueber den hinteren, unteren Partien der linken 
Longe etablierte sich eine Dämpfung, über welcher das 
Atmuugsgeräusch nnd der Stimmfremitus stark abgeschwächt 
war. Milzgegend sehr druckempfindlich. Febris continua 
zwischen 38 und 39°. Anfang October stellte sich eine Schwel¬ 
lung in der linken Lumbalgegend ein. Am 12. X. expecto- 
rierte Patient plötzlich unter starkem Hasten grössere Men¬ 
gen von Eiter. Vom behandelnden Arzte wurde ein Milz- 
infarci mit consecutivem Abscess nnd Durchbrach in die Lange 
diagnosticiert and als Ursache eine Infectionskrankheit typhö¬ 
sen Ch&racters angenommen- 

Bei der Aufnahme ins Hospital am 14. X. wurde folgender 
Befand erhoben : Kräftig gebanter Mann in redneiertem Er¬ 
nährungszustände. Herz von normaler Grösse. Milz perca¬ 
torisch vergrössert. Ueber den unteren Partien der linken 
Lange dichte Dämpfung. Abgeschwächtes Atmen. Tempe¬ 
ratur 38,5°. Pols 110. Wtdal negativ. In der linken Lnm- 
balgegeud eine druckempfindliche Vorwölbung, über welcher 
Flnctnatlon zu fühlen ist. 

Patient gibt an, dass er längere Zeit vor der jetzigen Er¬ 
krankung an einer Entzündung einer Schwiele an der Fuss- 
sohle gelitten habe, die zur Eiterung führte nnd operiert wer¬ 
den musste. Patient war trotzdem immer umhergegangen. 

Auf Grund dieser Anamnese nnd des objectiven Befundes 
konnte jetzt die Diagnose paranephritiseber Abscess mit 
Durchbruch in die linke Lange gestellt werden. 

Am 15. X. Eröffnung des Abscesses, worauf der Husten nnd 
die eitrige Expectoration sofort nachlassen. Es folgte jetzt 
eine Woche relativen Wohlbefindens bei subfebrilen Tempe¬ 
raturen. Daun aber entwickelte sich unter Temperatnrstei- 
geraugen bis 40 mit starker Dyspnoe und Seitenstechen eine 
linksseitige exsudative Pleuritis. Am 31. X. werden 1300 Cbcm. 
eines leicht getrübten Serums durch Pnnction entleert, worauf 


eine leichte Besserung zn konstatieren ist. Am 5. XI. bereits 
muss die Pnnction wiederholt werden, wobei 1800 Cbcm. eines 
stärker getrübten Exsudats entleert werden. Das Allgemein¬ 
befinden ist sehr schlecht. Schwere Dyspnoe. Herzactlon 
stark beschleunigt, 120—130, Herztöne leise nnd dumpf. Da 
das Exsudat sich wieder ansammelte, wurde am 8. XI. nnter 
leichtem Aetherrausch in der linken Axillargegend die Tho- 
racotomie ausgeltthrt, wobei dünnflüssiger Eiter entleert 
wurde. Von jetzt ab erfolgte eine sehr langsame, aber ste¬ 
tige Reconvalescenz, nnd am 21. XII. konnte Patient nach 
Hause entlassen werden. 

E p i k r i s e: Der paranephritische Abscess hatte sich 
in diesem Falle nach oben unter das Zwerchfell aus¬ 
gedehnt. Daher traten die Veränderungen in der Lum¬ 
balgegend erst sehr spät zn Tage. Derartige Fälle 
bieten natürlich im Anfang grössere diagnostische Schwie¬ 
rigkeiten dar. 

V. N. S., 31 Jahre alt, Rechtsanwalt. Eingetreten am 
26. XI. 1907. Entlassen am 1. II. 1908. Patient bat vor drei 
Wochen einen Furnnkel in der rechten Lumbalgegend ge¬ 
habt. Derselbe wnrde operiert; es besteht noch eine kleine 
granulierende Wunde. Seit einer Woche hat Patient Kopf¬ 
schmerzen, Fieber und Obstipation. * 

St. pr.: Patient von mittlerer Grösse, massiger Ernährung 
Temperatur subfebril. Pnls massig beschleunigt. Innere Or¬ 
gane normal. Diazo und Widal negativ. Bei Bettruhe fällt 
die Temperatur vollständig zor Norm ab. Nach einer Woche 
beginnt wieder Fieber. Es stellt sich eine Schmerzhaftigkeit 
in der linken Nierengegend ein. Daselbst undeutlich eine et¬ 
was vermehrte Resistenz palpabel. .Ferner lässt sich eine 
Bewegungsbeschränknng der Wirbelsäule nach rechts con- 
statieren. Es wnrde ein paranephritiseber Abscess angenom¬ 
men nnd dem Patienten eine Operation vorgeschlagen, zn der 
er sich aber erst am 2. I. 1908 entschloss. Mittlerweile war 
in der linken Lendengegend deutliche Infiltration und Schwel¬ 
lung der Weichteile aufgetreten. Bei der Operation fand sich 
ein nicht sehr grosser Abscess an der hinteren Fläche der 
Niere. Glatte Heilung nnd rasche Reconvalescenz im Ver¬ 
lauf eines Monats. 

Epikrise. In diesem Falle wurdtf'gleich bei Be¬ 
ginn der Erkrankung an Paranephritis gedacht, obgleich 
die objectiven Erscheinungen nnr wenig ansgesprochen 
waren. Der noch nicht verheilte Furunkel und die un¬ 
bestimmten Schmerzempflndungen in der linken Nieren¬ 
gegend liessen schon früh die Diagnose stellen. Dank der 
anfänglichen Weigerung des Patienten sich operieren zu 
lasseü, konnte die allmähliche Entwicklung des para- 
nephritischen Abscesses genau beobachtet werden, wo¬ 
bei constatiert wurde, dass erst nach wochenlanger Dauer 
die ersten Veränderungen an den äusseren Weich teilen 
anftraten. Ausschlaggebend für die Diagnose waren 
der Nachweis der Eingangspforte und die engbegrenzte 
Druckempfindliehkeit unter der zwölften Rippe. 


Otitischer Abscess oder Encephalitis? 

(Vortrag gehalten am 10. October 1908 im Verein der Aerzte 
des Illuxtsehen Kreises nnd Umgebnng). 

Von 

Dr. med. J. V ierhuff-Dünaburg. 


Der 28-jährige Eisenbahnbeamte Wl. P. wurde am 6. März 
a. c. mit der WabrschelnlichkeitBdiagnose «Gehirnabseess» ins 
DÜD&burger Evangel. Krankenhaus eingeliefert. Die Anam¬ 
nese ergab, dass er seit mehr als 6 Jahren an linksseitiger 
Ohreiterung litt nnd seit einem halben Jahre (zn welcher 
Zeit er Unannehmlichkeiten im Dienst gehabt haben soll) 
häufig über Schwindel und Rauschen im Kopfe klagte. Am 
Morgen des vorhergehenden Tages wurde ihm bei der Arbeit 
im Comptoir schlecht, er konnte nicht stehen ohne zn wan¬ 
ken ; in der Nacht verlor er das Bewusstsein. Erbrechen 
soll er nicht gehabt haben. Vor 3 oder 4 Tagen soll er er¬ 
kältet gewesen sein (wohl Beginn der Krankheit mit Frö¬ 
steln?}. Massiger Schnapstrinker (einige Gläschen täglich, 
in Gesellschaft auch mehr), verheiratet, 3 Kinder. 

Statns praesens: Mittelgrosser Mann von mittlerem 
Ernährungszustand, liegt unruhig im Bett, meist mit ge¬ 
schlossenen Angen, dazwischen lächelt er. Popillen mittel¬ 
weit, reagieren Uäge, die rechte ist etwas weiter als die 
linke. 


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A u ff e n s p i e g e 1 b § f n n d : Keine Stauungspapille, aber 
die Grenzen der linken Pupille sind im Vergleich zor rechten 
Pupille scheinbar ein wenig getrübt, die Gefässe normal. 

Linkes Ohr: Uebelriechende, eitrige Secretioo, Trommel¬ 
fell zerstört. 

Nerve ns ystem: Reflexe sind nicht vorhanden, weder 
Patellar noch andere Reflexe; Sensibilität erhalten. Keine 
dentliche Nackensteifigkeit. 

Die Harnblase ist gefüllt, der durch den Katheter ent¬ 
leerte Urin enthält kein Alb., keinen Zucker. 

Der Puls 64 zeigt geringe Spannung, Temp. 36,0. 

Verlauf: Bis zum nächsten Tage (7/III.) hat Patient 
nichts geschluckt, die Unruhe hat zugenommen, der linke 
Arm nnd das linke Bein sind fast beständig in Bewegung, 
wogegen das rechte Bein gerade ansgestreckt ruhig daliegt 
und der rechte Arm nur wenig bewegt wird (Parese). M. Temp. 
37,9 Puls 92. Um 7 f K) Uhr wird zu diagnostischen Zwecken 
in rechter Seitenlage (die dem Patienten sehr unangenehm zu 
sein scheint, Cyanose des Gesichts und des rechten Armes) 
eine Lurobalpunction gemacht, wobei unter massigem Drucke 
10 ccm. wasserheller klarer Flüssigkeit von normaler Be¬ 
schaffenheit entleert werden. Reaction — alcalisch, Spec. 
Gew. 1,001, keine Leucocyten, kein Zocker, Eiw. Ö,07°/ 0 ) 

Nach einer Stunde ist die Cyanose vergangen, die Pupillen 
sind mittelweit und reagieren gut, der Puls hat an Spannung 
zugenommen. Nach 3 Stunden ist eine rechtsseitige Hemi¬ 
plegie deutlich entwickelt. Patient lässt den Harn unter sich. 
Abendtemp. 38,0, P. 120. 

Woram handelte es sich nun und was war zu tan? 
Während man am ersten Tage bei der niedrigen Temp. 
(36,0) and dem eher verlangsamten als beschleunigten 
Pulse (64) wohl an Hirnabscess denken konnte, war ein 
solcher am zweiten Tage mit einiger Wahrscheinlich¬ 
keit anszuschliessen, denn wenn im Verlaufe des Hirn- 
abscesses geringe und vorübergehend anftauchende Tem¬ 
peraturerhöhungen auch häufig Vorkommen (Oppen¬ 
heim 1 ), so sprachen der beschleunigte Puls (92 vor 
der Lumbalpunction) und die Abwesenheit der Stauungs¬ 
papille sehr dagegen, das Fehlen Meningitischer Symp¬ 
tome und das manifest gewordene Herdsymptom (Pa¬ 
rese des rechten Beines und Armes) liessen mehr an 
eine Encephalitis oder an einen epidnralen Abscess 
denken, der vom Mittelohr seinen Ausgang genommen 
hatte. 

Io Anbetracht der letzteren Möglichkeit wurde daher am 
nächsten Tage die Zaufalsche Radi ca! Operation vorge¬ 
nommen (in Narcose): In den cellul. mastoid. und im Antrum 
fand sich kein Eiter; oberhalb des Antrams wurde die Dura 
mater biosgelegt, auch hier kein Eiter; es wurde nun mit 
einer ziemlich starken Pravazschen Nadel eine Hirnpunc- 
tioo vorgenommeu, negativ, endlich eine Probeincision mit 
einem spitzen Seal pell gemacht, ebenfalls resaltatlos. Am 
nächsten Tage (d. 9.) sagte Patient einigemal «Mein Gott!«, 
sonst Status idem, schluckt nichts, kein Erbrechen. 

Temp. 37,6 (96) — 37,7 (104). Nährclysmen. 

10. /llI. Unruhe nimmt zu, wirft sich hin und her, bewegt 
wieder die Gliedmassen der rechten Seite. Temp. 36,9 (80) 
— 36,8 (90). 

11. /III. Verbandwechsel, Wunde rein, kein Eiter. Tempe¬ 
ratur 37,0 (88) - 36,5 (80). 

Von den 5 vorletzten Tagen ist zu sagen, dass die Tem¬ 
peratur (am 14.) auf 38,4 stieg, der Puls immer beschleunigt 
war nnd allmählich an Qualität verlor, dass der Patient seit 
dem 14. wieder ziemlich gut schlucken konnte. Am 17. war 
die M. Temp. 37,1, Puls 112, schwach, es fanden einige Mal 
Zuckungen des rechten Mundwinkels statt; gegen Abend 
konnte Patient nicht mehr schlacken, atmete schwer (aber 
nicht nach Cheyne-Stockesschein Typus), lag ziemlich 
ruhig da. Um 11 Uhr 20 Min. erfolgte der Tod. Auf den 
Krankenbogen hatte ich an einem der letzten Tage «Ence¬ 
phalitis baemorrhagica ?> geschrieben. 

Die am 18./III. vorgenommene Eröffnung der Schädelböhle 
ergab Folgendes: Dura mater und Pia mater spiegelnd, ander 
Oberfläche nirgends Trübung, Blutgefässe auf der Convexität 
von ziemlich starker Füllung; nach Herausnahme des Ge¬ 
hirns sieht man links entsprechend der Aufmeisselung des 
os temporale 2 Löcher in der Dura, ein grösseres ovales (In- 
cision) and ein kleineres rundes (Panction), in deren Umge¬ 
bung etwas geronnenes Blut an der Innenfläche der Dura 
klebt, keine Spur von Eiter. Bei der Zerlegung des Gross- 
bims findet man vorwiegend in der grauen Substanz der 
linken Hemisphäre eine Menge dunkler pu netförmiger 
Hämorrhagien, die namentlich in den mittleren und hinteren 
Partien zahlreich sind, auch im linken Seitenventrikel, der 
infolge dessen dunkler gefärbt ist als der reehte, und an einer 


Stelle ein wenig getrübt erscheint. Die Pia mater ist in- den 
Buchten der Windungen leicht getrübt und fühlt sich rauh 
an, die feinen Gefässe der Pia sind etwas erweitert, die Pia 
ist an diesen Stellen zerreisslicli und mit der Gehirnsubetanz 
verwachsen. Die rechte Hemisphäre ist fast ganz normal, 
enthält uur ganz vereinzelte pnnetförmige Hämorrhagien. 
Auffallend war noch, dass die Scbädelcapsel links etwa drei 
Finger breit über dem meatns auditorios bedeutend dünner 
war als rechts. Das Kleinhirn war etwas weich, zeigte aber 
keine Veränderungen. 

Anatomische Diagnose: Eocephalo-meningiti8 hä¬ 
morrhagica lobi sinistri. 

In klinischer Beziehung ist unser Fall ebenso 
wie die Fälle von Eisenlobs, Goldscheidts, 
Freyhahn u. a. m. ein Mittelding zwischen der En¬ 
cephalitis haeroorrhagica Typus Wernicke und Ty¬ 
pus Strümpell-Leichtenstern, welche Typen 
ebenso wie der dritte Typus (Leyden u. a.) mH 
vorwiegenden Erscheinungen der Bullbärparalyse keine 
scharf abgegrenzte Krankheitsbilder daisteilen, sondern 
vielfach Uebergänge zeigen (Oppenheim nnd C a s - 
sirer 2 ). — Die Symptomatologie des Typus 
Wernicke ist folgende: Plötzliches Erkranken, Kopf¬ 
schmerz, Schwindel, mässige Nackensteifigkeit, Erbrechen, 
rasch sich entwickelnde fortschreitende associirte Augen- 
muskellähraungen, welche schliesslich zu einer fast tota¬ 
len Ophthalmoplegie führen; es kann ein dem Delirium 
tremens gleichender Zustand vorausgehen, aber auch 
gleich die übergrosse Schlafsucht sich einflnden, welche 
besonders kennzeichnend ist. Der Gang ist unsicher, 
taumelnd, die Sprache zitternd, schwerfällig und undeut¬ 
lich. Puls und Atmung sind meist beschleunigt, die 
Temp. ist normal oder sinkt nnter die Norm., indess 
kann es auch zu Fieberbewegungen kommen. Verlauf 
acut oder selbst stürmisch und führt in 10—14 Tagen 
zum Tode. Meist werden gewohnheitsmässige Schnaps- 
trioker in den mittleren Jahren betroffen, freilich nicht 
ausschliesslich. 

Entsprechend der Localisation im Mittelhirn, dem 
Höhlengran des III. Ventrikels nnd dem Vierhügelgebiet, 
stehen hier die ophthalmoplegischen Symptome im Vor¬ 
dergründe. 

Die andere Form der Encephalitis haemorrhagica 
acuta TypusStrümpeil-Leichtenstern schliesst 
sich an Infection, ganz besonders an Influenza an. Der 
Hauptunterschied in der Sypmtomatologie besteht darin, 
dass die Körperwärme meist erhöht ist, sogar über 43°, 
Herderscheinungen kommen bei beiden Typen vor 
(Th. v. Jürgensen 3 ) nnd bestehen bei der E. h. Ty¬ 
pus Strümpell-Leichtenstern entsprechend der 
Localisation itn Grosshirn vorwiegend in Hemiplegien 
nnd Aphorien, wie auch in nnserm Falle, dem nnr die 
hohen Temperaturen fehlten, um in diesen Typus einge¬ 
reiht za werden. 

Von Interesse ist nun die Frage: war die Gehirn - 
affection eine Folge der chronischen 
Ohreiterung oder nicht? — Oppenheim 
(a. a. 0.) sagt: „Die Frage nach den Beziehungen des 
Hirnabscesses zur acuten haemorrhag. Encephalitis ist 
eine brennende geworden, seit wir in der Influenza eine 
Krankheit kennen gelernt haben, die sowohl den Hirn¬ 
abscess wie die nichteitrige Encephalitis zu erzeugen 
vermag, und als ferner die haemorrhag. Ence¬ 
phalitis auch bei ohrkranken Individuen 
mehrfach beobachtet worden ist“. Später 
hat Voss auf diesen Zusammenhang besonders auf¬ 
merksam gemacht. Dazu sagen Oppenheim nnd 
C a s s i r e r in ihrer Monographie der Encephalitis: 
„In den Fällen mit acuter Otitis ist gewiss die nahe¬ 
liegendste Annahme die, dass beide Processe demselben 
Infectionserreger ihre Enstehnng verdanken, der im Ge¬ 
hirn nicht als Eitererreger, sondern nur als Entzün¬ 
dungserreger wirkt. Da es sich aber mehrmals z. B. 
bei Jaksch, Voss und einer eigenen Beobachtung 


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um eine alte Otitis handelte, möchten wir auch ander- ' 
weitige Beziehungen nicht ohne weiteres ausschliessen, ! 
wenn sie sich auch vielleicht darauf beschränken, dass | 
die mit diesem Leiden behafteten eine besondere Em¬ 
pfänglichkeit für andere Infectionsstoffe besitzen. „Seit 
dem Erscheinen der ersten Auflage hat der eine von 
uns (Oppenheim) acht bis zehn derartige fälle 
(z. Teil gemeinschaftl. mit Jansen) gesehen, in denen 
sich auf dem Boden einer Otitis diese meist in vollkom¬ 
mene oder unvollkommene Heilung ausgehende Ence¬ 
phalitis entwickelte“. 

Wenn nun auch in unserem Falle, wie die Section 
erwies, die Encephalitis fast ganz ausschliesslich in der 
dem kranken Öhre entsprechenden linken Hemisphäre 
localisiert war, so ist das noch kein Beweis, und muss 
die Frage nach dem Zusammenhänge der Gehirnaffection 
mit der Ohreiterung offen gelassen werden. 

Wir wollen noch einen Augenblick bei den Herd¬ 
symptomen verweilen: Es liegt uns allen so zu sagen 
im Blute, beim Auftreten von Herdsymptomen an einen 
localen Process zu denken, gegen den man nun auch 
sofort acti? vorzugehen verpflichtet ist. Aber die Er¬ 
fahrung hat auch gelehrt, dass nicht immer dem 
Au ftreten von Herdsymptomen eine locali- 
sierte organische Veränderung entspricht. 
So ist es z. B. erwiesen, dass bei gemeiner Epi¬ 
lepsie Halbseitenerscheinungen Vorkommen (Red¬ 
lich, 1906, Sa enger 1908). Ferner macht die 
Meningitis, speciell die tuberculose Form, seltener 
die eitrige, locale Herdsymptome (Alfred Saenger 4 ). 
Mit am häufigsten wi rd bei chronischem 
Ilydrocephalus infolge der auftretenden Herdsymp¬ 
tome (Schwindel, Ohrensausen, Nystagmus) irrtümlich 
Hirntumor diagnosticiert. Ferner ist die erst neuerdings 
genauer studierte Arteriosclerose der Hirn- 
gefasse eine diffuse Hirnerkrankung, die gelegentlich 
sich in Herdsyraptomen documentiert (Hemiparesen, 
aphatische Störungen vorübergehender Natur). Auch bei 
seniler Hirnatrophie kommt es gelegentlich zn 
Herdsymptomen (z. B. Apraxie nach Piek). Und wenn 
bei der Encephalitis die Herdsymptome meist der Aus¬ 
druck einer locali 9 ierten Erkankung sind, so kommt 
(oach Saenger a. a. 0.) die Encephalitis auch als ganz 
diffuse Hirnerkrankung vor, und hierbei kön¬ 
nen circumscript anftretende Herdsymptome sehr leicht 
irrefuhren, wie in meinem Falle und in einem Falle 
von Saenger, der dem heute referierten Falle sehr 
ähnlich ist. Es wird Sie m. H. vielleicht interessieren 
denselben kennen zu lernen. Saenger schreibt: „Ein 
junger Mensch kam in halbbenommenem, leicht fieber¬ 
haftem Zustand ins Krankenhaus. Es konnte eine ganz 
deutliche Hemiparese d. r. Körperhälfte konstatiert 
werden; ferner hier und da auftreteude klonische 
Znckangen im r. Arm und^. r. Hand. .Da früher Pat. 
an einer linksseitigen Otitis gelitten hatte, so lag die 
Annahme eines linksseitigen Hirnabscesses nahe. Als 
ich zugezogen wurde konnte ich jedoch eine linksseitige 
Ptosis nnd Parese des r. Oculomotorius in verschiedenen 
Aesten feststellen, deren Deutung im vorliegenden Falle 
mit einigen Schwierigkeiten verknüpft war. Ich riet 
daher von einem Chirurg. Eingriff ab. Die Autopsie 
ei^ab, dass es sich hier um eine das ganze Hirn diffus 
durchsetzende bämorrhagischeEncepbalitis ge¬ 
handelt hat“. 

Fehldiagnosen werden sich bei dieser in ihrer Aetio- 
logie und ihren Symptomen so dunklen Krankheit in ab¬ 
sehbarer Zeit nicht vermeiden lassen, nnd e 3 ist gar 
keine Frage, dass der Chirurg in solchen und ähnlichen 
Fällen das Recht und oft anch die Pflicht hat es mit 
einem operativen Eingriff zn versuchen. 

Oppenheim und Gassi rer in ihrer interessanten 
im vorigen Jahre erschienenen Arbeit über die Encepha- 


| litis (a. a. 0. pag. 94) fangen das Capitel „Diagnose 1 * 

1 folgendermassen an: 

| „Wir können an die Spitze dieses Abschnittes den 
Satz stellen, dass die Diagnose „Encephalitis acnta“ nur 
selten mit Sicherheit gestellt werden kann, dass wir nach 
dem gegenwärtigen Stande unseres Wissens diesem 
Leiden gegenüber uns meistens mit einer Wahrschein¬ 
lichkeitsdiagnose begnügen müssen“. 

Nachtrag. 

Die vom H. Collegen E. Rippe freundlichst angefer¬ 
tigten Schnittpräparate ergaben folgendes Bild: 
Die Capillargefässe sind gefüllt mit roten Blutkörperchen, 
die Wände deutlich verdickt, das Lumen er¬ 
weitert. Neben den Capillargefässen Blntextravasate, 
In der Hirnsnbstanz einzelne kleinere Haemorrhagien, 
entstanden durch Blutinfiltration der Intracellularräume. 

Also nichts was auf einen acut entzündlichen Process 
hinweist! — In Anbetracht dieses Befundes (Verdickung 
der Capillarwände) erscheint es nicht unwahrscheinlich, 
dass wir die Krankheitsursache unseres Falles in der 
Lues zu suchen haben, vielleicht in der bekannten omi¬ 
nösen Combination mit dem Alcohol. 

Literatur. 

1) Oppenheim, Berl. Klin. W.-Scbrift 1896, Nr.45 u. 46 
2) Oppenheim nnd üassirer, «Die Encephalitis», II. Auf 
läge, Wien 1907. 3) Tb. v. Jürgensen, Lehrbuch d. spec 
Path. nnd Ther. .1902, pag. 107. 4) Alfred Saenger 
Hamburg, Münch. Med. W.-Schrift 1906, Nr. 19. 


Referate. 

Dr. Wincepty Czerniecki: Hämoglobinurie und 
Hämolyse. (Gazeta lekarska, 1908. Nr. 46, 47). 

Donath nnd Landsteiner kamen bei ihren Untersu¬ 
chungen, die sie am Blute von an Haemoglobinnria paroxys- 
malis Leidenden ansteilten, zn dem Schluss, dass das Blutse¬ 
rum solcher Kranker hämolytische Eigenschaften besitze. 
Wird solches Blutserum mit Hinzusetzung von roten Blut¬ 
körperchen in Eiswasser abgekühlt und dann im Thermostat 
bei 37° C. wieder erwärmt, so komme die Hämolyse erst wäh¬ 
rend des Wiedererwärmeus zum Ausdruck. Blutserum von 
gesunden oder an anderen Krankheiten (ausser Haemoglobi- 
nuria paroxismalis) leidenden Personen zeige unter denselben 
Umständen keine Spur von Hämolyse. Im Anschluss an diese 
Untersuchungen der genannten Autoren hat Gz. mit dem 
Blutserum dreier von ihm beobachteter Patienten mit paro¬ 
xysmaler Hämoglobinurie nene Versuche angestellt. Sein Ziel 
war 1) die Wechselbeziehungen von Blutserum solcher Kran¬ 
ken einerseits und roten Blutkörperchen derselben nnd ande¬ 
rer Personen, gesunder sowohl wie auch kranker, andererseits 
zn ergründen; 2) das Verhalten der Erythrocyten seiner 3 
Kranken gegenüber dem Blutseram anderer Individuen zu 
prüfen. 

Die Ergebnisse von Gz.’s Untersuchungen stehen in vollem 
Widerspruch zu denen von Donath und Landsteiner 
veröffendichten. Cz. fand die hämolytische Wirkung des 
Blutserums seiner 3 Patienten mit paroxysmaler Hämoglo¬ 
binurie durchaus nicht beständig, und zwar in den Versuchen 
mit positivem Ergebnis ebenso oft bei wechselndem Abkühlen 
und Wiedererwärmen, wie auch bei Einwirkang constanter 
Temperatur. Bei Parallel versuchen mit Blutserum von anderen 
Kranken trat die Hämolyse bald mehr oder weniger deutlich 
auf, bald fehlte Hie. Anch hier war ein Zusammenhang des 
positiven Ergebnisses mit der Temperatur, der das Erythro¬ 
cyten enthaltende Serum ausgesetzt wurde, nicht zu consta- 
tieren. Was die Widerstandsfähigkeit der roten Blutkörper¬ 
chen gegenüber dem hämolytisch wirkenden Seram verschie¬ 
dener, darunter auch an üaemoglobinuria paroxysmalis lei¬ 
dender Kranken betrifft, so erwies sich dieselbe als sehr ver¬ 
schieden, ohne dass sich irgendwelche specifische Wirkung 
des Serums von Kranken mit paroxysmaler Hämoglobinurie 
feststeileu Hesse. Endlich fand Gz. im Gegensatz zu Do¬ 
nath, dass das Blutserum der Patieuteu mit paroxysmaler 
Hämoglobinurie auch während der von Hämoglobinurie freien 
Perioden öfters deutlich hämolytisch wirke. 

W, Derbeck» 


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Original fro-m 

UNIVERSETY OF MICHIGAN 



16 


Bronislaw Wilhelm Sawiaki: Sigmoidlt '13 et 
Perisigmoiditis. (Gazeta lekarska, 1908. Nr. 40, 
41, 42, 43). 

S. gibt in seiner Arbeit eine Zusammenfassung der Lehre 
von der Sigmo-perisigraoiditis, die zuerst von Mayor im 
Jahre 1893 als besondere Krankheitsform beschrieben worden 
ist. — Die häufigste Ursache einer entzündlichen Affection 
des 8. Roman um ist Coprostasis die gerade in diesem Ab¬ 
schnitt des Darmkanals besonders leicht entsteht; bisweilen 
sind Fremdkörper und Parasiten (Oxyuris vermicnlaris) das 
ätiologische Moment. Bei geschwächten Personen bilden sich 
infolge von Muskelschwäche oft kleine Divertikel im Darm; 
gelangen in diese Kotpartikelchen, kleine Fremdkörper und 
dergl., so geben sie Veranlassung zu kleinen Ulcerationen 
der Darmschleimhaut, womit die Möglichkeit einer eitrigen 
Infection gegeben ist. Aus Gründen, die in der anatomischen 
Verteilung der Blutgefässe ihre Erklärung finden, werden 
Ulcerationen am häufigsten in der Gegend der Insertion des 
Me8osigmoidenm gefunden. Führt eine solche Geschwürsbil¬ 
dung nicht immer sofort zu einer acuten Sigmoiditis oder Pe¬ 
risigmoiditis, so hat sie gewöhnlich eine entzündliche Neubil¬ 
dung von Bindegewebe und daraus hervorgehende Verdickung 
der Darmwandungen zur Folge. Solche Verdickungen können, 
wie aus mehreren Literaturangaben ersichtlich ist, Veranlas¬ 
sung zu Verwechslungen mit malignen Tumoren geben. Cha- 
racteristisch ist, dass in Fällen solcher Bindegewebsneubil- 
dung die Schleimhaut im ganzen mehr oder weniger normale 
Structur bewahrt, soweit sie von Geschwüren verschont ist, 
welch letztere gewöhnlich nur klein sind und auf dem Boden 
von Schleimhautfalten ihren Sitz haben. Durch die Bindege¬ 
websneubildung wird das Lumen des Darmes verengert und 
somit die Entstehung von Coprostasis oberhalb der Verenge¬ 
rung begünstigt. 

Die acute Sigmoiditis äussert sich durch plötzlich 
auftretende heftige Schmerzen im linken Hypogastrium, 
Stulilverstopfung, Temperatursteigerung bis 39—40° C.; sel¬ 
tener werden Erbrechen und Diarrhoe beobachtet. Beim Pal¬ 
pieren findet man erhöhte Resistenz der Bauchwaodungen in 
der Gegend des linken Hypogastrium; lassen die Schmerzen 
einJgermassen nach (gewöhnlich am 2.-3. Tage), so ist über 
dem linken Ligamentum Poupartii ein wurstförmiger, harter, 
druckempfindlicher Tumor durchzuftihleu. Bei der Recto- 
acopie (Romanoscopie) erscheint die Schleimhaut des S. Ro- 
manum hyperämisch, stark gerötet, leicht blutend. Der Ver¬ 
laut der Sigmoiditis ac. ist meist ein rascher (durchschnittlich 
eine Woche) und günstiger; nicht selten jedoch nimmt die 
Krankheit einen chronischen Character an. 

Die chronische Sigmoiditis kann sich auch ohne 
vorausgehende acute Symptome allmählich entwickeln und 
zwar ist sie in solchen Fällen gewöhnlich die im S. Romanum 
schärfer hervoriretende Teilerscheinung einer Erkrankung 
des gesamten Dickdarms. Die Symptome sind: hartnäckige 
Obstipation, die hin und wieder mit vorübergehender Diarrhö« 
wechselt, Anfälle von krampfähnliehen Bauchschmerzen ohne 
Stuhldrang und verschiedene Beschwerden nervösen Charac- 
ters. Nach Boas sollen des Morgens auftretende dünne 
Stuhlentleerungen für die chronische Sigmoiditis characteri- 
stisch sein. Die Excremente enthalten in Menge schleimige 
Fetzen, bisweilen Blut. 

Was die acute Perisigmoiditis betrifft, so unter¬ 
scheidet Verf. nach S a i 11 a n t eine Perisigmoiditis ac. 
adhaesiva und eine P. ac. suppurativa. Erstere 
tritt unter den Erscheinungen einer acuten circumscripten 
Peritonitis auf, neigt zu Recidiven und geht bisweilen in die 
eitrige Form über. Die Symptome und der Verlauf der Peri¬ 
sigmoiditis ac. suppurativa sind denen einer eitrigen Appen- 
dicitis oder Perityphlitis ähnlich. Je nach der Localisation 
des Eiterherdes unterscheidet Patel (Rev. de Chir. 1907. 
Nr. 10, 12) 5 Typen, und zwar 1) abcös antöro-införieurs: der 
Abscess befindet sich unmittelbar über dem P 0 u p a r t scheu 
Bande und liegt extraperitoneal; 2) abces antöro-suppöriears: 
diese liegen entsprechend dem äasseren Rande des linken 
Muscul. rectus abdominis und sind intraperitoneal; 3) abces 
intra-meso coliques: die Eiteransammlung befiudet sich zwi¬ 
schen den Blättern des Mesosigraoideum und wird als retro- 
peritoneal bezeichnet; 4) abc6s retro-iliaques and 5) abces 
fombaires: bei diesen beiden letzteren Typen findet sich der 
Eiter im Bindegewebe derjenigen Partie des Mesosigmoideum, 
die den unbeweglichen Abschnitt der Flexura sigmoidea au 
der hinteren Bauchwand befestigt. S. glaubt beide Typen als 
einen auffasseu zu dürfen, da der Unterschied nur darin 
bestehe, dass der Abscess infolge zufälliger anatomischer 
Detailverhältnißse sich im ersten Falle mehr nach der Len¬ 
dengegend hin, im zweiten — in der Richtung zum Petit- 
scheu Dreieck ansbreitet. Der Eiter kann bei der Perisig¬ 
moiditis suppurativa eutweder sich den Weg nach aussen 
durch die Bauchdecken bahnen, wie dies zuweilen beim 1. 
Patel ’scheu Typus geschieht; oder es findet ein Durchbruch 
des Abscesses, nach vorausgehender adhäsiver Entzündung, in 


den Darm oder die Harnblase statt; oder endlich — es tritt 
Eutleerung des Eiters in die Peritonealhöhle ein mit nach¬ 
folgender allgemeiner eitriger Peritonitis. 

Es sei nicht immer leicht, einen periBigmoiditischen Abscess 
zu diagnosticieren; bei weiblichen Patienten solle man die 
Eventualität einer von den Genitalien ausgehenden Eiteran- 
sammlung stets in Betracht ziehen; auch eine Appendicitis 
könne eine Perisigmoiditis suppurativa Vortäuschen, indem 
der abnorm lange Wurmfortsatz bisweileu bis zur Flexura 
sigmoidea reicht. 

Zum Schluss beschreibt S. 3 von ihm beobachtete Fälle 
obiger Krankheit Er selbst hält übrigens die Fälle für nicht 
einwandsfrei, was die Diagnose betrifft, 

W. D ö r b e c k. 


BQcheranzeigen und Besprechungen. 

Krehl, L. und Marchand, F. Handbuch der allge¬ 
meinen Pathologie. Erster Band: Allgemeine Aetio- 
logie. Leipzig, Verlag von S. Hirzel. 1908. 

Unter Mitwirkung einer Anzahl deutscher Gelehrter soll 
hier ein Werk entstehen, das eine zusammeufassenie Dar¬ 
stellung der Lehre von den pathologischen Vorgängen mit 
Einschluss ihrer Ursachen zu geben imstande ist. 

Die allgemeine Pathologie soll als biologische Wissenschaft 
nnd Grundlage der Klinik, nicht vom einseitig anatomischen 
Standpnnct behandelt werden. Die sachkundige Darstellung 
wird darch die Mitwirkung zahlreicher Aatoren nach ihren 
Specialgebieten gewährleistet. 

Der Umfang des Werkes ist auf 4 Bände berechnet, von 
denen üns hier der erste vorliegt, die allgemeine Aetiologie 
enthaltend. Der zweite soll die Lehre von den krankhaften 
Störungen der Organfuuctionen, der dritte die allgemeinen 
Störungen des Stoffwechsels nnd die degenerativen Processe, 
der vierte die Lehre von der Entzündung und Heilung, ferner 
die Grundzüge der Lehre von den Neubildungen und den 
Bildungsfehlern, sowie die Fieberlehre umfassen. 

Schauen wir ans den ersten Band genauer an, so finden 
wir nach einer interessant geschriebenen Einleitung von 
Marchand den Stoff der allgemeinen Aetiologie in zwei 
Hanptteile geteilt, je nach den äusseren und inneren Krank¬ 
heitsursachen. 

Es kann hier nicht anf den Inhalt im Detail eingegangen 
werden, doch sei es gestattet die einzelnen Kapitel mit ihren 
Verfassern zu nennen. Wir finden in der ersten Abteilung’ 
von F. Henke die mechanischen, von F. Marchand — 
die thermischen Krankheitsursachen behandelt, die strahlende 
Energie und den Luftdruck von L. A s c h 0 f f. 

Ein amfaugreicbes Kapitel bilden die chemischen Krank¬ 
heitsursachen als allgemeine Toxicologie von R. Bo e lim 
nsd endlich die belebten Krankheitsursachen in die sich C. 
Fraenkel und F. Marchand geteilt haben, indem der 
erste die Lehre von der Infection mit Einschluss der Pro¬ 
tozoen und pflanzlichen Parasiten und der letztere die tie¬ 
rischen Parasiten des Menschen übernommen hat. 

In die zweite Abteilung, die inneren Krankheitsursachen, 
haben sich P. v. Baumgarten nnd G. Sobernheim in 
der Art geteilt, dass der eine die Lehre von den Krankheits¬ 
anlagen (angeborene nnd erworbene Disposition, Erblichkeit) 
der zweite — die Lehre von der Immunität und von den 
natürlichen Schutzvorrichtungen des Organismus bearbeitet 
hat. 

Ein dankenswertes Unternehmen, ein so wichtiges Gebiet 
der Medicin anf breiter Grundlage in einem solchem Werke 
dem Arzte zugänglich zn machen, der sich darin Auskunft 
holen kaon über Fragen, die in den Specialfäcbern keiue Be¬ 
handlung erfahren und doch alle Disciplinen tangieren. 

Ucke. 

Abel, R. und Ficker, M. Einfache Hilfsmittel zur 
Ausführung bacteriologischer Untersuchungen. 2 Auf¬ 
lage. Würzburg, Curt Kabitzsch (A. Stübers Ver¬ 
lag). 1909. 

Das kleine Bach will einem Bedürfnis entsprechen, dem 
bacteriologischen Arbeiter in bescheidenen Verhältnissen eine 
Anleitung zu geben sich mit kleinen Mitteln durch zu helfen. 
Mancher wird sich wohl mit eigenen Ideen zu helfen wissen, 
doch entspricht das Buch offenbar einem Bedürfnis, da eine 
zweite Auflage nötig geworden ist. In Russland dürften die 
Collegen häufiger in der Lage sein, derartige Ratschläge so 
benötigen. 

Ucke. 


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UNIVERSITY OF MICHIGAN 



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Gärtner, A. Leitfaden der Hygiene. Für Studierende, 
Aerzte, Architekten, Ingenieure und Verwaltungs- 
beamte. Mit 190 Abbildungen. Fünfte vermehrte 
und verbesserte Auflage. Berlin. 1909. Verlag von 
S. Karger. Karlstrasse 15. Preis 7 Mk. 60 Pf. 

Wie alles Organische ist auch dieser Leitfaden im Lanfe 
der 5 Jahre, seit dem Erscheinen seiner letzten 4-ten Auf¬ 
lage gewachsen and zwar in den Abschnitten, die die nene> 
sten Errungenschaften der 'Wissenschaft in diesem halben De- 
cenninm bringen. 

Die meisten Neuerungen in unseren Anschauungen sind anf 
dem Gebiete der Infectionskrankheiten, deren Diagnosen- 
stellnng, Prophylaxe nnd Behandlung vor sich gegangen. 
Hier auch finden wir die grössten Aenderungen im vorliegen¬ 
den Werk. In knapper Fassung und klarer Darstellung ist 
der heutige Stand der Immunitätslehre mit Einschluss der 
Opsonine wieder gegeben, die in den Vordergrund gerückte 
Bedeutung der Bacillenträger für die Verbreitung der In- 
feeiionen wird besonders hervorgehoben. Unter den Erregern 
der Infectionskrankheiten wird der inzwischen neu entdeckten 
Spirochaete pallida die passende Stellung angewiesen, die Er» 
fahrnngen aus der letzten Genickstarrepidemie werden ver¬ 
wertet. 

Das Buch sei jedem Arzt zur Orientierung in hygienischen 
Fragen warm empfohlen. Ucke. 

Behla, R. Die künstliche Züchtung des Krebserregers, 
seine Feststellung in der Aussen weit und der 
rationelle Krebsschutz. Mit einer schwarzen und einer 
farbigen Tafel. Berlin 1908. Verlagsbuchhandlung 
von Richard Schötz, Wilhelmstrasse 10. 

Ein Ketzer, der es wagt sich gegen die Dogmen der Schul- 
Pathologie in der Krebslehre anfzulehnen und die Geheimnisse 
der Ge8chwnlstwucherungen in ihren letzten Ursachen za 
enträtseln. 

Weit entfernt in den Darlegungen des Verfassers in diesem 
letzten Werk die endgiltige Lösung der Frage nach der 
parasitären Natur der Tumoreu zu sehen, muss der unvorein¬ 
genommene Leser zugebeu, dass der Weg, den ß. hier wan¬ 
delt und andern zeigt, volle Berechtigung hat begangen zu 
werden. Wer aber zu urteilen sich anheischig macht, muss 
unter den kleinen Lebewesen auf der Grenze des Tier- und 
Pflanzenreichs, über deren Natur uns B. hier belehrt, gut zu 
Haue sein. Allein auf diesem Gebiete sind wir ebenso 
fremd, wie vor 25 Jahren die Zellpathologen in dem Wissens¬ 
zweige, das uns Robert Koch erschloss. 

Statt uns daher ein nnbegründetes abfälliges Urteil über 
B. zu erlauben, wollen wir uns lieber in das Studium der 
Mycetozoeu und verwandter Organismen vertiefen und wenn 
wir dann auch den Krebserreger noch nicht gefunden haben 
werden, so werden wir Einblick gewonnen haben in die Pa¬ 
rasitologie von Pfiaoze, Tier und Mensch. Ucke. 

Tigerstedt, R. Handbuch der physiologischen Metho¬ 
dik. In 3 Bänden. Leipzig, Verlag von S. Hirzel. 
1908. 

Den 3 bis jetzt erschienenen Abteilungen dieses Handbuches 
ist von Seiten des Verlegers eine kurze Begründung für das 
Erscheinen dieses Werkes vorangeschickr, in welchem es 
heisst, dass seit dem Jahre 1876 keine derartige Sammlung 
der physiologischen Arbeitsmethoden erschienen ist und das 
Anffmden der vielfach verbesserten und neu erdachteu Me- 
toden in der Literatur zu den schwierigsten Aufgaben ge¬ 
hört und den Besitz reicher Bibliotheken voraussetzt. 

Nun liegen von dem Werk, welches in 3 Bänden mit je 
3 Abteilungen unter Mitwirkung einer Reihe hervorragender 
Gelehrter erscheinen soll, 3 Abteilungen vor, und zwar vom 
ersten Bande die zweite Abteilung, welche die Protisten, die 
wirbellosen Tiere und die physikalische Chemie behandelt, 
die von A. Pütter, A. Bet he und L. Ascher bearbeitet 
sind. Vom zweiten Bande sind die zweite und dritte Abteilung 
erschienen, in denen wir die Atmung and Verdauung von 
F. Schenk, C. Oppenheimer, R. Magna s undl. P. 
Pawlow, nnd die Muskelphysiologie von K. Bürker. 
M. von Frey, 0. Fischer und S. Garten bearbeitet, 
finden. 

Es unterliegt keinem Zweifel, dass das Werk sich ein- 
bürgern wird in jeder Bibliothek, die ein physiologisches oder 
pathologisches Laboratorinm zu bedienen hat, allein noch 
mehr wird es von Wert sein in Klinik und Hospital, wo die 
physiologischen Methoden nicht geläufig sind nnd wo sie doch 
ihre Hauptaufgabe täglich zu erfüllen haben, zur exacten 
Diagnose am Krankenbett beantragen. 

Das ganze Werk soll zum Mai 1909 vollständig fertigge¬ 
stellt erscheinen. Ucke. 


Mitteilungen 

aus der Gesellschaft praotischer Aerzte 
zu Riga. 


1476 Sitzung vom 1. October 1908. 

Anwesend 81 Mitglieder und als Gäste die Herren 
Haffner, Walter, Schneider, Lundberg, 
Saarfels, Abramson. 

Das Protocoll der letzten Sitzung wird verlesen and ange¬ 
nommen. 

P. 1 der Tagesordnung: Dr. Bornhaupt demon¬ 
strier tei neu Fal 1 von operativ behandelter 
Kinderepilepsie. 

<M. H. gestatten Sie, dass ich Ihnen einen 9-jährigen Kna¬ 
ben demonstriere, den ich am 3. Sept. c. wegen Erscheinun¬ 
gen von Kinderepilepsie operiert habe. Der Vater des Pat., 
der mir am 27. Angast 1908 das Kind zum ersten Mal vor¬ 
stellte, gab an, dass der Knabe seit seinem ersten Jahr ge¬ 
lähmt sei; seit dem zweiten Jahr stellten sich epileptische 
Krämpfe ein, die im rechten Facialisgebiet beeinnen, auf die 
rechte obere, dann auf die rechte untere Extremität über¬ 
gehen, um schliesslich die ganze rechte Körperseite, oft auch 
den ganzen Körper mit Verlust des Bewusstseins zu be¬ 
fallen. Leichtere Anfälle verlaufen auch in der Art, dass 
die Krämpfe nur das Facialisgebiet und die obere Extremität 
betreffen, aber auch diese Anfälle sind dazwischen mit Ver¬ 
lust des Bewusstseins verbunden. Es gibt Zeiten, wo die 
Anfälle — schwere nnd leichtere — wochenlang täglich 
mehrere Mal auftreten. Selten gehen 14 Tage ohne einen 
Anfall vorüber: ausnahmsweise hatte der Knabe einen gan¬ 
zen Monat ohne diese Krämpfe verbracht. Der Knabe ist 
geistig etwas zurückgeblieben. Es besteht eine Lähmung des 
Nervus facialis und der peripheren Partien der rechten obe¬ 
ren und nnteren Extremität, dabei deutliche Atrophien der 
beiden genannten Extremitäten. Der Patient ist von meh¬ 
reren NervenBpeci&listen begutachtet worden, die sich alle 
dahin anssprachen, dass ein operativer Eingriff wohl indiciert 
sei. 

Am 3. September machte ich unter Chloroformnarcose eine 
osteoplastische Craulotomie auf der linken Seite, um die vor¬ 
dere Central Windung freizulegen. Die Dura erwies sich hier 
als trübe, verfärbt und verdickt. Bei der Incision der Dnra 
flössen ca. 2 Ccm klare Flüssigkeit ab. Die Dura war mit der 
Pia mater in ausgedehnter Eutfernnng recht fest verbacken. 
Auf der Pia sah man fibrinöse, leicht gelblich 
verfärbte Beläge. Die Verwachsungen zwischen der 
Dura und der Pia löste icb nach allen Richtungen hin bis 
in die normale Umgebung hinein, wo die Dura spiegelte und 
nicht mehr verwachsen war. Nach nuten vorne zum Facialis- 
ceutrum zu erschien die Dura bläulich verfärbt 
und eingesunken, der palpierende Finger drückte 
an diese Stelle die Dura hinein ohne auf einen Widerstand 
zu gelangen. Diese Stelle der Dura wird durch eine Hohl- 
meisselzange freigelegt und eröffnet. Es erweist sich dass 
unter der Dura sich im Gehiru ein Defect in Gestalt einer ca. 
wallnussgrossen Höhle befindet. Dieser Defect entspricht 
der unteren Partie der vorderen Centralwindung. D i e 
Höhle ist vollständig verödet, trocken, ent¬ 
hält weder Blut noch Flüssigkeit. Es wird ein 
schmaler Tamponstreifen io diese Höhle eingefübrt, da sich 
eine leichte Blutung auB der untereu Partie einstellt. 

Das veränderte Stück der Dura wird entfernt nnd der 
Hautknochenlappen wieder zurückgeklappt und vernäht. Der 
Verlauf war ein glatter. Bia zum heutigen Tage hatten sich 
die epileptischen Krämpfe nicht eingestellt. 

Ich stelle Ihnen diesen Fall nicht als einen geheilten vor, 
da die Beobachtnngsdaner nach der Operation eine viel zu 
kurze ist. Von Interesse ist vielmehr der Befund im Gehirn, 
der bei der Operation erhoben worden ist. Ob es sich um 
einen alten eucephalitischeu Herd oder eineu gewesenen 
Bluterguss handelt, lässt sich ohne Weiteres nicht entschei¬ 
den. Jedenfalls sind gravierende Veränderungen im Bereich 
der Centren gefunden worden, die den Ausgaugspunct für die 
epileptischen Krämpfe bildeten. 

Neuerdings, wo sich immer mehr Stimmen erheben, die die 
scharfe Trennung der symptomatischen und genuinen Epi : 
lepsie verwerfen, wo verschiedene Forscher darauf hin weisen, 
dass auch die genuine Epilepsie bei genauer Beobachtung 
meist vou einem Centrum des Gehirns beginnt resp. zum 
Sude des Anfalls sich auf dieses Centrum koncentriert, wo der 
Zusammenhang der genuinen Epilepsie mit der cerebralen 
Kinderlähmung, die in vielen Fällen der Ausgang einer 
acuten Encephalitis ist, von vielen Autoren betont wird, er¬ 
scheint der chirurgische Eingriff um so berechtigter auch bei 
der genuinen Epilepsie in den Fällen, wo sich das Ausgangs- 


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18 


centrnm bestimmen lässt, als man auch auf diesem Gebiet 
einen Schritt vorwärts getan bat und durch Beseitigung von 
organischen Fehlern im Gehirn auch dauernde Heilungen za 
verzeichnen imstande ist.» 

(Antoreferat.) 

Dr. P. Klemm meint, dass man bei Durchsicht der Lite¬ 
ratur zu der Ansicht kommen müsse, dass die Dauerresultate 
doch recht traurige wären. Die besten Aussichten für die 
Operation geben die Fälle von Epilepsie, die nach dem Typus 
der Jackson’schen verlaufen und im Anschluss an ein Trauma 
aufgetreten sind. Freilich muss hier auch nach dem Auf¬ 
treten der Krämpfe operiert werden, weil sich sonst eine 
Veränderung des Gehirns entwickelt, die nicht näher bekannt 
ist, die man aber als «epileptische Erregbarkeit» bezeichnen 
darf. In Fällen, wie in vorliegendem, ist die Operation na¬ 
türlich durchaus berechtigt, doch ist, wie ja schon vom Vor¬ 
tragenden betont worden ist, zunächst nichts darauf zu ge¬ 
ben, dass die Anfälle sistiert haben, da ja bei den meisten 
Fällen von Epilepsie nach jeder Art von Eingriff ein tempo¬ 
räres Fortbleiben der Krämpfe beobachtet wird. Freilich 
treten über kurz oder lang dieselben wieder auf. Neuerdings 
sind ja von einer Reihe von Autoren Mitteilnngen gemacht 
worden, die ermutigend klingen, doch bleibt natürlich abzn- 
warten, wie sich die Dauerresultate gestalten werden. Ich 
bitte mich nicht misszuverstehen: ich bin kein Gegner der 
Operation, man kann dieselbe in geeigneten Fällen ja immer 
wieder versuchen, ich meine nur, dass wie die Dinge zur 
Zeit liegen, mau den Patienten nicht viel Hoffnung auf 
dauernde Genesung machen darf.» 

(Autoreferat.) 

Dr. M. S c h ön f el d: « Der demonstrierte Fall erscheint 
nicht geeignet, die Frage der chirurgichen Therapie bei Epi¬ 
lepsie zur Discussion zu stellen. Denn es handelt sich ja 
hier um eine organ isch bedingte Gehirnkrankheit, bei 
der schon die Anfallserscheinungen allein ausreichen die ty¬ 
pische Diagnose zu stellen, auch wenn der Jackson’sche 
Typus der Convulsionen nicht beobachtet wäre. Wahrschein¬ 
lich liegt dieser sogenannten secundären («symptomatischen») 
Epilepsie eine Encephalitis oder eine traumatische Läsion intra 
partnm zu Grunde (Porencephalie). ln solchen Fällen, wo 
noch dazu die bereits bestehende Hemiplegie eine Schädigung 
der motorischen Functionen durch den chirurgischen Eiagrjff 
nicht befürchten lässt, erscheint der Versuch durchaus ge¬ 
rechtfertigt, durch Aufdeckung des Herdes dem epileptischen 
Symptomencomplexe beizukominen. — Die allgemeine Frage 
der chirurgischen Behandlung der sog. primären (genuinen) 
Epilepsie ist deshalb so schwierig, weil zunächst einmal die 
Beseitigung der Krampfanfälle an sich noch keine Genesung 
bedeutet, denn die Epileptiker können auch dann noch — 
durch die psychischen Symptome — direct antisocial und ge¬ 
meingefährlich bleiben. Dann aber auch weil in viel Fällen 
der primären Epilepsie sogar bei der Sectiou keinerlei ana¬ 
tomische Anhaltspuncte gefunden werden, somit intra vitam 
der Ort des Eingriffes erst recht nicht bestimmt werden 
kann.» 

(Autoreferat.) 

Dr. Bornhaupt: «Alles was von einer Seite angeführt 
worden ist, war mir wohlbekannt. In der neueren Literatur 
findet man dagegen auch andere Meinungen vertreten. Es 
sind Fälle von idiopatischer Epilepsie bekannt, die 10—11 
Jahre nach der Operation beobachtet worden und als völlig 
geheilt zu bezeichnen sind. Ich führe hier nur folgende 
Namen an: Pierre Marie, Freud, Redlich, v. 
Strümpell, Zappert, A aerpach , Oppenheim, 
Krause, Kotzenberg. Wenn man sich mit diesen An¬ 
schauungen und mit den neueren Arbeiten auf pathologisch- 
anatomischem Gebiet (Alzheimer, Moriyasu, Chas- 
lins, Friedmann) bekannt macht, so gewiunt man wohl 
den Eindruck, dass die Erkenntnis auch in Bezug auf das 
Wesen und die Behandlung der Epilepsie wenn auch lang¬ 
sam, so doch unzweifelhaft frtschreitet und dass das opera¬ 
tive Vorgehen auch in einigen Fällen von genuiner Epilepsie 
wohl indiciert nnd mit Erfolg gekrönt sein kann. Dabei 
muss hervorgehoben werden, dass die Prognose sich bei dege¬ 
nerierten und erblich belasteten Patienten wohl weit ungün¬ 
stiger gestalten wird.» 

(Autoreferat.) 

P. II. Dr. A. v. Bergmann: «Casuistisches Re¬ 
ferat über einen Fall von maligner Degene¬ 
ration einer Mesenterialcyste. 

«Abr. S. 4o a. u. Händler, ist vor 2 Jahren im Frühling 
durch’8 Eis gebrochen (Trauma, starke Abkühlung). Seit 3 
Monaten Schmerzen im 1. Hypochondrium. Stuhl angeblich 
in Ordnung, kein Erbrechen, verträgt alle Speisen ; nähere 
Angaben von ihm nicht zu erhalteu. Mittelgrosser Manu. 
Mässiger Ernährungszustand, fahle Gesichtsfarbe, blasse 
Schleimhäute. Normaler Lungen- und Herzbefund. Das 
Blpigastrinm ist aufgetrieben, prominiert. Das Zwerchfell 


ist bis zur 5. Rippe hlnanfgedrängt, allein weder elo dik¬ 
tierter Magen, noch eine geblähte tetanisch sich steifende 
Schlinge sind zu palpieren, keine Leber- keine Milzvergrösse- 
rung. Der Rectalbefund ist negativ. Die motorische Func¬ 
tion des Magens ist tadellos. Der Stuhl enthält weder Blot 
noch Schleim. Kein Stenosenkot. Die Röntgenuntersuchung 
ergibt normal sich bewegendes Diaphragma. Nach der Ab¬ 
führung sinkt das Epigastrium etwas ein uad man kann im 
1. Hypochondrium eine undeutliche Resistenz und Druck¬ 
schmerz nachweisen. Rechts ist das Hypochondrium etwas 
stärker gespannt. Die Diagnose schwankte zwischen der 
Möglichkeit einer Abknickung der Flex. lienalis durch Ad¬ 
häsionen resp. einen chronisch entzündlichen Process und ei¬ 
nem retroperitonealen Tumor, der durch Druck auf die Me¬ 
senterial gefässe eine Darmblähung zn Stande gebracht haben 
könnte. 

16. September (Chloroformnarkose): Kein freies Exsudat, 
eine über faustgrosse Cyste, die jedoch nicht prall gefüllt 
ist, sondern einen schlaffen Sack vorstellt, der ausgedehnte 
Verwachsungen zeigt a) mit dem peritoneum parietale — es 
muss ein Stück des letzteren reseciert werden, b) mit dem 
Netz und Colon transversum, c) mit dem jejonnm und dno- 
denum. Diese sind so fest, dass sie nur mit schwerer Läsion 
der Darm wand getrennt werden können, sodass ca. 10 ctm. Darra- 
wand reseciert werden müssen. Mobilisierung des dnodenum 
und endostomoside Vereinigung, nachdem das jejnnnm blind 
vernäht worden war. Die Cystenwand war während der 
Operation ringerissen, sodass ein Einnähen derselben ausge¬ 
schlossen war. Die Cyste enthielt hämorrhagischen Detritus 
und war innen von ca. erbsengrossen weisslichen Prominenzen 
ausgekleidet. 

17. —19. Sept. Wegen Ansammlung von grünlicher Flüs¬ 
sigkeit häufige Magenspülungen. 20. Sept. T. 38.0 subjektiv 
fühlt Patient sich leichter, stirbt aber am 21. September 
unter ziemlich rasch eintretender Herzschwäche. 

Die Section ergibt einen Defect in der Vereinigung des 
Duodenum mit dem Jejunum, wahrscheinlich auf die Ein¬ 
wirkung des Pankreassaftes zurückzuführen, ltn Oberbauch 
finden sich an verschiedenen Stellen flache, runde und halb¬ 
runde Tumoren von Haselnuss- bis Taubeneigrösse, von 
markigem Gefüge, auf dem Durchschnitt weiss und rot ge¬ 
fleckt. Diese Tumoren finden sich zwischen der Leber und 
dem Colon, zwischen der Leder und dem Diaphragma, ln der 
Gegend der Porta hepatis In der Umgebung des Pankreas. 
Keiner dieser Tumoren ist cystisch. Vergrüsserte und mark- 
artige Lymphdriisen finden sich im hinteren Mediastinum und 
in den Inguinalgegenden. Keine Metastasen der inneren 
Organe, keine Milzvergrössernng, die Tibia enthält reines 
Fettmark. Die Nieren ausserordentlich getrübt. (Patho- 
logisch-anat. Diagnose: Lymphosarcom Dr. 
Schaber t). 

Das bei der Operation gewonnene Präparat ist leider ab¬ 
handen gekommen, sodass es nicht genauer hat untersucht 
werden können. Die Section beseitigt jedoch alle Zweifel da¬ 
ran, dass 68 sich um eine maligne Degeneration einer Me¬ 
senterialcyste gehandelt. Das ist ein sehr seltenes Vor- 
komnen. 

K o s 11 i v y (D. Z. für Chir. Bd. 31 H. 1) berichtet aus 
der Klinik Kukala über ein Angiosarkom einer Mesenterial¬ 
cyste. Die Cysten des Mesenterium sind Lymph- oder Chy- 
luscysten und Euterokystome, welch letzterem Calcars 
(Langenbeck. Arcli, 79 p. 139) die Hauptrolle zuznschreiben 
geneigt ist. Die frühzeitig anfgetretene massenhafte Ver¬ 
breitung von Metastasen legt es in diesem Falle nahe, den 
Tumor mit dem Lymphgefässsystem in Zusammenhang zn 
bringen.« 

(Antoreferat.) 

Dr. P. Klemm hat vor ca. 7 Jahren eine Meoterialcyste 
bei einem 1’/» jährigen Kinde operiert, bei dem er zuerst an 
tuberkulöse Peritonitis gedacht hatte. Bei der Operation sei 
ein zwischen zwei Meseuterialblättern gelegener Tumor ge¬ 
funden wordeu und er habe ein ca. 15 Ctm. langes Darmstück 
resecieren müssen. Es sei eine mnlticystlsche Geschwulst 
gewesen, die wie die micvoscopische Untersuchung ergab aus 
lymphatischem Gewebe bestanden habe. Bei Veröffentlichung 
des Falles in Virchow’s Archiv hat Vortragender 52 Fälle 
znsammenstellen können, später seien dann noch etwa 4—5 
Fälle publiciert worden. 

P. III. Dr. v. Haffner (als Gast) berichtet über 
einen Fall von Gallenblasenperforation. 

E. N. 62 a. n. hat früher nie au Verdaunngsbeschwerden 
gelitten, nie Leibschmerzen gehabt. Erkrankte am 29. Jnli 
1907 plötzlich mit heftigen Schmerzen im ganzen Abdomen, 
Erbrechen, Stuhl- und Windverhaltung. 

Kräftig gebauter Patient von gutem Ernährungszustände, 
Haut und Schleimhäute blass, Zunge feucht, wenig belegt, 
Herz nnd Lungen ohne pathol. Befund; keine Oedeme, keine 
Cyanose, kein Icterus. Abdomen diffus wenig aufgetrieben, 


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iS 


toStelg gespannt, durchweg äusserst druckempfindlich, bei 
Palpation Bauchdecken dermassen gespannt, dass nähere Lo* 
ealisation nicht möglich. Am 31. Juli Auftreibung angenom¬ 
men, Schmerzen ebenfalls. Am 1. Angnst erfolgt nach Gly- 
cerlDspritze reichlich Stuhl; in den darauf folgenden Tagen 
wird der Leib weich, Schmerzen schwinden vollständig, bei 
weichen Banchdecken lässt sich ln der Baachhöhle nichts 
Pathologisches constatieren, Pat. wird ohne Diagnose ent¬ 
lassen. Das darauf folgende Jahr verbrachte Pat. bei voll- 
ständigem Wohlbefinden, hat keinerlei Verdauungsbeschwer¬ 
den gehabt. 

Zweite Aufnahme am 10. Sept. 3908. Pat. erkrankte vor 3 
Tagen mit plötzlich anftretenden Schmerzen in der Coecal- 
gegend, Erbrechen, Obstipation. Ciysmen täglich ohne Er¬ 
folg. Allgemeinstatus wie beim ersten Mal. Zunge stark 
belegt, feucht, kein Icterus. Abdomen stark aufgetrieben, 
überall druckempfindlich, Hauptschmerz in der lleocoecalge- 
geod, hier schlecht abgegrenzte Resistenz und Dämpfung. 
Das übrige Abdomen tympanitisch. Per rectum nichts Be¬ 
sonderes. Hohes Oelciysma ohne Erfolg. Operation verwei¬ 
gert. 11. September Leib mehr anfgetrieben, Schmerzen zu- I 
genommen, Temperatur fortdauernd normal, Puls kräftig, j 
regelmässig- 12. Sept. Operation: Da als Ursache der 
Occlnsion ein Coecaltumor als wahrscheinlich angenommen 
wird — Schnitt nach Kocher mit Stampfer Durchtrennnng der 
Masculatur zwecks Anlegung eines Anns praeternaturalis. 
Bei Eröffnung der Bauchhöhle ergieBst sich reichlich gallig 
gefärbte, wenig getrübte Flüssigkeit ; ein Tumor liegt nicht 
vor. Grosser Medianschnitt. Die kleine, geschrumpfte, durch 
zahlreiche Adhäsionen au Leber und Darm fixierte Gallen¬ 
blase zeigt an der Kuppe eine ca 2 mm grosse Perforations- 
öffoang, der ventilartig ein ca dattelkerngrosser Cholestearin- 
Bilirubin-Stein an liegt. Cystotomie gelingt nicht wegen 
Brüchigkeit der Wand. Es erfolgt Cystectomie, Tamponade 
der Bauchhöhle von beiden Seiteu her, Schluss der Wunde 
bis auf die Tampons. Weiterer Verlauf bei normaler Tempe¬ 
ratur und kräftigem, regelmässigem Pulse ohne jegliche Stö¬ 
rung, bis am 21. Sept. plötzlich der Exitus eintritt. Bei der 
Sectio n fand man iu der Bauchhöhle kein Exsudat, keine 
Peritonitis. Herzmusculatnr schlaff, bronchopneumonischer 
Herd in der rechten Lunge, Thrombus iu einem Aste der r. 
art renal is. * 

Der beschriebene Krankheitsverlauf und die falsch und 
ganz unsicher gestellte Diagnose werfen anwillkürlich die 
Frage auf, ob zur Diagnosestellung vielleicht nicht alle Symp¬ 
tome genügend ausgenutzt und richtig bewertet wurden uud 
ob die Anamnese nicht mehr Anhaltspuncte für eine richtige 
lüagoose bot. Aus der Anamnese geht nur hervor, dass in 
einem Zwischenräume von 1 Jahr zweimal acute Obstipation 
mit Erbrechen auftrat — Erscheinungen, ans denen blos die 
Diagnose Ileus gestellt werden kann, was ja keineswegs das 
Kraokbeitsbild anfhellt. Ais sicher war anzunehmen, dass die 
beidesmaligen Erkrankungen in engem Zusammenhänge stan¬ 
den, und die Reizerscheinungen des Peiitoneums von ein nnd 
derselben Ursache ausgingen. Im referierten Falle wurde an 
Tumor des Coecum gedacht, wozu man durch die Localisatiou 
der Schmerzen verleitet wurde. Als zweites konnte man eine 
Schrumpfung des Mesosigmoideum beschuldigen. An eine Per¬ 
foration der Gallenblase wurde nicht gedacht. Doch fasst 
man die Symptome des Falles zusammen, so lag auch kein 
(irnnd vor, eine solche als wahrscheinlich oder vielleicht vor¬ 
handen anzunehmen. Icterus ist nie gewesen und war auch 
bei der Untersuchung nicht vorhanden. Gallensteinkoliken 
sind nicht gewesen, die Schmerzen wurden in der Coecalge- 
gend localisiert,— also nichts, was die Diagnose Gallenblasen¬ 
perforation berechtigt hätte. Der Fall lehrt wieder einmal, dass 
bei der Allgemeindiagnose «Ileus» eine specielle Diagnose nnr 
dann mit Sicherheit gestellt werden kann, wenn entweder 
Anamnese oder Status eindeutig sind — beides Bedingungen, 
die dem vorliegenden Falle fehlten, weshalb Ref. behauptet, 
dass in diesem Falle eine Differentialdiagnose nicht gestellt 
werden konnte. 

(AutoreferatJ 

Dr. v. Engelhardt gibt Dr. H a f f n e r durchaus Recht» 
wenn letzterer meint, dass die localisierte Diagnose im acuten 
Anfalle eine sehr schwere wäre, meint aber, dass wenn man 
nach dem Abklingen des Anfalles sich genau orientiert hätte, 
wo die druckemptiudliehe Stelle gewesen wäre, man doch viel¬ 
leicht Cholecystitis und Appendicitis hätte trennen können. 

Dr. v. Bergmann erwidert hieiauf, dass eine genaue 
Untersuchung auch damals stattgefunden hätte, dass aber 
keine Anzeichen einer Leber- bezw. GaUenblasenerkrankuug 
gefunden worden wären. Pat. sei ohne bestimmte Diagnose 
entlassen worden. 

P. IV. Dr. P. Klemm referiert über folgenden Fall: 
Vor ca. 14 Tagen habe sich an ihn eine 41 jährige Dame ge¬ 
wandt, die bis dahin seit vielen Jahren wegen Magennlcus, 
Mageokatarrh etc. behandelt worden wäre. Jetzt erkrankte! 


sie acut unter den Erscheinungen eines Empyem*s der 
Gallen blase, und die von ihm vorgenommene Operation 
bestätigte diese Diagnose. Die ausgedehnte Gallenblase war 
mit Eiter gefällt, und die Schleimhaut derselben zeigte ne- 
crotische Geschwüre; an einer Stelle war dieselbe so verdünnt, 
dass hier ein Durchbruch entstanden wäre. Im sehr beträcht¬ 
lich erweiterten Cysticus steckte — denselben völlig versper¬ 
rend — ein ungewöhnlich grossses Concrement. Cystectomia. 
Tamponade. Patientin ist geheilt. Demonstration der Gal¬ 
lenblase and des Steines. 


Dr. v. Engelhardt fragt, ob die Gallenblase palpabel 
gewesen wäre, und spricht, als diese Frage verneint wird, seine 
Verwunderung daiüber aus, da der Vortragende angeführt 
hätte, dass die gefüllte Gallenblase die Grösse einer Gurke 
gehabt hätte. 

Dr. Klemm erwidert, dass die Pat. sehr gespannt hätte 
dass eine «defense n>uscu)aire>, wie die Franzosen es nennen 
den Nachweis der gefüllten Gallenblase verhindert hätte. 

Punct V. Dr. P. K1 e m m demonstriert ferner das durch 
resectio recti gewonnene Präparat eines Falles von Poly- 
posis in testin i. 


Die 14 j. Patientin litt seit Jahren an heftigen Blutungen 
aus dem Rectum; die Untersuchung der ausgebluteteu Kran¬ 
ken ergab, dass die Mastdarmschleimhaut vou etwa 10D poly¬ 
pösen Excrescenzen —- teils lang gestielt, teils breitbasig der 
Schleimhaut anfsitzend — bedeckt war. Bei der weit hinauf 
ausgeführten Resectioo des Rectum wurden oberhalb desselben 
noch Polypen gefunden, doch war die Menge derselben nicht 
im Entferntesten mit der des Kectnm zu vergleichen. 

Vortragender weist kurz auf die sehr interessanten Fälle 
von Polyposis der Schleimhäute hin nnd berichtet über fol¬ 
gende bäile aus seiner Hospitalpraxis. In einem Falle han¬ 
delte es sich um Polyposis des cavum nasopharyngeaie nebst 
der Stirn-Keilbeinhöhie und des autrum Highmori; alle diese 
Höhlen seien zu wiederholten Malen eröffnet nnd Hunderte 
von Polypen exstirpiert worden. Nachdem die Brnns’sche 
Operation 4 Mal ausgetührt worden war, wurde schliesslich 
an der Nasenwurzel eine Oeffnung angelegt, durch welche 
von Zeit zu Zeit die Höhlen abgesuebt werden konnten, da 
es nicht gut möglich schien, einige Male jährlich die Nase 
operativ za eröffnen. 

Die beiden anderen Fälle betrafen Polypenbildungen im 
Larynx. 

Dr. G. K ieseritzky, 


d. z. Secretair. 


Wöchentliche Chronik und kleine Mitteilungen. 


S r. P e t e r s b u r g. Auf Vorschlag des neuen Präsidenten 
des Medicinalrats, Prof. G. Rein ist eine Commission aus den 
Conseilsmitgliedern L. Berthenson, G. Cülopin, L. 
Mal in ow ski, 8. Schidlowski, W. Ssirotiniu und 
A. Wedenjapin unter dem Präsidium von Prof. Rein 
gewählt worden, welche sich mit der Durchsicht der Aller¬ 
höchst bestätigten Regeln vom 11. August 1903 zur Be¬ 
kämpfung der Cholera und Pest im Reiche und speciell 
mit der Bekämpfung der gegenwärtigen Choleraepidemie in 
der Residenz befassen soll. 

— Die Commission für Volksbildung in der R e i c h s d u m a 
hat die Vorlage über die Gründung einer Universität in 
Saratow angenommen nnd für diesen Zweck die Zahlung 
von 3200000 Rbl. jährlich im Laufe von 5 Jahren bewilligt. 

— Der Professor für Ophthalmologie an der Mililär-Medi- 
ciniBchen Academie, L. B e 11 j a r m i n o w, ist nach vollen¬ 
deter 25-jähriger Lehrtätigkeit auf ein weiteres Quin- 
queunium gewählt worden. 

— Zum Vorsitzenden des russischen natio¬ 
nalen ComiteeB für den bevorstehenden internationalen 
Aerztecongross in Budapest ist Prof. D. Ott gewählt worden 

— Zu wirklichen Staatsräten befördert sind die 
Staatsräte DDr. E. ßlessig, Director der St. Petersburger 
Augenheilanstalt, L, Brunner, Ehrenleibmedicns nnd Arzt 
der kaiserlichen Theater, N. Huhn, Ordinator des Elisabeth- 
Kinderhospitals in St. Petersburg und W. G u b e r t, Ober¬ 
arzt des Findelhauses in St. Petersburg. 

— Der Professor für Hygiene an der Militär-Medicinischen 
Akademie Dr. S. S c h i d 1 o w s k i j ist nach 25-jähriger Lehr¬ 
tätigkeit ans dem Lehrkörper der Akademie ausgeschieden. 

— Dem langjährigen Mitarbeiter der St. Petersburger Med. 
Wochenschrift Prof. Dr. 0. v. Petersen ist die Ehrung zu 
teil geworden, dass ein Krankensaal der dermatologischen 


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Klinik der^Universität zu Cagliari (Sardinien) v seinen Namen 
führen soll. 

— Der nächste Firogowsche Aerzte-GoogreBB 
soll in St Petersburg nicht später als am 3. Januar 1910 
Btattfinden. 

— Die medicinische Facultät an der Universität zu Kiew 
hat einen Wettbewerb für die Besetzung des 
Lehrstuhls der operativeu Chirurgie and to¬ 
pographischen Anatomie eröffnet Anmeldungen wer¬ 
den bis zum 20. März 1909 eulgegengenommen. 

— Während des Erdbebens in Messina soll z. T. auch die 
dortige Universität zerstört worden sein, während 
die Kliniken und Laboratorien der medicinischen Facultät erhal¬ 
ten sein sollen. Auch zahlreiche Professoren sollen hierbei 
den Tod gefunden haben. Die Universität in Messiua gehörte 
zu den ältesten Universitäten. Sie war im Jahre 1548 ge¬ 
gründet und 1838 umgebaut worden. 

— An Stelle des verstorbenen Ministeiialdirectors Alt¬ 
hoff ist Prof. Robert Koch in das Präsidium des 
Deutschen Centralcomitees zur Bekämpfung der Tuberculose 
gewählt worden. 

— Der 30. Congress für Balneologie findet am 
4.-8. Mäiz lb09 in Berlin uuter dem Vorsitze von Geheiinrat 
Prof. Brie ger (Berlin) statt. Anmeldungen sind an den 
Generalsecretär der Bai neologischen Geselisciiaft, Geheimrat 
Dr. Brock - Berlin, NW.* Thomas!usstrasse 24 zu richten. 

— Geheimral Prof. Dr. Ru b n er, Director des hy¬ 
gienischen Instituts in Beilin hat den Ruf auf den 
Lehrstuhl der P h y s i o 1 o g i e an der Berliner Universität 
angenommen. Sein Nachfolger auf dem Lehrstuhl der Hy¬ 
giene soll Ueheimrat, Prof. K. F lü g g e - Breslau werden. 

— Der Director der medicinischen Universitätsklinik in 
Breslau, Geheimrat, Prof. A. von Strümpell soll den 
Buf nach Wien als Nachfolger Prof, von Schrötters 
angenommen haben, nachdem ihm der Neubau einer Klinik 
zugesagt worden ist. 

— Priv.-Doc. Dr. E. ü o f f m a n n in Berlin ist zum Pro- 
fessor und Director der Poliklinik für Haul¬ 
and Geschlechtskrankheiten in Halle ernannt 
worden. 

— Verbreitung derCholera in .Russland. Vom 
19. bis zum 25. December kamen Erkrankungen an 
der Cholera ausser in St. Petersburg nur vor: im (Jebiet 
der Don-Kosaken — 3 erkrankt, 1 gestorben — und im Uou- 
vernement Tomsk — 12 erkrankt, 6 gestorben. 

— Der Flecktyphus herrscht in Kiew und Astra¬ 
chan. 

— Vom 2. bis zum 3. Januar 1909 erkrankten in St Pe¬ 
tersburg an der Cholera 34 Personen, starben 9, 
genasen 19. in den Btädtischeu Hospitälern verblieben in 
Behandlung 228 Personen. Vom Beginn der Epidemie sind 
9148 Personen erkrankt, 3637 gestorben und 5283 genesen, 
ln den Zeituugeu wird unter den Häusern, wo die zahl¬ 
reichsten Eikraukungen stattfiuden, immer auch das Haus 
des Bettierasyis angeführt, wodurch dieses Haus in den Ruf 
eines Choleraherdes geraten ist und zwar durchaus mit Un¬ 
recht. lu dieses Haus weiden nämlich täglich grosse Scharen 
von Bettlern aus allen Stadtteilen eingebracht and am 
nächsten Tege anderweitig verteilt. Unter den Ankömm¬ 
lingen werden nicht selten Choleraerkrankungen 
constatiert, die Inteciion mag aber an einem beliebigen Urt 
stattgefundeu haben uud die manifesten Symptome werden bei 
der Einlieferung der Bettler constatiert. Uebngens ist es 
wiedei holt vorgekonimeu, dass kranke Bettler angaben, sie 
hätteu schon m der Verwaltung des Polizeireviers an Er¬ 
brechen uud Duichfälleu gelitten and wären trotzdem nicht, 
wie gehörig, ins Hospital befördert worden, sondern in das 
Bettlerasyi. Dass sich unter diesem Abschaum der Bevölke¬ 
rung, unter Menschen, die meist obdachlos sind, ein vagabun¬ 
dierendes Leben führen uud eine mehr als zweifelhafte Nah¬ 
rung gemessen, Choleraerkrankungen stattfinden, dürfte kaum 
wunder nehmen. 


— Anjjn f ec tion skr an k holten erkrankten in St 
Petersburg in der Woche vom 7. bis zum 13. De¬ 
cember 591 Personen. Darunter an Typhus abdom. 60, Typh. 
ezanlb. 2, Febris recurrens 121, Pocken 8, Windpocken 
24, Masern 54, Scbarl ach 63, Dipbthrie 95, Cholera 92, 
acnt. Mageu-Darmkatarrh 36, anderen Infectionskrankhei- 
len 36. 

— Die CJesamtzahl der Kranken in den St. Pe¬ 
tersburger Stadthospitälern betrug in derselben. 
Woche 12086. Darunter Typhös abdominalis 603, Typhus 
exanth. 8, Febris recurrens 526, Scharlach 211, 
Masern 66, Diphtherie 141, Pocken 18, Windpocken 3, 
Cholera 214, crnpöse Pneumonie 87, Tuberculose 48Ö, 
Influenza 238, Erysipel 56, Keuchhusten 19, Hautkrankheiten 
80, Syphilis 481, venerische Krankheiten 366, acute Erkrankun¬ 
gen 1946, chronische Krankheiten 1619, chirurgische Krank¬ 
heiten 1352, (JeiBteBkrankheiten 3200, gynäcologische Krank¬ 
heiten 230, Kraukheiten des Wocheubetts 47, verschiedene 
andere Krankheiten 95. 

— Die Gesamtzahl der Todesfälle in St Pe¬ 
tersburg betrag iu derselben Woche 774 + 41 Tot- 
geborone + 49 in der vorigen W oche nicht registrierte Fälle. 
Darunter Typh. abd. 15, Febris lecurrens 2, Pocken 3, Masern 5, 
Scharlach 25, Diphtherie 16, Keuchhusten 9, crnpöse Pnea- 
monie 21, katarrhalische Puenmonie 80, Erysipel 2, Influenza 
7, Rabies 1, Milzbrand 1, Pyämie uud Septicaemie 5, Tuber- 
colose der Langen 113, Tabercalose anderer Organe 36, Cho¬ 
lera 45, Magen-Darmkatarrh 34, andere Magen- and Darm- 
erkrankuugen 41, Aicoholismas 7, angeborene Schwäche 46, 
Marasmus senilis 35, andere Todesursachen 225. 

— Nekrolog. 1) Am 17. December starb in Moskau 
Dr. P. U r b s c h i s; 2) am 18. December starb in Charkow 
Dr. A. 8 c h i s c h k i n, geh. 1874, Arzt seit 1898; 3) Am 
22. December starb in Moskau Prof. Dr. P. Djakonow. 
Sein Tod ist ein sehr empfindlicher Verlast für die rassische 
Aerztewelt and die medicinische Wissenschaft, 4) ln Wies¬ 
baden starb der Prof, der Oynäcoiogie an der Universität 
Orei88wald, Dr. F. v. Prensehen im Aller von 64 Jahren. 


Nächste Sitzung des Vereins 8t. Pe* 
tersb. Aerzte: Dienstag, d. 13. Jan. 1808. 


Tagesordnung: V. Schrenck: Präsidialvortragj Ueber 
gynäcologische Koeliotomien. 

Jahresberichte der Secretäre und des Cas- 
sierers. 

Beschlüsse betr. das bevorstehende 50- 
jäbr. Jubiläum des Vereins. 

Beschlüsse über Anträge betr. Biblio- 
thekarsgehalt and Revision des Statuts. 

Wahlen. 


Entgegennahme der Mitgliedsbeiträge. 


Nächste Sitzung: des Deutschen ärzt¬ 
lichen Vereins: Montag, d. 19. Jan. 1909. 

Tagesordnung: Prof. 0. v. Petersen: Ueber Hefe¬ 
pilzerkrankungen der Hanl. 


Der Redaction sind folgende Bücher zur Besprechung zugegangen. 


E. Abderhalden. Lehrbuch der physiologischen Chemie 
in 32 Vorlesungen. Urban u. Schwarzenbeig. Berlin nnd 
Wien. 1909. 

Prof. Dr. J. Schwalbe. Bestimmungen über die Zulassung 
znr ärztlichen Praxis im Anstande. Georg Thiene 
Leipzig. 1908. 

CMtTa IloiieHHTejibCTBa o cjitnuxi» Ha 1909 r. CI1E. 1908. 


G. Modrakowski. Ueber die physiologische Wirkung des 
Cholins. M. Hager. Bonn. 1908. 

M. JI. A 6 e ji b m a h t». EerecTBeHHoe h HCKyccTBeHHoe 
BCKapMJiHBaHie rpyAHUxi, Ä'fcTefi. CI1E. 1909. 

25- OTqen, üoneMHTe abctbs ÜMnepaTpHuu Mapin AxeiccaH- 
ApoBHM o cjitnuxi» 3a 1907 r. C.-IIeTep6ypn,. 1908. 


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st. rnnsimm 

HEDICISISCHE WOCEEISCIIIIFT 

unter der Mitwirkung von 

Dr. Ad. v. Bergmann, Dr. E. Blessig, Dr. 0. Brehm, Dr. X. Dombrowski, Dr. J. Dsirne, Dr. C. Frankenhäuser, 

Riga. St. Petersburg. Libau. St Petersburg. Moskau. St Petersburg. 

Dr. P. v. Hampeln, Dr. H. Hildebrand, Dr. W. Kernig, Dr. P. Klemm, Prof. 0. v. Petersen, Dr. 0. v. Schiemann, 

Riga. Mitau. St. Petersburg. Riga. St. Petersburg. Moskau. 

Dr. Ed. Schwarz, Prof. G. Tlling, Dr. R. Wanach, Dr. H. Weetphalen, Dr. C. Wiedemann, Dr. R. v. Wietinghausen, 

Riga. St. Petersburg. St. Petersburg. St Petersburg. St. Petersburg. Reval. 

Prof. W. Zoege v. Manteuffel, 

Juijew (Dorpat), 
unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Juijew (Dorpat). Riga. 

Dr. Franz Dörbeck. 

St. Petersburg. 


Ms 2 St. Petersburg, den 10. (23.) Januar 1909. XXXI JAHRGANG. 


lieber Heine-Medinsehe Krankheit '). 

(Mit Krankendemonstration). 

Vortrag, gehalten am 19. November 1908 im Verein practi- 
sclier Aerzte za Riga. 

Von 

Dr. Eduard Schwarz. 

Dirigierender Arzt der Abteilung für Nervenkranke des Ri¬ 
ffaschen Stadtkrankenhanses. 


M. H. I Sie sehen hier einen Mann, den vielleicht 
einige von Ihnen wiedererkennen werden; ich habe ihn 
schon wahrend des XX. iivl. Aerztetages in diesem 
Herbst demonstriert; sein Leiden gehört aber in ein 
Gebiet, das neuerdings ganz besonderes Interesse and 
zwar allgemein medicinisches beanspruchen 
kann. Dieses möge die nochmalige Vorführung des 
Kranken rechtfertigen; auch sind die neuesten Erfah¬ 
rungen, die in Schweden gemacht worden sind, noch so 
neu, dass sie noch nicht in weitere Kreise gedrungen 
sind 2 ). Ihre Wichtigkeit beansprucht aber eine ganz 
allgemeine Aufmerksamkeit 
Sie sehen, m. H., dass der 50*jähr. Mann durch seine 
Krankheit in einen traurigen Zustand gekommen ist, 


*) Der Vortrag gibt im Anschluss an die Demonstratio)! 
einss Kranken ein Referat über die Arbeit von Ivar 
Wiek mann 1) «Studien über Poliomyelitis acuta». Berlin. 
Karger 1905 und 2) «Beiträge zur Kenntnis der Heine-Medln- 
seben Krankheit» ebenda 1907. 

In den Arbeiten von Sarbo <2 Fälle von Landryscher 
Paralyse». Neurologisches Centralblatt 1908. Nr. 21 und von 
Preobrascnensky «Bin Beitrag znr Lehre v. d. aenten 
syphilitischen Poliomyelitis» Neurologisches CeutralbUtt 1903. 
Nr. 22 sind d. Resultate obiger Arbeiten nocu nicht berück¬ 
sichtigt. ln d. letzten Arbeit ist angegebe.i Temp. 3.1,3 und 
37.5. Die Notiz ist vom 2. Krankheitslage - eiuo Temp. von 
39,3 ist für eiue syphilitische Erkrankung des Nervensystem« 
ganz ungewöhnlich, stimmt aber für die Reine*Medinsche 
jtrkh. sehr vorzüglich, auch d. acute Beginn. 


gehen kann er jetzt; er war aber ganz lahm, ans 
seinem Bett erheben kann er sich, konnte er früher 
nicht, aber seine Arme gebrauchen kann er nicht; er 
kann wohl mit der Hand und Fingern den Löffel fassen 
and sein Brot ergreifen, aber zum Munde führen kann 
er es nicht; ans- und ankleiden kann er sich noch viel 
weniger ; er kann seine Arme weder im Schulter- noch 
Ellbogengelenk benutzen; links ist die Beugung im 
Ellbogengelenk teilweise wiedergekehrt, so dass er in 
liegender Stellung seine Hand zum Munde führen kann, 
doch in sitzender oder stehender Stellung ist der Unter¬ 
arm für die geringen Reste seiner Muskeln am Ober¬ 
arm, die ihm die Krankheit gelassen, nqch zu schwer; 
mit geringer Hilfe und auch dann und wann schon allein 
gelingt ihm eine Hebung des Unterarmes. 

Als Ursache dieses trostlosen Zustandes sehen Sie, 
m. H., hochgradigste Atrophie der gesamten Schulter- 
musculatur, hochgradige Atrophie der Oberarmmnskelo, 
rechts hochgradiger als links; weniger hochgradig eine 
Atrophie der Brustmuskeln; der obere Teil der grossen 
Brustmuskeln fehlt ganz, der untere Teil hat in letzter 
Zeit angefangen zu wirken ; desgleichen waren die Hals¬ 
muskeln nicht unbedeutend befallen, beide sternooleido- 
mastoidei arbeiteten garnicht und die Nackenmuskeln 
waren schlaff. Für die sternocleidomastoidei arbeitete 
das Platysma, eine Functionsstörung in der Haltung und 
Bewegung des Kopfes war auch bei der Aufnahme nur 
bei genauerer Prüfung zu finden. Die Bauchmuskeln 
waren hochgradiger befallen, Pat. konnte seinen Kopf 
nicht heben, noch weniger seine Schaltern. Die Bauch- 
reflexe fehlten; jetzt ist die Function zurückgekehrt; 
nur ein Teil der linken seitlichen Bauchwand wölbt 
sich noch beiin Husten vor, und die parierenden Finget 
finden eine weniger resistente Stelle der i tauch wand. 
Vor einigen Wochen wölbte sich beim llusteu di^s 
Stelle stark vor, und inau h.me beim P»ipi. *eii den 
Eindruck eiues Loches in der Üauciiwaud. — Di Oue - 
schenkelmusculatur war deutlich befallen. Pat. kounte 
anfangs, wenn er auf die Beine gestellt wurde nur mH 


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durchgebogenen Knien gehen, and war doch jeden Augen¬ 
blick in Gefahr zn fallen, die Kniephänomene waren er- 
losohen; jetzt haben sich die Extensoren gut gebessert, 
Pat. geht flott, das rechte Kniephänomen ist wieder¬ 
gekehrt, das linke fehlt noch, der linke quadriceps fe- 
moris ist noch recht mager; auf einen' Stuhl steigen 
kann Pat noch nicht, Kniebeuge machen kann er nicht. 
Die • Unterschenkel waren auch bei der Aufnahme ganz 
normal, er ging und geht sowohl auf Zehen als Hacken 
flott. In den befallenen Muskeln war teils complette, 
teils partielle Ea. R. vorhanden. Im Bereich der ce¬ 
rebralen Nerven waren keinerlei Lähmungen zu beob¬ 
achten; über ein anderes cerebrales Symptom später. 
Immer normal war die Blasen- und Mastdarm- 
fnnction, und die Sensibilität. Die Psyche war 
immer intact; seine Angaben sind prompt, Pat. ist in¬ 
telligent und von gutem Character. Sein Allgemein¬ 
befinden ist ein gutes, sein Organbefund ein normaler, 
sein Aussehen ein blühendes; er hat Aussicht noch 
lange zu leben, wird aber wohl auch zeitlebens ein 
Krüppel bleiben, denn seine Schultermusculatur wird 
sich nicht wiederherstellen, rechts garnicht, links nur 
sehr unvollkommen. Ob die rechte Oberarrnmusculatur 
wiederkommen wird, ist mehr wie zweifelhaft. Die 
Muskeln des linken Oberarms versprechen freilich wieder 
functionsfähig zu werden, doch dauert die Reparation 
schon recht geraume Zeit und es sind noch keine 
grossen Erfolge in der Bessernng zu constatieren, so 
dass auch eine Reparation dieser Function eine mangel¬ 
hafte bleiben dürfte. 

Und wenn wir unfähig sind einer so schweren Krankheit 
Einhalt zu tun, dam Manne die Möglichkeit zu geben sein 
Brot zum Munde zu führen, geschweige denn mit seiner 
Hände Arbeit zu vordienen, müssen wir der Ansicht 
sein, dass wir solchen Krankheiten gegenüber auch in Zu¬ 
kunft absolut machtlos dastehen werden ? 

Die jüngsten Erfahrungen haben gelehrt, dass, wenn 
wir auch zur Zeit dem einmal etablierten Krankheits- 
processe im menschlichen Nervensystem nicht mehr Ein¬ 
halt gebieten können, wir doch ganz andere Erkenntnis 
durch die jüngsten Erfahrungen in Schweden haben 
schöpfen können, die eine weite Perspective eröffnen, 
die gestatten werden die Mitmenschen vor der Erkran¬ 
kung zu schützen, und dazu, m. Herren, müssen Sie 
Alle in gemeinsamer Arbeit mithelfen — und dieser 
Schutz dürfte schon jetzt sich ins Werk setzen lassen!! 
— Zweitens sind in Norwegen Befunde erhoben worden, 
die freilich sehr der Bestätigung bedürfen, die aber eine 
causale Therapie in der Zukunft als nicht unmöglich 
erscheinen lassen — jetzt müssen wir leider nur con¬ 
statieren — was die böse Krankheit definitiv zerstört 
hat, kehrt nicht wieder! Und, um was für einen Krank- 
heitsprocess handelt es sich denn hier? 

Wenn Sie, m. H., ein Kind vor sich hätten, würde 
keiner von Ihnen zweifeln, dass es sich um eine essen¬ 
tielle Kinderlähmung handelt. Und in der Tat, es han¬ 
delt sich um eine Poliomyelitis; die degenerative Atro¬ 
phie, und die mit ihr im Gefolge auftretenle Lähmung, 
das Freibleiben der Sensibilität, die in¬ 
tact e Blasen- und Mastdarmfnnction, das 
Freibleiben der cerebralen Nervengebiete lassen nicht 
darüber im Zweifel, dass e3 sich um eine Erkrankung 
des Rückenmarks und speciell am eine Erkrankung der 
grauen Substanz des RM.’s handelt; über die Abgren¬ 
zung von der Polineuritis später. 

Sie, m. H., erfahren aus der Anamnese, dass die Er¬ 
krankung acut begonnen hat, am 19. Juni a. c. fühlte 
Pat. sich bei der Arbeit plötzlich krank, ging nach 
Hause, legte sich zu Bett, hatte über Hitze und Kälte 
zu klagen; am nächsten Tage ging er auf den Hof 
hinaus, brach dort zusammen und musste ins Bett ge¬ 
tragen werden; am 16. Juli wurde Pat. ias Staitkran- 


kenhaus aufgenommen, und wir konnten onr das ehrö* 
nische Stadium beobachten, das Herr von Heine 
schon 1840 in so vollkommener Weise beschrieben hat, 
dass fast nnr Duchenne und Erb noch wichtigere 
Ergänzungen hinzufügen konnten. C har cot hatte, ge¬ 
stützt anf Untersuch sögen von P r e vo st nnd V u 1 pi an 
als Grundlage der Krankheit eine Systemerkranknng 
angenommen, einen Schwand der grossen Ganglienzellen 
in der Vordersäule des RM.’s; wen* auch andere Au¬ 
toren eine hervorragende Beteiligung des interstitiellen 
Gewebes und der Gefässe fanden, (Roger nnd D a - 
maschino - Roth, Rissler etc.) so blieb doch die 
Ansicht Charco ts bestehen. Andere Autoren meinten 
Embolie der centralen Gefässe für das Zustandekommen 
des Krankheitsbildes verantwortlich machen zu können. 

Es folgten dann Erfahrungen von Strümpell und 
Pierre Marie, die den infectiösen Character der 
Erkrankung erkannten, und auf ihre grosso Analogie, 
die zwischen der spinalen mit der cerebralen Kinder¬ 
lähmung bestand, aufmerksam machten. Diese An¬ 
schauungen erhielten eine starke Stütze dnreh die Beob¬ 
achtung einer Epidemie von Kinderlähmung 1887 in 
Stockholm von M e d i n, über die er 1890 auf dem 
X. internationalen Congress in Berlin berichtete. Da¬ 
mals erfuhren seine Ansführnngen von He noch eine 
ablehnende Haltung; Heubner stimmte ihnen zn. 
Medin gab eine genaue Schilderung des acuten Sta¬ 
diums und zeigte, dass eine Reihe abnormer Formen 
dnreh ihr gleichzeitiges Auftreten während der Epidemie 
mit der Poliomyelitis einen nahen Zusammenhang zu 
haben schienen, welcher Zusammenhang früher auch 
nicht geahnt worden war. Man suchte nach einem Vi¬ 
rus; Fr. Schnitze fand in einem Fall im Liqnor cere¬ 
brospinalis einen dem W eichsei baum-Jäger sehen 
ähnlichen Diplococcns; andere fanden den Fränköl¬ 
schen Pnenmococcns. Wenn auch von anderen kleine 
Epidemien beobachtet worden, so hat doch erst, 1905 
in Schweden, die grosse Epidemie, in der 1081 Fälle 
registriert werden konnten, den Charakter der Erkranknng 
erkennen lassen, der unsere Anschaunngen über die Er¬ 
krankung von Grund aus zn verändern geeignet ist. 
Der König von Schweden hat die Forschungen in weit¬ 
gehendster Weise unterstützt, und so hat Ivar Wick- 
mann in 2 grossen Werken die Erfahrung Schwedens 
uns übermitteln können. 

Zunächst hat sich ergeben, dass die Kinderlähmung 
auch nicht selten bei Erwachsenen vor* 
kommt, wenn sie auch jugendliche Individuen bevor¬ 
zugt, und das liegt in ihrem Grundelnrakter. Hatte 
Me diu gezeigt, dass sie epidemisch auftritt, hatte 
Lee gard beobachtet, dass sie bei ihrer Verbreitung 
den grossen Verkehrswegen folgt, so war es I. Wick- 
mann Vorbehalten zu zeigen, dass sie auch .contagiös 
ist, direct nnd durch Zwischenträger übertragbar ist. 

Und, m. H., der Ihnen vorgestellte Kranke gibt an, 
dass ein Kranker, der mit ähnlichen Erscheinungen 
behaftet gewesen sein soll, ihn kurze Zeit — 3 Tage — 
vor seiner eigenen Erkrankung besuchte, für gewöhnlich 
würde eine solche Angabe wohl kaum unsere Auf¬ 
merksamkeit beanspruchen dürfen, falls wir aber den 
Verdacht haben, dass es sich am eine contagiöse Krank¬ 
heit handelt, dann wohl. 

Ein zweites Moment: ich habe im Lanfe dieses Som¬ 
mers 3 Fälle von sog. seröser Meningitis in der Ab¬ 
teilung beobachten können, die alle schnell ansheilten, 
nnd habe im Frühjahr einen Fall von Landryscher 
Paralyse zu beobachten Gelegenheit gehabt, der seiner 
Erkranknng erlag. Anf den ersten Blick erscheint eine 
solche Bemerkung absurd; doch die weiteren Ausfüh¬ 
rungen werden zeigen, dass ein Zusammenhang dieser 
Fälle sehr wohl vorhanden sein kann. Und wenn es 
sich in diesen Fällen um eine contagiöse Erkrankung 


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bandelt, können wir nicht in unseren Tagen berech¬ 
tigter Weise die Hoffnung haben, Mittel zu finden gegen 
diesen Feind? — Die glänzenden Erfolge, die die med. 
Wissenschaft in diesem Jahr in der Bekämpfung der 
Cholera gehabt hat, lassen erhoffen, dass es bei den er¬ 
weiterten Kenntnissen, die wir Schweden zu verdanken 
haben, auch gelingen wird einem so furchtbaren und 
folgenschweren Leiden wie der Poliomyelitis zu steuern! 

Die Cholera lässt ihre Opfer sterben, oder sie lässt 
sie genesen, macht sie nicht ffir die übrige Zeit ihres 
Lebens za Krüppeln; die Cholera hat heute all ihre 
Schrecken verloren. Die Poliomyelitis acuta bedroht 
heute den Menschen mit schwerstem Unglück! 

Während der Epidemien 1905 konnten 11 Sectionen 
gemacht werden, Wickmann hat 6 Fälle path.- 
anatom. untersuchen können. Seine Untersuchungen, die 
er im Homenschen Institut in Helsingfors gemacht hat, 
haben gezeigt, dass der Poliomyelitis acuta eine infil¬ 
trierende interstitielle Entzündung za Grunde liegt, die in 
die in dissiminierten Herden regelmässig im ganzen 
Centralnervensystem, im RM. und Gehirn zerstreut sieb 
nach weisen lassen. Der Name Poliomyelitis bezeichnet 
also nicht das Wesen der Krankheit. Die Infiltrationen 
haben zu den einzelnen Ganglienzellen und Ganglien¬ 
zellengruppen keine directe Beziehung; in der med. obl. 
war die kleinzellige Infiltration regelmässig stärker 
ausserhalb, als innerhalb der Nervenkerne vorhanden. 
Im RM. sind die Anschwellungen und die graue Substanz 
und hier in den Vorderhörnern am stärksten befallen, 
doch fiadet sich die Infiltration regelmässig auch ausser¬ 
halb der Vorderhörner in der weissen Substanz und in 
der Pia. Im oberen Lumbalmark und dem unteren 
Dorsalmark sind nicht die Vorderhörner, sondern die 
Klarkschen gewöhnlich stärker befallen. Die Infiltration 
begleitet, wie es scheint, die Gefässe, Arterien und 
Keoen, centrale und periphere in gleicher Wei3e; Pro- 
eesse, die auf eine embolische Entstehung der Erkran¬ 
kung schliessen liessen, konnten nicht nachgewiesen 
werden. Eine Degeneration von Ganglienzellen kommt 
ohne interstitielle Veränderung nicht vor, dagegen kom¬ 
men, namentlich in der med. obl. gelegentlich normale 
Ganglienzellen neben alterierten Gefässen vor, und so 
nmss die hauptsächlichste Ursache zu dem Zugrunde¬ 
gehen der Ganglienzellen in dem interstitiellen Process 
gesneht werden. — Die Veränderungen bei der 
Poliomyelitis aenta der Erwachsenen sind 
denjenigen der spinalen Kinderlähmung völ¬ 
lig ähnlich. Diese Verändernngen stimmen auch 
völlig überein mit den Befunden, die in manchen Fällen 
von Landryscher Paralyse und bei der Lyssa ge¬ 
funden worden sind. — Ich zeige Ihnen hier vergrös- 
sert Wickmann sehe Präparate. Zunächst ein Schoitt 
ans dem R. Vorderhorn des Sacralsegmentes; die Gan¬ 
glienzellen sind vollkommen intact, wie die eine Zelle 
deutlich zeigt, die andern dunklen Klumpen stellen auch 
normal aussehende Zellen dar, liegen aber in anderer 
Höhe und konnten nicht zu gleicher Zeit scharf einge¬ 
stellt werden; zwischen ihnen die kleinzellige Infiltra¬ 
tion. Das Gleiche au einem 2. Präparate, ln den beiden 
anderen Bildern dieselbe Infiltration in der Pia und in 
der weissen Substanz des RM. — Die 2. Tafel zeigt 
Ihnen dieselbe Infiltration im Hirn, speciell in der Pia 
nnter dem Chiasina und im Hypnglossuskern; die Zellen 
sind intact, um sie herum dieselbe kleinzellige Infiltra¬ 
tion. Einige Teile ans dem Präparat in stark ver- 
grössertem Massstab©, Sie sehen die 2 grossen Zellen 
vollkommen normal. — Wird die Infiltration heftiger, 
so degenerieren sie seenndär wie dieses Bild zeigt; es 
sind nur noch Schatten sichtbar, die nnr Reste oder 
gar keine Kerne mehr zeigen. Aehnliche Schnitte bildet 
Wickmann ab, aus der Hirnrinde, den grossen 
Ganglien. 


Schliesslich schwinden die Zellen in den am stärksten 
befallenen Teilen ganz; so dass keine Zellen mehr auf¬ 
findbar sind, und die durch diesen Schwund der Zellen 
bedingten Atrophien der Muskeln sind irreparabel 
— wie in unserem Fall die Atrophie der Muskeln des 
Schultergürtels. 

Nach diesen Erfahrungen können wir uns beim Kranken 
Sahlit die Symptome leicht erklären. Am stärksten be¬ 
fallen ist der obere Teil der Halsanschwellung, und hier 
sind viele, die meisten Zellen za Grunde gegangen; 
weniger afficiert ist die Lendenanschwellnng und das 
Bruslmark. Für die stete Beteiligung des Hirns, spe¬ 
ciell der Pia zeigten sich bei Sahlit in bis in jüngste 
Zeit bestehenden starken Kopfschmerzen und Agrypnie. 
Zu Atrophien oder Lähmungen im Bereich der Hirn¬ 
nerven ist es bei Sahlit nicht gekommen. Während 
der Epidemie in Schweden ist aber solches öfters beob¬ 
achtet worden, und das Bild aus dem Hypoglossuskern 
illustriert die Beteiligung. Fällt die Beteiligung des 
RM. am Process sehr gering aus, und fallen die Läh¬ 
mungen fort, so besteht ein rein cerebraler Symptomen- 
complex unter dem Bilde der Meningitis. 

Und es verhält sich wirklich so. Es war schon Me- 
d i n durchs Studium seiner kleineren Epidemie bekannt 
geworden, dass neben den Fällen, die uns allein als 
Kinderlähmung bekannt sind, gleichzeitig Erkrankungen 
zu beobachten waren, die keine Rückenmarkslähmuogen, 
sondern eine Lähmung eines Cerebralnerven, oder gar 
keine Lähmungen zeigten, und so nur das Bild einer 
I Meningitis hervorriefen. Die grosse Epidemie 1905 
hat nun diese Erfahrung Me di ns bestätigt, und ge¬ 
zeigt, dass nicht nur solche Symptomenbilder, sondern 
noch andere Erkrankungsformen gleichzeitig zu beob¬ 
achten sind, die im nächsten ätiologischen Zusammen¬ 
hang mit den Lähmungsforraen stehen. Dazu diente in 
erster Linie ein genaues Studium des acuten Stadiums; 
meist bekommt der Neurolog erst das chronische Sta¬ 
dium zu Gesicht, und die Fälle, in denen keine Läh¬ 
mungen folgen, sieht er garnicht. 

Es gilt als Regel, dass die Erkranknug acut mit 
Temp. bis 39° auch 40° beginnt; doch es können Pro¬ 
drome einige Tage vorhergehen, und sie kann sich io 
2 Schüben entwickeln; nach einem verhältnismässig 
leichten ersten Anfall ohne Lähmung folgt nach einiger 
Zeit, in welcher die Leute sogar ihrer schweren Arbeit 
nachgegangen waren, ein zweiter, der zu Lähmungen 
führen kann. Diese Beobachtung mahnt in therapeu¬ 
tischer Beziehung zur Vorsicht; auch beide Schübe 
können von Lähmang gefolgt sein, der 2. verbreitet 
dann die Lähmung. Leegard sah eine Zwischenzeit 
von 3 Wochen. Die Temperaturerhöhung dauert 2—ö—7 
Tage, kann aber auch mit 2 Erhöhungen der Curve 8—10 
Tage dauern. Somnolenz ist oft sehr ausgesprochen, 
Kopfschmerzen sind fast constante Begleiter des Fiebers. 
Localisiert sioh der Kopfschmerz im Hinterhaupt, so kann, 
wenn er sich mit Steifigkeit des Nackens oder Con- 
tractureu der Nackenmuskelu vergesellschaftet, was 
beides vorkommt, das Bild einer Cerebrospinalmeningitis 
Vortäuschen; das Bild der Meningitis wird noch deut¬ 
licher, wenn Druckempfindlichkeit der proc. spinosi, 
wenu Steifigkeit des Rockens und richtiger Orthoionus 
and hochgradige Raohialgie in die Erscheinung treten. 

Eine nicht seltene Hyperaigesie der Haut kann 
in Verbindung mit den letzten Symptomen einen Ge¬ 
lenkrheumatismus Vortäuschen, doch kommen Gelenker- 
kranknngen nicht vor. Diese sensiblen Reizsymptome 
sind ausserordentlich häufig; nnr werden sie in den 
Lehrbüchern zu wenig betont. Objective Störung der 
Sensibilität ist selten; Störungen der Schm. E., wie 
Wer nicke sie einmal beobachten konnte, sind selten, 
sind aber vereinzelt beobachtet worden. M e d i n sah 
auch in einem Fall neben der Hyperaigesie, eine völlige 


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24 


Amnesthesie. Die anatomischen Befunde, die eine häu¬ 
fige und ausgedehnte Beteiligung der Hinterhörner nach- 
gewie«en hat, Hessen eigentlich ein häufigeres Auftreten 
von Sensibilitätsstörung wahrscheinlich erscheinen. Oft 
kann aber die von Oppenheim schon gesehene elek- 
trocutane Hypaesthesie beobachtet werden, die ja wohl 
nur bei älteren Kindern und Erwachsenen geprüft wer¬ 
den kann. In meinem Fall war eine sehr deutliche 
Herabsetzung der Schm. E. während der ersten elektri¬ 
schen Prüfungen zu sehen, die jetzt einem normalen 
Verhalten gewichen ist; bei vollkommen normalem Ver¬ 
halten allen sensiblen Reizen, spec. Nadelstichen gegen¬ 
über, machten starke, äusserst schmerzhafte, elektrische 
Ströme anfangs keinen, oder nur sehr geringen Ein¬ 
druck auf den Pat. — Convulsionen, wenn beobachtet, 
deuten auf eine starke Beteiligung des Cerebrum. 
Zuckungen und Tremor kommen nicht oft vor, werden 
aber beobachtet. Gastrointestinale Erscheinungen sind 
oft vorhanden, Erbrechen selten, Diarrhoen aber häu¬ 
figer. Die Darmerscheinungen können das ganze Krank¬ 
heitsbild beherrschen, dass man meint einen einfachen 
Darmkatarrh vor sich zu haben. Störungen der Blase 
und des Mastdarmes hat man bisher immer negiert und 
ihr Fehlen als differentialdiagnostisches Moment betont. 
Kann solches auch heute noch fürs chronische Stadium 
fast ausnahmslos gelten, so ist sowohl von Med in, 
als auch von W i c k m a n n im acuten Stadium nicht ganz 
selten Harnretention beobachtet worden, die einige Mal 
durch den Catheter bekämpft werden musste; einige 
Male ist Urinincontinenz beobachtet worden, doch auch 
diese dauerte nur einige Tage. 

Bei dem oft sehr hochgradigen Befallensein des unteren 
Abschnittes des R. M.'s ist die Seltenheit von Blasen- 
und Mastdarmstörung immerhin auffallend und könnte ihre 
Erklärung finden in der Theorie Müll er’s, der die 
Centren für Blase und Mastdarm aus dem RM. in die 
sympathischen Geflechte des Beckens verlegt, welche 
Anschauung von Wickmann im Anschluss an 
Oppenheim besonders betont wird. 

Bei der weiteren Beobachtung und Durchforschung der 
Epidemie haben sich weitere, höchst interessante Be¬ 
obachtungen ergeben. Neben den Fällen mit spinalen 
Lähmungen, die wohl heilten, aber atrophische Glied¬ 
massen zurückliessen, sah man progressive Fälle, die 
unter dem Bilde der Landryschen Paralyse ad 
finem gingen. Auf der andern Seite sah man gleich¬ 
zeitig Glieder derselben Familie erkranken, bei denen 
es zu keinerlei Lähmungen kam, die initialen Symptome 
aber denen ihrer Geschwister oder Hauseinwohner 
conform waren. Diese von Wickmann als „abor¬ 
tive" bezeichnete Formen, sind fürs Verständnis, der 
Epidemien von grosser Wichtigkeit. Weiter sind die Er¬ 
fahrungen von Med in erweitert und bestätigt worden. 
Es kommen nicht nur Lähmungen der pontinen, sondern 
auch bulbären Nerven vor. So kommen isolierte Er¬ 
krankungen am häufigsten des Facialis, mit ihm oder 
allein des Hypoglossus vor. Isolierte Gaumensegellähmung, 
isolierte Ophthalmoplegia ohne Ptosis und isolierte 
Ptosis sind beobachtet worden. Das sind wohl die Fälle, 
die von Oppenheim unter der Bezeichnung der 
„Encephalitis pontis des Kindesalters" be¬ 
schrieben worden sind. In diesem Zusammenhang er¬ 
scheint die Oppen heim sehe Encephalitis als eine 
Teilerscheinung der Heine-Medinschen Krankheit. 
Dysarthrie und Dysphagie, Beeinträchtigung der Larynx- 
musketn und Respirationsbeschwerden, die auf eine Be¬ 
teiligung der Vagus schüessen lassen, sind öfter ge¬ 
sehen worden. Gegenüber andern Formen, so der Polioen¬ 
cephalitis acuta inf. ist zu betonen, dass die Lähmungen 
bei der Heine-Medinschen Krankheit in der 
Regel einseitig oder wenigstens asymmetrisch sind. Nur 
ein einziger Fall ist von Media beobachtet worden, in 


dem eine Diplegia facialis vorlag. Von der Wer- 
nicke sehen Polioencephalitis acuta superior unterschei¬ 
den sich die Fälle der Heine-Medinsehen Krankheit 
durch den afebrilen Verlauf der W e r n i c k e sehen 
Polioencephalitis, und ihr Auftreten mit oder nach einem 
Delirium tremens, dem Tnmor uud den psychischen 
Symptomen. 

Weiter haben die Epidemien ln Schweden gezeigt, 
dass das Virus der Poliomyelitis acuta auGh cerebrale 
Lähmungen machen kann, spastische Mono- und Hemi¬ 
plegien. Warum werden solche Fälle aber so selteu be¬ 
obachtet ? denn iu sämtlichen tödlich verlaufenden 
Fällen, die von Redlich und von Wickmann 
untersucht worden sind, ist das gleichzeitige Befallenseiu 
des Gehirns nachgewiesen worden. 

Es kommen hier wohl 2 Momente in betracht. Am 
häufigsten werden Erscheinungen beobachtet, die durch 
Erkrankungen des unteren RM.abschnittes ausgelöst 
werden, daher die schlaffe Lähmung der Beiue oder eines 
Beines am häufigsten. Wickmann meint, dass die 
Annahme einer lymphogenen Entstehung der acuten 
Poliomyelitis die Seltenheit der Combination der spasti¬ 
schen und schlaffen Lähmung ohne weiteres erklärlich 
mache, denn erfahrungsgemäss setzten die Verände¬ 
rungen erst im Lumbal- und Sacralmarke ein und das 
Gift passiere, wenn es im RM. emporsteige, meist den 
Bulbus, wobei immer das Leben in höherem Masse be¬ 
droht werde." Bevor es zur EntwiokeluDg einer cere¬ 
bralen Hemiplegie komme, stürben viele Kranke ! Ein 
2-tes Moment sei aber ein anderes und dieses scheint 
mir von grösserer Bedeutung zu sein und erklärt die 
Seltenheit der cerebralen Hemiplegie einfacher. Die 
path. Anatomie der Erkrankung zeigt, dass die Verände¬ 
rungen im Hirn ebenso wie im RM. keinen systematischen 
Charakter zeigen, dass sie herdweise zerstreut in allen 
Teilen des Hirns Vorkommen, und sich anf die Central¬ 
windungen oder grossen Ganglien durchaas nicht be¬ 
schränken, sondern dieselben ganz frei lassen können. 
Es müssen also besonders dichte Infiltrationsherde in 
grösserer Ausdehnung in den motorischen Regionen zu¬ 
stande kommen um cerebrale Lähmung zu erzeugen; 
und dieses ist selten der Fall, liegt nicht im Charakter 
der Krankheit. Die bei meinem P&t. bis in die jüngste 
Zeit bestehenden Kopfschmerzen und die Schlaflosigkeit, 
demonstrieren eine intensivere Beteiligung des Hirns, 
und lassen vermuten, dass die Erkrankung des Hirns 
eine hochgradigere war, als es änsserlich den Anschein 
hatte. Von den Aerzten ist aber in Schweden während 
der Epidemie 1906 öfter über Aphasie berichtet 
worden, was anch Medin beobachten konnte. Nun 
gibt Oppenheim, in dem mit Cassierer ge¬ 
meinsam bearbeiteten Capitel über die Encephalitis im 
Nothnageischen Sammelwerk an, dass in einem 
grossen Procentsatze von Fällen „von acuter, nicht 
eitriger Encephalitis" eine Aphasie als das am meisten her¬ 
vortretende Localsymptom beobachtet werde. Diese An¬ 
gaben von der Epidemie in Schweden and die Angaben 
Oppenheims müssen die Aufmerksamkeit erregen. 
Sind nicht diese Fälle von „nicht eitriger Encephalitis" 
mit der Heine-Medin sehen Krankheit in nahe Be¬ 
ziehung zu bringen? sind es nicht am Ende cerebrale 
Fälle der Heine-Medinschen Krankheit? 

Auf die Beziehungen der spinalen zur cerebralen 
Kinderlähmang hat zuerst 1884 Strümpell anf der 
Naturforscherversammlung zu Magdeburg aufmerksam 
gemacht; er betonte, dass das Charakteristische, das 
Gemeinsame das febrile Initiälstadium sei; und nur 
durch dieses Initialstadiura unterscheidet sich die cere 
brale Form der Heine-Medinschen Krankheit von 
den andern sehr zahlreichen cerebralen Hemiplegien, 
die auf einer durchaus anderen Aetiologie beruhen. 


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Weiter sind während der Epidemie 1905 die schon 
von Med i n gleichzeitig mit den Lähmungsformen auch 
Fälle von acuter Ataxie beobachtet worden. 
Wickmann hat seihst einige Fälle zu untersuchen 
Gelegenheit gehabt. Atrophien treten bei diesen Fällen 
im Gegensatz zu den übrigen nicht ein und die Knie- 
Phänomene können gesteigert sein. So sah Wick¬ 
mann 2 Brüder, deren Schwester am 3. VIII. 05 er¬ 
krankt war u. am Tage darauf starb, nachdem sich 
ausgedehnte Lähmungen eingestellt hatten, mit acuter 
Ataxie erkranken. Beide Brüder erkrankten mit Kopf¬ 
weh, Erbrechen, Diarrhoe und Somnolenz. Lähmungen 
traten nicht ein, doch trat unsicherer, taumelnder, 
schwankender Gang auf, bei dem einen fehlten die 
Patellarreflexe, bei dem andern waren sie herabgesetzt; 
bei beiden war nach einer Woche die Norm wieder 
erreicht. Drei andere Geschwister waren gleichzeitig mit 
ähnlichen Initialsymptomen erkrankt ohne später irgend 
welche motorische Störungen darzubieten. 

Med in war geneigt eine complicierende Neuritis für 
die Ataxie verantwortlich zu machen; doch meint 
Wickm ann dieses leugnen zu müssen. Die Ataxie hat 
meist einen cerebellaren Charakter uud ist gelegentlich 
vergesellschaftet mit Symptomen des Hirnstammes, muss 
somit auf die Läsionen dieses raitbezogen werden. In 
anderen Fällen ist die Ataxie mit Erscheinungen ver¬ 
bunden, die direct aufs RM. weisen. 

Medin weist auf Untersuchungen von Riessler 
hin, der in betreffenden Fällen eine Erkrankung der 
Ganglienzellen der Clarkschen Säulen gefunden hatte; 
eine Entscheidung der Frage muss die Zukunft lehren. 
Mir will jedoch nach meinen Erfahrungen an 
ander „a enteil alcoholischen*) und der 
tranm a tischen' A tax i e" **) scheinen, dass 
sich in vielen der hierher gehörigen Fälle 
von acuter Ataxie nicht Läsionen der peri¬ 
pheren Nerven oder des RM.’s, sondern des 
Cerebrum als der Sitz der Störung werden 
erken ne n lassen. 

ln vivo, m. H., ist oft eine Entscheidnng ob die Läh- 
mnngen auf eine Läsion der peripheren Nerven oder 
des RM.’s znröckzuföhren sind schwer. Oft lässt nur der 
allendliche güustige Ausgang, die Heilung der Lähmung 
retrospectiv entscheiden, dass es sich nm eine Polyneu- 
ritis gehandelt bat. Starke Schmerzen, Druckempfindlich¬ 
keit der Nervenstränge, Symmetrie der Lähmung und 
schnelle Heilung haben so manchen schwedischen Arzt 
(z. B. Dr. Landgren - Vexis) dazu veranlasst an Poly¬ 
neuritis zu denken. Aus denselben Gründen meinte 
aoeh Medin die Fälle von acuter Ataxie auf eine 
Polyneuritis beziehen zu können. Klinisch ist aber wohl 
die Flüchtigkeit der Schmerzen und die Asymmetrie und 
die Abwesenheit von objectiven Sensibili¬ 
tätsstörunge n gegen die Anschauung einer Polyneu- 
ritis ins Feld zu führen und in der Tat ist es sowohl 
Wickmann selbst, wie auch Forssner und SjÖ- 
vall, die 2 Fälle aus derselben Epidemie untersuchten, 
nicht- gelungen Läsionen der peripheren Nerven zn 
finden. Alle fanden schwere Läsionen des RM.’s uud 
Gehirns, die peripheren Nerven aber frei. 

Bei meinem Kranken ist anscheinend eine Symmetrie 
der Lähmung Vorhanden, doch sehen wir genauer zu, so 
sehen Sie, m. H., doch deutlich Asymmetrie; der linke 
Oberarm ist viel weniger befallen als der rechte, der 
linke Oberschenkel bedeutend stärker als der rechte, 
die linke Banchmuskulatur sehr bedeutend mehr, als 
die rechte, unJ objective Sensibilitätsstörungen waren 

*) Ueber acute Ataxie, Den lache Zeit sehr. für Nervenheil¬ 
kunde* Bd r ß4, p. 456. 

**) 8t Petersburg med. Woch. 190& Nr. Ueber acute 
traumatische Ataxie». * 


nie nachweisbar. Somit ist hier an eine Neuritis nicht 
zu denken, sondern die Diagnose einer RM. Erkrankung 
bleibt bestehen! 

Sind die Relationen zur Polyneuritis oft schwer aus¬ 
einander zu halten, so ist das Verhältnis zur Meningitis 
ein viel schwierigeres. 

Sie wissen, m. ll., dass Fr. Schul tze und nach ihm 
Concetti, Loof und Dethloff in Fällen von 
Kinderlähmung den Weichselbaum sehen Menin- 
gococcus in der Cerebrospinalflüssiekeit gefunden zu 
haben glauben. Während der Epidemien hat man: 
1) Fälle gesehen, die mit starken meningialen Reizer¬ 
scheinungen beginnend, später Läbmnngserscheinüugen 
zeigten, und 2") Fälle, wo die Lähmungen ansbleiben. 
Die allendliche Entscheidung muss ja wohl die Bacterio- 
logie bringen. Doch schon heute haben wir Anhalts- 
puncte von nicht geringer Bedeutung. In -einigermaßen 
charakteristischen Fällen ist das kliuische Bild so ver¬ 
schieden von einander, dass eine Verwechselung schwer ist 

Nehmen wir einen Fall von Cerebrospinalmeningitis, 
der leicht verläuft, in dem nicht einmal Somnolenz 
deutlich hervortritt, ohne Lähmnng, und nehmen wir 
einen schweren Fall von Heine-M edinscher Krank¬ 
heit, der das Bild der reinen Meningitis ohne Lähmung 
zeigt; gewiss die Unterscheidung wäre schwer, wenn die 
Fälle sporadisch auftreten, losgelöst aus ihrer Umgebung, 
zur Beurteilung vorlägen, und wir nur das äussere 
Bild zu sehen Gelegenheit hätten, doch ist sehr wohl 
eine Unterscheidung möglich, wenn wir, die Unter- 
suchnng vertiefen. Ich stellte auf dem XX. livl. Aerzte- 
tag ein junges Mädchen vor, das vollkommen gesund 
geworden ist, keine Recidive, speciell keine hydroeepha- 
lischen Erscheinungen zeigte, sondern frisch nnd stramm 
arbeitet, and während ihrer Krankheit nie wirklich be¬ 
nommen war, wohl über heftige Kopfschmerzen klagte, 
doch ein anscheinend wenig schweres Leiden zeigte, und 
man hatte nach dem Verlauf denken könuen, es handele 
sich nicht um eiue eitrige Erkrankung, sondern viel¬ 
leicht um einen Fall von M edinseher Krankheit. 
Doch das Fieber dauerte lange — bei Heine-Me- 
d i n scher Krkht. dauert es nur 2—7 Tage — hier 
mehrere Wochen, uud ihr Liquor cerebro-sp. zeigte rein 
eitrige Beschaffenheit. Den günstigen Verlauf meine ich 
äüf täglich wiederholte Punctiouen beziehen zu können. 
Im Gegensatz hierzu hat der Kranke Sahlit und. alle 
3 Fälle von seröser Meningitis, die ich im Sommer be¬ 
obachtete und punctierte — nnd die Zeit der Heine- 
Medin sehen Krkht. ist der Sommer, — die der Cere¬ 
brospinalmeningitis das Frühjahr — Lympbocytose 
gezeigt, mononucleäre Zellen. 

Und nun ist interessant, dass Wickmann nach- 
weisen konnte, dass das Infiltrat der Pia bei Iieine- 
Medin scher Krkht. ausschliesslich aus mononucleären 
Lymphocyten, einkernigen Elementen besteht. Polynucleäre 
Zellen liessen sich nicht nachweisen, und hierin liegt 
der Unterschied der beiden Krankheiten. 

In Schweden ist es nicht gelangen einen Coccus zu 
züchten, auch in den microscopisehen Präparaten fanden 
sich keine Bacterien; aber in einer gleichzeitigen Epi¬ 
demie in Norwegen ist es Geie rswald gelungen einen 
grampositiven bohnenförmigen Diplo — resp. Tetra Coccus 
zu züchten, der graue, später weisslich werdende Colo- 
nien gibt. In 16 Fällen konnte er den Liquor unter¬ 
suchen, in 2 Fällen, die früh letal endigten, konnte er 
an der Leiche die Lumbal punction machen, nnd fand 
einen rötlichen Liquor, der in einem Falle klar, im 2-ten 
trübe war und das Aussehen einer jnngen Cultur hatte. 
Beide Flüssigkeiten enthielten enorme Mengen Bacterien. 
Die Angaben bedürfen wohl der Bestätigung. Ich habe 
den Liquor des Sahlit nicht bacteriologisch untersuchen 
lassen, die Eigentümlichkeiten des Krankheitsbildes 


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lassen schliessen, dass der Feind schnell sich entwickelt, 
viel Schaden anrichtet — selbst aber kurzlebig ist, and 
schnell aus dem Liquor wieder verschwindet, daher die 
negativen Befunde in der schwedischen Epidemie, und 
der Kranke Sahlit kam erst in der 4-ten Woche ins 
Krankenhaus. 

Und nun, m. H., die letzte und epidemiologisch und 
klinisch interessanteste, die abortive Form — be¬ 
trachten wir am besten zusammen mit den epidemio¬ 
logischen Eigentümlichkeiten derEpide- 
m i e. 

Die interessantesten und prägnantesten Daten, die die 
Epidemie zeigte, bot die Schulepidemie von Trästena, 
dar, die ich hier im Schema vorführe. Der Bezirk 
Trästena hat ein Areal von 32 Qu.-Kilom. die Einwoh¬ 
nerzahl beträgt etwa öOO. Während der Epidemie er¬ 
krankten hier nicht weniger als 49 Personen verschie- | 
denen Alters; bei 26 traten Lähmungen auf, bei 23 j 
konnte keine Lähmung nachgewiesen werden. j 



Die ausgezogenen Linien bedeuten directe Uebertragung, 
die gestrichelten indirecte (durch Zwischenpersonen). 
Die Parenthesen bezeichnen abortive Formen. X=Schule. 

455—458 = Kinder des im Schulhause wohnenden 
Lehrers. 

Es erkrankte am 28. Juli 1905 acut mit Fieber, 
Kopfschmerzen ein 11-jähr. Knabe (481) der in der 
Folge keine Lähmungen zeigte. Dieser Knabe besuchte 
die Schule von Trästeua. Nach einigen Tagen erkrankte 
nun eine Menge jüngerer und älterer Einwohner von 
Trästena, 7 Schüler der Schule. Also durch eine abor¬ 
tive Form ist die ganze schwere Epidemie im Ort 
Trästena erzeugt worden. Dabei ist gleich zu bemerken, 
dass nach einiger Zeit zwei Schwestern dieses Knaben 
auch erkrankten, auch an abortiven Formen. Die 
Schwester, ca. 17 Jahre, ist nicht bettlägerig gewesen; 
die Erkrankung des Bruders kann als leichte meuingi- 
tische Form angesprochen werden. 

Zunächst erkrankten, 3 Tage nach Erkrankung des 
ersten Knaben die Kinder des Lehrers von 10, 11 und 
14 Jahren, am 2., 5. und 10. Juli und am 19. Juli eine 
18-jährige Schwester des Ersterkrankten. Bei den ersten 
handelte es sich nur um abortive Fälle mit schweren 
Fiebersymptomen, bei der letzten traten zum ersten 
Mal Lähmungen auf, und zwar nur eine linkseitige Läh¬ 
mung des Facialis — also eine pontine Form! 

Gleichzeitig erkranken am 2., 3. und 4. Juli 6 Kinder, 
die die Schule besuchten und erzeugen zu Hause Haus¬ 
epidemien. Die directe Uebertragung ist durch volle 
Linien angedeutet. Es entstehen schwerere und leichtere 
Hausepidemien. So erkrankt am 4. Juli ein 9-jähriges 
Mädchen; bei ihr entwickelt sich eine leichte Parese 
des r. Beins; ihr 12-jähriger Bruder erkrankt am 


10. Juli, zeigt nur eine abortive F'orm ohne Lähmungen, 
jedoch erkranken eine 5 jährige Schwester und ein 
7-jäbr. Bruder mit schweren Lähmungen, erster*» mit 
Lähmung fast des ganzen Körpers, der Bruder mit Läh¬ 
mung der Beine und Arme und stark ausgesprochener 
Rückensteifigkeit; schliesslich erkrankte am 23. Juli 
eine 17-jähr. Schwester und geht unter den Erschei¬ 
nungen einer zunehmenden Atemnot und Schluckläh¬ 
mung ad fluem, das Bild der Landryschen Para¬ 
lyse. Es bestand Lähmung des rechten Arm^s und 
Schwäche der Beine; hier also das gegenteilige Bill wie 
bei den Kindern des Lehrers, dort 3 abortive Fälle uud 
nur ein Lähraungsfall, hier nur ein abortiver Fall und 
3 schwere Lähmungsfälle mit einem Todesfall. In an¬ 
dern Häusern traten ähnliche Verhältnisse auf; in dem 
i einen nur Lähmungsfälle, in einem andern 4 abortive- 
j Fälle und ein Lähraungsfall. So erkrankte am 12. Juli 
der 11-jähr. E. L. (477); es kam nur znr Parese des 
linken Beines; seine 3 Brüder erkrankten am 16., 20. 
uud 22. Juli; der Erste zeigte Schwäche beider Beine, 
geuas vollkommen, die beiden andern Brüder zeigten 
die Erscheinungen der Landryschen Paralyse und 
starben beide. In andern Häusern erkrankten 2 Kinder 
an abortiven Formen, einer mit leichten Sehstörungen, 
dann aber die 2 Dienstmädchen von 15—17 Jahren; 
die 15-jähr. zeigte keine Lähmungen, die zweite aber 
zeigte P&rese des rechten Armes und Beines, die Mus¬ 
keln und Nervenstämme waren druckempfindlich 
bei normaler Sensibilität. Dieser Fall könnte somit 
nach den geläufigen Anschauaugen mehr als Polyneuritis 
imponieren; die zweite Dieustraagd im Hause zeigt nur 
eine abortive Form. 

Wahrend dieser Epidemie zeigte es sieb, dass auch 
durch gesund gebliebene Kinder der Schale Erkrankung 
vermittelt wurde. Die unterbrochenen Linien sollen 
solches andeuten. 

So erkrankten nicht weniger als in 5 Familien nicht 
die Kinder selbst, die die Schule besuchten, sondern 
andere Familienglieder; die Schulkinder stellen so Mit- 
I telpersonen, sog. „Bacillenträger“ dar; In den Häusern, 
die durch directe Uebertragung inficiert worden sind, 
traten die Erkrankungen vom 28. Juni -12. Juli auf, ia 
denen mit indirecter Uebertragung traten die Erkran¬ 
kungen vom 13.—23. Juli auf. Am 15. Juli wurde die 
Schule geschlossen und die Epidemie erlischt im Laufe 
des August. 

Es gibt wohl kein besseres und durchsichtigeres Bei¬ 
spiel für die epidemiologischen Eigenschaften einer 
Kraukheit. 

Für meinen Fall Sahlit ist interessant, dass sich das¬ 
jenige, was Sahlit in seiner Anamnese angegeben, hier 
in gleicher Weise zugetragen hat Der Kranke 
484 besucht den 470, der am 19. Juli erkrankt war, 
und erkrankt selbst am 22. Juli, also auch 3 Tage 
später. Seine Erkrankung, die abortiv blieb, hatte 
zwei weitere Erkrankungen im selben Hause zur Folge, 
von denen eine letal endigte, die andere abortiv blieb. 
Aus demselben Hause, dem des Gärtners vom Gute, aus 
dem diese Erkrankungen stammen, ist wahrscheinlich 
100 Kilom. weiter ein neuer Herd entstanden. Eine Frai* 
befindet sich im nachbarlichen Kirchspiel mit ihrem ge¬ 
sunden Kinde, wird von ihrer Schwester, die in Trästeoa 
bei diesem Gärtner diente, besucht; das Kind erkrankt, 
wird nach Hause gebracht und inficiert za Hause seinen 
Vater, der mit Lähmung eines Beines and ein anderes 
Kind, das mit Lähmung beider Beiue erkrankt. 

Aehnlich mag der Vorgang bei der Erkrankung des 
Falles 497 gewesen sein. Der Vater dieses Kindes ar¬ 
beitete im Gärtoerhaus, aber das Kind hatte anch einen 
Bruder, der die inficierte Schule besuchte. 

Die Epidemie ist hier in Trästena zum Ausbruch ge¬ 
kommen, im benachbarten Mariestad sind im Februar 


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1905 einige Fälle registriert worden; im Mai einige 
weitere, bis dann im Jnni die Epidemie in Trästena 
auftritt und sich von hieraus „ziemlich „contiouierlich“ 
nach allen Richtungen hin weiterverbreitet, gewöhnlich 
io einzelnen Fällen auftretend, die jedoch an mehreren 
Stellen Gruppen bilden, innerhalb denen eine Ueber- 
iragung von Person zu Person gelegentlich beobachtet 
wird“. Also meist die Herkunft der Erkrankung dun¬ 
kel wie bei uns. Erst die Epidemie in Trästena zeigte 
klare, durchsichtige Verhältnisse; für viele Herde war 
nur der Umstand auffallend, dass sie an denselben Ver¬ 
kehr Strassen lagen. 

Prognose: man war der Ausicht, dass die Prognose 
bei jugendlichen Individuen, bei Kindern eine ungün¬ 
stigere wäre. Wiek mann hat die Morbidität und 
Mortalität der Epidemie aus 868 Lähmungsfällen be¬ 
rechnet und in eiuer Tabelle graphiert dargestellt. Es 
zeigt sich in dieser, dass mit zunehmendem Lebensalter 
die Erkrankungen wohl abnehmen, ein höheres Alter 
somit vor dem Erkranken bis zu einem gewissen Grade 
schützt, dass dafür aber die Erkrankung je älter das 
Individuum, um so ernster aufzufassen ist — die Mor¬ 
talität steigt mit dem Alter. 

Und lioo, m. H., znm Schluss der Name. Der Name 
Kinderlähmung würde ja wohl für alle Formen gemein¬ 
sam bei Kindern zu verwenden sein; man wäre auch 
bei der pontinen, den auderen Formen, den Hemiplegien 
cerebralen Ursprungs nicht im Zweifel, welche Art Er¬ 
scheinungen man sich unter dieser Bezeichnung vorzu- 
stelleu hätte, doch Erwachsene erkranken auch. Und die 
Bezeichnung Poliomyelitis acuta passt nicht, weil sie nnr 
einen Teil der Formen, freilich die häufigsten Formen 
zusammenfasst. Aus diesen Gründen hat Wiek mann 
propnniert die beiden Männer za ehren, die besonders 
am Studium der Erkrankung beteiligt waren und mit 
ihren Namen eine Bezeichnung zu schaffen, die alle 
Formen und alle Eigenschalten der Erkrankung zusam- 
menf&sst. v. Heine hat, wie schon erwähnt, 1840 als 
erster das chronische Stadium in classischer Weise ge¬ 
schildert, und M e d i n war dör erste, der das aente 
Stadium eingehend studierte und den epidemischen Cha¬ 
rakter der Erkrankung erkannte. — Diese Gründe sind, 
meine ich, geeignet die Bezeichnung Heine-Medin- 
sche Krankheit mit Applaus zu acceptieren. 


Zur Behandlung der scrophuldsen Ophthalmie und 
des Trachoms bei gleichzeitig bestehenden Er¬ 
krankungen der oberen Luftwege. 

tVortrag, gehalten anf dem XX. livläud. Aerztetage am 
29. August 1908 zu Riga. 

Von 

Dr. med. G. Reinhard. Riga. 


Meine Herren! Mein Vortrag behandelt ein kleines 
Capitel aus dem Grenzgebiete der Ophthalmologie und 
der Rhinologie. 

Die Lehre von den Beziehungen der Angenerkran- 
kuogen zu den Erkrankungen der Nase ist in den 
letzten 15—20 Jahren durch die Arbeiten von Ber- 
ger-Tyrmann, Ziem, Kuhnt, Winkler, Ger- 
mann, Hajek, Onodi und anderen zu einem mäch¬ 
tigen Umfange herangewachsen. Da aber, wie mir schei¬ 
nen will, die wichtigsten Tatsachen dieses Zusammen¬ 
hanges noch nicht Gemeingut aller Aerzte geworden, 
und andererseits die therapeutischen Erfolge bei vielen 
Augenkrankheiten unter systematischer Berücksichtigung 
der etwa gleichzeitig bestehenden Nasen- und Rachen- 


affectionen gar zu schöne sind, glaubte ich diese Frage 
hier zur Discussion bringen zu müssen. 

Das Trachom und die scrophulöse Ophthalmie habe 
ich gerade deshalb herausgegriffen, weil sie in unserem 
Lande die verbreitetsten Augenkrankheiten sind und 
wohl am meisten dem Arzte zu schaffen geben. Was 
übrigens über ihren Zusammenhang mit den Nasen- und 
Rachenerkrankungen gesagt werden wird, gilt znm 
grossen Teil auch für viele andere Angenerkrankungen. 

Hirschberg hat als einer der ersten die nahen 
Beziehungen der Nasenerkrankungen zu den phlyctae- 
nulaeren Affectiouen, Snellen die der Rachenvege¬ 
tationen za den folliculären Erkrankungen des 
Auges betont. Sodann haben Winkler, Conetoux, 
Gnibert, Benoit und andere wiederholt bei phlyctae- 
nulaeren Kerato-Conjuuctivitiden die Entfernung der 
aden. Vegetationen mit schönem Erfolge angewendet. 

Die Wichtigkeit der Naseubehandlung bei Trachom ist 
zuerst von Ziem und daun namentlich von Knhnt 
in seiner elassischen Monographie über „die Therapie 
der Conjunctivitis granulosa“ hervorgehoben worden. 

Um Ihnen eine Vorstellung zu geben von der Häufig¬ 
keit des Zusammentreffens dieser Leiden mit Nasen- 
Rachenaffectionen nnd von dem Charakter der letzteren, 
habe ich aus meinen Jonrnälen eine kleine Statistik 
über den Nasenbefund bei Ophthalmie scrophulosa und 
Trachom zusammengestellt. Ich habe nur schwere Fälle 
gewählt, die hartnäckig recidivierten oder die ansser 
schweren Erscheinungen am Auge auch anderweitige 
Symptome einer lymphatischen Constitution hatten; wei¬ 
ter Fälle von Trachom im 2. und 3. Stadium mit 
Phimosis, Pannus, Trichiasis, Dacryocystitis etc. 

Bei scrophulöser Ophthalmie ist unter HO Fällen im 
Alter von 1—20 Jahren verzeichnet: 

Befand in der Nase und im Rachen normal 8 X "=3% 
Hyperplasie der Rachen- resp. Gaumenmandel 75 X ==68% 
Rhinitis chronica, aenta, Hyperplasien der unteren oder 
mittleren Muschel, Crista, Deviatio, Eczern des Nasen¬ 
einganges etc. 30 X = 27%, Nebenhöhlenerkrankungen 

2 X == 2%. 

Am Material der Berliner Universitäts-Augenklinik 
constatierte Gutmano bei scrophulöser Ophthalmie in 
93% verschiedene Nasen- resp. Rachenäffectionen. 

Winkler fand in Bremen in 40% der scroph. An¬ 
genkranken eine gleichzeitige Erkrankung der Nase 
resp. des Rachens. 

Er hat offenbar alle leichten Fälle mitgezählt. 

Aus der Würzburger Klinik liegt eine Mitteilung 
Hellmaiers vor, wonach 100% der eczematösen 
Augenkranken mit Naseuleiden behaftet waren. 

Unter meinen 204 Fällen von schwerem Trachom, im 
Alter von 12—78 Jahren, findet sich verzeichnet: 

Befund in der Nase und im Rachen normal 
17 X = 8,6%, Hyperplasie der Rachenmandel 18 X =* 
= 6.4%, Chron. Rhinitis mit Hyperplasien, Deviatio, 
Crista, Rhinitis atrophicans, Ozaena, Pharyngitis folli¬ 
cularis etc. 166 X — 81%, Erkrankungen der Neben¬ 
höhlen 8X = 4%. 

lu den Fällen mit normalem Nasenbefund liess sich 
anamnestisch häufig überstaudener Schnupfen consta- 
tiereu *). 

Kuhnt fand Nasenbeteiligung in 65% seiner Fälle 
von Trachom. 

Bei der Häufigkeit der Nasen- und Rachenerkrankun¬ 
gen überhaupt wird man freilich nicht einen rein cent¬ 
ralen Zusammenhang zwischen den Nasenerkrankungen 
einerseits und den erwähnten Augenerkrankungen an- 


•) Die Naseubefunde verdanke ich sum grössten Teil der 
Freundlichkeit der Herren Colleges H Joliannson and 
P. P e r 1 b a c h, denen ich auch an dieser Stelle meinen 
Dank aasspreche. 


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dererseits construieren dürfen,, wie der von manchen 
Antoren versncht worden ist; aber eine prädisponie¬ 
rende und den Verlauf der betreffenden Augenkrankbeit 
beeinflussende Wirkung von Seiten der Nase resp. des 
Rachens ist nach der klinischen Erfahrung vieler nam¬ 
hafter Autoren jedenfalls über allen Zweifel erhaben. 
Auf welchen Wegen sich das vollzieht, soll später an¬ 
gedeutet werden. 

^ Ein Bindeglied zwischen den äusseren Erkrankungen 
des Auges und den der Nase stellen die Erkrankungen 
der ableitendeu Tränenwege dar, denen nach überein¬ 
stimmender Ansicht aller Autoren ein Nasenleiden 
vorausgeht. 

Eine besondere Stellung nehmen die Fälle von ein¬ 
seitigem Trachom ein. — In meiner Praxis der letzten 
Jahre finde ich keinen einzigen solchen Fall, wo nicht 
auch zugleich die Nase miterkrankt gewesen wäre; im 
ganzen sind es 83 Fälle. 

Angeregt durch die Arbeiten von Ziem und K u h n t, 
lege ich in meiner Klinik seit etwa 7 Jahren das grösste 
Gewicht auf eine sorgfältige Nasenuntersuchung. Und 
ich kann zu meiner grössten Befriedigung mich des 
Eindruckes nicht erwehren, dass meine Heilerfolge seit 
der Zeit bedeutend bessere geworden sind. Ich kann 
dabei auf eine Reihe von über 2000 Fällen von Tra¬ 
chom und scrophujöser Ophthalmie zurückschauen, bei 
denen ich mein besonderes Augenmerk auf etwaige Na¬ 
senerkrankungen gerichtet habe. Freilich lässt sich der 
bessere therapeutische Erfolg der letzten Jahre wohl 
kaum zab 1 enmässig erweisen. 

Ein paar Fälle mögen aber zur Illustration dienen. 

1. Herr A. 41 Jahre alt, von kräftigem Körperbau, 
leidet an Trachom seit vielen Jahren und steht seit 6 

ahren in speciaiistischer Behandlung. Status am 20. 
März 1902, Beiderseits starke Epiphora, Blepharospas¬ 
mus, Lichtscheu, Lidränder verdickt, aus den Tränen- j 
punqteu lässt sich beiderseits ein Tröpfchen dicken Ei¬ 
ters ausdrücken. Copjunctiva schmutziggrau verfärbt, 
trachomatös vernarbt. Untere und obere Uebergangs- 
falten fehlen, an ihrer Stelle sind derbe Excisionsnarben. 
Conjunctiva bulbi stark injiciert. Cornea mit dichten, 
meist alten Gefässnetzen überzogen. Zahlreiche Maculae 
und einzelne frische pann(fee PhJyctaenen. — Nach Co- 
cainträufelung V=?Tz in 3—4' Behandlung: Atropin 
— Cocalg, Exstirpation beider Tränensäcke, Spülungen 
mit milden Augenwässern, da irgendwelche strengeren 
Medicationen nicht vertragen werdeu. Beiderseits Peri- 
tomie. Nach,sechs Monaten ist trotz zeitweiliger 
Besserung der Zusfand im Allgemeinen derselbe, wie 
zu Anfang der Behandlung. Jetzt wird eine Nasenun¬ 
tersuchung vorgenommen, welche Polypen an der mitt¬ 
leren Muschel und den vorderen Siebbeinzellen nach¬ 
weist. Anfang September Ausräumung der Polypen 
und der. vorderen Siebbeinzellen. Gleich in den ersten 
Tagen tritt merkliche Besserung ein und nur unter 
Boreinträufeluug ist Patient zu Weihnachten desselben 
Jahres imstande Zeitungsschrift zu lesen. 

10. I. 1903 bds. Hypm. 1.5 D. 

Visus s. cl == 5 / 30 ; i. c. 4-1.5 = G / 24 . 

Auf einen so schnellen und schönen Erfolg hätte 
man wohl nicht hoffen können! Patient ist nachher 
4 Jahre in meiner Beobachtung geblieben; ohne Reei- 
div! Visus ist später gestiegen auf 5 / lg resp, s / 20 . 

2. 'Frl. A. 19 J. alt leidet seit Kindheit an scrophulöser 
Augenentzündung. Trotz sachgemässer Behandlung in 
Petersburg und Riga seit 3 Jahren, immer wieder Re- 
eidive. Status am 25. I. 1908. Lichtscheu, Epiphora. 
Rechts: Blepharitis, Verdickung des oberen Lides, 
leichte Ptosis, an der Tarsalconj. des oberen Lides sam¬ 
metartige papillaere Wucherungen; Conj. bulbi injiciert; 
aussen und innen am limbus je eine Phlyctaene. Links 


hängt das obere Lid schlaff herunter, Tarsus desselben 
verdickt, Conj. wie rechts, auf der Cornea ein Leucow 
im unteren Teile des Pupillargebietes. Feine Gefässe und 
! Maculae über der ganzen Cornea, mehrere Randphlyc- 
1 taenen. Visus =Tz. in 4'. Habitus scrophulosus. Mund- 
atmung. Hyperplasie der unteren Muscheln und der 
Rachenmandel. 

Am 30. I. Entfernung der Rachenmandel, nachher 
Massage mit gelber Salbe. Der Zustand des Auges wird 
auffallend schnell gut. Im Juni Schlammbäder in Staraja 
Russa als Nachcur. Am 27. Aug. Conjunctiva und Li- 
! der beiderseits normal, nur links eine kaum bemerk- 
! bare Ptosis. Links haben sich die Maculae und das 
I Leucom bedeutend aufgehellt. 

! Links Visus = B /so. 

Die Hyperplasien der unteren Muschel sind geringer 
geworden, Nasenatmnng ganz frei. 

Für scrophulöse Erkrankungen kommen, wie aus der 
obigen Statistik zu ersehen ist, besonders die Hyperpla¬ 
sien am lymphatischen Rachenringe in betracht; beim 
Trachom dagegen mehr Hyperplasien an den Muscheln, 
polypöse Wucheruugen der Nasenhöhle und Erkrankun¬ 
gen der Nebenhöhlen. 

Ich kann hier nicht genauer auf die einzelnen Mass- 
' nahmen bei der Behandlung der Nasen und Rachenleiden 
! eingehen. Der Plan der Behandlung muss in jedem ein- 
j zelnen Falle besonders festgestellt werden. Im Allge¬ 
meinen ist eine conservative Behandlung, meiner Erfah- 
| rung nach, wenig erfolgreich. Eine hypertrophiertp 
1 Rachenmandel, gegebenenfalls auch hypertrophierte Gau- 
| meumandeln entferne ich gleich zu Anfang der Cur* r 
darnach allein schon sieht man häufig, wie auch Cop- 
] pez angegeben hat, dass folliculäre Erkrankungen der 
| Conjunctiva ohne jegliche locale Behandlung zurück - 
; gehen. Mehrere Fälle dieser Art waren auch anderwärts 
für echtes Trachom erklärt worden. Ich habe augen¬ 
blicklich 2 solcher Fälle in Beobachtung; leider können 
i sie nicht mehr recht demonstriert werden, da der eine 
1 schon eine vollständige gesund Conjunctiva hat, beim, 
andern auch nur noch einzelne Follikel nachgeblieben 
sind. Ob die diesbezüglichen, dem äusseren Aussehen 
nach, dem Trachom sehr ähnlichen aber so prompt nach 
einer Entfernung der hyperplastischen Vegetationen des 
Nasenrachenringes ohne weitere locale Behandlung in 
Heilung übergehenden Fälle auch wirklich mit Trachom 
identisch sind, lasse ich vorläufig unentschieden. Weiteres 
Studium in dieser Richtung dürfte anch wohl einiges 
wertvolle Material für die Pathogenese des Trachoms 
ans Tageslicht fördern. 

Auch eine Nebenhöhlenerkrankung und polypöse Wu¬ 
cherungen in der Nase werden sofort zo Anfang der 
Behandlung in Angriff genommen, dagegen muss bei 
den Verengerungen der Nasenhöhle selbst, die durch 
Hyperplasien der Muscheln, Deviationen des Septums etc. 
hervorgerufen werden, eine grössere Vorsicht geübt 
werden, da bei heftigen Entzündungen der Hornhaut, 
wie floridem pannüs, ulceris etc. ein Eingriff in die 
Nasenhöhle mit einer zeitweiligen Verschlechterung des 
Zustandes am Auge beantwortet wird. Es ist ratsamer 
für den radicalen Eingriff in die Nase ein Nachlassen 
der stürmischen Erscheinungen am Auge abzuwartea und 
die Nase vorläufig mit milder Medication zu behandeln. 
Aus demselben Grunde ist auch, wie schon Winkler 
betont hat, ein galvanocaustischer Eingriff wegen der 
reactiven Schleimhautschwellung in unseren Fällen sehr 
zu widerraten und desgleichen eine Tamponade möglichst 
I zu vermeiden. 

Mau vergesse jedoch nie, dass die Nasenbehandlung 
1 keine Panacee ist; sie ist nur ein Adjuvans, freilich ein 
! mächtiges. Die in jedem einzelnen Falle indicierte all¬ 
gemeine und locale Therapie darf deshalb auch nicht 
vernachlässigt werden. 


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Ich muss jedoch ausdrücklich hervorheben, dass seit 
der Zeit der consequenten Berücksichtigung der Nase 
und des Rachens so radicale Eingriffe am Auge, wie 
x. B. die AnsschneLdnng der Uebergangsfalten, nur in 
den allerseftensten Fällen notwendig geworden sind. 

Die therapeutischen Erfolge bei einer Behandlung nach 
obigen Principien sind verhältnismässig eclatanter bei 
der scrophulösen Ophthalmie und den folücnlaeren Bil¬ 
dungen in der Conjunctiva als bei altem eingewnrzeltem 
Narbentrachom, besonders bei solchem mit gleichzeitiger 
Rhinitis atrophicans mit oder ohne foetor. 

Zuletzt muss ich noch erwähnen, dass ängstliche Per¬ 
sonen nnd besorgte Mutter diese ihnen unverständlichen 
Eingriffe in die Nase und Rachen bei ausgesprochenen 
Angensymptomen häufig und hartnäckig verweigern. 

Andeutungsweise sei erwähnt, dass ausser diesen ans 
hier beschäftigenden noch viele andere Augenleiden in 
naher Beziehung za Erkrankungen der Nase nnd des 
Rachens stehen; so z. B. Erkrankungen des Sehnerven, 
Orbitalabscess und Orbitalphlegmone, Thrombosierungen 
der Orbitalvenen, Periostitis der Orbitalknochen, chro¬ 
nische Blepharitiden, asthenopische Beschwerden etc. 

Wie hat man sich nun die klinisch zweifellos festge- 
stellte Beeinflussung der Augenkrankheiten von der Nase 
ans zu erklären? 

Zorn besseren Verständnis dieser Frage erlaube ich 
mir Sie auf eine Zeichnung hinznweisen, die einen 
Frontalschnitt durch die Nasenhöhle darstellt*). Man 
ersieht daraus die unmittelbare Nähe der Nasenhöhle 
uod ihrer Nebenhöhlen zur Orbita. Die Kieferhöhle und 
insbesondere die Siebbeinzellen sind nnr durch ganz 
dünne Knochenplatten von der Orbita getrennt; dasselbe 
gilt auch von der Keilbein- nnd der Stirnhöhle. Die an 
und für sich schon dünnen knöchernen Zwischenwände 
irprden zudem noch häufig durch angeborene oder er¬ 
worbene Dehiscenzen ganz aufgehoben, so dass die 
Schleimhaut der entsprechenden Nebenhöhle direct au die 
Periorbita grenzen kann. 

Die Verbindung der Orbita mit der Nasenhöhle und 
ihren Nebenhöhlen wird ansserdem durch zahlreiche 
Blot- und Lymphgefasse vermittelt. So zieht durch den 
Tränennasengang vom unteren Nasengang aus ein dich¬ 
tes Venennetz hinauf in die Orbita, wo es sich mit den 
Orbitalvenen in Verbindung setzt. 

Die Orbitalvenen sammeln sich bekanntlich in zwei 
grössere Stämme, — die obere und die untere Vena 
ophthalmica, die gewöhnlich vereint als Sinns ophthal- 
mieus in die Schädelhöhle, in den Sinns cavernosus 
münden. Die untere Vena ophthalmica bat aber eine im 
Kaliber sehr schwankende Anastomose **) durch die 
Fissura orbitalis inferior zum mächtigen Plexns ptery- 
goideus, mit welchen auch die Pharynx — und die hin¬ 
teren Nasenvenen in engem Connex stehen. Erwähnte 
Anastomose kann sogar unter Umständen als Haupt- 
abflnss der Vena ophthalmica inferior dienen. Ueber- 
haupt findet durch die Fissura orbitalis inferior vermit¬ 
telst der Blut- und Lymphgefässe, der Nerven nnd des 
Zellgewebes eine rege Beziehung znr Fossa sphenopala- 
tina statt. 

Ausser erwähnten grossen Gefössverbindungen sind noch 
zahlreiche kleinere zu merken, so die Vasa ethmoidalia 
und kleine Venenstämmchen aus den Nebenhöhlen der 
Nase direct zur Orbita hin. 

Zudem stammen die sensiblen Nerven eines Teiles der 
Nasenschleimhaut vom Augenast des Trigeminus (R. na- 


*) cf.. Z n k k er k r n d 1, Atlas der topographischen Ana¬ 
tomie, Heft I pag. 122. 

•*) cf. Ran be r, Anatomie des Menschen Bd. II pag. 196 
fig. 146. 


sociliaris) und die Sympaticusfasern für Auge uud Nase 
kommen gemeinsam vom Plexus caroticns. 

Von besonderer Bedeutung für die äusseren Augen- 
erkrankungen ist ausserdem die directe Verbindung der 
Nasenhöhle mit dem Conjunctivalsacke durch den Tränen¬ 
nasengang. Auch directe Uebertragung von Nasenschleim 
durch Hände und Tücher auf die. Conjunctiya wird ge¬ 
wiss häufig Vorkommen. Bekanntlich sind in der Micro- 
organismenflora der Nase alle für die infectiösen Augen¬ 
krankheiten in Betracht kommenden Keime in Mengen 
gefunden worden (Pneumococcus, Koch-Weckscher 
Bacillus, Gonococcns, Diplobacillus Axenfeld-Mo- 
rax etc.). 

Diese können selbstverständlich auf erwähnten Wegen 
vou der Nase in die Conjnnctiva gelangen. 

Nach Ziem verdienen besonders die obenerwähnten 
engen Beziehungen der Lymph- und Blutgefässe der 
Nase nnd der Orbita untereinander unsere grösste Beach¬ 
tung. Durch ihre Vermittelung können per 6ontinuitatem 
krankhafte Processe von der Nase und ihren Neben¬ 
höhlen zur Orbita fortgeleitet werden, z. B. Orbital¬ 
phlegmonen, Trombosen der Orbitalvenen. Die so häu¬ 
figen passiven Stauungen in der Nase und ihren Neben¬ 
höhlen können ausserdem rückwirkend in den Gefässen 
der Orbita eine Stauung hervorrufen. Bei einer, dadurch 
bewirkten Verlangsamung des Stoffwechsel Umsatzes in 
den betreffenden Teilen des Orbitalinhaltes muss nätur- 
gemäss die Widerstandsfähigkeit derselben herabgesetzt, 
die Infectioosmöglichkeit erleichtert UQd ein schwererer 
Verlauf einer bereits ausgebrochenen Krankheit ange¬ 
bahnt werden. 

Diese Staunugserscheinudgen brauchen garnicht einmal 
mit unseren Hilfsmitteln erkennbar za sein, um trotzdem 
durch ihre Chronicität zur Geltung za kommen. 

Insbesondere scheint bei einseitigem Trachom jene 
obenerwähnte starke Anastomose der unteren Vena 
ophtalmica mit dem Plexus pterygoideus oder eine gleich¬ 
seitige Nebenhöhlenerkrankung eine bedeutendere Rolle 
zu spielen, als man bis jetzt anzunehmen geneigt ist 
(Ziem). In wieweit reflectorische Einflüsse Von der Nase 
ans aol’s Auge wirksam sein können, wie vielfach ange¬ 
geben wird, entzieht sich vorläufig noch meiner Beurtei¬ 
lung. Des weiteren darf aber nicht übersehen werden 
die Beeinfln8SDng des Allgemeinznstandes durch eine 
Nasenstenose, die bei einer Hyperplasie der Rachen¬ 
mandel, einer Schwellung oder einer Hyperplasie der 
Nasenschleimhaut nur allzu häufig entsteht. Die verhin¬ 
derte Naseoatmung hat eine Herabsetzung der Atmungs- 
grösse and dadurch eine chronische Sauerstoffverarmung 
des Blutes zur Folge, wie ja auq)i Sabrazös nach 
Entfernung der adenoiden Vegetationen eine Steigerung 
des Hämoglobingehaltes im Blute feststellte. Ansserdem 
entwickeln sich auf der kranken Nasen- und Neben¬ 
höhlenschleimhaut und in den Krypten und Lacunen der 
hyperplasierten Mandeln gewaltige Mengen verschiedener 
Keime, die and deren Stoffwechselprodacte für den durch 
Sauerstoffarmut schon so wie so geschwächten Organis¬ 
mus durchaus nicht gleichgültig sein dürften. 

Gewöhnlich werden nun wohl mehrere dieser Factoren 
im einzelnen Falle Zusammenwirken. 

Sollte es mir gelangen sein durch diesen Vortrag Ihr 
Interesse für diese Frage und ihre weitere Erforschung 
angeregt zn haben, so wäre mein Zweck erreicht. 

Literatur: 

Die Literatur bis zum Jahr 1904 findet sich ziemlich 
vollständig verzeichnet bei Eversbusch, die Erkran¬ 
kungen des Auges in ihren Beziehungen zu Erkrankungen 
der Nase und ihren Nebenhöhlen. Handbuch der ges, 
Augenheilk. von Graefe-Eremiscb U. Aufl, 


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30 


Ass der eeoereD Literatur benutzte ich: 

1. Azenfeld, Bacteriologie in der Augenheilkunde; 
Jena 1907. 2. B. Fiaen kel, Art. «Adenoide Vegetationen»; 
in Eulenborgs Bealencyclopaedie. 4. Anfl. 2. Gntmaun, 
äussere Augenerkrankungen in ihren Beziehungen zu Nasen- 
leiden, Deutsche med. Wochenschr. 1908, H.20—22. 4. 0 n odi, 
der Sehnerv und die Nebenhöhlen der Nase. Wien, Leipzig 
1907. 


Referat. 


Dr. Vollmer berichtet über Versuche, die er mit Cam- 
pbo8an t einem neuen Heilmittel bei Erkrankungen der Harn¬ 
organe anstellte und die zu einem günstigen Ergebnis führten. 
Das Camphosan ist eine Lösung von 15 Teilen Campfer- 
Ȋore-Meihylester in 85 Teilen chemisch reinen Santalols. Es 
kommt in GelatinekapBeln zu je 03g Inhalt in den Handel. 
Da die Campfersäure als mildes aber nachhaltiges Adstrin¬ 
gens bei gewissen entzündlichen Scbleimhauterkrankungen 
sich bewährt, und da andererseits im Santalol das reinste 
Bal8amicum vorliegt, versprach sich Verfasser von einer 
Combination dieser Componenten in einer Form, bei deren 
Spaltung im Darm die Wirkung in statu nascendi zur Geltung 
kommt, das beste. In der Tat hat sich dem Verfasser das 
Mittel bei vielen Erkrankungen der Harnorgane bestens be¬ 
währt, so znnächst als Propbylacticum in allen Fällen, wo 
durch Verweilkatheter oder durch häutiges Kätheterisieren die 
Gefahren einer Infection bestanden, sodann aber besonders bei 
Entzündungen der Harnröhre, der Blase und des Nieren¬ 
beckens. Alkalischer Urin reagierte schon nach den ersten 
Gaben sauer; der Urin klärte sich bald, unangenehme Keiz- 
zuBtände und Schmerzempfindungen milderten sich rasch, um 
schon nach wenigen Tagen ganz zu verschwinden. Die 
Bacterien verringerten sich, Eiterungen gingen zusehends 
zurück. <Das ganze Krankheitsbild besserte sich auffallend 
schneller, als wir es sonst zu sehen gewohnt waren», ln 
keinem Falle sah Verfasser unangenehme Begleiterscheinun¬ 
gen. Das Präparat wird durchweg gut vertragen, auch bei 
schwachem Magen, von Kindern und Erwachsenen, selbst in 
ganz grossen Dosen* Die Dosierung beträgt io der Regel 
4 mal täglich ü Kapseln. (Deutsche Medicinal Zeitung 1908, 
Nr. 76.) N. 


BBcheranzeigen und Besprechungen. 

Prof. Dr. Erhard Ri ecke - Leipzig. Lehrbuch der 
Haut- und Geschlechtskrankheiten. Mit 14 Farben¬ 
tafeln und 2S5 grösstenteils mehrfarbige Textab¬ 
bildungen. Im Verlag von Gustav Fischer 1909. 
Preis 14V 2 Mark. 

Das vorliegende Buch ist von ganz hervorragender Be¬ 
deutung, weil es den ersten Markstein einer nenen Epoche 
in der dermatologischen Bandbncb-Literatur bildet, denn 
znm ersten Male wird uns eine Dermatologie in zugäng¬ 
lichster Weise geboten, welche gleichzeitig einen Atlas in 
farbigen Bildern bringt. Man mag noch so genau nnd aus¬ 
führlich die einzelnen Erscheinungen einer Hanterkranknng 
schildern, wenn man dieselbe nicht an Lebenden gesehen, so 
wird man oft doch keine richtige Vorstellung erhalten. Nun 
aber — ein Blick aof die farbige Wiedergabe — und das Bild 
sitzt fest im Gedächtnis. 

Wir müssen es dem Verleger und dem üeransgeber als ein 
ganz besonderes Verdienst anrechnen, dass sie sich za dieser 
Ausgabe entschlossen haben, von non an wird man Yon jeder 
gnten Dermatologie verlangen müssen, dass sie gute farbige 
Abbildungen bringt. Die meisten Bilder, alles Originaler sind 
ganz vorzüglich gelungen nnd zeigen welchen hohen Grad von 
Technik die deutschen Druckereien erreicht haben. 

Das Buch ist, trotz seiner Kürze, ein Sammelwerk mit allen 
dieser Art anhaftenden Schwierigkeiten, die ja kein Redacteur 
vermeiden kann. Die callgemeine Dermatologie» ist von Prof. 
Riehl (Wien) bearbeitet. In der cSpeciellen Dermatologie» 
finden wir folgende Mitaibeiter: 

Eczem — Prof, Ehr mann (Wien), Psoriasis, Lichen, 
Pityriasis rnbra — Prof. R i e c k e, Pemphigus, Herpes — Prof. 
Bettmann(Heidelbsrg),Circulationsstörungen—Dr. v Zu m- 


bnsch (Wien), Erkrankungen der Hautdrüsen und Haare — 
Prof. T ö r ö k (Budapest), Toberculose nnd Lepra — Prof. 
G r o n r e n (Bonn), Sclerodermie, Pigmentanomalien nnd Neu¬ 
bildungen — Dr. Toma czewski (Halle) and parasitäre 
Hautkrankheiten — Prof. J e 8 1 o n e k (Grausen). Die vene¬ 
rischen Krankheiten (von 204 Seiten) sind von Prof. 
C. Brn h n s (Charlottenburg) und Dr. A. B n scb ke (Berlin) 
bearbeitet. 

Wie ans dem angeführten Verzeichnis ersichtlich ist die 
Wiener dermatologische Schule zahlreich vertreten nnd macht 
sich diese ins Besondere bei der Darlegung der Therapie 
geltend. 

Besonders zq betonen wäre aber ein Umstand, der die Be¬ 
nutzung des Baches für Nichtdermatologen wesentlich erschwert, 
es ist das die alte leide Frage des Systems. Der Herausgeber 
hat sich einfach darüber hinweggesetzt, indem er die specielle 
Dermatologie, wie er sagt «nicht in ein System zu zwingen 
versucht». Wenn wir auch noch kein allgemein anerkanntes 
System besitzen, wäre es doch sehr wünschenswert, sämtliche 
Infectionskrankheiten der Hant in eine Gruppe zusammenzu- 
fassen. 

Wenn Ref. somit seiner Pflicht, Kritik zu üben nachge¬ 
kommen, hält er es weiter für eine angenehme Aufgabe das 
neue Handbuch aufs Freudigste za begrüssen und allen 
Coilegen, speciell aber allen Nichtdermatologen, die hänfig 
wenig bekannt mit Hautkrankheiten sind, das Buch auf das 
allernachdrücklichste zu empfehlen. 

Die Ausstattung ist einfach tadellos. 

O. v. P e t e r s e n. 

Prof. Dr. J. Schwalbe (Berlin). Jahrbuch der prac- 
tischen Medicin. Jahrgang 1908. Stuttgart 1908, 
Verlag von Ferd. Enke, gr. 8, 655 S. mit 54 Ab¬ 
bildungen und 2 farbigen Tafeln. 

Das bewährte Schwalbe sehe Jahrbuch der practlscben 
Medicin, welches mit dem vorliegenden Jahrgang sein viertes 
Decennium begonnen hat, tritt diesmal in einem nenen Ge¬ 
wände vor den Leserkreis. Der Erfahrung Rechnung tragend, 
dass Illustrationen für das Verständnis des Textes grosse 
Vorteile gewähren, ist nämlich der diesjährige Bericht zum 
ersten Male mit zahlreichen Abbildungen ansgestattet 
worden. Als besonders gelungen sind die beiden beigefügten 
farbigen Tafeln hervorzuheben, von denen die eine die 
continnierliche Ent Wickel tmgsreihe der Leucocyten des 
menschlichen Blutes demonstriert und die zweite (zum Capitol 
der Kinderkrankheiten) an zwei farbigen Abbildungen den 
eclatanten Erfolg einer salzarmen, aber gleichzeitig eiweiss- 
nnd fettreichen Kost beim Säuglingseczem illustriert. Im 
übrigen ist die Anordnung des Inhalts des Jahrbaches die 
bisherige: in 5 grossen Abschnitten mit vielen Unterab¬ 
teilungen wird von jedem der 25 Referenten in seinem Special- 
fache über die einschlägigen neuesten Errungenschaften auf 
den Gebieten der practischen Medicin ein kritisch zusammen¬ 
fassender Bericht erstattet nnd zum Schluss jedes Abschnittes 
ein genaues Verzeichnis der berücksichtigten Literatur hinzu- 
gefügt. Die schnelle Auffiudung des Gesuchten wird durch 
ein detailliertes Sach- nnd AntorenregiBter ermöglicht. Dass 
der vorliegende Jahrgang gegen den vorigjährigen trotz der 
riesig gewachsenen med. Literatur nur um 33 Seiten zuge¬ 
nommen hat, ist wieder der weisen Beschränkung der Re¬ 
daction und der Referenten in der Auswahl der zu berück¬ 
sichtigenden Literatur zn verdanken. 

Nach dem Gesagten können wir nnr dem Wunsche Aus¬ 
druck geben, dass das Jahrbuch durch die illustrative Aus¬ 
stattung einen noch grösseren Leserkreis sich erwerben and 
die Arbeit der Redaction and der Referenten sowie die Opler 
des Verlegers durch einen stärkeren Absatz des Baches ver¬ 
golten werden mögen. 

Bernhoff. 

Dr. K. Cron und Dr. E. Hoch mann: Ueber Kran¬ 
kenstände im Felde und ihre vorherige Abschä¬ 
tzung. Wien. Verl, von J. Saf&r. 1908. Pr. Kr. 3. 
(M. 2.70). Mit 13 Tabellen nnd 1 Farbentafel. 

Die aof dem Gebiete des Militär-sanitätswesens bekannten 
Antoren haben den früheren Arbeiten eine neue Monographie, 
die VI. folgen lassen, die die wichtige Frage der voraussicht¬ 
lichen KraDkenbestände im Felde behandelt. Als Grundlage 
dienen die Angaben ans verschiedenen Kriegen der neueren 
Zeit, der Krimkrieg, der Krieg von 1866, von 1870—71, 77—78, 
die Occupation von Bosnien. Der russisch-japanische Krieg 
läBst sich, nach Angabe der Verf, leider nicht verwerten, da 
die japanischen Angaben sehr von einander ahweichen und 
endgültige umfassende rassische noch immer nicht er¬ 
schienen sind. Allen Militärärzten wird die Arbeit willkom¬ 
men sein. 

W. Schiele. 


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Dr. M. T. Schnirer: taschenbuch der Therapie. 
Warzburg. Verlag von A. Stüber. 1909. Pr. M. 2. 
V. Auflage. 

Der Verf. hat sich in seinem kleinen Werke hauptsächlich 
an die therapeutischen Massoahmen gehalten, wie sie an der 
Berliner und Wiener Klinik, aber auch an anderen deutschen 
Universitäten znr Anwendung kommen. Zn den in den trü- 
beren Ansgaben vorhandenen Capitaln sind 2 weitere hinzn- 
gekommen, die Kosmetik nnd Serotherapie, wodurch das be¬ 
liebte Taschenbnch nicht unwesentlich gewonnen hat. Auch 
diese nene Ausgabe sei allen Freunden des Bnches bestens 
empfohlen, deren Zahl sicherlich von Jahr zn Jahr wachsen 
wird. 

W. Schiele. 

Dr. K. Ullmann: Physikalische Therapie der Haut¬ 
krankheiten. Stuttgart. Verl, von F. Enke. 1908. 
Pr. M. 4.60. 

Das Werk stellt das Heft 21 & der von Uarcose und 
Strasser herausgegebenen <Physikalischen Therapie in Ein¬ 
zeldarstellungen» vor nnd ist eine wesentliche Bereicherung 
der tnedieinisehen Literatur. Die physikalische Therapie hat 
auch anf dem Specialgebiete der Dermatologie nnd Syphilis 
bedentende Fortschritte zn verzeichnen, die verschiedenen 
Ucbtbahandlnngsmethoden etc. die der practische Arzt zum 
wenigston den Namen nach kennen muss, vieles wird er aber 
such selbst in der Praxis anwenden können, so vor allem die 
difttetischen Massnahmen. Auf nicht 200 Seiten findet sich 
das Wesentliche kurz nnd klar zusammen gestellt. 57 Abbil¬ 
dungen sind dem Text beigefügt. 

W. Schiele. 

Dr. J. Zanietowski: Compendium der modernen 
EJectromedicin. Mit 84 Abbildungen im Text. Ver¬ 
lag von Fr. Deutike. Leipzig und Wien. 1909. 
Pr. M. 7. 

Die Electromedicin hat in letzter Zeit bedentende Fort¬ 
schritte gemacht, nene Lehren vom Atomzerfall, der Eleciro- 
iit und Job@ nWanderung haben Einfluss auf die practische 
Anwendung der Electricität ansgehbt. Die Aerzte der Praxis 
können eich schwer auf dem veränderten Gebiet zurechtfioden. 
Ikaea will der Antor behilflich sein und erreicht dieses iu 
der Tat in sehr befriedigeuder Weise. Der Inhalt des Baches 
(in lianzen 272 Seiten) zerfällt io 2 grosse Abschnitte: 1) Die 
mederne Entwicklung der allgemeinen Grundbegriffe, nnd 
2) Die Fortschritte der speciellen Electromedicin; ihnen 
schliem sich eiu mathematischer Anhang an. Allen, die sich 
für die Frage interessieren, sei das kleine Werk zur Orien¬ 
tierung bestens empfohlen. 

W. Schiele. 


Mitteilungen 

aas der Gesellschaft praotisoher Aerete 
au Riga. 

Sitznng vom 15. October 1908. 

Anwesend 63 Mitglieder und als Gäste die Herren Abram* 
»on, Saarfels, v. Haf fner. Das Protöcoll der Sitzung 
rom L October wird verlesen nnd angenommen. 

Der Präses gedenkt des am 5. October c. verstorbenen 
Mitgliedes Dr. H u go v. Br eh m. Die Veraammlaug ehrt 
das Andenken an den Hingeschiedenen durch Erheben von 
den Sitzen. 

Dr. Hampeln demonstriert vor der Tagesordnung einen Fall 
von Leberearclnom and knüpft daran Bemerkungen ttber 
die meist schwierige differentielle Diagnose der mannigfachen 
teils neoplastischen Erkrankungen der Leber, die mit Ver« 
Stöasernng dieses Organes einhergehen. Besonders hebt er 
hervor, wie anch ans dem demonstrierten Falle hervorgeht, 
dass tiefe IncUnren des Leberrandes nicht für Syphilis cha¬ 
rakteristisch sind, sondern auch bei Carcinom Vorkommen nnd 
nacht endlich unter Vorzeigen von Zeichnungen nach dem 
Leben darauf aufmerksam, dass bei transversal stark aus- 
wachsenden Lebertumoren täuschend das Bild eines neben 
dem Lebertamor bestehenden Milztamors entstehen kann, 
ut dann wie im ersten vor mehreren Jahren beobachteten 
Kalle dieser Art die Leber glatt, so kann an leukämische I 
resp. pseudoleukämische Leber nnd liilz oder an Lebersy- | 


philis mit Milztamor gedacht werden, tfar durch feerücksich- 
ligang jenes ersten Falles wurde er jüngst in einem zweiten 
ähnlichen Falle — es handelte sich um eine junge gravide 
Fran — vor der naheliegenden Annahme einer Leukämie 
resp. Pseudoleukämie bewahrt und veranlasst einen Leberta¬ 
mor mit solcher Aneinanderlagernug der vergrtaaerten einen 
Milztumor vortänschenden Leberlappen bei negativem Blut- 
befond als wahrscheinlich anzanehmen. 

Die Section ergab multiples primäres Carciuom der trans¬ 
versal stark vergrösserten mit tiefer Incitnr zwischen rech¬ 
tem und linkem Lappen versehenen Leber, normale Milz, 
Lungen- nnd Pleorametastasen. 

Pa net "i. Dr. Poortenhält seinen angekündigten Vor¬ 
trag «über Baeterinrie», (Die Arbeit wird im Druck 
erscheinen). 

Dr, P. gibt einen Bericht über Tierexperimente, welche er 
im Laufe des Sommers a. c. angestellt bat znr Erforschung 
der Durchlässigkeit der Blasenwand fflr Bacterieu nach ope* 
rativer Ablösung des Blasenperitoneums. Er weist anf die 
Häufigkeit der Blasenerkrankung bei der Fran hin, nament¬ 
lich auf das hänfige Vorkommen der Bacteriurie. 

Die topographische Anatomie der Harnblase nnd weiblichen 
Beckenorgane macht es leicht verständlich, dass der Gynä¬ 
kologe bei seinen Operationen oft genötigt ist die Blase io 
grösserer oder geringer Ausdehnung von ihrer Umgebnng 
abznlösen. 

Dr. P. hatte es sich znr Aufgabe gemaoht am Tierexneri- 
ment zn erforschen, ob nach operativer Ablösung des Peri¬ 
toneums von einer bacterienhaltigen Blase eine Infection des 
Operationsgebietes infolge von Dnrchwaodernng von Bacterlen 
dnreh die Blasen wand stattflndet. Während über die Frage 
der Einwandernug von Bacterien in die Blase von anssen 
her, vom Peritoneum resp. Darm Untersnchnngen vor liegen, 
sind keinerlei Versuche über die Auswanderungen von Bac¬ 
terien aus der Blase in die Umgebnng bisher in der Literatur 
erwähnt. 

Nach einer Uebersicht ttber die in der Literatur vorliegen¬ 
den Arbeiten anf diesem Gebiete nnd nach einem in grossen 
Zügen gegebenen Ueberblick über das, was bisher von der 
Blase nnd ihrem Inhalt bekannt ist, geht Dr. Po orten znr 
Besprechung seiner Experimente ttber. Er hat an männlichen 
Kaninchen experimentiert. 

Die künstliche Bacteriurie wurde durch Injectionen von 
Staphylococcns pyogenes aureus, Coli commnne nnd Strepto¬ 
coccus pyogenes in Bouillon — Reincultnren hervorgebracht. 
An der Hand vorliegender Tabellen bespricht Dr. Po orte n 
die Resultate seiner experimentellen Untersnchnngen nnd 
kommt zum Schluss, dass die becterienbaltige Kanin eben blase 
nach operativer Ablösung ihres vorderen Peritoneal überzages 
nicht für Bacterien durchlässig sei. Dagegen fand er selbst 
nach 120-8tündiger Daner nach der Injection der betreffenden 
Bacteriencultnr die Mikroben noch in Reincultnr in der Blase. 
Dieser Befund steht im Gegensatz zn der bisherigen Annahme, 
dass die injicierten Bacterien io kurzer Zeit ans dem Urin 
verschwinden. 

Es scheint also, dass das die änssere Blasenwand treffende 
Operation8traoma von günstigem Einfluss anf die Lebens¬ 
dauer und Entwicklungsfähigkeit der in die Blase injicierten 
Bacterien ist. 

ln einer zweiten Serie von Versuchen experimentierte der 
Vortragende in derselben Weise, aber nachdem vorher durch 
künstliche Harnretention (48-stündige Uretralnnterbindnng) 
Cystitis erzeugt worden war. Das Resulsat war — die Bac- 
teriendnrchwandernng betreffend — im wesentlichen dasselbe. 
Die in die Blase injicierten Mikroben waren aber in fast 
allen Fällen in der Blase nicht mehr bei der Section nach¬ 
weisbar, während Massen anderer Mixroben vorhanden waren. 
Diese Hessen sich fast immer schon nach Lösung der Ureth¬ 
ralunterbindung nach weisen. Es scheint, dass diese die inji¬ 
cierten Bacterien erdrückten und verdrängten. 

In einem einzigen Falle, in welchem der Urin anch nach 
der Lösung der Urethralumstechuog steril war, liess sich die 
iiyicierte Bacterienart — Staphylococcns pyogenes anreus — 
bei Tötung des Tieres ans dem Urin in Reincultnr züchten». 

(Autoreferat). 

Punct 11. Dr. P. Klemm, der aut dem letzten Inländi¬ 
schen Aerzte tage zur Indication der tubercnlösen C o x i 11 s 
Stellung genommen hatte, entwickelt die Gesichtspa acte, von 
denen er sich bei der Nachbehandlung reseclerter Hüftge¬ 
lenke leiten lässt. Die Schwierigkeit bei der Nachbildung 
läge darin dem Gelenke die richtige Stellung zn geben. Wie 
sei die Be Stellung zu erreichen? Es seien eine Menge Appa¬ 
rate construiert worden, die alle auf T e 1 a u sehe Schiene 
hinausliefen, nach dem Priuoip derselben angefertigt seien. 
Die Gefahr des nachträglichen Eintretens von Addnction nnd 
Rotation nach innen sei damit aber nicht beseitigt. Alle Ver¬ 
suche ein bewegliches brauchbares Gelenk zn schaffen sind 
gescheitert. Um dem Gelenk eine richtige Stellung zp ge* 


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3ä 


ben, müsse nach Entfernung alles Krankhaften von vorn¬ 
herein eine feste Ancylose in Addnction und leichter Flexions- 
stellnng geschaffen werden. Das von ihm jetzt angewandte 
Verfahren sei folgendes: Es werde ein fester Gypsverband in 
Abduction und leichter Flexion angelegt. Zwecks Behand¬ 
lung der Wunde werde ein Fenster ausgeschnitten. Die Wunde 
heile aut diese Weise gut und schnell, entzündliche Vorgänge 
fallen weg, ebenso passen sich alle Fascien und Weichteile 
gut an, es treten keine Atrophien ein. Zur Illustration dieses 
Verfahrens wird vom Vortragenden eine ganze Reibe kleiner 
Patienten aus dem Armitsteadschen Kinderbospitale vorge- 
ftibrt, die alle die guten Ergebnisse und die Zweckmässigkeit 
dieser Gypsverbände, die monatelang resp. länger tragen ge¬ 
lassen werden, beweisen und weder Rotation nach innen 
noch Addnction zeigen. 

Dr. P. Klemm demonstriert ferner.* 

I. einen Pat. im Gypsverband bei dem er wegen acuter 
Osteomyelitis des linken Oberschenkels den grössten Teil (*/ 4 ) 
des Knochens entfernt hatte. Der Knochen nat sich vollkom¬ 
men ersetzt, die Verkürzung beträgt 5 Ctm. Der functionelle 
Effect ist als gut zu bezeichnen. 

II. ebenfalls im Gypsverband eine unblutig eingerenkte an¬ 
geborene Hüftgelenksluxation. 

III. einen Fall mit Beckenosteomyelitis, bet dem er das 
ganze Hüftgelenk reseciert hatte. 

IV. den Patienten mit Polyposis der Nase resp. des Nasen¬ 
rachenraumes, über den er auf der vorigen Bltznng refe¬ 
riert hatte. 

* (Autoreferat). 

Discnssion: 

Dr. Vos» fragt den Vortragendeo, ob es sich nicht em¬ 
pfehlen würde bei den Coxitisfällen nach Abnahme der Ver¬ 
bände das gesunde Bein zu erhöhen, um die Neigung zur 
Addnotion dadurch zu verringern, worauf 

Dr. P. Klemm erwidert, dass dieser Vorschlag gewiss 
etwas für sich habe, doch seien seine Resolute so gut, dass 
sie kaum etwas zu wünschen übrig lassen. 

Dr. Brntzer erinnert daran, dass der von Dr. Voss 
gemachte Vorschlag dä‘r gesunde Bein zu erhöhen bei den 
Fällen Vota congenitaler Lufcation des Hüftgelenkes empfohlen 
worden sei, damit der Schenkelkopf sich besser in die neuge- 
bildete Pfanne einbohre. 

Dr. V o 8 p ist der Patient mit Polyposis nasi bekannt. 
Zuerst habe wohl ein Retropharyngealtumor bei ihm bestan¬ 
den. Auch er glaubt, dass der von Dr. Klemm einge- 
schlagene Weg zwecks Entfernung der recidivierenden Po¬ 
lypen der geeignetste sei, da man doch unmöglich jedes Jahr 
die Nase abklappen könne. 

Dr. Klemm führt an, dass damals bei dem Patienten die 
Diagnose auf Sarcom gestellt worden, wäre, doch müsse man 
annelimen, dass es eine irrige gewesen sei, da sich dann 
doch wohl ein Recidiv im Verlaufe der Jahre eingestellt 
hätte. 

Der Präses Dr. Öokolo wski hat in Davos beobachten 
können, das» dort die Coxiiispaüenten vorzüglich gedeihen. 
Er fragt den Vortragenden im Hinblick anf das vorgestellte 
grosse Material an Coxitisfällen, ob wir hier besonders reich 
an tnbercnlöBer Coxitis wären. 

Dr. Klemm bejaht diese Frage. 

in der Nachbehandlung tnbercnlöser Gelenkleiden sei das 
Seeklima von grosser Bedeutung. Schon Prof. Wahl ist 
warm dafür eingetreten. Wir seien durch unseren Strand in 
dieser Beziehung sehr günstig situiert, auch Arensburg sei 
nicht minder gar. Was im Hospital geschähe, sei ja nur das 
Notwendigste. Die Schaffung von Sanatorien sei eine Auf¬ 
gabe der Zukunft, die auch dem Hospital zu gute käme, das 
seine Kranken dann viel früher, als jetzt, abschieben könnte. 

Dr. G. K i e 8 e r i t z k y, 
d. Z. Secretär. 


Sitzung vom 29. October 1908. 

Anwesend 64 Mitglieder undals Gäste die Herren Abram- 
son r Saarfels, Werner. 

Punct I. l)r. v. M a n t e u f f e 1 demonstriert eine 42-jäh¬ 
rige Patientin, die au Myxoedem leidet. Die Patientin ist 
seit 6 Jahren verheiratet, kinderlos, hat nie abortiert; sie 
fühlt sich krank seit 5—6 Jahren. An den Hautdecken sieht 
man die gewöhnlichen Erscheinungen des Myxoedems: die 
starkeu Verdickungen des (Juterhautzellgewebes; der Ge¬ 
sichtsausdruck ist stumpf, schläfrig, die Gesichtszüge schlaff. 
Ebenso sind Zunge und Wangenschieiinhaut verdickt, plump. 
Bei Prüfung der Sensibilität — stark ausgeprägte Hyperae- 
stheBie der gesamten Haut Die Tagesmengeu des Ürin sind 
stark vermehrt, der Harn sehr bell, von spec. Gewicht 1003 1 /* 


mit Eiweisspuien. Starke Gedächtnisabnahme in den leizleh 
Jahren. Pat. spricht langsam; ist ohne jede Initiative. Die 
Schilddrüse ist stark vergrössert, fühlt sich hart, fibrös an. 
Puls 90. Kein Exophthalmus. 

Im Anschluss an diesen Fall bespricht der Vortragende die 
bisher bekannten Symptome des Myxoedems und hebt hervor, 
dass in der Aeliologie desselben recht oft Syphilis und Tu* 
berculose erwähnt werden. Die neuen Untersuchungen von 
Calderonio scheinen auch dieses zu bestätigen. Im ge¬ 
gebenen Fall wären besonders hervorzuheben die sehr harte, 
fibröse Struma, die wohl an eine specifische Degeneration 
dieses OrgauB denken lasse, obgleich sonstige Symptome der 
Syphilis fehlen. — Ausserdem seien hervorzuheben die grossen 
täglichen Urinmengen und das Zusammen fallen der Krank¬ 
heitserscheinungen mit der Heirat der Patientin. — In der 
Stellung der Diagnose könnten oft Schwierigkeiten entstehen, 
wenn es sich nm Anfangsstadien dieser Erkrankung handelt. 
Zum Schloss erwähnt der Vortragende die Geschichte der 
Ueberpflanzung von Strnm&gewebe zum Zweck der Heilung 
des Myxoedems — bis auf die neuesten Versuche von Payr 
and Kocher der Transplantation der Drüse in die Milz und 
im Knochenmark, im gegebenen Falle hat die interne Be¬ 
handlung mit Strnmapräparaten zu kurze Zeit gedauert, um 
über einen Effect dieser Behaodlung etwas aassagen zo 
können. 

(Autoreferat). 

Dr. Büttner. Anf die im vorliegenden Falle vom ge¬ 
wöhnlichen Krankheltebilde abweichenden Symptome habe der 
Vortragende bereits hingewiesen. Erwähnenswert sei noch 
besonders der Harnbefund. Der sehr helle nnd stark sauer 
reagierende Harn vom specifischen Gewichte 10037« habe mi¬ 
nime Eiwel8B8puren, aber keine Cylinder enthalten. 

Alles dieses und die anscheinend ausgesprochene Polyurie — 
zn einer regelrechten Sammlung und Messung des Harnes 
konnte Pat- nicht veranlasst werden — Massen an das eveut. 
Vorhandensein einer interstitiellen Nephritis denken. Wegen 
Abwesenheit jeglicher Erscheinungen am Herzen und wegen 
des Mangels an Cylindern halte er es für wahrscheinlicher, 
dass die Polyurie nicht auf eine interstitielle Nephritis za 
beziehen sei, sondern auf nervöser Basis beruhe und als solche 
neben den anderen vom gewöhnlichen KrankUeitsbiide ab¬ 
weichenden Symptomen auch als eine Besonderheit an dem 
Falle hervorzuheben sei. 

Dr. v. Bergmann: Unter den Methoden der Implan¬ 
tation müsse auch die von Kocher angeführt werden, der 
in das Knochenmark hineinplantiere; man müsse annelimen, 
dass er Erfolge gehabt habe, da er sie sonst wolal nicht emp¬ 
fohlen hätte. 

Dr. S o k o 1 o w s k i: Es sei bedauerlich, dass wegen Stumpf¬ 
heit der Patientin nichts über einen eventl. vorhergegangenea 
Basedow zu erfahren sei. Er erinnere sich eines Falles von 
Myxoedem in dem ein Struma vorhergegangeu sei. 

Dr. L. S c h ö n f e 1 d hat soeben die Patientin ophthalmo- 
scopiert and eine bds. Seünervenatrophie feststellen können. 
Eine Gesichtsfeldaufnahme müsse noch vorgenommen werden 
nnd würde beim Nachweis einer bitemporalen Hemianopsie 
an das Vorhandensein einer Hypopbysisgeschwnlst zu den¬ 
ken sein. 

Dr. Sokolowski macht nach dieser Mitteilung noch anf 
den auffallend grossen Kopf nnd die grossen Extremitäten der 
Patientin aufmerksam. 

Dr. v. Manteaffel. (Schlusswort). Ein6 ophthalmoico- 
pische Untersuchung habe bisher allerdings nicht stattge¬ 
funden. Was die Transplantation von Kocher betrifft, so 
sei über Dauerresultate nichts bekannt, auch sei die Operation 
schwierig, weil zwecks Erreichung des richtigen Endeffectes 
Blutungen hierbei vermieden werden müssen., 

Punct II. Dr. P. Klemm stellt 2 Fälle vor, an denen er 
wegen Lähmungserscheinnngen eine Sehnenplastik ans- 
geführt hatte. In den letzten Jahren seien Versuche ge¬ 
macht worden auf operativem Wege durch Sehnen Überpflan¬ 
zung gelähmte Glieder wieder beweglich zu machen. Niko- 
I a d o ui, später H o f f a n. a., ist der erste gewesen, der 
den gelähmten Mnskel mit der Sehne eines lebenden Muskels 
in Verbindung setzte. Zur Erreichung des gewünschten Effec¬ 
tes sei es nötig, dass die Axeu des gelähmten und des in Ver¬ 
bindung zu setzenden Muskels einander parallel verlaufen, 
dass sie dieselbe Bewegungsrichtung hätten, sonst sei, wie 
z. ß. bei Lähmung der Peronei und Verbindung mit der 
Tendo Achiilis, die active Beweglichkeit eine nnausgiebige, 
die Bewegungsactiou eine geringe. In dem zuerst vorge- 
steliten Falle war nach vorangegaugener Redression des be¬ 
stehenden Klumpfu8se8 eine Verbindung der Peronei mit den 
Dorsalflectoren der Zehen hergesteiit worden. 

Im zweiten Falle handelte es sich um eine Tibialislähmuug. 

Dr. Thilo hat iu Deutschland häufig Gelegenheit gehabt, 
ausgeführte BehnenÜberpflanznngen zu sehen. In den meisten 
derartigen Fällen war wohl die Stellung des Fus*e* ver 


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bessert, die erreichte Beweglichkeit war aber nnr eine sehr 
geringe. Hier in diesen beiden Fällen dagegen müsse er sa¬ 
gen, dass sowohl die Stellnng wie die Beweglichkeit beden- 
teod verbessert seieu. 

Dr. Stender führt an, dass seines Wissens anch Seiden¬ 
fäden znr Verbindung des gelähmten and des lebenden Mas- 
kels verwandt worden sind. 

Dr. Klemm glaubt auch, dass nnr wenig Fälle so gnte 
Resultate wie die eben vorgestellten zeigen. Dr. Stende r 
erwidert er, dass ausser Seidenfäden, Ratgut, verschiedenes 
noch Fersacht worden sei: so habe G 1 n c k vollständige 
Charniere an Stelle der Gelenke gesetzt. Diese Versuche 
müssen aber als miBsluugen bezeichnet werden, nach der 
Operation komme es doch zur Ausstossung. Dr. v. Man- 
teu ffel erwidert der Vortragende auf dessen Frage, wa¬ 
rum die Verbindung der Wadenmuskulatur mit den Peronei 
eine unrichtige sei, dass erfahrungsgemäss diese Ueberpflan- 
znngen nun einmal keine guten Resultate geben. 

Dr. Thilo stimmt dem bei und führt au, dass die Bewe¬ 
gung der Muskeln eine viel compliciertere sei, als wir an- 
nehmen und dass wegen der Innervation der Antagonisten 
und wegen der verschiedenen Reflexpnncte der Muskeln bei 
einer Verbindung der Wadenmuskniator mit den Peronei eine 
gute Beweglichkeit ausgeschlossen sei. 

Nachtrag ad Punctl. (Dr. v. Mant eu ff ei). Un¬ 
tersuchung der Angen durch Dr. E. Johannson: Gesichts¬ 
feld bds. normal. Hemianopsie sicher ausgeschlossen. Farben 
werden got erkannt. Bds. Sehnervenatrophie (Sehschärfe 
rechts V«, links Vs« — mit Gläsern nicht gebessert). 

Dr. G. R i e s e r i t z k y, 
d. z. Secretär. 


1480. 8 itznng vom 19. November 1906. 

Anwesend 51 Mitglieder nnd als Gäste die Herren 
Werner, Wendel, Pabo, v. Haffner, Maikapar. 

Dr. 6 . Kieseri tzky demonstriert vor der Tagesordnung 
mikroskopische Präparate von Balantidium coli. 

Das Balantidium wurde in den darauf bin untersuchten De- 
jeeO'onen einer 28-jährigen Patientin gefunden, die wegen seit 
4 Monaten bestehenden Durchfällen in seine Abteilung im 
«tidtischen Krankenhause anfgenommen worden war. Von 
Interesse ist in diesem Falle, — bekanntlich gilt das Schwein 
als der Wirt dieses Infnsorinms — dass Patientin zu Hause 
eine kleine Schweinezucht unterhält. Beschwerden in diesem 
Fall sehr gering: Uebelkeit und Anfstossen vorübergehend 
vorhanden gewesen. Keine Schmerzen, kein Erbrechen. Ap- 

K Ut gnt; Stuhl enthält kein Blut, nnr wenig Schleim. An- 
nglich bis 7 Stähle täglich, jetzt nnr 3—4 am Tage. — 
Referent weist kurz auf die vorhandene Uteratnr hin nnd 
erinnert an die vor ca. 10-11 Jahren anf den livländischen 
Aerztetagen gehaltenen Vorträge von Garwitz and Prof. 
D e h i o. 

Dr. Hampeln hat während seiner Tätigkeit qm Rigaschen 
Stadtkrankenhanse trotz häufiger Untersuchungen nur zwei 
Fälle beobachten können, bei denen das ßalantidinm im Darm- 
inhalte gefunden wurde. In einem Falle handelte es sich um 
schwere Enteriiiserscbeinnngen mit nlcerösen Geschwüren, 
im zweiten am einen leichten Typhus. Bei der letzten Unter¬ 
suchung dieses Falles konnten die Infusorien nicht mehr ge¬ 
funden werden. Die Beziehung der Infusorien za den Darm¬ 
geschwüren sei seiner Ansicht nach noch eine fragliche, der 
Cansalzasammenhang sei noch nicht erwiesen. Es sei wohl 
möglich, dass die Balantidien erst dann sich niederlassen, 
wenn Ulcerationen. wie sie bei der Schrumpfniere anftreten, 
entstanden sind. Chronische Darmgeschwüre würden io die¬ 
sem Falle einen geeigneten Nährboden abgeben. Diesen 
Standpunct in der Pathogenitätsfrage habe er bereits anf 
dem betreffenden livländiscben Aerztetage vertreten. 

Dr. Büttner hat gleichfalls vor 57t Jahren hier in Riga 
einen Fall beobachtet, bei dem sich im Stahle Balantidinm 
coli fand. Es handelte sich nm eine 52-jäbrige Gesindewirts- 
fran ans Livland, welche seit einem halben Jahre an Durch¬ 
fällen litt, wobei Patientin ausserordentlich abmagerte. 
Patientin hat noch vor einem halben Jahre selbst Warst ge¬ 
macht. Stuhl erfolgt ungefähr 4 Mal am Tage. Sonst klagt 
Patientin noch über grosse Schwäche und Über Trockenheit 
im Mnnde. Der Stahl hat aashaften Gestank, ist 
flüssig, hat grane Farbe nnd zeigt makroskopisch sichtbaren 
Schleim und einige Blutstreifen. Bei der mikroskopischen Be¬ 
trachtung fällt eine ganz beträchtliche Anzahl Balantidien 
auf, die, troizdem der Stuhl schon ganz erkaltet ist, sich 
noch immer sowohl um sich selbst, als auch nach einer be¬ 
stimmten Richtung hin änsserst lebhaft bewegen. Nicht be- 
aonders viel Eiterkörperchen im Stahle. Das Blnl enthält 


55 m Hämoglobin, zeigt im Uebrigen keine Besonderheiten 
Ferner fällt eine hochgradige Kachexie anf, und es besteht 
eine ziemlich aasgesprochene Eintrocknung der Gewebe. Sonst 
ist nur noch der Harnbefund hervorzuheben : Es zeigte sich 
Eiweis in minimalen Spuren nnd es fand sich Indicau in co- 
lossal vermehrter Menge; es wurden nämlich aus 10 ccm. 
Harn 375 ccm. einer Indigo-Lösung in Chloroform gewonnen, 
welche in der Intensität der Färbung der S t r a u s s sehen 
Testlösung entsprach. Es findet sich aber anch eine kleine 
Menge Zncker im Harne, trotzdem das specifische Gewicht 
nnr 1005 beträgt; die Nylander sehe Reaction fiel po¬ 
sitiv aus and bei der Hefeprobe bildete sich im Einhorn- 
schen Sacharimeter eine Gasblase, die allerdings noch lange 
nicht ^ 4 % erreichte. Die Gerhardt sehe Eisenehlorid-Reac- 
tion fiel negativ ans. Das war am 16. Mai 1903. Redner 
verordnete Cbinin-Klystiere ( 2 °/oo), ferner Tannalbio per os 
und schärfte den Angehörigen der Patientin, die seit längerer 
Zeit zwar anf Diät achteten, dabei aber Patientin, da sie 
appetitlos war, fast nichts zu essen gaben, ein, die Kranke 
znm Essen — natürlich leicbtverdaulicher Kost — zn nötigen, 
da Patientin am Verhungern war and jetzt eine inten¬ 
sivere Ernährung ausserordentlich wesentlich erschien. Viel¬ 
leicht würden sich mehr als wässerige Chinin-Klystiere der¬ 
artige Klysmen empfehlen, bei denen das Vehikel ein Oel 
wäre nnd das Desinficiens ein Mittel, welches sich in Oel 
löst. Dann könnte man darauf rechnen, dass mit dem Oele 
das Desinficiens höher in den Darm hinaufgelangen könnte 
nnd zudem würde das Desinficiens so wohl langsamer znr Re¬ 
sorption gelangen, als in wässeriger Lösung nnd anf diese 
Weise längere Zeit auf die Balantidien zn wirken Gelegenheit 
haben. Patientin blieb zunächst nur 10 Tage in Behandlung. 
Mehrere Male wurden in dieser Zeit dem Rectum Stuhlproben 
mit dem C o h n h e i m sehen Stahlentnehmer entnommen and 
frisch anf Balantidien untersucht. Einmal fanden sich bloss 
einige unbewegliche kugelige Gebilde, die vielleicht encystierte 
Formen der Balantidien darstellten, ein späteres Mal fand 
sich nach längerem Suchen ein Exemplar eines Balantidium, 
welches keine Bewegung in toto mehr zeigte sondern nnr 
noch eine träge Bewegung der Cilien. Eine am 10. Angalt 
desselben Jahres vorgenommene Untersuchung des frischen 
Stahles der wieder eingetroffenen Patientin zeigte keine sich 
bewegende Balantidien;' es fanden sich jetzt aber Gebilde, 
von denen es zweifelhaft ist, ob es sich um encystierte For¬ 
men der Balantidien handelt, oder nicht. Am 26. Mai wurde 
Patientin nach Hanse aufs Land gebracht, weil die Angehö¬ 
rigen sie zn Hanse sterben lassen wollten. In den 10 Tagen 
der Behandlung nahmen also die Balantidien an Zahl sehr 
stark ab. Stahl erfolgte 2—3 Mal täglich, er verlor seinen 
aashaften Geruch und hatte nicht mehr ganz dünnflüssige 
Con 8 istenz. Im Harne vom 23. Mai fand sich weniger, aber 
immer noch sehr viel Indicaa; es wurde nämlich ans 10 ccm. 
Harn 100 ccm. einer der S t r a n s s sehen Testlösung ent¬ 
sprechenden Indigo-Lösung gewonnen. Im Uebrigen aber 
findet sich anch in diesem Harne wieder eine sehr geringe 
Menge Traubenzuckers (Hefeprobe) (Gerhardt sehe Eisen - 
cbloridreaction negativ; Eiweiss in minimalsten Spuren vor¬ 
handen) nnd was die Hauptsache war, die Kachexie and die 
Gewebs-Anstrocknnng blieb dieselbe, der Allgemeinzustand 
besserte sich — bei freiem Sensorinm — Dicht. Als die Kranke 
nach Hanse gebracht wurde, betonte Redner den Angehörigen 
gegenüber, die Wichtigkeit einer ausreichenden Ernährung 
nnd ordnete an, die Chinin-Klystiere wegznlassen (wegen des 
hochgradigen Schwächeznstandes), dagegen ab und zn Darm¬ 
spülungen mit Wasser vorzunehmen. Am 8. Juli desselben 
Jahres konnte ihm der Sohn von einer deutlichen Besserung 
berichten/und am 10. Angnst präsentiert sich Patientiu seifest, 
nnvergleichlich gebessert. Patientin hat zugenommen, hat im 
Blute 70° « Hämoglobin and hat 2—3 Mal täglich dickbreiigen 
Stuhl. Der mikroskopische Befund des Stahles ist oben schon 
erwähnt. Der Harn zeigt diesmal ein spec. Gewicht 1026, 
ist völlig eiweissfrei, enthält keinen Zucker (Ny (ander 
angedentet positiv, Hefeprobe negativ), zeigt aber starke Ver¬ 
mehrung des Indicans: Aus 10 ccm. Harn werden gewonnen 
165 ccm. einer der Strang ssehen Testlösung entsprechen¬ 
den Indigolösnng. Am 3. November desselben Jahres teilt 
der Sohn der Patientin mit, dass Patientin nun gesund 
sei. Stnhl erfolge 1—2—3 Mal täglich. Es handelte sich in 
diesem Falle nm eine Affection des Darmes, sowohl des 
Dünndarmes, als auch des Dickdarmes, wobei eine zeitlang 
faulige Zer 8 etznngsvorgänge sich im Darme abspielten. (An¬ 
fangs der aashafte Geruch des Stahles and zugleich die 
grössten Indican-Mengen 1) Zugleich finden sich Balantidien. 
Ob sie späterhin völlig schwinden, (encystierte Formen ?) 
Ausserdem ist am Falle interessant, dass sich zur Zeit des 
schlimmen Befundes kleine Mengen Zncker fanden and mini¬ 
male Spuren von Eiweiss. Beide, Zucker und Eiweiss waren 
bei dem gebesserten Befinden der Patientin am 10. August 
nicht mehr im Harne vorhanden. Man ist geneigt, hierin 
keine Zufälligkeit, sondern einen Zusammenhang zn erblicken. 
Man darf an die Möglichkeit denken, dass die primären Vor- 


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ging®*' im Darme die Veränderungen de» Harnes zur Folge 
haben könnten (was in Bezng auf den Indican-Gehaltia selbst¬ 
verständlich ist). Die Frage, ob in diesem Falle die Balan* 
tidien als die Erreger der Darmaffection anznselien sind, oder ob 
sie bloss znr Zeit des Höhepuuctes der Fäulnisvorgänge iin 
Darme einen günstigen Nährboden fanden und auf diese Weise 
mehr einen nebensächlichen Befund darstellten, kann nicht 
entschieden werden. Redner betont noch, dass in diesem 
Falle der Hinweis, dass Patientin in ausreichender Weise er¬ 
nährt werden müsse, wichtig war, weil die Angehörigen, in 
der löblichen Absicht, Diät einzubalten, die Patientin 1 viel¬ 
leicht hätten verhängern lassen. 

(Antoreferat.) 

Ponct I der Tagesordnung: 

Dr. Ediiard Schwarz hält seinen angezeigten Vortrag: 
üeber Heine-Medins c h e Krankheit mit Kranken- 
demonstration (Erscheint in der St. Petersburger Mediciniichen 
Wochenschrift). 

Dr. 0. Standet fragt den Vortragenden^ «wie gr sich die. 
Wiederkehr der Patellarreflexe erkläre?» 

Dr. Ed. Schwarz: Die Wiederkehr des Kniepbänoroeas 
ist ebenso zn erklären wie die Reparation der in ihrer Func¬ 
tion acnt gestörten Muskelgruppen, z. B. der Bauchmuskeln 
und der Strecker der Unterschenkel seihst; sie liegt begründet 
in der Eigentümlichkeit des pathologischen Processes; . die 
kleinzellige Infiltration tritt heerdweise auf, ist bald dichter, 
bald weniger dicht, bedrängt die Ganglienzellen bald mehr 
nnd intensiver, bald mehr aus der Ferne; sind die Entzün¬ 
dungsherde in den Zellengruppen sehr dicht, so gelten die 
G&nglienzelleu zugrunde und eine Reparatur der von diesen 
versorgten Muskeln ist, nicht mehr möglich. Ist die Bedin¬ 
gung der Ganglienzellen eine geringe, so ist ihre Functions- 
beeinträchtigung nur eine zeitweilige: sie kehren zur Norm 
zurück, und mit ihnen kehrt die Functipn der Muskeln repp. 
das Kniephänomen wieder. 

(Autoreferat.> 

Dr. Th. Ti Ving stellt an den Vortragenden die Frage, 
«inwiefern in seinem Falle' ; die Contagiosität nachgewiesen 
sei?» — 

Dr. Ed. Schwarz: Die Contagiosität sei in dem vorge¬ 
stellten Falle nicht direct zn beweisen ; doch die Erfahrungen 
der Epidemie in Schweden lassen vermuten, dass die Abgabe 
des Patienten, ihn habe 3 Tage, vor seiner Erkrankung ein 
ähnlicher Krauker besucht, keine bedeutungslose ist. Auch 
die Beobachtungen in der Abteilnng im Krankenbsase von 
den drei Fällen «seröser Meningitis» und des einen Falles 
von Landry scher Paralyse beanspruchen im Lichte der 
schwedischen Erfahrungen 1 die grösste Beachtung. Ob diese 
Fälle ähnliche - oder dieselben intensiven coutagiösen Eigen¬ 
schaften haben, wie diejenigen der Epidemie in Schweden 19051 
das wird nur duich weiteres Studium zn eruieren sein and 
dieses beansprucht die intensive Beihilfe der Collegen. Mir 
will scheinen, dass m sich bei der H e i n e - M e d i n sehen 
Krankheit ähnlich verhalten dürfte Wie bei der Weich Bei¬ 
baum sehen CerebTöSpinalmeningitis,, bei der die Virulenz 
des Giftes meist nur so, stark ist, um sporadische’Fälle zn 
erzeugen und dass nur zu Zeiten unter unbekannten Bedin¬ 
gungen die Virulenz steigt, dass es zn ausgedehnten Epide¬ 
mien kommt, wie kürzlich in Schweden. 

(Antoreferat.) , 

(Schloss folgt.) 


Wöchentliche Chronik und kleine Mitteilungen. 

— St Petersburg. Die Conferenz der militär-mbdici- 
nisclien Akademie hat den früheren Professor fürgericht“ 
liehe Medicin Dr. I.' Ssorokin in Veranlassung seiner 
mehr als 50-jährigen wissenschaftlichen Tätigkeit zum Ehren* 
tnitglied der Akademie erwählt. 

— Der nächste (9.) C o n g r e s s R u 8 s i s ch « r C h i r n r g e ri 

soll laut Beschluss d®8 soeben geschlossenen. 8. Congresse» 
wiederum in Moskau stattfinden. . 

— Der AllgemeineCongressRnasi s?fche r Ph ar- 

raaceuten soll zu Ostern dieses Jahres tJn StJ Petersburg 
stattfinden. . -*.• 

— Zu wirklichen Staat gräten sind befördert die Staatsräte 

DDr. Kadjan, Lewin nnd Wartanow, Professoren am 
weiblichen medicinischen Institut in SU Petersburg, Krüger, 
Professor der Physiologie an der Universität zu T«msk, 
Gorocbow, Director und Oberarzt des Sofien-Kinder hespi- 
tals in Moskau, Bonwetsch Consultant des Marien-Iristi- 
tnts in Saratow und Lewitski, Consultant an der Kaisen 1. 
St. Petersburger Geburtshilflichen Anstalt. > 

— Die Badesaison in Hemmern soll in diesem 
Jahre vom 15. Mai bis zom 15. Angnst dauern, statt wie 
fiÜber vom 20. Mai bis zum 1. September. 


— Vom 7. bis zum 8. Januar1909 erkrankten^ in St. Pe¬ 
te r s b u r g a n d ct 0 h o 1 e r a 34 Personen; starben 16, 
gena'sen 13. In den ; städtischen Hospitälern ; verblieben in 
Behandlung 314 Personen. Vom Beginn der Epidemie sind 
9368 Personen erkrankt. 3716 gestorben und 5337 genesen. 

ln der Woche vom 28. December 1908 bis zum 3. Januar 
1909 erkrankten and starben an der Cholera in St. Peters¬ 
burg .1,78 (46), —„ in K r o n s tad t.2 (0), - - im Gebiet 
de r Donkosak en 20 (7), — im Gouvernement Tomsk 
6(4).: 

— In London ist die’ Anzeigepflicht fü t Tuber- 

culose behördlich angeordnet und, alle Aerzte ; siud ver¬ 
pflichtet, Fälle von Erkrankung an Ttib ercu loöe. der Ge¬ 
sundheitsbehörde zu melden. Dieses Vorgehen der Londoner 
Sanitätsbehörde ist als erstes Beispiel in dieser Richtung mit 
Freuden zu begrüssen, und es wäre nur zu . wünschen, dass 
dasselbe Überal 1 Nachfolge finde, denn genaue Kenntnis 
der Statistik und, der Art und Weise der’ Verbreitung der 
Infectionskranhheiten ist der erste Gcliritt zu deren Be¬ 
kämpfung. 1 

— Der Botschafter der Vereinigten Staaten in Berlin hat 
im Aufträge de* bekannten Millionärs Carnegie 25000 Pfd. 
Sterling der R. K o c h Stiftung zur, Bekämpfang der Tu - 
berculose überwiesen. 

— Eine InternationaIe hygienische Ausstel- 
1 n ii g wird im August dieses Jahres in R 5 i o de Jan ei r o 
im Anschluss an den dort stattfindenden Aerzte-Con- 
gress des Lateinischen Sprachgebiets eröffnet werden. 

Der >26. Gongress für Innere Medicin findet am 19.—22. 
April n. St. in Wiesbaden statt unter dem Vorsitze von 
Professor S c h u 11 z e - Bonn. 

— Die 81. Versammlung Deutscher Naturfor¬ 
scher und Aerzte wird in diesem Jahre am 19.—25. 
April n. St. in Salzburg stattfinden. 

— Die Privatdocenten an der Berliner Universität, Dr. 

Brühl (Otologie) und Dr. G u t z m a u n (Sprachstörungen) 
haben den P r afe es ortete) erhalten» : : . ' 

— Der frühere Professor für Ophthalmologie an der Dor- 
pater Universität, Dr. A. Rähim&nn, der sich viel mit 
Farbenlehre 'und Farbenblindheit beschäftigt and mehrere 
Abhandlungen über die Goethesche Farbenlehre 
veröffentlicht hat, ist zum geschäftsführenden Vorsitzenden, 
der G o e t he - Ges eifs c h a f t in We i mar erwählt 
worden. 

— Dr. D eucher, der ne« erwählte B u ri d e s p r ä s i - 
d e n t der S.c h w e i z,war in /detr Jahren 1854—1874 als 
practischer Ar«t im Kanton .Thnrgau tätig. j 


— Nekrologe. 1) 1h- St. ! Petersburg starb am 
23.: December Dr. P. ü g r j u in o W, Arzt’ bei der Ver¬ 
sicherungsgesellschaft «RoBsija», im Alter von 63 Jah¬ 
ren; 2) ebenfalls in St. Petersburg Dr. N. Döbro- 
wolsk i; 3) in Charkow — Dr. A. Schäsoh k i n; 

4) in Niahnij-Nowgorod — Dr. N. D m i t r o w s k i j ; 

5) in T sc her nyi-Ostrow Dr» C. Nitowbki, 
am Flecktyphus,—- von einem Patienten inficiert. 


— Vaoanzen: Landarztsteilen sind vacatft in 
dein Kreise Noworshew, Gonv. Pskow, in dem Kreise K r o- 
le w e z, Gou,v. Tscbernigow und in dem Kreise 0 r J o w ? Gonv. 
Wjatka, im Kreise K am y sc hin, Gonv. Saratow, im Kreise 
Bo r i 8 s o gleb skjGonv.Tambow, im KreiseSso'l watsche¬ 
lt o d s k, Gouv. Wologda nnd im Kreise J e p i f ü n j, Gonv. 
Tula. . ’ t . 


•+? Nächste Sitzung: des Vereins St. Pe- 
tersh. Aerzte: Dienstag, d.43. Jan. 1909.. 

Tagesord n u ng: v.< Sc h r e n c k<: Präsidialvortrag: Ueber 
gynäkologische Koeliofeomien. 
Jahresberichte der Secretäre und desCas- 
‘, sierers. - 

• Beschlüsse betr. des bevorstehende 50-, 
, ; jähr. Jubiläum des. Vereins.: 
Beschlüsse über Anträge betr. Biblio- 
. thekarsgehalt und Revision des Statuts. 

.> / Wahlen^ ,, ; , 

"Entgegennahme der MitgUedsbeitiüge, 

Nächste Sitzung des Deutschen ärzt¬ 
lichen Vereins: Montag.d. 18. Jan. 1808. 

T a g e s o r d n u n g.; Prof. 0- Peterseo: liebet Hefe- 
’ pU.zeHrrapkuogen der. Hgul, 


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ST. Firnen 


UEHIGINISCHE WOCHEHSCHRIFT 

unter der Mitwirkung von 

Dr. Ad. v. Bergmann, Dr. E. Blessig, Dr. 0. Brehm, Dr. X. Dombrowski, Dr. J. Dsime, Dr. C. Frankenbäuser, 

Riga. St. Petersburg. Libau. St. Petersburg. Moskau. St Petersburg. 

Dr. P. v. Hampeln, Dr. H. Hildebrand, Dr. W. Kernig, Dr. P. Klemm, Prof. 0. v. Petersen, Dr. O.v. Schiemann, 

Riga. Mitau. St. Petersburg. Riga. St Petersburg. Moskau. 

Dr. Ed. Schwarz, Prof. G. Tiling, Dr.fLWanach, Dr. H. Westehalen, Dr. C. Wiedemann, Dr. R. v. Wietinghausen, 

Riga. St. Petersburg. St. Petersburg. St. Petersburg. St. Petersburg. Reval. 

Prof. W. Zoege v. Manteuffel, 

Juijew (Dorpat), 
unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Juijew (Dorpat). Riga. 

Dr. Franz Dörbeck. 

St. Petersburg. 


Jfe 3 St. Petersburg, den 17. (80.) Januar 19Ö9. XXXIV. JAHRGANG. 


Abs dem klinischen Laboratorium des kaiserl. gynäko* 
logischen Instituts in St. Petersburg. 

Die osmotischen Vorgänge im lebenden Gewebe als 
Schutzmittel des Organismus gegen Hifection. 

Von 

Dr. F. Holzinger. — St. Petersburg. 


Ganz abgesehen von biologischen Eigentümlichkeiten 
des lebenden Gewebes, welche demselben antibacterielle 
oder bactericide Eigenschaften verleihen, kommt bei 
Benrteilung des lebenden Gewebes als Nährboden für 
Bacterien auch ein physikalischer Zustand in Betracht, 
welcher, wie es scheint, eine hervorragende Rolle unter 
den natürlichen Schutzmitteln des Organismus gegen 
lofectionen spielt. 

Es ist bis jetzt nicht genügend beachtet worden, dass 
in Gegensatz zu den toten Nährböden, das Gewebe, so 
lange es lebt, sich in einem stetigen, ungemein inten¬ 
siven Bewegnngszustand befindet, welcher auf constanter 
Wechselwirkung zwischen Gewebselementen unter ein¬ 
ander und zu den Gewebsflüssigkeiten bernbt nnd durch 
ständigen Austausch von Aufbau- und Aufbrauchs* 
Stoffen bedingt ist. Dieser Anstausch findet statt in 
Form von zahllosen feinsten Strömungen, welche teils 
fiitrativer, teils aber sicher osmotischer Natur sind 
nnd das Gewebe in den verschiedensten Richtungen bis 
in die kleinsten Zelielemente hinein durchziehen. Dass 
im besonderen osmotische Strömungen im Gewebe ihre 
Wirkung entfalten, kann nicht zweifelhaft sein, nachdem 
besonders von Hambarger für eine ganze Reihe von 
Zellarten nnd ganze Gewebe *) nachgewiesen worden ist, 
dass dieselben den Charakter der Halbdnrcblässigkeit 
besitzen nnd da es nicht schwer ist auch für Tube, 


*) KpitbeUelleu des Oesophagus, des Darmes, der Bisse, der 
Trachea, rote and weisie Blutkörperchen, Peritoneum. 


Darmwand, Molencysten sich davon zn überzeugen, dass 
diese Gewebe semipermeabel sind. So lange osmotische 
Spannungsdifferenzen in den die Gewebe und Gewebs- 
elemente anfüllenden flüssigen Substanzen herrschen, 
d. h. so lange das Gewebe lebt, müssen daher osmo¬ 
tische Strömungen die Gewebe continnierlich durchsetzen. 

Es liegt somit nahe das Verhalten von Bacterien in 
lebenden Geweben in Parallele zn setzen mit den Ent- 
wickelnngsverhältnissen von Bacterien in Nährlösungen, 
welche von osmotischen Strömungen durchzögen werden. 

Die Resultate meiner Versuche, welche unter solchen 
Bedingungen mit Hefe pilzen, Harn bacterien *) und Heu- 
pilzen 8 ) erzielt wurden, habe ich nun in folgenden 
Sätzen formuliert: 

1) In einer von osmotischen Strömungen 
durchzogenen Nährlösung wird Bacterien* 
Wucherung verhindert. 

2) Eine stark mit Bacterien inficierte 
eiweissfreie Nährlösung wird durch osmo- 
tische Strömungen sterilisiert, wenn die¬ 
selben ca. 48 Standen einwirkten and bleibt 
steril, so lange die Osmose mit genügen¬ 
der Intensität andauert. 

Wenn die abtötende Wirkung osmotischer Strömungen 
auf Bacterien eine gewisse Abhängigkeit Yon der che¬ 
mischen Zusammensetzung der Nährlösung zeigt, inso¬ 
fern als ei weisshaltige (Pepton) Lösungen nicht sterili¬ 
siert werden konnten, besteht diese Einschränkung nicht, 
so weit es sich am das Wachstum von Bacterien han¬ 
delt. Sowohl in ejweissfreien, als anch peptonhaltigen 
Nährlösungen wird die Entwickelung yoq Bacterien durch 
osmotische Strömungen zum Stillstand gebracht, nur mit 
dem Unterschiede, dass io eiweissfreien Lösungen gleich¬ 
zeitig eine Abtötung stattflndet, während in Pepton- 


Holzinger. Ctentralbl. für Bacteriologle. Abt; II. 
B. XXL 1808. 

•) H o 1 * l n g e r. Bert, klin Wocbentcbr. Nr. 8, 1909. 


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lösuiigen die Lebensfähigkeit der fteimp vielleicht herab« 
gesetzt, aber nicht vernichtet wird. 

Für die Gewebe des Organismus, welche einen ei¬ 
weissreichen Nährboden darstellen, und die Genese von 
Ipfectionskrankheiten kommt^ nur der erste Satz in 
Frage, welcher sich auf die Entwickelung von eingedrun¬ 
genen Keimen bezieht. 

Wie eine von osmotischen Strömungen durchzogene 
Nährlösung- keine BacterienWucherung aufkammen U$st r 
so muss auch das von osmotischen Strömungen durch¬ 
zogene lebende Gewebe die Entwickelung vqü eingedrun¬ 
genen Keimen verhindern, auch wenn dieselben darin, als 
auf eiWeissreichem Nährboden, eine gewisse Zeit ihre 
Lebensfähigkeit bei behalten. Da aber die Entwickelung 
von>lnf6ctionskrankheiten‘ in ietzter Instanz wohl mei¬ 
stens auf Producte bacterielJel* i Lebenstätigkeit zu be¬ 
ziehen ist, so beginnt die Pathogenität der Bacterien 
in der Regel/,erst mit ihren Entwickeiungs- oder Wachs¬ 
tumsprocessen und selbst excessiv pathogene Arten blei¬ 
ben für den Organismus harmlos, so lange sie nicht in 
der Entwickelung begriffen sind. 

In den osmotischen Strömungen muss also für das 
lebende Gewebe eine Schutzvorrichtung gegen Infectionen 
angenommen Werden*,-welche auf einem rein physika¬ 
lischen Vorgang" beruht und welche weit früher in Wir¬ 
kung tritt, als die schon bekannten biologischen Schatz¬ 
kräfte. >• ' . / 

Wie kommt aber unter solchen Umständen überhaupt, 
eine Infection zustande? 

Die Antwort ist einfach: Bei Abschwächung oder 
Stillstand, der osmotischen Vorgänge wird dieser wirk¬ 
same Schutz ausgesehaltet. 

Im Experiment ist der Beweis leicht zu geben, dass 
tatsächlich. nach Ausschaltung., oder bedeutender Ab- 
scbwädhung /der. Osmose dieselbe Lösung, welcbp, so¬ 
lange die Osmose.; mit genügender Intensität wirkte^ 
tagelang bakterielles Wachstnfh anfwies, alsbald 

elpe Üppige Bacterienflota,aufschiessen läöst. 

Für da§/Gewebe .müssen wir., unis.vorläufig begnügen 
däs bekannte einschlägige Tatsachenmaterial auf seinen 
Einklang halt unsörer .Theorie zu prüfen, denn wenn 
auch eineexperimentelle. Beweisführung nicht ausge- 
stblossen ist,; so siösst sie . doch auf zu . grosse tech- 
njschp Schwierigkeiten. . 

.Von Tatsachen kommen vor allem diejenigen, in Be¬ 
tracht, in welchen die zu infbctiösen Erkrankungen prä¬ 
disponierenden Umstände sich geltend, machen. ’ Sollte.* 
man nachweisen^können, dass diese Umstände trotz ihrer 
Verschiedenartigkeit alle auf Äbschwächung oder Still¬ 
stand osmotischer Vorgänge znriickgeführt werden können, 
so müsste darin zum mindesten eine ' gewaltige Stütze 
der Theorie ’ erblickt werden. • Und das ist tatsächlich 
dir 'Fall. ' 7 .• •’ 

* J) Traumatisierung ' der Gewebe begünstigt Infection. 

Es ist ohne weiteres verständlich, dass ein Extravasat 
oder Transsudat, r $ei ed auf Wündfläcben oder in Ge- 
websspalten, mehr oder weniger lange Zeit, wenigstens 
bis zom Eintritt kräftiger Resorption, der Einwirkung 
der Gewebsosmose entzogen bleibt. Hier haben wir ge- 
wissermassen einen toten Nährboden, welcher aus dem 
Bereiche der osmotischeh Vofgärige heransgedrängt ist 
und welcher daher günstige Bedingungen für Bacterien- 
entwfckelung därbietet. 

2) Verstopfung von ‘Abfuhrkanälen, seien es Blut¬ 
oder Lymphgefässe oder Lymphspalten, Drüsenausfüh¬ 
rungsgänge, begünstigt Infection. Hier spielt wohl se- 
cundäre Transsudation im verstopften Gebiet dieselbe 
Rolle wie Extravasate im tranraätisierten Gewebe. Viel¬ 
leicht bewirkt auch die Druckerhöhnng im verstopften 
Bezirk eine,.Abschwächnng: der „osmotischen Strömungen. 

3) Hanger- und schlechte Ernährungszustände k erhöben 
die Disposition sto hifeetidneö; s > 


Allgemein wird das auf Verringerung der Widerstands¬ 
fähigst des Organismus zurückgeführt. Damit ist aber 
offenbar ebensowenig erklärt, als wenn man sagen 
würde: das Thermometer sinkt, weil es kalt geworden ist. 

Die ^osmotische“ Theorie lässt .uns dagegen einen 
Schritt weiter gehen. Hungerzustand und Unterernäh¬ 
rung ist im allgemeinen ein Zeichen dafür, dass der 
Verbrauch die Zufuhr von Nährmaterial überwiegt. Die 
Gewebszellen finden in der Gewebsflüssigkeit die Nähr¬ 
stoffe nicht in genügender Menge oder nicht in nötiger 
Zusammensetzung vor und daraus resultiert über korz oder 
lang Abnahme oder Ausgleich der osmotischen Span¬ 
nungsunterschiede im Gewebe, welcher Abschwächnng 
oder Sistierung der osmotischen Strömungen zur directen 
Folge hat,' Ganz besonders muss offenbar die Osmose 
erschwert werden, wenn Wassermangel hinzukommt, 
weil die Gewebssäfte durch Eiadicknog ihren normalen 
osmotischen Druck einbüssen. Tatsächlich sinkt ja auch 
dip Lebenstätigkeit der Gewebe beim Hungern ohne 
Wasser bedeutend schneller als mit Wasserzufuhr. Durch 
mangelhafte Ernährung bedingte Disposition zu Infec¬ 
tionen lässt sich somit ebenfalls anf Abschwächnng os¬ 
motischer Vorgänge im Gewebe zurückführen. 

Es mag gleich hier auf den ' Einwand' eingegangen 
werden, dass mit der Annahme osmotischer Strömungen, 
_die physikajischen Processe im Gewebe lange nicht er¬ 
schöpft sind, insoforn als auch filtrative und Diffusions- 
processe eine Rolle spielen. Für meine Theorie ist dieser 
Einwand kaum wesentlich, weil ich glanbe, dass in 
letzter Instanz nicht die Osmose als solche, sondern der 
durch dieselbe verursachte Bewegungszustand des Ge¬ 
webes die Ursache der antibacteriellen Eigenschaften 
bildet *) In dieser Beziehung dürften auch filtrative und 
Diflusionsströmungen analoge Bedeutung haben. Welche 
Gattung von Strömungen^ präv&liert, wissen wir ja nicht, 
für die theoretische Betrachtung mussten aber gerade 
dfe osmotischen Strömungen in den Vordergründ ' treten,* 
weil die experimentelle Grundlage der Theorie von den¬ 
selben ausgeht. 

4) Erkältung prädisponiert zu Infection. Diese dunkle 
Frage lässt sich allerdings nur hypothetisch behandeln, 
immerhin ist auch in dieser Form eine gewisse Ueber- 
einstimmnng mit dar Theorie nicht zn verkennen. 

Es ist bekannt, dass die Osmose bei 1 höheren Tempe¬ 
raturen lebhafter verläuft, als bei niedrigen. Nach 
meinen Beobachtungen verhält sich das in folgender 
Weise: Verfolgen wir in einer „geladenen“ halbdurch¬ 
lässigen Thonzelle 6 ) das Steigen der Flüssigkeitssäule 
in der Glasröhre, so sehen wir, dass eine auf bestimmten 
Grad temperierte Lösung im Wasser von derselben Tem¬ 
peratur mit einer gewissen Geschwindigkeit ansteigt. 
Wird hun die Thonzelle in Wasser von höherer Tem¬ 
peratur gebracht, so nimmt die Geschwindigkeit des 
Steige ns mächtig zu, bis sich die Temperaturen von Lö¬ 
sung und Wasser aasgeglichen haben. Dann fällt die 
Flüssigkeitssäule in der Röhre um nachher wieder mit 
normaler Geschwindigkeit langsam in die Höhe zn gehen. 
Die seenndäre Senkung kann übrigens ausbleiben. Wird 
aber die Zelle in kälteres Wasßer gestellt, so rührt sich 
die Flüssigkeitssäule nicht von der Stelle bis beide Tem¬ 
peraturen sich ausgeglichen haben und steigt dann mit 
normaler Geschwindigkeit constant an. Wir sehen also, 
dass, höhere Aussentemperatur die Osmose mächtig an¬ 
regt, während niedrigere Aussentemperatur sie zum 
Stillstand bringt. Dabei kommt es nur auf den Unter¬ 
schied zwischen den Temperaturen beider Flüssigkeiten an. 


*) Vergl. Holzinger. Mitteilung im Verein russischer 
Aerzte in St. Petersburg. Mai 1908. 

**) H o 1 zi n g er. GentralbLf, Bacteriologle H. Abt. Bd. X^I. 
1908. - r 


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37 


Um diese Verhältnisse auf das lebende Gewebe zu 
beziehen, müsste allerdings erst nachgewiesen werden, 
dass durch äussere Einflüsse Temperaturdifferenzen im 
Gewebe hervorgerufen werden können und zwar in der 
Weise, dass Gewebsflüssigkeit niedriger temperiert sei, 
als die Zellelemente. A priori ist es schon denkbar, dass 
„tote" Gewebssäfte und „lebende" Substanz vorübergehend 
derartige Temperaturunterschiede, wenigstens in der 
Nähe der Körperoberfläche, aufweisen. An solchen 
Stellen müsste dann die Osmose Stillstehen und hier 
würden sich die Entwicklungsbedingungen für Bacterien 
günstig gestalten. 

Wir sehen also, <J ass die verschiedenen Umstände, 
welchen eine zu Infectionen prädisponierende Bedeu¬ 
tung beigemessen wird, sich ohne Zwang in den Rahmen 
der „osmotischen" Theorie fügen und einer einheitlichen 
Erklärung zugänglich sind, indem für alle Abschwächung 
und Stillstand osmotischer Strömungen angenommen 
werden kann. 

Wenn auf den ersten Blick vielleicht die Bier sehe 
Stauung einen Einwand bedeutet, insofern als dieselbe 
mit Erschwerung des Abflusses von Abfuhrstoffen ein¬ 
hergeht und trotzdem durch die Stauung antibacterielle 
Wirkung erzielt wird, so hält dieser Einwand der 
Kritik nicht Stand. 

Es bedarf nämlich kaum eines besonderen Beweises, 
dass eine stärkere Anfüllung der Gewebsspalten und 
Intercellnlarräume mit dünnflüssigen Säften zu einer 
Anregung der Osmose beitragen muss. Dadurch wird 
vor allem das Nachbargewebe um den Infectiousherd 
herum in einen Zustand verstärkten Schutzes gebracht 
uod die Localisation des Herdes strenger gestaltet. 
Wird aber die Erschwerung des Abflusses zu weit ge¬ 
trieben, so dass eine Stockung eintritt, so bilden sich 
die schon besprochenen, für die Osmose ungünstigen Ver¬ 
hältnisse aus und statt einer Anregung der osmotischen 
Strömungen entwickelt sich Abscbwächung und Still¬ 
stand. Die Parallelität dieser Erscheinung mit der Be¬ 
deutung, welche anerkannter Weise die richtige Dosie¬ 
reng der venösen Hyperämie für den therapeutischen 
Effect besitzt, ist nicht zu verkennen und vorerwähnter 
Einwand verwandelt sich in eine Stütze der „osmoti¬ 
schen“ Theorie. 

Zusammenfassung: 

1) In einer von osmotischen Strömungen durchzo¬ 
genen Nährlösung können sich Bacterien nicht ent¬ 
wickeln. 

2) ln den Geweben des Organismus spielen osmotische 
Vorgänge eine hervorragende Rolle und daher müssen 
die Entwickelungshedingungen für Spaltpilze im lebenden 
Gewebe ähnlich denjenigen sein, wie sie in Nährlösungen, 
welche von osmotischen Strömungen durchzogen werden, 
gegeben sind. 

8) Unter den Schutzmitteln des Organismus gegen 
eingedrungene Bacterien stehen die osmotischen Vor¬ 
gänge der Gewebe im Vordertreffen, indem sie die Ent¬ 
wickelung der Bacterien verhindern. 

4) Die über Frädisposition zu Infectionen bekannten 
Tatsachen lassen eine einheitliche Erklärung zu und 
stehen in vollem Einklang mit der „osmotischen“ Theorie 
der antibacteriellen Eigenschaften des lebenden Gewebes. 


Ueber den Wert zweier neuen Eiweiseproben. 

Von 

Dr. J. M. W o 1 p e (Smolensk). 


ln letzter Zeit wurden zwei neue Methoden zur Be¬ 
stimmung des Eiweisses in verschiedenen Ex- und Secre- 
ten des Organismus empfohlen : eine qualitative und 


eine quantitative. Es würde sich fragen, ob &ie 
neuen Eiweissproben nicht überflüssig sind rnnd ob sie 
im Vergleich mit den bereits vorhandenen, ganz beque¬ 
men und brauchbaren Methoden tatsächlich eine Berei¬ 
cherung des diagnostischen Schatzes darstellen? Darauf 
muss man entschiedet folgendes' antworten: man soll 
viele Untersuchungsmethoden besitzen; 'die einen haben 
grosse Vorteile, dafür aber solche Nachteile, die in den 
anderen Methoden nicht vorhanden sind;' die einen Me¬ 
thoden sind praktischer und bequemer, die- anderen 1 ge¬ 
nauer, die dritten nehmen weniger Zeit und Material in 
Anspruch u. s. w. Deshalb ist es sehr Wichtig, wenn 
wir übet eine grosse Anzahl von brauchbaren Untcir- 
suehungsmethoden verfügen, und somit in dem einen 
oder anderen Fall die Untersuchung sich präciser oud 
genauer gestalten kann, was für wissenschaftliche Ar¬ 
beiten durchaus von grossem Wert ist. 

Ich will mich zum Thema wenden. Besprechen wir 
zuerst die qualitative Melhode. Sie rührt von B a r ^ 
dach *), aus einem Wiener Laboratorium, her. Das 
Princip dieser Eiweisüprobe äussert sich in Folgendem. 
bei Einwirkung von Jod auf Albuminlösung in 
Gegenwart geringer Mengen von Aceton wird' die 
Bildung des Jodoforms durch das Albumin verhindert* 
und Jod tritt in das Albumin substituirend ein; es tritt 
an Stelle der hexagonalen Jodoformplättchen nach kür¬ 
zerer oder längerer Zeit ein Niederschlag von gelben 
and weissen Nüdelchen ein. 

Diesem Princip unterziehen eich sämtliche, > vielmehr; 
verschiedenartige Repräsentanten der Eiweissglüppe* so 
z. B. Acidalbuminat, Protälburaosen, Pepton, Vitellin, 
Casein, Nucleio, Pancreatin, Hämoglobin, Mucin : und 
Leim, resp. Gelatine. 

Die Methode eignet sich für Untersuchungen ’ von 
Urin, Sperma, Blut, S putu m u. s. w. auf Albu- 
min. Die zu untersuchende Flüssigkeit muss alkalisch 
Sein; zu diesem Zweck setzt man'dem Urin ein wenig 
Kalilauge zu. Urin gibt die Reactiön nach vorhergegan- 
genem Erhitzen unter Essigsäurezusätz, Filtrieren, Wa¬ 
schen und durch Alkali wieder in Lösung gebrächt. 
Sonst tritt die Reactiön bei eiweisshältigein Urin nur 
nach 8 / 4 -stündiger Einwirkung ein. Dasselbe kann her- 
vorgerufen werden durch Zusatz von NaOH vor dAn 
Reagenzien. Der reagierende Körper ist anch .fm nermä*' 
len Eiweiss vorhanden. ' ' ' 

Die Ausführung, der Reactiön ist 3ehr einfach und 
nimmt nicht'viel Zeit in Anspruch; sie erfordert äucti 
keine besondere Geschicklichkeit. Sie wird iö der Weise 
aüsgeführt, dass man zu 5 ccm. der zü 51 untersuchenden 
Flüssigkeit 2 bis 8 Tropfen einer f / 2 % Ac et to n l ö ¬ 
sung zusetzt, dazu sq viel L ügOiVüher^sung^fJpd; 
4,0/ Jödkalium 6,0 Aq: 1 Ö0 ccm.), bis eine rotbräunls 
Färbung eintritt, die nicht mehr verschwindet,-alib von; 
1 Tropfen bis 2 ccm.; dann setzf man A mmönfiak 
im Ueberschuss zu. ungefähr 3 ecifr: 11 ). Fällt die Probe, 
positiv aus, so bildet sich nach einigen 5 Minuten (je 
mehr Eiweiss vorhanden ist, desto schneller tritt Öiö; 
Reactiön ein) ein cröme-gelber Niederschlag, der mikro¬ 
skopisch au9 KryStallen besteht, und ^war kein echtes 
Jodoform enthält, jedoch nach Jodoform riecht. Beim 
negativen Ausfall der Untersuchung bildet sich sofort 
ein dichter schwarzer Niederschlag,' der ebenfalls aus 
. Krystallen besteht; die Untersuchung hat aber gezeigt/ 
dass die letzteren Krystalle von den ersteren sich we¬ 
sentlich unterscheiden; Der ge|be Niederschlag ist eine 
Jodverbindung mit Eiweiss; ich möchte sie als Jod- 
a 1 b u m i n bezeichnen. Der" schwarze Niederschlag ist 
eine Jodstickstoffverbindung. 

' Jodstickstoffverbindungen treten dann auf, wenn Jod 
in mässigen Ueberschtiss vorhanden ist. Auf dieser"" 
Niederschlag lagern sieh dann die Nädelchen ab: We/ 
zri viel Jod ■ genommen wird/so ist die Bildung * 


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Jod 5 lkk 3 tofverbiQdangeD so reichlich, dass sie die g w- 
Uoo verdecken. 

Ich baba diese Methode voo ß & r <1 ach eingehend 
nacbgepruft,.. ausführliche mikroskopische UntarsQekungen 
angestellt und mit verschiedenartigen Krystallen dieser 
Gruppe Von JiMverhiüdaßgflnverglichen. Diese Arbeit 
führte mich zu manchen praeMseben Schlüssen uud zeigte, 
dass die Probe in einigen Fälle» verwertbar ist, in man¬ 
chen aber im Stiche lässt. 

Ich habe die Probe an Exsudaten» Transsudaten uod 
Urinen angestellt; die Zahl der antersnchteü Trans-und 
Exsudate war aber verhältnismässig §t> gering, dass sch 
mich veranlasst sehe, von der Bespröobüög der Eiweiss- 
untersuclmngen der Trans- nnd Exsudate mittels der 
Bardach’schen Methode Abstand zu »ebroon. 

Ich will blos in Kurze meine Erfahrangea über diese 
qualitative Eiweissbestimmong im Drin ansei ha nderseUen. 

Ich habe bei 125 Personen, die mir als pfiliklioisehe 
Patienten za Gebote staadeD, den Urin jräf Album*?«, 
resp. auf SerumaJbumin und Nocleosdhumm untersucht: 
es waren darunter 26 Falle von acuter und ohronischer 
Nephritis; 17 Fälle von Albummarie ohne dass eine 
echte Nephritis zu constatieren War; 16 Fälle von Luo~ 
genspitzenk&fcarrhen cubercolöser Natur; T Fälle von 
orthostatischer Aibomiöurie; 4— Pertussis, 2—Gelenk’ 
rheumatismus, 3 — Influenza, 3 — Volum, hepal. auet,; 
tl—Vitium cordis, von denen 2 Fälle — mit Discom- 
peiisatio cordis; 3 Morbilli; 4 Fälle von chronischer 
babitoeller Obstipation; 1 t Fälle von verschiedenafUgen 
Magenleiden, meistens Catarrheo •, 2 Fälle von Morbus 
Öasedowii; 9 Fälle von Cystitis mit stärker ßacteri» 
nrie; endlich 6 Fälle von Anaemis und 2,^Cblomcv> . 

lö allen Fäilon habe ich deD Nioderscbiag ceuLnfugiert form»' ..wie • es bei Vorhandensein- von Ei.wejss de? Fall 

und mikroskopisch» meistens mit der starken Vergrösse- ist, jedoch stark nach Jodtiuctur, resp. reinem Jod- Irn 

rniig (Leüz, Obj. 7) untersucht. B^vor ich die Probe Centrifugat findet man dunkle, lauge, in der 

machte, habe kh jedesmal mit Lftätmispapler die Eeac- Mitte stark und plump verdic kt » 3 ».spitze 

tioö des Urins geprüft. War die Reaciioß sauer, so Kry stallnadetn, welche nicht gteiHen oad teil¬ 
tet itt ich so viel Kalilauge zu, bis eine deutliche aika- weise ganz schwant sind; manche von den Kfjstäilea 

tische Reaktion eintrat. In Fällen, wo der Ei wo iss- sind aufeinander gelagert, bieten jedoch keine regel - 
gehalt eio sehr geringer war. modificiene ich die Aus. massige, sternförmige Gestalt. Wie gesagt, ist der Ünfcer- 
filhrnog der Probe etwas, in der Weise, dass ich zuerst schied zwischen Jodalbuminkrystailea und Krystallen d«r 
Ammoniak, znsetzte und dann L agoTsche Losung, also ,fotS 3 tkksiog , verbiödußgeö auffallend, was übrigens auf 
umgekehrt: dieses Verfahren trägt dazu bei, dass sich der zweite« Figur zü sehen ist. 
dßr Niederschlag von Jodalbuniiß viel schneller bildet 
und deutlicher ausgeprägt Ist. 

Deo centrifngiertea Niederschlag habe ich sowohl beim 
positiven Ausfall der Probe, wie auch beim negativen 
Ausfall, eingehend mikroskopisch untersucht. Um dea 
Unterschied in der Gestalt der Jodeiweisskryatalle von 
den gewöhnlichen Jodoform pläfctehen genauer zu verfol¬ 
gen, habe ich mir jedesmal frisches Jodoform ans einer 
Mischung von Alkohol, Jod und Kalilauge künstlich her’ 
gestellt und die ersten KryslaUe mit denen des Jodo¬ 
forms unter dem Mikroskop verglichen. 

Die JodalbomißkrysuHe unterscheiden sich wesen t> 
lieh vcm den geübeu, hexagonalen, sternförmigen w& 
geometrisch regelmässigen Jodoformplättchön, In erster 
Lißie fällt der Unterschied in der Farbe auf. Die Jod- 
alburoißkrystaüe stellen welssn, dsrehsirhtlge f 
stärk lieh ihr ecke öde, an grosse pevtnal 
dein er i d &e r nd e KrystaI)e dar; sie gestalten 
sieb teils in Form von unregelmässigen Sternen, teils 
aber als eine amorphe krystallinisch«, Wisse starkgfän- 
•xende Masse, welche, wie die nähere Untersucliüng zeigt, 
aus einzelnen auf einander gelagerten farblosen, krystal* 

Umsehen kurzen Stäbchen besteht. Die Nadelp, welche 
diese Sterne bilden, sind viel länger und uh regelmässig 
ger als die kurzen Nadeln der gelben jodoformkrystallej 
welche eine rein sechseckige Form haben ; aacb sind 
sie nicht so regelmässig, wie die JodoformkrystaUe. 

Folgendes mikroskopische Bild veranschaulicht die 
GsstaJi der Jodeiweisskryalaltey welche das Sediment 


bei positivem Ausfall der 8 a r d a c buchen Ei Weissprobe 
bilden: 

Fig. I. 


Nun wollen wir uns klar legen, welche Vorteile resp. 
Nach teile die neue Jodprobe auf Eiweiss im Vergleich 
mit den bisher Üblichen qualitativen Untersuchung 
meUioden bietet. Meine Beubacb tungen führten mich zu 
folgenden Ergebnissen, die ich kurz fassen will. 



39 


ln erster Linie lässt die nene Methode auch minimale 
Spuren von Eiweiss nach weisen; es handelt sich hier 
blos um die richtige und genaue Ausführung der Probe; 
dieser Umstand gpHi eine grosse Rolle bei der Unter* 
suchung von Fällen mit einer bestehenden Nierenreizung, 
mag es infolge einer Tuberculose oder Anämie, eines 
Vitium eordis oder einer anderen Ursache sein. Bei 
Kindern mit einer orthotischen Albuminurie, die sehr 
wenig Eiweiss ausscheiden, lassen sich mittelst der neuen 
Probe auch geringe Spuren von Albumen nachweisen. 
Die Probe hat aber einen grossen Nachteil, und zwar, 
dass die Art des Eiweisses nicht bestimmt 
werden kann, wie wir es mittelst der Essigsäure- 
und Ferrocyankaliumprobe bestimmen können: die Bar- 
dach’sche Probe fällt positiv bei Anwesenheit sämtli¬ 
cher Eiweissaiten aus, wie z. B. Protalbumosen, 
Pepton, Acidalbuminat, Vitellin, CaseTn, 
Pancreatin, Hämoglobin, Mucin uüd Gela¬ 
tine (Leim). Dieser Nachteil lässt in manchen Fällen 
im Stich, namentlich in Fällen, wo es sich um die von 
Differentialdiagnose zwischen Cystitis und Pyelonephritis 
handelt. Wenn diese Probe auch einen Nachteil haben 
mag, so besitzt sie einen grossen Vorteil, der sich darin 
äussert, dass wir in Fällen von Harntröbung infolge 
einer cystitischen Bacteriurie, falls Eiweiss im Urin zu¬ 
gleich vorhanden ist, mittelst der Jodprobe es nach¬ 
weisen können, während die Essigsäure — Ferrocyan¬ 
kaliumprobe kleine Mengen von Eiweiss bei Anwesen¬ 
heit einer bacteriellen HarntrUbung nachzuweisen nicht 
imstande ist. Dies ist in vielen Fällen ein grosser 
Vorteil, der nicht zu unterschätzen ist. 

Auch in wissenschaftlicher Beziehung bat die neue 
Jodprobe ein gewisses Interesse. Es wäre wünschens¬ 
wert, zu erforschen, was für eine Verbindung das Eiweiss 
mit Jod gibt, welche die für diese Ei weissprobe charak¬ 
teristischen Ktystalle im mikroskopischen Bilde zeigt. 
Kan sollte diese Krystalle näher untersuchen und zwar 
auf ihre chemischen Bestandteile. Sollte diese Erforschung 
günstig ausfallen, so könnten wir, vielleicht eine Erklä¬ 
rung finden, weshalb in manchen Fällen chirurgischer 
and medikamentöser Jodbehandlnng und Jodoform desin- 
fection schädliche lntoxicationen (Jodismns) anftreten. 
Die Ursache dieser Erscheinung hängt meines Erach¬ 
tens von einer giftigen Verbindung des Zellenprotoplas¬ 
mas resp. seiner Eiweissstoffe mit diesen Jodsubstanzen 
ab. Wenn wir die Ursache dieser Jodintoxication näher 
kennen lernen und den chemischen Körper, der die 
organische Reizung resp. Vergiftung ausübt, nachweisen, 
so ist es vielleicht auch möglich, diesen Körper ans dem 
Jodoform und änderen Jodpräparaten anszuschalten, in¬ 
dem man sich ein ähnliches, dieselbe Wirkung besitzen¬ 
des, aber unschädliches und die Zellen nicht zerstören¬ 
des Präparat zur medikamentösen Therapie und znr 
Desinfection von Wunden herstellt. Das wäre der prac- 
tiscbe Zweck. 

Wenden wir uns nnn zur Besprechung der zweiten 
Untersnchnngsmethode auf Eiweiss. Diese ist eine quan¬ 
titative (volnmetrische) und ist von einem japanischen 
Aotor, namens Tsuchiya 8 ), der diese Probe in der 
Mering'schen Klinik (Halle a/S) ausgearbeitet hat, 
zuerst angegeben. 

Mittels einer alcoboliscben Phosphorwolfram¬ 
säurelösung wird die Ei weissmenge in derselben 
Weise nnd in demselben Albuminimeter, wie es seiner¬ 
zeit Esbach angegeben hat, bestimmt. Die Zusammen¬ 
setzung des Reagens von Tsnchiya ist folgende; 
Acid. phosphorwolframic. 1,6 Acid. hydrochlor. con- 
centr. 6,0 Alcohol (96%) 100,0. Das Verfahren und 
auch das Röhrchen sind, wie gesagt, dieselben, wie beim 
Esbach. 

Die Untersuchungen von Tsuchiya führten za fol¬ 
genden Resultaten: 


a) aus normalen Harnen fällt kein Niederschlag zu 
Boden, wie es bei Esbachs Reagens nach 24 Stunden 
der Fall ist; 

b) der Niederschlag von Eiweiss setzt sich regel¬ 
mässig ab; es bilden sich keine Schaumbläschen, wie es 
bei Esbach beobachtet wird; das Schwimmen von 
Flocken, wie es bei Esbach der Fall ist, wird eben¬ 
falls nicht beobachtet; 

c) die Genauigkeit ist bei gewöhnlicher Zimmertempe¬ 
ratur bedeutend grösser, als beim Esbachschen Ver¬ 
fahren ; 

d) eine Verdünnung der zu untersuchenden Flüssig¬ 
keit ist hier, wie bei Esbach, anch gestattet, wie 
z. B. bei Untersuchungen von Ex- nnd Transsudaten; 
bis 7°/^ ist die Genauigkeit ohne Verdünnung noch 
genügend; 

e) die Methode hat einen grossen Vorteil, da auch 
kleine Mengen von Albumen einen Niederschlag geben, 
besonders empfehlenswert ist sie bei Fieberharnen, wo 
man mittelst Esbach keinen Aufschluss bekommen 
kann; 

f) der Niederschlag enthält dieselben Stickstoffverbin¬ 
dungen wie das Eiweiss, welches im Urin vorhanden ist, 
während bei Esbach im Niederschlag ziemlich viel 
Harnsäure enthalten ist 

Einen grossen Vorteil sieht der Autor auch darin, 
dass man dabei mit der giftigen Pikrinsäure nicht zu 
tun hat. Das Reagens von Tsuchiya (Phosphorwolf¬ 
ramsäure in alcoholischer Lösung) gibt auch keine 
Flecken auf den Händen und der Wäsche, wie es die 
Pikrinsäure verursacht. 

Ich habe an 50 Urinen mit verschiedenen Quantitäten 
von Eiweiss, von minimalen Spuren angefangen bis 
18°/oo> die von Tsnchiya angegebene Eiweissbestim- 
mung eingehend nachgeprüft und kam zu denselben 
Ergebnissen, wie der Aator. Die Erfahrung führte mich 
auch zu anderen Schlüssen, von denen ich Erwähnung 
tnn will. 

Werfen wir nun einige Blicke auf die historische 
Seite der volumetrischen Eiweissbestimmung. Bisher 
besassen wir einige Methoden zur quantitativen Alburai- 
nimetrie, und zwar sind es fünf Methoden, die ich in 
Kürze besprechen will: die von Esbach, Wassil- 
jeff, Rössler, Christensen und Büchner. 

Die Methode Esbach’s 6 ) ist allgemein bekannt, und 
es ist kanm nötig, darüber ein Wort zu verlieren. Sie 
existiert seit dem Jahre 1680. 

Vor 19 Jahren hat Christensen n ) eine Emulsions¬ 
methode vermittelst Gerbsäure und Gummi ara- 
bic. angegeben. Er hat sie aber selbst nur zur „appro¬ 
ximativen“ Bestimmung des Albaniens im Harn empfoh¬ 
len; von einer genauen Bestimmung kann bei der Emnl- 
sionsmethode von Christensen absolut keine Rede 
sein, und daher ist diese Methode gänzlich verworfen. 

Das Reagens, welches von Wassiljeff 8 ) angegeben 
ist, ist Sulfosalicylsäure; es hat aber keine Ver¬ 
wendung gefunden. 

Rössler 9 ) hat vor 6 Jahren ein Reagens angege¬ 
ben, das aus Essigsäure und Ferrocyankalium besteht: 
diese Reagentien werden aber bekanntlich nur zur quali¬ 
tativen Ei Weissbestimmung verwendet. 

Neulich ist von Büchner t0 ) eine Methode beschrie¬ 
ben and angegeben; das Reagens von Büchner besteht 
aus Salpetersäure und Chlornatrium. Ich 
brauche kein Wort darüber za verlieren, dass diese 
Methode für rein wissenschaftliche Untersuchungen un¬ 
brauchbar ist; Büchner selbst hat sie nur für alltäg¬ 
liche, practische Zwecke empfohlen: die Ueberschrift 
seiner Arbeit lautet: „Eine neue Methode, den Eiweiss- 
gehalt eines Harnes mit hinreichender Genauigkeit für 
klinische Zwecke in einer Stunde zu bestimmen“. 


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fes gibt auch andere Methoden z. B. von Jules u ) 
nnd G n 11 m a n n 4a ), die sich aber für das Albumini¬ 
meter nicht eignen; das Reagens vön Jules hat fol¬ 
gende Zusammensetzung: Sublimat 10,0 Acid. succin. 
20,0 Natr. chlorat. 10,0 Acid. aeetic. glacial. 50,0 
Alcohol 250,0 Aq. destlllät. ad 500,0. Es hat sich aber, 
wie gesagt, für das Esbachsche Albuminimeter als 
ungeeignet gezeigt, wie es Tsuchiya 6 ) nachgewiesen 
hat: man muss zu angesäuerte Snblimatlösiingen haben. 

Was das Gu11mann’sche Verfahren anbetrifft, so 
hat sich herausgestellt, dass es sich für das Albumini¬ 
meter ebenfalls nicht eignet, weil der Niederschlag zu 
voluminös ausfällt. 

U i mich von der Genauigkeit dör Phosphorwolfram- 
sfture-Probe im Vergleich mit der-Esbac hschen Me¬ 
thode zu überzeugen, habe ich in allen Fällen beide 
Proben zugleich angestellt. Der benutzte Urin wurde 
stets bis auf ein specifisches Gewieht von 1006—1008 
verdünnt, wie es Huppert 18 ) auch bei der Esbacfa¬ 
schen Methode angegeben hat. In Fällen, wo der Eiweiss- 
gehalt höher als 5—6°/ o0 war, habe ich den Urin zwei- 
bis dreifach verdünnt. Harne mit Spuren von Eiweiss 
gaben mittelst Esbach nur eine Trübung, dagegen kam 
bei der Phosphorwolframsäure-Methode ein deutlicher 
Niederschlag zum Vorschein. Die Tatsache, dass in Har¬ 
nen, wo sehr wenig Eiweiss vorhanden ist, die Esbach¬ 
sche Lösung nur eine Trübung erzeugt, haben viele 
Autoren hervorgehoben, wie Moritz, R. v. Jaksch 
und Huppert* 8 ), 

Was die Genauigkeit der volumetrischen Bestimmung 
mittelst Phosphorwolframsäure betrifft, so haben meine 
Untersuchungen zu denselben Resultaten geführt, wie es 
Tsuchiya angibt, d. h. die Phosphor wolframsäure 
Methode gibt genauere Resultate, als. Esbachs Re¬ 
agens. In fünf Fällen hat Tsuchiya durch Wägung 
0,30°/oq bis 0,93°/qo Albumen gefunden, während Es¬ 
bachs Reagens in allen 5 Fällen blos eine Trübung 
gab; Phosphorwolframsäurelösnng zeigte dagegen einen 
Eiweissgehalt von o,4°/ 00 bis 0,8 # /oo an. 

Ich habe 4 Harne mit sehr geringem Eiweissgehalt 
mittelst Wägnog, Esbach und Pbosphorwolframsäure 
genau untersucht. Folgende Tabelle illustriert die 
augenscheinliche Genauigkeit der Phosphor wolframsäure- 
Methode i 

Harn Wägnng Estach „,^^6 Differenz 

I 0,35°/,*, Trübung 0,-Z6°loo + 

II 0,Gl«/«, Trübung 0 , 50/00 , + 

III 0,82%. O,150/oo 0,80»/oo. Oi65%o 

IV 0,28°/oo Trübung 0 , 240/00 -f 

Die Temperatur der Aussenluft spielt bei der Bildung 
des Niederschlages eine grosse Rolle. Huppert 18 ) 
nimmt an, dass der Einfluss der Temperatur nicht nur in 
einer Aenderung des speoifischen Gewichts der Flüssig¬ 
keit, sondern auch in einer Aenderung der Viacositat, 
d. h. der inneren Reibung des Harnes zu suchen ist. 
Eine warme Flüssigkeit ist, so zu sagen, flüssiger als 
eine kalte und wird daher einem fallenden Körper auch 
leichter ausweichen nnd Platz machen als eine kalte 
Flüssigkeit. Daher ist auch der Niederschlag bei niederer 
Aussentemperatur erheblich grösser, als bei Zimmer¬ 
temperatur, und umgekehrt, ist er bedeutend kleiner bei 
höherer als die Zimmertemperatur, bei welcher die Probe 
angestellt werden soll. Diese Bedeutung der Aussen- 
teraperatur auf die Genauigkeit der Bestimmung hoben 
bereits einige Aütoren hervor, wie G e i s s 1 e r, S c b u 1 z, 
Christensen und Huppert 1 18 , 1# ). Wie sich 
Tsuchiya überzeugen konnte, eignet sich für seine 
volumetrische Methode am besten die Zimmertemperatur, 
wie aus der Tabelle V seiner Arbeit hervorgeht. 

Es bleibt noch ein Vorteil des neuen Reagens zu be¬ 
sprechen, den der Autor nicht in betracht gezogen hat. 


Die Phosphorwolframsäurelösung hat den. practischeü 
Vorteil, dass man nicht sö. fange w'ie bei der Anwen¬ 
dung des Esbach sehen Reagens zu warten 'braucht, 
bis der Niederschlag sich vollständig, gesetzt hat. Meine 1 
Beobachtungen zeigten, dass in der Regel nicht mehr 
als 10 bis 12 Stunden zur* Bildung des ’ gesamten' 
Niederschlags erforderlich 9 ind, während die Esbach¬ 
sche Methode 24 Stunden in Anspruch nimmt, was 
zweifellos einen grossen, nicht zu unterschätzendeü Vor¬ 
teil bietet. 

In jüngster Zeit hat T s u c h i y a 1B ) eine zweite 
Arbeit über die volumetrische Eiweissbestimmnng mittelst 
der alcoholischen Lösung von Phosphbrwolfraitasäure 
pnbliciert. Diese Arbeit enthält einige wertvolle Ergän-*’ 
zungen. Tsuchiya hat Röhrchen herstellen lassen, 
welche sich nach unten, derart verengen, dass man auch ’ 
bei geringen Eiweissmengen den entstehenden Nieder¬ 
schlag noch ablesen kann. Auch die Scala ist für grössere 
Eiweissmengen gegenüber der Esbach sehen Scala Ver¬ 
ändert., Wie der Verfasser angibt,: liess sich in zahl¬ 
reichen Versuchen feststellen, dass das mit. dem neuen 
Reagens niedergeschlagene Eiweis3volumen immer etwas 
grösser war als das mit der Esbachschen Lösung. M*j 
Scala des Esbachschen Albuminimeters ergab infolge^ 
dessen bei Anwendung der alcoholischen Phosphor- 1 
wolframsänrelösung für die Eiweisssäule imnie£ etwas 
höhere Werte als es dem richtigen Eiweissgehalt' enW 
sprach. . v ; 

Die Scala von Tsuchiya läuft von 1—7, w*e : befnai 
Esbachschen ,Albuminimeter; Unterhalb l ist das* 
Röhrcheu in 5 Teile geteilt nmd jeder Teilstrich mit 
0,2%, bezeichnet *). 

Tsuchiya hat auch das Reagens etwas modifiziert, 
in der Weise, dass er statt einer 1,5% alcöhöl. Phosphbr- 
wolframsänrelösung sich jetzt nur mit' einer 1% Lösung 
begnügte, da es sich bei weiteren Untersuchungen heratrs- 
gestellt hat, dass auch eine 1% Lösung alles Eiweiss 
niederzuschlagen vermag. Das Recept gestaltet sich also 
jetzt folgendermassen: Acid. phosphor.wolframic. 1,0 
Acid. hydrochloriei pur! 5,0 
Alcohol (06%) 100,0 

Im neu construierlen Röhrchen ist das Verhältnis des 
Urios zum Reagens wie 9:8. Man kann aber mit gleichen 
Teilen von Urin und Reagens auch minimale Spuren 
von Albumen qualitativ nachweisen. Ich habe an vielen 
Urinen diese Probe aogestellt, und es zeigte sich, dass 
die alcoholische Phosphorwolframsäurelösung ein ebenso 
empfindliches Reagens ist, wie die Essigsäure-Perrocyan- 
kalium- und die Hell ersehe Kochprobe. In vielen 
Fällen ißt diese Probe sogar vorzuziehen. Wenn maa 
aber vom Reagens viel weniger als die Hälfte zusetzt, 
so fallen normale Harnbestäudteile aus; diese Erschei¬ 
nung beruht darauf, dass i.m neuen Reagens zur Lösung 
normaler Harnbestandtßile Alcohol vorhanden ist, welcher; 
zu diesem Zweck in genügender Menge auch .bei der* 
qualitativen Untersuchung vorhanden sein muss. , , 

Tsuchiya hat mittelst seines neu construierten Albu¬ 
minimeters neue Ei Weissbestimmungen arigestelll und hat 
das zweite Mal noch genauere Resultate erzielt. Wie 
aus seinen wiederholten Untersuchungen hervorgelit, 
beträgt die Differenz zwischen der Esbachschen. 
Methode und dem Wägungsverfahren etwa 0,95—1,0%,, 
während der Fehler bei der neuen.Methode etwa 0,2!%<> 
beträgt. Daraus ergibt sich, dass die neue Methode von 
Tsuchiya um 80% genauer arbeitet als das Esbach- 
sche Verfahren. Die Verbesserung beruht auf der neuen 
Ai ch ung des Albuminimetersim Eßbach sehen 
Röhrchen verhält sich Urin zu Reagens wie 10:8. Die 

*) Die Abbildung des Röhrchens findet mau im Centralbl. 
f. innere Medicin, 1908, Nr. 24. — D. R. G. M. Nr. 3^8189! 
Zu beziehen durch Rudolf Schoeps, Halle. 


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guobfrn Fehler' des Ks fc a c h scheu Verfahrens sind da* 
dhfch zweifellos verringert. 

/ Leider war ich nicht in der Lage, die zweite Arbeit 
yoa.^s uchiy a, r in welcher genauere Resultate ange¬ 
geben sind,, uaeiizuprüfen, die weitere Praxis wird auch 
dies zeigen. 

Fassen wir die Ergebnisse unserer Untersuchungen 
betreffs beider beschriebenen Eiweissprohen, der qualita¬ 
tiven von Bardaeh und quantitativen von Tsnchiya, 
zusaftiindn, so kommen wir zh folgenden Schlüssen: 

I. X) Die Probe auf Eiweiss mittelst Acetonlösüng, 
Jödjodicali Und Ammoniak hat keinen practischen Vor¬ 
teil im Vergleich mit den bisher bewährten üblichen 
Eiweissproben. 

2) Die qualitative Probe von Bar dach lässt auch 
gejiu.ge, Spuren von Eiweiss nachweisen in Fällen 
mit vollständig klarem Urin; die Ausführung der 
Probe muss eine recht genaue sin. 

3) Die Art des Eiweisses kann mittelst der Bardach* 
sehen Probe nicht festgestellt werden, und das ist 
für klinische Zwecke ein grosser Nachteil. 

4) tIn JF&Hen von Harntr übun<g, wie es z. B. bei 

Cystitis mit Bacteriurie der Fall ist, ist die neue quali¬ 
tative Effwefssprobe der bisher existierenden vorzu- 
ziehe#. , 

5) Die neue; Aceton- Jod* Ammoniak-Ei weissprobe hat 
ein' gewisses - wissenschaftliches Interesse, da sie eine 
neue, bisher noch mibekannte Verbindung des Jods mit 
Eiweiss darstallt. 

H. 6) Die volumetrische Eiweissbestimmungen mittelst 
alcoholischer Phosphorwolfrarasäorelösong ist eine 
wertvolle Bereicherung der Untersucbnngsmethoden, 
da,sie eine vollständig genaue, ich möchte sagen, ideale 
qaaatitative Bestimmungsmethode, die der Esbach¬ 
ten Methode unbedingt vorzuziehen ist, darstellt. 

. 7) Das Albuminimeter von Tsuchiya zeigt bei der 
Beoen volumetrischen Methode genauere Graduie¬ 
rung und gibt genauere Resultate als es beim 
Esbach sehen Verfahren der Fall ist. Die Ergebnisse 
dieses Verfahrens stimmen mit den Zahlen der Wägungs¬ 
methode fast überein. 

8) Wie meine eigenen Beobachtungen gezeigt haben, 
erfordert die heue volumetrische Methode viel weniger 
Zeit'als 24 Stunden» wlp es der Autor angegeben hat. 
Ich kann noch genau die Stundenzahl nicht Ifeststeilen; 
in der Regel genügen 10—12 Standen. 

Literatur. 

1) B. Bartfäch — Zeitschr. f. physlol. Chemie, Bd. 54, 
fl. 4. 2.) Ho ppe-Sevl er und Ti e r f e 1 d e r — <Hand- 
bt^h der physiol. und patholog. = dhem. Analyse». 3) 0. 
flamm argte n — Lehrbuch der physlolog. Chemie. 4) A. 
Da 1 b e r — Mikroskopie der Harnsedimente 2 Aufl. 1906. 

5) J, Tsuchiya — Centralbl. f. innere Med., Nr. 5, 1908. 

6) E g b a c h — Bull, generale de thärapeutiqne, 1880. 7) \V a s- 
sillpff — St. Petersburger raed. Wochenschr. 1896, Nr. 37. 

8) Rössler — Deutsche med. Wochenschr. 1903, Nr. 19. 

9) Christensen — Virchow - Archiv, 1889, Nr. 115. 

10) B n ch n er — Münch, med. Wochenschr. 1906, Nr. 24. 

11) Jules — Revue m6d. de la Suisse romande, XX, p. 321. 

12) Gnttmann — Herl. kliu. Wochenschrift 1886, Nr. 8. 

13) H u p p e r t — Anleit, zur qualit. und quantit. Analyse 
des Harnes, 1898, 8. 854—855. 14) H. Sahli — Lehrb. der 
kün. Untersucbnngsmethoden, 1902, S.517. 15) J. Tsuchiya 
— Centralblatt f. innere Med., 1908, Nr. 24. 


Referat. 

Prof. Dr. J. Morgenroth (Berlin): Ueber Diph¬ 
therietoxin und Antitoxin. Therap. Monatshefte 
1909. Januar. 

Nach der nunmehr herrschenden Anschannng beruht die 
Heflwjrkung des antitoxischen Serums anf seiner bindenden Kratt 
Qüd -Unschädlichmachung der im Blute sich befindlichen 


Toxine. Im allgemeinen vollzieht sich nnn eine derartige 
Bindung von Diphtherietoxin und Antitoxin sowohl in vitro 
als auch in der Blntbahn mit einer ziemlichen Ijtngsamkeit, 
wobei das Antitoxin noch mit «iner gewissen Leichtigkeit mit 
dem im Blote kreisenden Toxin fertig wird, dagegen aber nnr 
mit einer Anstrengung das an die gifteropfindlichen Zellen 
gebundene Toxiu denselben zu entreissen imstande ist. Es 
findet ein gewisser Wettstreit statt zwischen den giftbindea- 
den Receptoren, wie sie den giftempfindlichen Zellen eigen 
sind, und den freien Receptoren, welche das Antitoxin dkr* 
stellen, und es lässt sich a priori behaupten, dass die Ver¬ 
hältnisse nm so günstiger liegen werden, je mehr Antitoxin 
das in die Blntbahn gelangende Toxin dort vorfimlet. 

Daran® ergibt sich die Forderung von Anfang der 
Behandlung an möglichst rasch für eine mög¬ 
lichst liohe ConcentratioD des Antitoxins im 
Blote zu sorgen. Solches könnte am besten nur durch 
eine intravenöse Injection der notwendigen Antitoxinmenge 
erreicht werden, und werden in England bereits anf diesem 
Wege in schweren Fällen 2 000, ja 30000 lmmunitfttseinheiten 
nicht selten eingeführt. M. glaubt nnn, dass zu diesem Zwecke, 
zur intravenöseD Injection, die Darstellung unserer flüssigen 
Heilsera modificiei t werden raösBte, weil die intravenöse Ein¬ 
führung der mit Phenol resp. Trikresol versetzten Sera mit 
Recht einigen Bedenken begegnet. Die subentane Injection 
grosser Seruromengqn erreiche nicht eine schnelle Wirkung, 
weil die Resorption bei dieser Anwendongsweise nur langsam 
von statten gehe, und es 2 bis 3 Tage vergehen, bis die volle 
Wirkung erreicht wird. 

Wesentlich bessere nnd schnellere Erfolge wären nach den 
Untersuchungen Verf.’s, gemeinsam mit fl. Levy angestellt, 
erzielt durch die intramuskuläre Injection, wodurch 
weit raschere Resorption., als durch das Snbcutangewebe er¬ 
zielt wurde. Beim Menschen wäre die Streckmuskulatur des 
Oberschenkels dem M. pectorälls und vor allem den Glutaeis 
voranziehen. Weitere versuche in dieser Ri eh taug wären sehr 
wünschenswert. 

Zar Vermeidung der Sernmkrankheit wäre bei der Ein¬ 
führung von hohen AntitoxindOken das hochwertige Serum in 
allen Fällen vorzuziehen. 

Hecker. 


BDcheranzelgen und Besprechungen. 

Prof. W u 11 s t e 1 n und Prof. W i 1 m s: Lehrbuch der 
Chirurgie. Erster Band. Allgemeiner Teil. Chirurgie 
des Kopfes, des Halses, der Brust and der Wir¬ 
belsäule. Mit 326 Abbildungen. Verlag von Gustav 
Fischer in Jena. Preis 1 10 Mark. 

Das Buch ist als Pendant zum Lehrbach der inneren Me- 
dicin von Mehring gedieht. Als Mitarbeiter sind eine 
Reihe der jüngeren Generation Angehöriger deutscher Chi¬ 
rurgen — durchweg Namen von bestem Klang — gewonnen 
worden. Dementsprechend webt ein frischer und moderner 
Hauch durch das Werk- Bei aller Knappheit ist es reich an 
Iuhalt, die Abbildungen sind sehr auschanlich and gut ge¬ 
wählt. Etwas zu kurz gekommen ist die allgemeine Chirurgie, 
so weit sie nicht der Darstellung der speciellen Capitel ein¬ 
gefügt ist- Das Buch wird sich gewiss viele Freunde er¬ 
werben, namentlich dürfte es anch unter den Studenten weite 
Verbreitung verdienen, da es glücklich die Mitte hält zwischen 
den grossen Handbüchern und den gar zu knappen Compendien. 
— Der zweite Band ist uns noch nicht zugegangen. 

Wa n a c h. 

Prof. Dr. med. et jur. Rudolf Kober t. Lehrbuch der 
Pharmakotherapie. Zweite durchweg neu bearbei¬ 
tete Auflage. II. Hälfte, mit zahlreichen Tabellen. 
Stuttgart. Verlag von Ferdinand Enke. 1908. Preis 
geh. M. 11,40. 

Die zweite Hälfte des vor kurzem an dieser Stelle bespro¬ 
chenen Lehrbuches liegt ans in einem stattlichen Bande von 
28 Druckbogen vor. Sie enthält die in der ersten Hälfte be¬ 
gonnene III. Abteilnng: Pharmakotherapeutische Milte), deren 
Wirkung an ein bestimmtes Organ oder Organsystem ge¬ 
bunden ist. Diese Abteilung nimmt allein 352 Seiten des 
Werkes ein, so eingehend und sorgfältig sind alle einschlä¬ 
gigen Mittel berücksichtigt. Die IV. Abteilnng — Antidota 
beschliesst das Werk. Ein Verzeichnis der 36 Tabellen, ein 
Sachregister sind mit der dem Verfasser eigenen, peinlichsten 
Sorgfalt aasgearbeitet and erleichtern wesentlich das Auf- 
finden der einzelnen Abschnitte. 


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Felix Freiherr v. Knester: Grundzöge der All¬ 
gemeinen Chirurgie und chirurgischen Technik. Ur¬ 
ban und Schwarzenberg 1908. 

Die Zahl der LehrbÖcher der allgemeinen Chirurgie tat recht 
gross, und soll ein nenes den Wettbewerb auf dem Bücher¬ 
märkte erfolgreich bestehen, so muss es Vorzüge anfwetaen 
können, die ihm den Leserkreis sichern. Der Verf. des vor¬ 
liegenden Werkes hat es sich znr Aufgabe gestellt, in mög¬ 
lichst knapper Form die Grundzüge der allgemeinen Chirurgie 
darzustellen und will damit dem Bedürfnis sowohl der Studie¬ 
renden als auch des practischen Arztes entgegenkommen, für 
welche die bisher vorhandenen Lehrbücher meist za umfang¬ 
reich seien, um eine rasche Orientierung zu ermöglichen. 
Dem Bedürfnis des Practikers entspricht es wohl anch, dass 
die allgemeine chirurgische Technik einen relativ grossen 
Baum in dem Lehrbuche einnimmt und dass auch die Ver¬ 
bandtechnik eine genügende Behandlung erfährt, ein Capitel, 
das häufig in den Lehrbüchern der allgemeinen Chirurgie nicht 
zu finden ist und speciellen Leitfäden überlassen bleibt. Bei 
dieser Bevorzugung der allgemeinen chirurgischen Technik 
kommt indessen die allgemeine chirurgische Pathologie und 
Therapie nicht zu kurz, und wir glauben, dass es dem Ver¬ 
fasser tatsächlich gelungen ist, in möglichst knapper Form 
alles practisch Wichtige za bringen. Die neuesten Errungen¬ 
schaften, soweit sie sich bewährt haben, sind berücksichtigt 
worden, z. B. die diagnostischen Tuberculinreactionen- Ueber- 
haupt wird die Diagnose der chirurgischen Erkrankungen 
erfreulicher Welse mit genügender Ausführlichkeit behandelt. 
Die Ausstattung des Baches tat gut. 

Wold. Fick. 

Prof. Dr. Pani,Reichel: Lehrbuch der Nachbehand¬ 
lung nach Operationen. Wiesbaden. J. F. Berg¬ 
mann 1909. 2. Auflage. 

Als im Jahre 1897 die erste Auflage des Bei che Ischen 
Buches erschien, mag es Vielen zweifelhaft erschienen sein, 
ob es zweckentsprechend sei, die Nachbehandlung nach Ope¬ 
rationen gesondert darzustellen. Der Erfolg des Baches 
hat bewiesen, dass es tatsächlich einem Bedürfnis entsprach. 
Die erste Auflage war rasch vergriffen. Die jetzt vorliegende 
zweite hat entsprechend den raschen Fortschritten der chirur¬ 
gischen Wissenschaft nur äusserlich die Form der ersten 
beibehalten, inhaltlich bandelt es sich fast um ein neues 
Werk, jedenfalls sind ganze Abschnitte umgearbeitet worden, 
einige sind neu hinzugekommen. Es liegt jetzt ein Lehrbuch 
vor, das alle modernen Errungenschaften berücksichtigt, 
sehr fließend und anregend geschrieben ist und eine Fülle 
vorzüglicker Batschläge enthält. Ist das Buch auch in erster 
Linie für den jungen Arzt bestimmt, der nach absolviertem 
Studium zum ersten Male mit der Nach behandln Dg Operierter 
betraut wird, so wird doch anch der erfahrenere Practiker 
viele wertvolle Batschläge und Ginweise darin Anden. Auf 
den reichen Inhalt des Werkes genauer einzugeben, würde 
den Rahmen eines Referates überschreiten. Der erste, allge¬ 
meine Teil behandelt die Grundsätze der Nachbehandlung 
nach Operationen, die Störungen des Wundverlaufes etc., 
während der zweite Teil der speciellen Nachbehandlung nach 
bestimmten Operationen gewidmet ist, die nach Körperregionen 
und Organen geordnet sind. Gnte Abbildungen, deren Zahl 
in der zweiten Anflage beträchtlich vermehrt ist, sind dem 
Texte beigegeben. Das Bach kann bestens empfohlen werden 
and wird sich rasch einen grossen Leserkreis erobern. 

Wold. Fick. 

Ergebnisse der inneren Medicin und Kinderheilkunde. 
I. Band, heransgegeben v. F. Kraus, 0. Min¬ 
kowski,Fr. M ue 11er, H. Sahli, A. Czerny, 
0. Heubner. 

In diesem dankenswerten Werke sollen die Fortschritte auf 
dem Gebiete der inneren Medicin und ihrer Grenzgebiete in 
Einzeldarstellungen niedergelegt werden, wie das Vorwort 
sagt. Leider ist es bei der Mannigfaltigkeit des Stoffes nicht leicht 
ein Referat jeder einzelnen Abhandlung zn bringen, und es 
muss dem Leser überlassen bleibeD, sich selbst einen genauen 
Einblick in dieses, sowohl für den Forscher als auch practi¬ 
schen Arzt unentbehrliche Werk zu verschaffen. Znr Orien¬ 
tierung gebe ich das Inhaltsverzeichnis des I. Bandes: 

I. Krau 8, F. Die Abhängfgkeitsbeziehuug zwischen Seele 
und Körper in Fragen der inneren Medicin. II. P1 e t n e w, D. 
Der Morgagni - Adams - Stokessche Symptomen- 
komplex. III. Fraenkel, A. Ueber Digitalisrherapie. 
IV. E p p i n g e r, H. Ikterus. V. L e w i n, C. Die Ergebnisse 
der experimentellen Erforschung der bösartigen Geschwülste. 

VI. Ibrahim, J. Die Pylorusstenose der Säuglinge. 

VII. H u e b ne r, W. Experimentelle Arteriosclerose. VIII. 
Cimbal, W. Die Arteriosclerose des Centralnervensystems. 
IX. Meyer, F. Ernäbrungsstörnngen und Salzstoffwechsel 
beim Säugling. X. Magnus-Levy, A. Die Acetonkörper. 


XI. v. Pirquet, C. Allergie. XII. B e r g e 11, P. Aeltere 
und neuere Fermentforschungen. XIII. 8alge, B. Die biolo¬ 
gische Forschung in den Fragen der natürlichen und künstli¬ 
chen Sftnglingsern&hrnng. XIV. To bl er, L. Ueber die Ver¬ 
dauung der Milch im Magen. XV. Frenkel-Heiden. 
Die Therapie der Tabes dorsalis mit besonderer Berücksichti¬ 
gung der Uebungstherapie- XVI. de la Camp, 0. Die klini¬ 
sche Diagnose der Bronchialdrüsentuberculose, XVII. Pe- 
ritz, G. Die Pseudobulbärparalyse. 

Jedes Jahr sollen zwei Bände erscheinen. Da die Subjecti- 
vität nicht ausgeschlossen, liest sich das Werk besonders 
leicht und angenehm, — vor vielen Sammelwerken ein ent¬ 
schiedener Vorzug. Vom Neuen das Neueste in gediegener 
Form und Inhalt. 

Baron W. Ungern-Stemberg. 


Mitteilungen 

aus der Gesellschaft praotisoher Aerzte 
zu Riga. 

(Schluss.) 

Dr. Krannhals betont, dass er in Bezug auf die Aetio- 
logie der io Bede stehenden Krankheit nur Vermutungen Aus¬ 
sprachen könne. 

Dr. Ed. Schwarz unterbricht ihn mit der Bitte in Bezug 
anf die Aetiologie das mitteilen zu dürfen, was er im Vor¬ 
trag vergessen habe zu erwähnen. Während der schwedischen 
Epidemie 1905 sei es nicht gelangen ein Bacterium zu züch¬ 
ten ; anch sind in den anatomischen Präparaten nie Bacte- 
rien gefunden worden. Während einer gleichzeitigen Epi¬ 
demie in Norwegen aber sei es Geiersvold gelongen einen 
bohnenförmigen Diplo- resp. Tetracoccns zu züchten, der in 
grossen Kolonien wächst, die bald weissiich werden; er ist 
grampositiv, wächst auf verschiedenen Nährböden and färbt 
sich gnt. In zwei in den eisten Tagen der Erkrankung zn 
Grunde gegangenen Fällen, konnte Geiersvold an den 
Leichen die Lumbalpunction ansführen; in beiden Fällen 
machte der Liqnor den Eindruck einer frischen Coltor, sah 
hell rosa ans, war in dem einen Falle klar, im anderen trühe. 
Falls sich diese Befände bestätigen, so ist der Feind ent¬ 
deckt; hat man ihn erst, so wird die Bacteriologie hoffentlich 
anch Waffen gegen ihn zn schmieden wissen. Der Coccua 
scheint kurzlebig zn sein, erzeugt keine eitrige Entzündung, 
stiftet aber durch Wahl des Ortes seiner Tätigkeit irrepa¬ 
rable Schäden. 

(Autoreferat) 

Dr. Krannhals meint, dass die Heine- Medinsehe 
Krankheit vom epidemiologischen Standpunct aus der epide¬ 
mischen Cerebrospinalmeningitis parallel zu stellen wäre. Die 
von Dr. Ed. Sch warz angeführte Lymphocytose, spreche 
dafür, dass die Mikroorganismen in diesem Falle dem mensch¬ 
lichen Organismus gegenüber eine geringe Vtrnlenz zeigen. 
Lymphocytosen sehe man mehr bei den chronischen ProceBsen. 
Das Vorhandensein einer solchen bei einem acuten Processe 
spreche für die Gutartigkeit des letzteren. Wahrscheinlich 
handele es sich im vorliegenden Falle um eine Abart der zur 
Gruppe der Meningococceu gehörigen Mikroorganismen, die im 
Allgemeinen eine mildere Infection erzeuge. 

Dr. V o s 8 fragt den Vortragenden, ob er ihn richtig ver¬ 
standen habe, dass diese Untersuchungen den Nachweis bieten 
sollen, dass diese ganze Gruppe von Krankheiten, zu denen 
die essentielle Kinder-Lähmung und die anderen genannten 
gehören, ata zusammengehörige infectiösa Groppe zn gelten 
habe? und ob sich beim Vorhandensein einer diffusen Infiltra¬ 
tion auch Erscheinungen an den Sinnesorganen, besonders an 
Augen und Ohren, einstellen? 

Dr. Ed. Schwarz erinnert sich nicht in den von Wic k- 
m a n n referierten Fällen über Ohrenstörungen, speciell Taub¬ 
heit, etwas gelesen zu haben. Im Gegensatz zur Cerebro¬ 
spinalmeningitis, bei denen Angenstörungen häufig sind, erinnere 
er sich nur in einem Falle eine vorübergehende Sehstörung re¬ 
feriert gefanden zu haben. 

P. II. Dr. P o o r t e n demonstriert mikroskopische Prä¬ 
parate von 

Chorionepitheliom der Vagina. 

Der Fall war kurz folgender: Im Juli a. c. wandte sich die 
29-jährige M. P. aus Polnisch-Russländ an ihn. Ans der 
Auamnese zu ersehen, dass Bie aus einer tuberculös belasteten 
Familie stammt. Der Vater lungenkrank, eine Schwester an 
der Schwiudsucht gestorben. Ihr sind früher die Drusen’'der 
einen Achselhöhle ausgeräumt worden. Hat früher an Husten 
ohne Auswurf gelitten. Niemals in früherer Zeit Bluthusten. 
In 4 Jahren 2 Aborte gewesen. Vor einem Jahr Abrasio. 
(Dr. Hach.) Bald nach derselben concipiei te Patientin. Die 


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43 


Schwangerschaft verlief mit Ausnahme geringer Blutung im 
3. Monat, die anf Bettruhe nnd Opium stand, gut- Am 30. 
Mai spontane Gehört eines lebenden gesunden Kindes. Nach- 
gebort «vollständig» gewesen. Zwei Monate vor der Ge¬ 
bort starker Bluthusten. Abmagernng, Stiche nnd Schmer¬ 
zen in der linken Seite. 14 Tage vor dem Partns traten 
starke Genitalblatongen auf, die mit Unterbrechungen bis 
zor Gebart andanerten. Ein Arzt fand nichts. Nach der 
Gebart kein Blotspeien. Seit der Geburt 8 Wochen Blutun¬ 
gen von verschiedener Stärke. 10 Wochen nach der Gebart 
bst der Arzt gesagt, dass Geschwülste in der. Scheide seien. 
Pat. hat aber schon 5 Wochen vorher bemerkt, dass etwas ans 
der Scheide heraustrete, ist aber darüber beruhigt worden. 

2 Wochen nach der Geburt «Schleier vor beiden Augen», so 
das« Patientin schwach sehen kann. Das rechte Auge nach 
8 Wochen besser. Das linke noch jetzt verschleiert, doch 
bessere es sich auch- Die Frau ist gut genähft, von blassem 
etwas pastösem Aussehen. An der vorderen Scheidenwand 
eine kleine wallnussgrosse Verdickung, der Vaginalschleim- 
haut breitbasig aufsitzend, dicht hinter der Urethralmündung 
«Drängend; vorne and auf der Koppe schwarzblane dickere 
Partie, die schwammig gequollen erscheint, dort auch ein. lie¬ 
fest in der bedeckenden Schleimhaut, der mit schwarzem Ge¬ 
rinnsel ausgefüllt erscheint. An der hinteren Vaginalwand 
gegenüber dieser Geschwulst eine glasig ödematöse von 
gleichem Aussehen, von der Grösse einer kleinen Birne, sich 
nach oben verjüngend. Die combinierte Untersuchung ergab 
keioe Besonderheiten, mehrfache Untersuchung mit dem Spe- 
colom zeigte, dass aus dem Uterns kein Blut trat. Dr. P. 
stellte die Diagnose Chorionepitheliom. Eine mikroskopische 
Untersuchung von (vorne und hinten) ezcidierten Stücken be¬ 
stätigte die Diagnose. Die Excisionswnnde an dem hinteren 
Vaginaltnmor bistat sehr stark, und die Blutung kann wegen 
Brüchigkeit des Gewebes mit Umstechungen nicht beherrscht 
werden. Blutung steht auf Tamponade. Katheterurin — che¬ 
misch nnd mikroskopisch normal. Die Patientin sollte ope¬ 
riert werden, nnd zwar batte Vortragender die Exstirpation 
des ganzen Genitale vorgeschlagen. Sie entzog sich aber der 
Behandlung 1 - Während der Beobachtung trat Blutspeien 
inf ohne höhere Temperaturen. Es liess «ich kein Lnugen- 
heid nach weisen. An der Hand dieses Falles bespricht Vor¬ 
tragender kurz das seltene Vorkommen dieser Fälle. Er er¬ 
gibst die verschiedenen Theorien über die Aetiologie dieser 
Tnoren, welche, nach Blasenmole — in 50°/« — nach Abort nnd 
somaler Geburt vorkämen. Es gebe bösartige und gutartige 
Cborionepitheliome, doch lasse sich dieses nicht mikroskopisch 
ostsrscheiden. Vortragender habe wegen der möglichst bald 
rorzunebmenden Exstirpation eine Abrasio nicht ausgeführt, 
n dass sich nicht entscheiden lasse, ob hier ein primäres 
Viginalepitheliom vorliege oder ein metastatiscbes. Immerhin 
gehöre der Tumor, der nach normaler Gravidität aufgetreten, 
zo den selteneren nnd interessanteren. Dr. P. ist der Ansicht, 
dass in diesen Fällen radical nnd schnell operiert werden 
müsse, dass man es nicht darauf ankommen lassen dürfe, dass 
der in Frage kommende Tumor vielleicht gutartig sei. Die 
Blatnngen vor der Gebnrt lassen es nicht ausgeschlossen 
erscheinen, dass der Tnmor schon vor Beendigung der 
Schwangerschaft aofgetreten war. 

_ __ (Aotoreferat.) 

Dr. H a c b: Was die Indication zur Operation anbetrifft, so 
seien Fälle veröffentlicht worden, in denen nach 1 resp. 2 mali¬ 
ger Ahrasio vollkommene Genesung eingetreten sei. Ferner 
seien auch Fälle bekannt geworden, in denen keine Gravidität 
vorhergegangen sei. 

Dr. Poorten stimmt dem bei nnd weist gleichzeitig darauf 
bin, dass Geschwülste von demselben Ban auch bei männlichen 
Individuen beobachtet worden sind. Es seien das wohl Fälle, 
bei denen es sieb am Tamoren handele, deren Anlage ans 
dem Fötalleben stamme nnd die dann später durch irgend¬ 
welche Einflüsse mit einem Mal zur Entwicklung kommen. 

(Aotoreferat.) 

Nachtrag: Da Dr. P. einige Tage nach seiner Demon¬ 
stration erfahren hatte, dass dieselbe Patientin nachträglich 
unter der auch von einem Syphiiidologen für wahrscheinlich 
gehaltenen Diagnose Lues in specialärztlicher Behandlung 
gestanden hatte nnd nach Gebrauch von Jodkalinm unter 
fiflekgang aller krankhaften Erscheinungen am Genitalorgan 
als vollst&ntig genesen entlassen worden war, schickte er, in- 
dem;erlan seiner Diagnose Chorionepithelion festhielt nnd an- 
nabm, dass es sich in diesem Falle dann um eine gutartige 
Form von Ghorienepitheliom gehandelt hatte, das auf der 
Sitzung vom 19. Nov. c. gezeigte mikroskopische Präparat dem 
Berliner Prof, der gynäkologischen pathologisch-anatomischen 
Mikroskopie, C. Enge zn, der nach Besichtigung desselben 
Präparates der Diagnose «Cborionepitheliom* beistimmte. 

Dr. G. K i e s e r i t z k y, 
d Z. Secretär. 


Der erste russische oto-laryngologische Congress 
zu 8t. Petersburg am 26. bis 30. December 1908. 

Der Congress war anBserordentlich zahlreich besucht, die 
Präsenzliste zeigt etwa 150 Teilnehmer, darunter, viele ans 
den entferntesten Gegenden des weiten rassischen Reiches, 
selbst aas Sibirien; dies will sagen, dass einige Teilnehmer 
mit der Eisenbahn eine ununterbrochene Reise von 5—6 Ta¬ 
gen znrücklegen mussten, nm in St. Petersburg anzulangen— 
ein Beweis, dass die Idee des Congresses trotz des von vielen 
Seiten geänsserten Skepticismns grossen Anklang bei den 
Fachcollegen gefunden hat. Die Idee ging von der St. Peters¬ 
burger oto-laryngologiBchen Gesellschaft aus, ihre Durchfüh¬ 
rung war mit sehr grossen Schwierigkeiten verbanden, von 
welchen hier nicht die Rede sein kann. Und jetzt, da diese 
Idee dank der fast 2-jährigen unermüdlichen Arbeit des Orga- 
nisationsbnreau sich glänzend verwirklicht har, können wir 
mit voller Genugtuung sagen, dass der erste Baustein zum 
Fnndament der Vereinigung der russischen Otologen und 
Laryugologen gelegt worden ist, und hoffnungsvoll sehen 
wir dem ferneren Ansbau des Gebäudes entgegen. . 

Der Abend des 26. Decembers sah die Teilnehmer des Con- 
gresses im Pirogowschen Museum zu einem Concert versam¬ 
melt. ln fröhlicher und gemütlicher Stunde wurden hier die 
ersten gegenseitigen Begrüssungen ausgetauscht. Am Vor¬ 
mittage des 27. Decembers fand die offlcielle feierliche Eröff¬ 
nung des Congresses and Begrüssung desselben durch Ver¬ 
treter der Behörden der Residenz, einiger Universitäten, medi- 
cinischer Anstalteu, Gesellschaften and der Presse statt. Tele¬ 
graphische Glückwünsche sind unter anderen auch von vielen 
hervorragenden Vertretern defr Oto-Laryngologie Deutschlands 
nnd Oesterreichs eingelaufen, so von Prof. A. Politzer, 
Prof. A. Lucae; Prof. H. Schwartze, Prof. B. F r a e n- 
kel etc. Am Nachmittage desselben 27. Decembers nahmen 
die wissenschaftlichen Sitzungen ihren Anfang unter dem 
Vorsitze von Prof. W. Okonew -- Petersburg. Zum Ehren- 

ß räsidenten des Congresses wnrde Dr. S t. von Stein — 
loskan gewählt. Die Sitzungen fanden 2 Mal täglich, von 10 
bis 1 Uhr vormittags and von 3 bis 7 Uhr abends statt; im 
Ganzen worden 7 Sitzungen abgehalten. Von den angemelde¬ 
ten etwa 60 Vorträgen ans allen Gebieten der Oto-Laryngolo¬ 
gie konnte wegen Zeitmangels leider nnr etwas mehr als die 
Hälfte verlesen Werden. In einer den Fach- and Standesange¬ 
legenheiten gewidmeten Sitzung wurde von einigen Rednern 
die anormale Stellung der Oto-Laryngologie in Rnssland, wie 
der Mangel an speciellen Lehrstühlen und Kliniken an den 
medicinischen Facnltäten etc., besonders hervorgehoben. Zar 
Förderung der Specialfächer wurde vom Congress eine russi¬ 
sche oto-laryngologiBche Gesellschaft gegründet nach einem 
vom Privatdocenten L. Lew in auf Veranlassung der St. Pe¬ 
tersburger oto-laryngologischen Gesellschaft ausgearbeiteten 
Projecte. ln der Geschäftssitzung dieser neugegründeten Ge¬ 
sellschaft wurde der vom Congress acceptierte Beschloss ge¬ 
fasst, alle 2 Jahre einen Cougre88 abzuhalten: der nächste 
wird in Moskau zu Weihnachten 1910 tagen. 

A. Sacher. 


Wöchentliche Chronik und kleine Mitteilungen. 

— St. Petersburg. Im Medicinalrat hat eine Com¬ 
mission, bestehend ans den Mitgliedern Professoren W. Pod- 
w y s s o z k i nnd G. C h I o p i n unter dem Vorsitz von 
Geheimrat, Dr. L. Berthenson < G r n n d b e s t im¬ 
mun gen bei der Anwendung der Schutzim¬ 
pfung gegen die Cholera» aasgearbeitet. Dieselben 
sind am 11. Nov. 1906 vom Medicinalrat bestätigt worden und 
lauten folgendermassen: 1) Die gesammelten statistischen 
Daten lassen darauf schliessen, dass die Impfungen bis zu 
einem gewissen Grade vor Erkrankung an Cholera garantie¬ 
ren; natürlich aber müssen auch die Geimpften allgemeine hygie¬ 
nische Vorsichtsmassregeln beobachten. 2) Schutzimpfungen 
gegen die Cholera dürfen nur freiwillig vorgenommen werden. 

3) Die Schutzimpfungen gegen die Cholera sind nngefähriieh 
nnd raten nur eine kurzdauernde Reaction von Seiten des 
Organismus hervor, wie: leichte Anschwellung nnd Empfind¬ 
lichkeit der Stichwunde, erhöhte Temperatur, Kopfschmerz, 
bisweilen Drüsenschwellung und leichte DigeBtionsstörung. 
Schwere Reactionserscheinungen kommen nur selten vor. 

4) Von den 2 proponierten Methoden : Impfang mit lebeuden 
Cultuien (Hawkin) und mit abgetöteteo (Kölle) ist dfe 
zweite vorzuzieben, weil sie im Publicum mehr Zutrauen 
findet. 5) Während einer Choleraepidemie muss mit Vorsicht 
geimpft werden., , da sich den Impfungen bereits inficierte 
Menschen unterziehen können, andrerseits aber die bereits 
Geimpften in den 5 ersten Tagen nach der Impfung (d. h. in 


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der Zelt, wo Immunität doch nicht elngetrieten ist), sich Infl- 
ciereo können. Deswegen mü sseir allen, die .j^impftau. werden 
wünschen, die Excremente auf Choleravibrionen untersucht 
werden nnd falls letztere sich nachweisen lassen, dprf qine 
Impfnng nicht vorgenommeh werden. Alle Geimpften miisSep 
praeveniert werden, dass die Immunität erst hach 5—6 Tagen eirf- 
tritt- Leute, die mit der Pflege von Cholerakranken air tun haben, 
tuüsBen mindenstens 6 Tage, bevor sie zu den Cholerakranften 
zugelassen werden, geimpft werden. 6) Wgs die Impfungen 
selbst aubetrifft, so müssen dieselben 2—3 mal vorgenommbn 
werden mit einer Zwischenpause yon .5—7 Tagen zwischen 
jeder Impfung (in jedem Falje aber erst nach Sebwindein der 
ßeactionserscbeiDnngen), wobei die Dosis von 0,5—1,0 ccm. 
(das erste Mal) bis 2,0—3,0 ccm. gesteigert' werden muss. 
Kinder bis 2 J. erhalten 1 i#; von 2—10 J. — 1 / 10 — 1 ^; von 
10—15 J. %— 8 4 der vollen Dosis. Bei Gravidität dürfen'ntfr 
kleine Dosen angewandt werden. Contraindicationen bilden 
acute Krankheiten mit Fieber und acute Mageh-Darmcatari he. 
Bei schwachen, anaemischen Subjecten darf nur mit Vorsicht 
vorgegangen werden. Die Injection geschieht unter strenger 
Beobachtung von aseptischen Massregeln am besten in den 
Oberarm oder in die Scapulagegend. 7) Es soll den Aerzteu 
znr Pflicht gemacht werden, eine .genaue Registrierung der 
Impfungen zu führen, wobei folgendes vermerkt Werden muss: 
Taof-Vatera- und Familienname. Alter: Beruf. Wohnort: Ge¬ 
sundheitszustand. Ob die Excremente Vor der Impfung auf 
Choleravibrionen untersucht worden sind. Was für eine Aft 
Choleravaccine angewandt worden ist. Wie und wann zubef'eitet. 
Wohin injiciert und in welcher Dosis jedesmal. Waun die 
Impfung vorgenomraen wurde. In welcher Form und wielange 
die Reaction sich äusserte. Und schliesslich das" Resultat der 
Impfung, ob erkränkt (wann?) gestorben (wann?), o<fer ob 
nicht erkrankt. / . ’ . 

—■ Bei der Beratung der Frage, unter welchen Bedingungen 
während einer Choleraepidemie Früchte ohne CxeXabr für die 
Gesundheit genossen werden können, kam die beim Medici- 
nalrat unter dem Praesidium von Geheimrat Dr. L. Ber¬ 
the 08 on gebildete Commission (bestehend aus 4‘Mitgliedern 
des Medicinalrats, 2 Vertretern der Fruchtbörse nnd 3 Ver¬ 
tretern der Kaiserlichen Obstbaa-öesellschaft) zu folgendem 
Beschluss, welcher vom Medicinalrat am <9. Pecernber 1908 
acceptiert und bestätigt worden ist. In Bezug auf den Genuss 
von Obst im allgemeinen, d. h. unabhängig von dem Vorhan¬ 
densein einer Choleraepidemie, muss vor allem darauf, grejach- 
tet werden, dass die Frucht reif ist, ohne äusseren Pefect 
und frei von jeglicher Art Schmutz,und Schimmel und es dürfen 
keine Anzeichen von Fäulnis vorhanden sein. Beim Genuss 
von übst muss stets Mas» gehalten werden, um den Magen 
nicht zu überladen nnd müssen die Früchte ohne Schale urui 
Kerne genössen werden, wobei diejenigen Sorten, welche 
Verdauungsstörungen hervorrufen, vollständig vermieden 
werden müssen. Während einer Choleraepidemie müssen die 
Früchte vor dem Genuss in heissem Wasser abgewaschen 
werden oder noch besser nur in gekochtem oder gebackenem 
Zustande genossen werden. Natürlich bleiben die oben er¬ 
wähnten Vorschriften während der Epidemie auch bestehen. 
Früchte aus cholerafreien Gegenden, die in örtlicher Original¬ 
verpackung verkauft werden, können auch in ungekochtem 
Zustande consumiert werden 

— Vom 14. bis znm 15. Januar erkrankten in St. Pe¬ 
tersburg an -der Cholera 25 Personen, starben 7, ge¬ 
nasen 10, in Behandlung verblieben 341. SeitBegifan der 
Epidemie sind 9552 Personen erkrankt, 3780 gestorben und 
5432 genesen. 

— In der Woche vom 4. bis zum 10. Januar waren in 
St. Petersburg (mit den Vorstädten) ,273 Personen an 
der Cholera erkrankt und 114 eeftorben, im Gebiet der 
Donkosaken — 13 erkrankt und 7 gestorben und in dem 
Gouvernement Tomsk — 3 erkrankt und 1 gestorben 

— Auf dem letzten Congress Russischer Ghirnrgen wurde 
beschlossen, zu Ehren des verstorbenen Prof. P. Djakonow 
bei der Russischen Chirurgischen Gesellschaft einen Fond zu 
stiften zur Verleihung einer Prämie seines Namens 
für die besten Ar beiten aus dem Gebiete der 
Chirurgie. Ausserdem soll zu seinem Andenken an der 
Moskauer Universität ein Stipendium gestiftet werden. 

— Die Russische Chirurgische Gesellschaft (in Moskau) hat 
einen Wettbewerb eröffnet zur Erlangung der Prämie auf 
den Namen J. La n gs im Betrage von 200 Rbl., die für die 
beste in russischer Sprache verfasste und mit einem Wahl¬ 
spruch versehene Arbeit ans dem Gebiete der Chirnrgie in 
der Jahressitzung der Gesellschaft im October 1911 znr Aus¬ 
zahlung gelangen soll. Der letzte Termin zur Einsendung 
der Arbeiten läuft am 1. März 1911 ab. 

— Zu Gebeimräten sind befördert die wirklichen Staatsräte 
Dr. J. ßaptsche wsk i, ständiges Mitglied des Militär- 
Medicinischen Gelehrten Comitees und der Akademiker, Prof, 
der Oto- und Laryngologie Dr. N. S i m a n o w s kij, bera¬ 
tendes Mitglied desselben Comitees. 


• W ‘'-Oer yprktarnl.ileg^yi. Intern ationfttyrt. Äergtecdhg Mii» 
in Budapest "hat den Privat-Döcepten‘an .der MiTua^Alediciaf- 
s6h‘eh Akademie, Dr. W. ß o 1 d y r e w aüfgeforajeft; 11 jn 
Seötiotf für Physiologie einen Vortrag zff kalten: «üb^r Jiejffc 
Untersuchurigsmetiioden der Functioü der 1 VeriJaliuüköprgHne 
und die damit erzielten Resultate:. :r,;v ^ 

— Der, 7. Internationale C o n g r e s k für H y ji r 9 

K 1 i lü'a t o 1 0 g:i e. Ge 0 log i e u n d p by> i k al'J.sclik 
Th erapie findet gm 4—10. A p r i 1 (n. Sj.l jnATg] e u r 
statt. An den CongfresS wird sich eine AusBtelfung.anschll^- 
seü ünd vor, und' nach demselben werden grösser? Aukflllttfe 
veranstaltet Werden. 1 , ^ " T 

— Der Üt i %t e.Co ti gr ess für Schu l(i y g id'n e r¬ 
riet am 29. lä'rz-2. April i n Paris i tätrt, v.e,rliu6d«ii 
mit einer Ausstellung für Pädagogik nnd SchuHiygiene. 

—t Der nächste Cyklns der Feriencorse a e r B e r) {• 
rier D.oc'ent en - V e rel n igtrn g beginnt am '4. März 11)69 
übd dauert bis zum 31. März 1909 Und die unentgeltliche*Zu¬ 
sendung des LectiönsVerzelchnisses erfolgf durch Herrn $ el- 
z e r, Ziegelstrasse 10/11 (Langeböck : Haus), Welcher auch sonst 
hierüber jede Auskunft erteilt. 

— Berich tign n g. In unserer in Nr. 52, 1908 erschie¬ 
nenen Besprechung der von dem Mitglied . des Medicinalrätfc, 
Dr. L. B e r t h e » s 0 n hergesteliten russischen ; Uebersetz^ng 
deä deutschen Gesetzes zum Schutz der Quellen hatten*wir 
unser Bedauern darüber geäussert, dass es in Russlätid kem 
Gesetz gebe, durch Welches die Erhaltung deiCMiherpl- nrid 
Thermalquellen gesichert werde. Durch eine freundliche ^Mit¬ 
teilung macht uns nun Dr. L. Ber tb e n son auf einen 
Irrtum aufmerksam, indem er auf das im XIII. Bande des 
russischen Gesetzcodex enthaltene Gesetz z6m Schutze der 
Quellen hihweist, das im wesentlichen dem deutschen Gesetze 
glelchkommt, welches sich von dem russisdhen nur durch dp- 
täÄHfertere Ausführung nnd dadurch unterscheidet, dass 
hiebt nrfr die Intefessen des Reiches und der Besitzer der 
Quellen wahrt, sondern auch die Interessen derjenigeüfef- 
•sonen und Institutionen, welche infolge der durch das^ÖmÜ- 
lenschutzgesetz gegebenen Einschränkungen materiellen 1 Ver¬ 
lust und Schaden leiden können. 


— Nekrolog. Gestorben siud : 1) Der Privatdocent 
für Syphilidologie au der Militär-Medieinischen« Aka¬ 
demie zu St. Petersburg, Dr. M. Tschisti&kow — 
am 31. Dec. 1908 in Jalta. 2) Der Oberarzt der Garde- 
Flottenequipage, Dr- M. Beneze am 31...Dec. 1906. 
in St. Petersburg, gab. 1863, Arzt seit 1890. 3) Dr. C. 
S y 1 i w a nowicz am 2. Januar 1909 in Wilna. 4) 
Der Priv.-Doc. für Neurologie an der Militär-Medici*!-, 
selten Akademie und Oberarzt der Abteilung für Nerven ; 
kranke am Marien-Hospital zu St. Petersburg Dr. J. ßy- 
b a 1 k i n am 10 Januar in St. Petersburg. Er war Beit 1878 
als praotiseher Arzt tätig, war sehr beliebt unter den Pa- 
deuten und von den Collegen hoch geschätzt und ge¬ 
achtet. 5) Der Professor der Anatomie an der Univer¬ 
sität zu Cagliari, Dr..Francesco Legge. 6) Der , 
Professor der Anatomie an der Medicinischen Schule zu 
Limoges, Dr. J. Lern ai s tre. 7) Der Professor der 
Chirurgie am College of physicians»and surgeond io 
New-York, Dr. A. Mq. Cosh. 8) Der Professor der 
Physiologie an der Medicio-Schule zu Dublin, Dr. C. 
D 9 p p i n g e r. 9) Der Professor der Medicin in Coimbsa, 
Dr. E. Marques 10) Io Gondal (Indien) Dr. Doug¬ 
las Argyll Robertson, der zuerst auf die diag¬ 
nostische Bedeutung der reiiectorischen Pupiiienatatre 
bei der Tabes dorsalis hingewieseu hatte. 


^ Nächste Sitzung des Vereins St. Pe- 
teTsb. Aerzte: Dienstag, d. 27. Jan. 19Ö9. 

Tage sordnung: Dr. S. Unter berge r: Die Vererbung 
bei der Schwindsucht. 

Eutgegenuahme der Mitgliedsbeiträge. 

Nächste Sitzung des Deutschen ärzt¬ 
lichen Vereins: Montag, d. 19. Jan. 1909. 

T agesor d n u n g: Prof. 0. v. Peters en: Ueber Hefe¬ 
pilzerkrankungen der Hanl. 


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sr. rau 

HEIMISCHE WOCIEIECBEIH 

unter der Mitwirkung von 

Dr. Ad. v. Bergmann, Dr. E. Blessig, Dr. 0 Brehm, Dr. X. Dombrowski, Dr. J. Dsirne, Dr. C. Frankenhäuser, 

Riga. St. Petersburg. Libau. St. Petersburg. Moskau. St. Petersburg. 

Or. P. v. Hampeln, Or. H. Hildebrand, Dr. W. Kernig, Dr. P. Klemm, Prof. 0. v. Petersen, Dr. 0. v. Schiemann, 

Riga. Mitau. St. Petersburg. Riga. St. Petersburg. Moskau. 

Dr. Ed. Schwarz, Prof. G. Tiiing, Dr. R. Wanach, Dr. H. Westphalen, Dr. C. Wiedemann, Dr. R. v. Wistinghausen, ' 

Riga. St. Petersburg. St. Petersburg. St. Petersburg. St. Petersburg. Reval. 

Prof. W. Zoege v. Manteuffel. 

Jurjew (Dorpat), 
unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Dorpat. Riga. 

Dr. Franz DÖrbeck. 

St. Petersburg. 


Hi 4 St. Petersburg, den 24. Januar (t>. Febr.) 1909. XXXIV. JAHRGANG. 


Magenkrebs und Migenresection. 

Von 

Priv. doc. Dr. med. J. Dsirne. 
(Moskau). 


Bevor ick über einen von mir im Sommer 1008 ope¬ 
rierten Fall referiere, sei es mir gestattet in ganz 
kurzen Zügen einiges aus der Fülle der Magencarcinom- 
literatur und — praxis zu skizzieren. 

Auf Gründ der in der v. M i k n 1 i c z sehen Klinik ge¬ 
machten Erfahrungen kann angenommen werden, dass 
ein mit Magenkrebs Behafteter von dem Zeitpuncte an, 
wo die ersten nnzweifelhaften Symptome wahrgenom¬ 
men wurden, ohne operativen Eingriff im Durchschnitt 
ungefähr ein Jahr lebt; als maximum dürfte wohl kanm 
mehr wie 3 Jahre angenommen werden. 

Es ist eine allgemein bekannte Tatsache, dass der 
Magenkrebs fast immer als primäre Affection aufzutreten 
pflegt, sehr selten aber seenndär zur Erscheinung kommt, 

— wie beispielsweise nach Speiseröhrencarcinom. 

Ueber die Ursache für die Entstehung des Magen¬ 
krebses sind wir vorläufig noch lange nicht im Klaren, 
für uns bleibt diese Frage leider noch immer offen. 

Es gehört nicht in den Rahmen dieser kleinen Skizze 
all die vielen Theorieen über die Aetiologie des 
Krebses resp. des Magenkrebses an dieser Stelle detail¬ 
liert zn besprechen, ich beschränke mich darauf das 
Allerwichtigste kurz in Erinnerung zn bringen : 

Die Theorie vom irritativen Ursprung des Carcinoms 
fand bekanntlich in Vlrchow und einem Teile seiner 
Schäler eine Stütze; für diese Theorie wurden von ihm 
und seinen Gesinnungsgenossen vielfach Belege erbracht, 
welche in Folgendem gipfelten: verhältnismässig häufig 
sind in Organen, welche physiologisch periodischen 
Irritationen, Bewegungen etc. unterworfen sind (Eier¬ 
stöcke, Gebärmutter, Brustdrüsen, Magen n. a. m.) kreb- 
sige Veränderungen zur Beobachtung gelangt; ferner J 
kommen weiter Regionen in Betracht, welche vornehm- I 


lieh und häufig mechanischen Reizen aasgesetzt sind, 
wie z. B. Lippe, Kehlkopf, Mageaeingang und Magen¬ 
pförtner, Speiseröhre, After, Gallenblase (bei Steinbil¬ 
dung), Muttermnnd u. s. w. 

Auch bei langdanernden oder häufig sich wiederho¬ 
lenden chemischen Reizungen (Berufscarcinome: Paraffin¬ 
krebse, Scrotalkrebse bei Essenkehrern, carcin. Degene¬ 
ration nach häufiger Röntgeastrahlenwirkuug) kann es zu 
CarciDombildnng kommen. 

Schliesslich wäre noch auf die chronisch entzündlichen 
und geschwungen zur Krebsbildnng führenden Zustände 
hinzu weisen. Hier steht das Magengeschwür an erster 
Stelle, wenngleich diese Erkrankung als ätiologisches 
Moment für Krebsbildung vielfach überschätzt wird. 
Nach Dittrieh kommen auf 160 Fälle von Magen¬ 
krebs nnr 8 in Betracht, bei welchen der Zusammen¬ 
hang mit Magengeschwür oder Narben nachweisbar war. 
Andere Autoren, wie H äber 1 in (8,7%), Sonnichsen 
(14%) nnd Reimers (22%) constatierten einen weit 
höheren Procensatz. 

Nach Thiorsoh sind es Veränderungen im Binde¬ 
gewebe (senile Involution u. a.), welche zn Carcinom- 
ent Wicklung fuhren sollen. C o h n h e i m macht bekannt¬ 
lich verlagerte embryonale Keime verantwortlich. Im 
Anschluss an die C o h n h e i m sehe Geschwulsttbeorie 
versuchte man die Hypothese von der hereditären Dispo¬ 
sition zu stützen, doch ist man bisher hier noch sa kei¬ 
nem absolut überzeugenden Resultat gelangt (V i e r o rd t, 
Klebs, v. Esmarcb, Haeberiin n. &.). 

Auch die R i b b e r t sehe Theorie, — nach welcher die 
Carcinome vor allem durch Abschnürung von Epithel¬ 
zellen seitens gewucherten Bindegewebes, die sich „ausser¬ 
halb der organischen Zellverbände* befinden, — ent¬ 
stehen, gibt keinen genügenden Aufschluss über die Frage 
von der Aetiologie des Krebses. 

Anschliessend an die Anschauungen Rlbberts ging 
Boas noch weiter; er hält es nicht für absolut erfor* 
j derlicb, dass das Trauma den Magen selbst oder seine 
I nächste Umgebung getroffen haben muss. Jede mit einer 


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starken Körpererschütterung vergesellschaftete Gewaltein¬ 
wirkung ist seiner Meinung nach imstande die von 
Ribbert angenommene Keimisolierung zu bewerkstel¬ 
ligen und Carcinombildung hervorzurufen. 

In‘ allerletzter Zeit hat F. Sanfelice die Resultate 
seiner ungemein interessanten Versuche veröffentlicht, 
welche vielleicht geeignet sein dürften, die Frage von 
der Aetiologie des Krebses ihrer Lösung näher zu 
bringen. Dieser Autor schreibt den löslichen Producten 
der Blastorayceten eine ausschlaggebende ätiologische 
Bedeutung für die Entstehung bösartiger Geschwülste zu. 

Das einzige Resultat, welches die zahlreichen Versuche 
zur Ergründung des Entstehens von Krebs gezeitigt 
haben, besteht in Feststellung der allgemeinen Tatsache, 
dass in eine somatische Zelle irgend etwas eindringen 
muss und sich mit ihr verbindet, wodurch dieselbe in 
eine bösartige Zelle verwandelt wird. Dieses „irgend 
etwas“ ist trotz eifrigster Bemühungen noch nicht in 
concreter Form gefunden worden, wenngleich A i c h e 1 
angibt, diese Frage auf einfache Weise endgültig gelöst 
zu haben. Derselbe behauptet, dass durch Amphiraixis 
einer fixen somatischen Zelle mit einer weissen Blut¬ 
zelle sämtliche Eigenschaften einer malignen Zelle er¬ 
worben werden. Diese ungemein bestrickende Eröffnung 
bedarf jedoch noch eingehender Nachprüfung, um als 
allgemein gültig anerkannt zu werden. 

Die ungemein interessanten Versuche wurden an Hun¬ 
den und Katzen gemacht. Es kamen Kartoffelculturen, 
welche mehrere Monate in verschlossenen Röhrchen auf¬ 
bewahrt waren, zur Verwendung. Sanfelice gelang 
es bei allen Versuchen positive Resultate zu erzielen 
und eine grosse Zahl von Geschwülsten, — Carcinome, 
Adenocarcinome, Epithelialkrebse —, auf experimen¬ 
tellem Wege zu erhalten. Die Erfahrungen dieses For¬ 
schers gipfeln in folgender Zusammenfassung: „Die 
Zellen des Organismus reagieren zu der Wirkung lös¬ 
licher Producte der Blastomyceten, indem sie sich unter 
Wandlung von Form und Function (Anaplasie) ver¬ 
mehren und locale Bildung eines neoplastischen Gewebes 
veranlassen. Ausgelöste Bestandteile des letzteren kön¬ 
nen auf dem Wege der Lymph- und Blutgefässgänge 
sich in beliebiger Entfernung auf den Organen nieder¬ 
lassen und hier neues Gewebe aufbauen, identisch von 
Structur mit dem Gebilde, von dem sie ausgingen. 
Dieses Factum bildet den Grundstein der Differentiation 
der malignen Tumoren von den Geschwülsten chronischer 
Entzündung. Somit müssen durch Sprosshefen hervor- 
gerufene Veränderungen der Classe der echten Neoplasien 
zugeteilt werden.“ Wahrlich eine interessante, weite und 
verlockende Perspective, welche uns Sanfelice er¬ 
öffnet ! 

An dieser Stelle möchte ich noch die unheimliche 
Tatsache erwähnen, dass nachVirchow 35°/o (!) sämt¬ 
licher Carcinome im Magen ihren Sitz haben. Nach An¬ 
sicht von Wyss und Ha eberlin waren 1—2% sämtli¬ 
cher Todesfälle auf Rechnung des Magencarcinoms zu 
setzen. 

Seinen Ursprung nimmt der Magenkrebs von der 
Schleimhaut. Die breit aufsitzende in die Magenhöhle 
hineinwuchernde, adenomähnliche Form kommt verhält¬ 
nismässig äusserst selten zur Beobachtung und zeigt 
keine Tendenz nach Durchwucherung der Submucosa 
sich weiter in die Magenwand hinein zu entwickeln. 
Dieser letztere Umstand bewirkt es, dass hierbei der 
Magen in seiner äusseren Gestalt so gut wie keine 
augenfällige Veränderung erleidet und der von der Neu¬ 
bildung eingenommene Abschnitt der Mageuwand noch 
verhältnismässig lango leichte Verschieblichkeit zeigt. 
Auf Grund des soeben Gesagten muss die beschriebene 
Krebsform als eine relativ güustige betrachtet werden. 

Im Gegensatz hierzu stehen diejenigen Formen, welche 
in beschleunigtem Wachstum rasch sämtliche Schichten 


der Magen wand durchdringen. Die hierbei auftretende 
Gewebsneubildung hat ihren Sitz zunächst ebenfalls in 
der Mucosa, erfasst jedoch sehr bald die Submucosa, in 
welch letzterer man nicht selten die Hauptmasse der 
Neubildung findet. Die weitere Verbreitung drückt sich 
dann in Form von krebsiger Infiltration in die Muscu- 
laris und Serosa aus. 

Bezüglich der Histogenese des Schleimhautcarcinoms— 
als solches wäre ja der Magenkrebs auzusehen, — fasse 
ich mich kurz. Zu Untersuchungszwecken hat man als 
ganz besonders geeignet Magen- und Dickdarmkrebse 
benutzt (Hauser) und hierbei Folgendes feststellen 
können: zuerst erfährt das Kryptenepithel der Drüsen 
in typischer Weise eine Vermehrung; die Zellen gehen 
die mannigfachsten Veränderungen ein, cylindrische Zell¬ 
formen verwandeln sich in kubische, polygonale, ja ganz 
unregelmässige Formen; das Protoplasma verdickt sich, 
es sondert sich grösstenteils kein Schleim mehr ab; wei¬ 
ter kommt es zur Vergrösserung der Kerne, welche 
chromatinreicher werden und sich in einer vom normalen 
Typus abweichenden Form miotisch teilen. Ferner ent¬ 
steht mehrschichtiges Epithel, es bilden sich vielfache 
Sprossen, welche miteinander verschmelzen, schliesslich 
das Lumen der Drüsen ganz verschlicssen und solide aus 
unregelmässigen Zellen bestehende Cylinder bilden. 
Schliesslich wuchern, — nach Durchbrechung der Mem¬ 
brana propria der Drüsen, — die Drüsenscbläuche in 
die Muscularis mucosae und Submucosa hinein. Gleich¬ 
zeitig mit dieser Epithelproliferalion kann eine entzünd¬ 
liche Bindegewebswucherung in der Schleimhaut sich 
etablieren; dieselbe stellt durchaus keine unbedingte Be¬ 
gleiterscheinung dar, wenngleich es Autoren (Ribbert) 
gibt, weiche diesen entzündlichen Vorgang im Bindege¬ 
webe für das Primäre halten. 

Je nachdem Stroma und Parenchym in einer Krebs¬ 
geschwulst reichlicher oder spärlicher vorhanden sind 
zeigt dieselbe einen dem entsprechend specifischen Cha¬ 
rakter. Je mehr sich Bindegewebe entwickelt, je paren¬ 
chymärmer der Tumor ist, eine um so derbere Beschaffen¬ 
heit zeigt er; — wir sprechen dann von einem Faser¬ 
krebs, Skirrhus (Care, solidum Borrmanns, Carci¬ 
noma fibrosum Zieglers). 

Es sei mir gestattet hier nur auf den Faserkrebs 
näher einzugehen, da der weiter unten von mir referierte 
Fall zu dieser Kategorie von Geschwülsten gehört. 

Im Allgemeinen kann man wohl sagen, dass jede 
Krebsart, mit Ausnahme des „diffusen polymorphzelligen“ 
durch stärkere Beteiligung des Bindegewebes skirrhös 
werden kann. 

Da der Faserkrebs einen sehr protrahierten Verlauf 
zeigt und jahrelang zu bestehen vermag, so hat man den¬ 
selben seinerzeit für eine klinisch gutartige Geschwulst¬ 
form gehalten; erst mit dem weiteren Fortschreiten der 
Krebsforschung gelangte man zu der Ueberzeugung, dass 
ein grosser Teil der Fälle, welche mit der Diagnose 
„MagenVerhärtung“ abgefertigt worden waren, sich in 
der Folge als skirrböse Carcinome erwiesen. 

Das Vorwiegen des Bindegewebes im Faserkrebs ge¬ 
staltet sich dermassen deutlich, dass sich diese Geschwulst* 
form schon grob anatomisch charakteristisch repräsen¬ 
tiert. Das schrumpfende Bindegewebe des oft deutlich 
sich über das Niveau erhebenden Tumors, welcher eine 
weissliche, trockne Schnittfläche zeigt, — bewirkt nar¬ 
bige Einziehungen an seiner Oberfläche, während eine 
regressive Metamorphose recht selten zur Wahrnehmung 
gelangt und eine Mctastasenbiidung erst sehr spät beob¬ 
achtet wird. 

Es gibt nun aber auch Faserkrebse des Magens, — 
zu diesen rechne ich meinen Fall, — welche weniger 
ausgesprochene Tumorenform aufweisen, als vielmehr 
gieichmässig wuchernd die Magenwand durchsetzen; wir 


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gewinnen dann den Eindruck, als ob wir es mit einem 
chronischen, die Magenwände infiltrierenden, verhärtenden 
Entzündungsvorgang zu tnn hätten. Der Zweifel wird 
gehoben, sobald es uns gelingt epitheliale, atypische 
Zellzllge im reichlichen bindegewebigen Stroma nachzu¬ 
weisen. Einer Verwecnslung mit Endotheliom beugt ein¬ 
mal der mikroskopische Nachweis vor, dass kein Ueber- 
gang der epithelialen Zellen in bindegewebige Stroma¬ 
zellen der Geschwulst wahrzunehmen ist und ferner, dass 
man zwischen den einzelnen Zellen eine Intercellular¬ 
substanz nicht differencieren kann. 

ln seinem makroskopischen Verhalten neigt der Skirrhus 
mehr zu narbiger Schrumpfung und oberflächlicher Ulce- 
ration als das Endotheliom, welch’ letzteres meist feste, 
knollige abgekapselte Tumoren bildet. 

Hier möchte ich noch darauf hinweisen, dass der 
Faserkrebs, nachdem er die Oberfläche durchbrochen, 
sich in einen Medullarkrebs zu verwandeln vermag. Es 
gibt selbstredend zwischen diesen beiden Typen eine 
ganze Reihe von Uebergängen. 

Die sich rasch in alle Schichten ausbreitenden Carci- 
nome greifen, wenn sie am Pylorus sitzen, in der Regel 
selten auf den Zwölffingerdarm über; die Ausbreitung 
erfolgt vielmehr in der Richtung nach der Cardia hin. 
Die erwähnte Art der krebsigen Neubildung zeigt in 
der Schleimhaut eine recht gleichmässige Ausbreitung 
nud gelangen weit vorgeschobene, alleinstehende Herde 
verhältnismässig selten zur Beobachtung, ln der Sob- 
mucosa dahingegen sind Krebsmassen in bedeutender 
Menge nnd zwar in ganz unregelmässiger Verbreitung 
zo finden: es werden Geschwulstpartikelchen durch Ver¬ 
mittelung der Gefässbahnen mehr oder weniger weit 
fortgeführt, was zur Bildung von, vom Ursprung oft 
weit entfernten, Knoten führen kann. Es braucht wohl 
Dicht besonders betont zu werden, dass die Anwesenheit 
derartiger vorgeschobener Krebsherde für die Indication 
resp. Prognose einer Operation von allergrösster Ja aus¬ 
schlaggebender Bedeutung sein müssen. 

Hier will ich gleich bemerken, dass die Verbreitung 
des Carcinoms anf dem Wege der Bintbahn und seine 
metastatische Localisation in mehr oder weniger weit 
vom Ursprungsherde gelegenen Körperregioaen jeglichen 
radicalen chirurgischen Eingriff illusorisch macht. 

Verhältnismässig selten erfolgt die Weiterverbreitung 
des Krebses auf dem Wege der Blutbahn. Hier ver¬ 
mögen die Krebskeime nach Durchlaufen der ganzen 
„ Lymphstrasse“ zusammen mit der Lymphe in die Venen 
hineinzngeraten, oder aber es findet ein directes Durch¬ 
wachsen der Gefässwände statt. Ueberaus häufig 
wurde das Einbrechen der Krebszellen in die Venen 
beobachtet (G o 1 d m a n n). Schliesslich kommt es zu sog. 
capillaren Embolien oder, was als Ausnahme betrachtet 
werden muss, — die Carcinompartikelchen passieren 
gelegentlich ohne Schaden zu stiften den Capillar- 
kreislauf. 

Was den anderen weitaus häufigeren Weg der Weiter- 
Verbreitung von Carcinom, den der Lymphbahnen anlangt, 
so gelang es oft sehr weit vom Entstehungsort in den 
Lymphgefässen und Lymphdrösen mikroskopisch Krebs¬ 
zellen nachznweisen. Eingehende Untersuchungen haben 
festgestellt, dass die Weiterverbreitung des Krebses 
vornehmlich auf dem Wege der Lymphbahnen erfolgt 
und zwar sind es hauptsächlich die perivasculären Lymph- 
räume der Venen, welche hierbei in Mitleidenschaft 
gezogen werden (Seelig). Die Krebseinwanderong in 
grössere Lympbgefässe ist gewöhnlich mit Thromhose 
vergesellschaftet. 

Bezüglich der Frage über den Modus der Verbreitung 
des Krebses in den Lymphgefässen wäre kurz Folgendes 
zn bemerken: man hat es entweder mit einem conti- 
nnierlichen Weiterwachsen zn tun, die krebsige Ent¬ 
artung etabliert sich ununterbrochen von der Magen¬ 


geschwulst bis zur befallenen Drüse (Borrmann), — 
oder aber — and es ist das als ein verhältnismässig 
nicht häufiges Ereignis zu betrachten — Krebspartikel¬ 
chen oder einzelne Zellen können, vom Mutterboden 
losgerissen, in den Lymphstrom geraten und weiter ver¬ 
schleppt in der Nähe des primären Herdes sich ansie¬ 
deln und entwickeln (Renner u. a ). Nicht unerwähnt 
will ich die Annahme lassen, dass eine gewisse der 
Krebszelle eigene amöboide Beweglichkeit zugegeben 
werden muss nnd dass folglich nach Auswanderung and 
Festliegen einer solchen beweglichen Zelle sich aus der¬ 
selben irgendwo in der Umgebung des ursprünglichen 
Herdes ein neuer Krebstumor zu bilden imstande ist 
(locale Metastasenbildnng). 

Sobald das Carcinom die Magenwand durchwuchert 
hat, wird, wie bereits erwähnt, auch das Bauchfell in 
geringerer oder weiterer Ansdehnung in Mitleidenschaft 
gezogen weiden können. 

Für die Prognose ist es von allergrösster Bedeutung 
in wie weit die Lymphdrüsen nnd — gefässe bei krebr 
siger Entartung beteiligt sind. Aus den eingehenden 
Untersuchungen von Mikulicz ersehen wir Folgendes: 
am allerfrühesten verfallen die längs nnd hinter der 
kleiner Curvatnr gelegenen, sich bis znr Cardia und dem 
Zwergfell hinziehenden Drüsen der krebsigen Entartung, 
wohingegen an der grossen Curvatnr meist nur die am 
Pförtner befindlichen Drüsen ergriffen werden. Weiter 
kommen die Drüsen am Lig. gastro-colicum in Betracht, 
welche krebsig verändert mit dem Mesocolon verwachsen 
können; Netz, Darm und Mesenterium werden in Mifc 
leidenschaft gezogen. — Schliesslich wäre noch auf die 
hinter dem Pförtner an der Bauchspeicheldrüse gelegenen 
Drüsen hinzu weisen, deren Entfernung wegen Ver¬ 
wachsungen mit letzterem Organ, dem Gallengang nnd 
grossen Gefässen, mit den allergrössten Schwierigkeiten 
verbunden ist. 

An dieser Stelle möchte ich auf folgende bemerkenswerte 
und wichtige Tatsache hinweisen: nicht selten zerfällt 
die Neubildung an der Innenfläche des Magens ganz, 
sodass eine glatte Geschwürsfläcbe entsteht. Wenn nnn 
hierbei die Snbmucosa, Muscularis nnd Serosa nicht von 
deutlich wahrnehmbaren Krebsuestern durchsetzt er¬ 
scheint, sondern nur durch Bindegewebshyperplasie ver¬ 
härtet ist, so macht die ganze Affection den Eindruck 
einer gutartigen fibrösen Induration. Es kommen Fälle 
vor, in denen selbst eine eingebende mikroskopische 
Untersuchung nirgends mehr Krebsherde in der Magen¬ 
wand nachzuweisen vermag, sodass lediglich aus etwa 
vorhandenen Metastasen zu ersehen ist, dass es sich um 
eine krebsige Infiltration handelt. 

Für die primäre Localisation des Magenkrebses gibt 
es gewisse Prädilectionsstellen; nach König u. a. sitzt 
derselbe gewöhnlich an der kleinen Cnrvatur nnd geht 
von dort aus meistenteils auf den Pylorus über. Ich 
jedoch möchte mich auf Grund persönlicher Erfahrungen 
den Autoren anschliessen, weiche als häufigsten Sitz 
des Magenkrebses den Pylorns rsp. die pars pylorica 
bezeichnen, in zweiter Linie aber erst die Curvatura 
minor in Betracht ziehen. 

Meine eigene diesbezügliche Statistik umfasst im 
Ganzen 68 Fälle von primärem Magenkrebs: 40 Mal 
sass der Krebs am Pylorus nnd dem sich direct daran 
schliessenden Magenteil, in 19 Fällen war die kleine 
Cnrvatur befallenen 6 Fällen die hintere obere Magen¬ 
wand, 2 Mal die grosse Curvatnr und 1 Mal die pars 
cardiaca krebsig afficiert. 

Nach ihrer Ausbreitung und ihren klinischen Sympto¬ 
men unterscheiden wir Krebsgeschwülste an der Cardia, 
am Pylorus und solche, welche die zwischen diesen 
beiden Magenteilen befindliche Region befallen. Im 
Rahmen meiner Arbeit bleibend möchte ich hier ausschliess¬ 
lich die letzteren berücksichtigen. 


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leb schicke voraus, dass bei Anwesenheit von Krebs 
im Magen eine palpable Geschwulst fehlen kann; ich 
weise vor allem auf die flachen Krebse (Skirrhus) 
hin, welche, besonders wenn sie an der Hinterwand des 
Magens sitzen, mit unseren gebräuchlichen diagnostischen 
Hilfsmitteln in den seltensten Fällen wahrgenommen 
werden können. Auf Grund des riesigen Materiales der 
Mikuliczschen Klinik (allein 168 Fälle von Magen- 
resection) erweist sich, dass Nichtfühlbarkeit einer 
krebsigen Magengeschwulst weder für ein frühes Stadium 
derselben spricht, noch die Möglichkeit einer radicalen 
Operation beweist: in 41 Fällen, in denen keine Ge¬ 
schwulst nachzuweisen war, konnte nur 10 Mal radical 
operiert werden 1 

Aus dem eben Gesagten müssen wir den practisch 
ungemein wichtigen Schloss ziehen, dass zur Stellung 
der Diagnose auf Magenkrebs nicht erst auf das Auf¬ 
treten einer palpablen Geschwulst gewartet werden darf; 
hieraus muss man jedoch nicht folgern, jeder palpable 
Magenkrebs sei nicht mehr radical operabel. 

Ohne mich auf die Besprechung der bekannten kli¬ 
nischen Untersuchungsmethoden einzulassen, möchte ich 
an dieser Stelle auf die leider noch bislang bestehende 
grosse Unsicherheit bezüglich der Frühdiagnose des 
Magenkrebses hinweisen. Ein beginnendes Carcinoma 
ventriculi lässt sich wohl in manchen Fällen vermuten, 
häufig jedoch macht dasselbe überhaupt erst characte- 
ristisehe Symptome, wenn es bereits weit in seiner Ent¬ 
wicklung vorgeschritten ist; — eine Radicaloperation 
erscheint dann sehr oft nicht mehr anwendbar. 

Man hat darnach gestrebt, — und tut es heute noch 
— irgend welche Anhaltspuncte zu finden um die An¬ 
wesenheit von Magenkrebs rechtzeitig, d. b. früh festzu- 
stellen; — keiner der gemachten Vorschläge hat sich 
bislang als absolut brauchbar erwiesen, ln allerletzter 
Zeit glaubte Przewalski ein Frübsymptom gefunden 
zu haben. Derselbe gibt an, dass im frühesten Stadium 
des Magenkrebses eine Verengerung der mittleren, an 
der rechten Thoraxseite gelegenen Intercostalräume be¬ 
stehe. Diese Erscheinung betrachtet P. als eine vom 
rechten Vagus ausgehende „Reflexcontractur“. Nach An¬ 
sicht erwähnten Autors sind dagegen in weit vorge¬ 
schrittenen Fällen von Magenkrebs die Zwischenrippen¬ 
räume auf beiden Thoraxseiten verstrichen. 

ln Anbetracht solcher Unsicherheit einer Frühdiagnose 
kann nicht dringend genug zur Probelaparotomie ge¬ 
raten werden. Dieselbe lässt nur in den allerseltensten 
Fällen im Stich und gibt die Möglichkeit, sofort, wenn 
nötig, einen radicalen Eingriff anzuschliessen. Würde von 
der Probelaparotomie häufiger als bisher Gebrauch ge¬ 
macht, so böten die Berichte über Magenkrebsoperatio¬ 
nen ein ganz anderes Bild. Dieser diagnostische Eingriff 
ist nicht nnr im Frühstadinm des Magenkrebses anzu¬ 
raten, sondern vermag auch noch bei schon deutlich 
fühlbarem Tumor insofern von Nutzen zu sein, als die 
Möglichkeit geboten wird festzustellen, ob Palliativ¬ 
oder Radicalbehandlung Anwendung zu finden hat. 

Die erwähnte Unsicherheit bei Stellung einer Früh¬ 
diagnose auf Magenkrebs hat u. a. die Giessen er 
Klinik veranlasst sich principiell auf den Stand pnnct zu 
stellen bei älteren Personen, welche chronisch magen¬ 
leidend sind nnd infolge von stetiger Abmagerung und 
hartnäckiger Obstipation auf Magenkrebs verdächtig er¬ 
scheinen, die Probelaparotomie auszuführen. Auch die 
Breslauer (früher Mikul i czsche) Klinik ist nach 
diesem Grundsatz verfahren und eine ganze Reihe nam¬ 
hafter Chirurgen aller Länder, wieKelling u. a., hat 
sich nunmehr dazu bekannt. 

Die weiter vom Pylorus im Mittelteil des Magens, 
gewöhnlich in der Gegend der kleinen Curvatur, ge¬ 
legenen Krebse sind mit gewissen Klinischen Besonder¬ 
heiten ausgestattet und unterscheiden sich auffallend vom 


Carcinoma pylori und cardiae. Bard, Hayera, 
Delore und Leriche muss das Verdienst zuge¬ 
schrieben werden hierauf aufmerksam gemacht zu haben. 
Die beiden letzteren konnten unter 30 an Magenkrebs 
leidenden — 19 mit Krebs des ^.nräpylorischen Teiles 
behaftete finden. Der Verlauf dieser Krebsform gestaltet 
sich mit einer gewissen Regelmässigkeit folgendermaßen: 
lange Zeit bestehen als einziges Symptom Magenbe¬ 
schwerden — es wird Dyspepsie beobachtet, wobei 
sogar Ilyperacidität bestehen kann. Der Allgemeinzu¬ 
stand zeigt das Bild mehr und mehr zunehmender 
Schwäche combiniert mit fortschreitender Anämie. Erst 
wenn es nach längerer Beobachtung gelingt eine tast¬ 
bare Geschwulst berauszufindeu, können wir von einem 
für Magenkrebs sprechenden Symptomcomplex reden. 
Entwickelt sich plötzlich noch, was selten der Fall ist, 
eine secundäre Stenose vergesellschaftet mit anfänglich 
morgentlichem Erbrechen wässriger Massen, so kann 
kein Zweifel mehr über den Charakter der Erkrankung 
bestehen; dann jedoch ist es gewöhnlich schon zu spät 
für einen radicalen Eingriff, wenngleich nach Keliing 
sogar Drüsen an der kleinen oder grossen Curvator 
keine Gegenanzeige für eine Resection bilden, dahingegen 
wohl Krebsknötchen im grossen Netz. 

In vielen Fällen kommt es bei den flachen infiltrie¬ 
renden, skirrhösec Krebsen des mittleren Magenab- 
Schnittes, wie schon erwähnt, gar nicht einmal zur 
Bildung eines palpierbaren Tumors; der Process ent¬ 
wickelt sich flächenhaft, macht keine Beschwerden, 
welche sich auf Stenose und Retention zurUckführen 
lassen und führt, oft nicht als krebsige Erkrankung des 
Magens diagnosticiert, zum Tode, wie u. a. der vou E. v. 
Rindfleisch mitgeteilte Fall zeigt. Es handelte sich 
um einen 25-jährigen Mann, dessen Krankheit unter dem 
Bilde von dyspeptischen Magenstörungen nnd schwerer 
perniciöser Anämie verlief. Die Diagnose Skirrhus rentri- 
cuii diffusus konnte erst durch Section gestellt werden. 
Der von mir frühzeitig nnd mit Erfolg operierte, weiter 
unten mitgeteilte Fall ist dem von Rindfleisch be¬ 
obachteten ganz analog. — Derartige Fälle gehören zu 
den seltenen Vorkommnissen, so hat z. B. Kocher 
nur 2 Magenkrebse operiert, welche entfernt vom Pylo¬ 
rus am mittleren Magenteil sassen. 

Nun nooh einige Worte über die Magen resection 
(Gastrectomia partialis). Diese Operation kommt als 
radicaJer Eingriff als unregelmässige oder circuiäre Re¬ 
section dann in Betracht, wenn di« krebsige Erkrankung 
die kleine Curvatur, die hintere Wand und andere vom 
Pförtner entfernte Magenabschnitte betrifft, hierbei dürfen 
im äussersten Falle nnr die nächstliegendsten, regionären 
Drüsen erkrankt sein nnd müssen dieselben zudem der¬ 
artig gelegen sein, dass sie mit Wahrscheinlichkeit alle 
entfernt werden können. 

Was die Gefahr der Resection bei Carcinom betrifft, 
so beträgt nach Mayo Robson die Sterblichkeit an 
der Operation etwa 14—16°/ 0 , nach Kausch 27%, 
nach Goldschwend (Material des Städt. Kranken¬ 
hauses zu Linz) 35,5%. 

Die Frage, wie lange die Operierten recidivfrei waren, 
wird statistisch ganz verschieden beantwortet; so gibt 
Goldschwend 11,4% 4—8 J. als recidivfrei an, aus 
Mikulicz’ Klinik berichtet man von 30%, L e r i cli e 
gibt 20% an. — Keliing schreibt einen grossen Teil 
der Neuerkrankungen nach Magenresection dem Umstande 
zu, dass die Patienteu rohe Eier resp. rohes Hackfleisch 
zu essen bekamen. Nach Ansicht K.s spielen diese 
Producte in ungekochtem Zustande in der Frage von 
der Krebsätiologie eine grosse Rolle. 

Bezüglich der Operationstechnik bemerke ich, dass ich 
bei der Operation den orkrankten Magenteil zwecks 
festen Abschlusses der Testierenden Partien vermittelst 
Darraklemmen abgrenze und dann abtrage. Nach Ko- 


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eher ligiere ich die Gefässe der Magenscbnittwand nicht, 
sondern verechliesse dieselben durch Naht. Ich .wende 
wenn d&. Klemmen lange gelegen haben und das Ma¬ 
terial reicht, in letzter Zeit eine 3 j reihige Naht (Seide) 
an-: die erste Nahtreihe vereinigt die Sohleimhaut, die 
zweite, Muskel- uud Serosaschicht; dann entferne ich 
die, Klammern und lege noch eine Sero-seröse Naht an, 
«eiche »die Magen wände jenseits der Druckfurche fasst 
und Yeneinigt, i Ich tue das, um ev. schädlichen Folgen 
l&ngdauernden Klemmendruckes vorzubeugen — die 
Naht dient sozusagen ,a|g Sicherheitsvorrichtung. — Ich 
muss bemerken, dass die Gefahren, welche die Anwen¬ 
dung der Darmklemmen mit sich bringen sollen vpn 
mancher, Seite sehr übertrieben werden; man fürchtet 
Gangrän, Nachblutungen nach Abnahme der Klammern. 
Auf Grand ivon Erfahrungen vielbeschäftigter Chirurgen 
(Kocher n. a.) und fussend auf meinem eigenen recht 
grossen Materiale muss ich sagen, dass auch ohne die von 
mir in letzter Zeit hin and wieder angewendete „Sicber- 
fceitsnabt* jenseits der Druckfurche keine üblen auf 
Klammerdrack zurückzuführenden Zufälle zu verzeichnen 
wareih Mir ,ist aus meiner Praxis nur ein Fall erinner- 
liefy wo, nach Kesectioo von */« des Magens am 6 . Tpge 
p. op. die Naht insufficient wurde, weil die bei ihrem 
Manne dpjourierende Ehefrau demselben auf ein }ia.\ 
fast (einen ganzen Li^er Milch verabreichte. 

ln Folgendem: gebe ich die kurze Krankengeschichte 
eines vom mir iro August 1908 operierten Falles. 

P. G. 44 J. alt fühlt sich i seit ;H Mouaten krank. 
Hauptsächlich klagt er über Schmerzen,, Gefühl von 
Schwere undir VöUe im jEpigastrium; es besteht chroni¬ 
sche Obstipation, häufige Uebelkeit» {Widerwillen gegen 
Fleischnahrong. Der Appetit ist recht gut, Pat.isst ziemlich 
viel und oft,'nichtsdestoweniger magert er stetig ab und 
wird miti -jedem Tage schwächer. Die erwähnten Schmer¬ 
zen stellen sich : gewöhnlich zur; Zeit der Nahrungsauf : 
nahme ein, nach Beendigung der, Mahlzeit hören diesel¬ 
ben auf* Leichte Schmerzen im Epigastrium kommen 
Mb und wieder unabhängig von Nahrungsaufnahme vor. 

Der äusserst herabgekommene, anämische, abgemagerte 
Patient hat einen, hochgradig eingezogenen Leib. Bei 
sorgfältiger Palpation fühlt ( map im ERigastrinm einen 
halben Querfinger breit nach rechts von der Mittellinie 
eine schmerzhafte Resistenz von u&besljmmten grenzen, 
weiche bei tiefem Atemholen nur wenig, herabsteigt. 
Nach Aufblähung, des Magens mit Kohlensäure lässt sich 
erwähnte Resistenz nur sefiri undeutlich wahrnehmen. 
Der Magensaft,zeigt deutlich ausgeprägte alkalische Re¬ 
aktion, freie Salzsäure ist nicht vorhanden, Milchsäure 
dagegen reichlich. Peptone nachweisbar. Mikroskopisch 
cöQst&tiert , man Hefepilze. Körpertemperatur normal 
<36,6). 

Da ein flaches Carciopm in der Gegend der kleinen 
Curvatur angenommen wird, so , beschloss ich Probela¬ 
parotomie, um naep Sicherung der Diagnose und bpi ev. 
Operationsmöglichkeiti eine Magenresection anznschlieseen. 

23./VIII. 1908. Operation unter .Chloroform-Sauerstofi- 
Narcose. Schnitt duj-ph. den rechten m r reetns parallel 
der Mittellinie./ Magen kleiner als normal, im präpylo- 
rischen Teil an der kleinen Curvatur und hinten stell¬ 
weise . durch Schrumpfung eingezogen, hier eine sehr 
flache die obere hintere Mageawand(3 cm. entfernt vom 
Pylorus) stark infiltrierende, stellweise leicht eingezo- 
gene, kleinhöckrige lndnr^tioq, deren Grenzen ohne 
deutliche Conturen in die gesunde Magenwand übergehen. 
Diese Induration beginnt hinten an der kleinen Curvatur, 
hat eine Breite von ca, 1-^4 cm., nimmt etwa Vs 
der hinteren Magen wand ein, schlägt dann auf die Vor¬ 
derwand um und ist ca. 8 cm. lang. ; Im kleinen Netz 
dicht an der Curvatur 2 kleine Drüsen, grosses Netz 
frei. Nach Ablösung beider Netze im Bereiche der zu 
entfernenden Magenpartie und Auslösung der erwähnten 


beiden/Drüsen, wird zwischen- zwei, elastischen Darm¬ 
klemmen* ein circulares, die Induration enthaltendes 
Stück der Magenwand im. Gesunden entfernt. Seidennaht 
der Schleimhaut, desgleichen sero-muscoläre Naht. Die 
abgelösten Netzpartien werden oben und unten wieder 
an den Magen mit je 3 feinen Katgutnähten befestigt. 
Bauchwunde mit 3-ctag. Naht geschlossen (die. beiden 
inneren Nähte Catgut, die Hautnaht Seide). Collodium- 
Heftpflasterverband. 

26./VI1I.— 28./VIU. Heftige Durchfälle, welche nach 
Tannigen sistiereu. 

29./VI1I.—8 /IX. Völliges Wohlbefinden. Chemische 
Untersuchung ergibt alkalische Reaction, motorische 
Functiou des Magens and Darmes völlig normal. Ap¬ 
petit gut. # ’ , 

1 9./IX. ö Pfund Körpergewichtszunahme, mit prima in- 
tentio entlasse^. 

Die makroskopische Besichtigung des herausgeschnitte- 
nen Stückes zeigte auch auf der Schleimbautseite keine 
ausgesprochenen Ulcerationen, sondern kleinhöckrige, 
feste Beschaffenheit. 

Mikroskopisch ergab, sich das typische Bild eines 
Skirrfius: in einpm sehr reichlichen bindegewebigen, 
kernarmen, dickfasrigen Stroma sehr spärliche kleinzellige 
epitheliale Z|lge. t und. Haufen, hin und wieder verein¬ 
zelte solide Zapfen epithelialer polymorpher Rundzellen. 
An einzelnen Stellen Spuren glatter Magenmuskulatur. 

Zum Schluss möchte ich noch zwei, Punete aus obigor 
Krankengeschichte kurz berühren — die ,postoperative 
Diarrhoe und die alkalische Reaction des Mageninhaltes 
nach gegluckter Reseption. 

Unter den mannigfachen, Gefahren, welche nach Ma¬ 
genoperationen das Leben der Kranken bedrohen,. sind 
die postoperativen Durchfälle lplder nur wenig ^beach¬ 
tet worden. Es liegt auf der . Hand, dass naph operativen 
Eingriffen ^m Magen durch Sepsis, vor der Operation 
bestehenden Darmkatarrh» Dickdarnigangrän, Diätfehler, 
e|ne Prädisposition, ,für <M e Entwicklung einer aenteu 
Diarrhoe,, , welche d ei L 8 c k°ü ohnedies geschwächten 
Kranken aufs, Aenssprste heruüterbringen, ja ias Grab 
bringen kann, — gegeben istj. Das, sind ätiologisch klare 
Fälle, welche weiter* keiner Erklärung bedürfem. Bei 
meinem .Kranken konnte keine der augpdeuteten Mo¬ 
mente nrsächlich in Betracht kommen: die ganze post¬ 
operative Periode verlief ohne. Teraperatursteigerung, 
vorherige, katarrhalische Erkrankung des Darmes war 
völlig aus^nschliessen, ein Diätfehler wer nicht begangen 
worden. Aas dpr Breslauer Klinik ist neuerdings eine 
ganze Reihe.,von Beobachtungen bekannt gegeben wor¬ 
den) wo solche Diarrhoen naep, Magenoperationen eintra*- 
jten und de^en Entstehungsart nicht eruiert zu werden 
vermochte: , in U Fällen von ‘Magenoperation wegen 
Carcinöm endeten 5 tödlich lediglich infolge rätselhaften 
Darmkatarrhs. 

Es ist eine vielfach beobachtete Tatsache, dass nach 
geglückter Magenoperation sich die motorische Function 
40 $! Magens gewöhnlich völlig wiederherstellt, während 
die chemische Untersuchung des nach Probemahlzeit ge¬ 
wonnenen Magensaftes stets Fehlen von Salzsäure, oft 
von Milchsäure .ergab. Appetit, Ernährung, Stuhl dage¬ 
gen; pflegten gut zu sein. In der Giessener chirurgischen 
Klinik,fand man unter 26 Fällen von Magenresectiou 
2b Mal ( die motorische Function des Magens wiederber¬ 
gestellt, während Salz- und Milchsäure fehlten. Sämt¬ 
liche Operierte nährten sich normal und zeigten bedeu¬ 
tende Gewichtszunahme. Dasselbe berichtet auch Le- 
riche. Mein Fall zeigt 1 gleichfalls ein derartiges 
Verhalten. 


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fiO 


lieber den postdiphtheritischen Herztod*). 

Von . 

D. E. Michl in, in Riga. 


Die von Behring inaugurierte Serumtherapie der 
Diphtheritis hat im Laufe des verflossenen Decenniums 
ihren siegreichen Weg durch die Praxis glänzend fortge- 
>etzt, und nach den Erfahrungen der letzten Jahre ist 
os Pflicht eines jeden Arztes, auch des grössten Skep¬ 
tikers, bei jeder echten, durch den Löf fl ersehen Ba¬ 
cillus verursachten Diphtherie das Heilserum in Anwen¬ 
dung zu bringen. Hat doch, nach Baginsky 1 ), Beh¬ 
rings grosse und segensreiche Entdeckung der Blut* 
serumtherapie in einer weit alle Erwartungen und Hoff¬ 
nungen überragenden Weise die Prognose der Diph¬ 
therie von Grund aus umgestaltet und dieser früher 
so bösartigen und so tückischen Krankheit die Spitze 
gebrochen. Nach den übereinstimmenden Berichten fast 
aller hervorragenden Kliniker, ich nenne nur Heubner, 
Baginsky, Dieudonnö, Ganghofer, Rauch¬ 
fass, ist die Mortalität der Diphtherie, die in der 
V’orserum-Zeit im Mittel um 40% schwankte, in den 
letzten Jahren dank dem Heilserum in den Kranken¬ 
häusern auf ca. 12% gesunken, ja in manchen Epide¬ 
mien und in der Privatpraxis ist sie, nach Baginsky 4 ), 
sogar auf 0% bis höchstens 2,7% heruntergegangen, 
wenn nur die Kinder frühzeitig genug gespritzt werden. 
Nach Jucker 4 ) (Graz) hat die Gesamtletalität im 
letzten Decennium ziemlich gleichmässig abgenommen. 
Hierfür entscheidend war die zunehmende Verbreitung 
der Serumtherapie, während eine Aenderung des Krank¬ 
heitscharakters nicht nachzuweisen war. Nach Dr. Rab- 
now 1 ) betrug die Diphtherie-Mortalität in dem Gross- 
Lichterfelder-Krankenhause, woselbst, wie er sich aus- 
;rückt, Schweninger seine naturheilkünstlerischeu 
Ideale verwirklichte, während des zweiten Halbjahrs 1900 
nicht weniger als 59,2%, in den Berliner Krankenhäusern 
dagegen gleichzeitig 12—17%. Ein schlagendes Expe¬ 
riment zn Gunsten der Heilserumtherapie! 

Und nicht nur die allgemeine Diphtherie-Sterblichkeit 
wird durch das Heilserum stark vermindert, sondern es 
wird auch die Häufigkeit der Complicationen, in erster 
Linie der so bedrohlichen Larynxaffectionen, ebenfalls 
erheblich reduciert, wenn das Serum alsbald nach dem 
Auftreten der Affection angewandt wird. Etwas anders 
verhält es sich scheinbar mit der postdiphtheritischen 
Herzlähmung oder mit dem sogen, postdiphtheritischen 
Herztode. Während nämlich die Herzlähmung nach 
der Diphtherie in der Vorserum-Zeit offenbar sehr selten 
beobachtet worden ist —, wir Anden z. B. bei Bie- 
dert, G und obin, Dieulafoi u. A., nichts oder 
fast nichts über diesen Punct, gelangt sie jetzt in der 
Zeit der Serumtherapie, nach den Erhebungen von Prof. 
Eppinger*) aus dem pathologo-anatomischen Institut 
in Graz, sogar auffallend häufig zur Beobachtung. Diese 
Tatsache beansprucht das grösste Interesse des prac- 
tischen Arztes und rechtfertigt, meiner Ansicht nach, 
einen jeden weiteren Beitrag zu dieser Frage. 

Was zunächst die pathologische Anatomie der Herz- 
affectionen im Verlaufe der Diphtherie betrifft, so gehen 
noch die Meinungen der Forscher sehr auseinander. Im 
allgemeinen lassen sich nach Eppinger 6 ) folgende 

*) Nach einem Vortrag, gehalten in der freien ärztlichen 
Vereinigung in Riga. 

*) Baginsky, Lehrbuch d. Kinderkrankh., 1899. 

a ) B a g i n s k y, 1. c. 

•) Deutsche Med. Woch. Liter. B. N. 47, 1905. 

M Dr. Rabnow, Berliner Aerzte-Correspondenz, 1902. 

*) Deutsche Medicinische Wochenschr., 1903. 

•) 1. c., Seite 257. 


4 Hauptgruppen von Veränderungen als Ursache der 
postdiphtheritischen Herziäbmnng anfstellen: 1) pa¬ 
renchymatöse, aber auch fettige, hyaline, wachsige, vacu- 
oläre Degeneration des Herzens (Ribbert). 2) Endo* 
carditis, Herzthrombose nnd entzündliche Veränderung 
einzelner Teile des Herzfleisches (Myocarditis diphtheri- 
tica-L e y d e n). 3) Andere Aotoren wieder (z. B. V e- 
ronese) glanben, dass Veränderungen der nervösen 
Elemente des Herzens der Gruod der Lähmung desselben 
seien, gewissermassen analog den bekannten Verände¬ 
rungen der peripheren Nerven bei der Pulyneüritis diph- 
theritica. 4) Prof. Eppinger endlich, der an 18 
Fällen von postdipbtheritischer Herzläbraung ausgiebige 
pathologo-anatoraische Untersuchungen anstellte, ist der 
Ansicht, dass es sich nm Auflösung der Herzmuskel¬ 
fasern handelt infolge eines toxischen Oedems des Her¬ 
zens, das durch das Diphtheriegift herbeigeführt wird. 
Der Eintritt der Veränderungen des Herzens in ver¬ 
schiedener Form und verschiedener Zeit nach der ln* 
fection hängt von der Schnelligkeit der Entfaltung der 
Toxinwirkung ab. Die Steigerung der Veränderungen 
bis zu der Höhe, dass Herzparalyse eintreten muss, ist 
den Verschiedenheiten der Toxinmenge und Toxininten¬ 
sität unterworfen. 

Am Krankenbette sind die Fälle oach 2 Richtungen 
zu unterscheiden und zwar die Herzaffectionen 1) auf 
der Höhe der Diphtherie und 2) in dem postdiphthe¬ 
ritischen Stadium. Zur ersten Gruppe gehören jene 
Fälle, bei welchen der tödliche Collaps unter den schwer¬ 
sten Krankheitserscheinungen auftritt, das sind also 
Fälle von Diphtheritls graYis oder gravissima (nicht aber 
maligna!) nach Heubner. Nach meist plötzlichem 
Beginn der Erkrankung, bisweilen unter Erbrechen, 
liegen die Kinder schwer darnieder: der Puls ist klein 
und frequent, bisweilen aussetzend, das Gesicht ist erd¬ 
fahl und totenbleich; plötzlich wird dann das Kind von 
einer Schwierigkeit der Respiration ergriffen, bald stei¬ 
gert sich die Beschwerde zu einer wahren Angst; und 
der Anfall endet nicht selten tödlich. Ueberwindet das 
Kind den toxämischen HerzcoÜaps, so kehrt das Herz 
gewöhnlich ziemlich schnell zur Norm zurück. White 1 ) 
bat im Jahre 1904 das Schicksal von 78 Patienten 
weiter verfolgt, die das Bostooer City-Hospital nach 
Bestehen einer Diphtherie mit Herzaffectionen verliessen. 
Die Mehrzahl der Kinder zeigte ein systolisches Ge¬ 
räusch, verstärkten 2. Pulmonalton, eine besonders nach 
links verbreitete Herzdämpfung, beschleunigten oft auch 
irregulären Puls. Die Erscheinungen verloren sich recht 
schnell, nnr in 17% der Fälle dauerten sie länger als 
6 Monate, aber auch bei dieser längeren Dauer ist nach 
White die Prognose recht günstig. Auch Dielten 4 ), 
der unter 47 Fällen von Diphtherie in 20 myocar di tische 
Erscheinungen verschiedenen Grades feststellen konnte, 
darunter 15 Mal auch orthodiagraphisch, fand, dass 
selbst die schwersten Grade rttckbildungsfähig sind. 

Weniger günstig gestaltet sich der Verlauf der Fälle 
der zweiten Gruppe, d. i. der Fälle von Herzaffectionen 
im postdiphtheritischen Stadium. Hier tritt der Herztod 
gewöhnlich ganz unerwartet erst nach vollendeter Hei¬ 
lung der Local-Affection, ja zuweilen sogar nach einge- 
tretener vollständiger Reconvalescenz ein. Der Verlauf 
der Fälle, die mit der späten Herzlähmung, mit dem 
postdiphtheritischen Herztod abschliessen, ist gewöhn¬ 
lich folgender: Das Kind erkrankt an erwiesener Diph¬ 
therie mehr oder weniger intensiv; diese läuft insofern 
ab, als die localen diphtheritiseben Veränderungen ganz 
und gar zurückgehen und auch vollkommen schwinden, 
so dass die Kinder in das Stadium der Reconvalescenz 
treten nnd von nnn ab keine weiteren Organ verände- 


l ) Deutsche raed. Wochenschr. Literatur-Beilage Nr.*45, 1905. 
s ) Deutsche med. Wochenschr. Literatur-Bei läge Nr. 47,1905. 


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mögen verraten. 6—16 Tage, aber auch in der 3—4, 
ja selbst in der 6—8 Woche nach Beginn der Erkran¬ 
kung und nach entsprechend soviel Tagen oder sogar 
Wochen nach Schwinden der localen diphtheritischen 
Veränderungen und vom Stadium der Reconvalescenz 
an gerechnet, treten ganz plötzlich oder in mauchen 
Fallen, nachdem schon früher Unruhe oder Apathie oder 
auch Abnormitäten der Herzaction beobachtet wurden, 
bedrohliche Herzerscheinuogen auf, die ganz unerwartet 
und zuweilen fast blitzartig unter Erbrechen zum töd¬ 
lichen Collaps durch Herzlähmnng fuhren. Oder der 
Tod tritt weniger stürmisch ein im Zustande völliger 
Adynamie, unter dem Bilde eines Besiegtwerdens ohne 
.Kampf, wie sich H e u b n e r sehr bezeichnend ausdrückt. 

Ein 4-jährigen anämisches Kind meiner Beobachtern?, das 
an einer mittelschweren Rachendiphtheritis erkrankt und einen 
« 0 ?. Normalfall darstellt: Temperatnr nicht übermässig hoch, 
die Beläge nicht sehr ansgedehnt, Sobmazillardrfisen mässig 
veigrössert, Herzaction regelmässig, subjectives Befinden gnt, 
zeigt nach einer Heilseruminjection schnelles Verschwinden 
aller objectiven Zeichen der Rachenaffection, normale Tempe¬ 
rataren sowie überhaupt keine Organverändernngen. erholt 
sich aber nicht recht, bat wenig Appetit, bleibt apathisch und 
blass. Am 12. Krankbeitstage tritt ohne erkennbare Ursache 
-unter mehrmaligem Erbrechen und Gollapsanfällen der Exi¬ 
tus ein. 

Einen Fall von blitzartigem postdiphtheritischem Herz- 
4ode Beschreibt Bendix 1 ). 

Bin 8-jähriges Kind, das die Diphtherüis bereite gnt Über¬ 
stunden hatte, erscheint wieder frisch and gesund, ist voll¬ 
kommen kräftig nnd mnnter. AU es am 56. Kraukheitstage 
von seinen Eltern ans der Charitä abgeholt werden sollte, 
?>nch das Kind in der Frende des Wiedersehens vor den 
FBssen der Eltern tot zosAmmen. Die Sectkm ergibt posfc- 
dipbtberitische Herzlähmnng. 

Die geuane Kenntnis der Herzverändernng nach der 
Diphtherie ist' von grosser Wichtigkeit, sowohl für die 
Prognose, als auch für die Therapie des einzelnen Falles, | 
di die Herzerscheinungen leicht übersehen und der allge¬ 
meinen Schwäche zngeschrieben werden. Was die Therapie 
«nbetrifft, so-«weist schon Mosler mit Recht darauf 
hip, dass die Behandlung der Diphtherie wegen be¬ 
stehender Gefahr der Herzlähmung von vornherein eine 
excitierende sein muss, llinzuzufügen ist noch, dass Me- 
dicamente, welche auf die Herztätigkeit abschwäcbend 
wirken, bei der Diphtherie vermieden werden müssen, 
-dass also die Behandlung mit grossen Dosen Sali¬ 
zylsäure oder Aspirin, ebenso die Anwen¬ 
dung von Brechmitteln oder des Pilocar¬ 
pins gefährl ich si nd. Die späteren Formen der 
Herzaffectionen erheischen die grösste Vorsicht während 
*der Reconvalescenz-Periode. Das Herz erfordert vor allen 
Dingen Rahe nnd Schonung; mit der grössten Sorgfalt 
sind alle Aufreguugen physischer wie auch diätetischer 
Katar za vermeiden, der Patient darf nicht zu früh auf¬ 
stehen, darf nicht zu viel gehen und darf sich auch nicht 
plötzlich aufrichten; die Diät muss schon frühzeitig eine 
roborierende nnd stimulierende sein. Hei nicht gestörter 
Verdauung empfiehlt es sich, am besten eine kräftige 
gemischte Kost, Milch, Eier, Brot, Butter, Gemüse, 
leichtes Fleisch zu verordnen. Bel dem diphtheritischen 
Herzcollaps und namentlich auch bei unter grosser 
Schwäche und Anorexie hinsiechenden Kindern kommen 
neben stimulierenden Getränken und der T-rae Valeriao. 
aetb., hauptsächlich Campher oder Aether sulfur. oder 
beides zusammen (01. camph. 8,0, Aeth. suifur. 2,0) in 
grossen Dosen in Betracht; auch empfiehlt es sich, schon 
frühzeitig kleine Gaben von Strychnin zu verabreichen. 
Bei Dilatation des linken Ventrikels ist die Digitalis ln 
kleinen Dosen indiciert 

Was nnn zom Schluss die allerdings berechtigte Frage 
anbetrifit, ob nicht am Ende die späte Herzlähmnng auf 
das jetzt soviel angewandte Diphtherie-HeiIsernm zurück- 

*) Bend ix, Lehrb. d. Kinderkrankheiten. 1903« S. 495. 


zoführen ist, so muss diese 'trage durchaus verneint 
werden. So hat Eppinger l ) unter den 18 oben ci- 
tierten Fällen einen beobachtet, der „einen echtesten 
postdiphtheritischea Herztod am 13 Tage nach der Er¬ 
krankung betrifft nnd in welchem ganz bestimmt eine 
Serumbehandlung nicht 9lattgefunden hat“. In diesem 
Falle konnte er in eioer über alle Zweifel erhabenen 
Weise genau dieselben Herzveränderuugen nachweisen, 
wie in den anderen 17 gespritzten Fällen. Weiter finden 
wir in dem Strümpellsohen Lehrbache *) von 1894, 
also noch aus der Vorserum-Zeit stammend, folgende 
wenige, aber sehr bedeutsame Zeiten: „Besonders wichtig 
ist der Umstand, dass auch in leichten Fällen von Diph- 
theritis zuweilen ei De recht starke Herzschwäche anf- 
tritt; ja sogar nach eingetretener Genesung wurden 
mehrmals Fälle beobachtet, wo der Tod ganz plötzlich 
eintrat, und welche nur als Herzlähmung gedentet werden 
konnten“. * 

Ein Fall von postdiphtheritischem Herztod, den Ley¬ 
den *) schou im Jahre 1882 beschrieben hat, sei hier 
noch ganz kurz angeführt: . . 

Ein 30-jähriger Mann war au der Diphtherie erkrankt and 
von dieser genesen; es blieb nar noch ein Schwächezustend 
zurück; von seiten des Herzens aber keine Symptome. Nach 
wenigen Tagen starb der Patient plötzlich, nnd die Aatopsie 
ergab eine Dilatation des linken Ventrikels und Myocarditis 
diphtheri tica. 

Ejn Analogon dessen, dass die Fälle von postdiphtbe- 
ritischer Herzlähmung jetzt öfter, als früher zur Be¬ 
obachtung gelangen, sehen wir in den postdiphtheritischea 
Lähmungen, die bei der Anwendung des Heilserams 
nach Meyer 4 )-Bern von 3,4°/ 0 auf 5,9°/ 0 , nach Ta¬ 
tar ow 6 ) auf 12,2% und nach Ren 6 Petit 6 ) sogar 
anf 15,6% gestiegen sind. Meyer sacht mit Recht die 
Ursache der vergrösserten Zahl der Lähmungen darin, 

! dass eben mehr Diphtherie-Kranke gesund werden. 

Res um 6. Die Diphtheritis-Reconvalescefcteu müssen 
sehr lange Zeit nach überstandener Krankheit jegliche 
Anstrengung des Herzens vermeiden. Die med&araentöse 
Therapie bei der Diphtheritis darf das Herz nicht 
schwächer, die Diät muss roborierend nnd stimulierend 
sein. Der postdiphtberitische Herztod wird jetzt häufiger, 
als in der Vofserum-Zeit beobachtet, weil mehr schwere 
Fälle am Leben bleiben. 


Sibirische Bftder. 

Sammelreferat aus der Sibirskaja Wratschobnaja 
Gaseta 1908. 

Unter den Bodenreichtümern Sibiriens nehmen die Heilquet; 
len eine hervorragende Stellung ein, aber wie viele andere, 
liegen auch diese Schätze brach. In allerletzter Zeit beginnt 
jedoch auch anf diesem Gebiet das Leben zu pulsiereu und end¬ 
lich wird zu einer geregelten Exploitation der Anlauf genommen. 
Für Tiansbaikalien führt Bagaschew*) ca. 250 von Altert 
her bekannter Quellen an, welche zn Heilzwecken benotet 
werden, es sind aber ihrer viel mehr vorhanden, denn es gibt 
kaum einen Kreis nnd Bezirk, welcher nicht eine oder einigb 
Mioeralqaellen besitzt nnd von vielen mag ihre Existenz 
noch anbekannt sein (Tscbnnichin). Die meisten dieser Quel¬ 
len zeichnen sich durch niedrige Temperatur aas tmd Quellen 
von 1—2* C. sind keine Seltenheit, während untgökehri selteh 
eine Temperatur über 3—4° anzutreffen ist. DAdorch erklärt 
sieh auch der auffallende CO, Reichtum-vieler Wässer, welche 
selbst den Narsan darin Übertreffen, z. B. Darassun 2.ffS CO 3 
gegen Narsan 2.868 CO 9 . Eine weitere Eigentümlichkeit der 


*) L. c. Seite 288. 

2 ) Strümpell, Lehrbach, (russisch) 1894, 3. 108. 

*) Citiert n. d. «Fract Arzt», 1882, Nr. 3, Seite 81. 

4 ) Citiert n. d. Wratsch, 1898, Nr. 4. 

*) Wratsch, 1897, Nr. 24. . 

e ) Citiert n. d. Wratsch, 1897, Nr. 4L 
*) J. Bagaschew. Mineralquellen des Transbaikal-Ge¬ 
bietet. Moskau 1905 (russ.). 


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52 


transbalkalischen Quellen ^st ihr bedeutender Hftng&Bgebalt, 
z. B. Daraeean 0.027 MnO gegm 0.008 MnO in Marienbad, und 
hohe Zahlen für Eisen — Darassun 10 pCt. FeO gegen 3.6 pCt. 
Lipetzk oder 0.2 pCt. Sbelesnowodsk. Trotzdem ist im allge¬ 
meinen die Mineralisation der Wässer bedeutend geringer als 
in den kaukasischen oder mitteleuropäischen Quellen, was 
übrigens die .Reputation ihrer Heilkraft nicht beeinträchtigt 
und der Grund ihres ausserordentlichen Wohlgeschmackes ist. 

Es ist fast ausschliesslich Privatinitiative, welche sich in 
dem Ausbau der Bäder bemerkbar macht. So hat sich zur 
Exploitation ' der Makowejew'schen Quellen bei Tschita eine 
Aktiengesellschaft mit einem Grundkapital von 300.000 Ebl. 
gebildet. Biese Quellen sind kalkhaltige alkalisch-erdige 
Kohlensäuerliqgjö von 1—5? C. Das Debit beträgt ca. 1152 
Eimer pro Tag. 

Ueber die Jamarow’sclien Quellen (eisenhaltiger Kohleto- 
säuerling von 2° C.) im Kreise; Werchneudinsk wird, berichtet, 
dass bedeutende Quantitäten Mineralwasser für den Export 
vorberejtet sind und Massregeln ergriffen werden um der 
Wohnungsnot abzuhelfen. Eine Kumysanstalt funktioniert 
hier schon Seit 2 Jahren. 

Noch mehr scheint für die Schiwanda Quelle (die eine ei¬ 
senhaltig, die andere alkalischer Kohlensänerling. T. 2° C.) 
an der Ssretensker Zweigbahn der Transbaikalbahn getan zu 
werden. Hier Steht schon gegenwärtig den Curgästen zur Ver¬ 
fügung: tägliche Post, Lesezimmer mit Zeitungen' nnd Jour- 
Äälen, grosser Cursaal, ein. Kanfhaus für die notwendigsten 
Bedarfsartikel zu massigen Preisen, genügend Küchen für 
Familien tisch und ca. SO Einzelzimmer nnd Familienwohqun- 
gen mit comfortabler Ausstattung. Was die Balneologie an¬ 
langt, so sind hier 2 Baderäume mit 15 Wannen vorhanden, 
ständiger Arzt für die Saison and eine Apotheke. Eingeleitet 
ist der Export,von Mineralwasser. 

Ferner ist bei Pawlodar im Gebiete Ssemipalatinsk ein 
Moorbad in der Gründung begriffen am Müjaldy-See. Trotz 
guter Verbindung mit Pawlodar (Dampfer und gute Fahr* 
Strasse durch die Steppe) wird die Wahl des Ortes getadeüi 
.weil der, See in heissen Sommern bisweilen total austrocknen 
soll Dagegen ist pnr 12 Kilom. weiter der ,viel grössere Kör 
rjakow-See gelegen, dessen Wasser sich in der Zusammen- 
setzuug vom vorigen nicht unterscheidet; hier wäre die An¬ 
stalt weit günstiger placiert. 

Von Thermen sind- zn erwähnen die Turkinschen Quellen 
odCTi Gorjgtschinskoje, 130 Kilom. von Irkutsk und VA Kilom. 
vom nördlichen Ufer des Baikal, auf der Höhe von 1350 Fass 
gelegen. Das Wasser ist schwefelhaltig von +44° S. (Win¬ 
tertemperatur 43° R.). Debit ca. 70.000 Eimer pro Tag. Das 
Bad besitzt 4 Baderäume mit zusammen 32 Wannen, ein Botel 
pnd ca. 60 Wohnungen }m Dorfe,, welches das Centrum des 
Curortes bildet. Die Curaaison lauft von Jani bis Septem¬ 
ber (incl.J. " 

■ Es bleibt zu hoffen, dass die sibirischen Bäder anf ihrem 
Entwickelongswege ungestört werden forfyc|freiten können 
nnd dass der Privatinitiative keine Hindernisse in den Weg 
gelegt werden, Viel ist es ja nicht was getan ist, überlegt 
man aber, dass noch 1899 ein Bad wie die Schiwanda-Quellen 
für 15 Rbl. pro Saison verarrendiert wurde, während der Preis 
jetzt ca. Rbl. 1000 beträgt, dass dort damals nnr 11 Hütten 
standen nnd keine richtigen Wannen, geschweige denn Ther¬ 
mometer vorhanden waren, dass 1870 in Darassan, dem zu¬ 
künftigen Rivalen des Narsan, das Wasser in Einiern von der 
Quelle in die Wanne gebracht and hier auf glühend gemach¬ 
ten eisernen Bomben erwärmt wurde, so ist der Fortschritt 
nicht zti verkennen. ' ; 

*, XJebrigens fehlt, nach der Schilderung von Djv Tscbu- 
m.ichin auch gegenwärtig noch in den mefsten Bädern des 
Tranabaikalgebletes alles was an Cul.tpr ond Comfort erinimrt:. 
Die Qurgäete müssen yoijieb nehmen mit engen, dupklen, 
schmutzigen, übelriechenden Wohnungen, ohne Oefen, mit 

g imiiivstem Ameublement, mit Löchern in Wänden und Dia- 
i, durch Welche der Wind pfeift, Vögel hereinflipgen und 
hlangen kriechen, mit Qäctiern, qrelcke Regen dnrchfiiessen 
lassen und ebensolchen La^en; pder mit durchräucherten, ver¬ 
lausten, vop franken Burjaten angefüllten Filzzelten; oder 
mit luftigen Laubhiiten, wenn sie es nicht vorzieken die Höh¬ 
len wilder /Tiere in den Bergen zn bewohnen. Von Aborten 
fehlt jede Spur und dje Gegend nm die Quellen ist meist vpn 
FaekaJien verunreinigt, welche die Luft verpesten. Nahrungs¬ 
mittel sind schwer oder am Orte garnicbt zu bekommen. Von 
Zerstreuungen ist keine Rede. Die Cur wird ohne ärztliche 
Aufsicht durchgeführt, da keine Aerzte vorhanden sind. Die 
Waniien sind so ekelhaft schmutzig, dass man sich kaum 
Überwinden kann hineinzusteigen nnd dazu müssen sie noch 
häufig im Kampfe erobert werden, weil ihrer wenig nnd die 
Nachfrage gross ist. Das ist in kurzen Zügen das trostlose 
Bild der meisten sibirischen Bäder, welche an ihren Quellen 
wahre Schätze besitzen. 

Jl Und trotzdem 'werden dieselben von tausenden Curbedtirf- 
tiger besucht und der Ruf ihrer Heilkraft wächst alljährlich. 


obgleich therapeutisch ausschliesslich das Mineralwas¬ 
ser in Betracht kommen kann nnd von den sogenannten «Im¬ 
ponderabilien» moderner Bäder keine Spür vorhanden ist. 

Bemerkenswert für die lndication von Brunuencuren ist di* 
Erscheinung, dass im Trausbaikalgebiet gerade die ungemein 
schwach n.ineralisierten Kohlensäuerlinge den grössten Zuzug 
haben und fast gegen alle chronischen Krankheiten gesucht 
und bevorzugt werden. Katarrhalische nnd rheumatische 
Affectionen, Muskelschmerzen. Neuralgien, Anaemie, u. *. w. 
finden hier Linderung und Heilnug. So ist z. B. von den bei¬ 
den Schiwanda-Quellen die Untere eisenhaltig, während di* 
Obere ein sehr schwach mineralisierter . Kohlensänerling ist, 
welcher nur Spuren von Eisen enthält. Und gerade die Obere 
Quelle zieht in grosser Zahl Anaemiker heran, welche sich hier 
auffallend schnell erholen sollen. Dabei liegen beide Quelles 
von einander kaum l 1 « Kilom. entfernt und sind somit beid* 
ebenso leicht zugänglich. 

F. Holzinger. 


Referate. 

N. Astachow. Ueber die Pathogenese der Zahn¬ 
wurzelcysten (0 patogenese subnych okolokorne- 
wych kist). Inang.-Dissert. St. Petersburg 1908. 

Der Frage hiusichtlick der Pathogenese der Cysten den¬ 
talen Ursprungs, die sich in den Kieferknochen ^ entwickeln,, 
wird in der letzten Zeit in der ausländischen odontölogischep 
Literatur grosses Interesse entgegengebracht, und die Lehre 
über ihre Entstehung gilt noch lange nicht für abgeschlossen. 
Diese pathologischen Neubildungen werden in der zahnärzt¬ 
lichen Praxis fast täglich beobachtet und bringen sich den 
Aerzten sozusagen beständig von neuem in Erinnerung, ln 
Russland, wo die Zahnheilkunde sich weder von seiten der 
Regierung noch der medicinischen Facnltäten eines beson¬ 
deren Schutzes erfreut, fanden bisher Fragen ans dem <»e- 
biete der Odontologie fast gar keine wissenschaftliche Bear¬ 
beitung. Deswegen ist das Erscheinen einer Arbeit, wie di* 
vorliegende von Dr. Astachow, freudig zu begrüssen, ist 
sie doch iu Russland die erste und einzige aut diesem Gebiet. 
Hierbei muss bervorgehoben werden, dass Verf. sich der 
grossen Mühe unterzogen hat, 98 Kiefer mikroskopisch zu 
pntersuchen, worauf er 2 Jahre verwenden musste. Die Er¬ 
gebnisse, zu denen Verf. bei seinen mühevollen Untersuchungen 
gelangte, sind folgende: 1) Das Epithel der Zahnwurzel¬ 
cysten stammt in der Mehrzahl der Fälle aus den Resten 
des embryonalen Epithels, die beständig io der Zannr 
Wurzelhaut gefunden weiden. 2) Der Entwickelung der Zahm- 
wurzelcysten geht das Auftreten von Granulomen in der 
ZajhmWurzelhaut voraus, die von embryonalen Epitlielzü?eü< 
durchwachsen sind. 3) Diese epithelhalrigen Zahnwurzelgra¬ 
nulome sind die Folge einer chronischem hyperplastischeu 
Periodontitis. Sie bilden sich leicht in Cysten um, am häu- 
figsteu infolge von eitriger Erweichung des Grundgewebes, 
zuweilen aber auch infolge von degenerativer Alteration 
(schleimige Degeneration) der Zellen der Epithelzüge. 4)- l)i* 
epithelhaltigen Grannlome kann man von diesem Gesichts- 
pnncte kaum als Cysten betrachten, die nicht ihre volle Ent¬ 
wicklung erreicht haben. Am richtigsten ist es, sie als eigen¬ 
tümliche entzündliche Bildungen aufzufassen, welche sieb leicht 
iü Cysten umwandela. 5) Die Zahnwurzelcysten sind meisten¬ 
teils ein kammerige, wenn sie anch nicht selten durch Con- 
fluenz mehrerer Kammern entstehen. Das Wachstum der 
Zahnwurzelcysten ist im allgemeinen kein bedeutendes, sodass 
sie selten grössere Dimensionen erreichen, um so mehr da sie 
öft vereitern mit Bildung von Fisrein, die sich in die Mund¬ 
höhle entleeren. 7) Da? die Höhlen der Zahnwurzelcysten 
auskleidende Epithel ist gewöhnlich polymorph und mehr¬ 
schichtig; oftmals ist es nach dem Typus'des Rete Malpighi 
ungeordnet, nicht selten finden sich an ihm Anzeichen von 
degenerativen Verändernngen, unter denen am häufigsten 
schleimige Entartung und Verhornung der Epithelzellep 
beobachtet wird, sowie die Bildnngvon Epithelzwiebeln. 8) Die 
Zahnwurzelcysten entwickeln sich in der Mehrzahl der Fälle 
über Wurzeln von Zähnen mit necrotisierter Pulpa nnd ent¬ 
halten weder Zähne noch Teile derselben. 9) Die Zahnwnrzel- 
cystea können mitunter eine Rückbildung erleiden; ihreHöhle- 
obliteriert in solchen Fällen bis auf einen kaum merklichen 
Spalt, aber das sie auskleidende Epithel bleibt erhalten, indem 
es später mit dem Epithel des Zahnfleisches verschmilzt, nach¬ 
dem vollständige Atrophie der Alveola eingetreten und die in 
ihr enthaltene Zahnwurzel geschwunden ist. In anderen 
Fällen beobachtet man ein progressives Wachstum dieser 
Cysten, sogar nach Entfernung des Zahnes, an dessen Wurzel 
sie entstanden waren. 10) In den vom Verfasser von 9B Leichen 
gesammelten Kieferstüaken mit gangränösen Zahnwurzeln* 


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werde io 36 Füllen die Bildung von epithell&len Wurzelgranu- 
Ionen beobachtet, in 52 Fällen worden Zahnwnrzelcysien ge- 
fonden und in den übrigen 10 Fällen fanden sich in der Zahn¬ 
wurzelhaut nnr Beste von embryonalem Epithel. 

D. 

Prof. O. Wandel: Ueber nervöse Störungen der oberen 
Extremität bei Arteriosclerose. (Münchener med. W. 
1908, Nr. 44). 

Die vom Verfasser an der Kieler uiedicinischen Klinik in den 
letzten 4 Jahren gesammelten Beobachtungen zeigten sämt¬ 
lich das Auftreten peripherer Gefässstörungen, die sich unter 
bestimmten Bedingungen zu schmerzhaften Paroxysmen und 
motorischen Ausfallserscheinungen steigerten. Von den für 
die Aetiologie der Arteriosclerose anerkannten Allgemeinschäd- 
lichkeiten : Alcoholismns, Syphilis, Bleivergiftnog, Nicotinismus 
and häufigen Infectionen spielte keine in den angeführten 
Fällen eine bemerkenswerte Bolle. Nnr das Alter mit seinen 
Abnatzongserscheiuungen kam in allen Fällen in Betracht. 

Als ätiologisches Moment für die Entstehung und Locali- 
s&tion der Arteriosclerose in der oberen Extremität tritt ein 
schon von Erb erkannter, aber noch wenig gewürdigter 
Factor hervor, die functioneile Belastung. Locale 
Erkältung und Durchnässung der Glieder (Wäscherinnen, 
Scheuerfrauen) sind mit ihrem abnutzenden reflectorischen Beiz 
auf das Spiel der peripheren Gefässe, deren Insufficienz wir 
bei Üeberschreiten gewisser Grenzwerte thermischer Beize oft 
beobachten, gleichwertig mit den functionellen Beizen, wie sie 
die einförmigen beruflichen Anstrengungen (z. B. bei Kessel¬ 
schmieden, Maschinenbauern, Briefsortierern) auf die Länge 
der Zeit mit sich briugen. Als Analogon kann der Versuch 
von Klotz dienen, dem es gelang, durch Ueberiastung 
eines bestimmten Gefässsysteras künstlich Arteriosclerose za 
erzeugen: es traten bei Versuchstieren, die täglich nur 3 Mi¬ 
nuten lang au den Hinterbeinen in der Luft gehalten wurden, 
iu der functioneil belasteten Carotis Intimaveränderungen 
auf. Ancb die periphere Beschäftigungsarteriosclerose zeigt 
die zur Endarteriitis obliterans mit ihren schädlichen Conse- 
queozen für die Ernährung und Function der peripheren Ner¬ 
ves führenden Läsionen der Intima. 

Weyert. 


Bücheranzeigen und Besprechungen. 

Ratner: Experimeoteile Untersuchungen über die phy¬ 
siologische Wirkung des Tabakrauches auf den 
Organismus. Separatabdruck aus dem Archiv für 
die gesamte Physiologie. Bonn, 1908. Verlag von 
Martin Hager. 

Aus den Untersuchungen geht hervor: 

1) Die in Wasser lÖBlicben Verbrennungsprodukte nikotin¬ 
haltigen Tabaks rufen bei der snbcutanen Injeetion am Herzen 
der Kaltblüter (Frösche und Schildkröten) eine Bradykardie 
hervor, die mit mehr oder weniger ausgesprochener Arhythmie 
eiahergehen kann. 

2) Bei einem Warmblüter (Kaninchen) erzeugt die subcutane 
Iojection derselben Stoffe eine anfängliche Steigerung des 
Blutdrucks, der eine Senkung nachfolgt. Io diesem letzten 
Stadium bildet sich eine Bradykardie aus; gelegentlich traten 
aueh Arhythmien ein. 

3) Lässt man Kaninchen nikotinhaltigen Tabak durch die 
Trachea einatmen, so tritt allmählich Vergiftung des Tieres 
ein, die durch Unregelmässigkeit in der Atmung, eine Ver¬ 
langsamung des Herzschlags und pr&emortale Blntdrneksen- 
kang ausgezeichnet ist. 

4) Bei gesunden Menschen, die Nichtraucher sind, stellt 
*ich beim Bauchen unter anderen Vergiftungserscheinungen 
von Beiten des Kreislaufs eine Bradykardie ein. Bei solchen 
Individuen, die das Bauchen in hohem Masse gewohnt sind, 
bleiben diese Erscheinungen aus oder sind nnr bei sehr 
grossen Vergiftungsdosen andeutungsweise vorhanden, 

5) Bei Kontrollversnchen mit sogenanntem «nikotinfreien» 
Tabak bleiben die Kreis!anfstörungen mehr oder weniger ganz 
aus oder sind nnr in geringem Masse vorhanden. 

6) Die in Wasser löslichen Bauchprodukte sowohl «nikotin¬ 
armer» als anch «nikotinreicher» Tabake schädigen die ver¬ 
dauende Kraft des Magensaftes beim Hunde wie beim Men¬ 
gen, aber erstere scheinbar weniger als letztere. 

7) Das Nikotin scheint daher der giftige Bestandteil des 
gewöhnlichen Tabakranchs zn sein, da die übrigen giftigen 
Produkte, wie Pyridinbasen, Cyanwasserstoff u. s. w., anch in 
dem «nikotinfreien» Tabak rauch enthalten sind, wie sie über¬ 
haupt bei der «trockenen Destillation von jedem Laub ent¬ 
stehen», 

Mi chei so n- 


P. Nückes Ueber Familienmord durch Geisteskranke. 
Halle a. S. Carl Marhold. Verlagsbuchhandlung. 
1908. 140 Seiten. 

Seine Untersuchungs-Ergebnisse fasst Verf. folgende] massen 
zusammen: 

1) Die Familienmorde überhaupt, besonders aber durch 
Geisteskranke, scheinen zugenommen zu haben. 

2) Man kann einen «vollständigen» vom «unvollständigen» 
Famillenmord unterscheiden. Der erstere, wenn alle Familien¬ 
mitglieder, eventuell inclusive der Täter, getötet wurden. Er 
scheint bei geistig oder anscheinend geistig Gesunden häufiger 
zu sein als bei Geisteskranken; der «unvollständige» Familien¬ 
mord dagegen mehr bei Irren. 

3) Ob mehr Männer als Frauen die Täter sind, ist z. Z. 
nicht zu sagen. 

41 Sie stellen aber beide meist in der Blüte.der Jahre. 

5) Bei Männern und Frauen betragen die vollendeten 
Morde doppelt so viel als die Mordversuche. In den unteren 
Volksschichten geschehen sie wahrscheinlich auch relativ 
häufiger. 

6) Die Opfer sind bei den Männern in der Mehrzahl die 
Ehefrau, bei der Frau die Kinder, besonders das jüngste. Für 
die Ehefrau ist also der Mann, für die Kinder die Frau am 
gefährlichsten. 

7) Bei den Männern wurden meist scharfe nnd stumpfe 
Schlaginstrumente, dann Schuss- und Stichwaffen' zur Tat 
gebraucht, bei den Frauen dagegen geschah dieselbe mit dem 
Messer oder durch Erwürgen. 

8) Die Motive zur Tat sind sehr schwer sicher festznstellen. 
Eifersucht ist durchaus nicht für die Säufer pathognomisch. 
Sehr oft ging Streit nach Alcoholgennss der Tat voraus. 

9) Bei den Männern kamen der Häufigkeit nach cliron. 
Alcoholismus, Paranoia nnd Epilepsie am meisten in Betracht, 
bei den Franen Melancholie, Paranoia und Dementia praecox. 

10) Die erbliche Belastung (sicher oder wahrscheinlich) be¬ 
trag bei den Männern ca. 75 pCt., bei den Franen 95 pOt;, 
also viel mehr als bei den anderen Geisteskranken, and das¬ 
selbe Hess sich auch von der angeborenen abnormen Anlage 
sagen. Die Familienmörder scheinen also entarteter zu sein 
als die anderen Irren. 

11) Gerade der Familienmord zeigt uns die engen Beziehun¬ 
gen zwischen Verbrechen and Wahnsinn, ihre gemeinsame 
Wurzel, ohne dass aber beide identisch wären. 

12) Prophylaktisch lässt sich auch gegen den Familienmord 
vielfach ankämpfen. 

Mich el so n. 

Emil Redlich und Giulio Bonvicini: Ueber 
das Fehlen der Wahrnehmung der eigenen Blind¬ 
heit bei Hirnkrankheiten. Leipzig u. Wien, Franz 
Deuticke. 1908. 133 Seiten. Preis 3 Mark. 

Die Schlussfolgerungen der Autoren lauten : 

1) Das Fehlen der Wahrnehmung der eigenen Blindheit ist 
eine nicht allzuseltene Erscheinung, die vielmehr Beachtung 
verdient, als sie bisher gefunden. 

2) Die Störung der Wahrnehmung dieses Sinnesdefektes 
kommt vorwiegend bei Fällen von doppelseitiger cerebraler 
Hemianopsie mit absoluter Blindheit vor, aber auch bei solchen, 
wo noch Spuren von Lichtempfiudnog im peripheren Gesichts¬ 
felde vorhanden sind. 

3) Das Symptom wird aber nicht nur bei Hirnblindheit 
infolge doppelseitiger Erkrankung der Occipitallappen, sondern 
auch bei Fällen von Blindheit infolge von Allgemeinerkrait- 
kungen des Gehirns gefunden. 

4) Die Nichtwahrnehmung der Blindheit braucht keine kon¬ 
stante Erscheinung zu sein, sie kann vielmehr auch inter¬ 
mittierend auftreten. 

5) Das Symptom ist weder durch die Annahme einer dau^ 
ernden Vernichtung aller Gesichtswahrnehmungen nnd Ver¬ 
stellungen, oder durch die vollständige Zerstörung und Ans¬ 
schaltang der optischen Centren nod Bahnen in ihrer associa- 
tiven Verbindung, noch durch die Störungen des Gedächtnisses 
oder der Merkfähigkeit allein zn erklären, aber auch nicht 
durch Hallucinationen oder Koufabulation. 

6 ) Trotz seiner auffallenden Häufigkeit bei doppelseitigen 
Erkrankungen des Occipitalhirns hat dieses Symptom keine 
locald&gnostische Bedeutung und ist an keine bestimmte 
Läsion von Centren oder Bahnen unbedingt gebunden; es 
stellt vielmehr eine Teilerscbeinung einer allgemeinen nnd 
hochgradigen Störung der Hirnfunctionen bei bestehender 
Blindheit dar. 

7) Häufig ist an Stelle des erwähnten Symptoms eine auf¬ 
fallende Resignation oder Indolenz dem Defecte gegenüber zu 
beobachten. 

8) In Fällen von hochgradiger eoncentriseher Einengung 
des Gesichtsfeldes infolge doppelseitiger cerebraler Hemia- 


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54 


nopsie fehlt dagegen häufig — besonders im Anfänge der 
Erkrankung — das Bewusstsein des noch erhaltenen Gesichts* 
feldrestes. 

litchelson. 

Oestreich, R. Grundriss der allgemeinen Symptoma- 
tologie. 320 Seiten 6°. Verlag A. Hirschwald. 
Berlin 1908. 

Das Bach ist der Feder eines pathologischen Anatomen ent¬ 
sprangen and verdankt seinen Ursprung Erfahrungen am 
Sectionstisch, welchen die nötige Correctar in vielfachen kri¬ 
tischen Besprechungen des Anatomen mit dem Kliniker zu 
Teil geworden war. Dank diesem Umstande ist ein einheit¬ 
liches Werk entstanden, welches das c&priciöse Material in 
übersichtlicher Weise, systematisch geordnet, in gedrängter 
Form vorlegt and nicht nur dem Anfänger für das Stadinm 
ein wertvolles Hilfsmittel bietet, sondern auch dem Erfahrenen 
dienstlich sein kann, besonders für Vermeidung mancher 
«Ueberraschungen» bei der Autopsie. Von Einzelheiten be¬ 
fremdet etwas die Bedeutung, welche Verf. den anamnestischen 
Angaben über Luftdruck und Gehalt der Luft an Elektricität, 
beilegt. Dass die Beschaffenheit des Pulses der Art rad. nach 
dem Tode eine andere ist, als vorher — diese Behauptung 
beruht wohl auf einem lapsus calaml. 

F. Holzinger. 

Schmidt, Hans. Die Projection photographischer 
Aufnahmen. VIII 220 Seiten 8°. Mit 174 Figuren 
im Text. Geh. M. 4, geb. M. 4.80. 2. Auflage. 
Verl, von Gustav Schmidt Berlin W. 10. 1908. 

Bei der grossen Bedeutung, welche die Projection photo¬ 
graphischer Aufnahmen für Vorträge auf wissenschaftlichem, 
künstlerischen nnd technischen Gebiete, als Unterrichtsmittel 
in höheren und niederen Schalen schon jetzt herrscht, ist das 
Erscheinen eines neuen Leitfadens mit Freuden zu begrüssen 
um so mehr, wenn er aus der Feder eines so gediegenen 
Kenners stammt, wie der Verf. es ist. Gegen die erste Auf¬ 
lage bat sich der Umfang des Buches fast verdoppelt und 
tatsächlich Ist ein ganz neues Buch daraus geworden, welches 
übrigens ebenfalls darauf bedacht ist vor allem eine Anleitung 
für die Praxis zu geben. Die Theorie findet darin nur soweit 
Berücksichtigung, als dieselbe zum Verständnis unbedingt 
erforderlich ist, nnd aller wissenschaftlicher Ballast ist voll¬ 
ständig vermieden. Dafür aber finden alle Fragen, welche 
mit der Praxis der Proiection Zusammenhängen, eine klare 
Beantwortung. Besonders sei es auch Interessenten für Ver- 
grössernngsarbeiten empfohlen. Druck und Papier sind vor¬ 
züglich. 

F. Holzinger. 

G. Z u e 1 z e r: Die diätetisch-physikalische Therapie in 
der täglichen Praxis. Berlin; Verlag von Otto 
Salle. 1909. Preis 8 Mark. 

' Die diätetisch-physikalische Therapie, die einen untrennbaren 
Teil der Gesamttherapie bildet und eine immer grössere Be¬ 
deutung gewinnt, wird in dem vorliegenden Handbuch be¬ 
sprochen. Der allgemeine Teil behandelt die Physiologie des 
Stoffwechsels, die Technik und Methodik der Hydrotherapie, 
der specielle die Anwendung der diätetisch-physikalischen 
Therapie bei einzelnen Krankheitsgruppen, wie Infectious- 
krankheiten, Leber-, Magen-, Darm-, Nieren-, Herzkrankheiten, 
bei Erkrankungen des Respirationstractus, Stoffwechsel¬ 
krankheiten and functioneilen Nervenkrankheiten. In den 
verschiedenen Capiteln finden sich Beschreibungen von Appa¬ 
raten, so bei Gelegenheit der Besprechung der Behandlung 
des acnten Gelenkrheumatismus wird die Auwendungsweise 
und Wirkung der Heissluftapparate (Kastenapparate, Heiss- 
Inftdusche etc.), bei der Luugentuberculose die Inhalations¬ 
apparate besprochen. Eines der Hauptcapitel bildet die diäte¬ 
tische Behandlung des Verdauungstractus (Hyperacidität, 
Acbylie, Dünn- nnd Dickdarmkatarrh, Obstipation, Enteritis, 
Hämorrhoiden etc.). Sehr lehrreich sind die Capitel über Dia¬ 
betes, in dem die diätetischen Principien bei der Behandlung 
dieser Krankheit besprochen werden und das Capitel über 
Entfettungscuren, die Gefahren einer forcierten Entfeuungscur 
etc. Das Lehrbuch ist, wie aus Obigem hervorgeht, sehr reich¬ 
haltig, berührt zahlreiche Gebiete nicht allein der inneren 
Medicin nnd macht den Leser mit den modernen Principien 
der physikalischen und diätetischen Behandlungsmethoden be¬ 
kannt. 

Li ngen. 

Prof. E. Lexer: Lehrbuch der allgemeinen Chirurgie. 
2 Bände. Dritte Auflage. Stuttgart, Verlag von 
F. Enke. 1908. 

Es dürfte nicht zu viel gesagt sein, wenn man das Lexer- 
scbe Buch als klassisch bezeichnet. Seit dem Erscheinen des 


B i 11 ro t h sehen Werkes ist die allgemeine Chirurgie nicht 
in so vollendeter Weise dargestellt worden, wie von Lexer. 
Es ist schwer zu sagen, was man mehr bewuuderu soll, den 
echt modern-chirurgischen Geist, der das Ganze beherrscht, 
die bei aller Kürze erschöpfende Vollständigkeit, die meister¬ 
haft klare und plastische Form, oder das bei aller Objectivität 
gewährte individuelle Gepräge, das die Lectüre des Buches 
zu einem Genuss macht. Der Erfolg des Werkes — 3 Auf¬ 
lagen in 4 Jahren — ist verständlich und völlig berechtigt. 
Die Ausstattung ist dem Inhalt entsprechend glänzend; gutes 
Papier, sehr übersichtlicher Druck, gegen 400 vorzügliche 
Abbildungen. Auch der erfahrene Chirurg findet in dem Buch 
eine Fülle des Neuen nnd Wissenswerten. 

Wanach- 

Prof. H. Trendelenburg: Verletzungen nnd chirur¬ 
gische Krankheiten des Gesichts. 2. Hälfte, I. Teil. 
— Deutsche Chirurgie, Lieferung 33, 2. Hälfte, 
I. Teil. Stuttgart, Verlag von F. Enke. 1908. 

In diesem Bande der «Deutschen Chirurgie» sind besprochen 
die Neuralgie und Lähmung des N. trigeminus, die Lähmung 
und der Krampf des N. facialis. Vorzüglich ist die Bearbei¬ 
tung der Trigeminusneuralgie, sie lässt an Klarheit und 
Vollständigkeit nichts zu wünschen übrig, auch die Errungen¬ 
schaften der neuesten Zeit siud darin verwertet. In Betreff 
der Facialislähmung verweist T. auf die Handbücher der 
Nervenkrankheiten und geht nur auf die chirurgische Seite 
dieser wichtigen Krankheit ein ; eine vollständige einheitliche 
Besprechung von so compelenter Seite wäre vielen erwünscht 
gewesen. — 30 Abbildungen im Text, meist anatomische Ver¬ 
hältnisse betreffend, tragen zur Erleichterung deB Verständ¬ 
nisses bei. Die Ausstattung des Buches ist die bekannte gnte. 

Wanach. 

Prof. J. Schwalbe. Bestimmungen über die Zulassung 
zur ärztlichen Praxis im Auslande. Zweite ver¬ 
besserte und vermehrte Auflage. Leipzig. Verlag 
von G. Thieme. 1908. Pr. 3 M. 50. 

Der Kampf ums Dasein, der auf ärztlichem Berufsgebiet 
nicht geringer ist als auf anderen, bringt eB mit sieb, dass 
Aerzte, die im Heimatlande kein genügendes Fortkommen 
finden, in die Fremde ziehen, in der Hoffnung dort eher nnd 
leichter eine gesicherte Existenz zu finden. Aber allmählich 
bildet sieb ein Ueberschuss an Aerzten auch in solcheu 
Ländern, wo es vor einigen Jahrzehnten überhaupt noch keine 
Aerzte gab und deswegen suchen die Landesregierungen ihre 
eigenen Staatsbürger vor der Concurrenz der Einwanderer zu 
schützen und die Niederlassung fremder Aerzte möglichst zu 
erschweren. Aus dem Sch walbesehen Bache sehen wir, 
dass es gegenwärtig nur sehr wenig Staaten gibt, die gar 
keine Anforderungen an die einwandernden Aerzte für ihre 
Zulassung zur Praxis steilen, nnd auch diese wenigen sind 
meist solche, welche kaum einen Arzt, der in einem Cultur- 
lande gelebt hat, zur Niederlassung anlocken werden. Die 
nächste Kategorie bilden solche Länder, die den Nachweis 
eines zur Ausübung der ärztlichen Praxis im Heimatlands be¬ 
rechtigenden (Juiversitätsdiploms verlangen. Das sind Länder, 
die selbst über keine oder nicht in genügender Anzahl vor¬ 
handene medicinische Schalen verfügen. Dann kommen die 
Staaten, die für die fremden Aerzte dieselben Prüfungen 
fordern wie für die eigenen Bürger. Ihnen folgen solche 
Staaten, die ein regelrechtes Studium der Medicin im Inlande 
mit nachfolgender Piüfung verlangen, daun ein Staat (Deutsches 
Reich), wo der Ausweis sämtlicher Vorbedingungen, wie 
Maturitätsprüfung etc. gefordert wird nod den Schluss bilden 
Staaten, welche Ausländer ganz von der Ansübung der ärzt¬ 
lichen Praxis ausschliesBen. 

Verfasser bat die grosse Mühe auf sich genommen, die betr. 
Bestimmungen, wie sie in 175 Staaten bestehen, zu erforschen 
und den Lesern in knapper, übersichtlicher Form zur Kennt¬ 
nis zu bringen. Ein dankenswertes Unternehmen und zwar 
besonders im Interesse der deutschen Aerzte, die nicht 
die bekannte deutsche Wanderlust sondern vielmehr noch 
die Ueberproduction in der Heimat in die Fremde 
treibt. Diesem Ueberschuss, der sich einen natürlichen Ab¬ 
fluss sucht, werden nun überall Schranken entgegengesetzt, die 
in manchen Ländern ziemlich unberechtigt erscheinen und 
vielleicht mehr durch nationalen Stolz oder Dünkel als durch 
die Notwendigkeit des Schutzes der eigenen Untertanen moti¬ 
viert sind. Deswegen kann man dem Verfasser nur beistim¬ 
men, wenn er dafür eintritt, dass die einzelnen Staaten 
unter einander Reciprocitätsverträge abschliessen zur gegen¬ 
seitigen Anerkennung der ärztlichen Diplome, unter Berück¬ 
sichtigung der politischen und oekonomischen Verhältnisse 
der betr. Staaten und der Anforderungen, die an die Aerzte 
bei der Prüfung im Heimatlande gestellt werden. 

Gegenüber der ersten im Jahre 1899 erschienenen Auflage 
Ist die heue bedeutend erweitert, denn in jener waren nur 


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98 Staaten berücksichtigt. Dementsprechend ist auch der Um¬ 
fang des Baches am 51 Seiten gewachsen. Den Schloss des 
Werkes bildet eine sehr übersichtliche Zusammenstellung 
aller Staaten nach ihren Anforderungen an die Aerzte. Einem 
jeden Arzt, der die Heimat zu verlassen genötigt ist, wird 
das Sch wal besehe Buch ein nützlicher und sicherer 
Führer sein. i 

F. D ö r b e c k. 

Köttner, L. Prof. Ueber abdominale Schmerzanfälle. 
69 Seiten 8°. Halle a. S. Carl Marhold. 1908. 

Das 3. Heft des 1. Bandes der «Sammlung zwangloser Ab¬ 
handlungen aus dem Gebiete der Verdauungs- und Stoff¬ 
wechsel-Krankheiten» heraueg. von Prof. Dr. A l b u in Berlin, 
besteht ans vorliegendem Artikel. Der bekannte Internist des 
Rudolf Virchow Krankenhauses sichtet das Material, 
welches unter der Bezeichnung Gastralgie, Magenkrampf, 
Darmkolik etc. ein wirres Durcheinander ätiologisch und 
topisch verschiedenartiger Zustande enthält und bespricht 
Localisation, Wesen und anatomischen Sitz der verschiedenen 
abdominalen Schnierzanfälle. Dieselben werden in 5 Gruppen 
notergebracht und zwar *• 1) Krampfartige Schmerzen, die 
von der Magengegend ausgehen. 2) Leber- und Gallenstein¬ 
koliken 3) Darmkolik. 4) Nieren und Harnblasenkolik. 5) Pan- 
creaskolik. ln jeder Gruppe findet Aetiologie und Differential- 
diagnose eingehende Berücksichtigung und alles was patholo¬ 
gische Anatomie vereint mit der Chirurgie über diese Er- 
krank ud gen in den letzten Jahren ergründet haben, ist hier 
gesammelt und kritisch beleuchtet dem Leser entgegeogebracht. 

Da die Behandlung der besprochenen Schmerzanfälle sich 
nach dem Gruudleiden richtet, dessen Diagnose zu fördern 
der einzige Zweck der Abhandlung ist, so hält der Verf. es 
für überflüssig auf die Therapie einzugehen, denn «qui bene 
diagnoscit, bene curat>. 

F. H o 1 z i u g e r. 


Protocolle des Vereins St. Petersburger Aerzte. 

Sitzung vom 11. November 1908. 

0. Koritz. Ueber malignes Granulom des 
lymphatischen Apparates. 

Rericlit über einen Fall obiger Erkrankung. Pat., 40 a. n., 
kam nach 7-monatlicher Krankheit im Alexander-Hospital 
zur Section. Klinisch bestanden Milz- und l^ebervergrösse- 
roog; Drnsentumoren, besonders im Abdomen; Kachexie; 
Temperatursteigerung; zeitweilig Durchfälle. Blutbefund 
normal. Arseninjectiouen nud Röntgenbestrahläugen brachten 
zeitweilige Besserung. Die Obduction ergab makroskopisch 
kein eindeutiges Resultat. Es schien sich um eiue leukä¬ 
mische Erkrankung zu handeln, doch wurde auch au Sarco- 
matose gedacht. Das Knochenmark der Diapbysen war re¬ 
lativ frei, d. h. gelatinös-fettig mit eiDgesprengten roten Herden. 
Mikroskopisch fanden sich die charakteristischen Verände¬ 
rungen des «Granulom»: Grosse Zellen mit oft in Teilung 
begriffenem Kern, zerstreut im Gewebe der Leber, Nieren, 
MUz und Drüsen Hier nnd da Lang bans sehe Rieseozellen. 
Massenhaft Necrosen in der Milz. Lymphome in Leber und 
Niere. Follikelhyperplasie im Darm. Verdrängung des nor¬ 
malen lymphatischen Drüsengewebes durch granulomatöses. 
Nirgends Tuberkelbacillen, nirgends Luesspirochaeten. 

8 te r n b e r g hat das grösste Verdienst um die Präcisie- 
rting der betr. Krankheit. Er fusste sie als «eigenartige, 
unter dem Bilde der Pseudoleukämie verlaufende Tuberculose» 
auf. Diese Ansicht ist anfechtbar: oft sind keine tnbercu- 
lfoen Veränderungen zu constatieren. Es scheiot, dass hier 
und da auch die Lues ätiologisch in Betracht kommt. Die 
Erkrankung kann in Sarcom tibergehn (Chiasi); wird als 
besondere Form von Sarcom (von Dietrich) aufgefasst. 
Ea scheint, dass die Fälle von Pel-Ebstein scheu Drüsen¬ 
fieber zu dieser Erkrankung gehören. Jedenfalls gehört ein 
Teil der als M o r b n s Hodgkin bekannten Fälle hierher. 
Man könnte die Krankheit auch als «Morbus Sternberg» be¬ 
zeichnen. Differentialdiagnostisch müssen echte Pseudoleu- 
käroie, Tumoren, typische Tuberculose und Syphilis abge¬ 
grenzt werden. Die Pseudoleukämie lässt sich meist durch 
den Blutbefund ausBchliessen. Die Diagnose kann in vivo 
unmöglich sein; eveutuell Excision einer erkrankten Druse. 

(Autoreferat). 


Sitzung am 25. November. 

Vorsitzender : B1 e s s i g. Secretär: Fuhrmann. 
Kallmeyer hält seinen angekündigten’Vortrag »Zur 
Canoistik des Paratyphus». 


B1 e s s i g. Da der f’aratyphus B durch Genuss verdor¬ 
benen Fleisches hervorgerufen wird und bisweilen solche 
Massenvergifiungen vorgekommen sind, z. B. einmal während 
der letzten Cboleraepidemie, so wird es Bich wohl hier ebenso 
wie bei den Massenerkrankungen anlässlich der Georgefeier 
vor einigen Jahren um Epidemien von Paratyphna handeln. 

Kallmeyer gibt dieses zu. 

Schwanebacb fragt ob irgend welche Beziehungen 
zwischen Typbus und den beiden Formen Paratyphus be¬ 
stehen ? 

K a 11 m e y e r. Zweifellos kommen Mischinfectionen vor. 

F e 1 d t fragt ob der Bacillus paratyphi A, in Trinkwasser 
beobachtet worden sei oder überhaupt ausserhalb des mensch¬ 
lichen Organismus aufgefnnden worden wäre, und fragt ob 
Sectionsergebnisse bekannt seien. 

Kallmeyer. Fälle von ParatyphuB A sind bisher über¬ 
haupt nicht tödlich verlaufen. Bei den Fällen von Paratyphus B. 
scheint des öfteren MischinfectiQn mit Typhus Vorgelegen zu 
haben. 

Hart och. Die Erscheinung der Mitagglutination findet 
ihre Erklärung möglicher Weise darin, dass neuerdings das 
specifische Antigen nicht als einheitlicher Körper aufgefasst 
wird, sondern als eine Summe einzelner Componeuten gedacht 
wird, deren jede die Bildung specifiscber Antikörper im Orga¬ 
nismus bedingt. Besitzen nun artverwandte Bacterien, wie 
im gegebenen Falle Typhus uud Paratyphus, gewisse ge¬ 
meinsame Componenteu, so tritt die Mitagglutination in Er¬ 
scheinung. 

Der Beleg für solche Annahme findet sich io den Comple- 
meDtbiudungsversuchen, bei welchen sieb herausgestellt hat, 
dass bei Verwendung eines nicht adäqaatea Autigens die im 
Seram vorhandenen Antikörper nur zum Teil gebunden wer¬ 
den. Filtriert man das Gemisch und stellt man alsdann die 
Complementbindungsreactiou mit dem specifischen Antigen 
an, so bekommt man eiue positive Reaction. 

Bei Umkehrung der Versuchsanordnung tritt dieses Phänomen 
nicht in Erscheinung. Das letzte Verfahren dürfte daher 
wohl auch Aufschluss geben ob es sich um eiue Misehinfection 
im einzelnen Falle handelt. 

(Autoreferat). 


Sitzung vom 9. December 1908. 

Vorsitzender: B1 essig. Secretär: Fuhrmann. 

Fick: Ueber paranephritische Abscesse. (In 
Nr. 1 erschienen.) 

Schmitz erwähnt einen Fall von parauepbrltischem 
Abscess aus seiner Praxis, in dem er als Frühsymptom eine 
Behinderung der Extension des Beines auf der Seite der er¬ 
krankten Niere beobachtete. In Rückenlage fiel eine leichte 
Flexion des Beines auf, da die Gelenke frei waren und die 
Bewegungen sonst schmerzlos, so wurde auf eine beginnende 
Eiterung in der Nähe der Wirbelsäule in dem Gebiet des 
lleopsoas vermutet. Diese Flexionsstellung des Beines in 
Rückenlage dürfte als Frübsymptom sehr wichtig sein. Und 
die Richtigkeit der Diagnose hat sich bestätigt. 

H e u k i n g. Das Krankheitsbild ist vom Vortragenden in 
erschöpfender Weise behandelt, aber es erweckt einigermassen 
den Eindruck, als sei nar von acuten Eiterungen gesprochen 
worden. Es gibt aber zweifellos sehr chronisch verlaufende 
Fälle, die erst nach langem latenten Verlauf sich als Abscesse 
entpuppen. In diesen Fällen handelt es sieb oft um Tuber- 
culose, die zwar ausheilen kann, in manchen Fällen aber durch 
allgemeine Tuberculose compliciert wird. 

Schmitz fragt, welche Infectionskraokheiten Vortragender 
im Auge gehabt habe, er habe Fälle von paranephritischer 
Art wohl im Anschluss an Typhus, nie aber im Anschluss an 
Scharlach oder Diphtherie gesehen. 

H e u k i n g erinnert sich eines Falles — der allerdings sehr 
lange — nach einem Scharlach auftrat. 

K r e p 8. Das Vorkommen von Blutkörperchen in dem dnreh 
den Ureterenkatbeterismus erhaltenen Harn, beweist nur das 
Vorhandensein irgend eines Processes in der Niere nicht aber 
notwendig einen paranepbritischen Abscess. Was das Ileo- 
psoassymptom betrifft, bo findet es sich überhaupt bei gewissen 
Erkrankungen der Niere und des Harnleiters, besonders in 
seinem oberen Drittel. 

Fick. Die von Schmitz erwähnte Bengeoontractnr ist 
bekannt. Vortragender hat aber in der Literatur keine Hin¬ 
weise auf die allerdings sehr interessante Tatsache gefunden 
diese Erscheinung als Frühsymptom verwerten zu können* 
Auch er hat wohl einen Fall nach Typhus entstehen sehen, 
während ihm solche, nach Diphtherie und Scharlach nicht 
vorgekommen, wohl aber ans der Literatur bekannt sind Es 


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Original from 

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unterliegt keinem Zweifel, dass gewiss sehr oft chronische 
und unter diesen auch Fälle von Tuberculose Vorkommen, in 
diesem Falle greift der Process von der primär erkrankten 
Niere auf das Paranepbrlum über. Der Befund von roten 
Blutkörperchen im Harn beim Ureterenkateterismns spricht 
nicht für Paranephritis als solche, sondern für die Beteiligung 
der Niere. Wichtig ist es, wenu man aus dem einen Ureter 
Blot erhält, aas dem anderen aber nicht. 

2. Lange berichtet über einen Fall von Bron¬ 
choskopie. 

Lorenz hat neuerdings eineu Fall bei Simanowsky 
gesehen. Es handelte sich nm einen Grammophonstift, der in 
einen Bronchus II. Ordnung geraten war. Die angewandte 
obere Bronchoskopie zeigte die im Bronchns querstehende 
Nadel, es gelang zwar nicht sie zu entfernen, da aber die 
Beschwerden, znrückgingen, wird die Nadel sich wohl gedreht 
haben. 

Sch mi tz erwähnt zur Casuistik der Fremdkörper eines 
Falles, wo er einst von Obermüller zu einem Stallknecht 
consultiert wurde. Letzterer trug seit Jahren eine Kanüle 
nach einer Tracheotomie. Diese Kanäle war gebrochen und der 
untere Teil in die Tiefe geraten. Oeflnung der Trachea er¬ 
weitert, starkes Auseinanderziehen der Wundränder, mehrere 
starke Hustenstösse in abschüssiger Lage nnd die Röhre wurde 
ausgehustet. 

Ha sing berichtet über einen Fall, der dem Schmitz- 
scken insoweit äbnt als auch eine durch Jahre getragene 
Kanüle aspiriert wurde, letzteres geschah unbewusst, viele 
Monate nach diesem Vorgang starb Pat. an einer Broncho¬ 
pneumonie — bei der Section wurde die Röhre ln der ge¬ 
sunden Lunge gefunden! 

Fährmann berichtet über einen Fall, wo bei einem Mäd¬ 
chen, das an hartnäckiger, langwieriger Pneumonie einging, 
bei der Section, als unerwarteter Befund in der Lunge ein 
aspirierter Milchzahn gefunden wurde, der mit seiner scharfen 
Spitze fest eingekeilt in einem Bronchus sass. ln einem ande¬ 
ren Falle batte ein Knabe einen balbaufgeknackten Sonnen- 
blamensamen aspiriert, der nach 7 monatlichem Verweilen 
spontan ansgehustet wurde. Der Knabe litt in den 7 Monaten 
an einer äusserst hartnäckigen rechtseitigen Pneumonie. 

Schmidt berichtet über einen interessanten Fall in dem 
eine käsige Drüse aspiriert worden war. 

Blessig erwähnt auch eines Falles wo ein Sonnenblumen- 
satne aspiriert worden war, der dnrch Tracheotomie entfernt 
werden konnte. 

M a s i n g. In einem Falle, wo es sich nm einen aspirierten 
Knopf handelte, konnte derselbe durch Hustenstösse bei ge¬ 
neigter Lage des Pat. mit herabhäugendem Kopf entfernt 
werden. 

U c k e. Io einem Falle von sehr hartnäckigem Longen- 
abscess wurde gelegentlich eines starken Hustenanfalles, wo¬ 
bei sich der Mann sehr stark vorbeugte, eine Zahnplombe ex- 
pectoriert, darauf baldige Heilung. 

Hesse fragt weraa es gelegen haben mag, dass der Zan- 
genflfigel brach. 

Lange. Für die Entfernung der Fremdkörper ist die Lage 
des Pat. in der Tat von grosser Bedeutung, ln den von 
Ucke nnd Schmidt erwähnten Fällen hat es sich augen¬ 
scheinlich nm Abscesse gehandelt. Fälle wie der von Schmidt 
hat Lange dreimal gesehen. In diesen Fällen kam die 
bronchoskopla inf. zur Anwendung zwei von ihnen kamen snr 
Heilung. Die von Fuhrmann erwähnten Fälle gehören so¬ 
zusagen zn den chronischen Fremdkörperfällen. In einem 
Falle wurde einmal ein Pfeifenstiel nach 3 Jahren herautge- 
hastet, wonach Heilung eintrat. Wie es zum Bruch der In¬ 
strumente kommt, ist unbekannt. Interessant übrigens ist es 
hier, dass obwohl der aspirierte Fremdkörper nur 3 Standen 
im Bronchus gelegen hatte, der abgebrochene Zangeniiügel 
doch in den anderen Bronchus flog, was darauf hinweist, dass 
die Luft von der anderen Lunge stärker eiogezogen wurde. 


Bericht über die wissenschaftliche Tätigkeit des 
Vereins St. Petersburger Aerzte im Jahre 1908. 

Zusammen gestellt vom wissenschaftlichen Secretär 
E. Fuhrmann. 

Im Jahre 1908 hielt der Verein 16 wissenschaftliche Sitzungen 
ab, anf welchen von 28 Mitgliedern nnd 3 Gästen 35 wissen¬ 
schaftliche Mitteilungen gemacht, mehrere Kranke und eine 
grössere Anzahl makroskopischer und mikroskopischer Präpa¬ 
rate and verschiedene Apparate demonstriert wurden. 


Die Vorträge verteilen sich folgendermaßen auf die ein 
zelnen Diaciplinen; 

I. Pathologische Anatomie. 

1) Ucke: Demonstration von Pankreassteinen. 

II. Chirurgie. 

1) Thilo (Gast): Die Verhütung der Winkel- 

Stellungen nach Lähmungen mit Demonstra¬ 
tion von Apparaten. 

2) Wanach: Zur Pathologie der Patella. 

3) Heuking: Ueber Ileus in Verbindung mit 

Meckel schein Divertikel. 

4) Weber: Ueber Appendicitis in der Gravi¬ 

dität. 

5) Lange: Demonstration eines Falles von geheilter 

tiefer Stichwunde der Lunge. 

6) H e s 8 e: Myositis ossificans circumscripta. 

Demonstration zweier Patienten. 

7) Fick: Ueber paranephritische Abscesse. 

8) Lange: Ein Fall von Bronchoskopie. 

III. Gynäcologie und Gebartshilfe. 

1) Hein: Ueber Chorionepitheliom. 

2) Lingen: Ueber hyperemesis gravidarum. 

3) Dobbert: Der verstärkte Wundschatz im 

Lichte einer Reihe von 500 L&paratomien. 

IV. Innere Medicin. 

1) MasiDg: Ueber die Tnbercnlose in den 

letzten 25 Jahren. 

2) Westphalen: Ueber die diffnse idiopathische 

Dilatation des Oesophagus. 

3) Johannson: Bericht über einen Fall von 

C h 1 oro ra. 

4) Hausmann (Gast): Ueber die therapeutische 

Verwendung von pyrogenen Mittelnbei 
der Cholera asiatica. 

5) 0. Moritz: Ueber einen Fall von malignem 

Granulom. 

6) Kallmeyer: ZurCasuistik des Paratyphos. 

V. Kinderheilkunde. 

1) Hecker: Ueber die diagnostische Bedeu¬ 

tung der cutauen Tu bereu li n i m pfu n g 
nach v. Pirquet im Kindesalter. 

2) Schmidt: Zur Statistik u. Diagnostik der 

cutanen Tuberenlinprobe nach v. Pirquet 
auf Grund von 1000 Beobachtungen. 

3) Hörschelmaun: Berichtet über einen Fall vonScler- 

ödem. 

VI. Nervenheilkunde. 

1) Amburger: Zwei Fälle von traumatischer 

Rückenmarkblntung. 

2) G i e s e : Durch Operation Heilung von einem 

Rückenmarkstumor. (Demonstration des Patien¬ 
ten). 

VII. Ohren- und Nasenheilkunde. 

1) Feldt*. Demonstrationen: a) Ein wegen narbiger 

Stenose dei äusseren Gehörganges ope¬ 
rierter Patient, b) Ein wegen rechtseitigen 
otitisch.en Klein hirnabscesses vor 15 Mo¬ 
naten operierter Patient. 

2) Sichert: Ein Fall von Neoplasraa der Nasen¬ 

höhle. (Demonstration des Präparates). 

3) Feldt: Ueber ein Augiofibrom der Nase. (De¬ 

monstration). 

4) Neumann: Ueber die Mechanik des Hörens. 

VIII. Augenheilkunde. 

1) German: Zur Myopiefrage und Über die 

Gläsercorrection der Myopie. 

2) Blessig: Einige Daten znr Statistik der 

schweren Augenverletzungen. 

IX. Krankheiten der Geschlechts- und Harn¬ 
organe. 

1) Kreps: Zur Pathologie nnd Therapie der 

Anurie. 

2 ) v.Wiehert: Ueber die operative Behandlung 

der Prostatitis. 


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UNIVERSITY OF MICHIGAN 



67 


X. Diversa. 

ly Hesse: Ueber die schädigende Wirkung der 
Röntgenstrablen anf Aerzte and Patien¬ 
ten. 

2) German: Bericht über den Tnbercnlose- 

congresa in Washington. 

3) Peteraen und Bormann (Gast): demonstrieren eine 

Reihe von Patienten, die wegen verschiedener 
Leideu mit R ö n t g e n s t r ah le n behandelt 
worden. 


Wöchentliche Chronik und kleine Mitteilungen. 

— St. Petersburg. Der Medicinalrat hat bestimmt 
eine Censur der Annoncen und Reclamen von Seiten der ört¬ 
lichen Medicinalbebördeu einzuführen. 

§ 1. Die örtlichen Mediciualverwaltungen werden mit der 
Ceusur von jeglicher Art Anuoncen und Reclamen betraut, 
die sich beziehen 1) auf den Verkauf von Heilmitteln und 
Heilapparaten, deren Wirkung und Gebrauchsanweisung; 
2) auf hygienische, kosmetische und dergl. Mittel; 3) auf be- 
rufsaushbung von Seiten der Aerzte, Zahnärzte, Dentisten, 
Feldscher, Hebammen, Masseure und dergl.; 4) auf Pharma¬ 
zeuten ii na Leute, die sich mit der Verfertigung unddem Verkauf 
von Apotheker waten beschäftigen; 5) auf Cnrorte, Heil- und 
Tateiwasser. § 2. Die in § 1 erwähnten Annonceu und Re- 
clamtn müssen in die örtliche Medicinalverwaltung vorgestellt 
weiden, bevor sie in Druck gegeben werden. Wobei die Er¬ 
laubnis nur lür das betreffende Gouvernement resp. Gebiet 
von der öi Hieben Medicinalverwaltung erteilt weruen kann. 
Annoncen, die im «Piawitelstwenuy Wesinik»und im «West- 
Lik obschtschesiwenuoi gigieny, ssudebnoi i praktuscheskoi 
medicin y» erschienen sind, werden in demselben Woitlant von 
den öiliichen Mediciualverwaltungen zum Abdruck unbehin¬ 
dert gestattet. § 3. Bei Erteilung der Erlaubnis znm Druck 
haben die örtlichen MedicinaiVerwaltungen sich an folgende 
Yoncinllteu zu halten: 1) Ist der Text der Annonce mit 
tvtnt- Zeichnungen von der Behörde acceptien und zum 
Druck gestaltet, so daif die Annonce inbezug auf die äussere 
Fora, die Art der Reproduction (Preis-courant, einzelne 
tiogtth Plakate, Stempeiaodi ücke und dergl.) uicht beeinträch¬ 
tigt weiden. 2) Besondere Vermeike über Erlaubnis oder Ap- 
piobauon von Heilmitteln und Beiiappaiateu, von kosmeti¬ 
schen and dergl. Mitteln von Seiten des Medicinalraies oder 
medicinischer Beköideu dürleu in keinem Bail gestattet wer¬ 
det). 3) Mittel nnd Apparate, die Befruchtung \erhnteu oder 
Fiuchiabtreibung bewirken, dürfen nicht annonciert werdeu. 

4) Bekanntmachungen» die der Y\ irklichkeit nicht entsprechen 
und durch unwahre und unbegründete Lobeserhebungen uas 
Publicam iireleiten kennen, aürfeu zum Druck nicht gestattet 
werden. Aumerk.: Mittel, die laut § 21 Ustaw. Wratschebn. 
v. J. 1905 d. h. als nicht medicinlscbe zuui V erkauf gestattet 
sind, dürfen nicht mit Namen benannt werdeu, die mit ent¬ 
sprechenden Krankheiten in Einklang gebracht werden können, 
z. B. «Ekzemaiin>, «Kheumatism» etc., und von der Heil- 
kratt obiger Mittel darf nient Erwähnung gemacht werden. 

5) In den Anzeigen, die sich auf Berutsausübung von Seiten 
der Aerzte, die dazu gesetzlich berechtigt sind laut § 220 
Usiuw. Wiatscliebu. v. J. 1905, der Feldscher und Hebammen 
beziehen (hierher gehören aucn Anuoncen von lmpfanstaiieu, 
Massage und HeiJgy muastik), die alle unter Conti olle der Medici- 
nalverwaltnngen sieben, düneu keinerlei Anpreisungen und Lo¬ 
beserhebungen abgeuruckt werden. Diese Regeln beziehen sich 
sowohl auf Annonceu nnd Reclamen von russischen und aus¬ 
ländischen Mitteln, als auch aut den Abdruck von Annonceu 
in russischer und fremdländischen Sprachen. Im Ball von 
Zweifel sollen die Meoicraalverwaliuugen sich nach dem 
P. 4 v. § 3 richten, im äusseisten Ball den Cbermedicinal- 
inspector um Aufklärung ersuchen. 

— Der Prof, der Chirurgie an der Univeisität zu Kasan, 
Dr. R as n m o w sk i j ist von dem Minister der Volkeanr- 
klätung mit der Organisation der medicinischen B'acultät 
an der zu gründenden Universität inSsaratow beauf¬ 
tragt worden. 

— Die Prämie des Grafen D. T o 1 s t o i an der Akademie 
der Wissenschaften im Betrage von 1000 Rbl. ist dem Atzt 
J. Sawadskij für seine im Laboratorium von Prof. J.Faw- 
low ausgelübite experimentelle Arbeit cUeber die Hemmung 
und die Aufhebung der Hemmung der bedingten Reflexe», 
die das Ihema seiner Inauguraldissertation bildete, zuge¬ 
sprochen worden. 

— Ab der 0 niTersitftt zu Moskau ist ein Wettbe¬ 
werb ei öffnet zur Besetzung des Lehrstuhls für Ophthalmolo¬ 
gie. Anmeldungen sind spätestens bis zum 15. März dieses 
Rabies einzureichen. 


— Der Professor der inneren Klinik an der Universität zu 
Odessa S. Lewaichew ist zum Rector dieser Univer¬ 
sität ernannt. 

— Der Privatdocent für Geburtshilfe und Gynäoologie an 
der M o 8 k a u e r Universität Dr. P o b e d 1 n s k i j ist zum 
ausserordentlichen Professor ernannt worden. 

— Von den beiden Candidaten, die sieb zur Besetzung des 
Lehrstuhls der Physiologie an der Universität zu Charkow 
gemeldet hatten—Priv.-Doc. W. Boldyrew und Priv.-Doc. 
A. Tscherewko w—erhielt der letztere bei dem Balottement 
die Majorität. 

— Ende Januar wird io dem Privatlaboratorium 
von Dr. G. Bjelooowskij und Dr. P. Maslokowez 
ein C u r s u s für Aerzte über Theorie nnd Praxis der S e r o- 
dlagoostik der Syphilis und über die Lehre von den 
Opsoninen eröffnet werden. 

— Von Anfang Februar 'au werden im Institut für experi« 
mentelle Medicin in St. Petersburg 2-wöchlge C n r s e über 
die Bakteriologie der Cholera für Aerzte .abgehal¬ 
ten werden. 

— In Warschau wird ein Gouvernements labo- 
ratorium für Bakteriologie eröffnet, welches vor¬ 
zugsweise veterinärpolizeiliclien Zwecken dieuen soll. Zum 
Leiter des Laboratoriums ist Dr. Tschar nozkij ernannt 

— Die nächste Versammlung rassischer Naturforscher’ und 
Aerzte findet vom 28. December 1902 bis zum & Januar 1910 
io Moskau statt. 

— Der 8. internationaleCoo gress für 01o 1 ogl.e wird 
Im August dieses Jahres iu Budapest stattflnden. Bei 
dieser Gelegenheit findet die Zuerkennong der Politzer- 
Prämie im Betrage von 400 Francs für die beste Arbeit 
auf dem Gebiete der Anatomie, Physiologie uud Pathologie 
des Gehörorgans statt. 

— In Paris hat sieb ein Comitee gebildet znr Entgegen¬ 
nahme vou Spenden zwecks Errichtung eines D e n k mal s 
dem vor 3 Jahren verstorbenen Physiologen Marey, welches 
im Hofe des Institut Marey aufgestellt werden soll. Bei¬ 
träge sind zu richten nach Paris, M. Carvallo, Institut Ma¬ 
rey oder an die Huchhandlnng von Masson, 120, Boulevard 
Saint-Germaln. 

— Der 38. Congress der Deutschen Gesell¬ 
schaft für Chirurgie findet vom 14. bis zum 17. April (a. St.) 
1909 in Berlin im Langenbeck-Hause statt. Anmeldungen von 
Vorträgen and Demonstrationen sind an Prof. H. Kümmel 
zu lichten. 

— Der letzte internationale Tnberculosecongross 
in Washington hat folgende Resolutionen gefasst: 
Die Regierungen der einzelnen .Staaten und die Bandesregie¬ 
rung werden auf die Wichtigkeit geeigneter Gesetze hinge- 
wiesen, durch welche den Aerzten die Pflicht auferlegt wird, 
alle Fälle von Tuberculose, die zu ihrer Kenntnis kommen, 
deu Gesundbeitsbebördeu anzuzeigen, so dass die Behörden 
auf Grund ordnuugsmässig geführter Listen in der Lage sind, 
die erforderlichen Massnahmen znr Verhütang der Weiterveiv 
breitung der Krankheit zu treffen. 

Bei der Bekämpfung der Tubeiculose mnas wie bisher das 
Hauptaugenmerk darauf gerichtet sein, die UebertragUng der 
Krankheit von Mensch zu Mensch, die die wichtigste Quelle 
der Verbreitung der Tnberculose bildet, zu vei hindern. 

Prophylaktische Massnahmen sind auch weiterhin gegen die 
Rindertubercnlose zu treffen; die Möglichkeit der Ueberträ- 
gong dieser Foim auf den Menschen muss anerkannt werden. 

Die Eiuricbtung von Krankenhäusern zur Behandlung voii 
vorgeschrittenen Fällen vou Tubercnlose, der Bau von Sana¬ 
torien für heilbare Tnberculöse und die Einrichtung von B'ttr- 
sorgestellen nnd Tag- and Nacht-Erholungsstätten für diejeni¬ 
gen, welche in Krankenhäusern und Sanatorien nicht auffce- 
genommen werden können, sind der Oeffentlicbkeit und allen 
Regierungen auf das Wärmste zu empfehlen. 

Der Congress billigt jede Wohldurchdachte - Gesetzgebung 
znr Regelung der Arbeit in Fabriken und Werkstätten, zu r 
Abschaffung der vorzeitigen) gesundheitsschädlichen Arbeit 
von Frauen nnd Kindern und zur Schaffung gesunder Woh¬ 
nungen, da durch solche Mittel die Widerstandskraft des Vol¬ 
kes gegen die Tubercnlose nnd andere Krankheiten erhöht 
wird. 

lu allen Anstalten zur Ausbildung von Lehrern sind Cnrse 
für persönliche und Schulhygiene einzuricluen. 

Der Unterricht in Elementarhygiene soll, wenn irgend mög¬ 
lich, von hierzu besonders geeigneten Aerzten erteilt werden. 

Allen höheren Lehranstalten nnd Universitäten istdnngend 
zu empfehlen, besondere Cnrse für Hygiene einzurichlen und 
diese Gegenstände auch in die für den. Eintritt festgesetzten 
Anforderungen einzaschliessen, um dadurch die Aufnahme der 
Hygiene in den Elementarunterricht der unteren Schalen her¬ 
beizuführen. 

Der Congress billigt und empfiehlt die Einrichtung von 
Spielplätzen als ein wichtiges Mittel znr Verhinderung der 
Tubercnlose wegen ihres fördernden Einflusses anf die Ge¬ 
sundheit und die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten. 


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UNIVERSTTYTT—?-t; Hl GAN 



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— in Brüssel hat sieb ein Comi tee aus Professoren 
der inedicinischen Facultäten der belgischen Universitäten ge¬ 
bildet, welches eine Sammlung von Spenden zur Unter¬ 
stützung der Witwen und Waisen der beim Erdbeben 
in Sicilien verunglückten Aerzte veranstaltet. Das Co- 
mitee führt den Namen Pro Italia medical und hat 
die Absicht, die erwähnte Stiftung zu einer internationalen 
zn machen- Diese Idee hat in Frankreich, in den Niederlanden, 
in Italien und in Russland Anklang gefunden und es haben 
sich in diesen Ländern Zweigeomitees gebildet —, im ersteren 
unter dem Vorsitz von S e g o n d, im zweiten unter 11 e n d e s 
de Leon, in Italien unter Pestolazza, in Russland unter j 
Prof- 011 - St. Petersburg. Die Redaction des «fitssskij 
Wratsch» hat sich auf eine Anfrage von Prof. Ott bereit 
erklärt, Spenden zum erwähnten Zweok entgegenzunehmen. 

— In Lübeck ist die Anzeigepflicht für Er-! 
krank an gen an offener Lungen- oder Kehl- 
kopftubercnlo8 e angeordnet für den Fall dass 1) der 
Kranke seine Umgebung gefährdet, 2) dass er seine Woh¬ 
nung wechselt oder in ein Hospital übergeführt wird, 3) dasR 
er mR Herstellung von Nahtangsmitteln beschäftigt ist. 

In der Sitzung des Vorstandes der internationalen 
Vereinigung zur Erforschung des Krebses, die aui 
4 Januar in Berlin stattfand, wurde auf den Vorschlag 
von Prof- Czerny beschlossen, im September 1910 in Brüs¬ 
sel eine internationale Conferenzzur Erfor¬ 
schung des Krebses einzuberufen. Um das Material 
dafür vorzubereiten wird im April dieses Jahres eine Sitzung 
des Boreau des internationalen Verbandes zur Bekämpfung 
des Krebses stattfinden. 

— Die Flecktyphn8epidemie im Goa vernement 

K oskan hat zugenommen. — In Wladikawkas herrscht 
ebenfalls der Flecktyphus epidemisch. j 

— Verbreitung der Cholera ln Russland. In 
der Woche vom 11. bis zum 17. Januar kamen Erkrankungen 
und Todesfälle an Cholera vor: in St. Petersburg mit 
den Vorstädten 193 (52), imüouverneroent St. Pe¬ 
tersburg I (4) in* Otebiet der Donkosaken 7 (4). 

— In der Woche vom 14. bis zum 20. December 1908 er¬ 
krankten in St Petersburg an Infectionskrank- 
holten 547 Personen. Darunter Typhus abdom. 59, Typb. 
exanth 4, F e b r i s i e c u r r. 80, Pocken 12, Windpocken 14, 
Masern 49, Scharlach 66, Diphtherie 92, aent. Magen-Darm* 
katarrh 48,Cholera92,an anderen Infectionskrankheiten 31. 

— Die Gesamtzahl der Kranken in den Pe¬ 
tersburger Stadthospitälern betrag in der 
Woche vom 14. bis 20. Dec. 12038. Darunter Typhus abd. 
603 Typh. exanth. 8, Febris recurrens 526, Schar¬ 
lach 211, Diphtherie 141, Masern 66, Pocken 18, Windpocken 3, 
ernpüse Pneumonie 87, Tubercniose 480, Erysipel 56, Keuch¬ 
husten 19, Hautkrankheiten 80, Syphilis 481, venerische 
Krankheiten 366, aente Erkrankungen 1946, chronische 
Krankheiten 1619, chirurgische Krankheiten 1352, Geistes¬ 
krankheiten 3200, gynäcologische Kranheiten 220, Krank¬ 
heiten des Wochenbetts 47, andere Krankheiten 95, Cho¬ 
lera 214, Influenza 238. 

— Die Gesamtzahl der Todesfälle in St. Pe¬ 
tersburg betrog in derselben Woche 881 -fr- 46 Totgebo¬ 
rene + 59 in der vorigen Woche nicht registrierte Jbälle. 
Darunter Typh. abd. 16, Febris recurrens 3, Pocken 
4, Masern 9, Scharlach 18, Diphtherie 18, Keuchhusten 16, crupöse 
Pneumonie 34, katarrhalische Pneumonie 116, Erysipel 1, 
Influenza 8, Pyaemie n. Septicaemie 8, Puerperalfieber 1, Tu- 
berculose der Lungen 134, Tnberculose and. Organe 27, Cho¬ 
lera 38, Magen-Darmkatarrh 48, andere Magen- and Darmer- 
kranknngen 49, Alcoholismus 7, angeborene Schwäcbe 45, 
Marasmus senilis 25, andere Todesursachen 253. 

— An Infectionskrankheiten erkrankten in St 
Petersburg in der Woche vom 21. bi» zum 27.De¬ 
cember 430 Personen. Darunter an Typbus abdom. 41, Typh. 
exanth. 4, Febris recurrens 73, Pocken 1, Windpocken 


4, Masern 41, Scharlach 55, Diphtherie ^6, Cholera 73, 
aent. Magen-Darm katarrh 29, an anderen Infectionskrankhei- 
ten 23. 

— Die Gesamtzahl der Kranken in den 8t. Pe* 
lersburger Stadthospitälern betrug in derselben 
Woche 11515. Darunter Typhus abdominalis 584, Typhus 
exanth. 9, Febris recurrens' 501, Scharlach 182, 
Maseru 59, Diphtherie 114, Pocken 9, Windpocken 1, 
Cholera 167, ernpöse Pneumonie 84, Tnberculose 489, 
InAnenza 176, Erysipel 50, Keuchhusten 14, Hautkrankheiten 
61, Syphilis 475, venerische Krankheiten 312, aente Erkrankun¬ 
gen 1748, chronische Krankheiten 1590, chirurgische Krank¬ 
heiten 1330, Geisteskrankheiten 3205, gynäcologische Krank¬ 
heiten 210, Krankheiten des Wochenbetts 50, verschiedene 
andere Krankheiten 54. 

— Die Gesamtzahl der Todesfälle in St. Pe¬ 
tersburg betrog in derselben Woche 918 -fr- 60Tot- 
geborone-h 55 in der vorigen Woche nicht registrierte Fälle. 
Darunter Typh. abd. 20, Febris recurrens 2, Pocken 3, Masern 10, 
Scharlach 17, Diphtherie 18, Keuchhusten 11, ernpüse Pneu¬ 
monie 45, katarrhalische Pneumonie 127, Erysipel 5, Influenza 
14. Pyäraie und Septicaemie 5, Tnberculose der Lungen 113, 
Tuberculo&e anderer Organe 17, Cholera 35, Magen-und 
Darmkatarrh 36, andere Magen- and Darmerkrankaugen 40, 
Alcoholismus 11, angeborene Schwäche 69, Marasmus seni¬ 
lis 22, andere Todesursachen 296. 

— Vom 22. bis zom 23. Jannar erkrankten in St. Pe¬ 
tersburg an der Cholera 21 Personen, starben 8, 
genasen 7. In Behandlung verblieben 157. Vom Beginn der 
Epidemie sind 9600 Personen erkrankt, 3800 gestorben and 
5500 genesen. 


—- Nekrolog. Gestorben sind: 1) Dr. M. B o b r a k 
am Flecktyphus in dem Dorf Rndnja, Kreis Dnbny, 
Gouv. Wolhynien, geh. 1863, Arzt seit 1891. 2) Dr. W. 
D m i t r i e w, geh. 1865, Arzt seit 1890. Er wurde in 
der Ambulanz des Dorfes Lopnschi im Gouv. Orel 
während des Kraukenempfaugs von einem Forstwächter 
erschossen, der sich darauf selbst das Leben nahm. 
3) ln Kamenez-Podolsk Dr. J. Kochanskij geb. 
1854, Arzt seit 1882. 4) In W&rBchan Dr. S. Der gier, 
geb. 1831, Arzt seit 1868. 5) ln Moskan Dr. B. Wo- 
1 o d s k o, geb. 1868, Arzt seit 1891. 6) Dr. K. 0 r 1 o w, 
geb. 1854, Arzt seit 1880. 7) ln öt. Petersbarg Dr. L. 
ürleanskij, Ordinator am Nowosnamenski Irren¬ 
bause. 8) In 8t. Petersburg der Oberarzt am Lazaret 
des Regiments «Garde zn Pferde» Dr. A. Seiuenow. 


Nächste Sitzung des Vereins 8t. Pe- 
tersb. Aerzte: Dienstag, d. 27. Jan. 1809. 

Tagesordnung; Dr. 8. Unter berger: Die Vererbung 
bei der Schwindsucht. 

Entgegennahme der Mitgliedsbeiträge. 

Nächste Sitzung: des Deutschen Arzt* 
lieben Vereins: Montag:, d. 16. Febr. 1909. 

Tagesordnung: Dr. Thiele: UeberHermaphroditismus. 


Der Redaction sind folgende BUcher zur Besprechung zugegangen. 


H. Fischer. Kfiegschirorgische Rück- und Ausblicke vom 
asiat. Kriegsschauplätze. A. Hirschwald. Berlin. 1909. 
G. Herschell. Soured Milk and Pure Cultnres of Lactic 
Acid. Bacilli in the Treatment of Diseace. Henry J. 
Glaisher. London. 1909. 

W. Weygand t. Forensische Psychiatrie I. Teil. Göschen. 
Leipzig. 1908. 

Nocht Tropenhygiene. Göschen. Leipzig. 1908. 

K. Jester. Die Ursachen nnd die Verhütung der hohen 
Säuglings-Sterblichkeit and die Ernährung und Pflege 
des Säuglings. C. Kabitzsch. (Stube). Würzburg. 1909. 


f W. Wen dt. Alte nnd neue Gehirn-Probleme. Aerztliche 
I Rundschau. (0. Gmelin). München. 1909. 

I J. M a 1 y n i c z. Ueber die Häufigkeit postdiphtherltischer 
Lähmungen vor und nach der Serumbehandlnng. E. Spei¬ 
del. Zürich. 1908. 

S. Gottschalk. Gynäcologie. A.Hölder. Wien nnd Leipzig. 

1909. 

T. A x e n f e 1 d. Lehrbuch der Augenheilkunde. G. Fischer. 

Jena. 1909. 

E. Sonnenbnrg. Pathologie und Therapie der Perity¬ 
phlitis. F. Vogel. Leipzig. 1908. 


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Original fro-m 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 



st. nimm 

UEDICISISCEE WOCHENSCHRIFT 

unter der Mitwirkung von 

Dr. Ad. v. Bergmann, Dr. E. Blessig, Dr. 0 Brehm, Dr. X. Dombrowski, Dr. J. Dsime, Dr. C. Frankenhäuser, 

Riga. St. Petersburg. Libau. St. Petersburg. Moskau. St. Petersburg. 

Dr. P. v. Hampeln, Dr. H. Hildebrand, Dr. W. Kernig, Dr. P. Klemm, Prof. 0. v. Petersen, Dr. 0. v. Schiemann, 

Riga. Mitau. St. Petersburg. Riga. St. Petersburg. Moskau. 

Dr. Ed Schwarz, Prof. G. Tiling, Dr. R. Wanach, Dr. H. Westphalen, Dr. C. Wiedemann, Dr. R. v. Wistinghausen, 

Riga. St. Petersburg. St. Petersburg. St. Petersburg. St. Petersburg. Reval. 

Prof. W. Zoege v. Manteuffel. 

Jurjew (Dorpat), 
unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Dorpat. Riga. 

Dr. Franz Dörbeck. 

St. Petersburg. 


N* 5 St. Petersburg, den 31. Januar (18. Febr.) 1909. XXXIV. JAHRGANG. 


Zur Statistik der Arthritis gonorrhoica. 

Von 

Dr. Arthur Jordan, 

Ordinator am Mjassnltzkihospital in Moskau. 


Die verschiedenen, seltenen Trippercomplicationen, wie 
Eodocarditis, Meningitis, Pyämie, Lungeninfarct, Iritis 
d. s. w., welche in den letzten Jahren in der Literatur 
beschrieben worden sind, haben das Interesse für den 
viel häufiger vorkommenden Tripperrhenmatisrnns stark 
abgeschwächt. Die Mühen und Sorgen, welche aber ein 
jeder derartige Fall bereitet, rechtfertigen eine erneute, 
kurze Betrachtung dieser Trippercomplication. 

Die Kenntnis eines Zusammentreffens von Tripper 
and Rheumatismus ist uralt, die Deutung aber eine sehr 
verschiedene gewesen. Wohl ahnten die einen, dass ein 
Zusammenhang zwischen beiden bestehe, aber die ande¬ 
ren leugneten ihn und hielten das Zusammentreffen für 
zufällig. Wieder andere glaubten sogar, dass der Rheu¬ 
matismus beim Tripper auf den Gebrauch der antigonor- 
rhoischen Mittel zurückgeführt werden muss! Erst nach 
der Entdeckung des Gonococcns als Urheber der Gonor¬ 
rhoe nahmen auch die Forschungen Uber das Wesen der 
Arthritis bei Gonorrhoe einen realeren Boden an. Eine 
ganze Reihe von Forschern, unter denen Zeissi 1 ) Pe~ 
trow, Kämmerer, Horteloup, Smirnoff, Son¬ 
nenberg, D e n tschm an n und andere nennt, konn¬ 
ten den Gonococcus im Gelenkseoret, andere wie N eis- 
ser, Finger, Ghon and Schiangenb aufer im 
Exsudat nach weisen und dadurch zeigen, dass zwischen 
beiden Krankheiten ein Zusammenhang existiert. Freilich 
stehen diesen positiven Befanden auch viele negative 
gegenüber, so dass Zweifel rege wurden, ob nur der Gono¬ 
coccus, oder nicht auch andere eitererregende Coccen, 


*) M. v. Ze i s 81. Lehrbach der venerischen Krankheiten, 
Stuttgart 1902. S. 141. 


oder vielleicht die Toxine Ursache der Gelenkerkrankang 
werden könnten. Die beiden letzteren Annahmen haben 
aber keine Anerkennung gefunden und heute sieht wohl 
die Majorität aller Urologen den Gonococcns als Urheber 
des Rheumatismus bei Gonorrhoe an. Den gelegentlichen ne¬ 
gativen Gonococcenbefnnd erklärt man, wie B o g d a n o w s ) 
sagt, damit, dass die serösen Schleimhäute für die Ver¬ 
mehrung des Gonococcns einen ungünstigen Nährboden 
abgeben, wodurch letzterer leicht zu Grande geht. Ande¬ 
rerseits kann aber auch der Gonococcns, wenn er sich 
in der Dicke der Gelenkkapsel angesiedelt hat, anent¬ 
deckt bleiben. 

Der Rhenmatismus steht unter den verschiedenen 
Trippercomplicationen an dritter Stelle, da an erster die 
Prostataerkrankungen and an zweiter die Nebenhodeu- 
entzündungen, letztere nach meinen 3 ) Untersuchungen 
in der Häufigkeit von 11,7% zu nennen sind. Das Vor¬ 
kommen von Tripperrhenmatisrnns wird nach den dies¬ 
bezüglichen Zusammenstellungen von F i n g e r *), Z e i s s 1 5 ) 
und Bogdanow ®) von den verschiedenen Autoren in fol¬ 
gender Weise angegeben: 


von Weber 


Foumier 
Besnier und Jullien 
Bogdanow 
Grisolla 
Held 
Bond 


mit 1,4%, 
„ 1 , 6 %, 
2 , 0 %, 
2,5%, 
2 , 8 %, 
8 , 6 %, 


10% und von 


n ——~ n nj - 

einer Kopenhagener‘) Statistik für das Jahr 1904 11% 


2 ) EorAaHOBi. O nepejioÜHbixT» apTponaTiaxi». Inaug. 
Dissertation. Moskau 1904. 

*) A. I O p Ä a H 1». Kt CTaTHCTHKh rOHOppoftHMXT, 3IIHÄHÄH- 
MHTOBl: PyCCK. JKypH. KOJKHNXT» H BCHCp ÖOJI. 1905. T. VIII. 
.V 7. 

4 ) Finger. Die Blennorrhoe der Sexualorgane. Leipzig u. 
Wien. 1901. 

•) 1. c. 

') 1. c. 

*j Cit. nach Virchow*Hlrsch. Jahresber. über die Leistungen 
u. Fortschritte in der ges. Medicin. 1905. 8. 013- 


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Abgesehen von diesen beiden letzten, überraschend 
hohen und mit den übrigen Angaben gar nicht in Ein¬ 
klang zu bringenden Ziffern stimmen alle anderen vor¬ 
züglich überein. Es ist daher wahrscheinlich, dass Bond 
und die Kopenhagener Statistik ihre Schlüsse aus Kran¬ 
kenbausbeobachtungen schöpften, wo mehr oder weniger 
nur complicierte Tripperfälle zur Aufnahme gekommen 
sein müssen. Sonst würden diese hohen Ziffern nicht 
recht verständlich sein. Beiläufig sei bemerkt, dass die 
Fälle von Tripperrhenmatisraus an der Universitätspoli¬ 
klinik *) in Berlin erstaunlich niedrige sind, indem näm¬ 
lich, im Jahre 1907, anf 1315 Tripperfälle nur 2 Fälle 
von Arthritis gonorrhoica kamen. Im Laufe einer bald 
15 jährigen Praxis habe ich bei 820 männlichen Trip¬ 
perkranken meiner Privatklientel 18 mal einert Tripper- 
rhenmatismns beobachtet, was 2,1% ausmacht. Diese Ver¬ 
hältniszahl entspricht der von Besnier nnd Jullien 
aufgestellten und unterscheidet sich nur wenig von der 
von Bogdanow, gleichfalls in Moskau gefundenen. 

Was die Zeit des Ausbruches des Tripperrheu- 
matismns anbetrrfft, so trat derselbe in fünf meiner Fälle 
schon zwischen dem 7. nnd 11. Tage nach dem Tripper¬ 
beginn anf, in einigen anderen Fällen im Laufe der ersten 
zwei Monate, in der grösseren Mehrzahl, nämlich in 11 
Fällen, dagegen erst im chronischen Stadium. Als Bei¬ 
spiel letzterer Art diese folgende Beobachtung: 

Patient K., ein 30jähriger Kaufmann erkrankte im 
Januar 1899 an acutem Tripper, welcher im Februar 
durch eine Epküdymitis sin. compliciert und später chro¬ 
nisch wurde. Am 17. November, also 10 Monate nach 
Ansbruch des Trippers kehrte Patient von einer Geschäfts¬ 
reise mit einer gonorrhoischen Gonitis sin. zurück. 

Auch nach Finger sollen nicht die recenten, son¬ 
dern erst die älteren Fälle von Blennorrhoe durch Rheu¬ 
matismus compliciert werden, freilich fügt aber Finger 
hinzu, dass genaue statistische Angaben noch fehlen. Eine 
strict entgegengesetzte Anschauung vertritt Bogdanow, 
welcher den Tripperrheumatismos in 38% seiner Fälle 
schon im Laufe der ersten sieben Tage, in 57% im 
Laufe der ersten zwei Wochen und in 68% während 
der ersten drei Wochen aisbrechen sah. Wenn anch 
diese Anschauung nicht ohne Weiteres von der Hand 
zu weisen ist, bedarf sie doch für eine Verallgemeine¬ 
rung der Bestätigung. 

Unter den auslösenden Ursachen für den Rheuma¬ 
tismus werden vor allem Erkältungen, dann aber Trau¬ 
men des zuerst oder allein betroffenen Gelenkes, Erectio- 
nen und Traumen der Urethra genannt. In wie weit Er¬ 
kältungen einer Weiterverbreituug des Gonococcus Vor¬ 
schub leisten könneo, lässt sich schwer beweisen. Zur 
Illustration des Einflusses der Erectionen, wie anderer¬ 
seits eines Traumas der Urethra auf den Ausbruch des 
Rheumatismus mögen folgende zwei Fälle als Beispiele 
dienen: 

Patient M., ein 27jähriger Kaufmann, erkrankte am 
30. Januar 1905, vier Tage nach dem letzten Coitus, 
an Tripper. Am 31. Januar liess 6ich schon ein Uebergang 
des Trippers anf die hintere Harnröhre nachweisen, so 
dass Bettruhe, Gonosankapsein und 3elladonnasupposito- 
rien ordiniert wurden. 

Am 3. Februar stellten sich fast permanente Erectio¬ 
nen und Blutstropfen zum Schluss des Mictionsactes ein. 
Monobromcampher, Antipyrin und kalte Umschläge 
brachten nur geringe Besserung. 

Am 13. Februar kam es zu einer Schwellung des lin¬ 
ken Handgelenks, wie der linken Radinssehne. Am 15. 
Februar schwoll auch noch das Metacarpophalangealge- 
lenk des rechten Daumen an. Aus dem ferneren Ver¬ 
lauf dieses Falles sei kurz erwähnt, dass zwar weitere 


# ) Charite Annalen. XXXII Jahrgang. Berlin. 1908. S. 489. 


Geienkerkranknngen nicht vorkamen, sich aber auch noch 
eine Prostatitis subacuta entwickelte. Sehr, allmählich 
schwanden schliesslich alle Erscheinungen, die arthriti¬ 
schen zuletzt, unter Schlammbädern. 

In dem andern Fall handelte es sich um einen 21jäh- 
rigen Commis, welcher seit zwei Jahren an einem chro¬ 
nischen Tripper litt, der sich in reichlichen Tripperfäden 
und einem gelegentlichen Morgentropfen kund gab. Ob¬ 
gleich die Fäden nur viele Lenkocythen, aber keine Go- 
nococcen enthielten, war doch bei reichlichem Vorhan¬ 
densein ersterer, mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, 
auch auf das Vorhandensein letzterer zu sehliessen. Es 
musste daher, weil Patient, im Begriff stand zu heiraten 
und die Heirat somit nicht völlig anbedenklich erschien, 
zu einer Behandlung des chronischen Trippers geraten 
werden. Patient ging bereitwilligst auf dieselbe ein und 
es wurden Qöllensteininstillationen, in allmählich stei¬ 
gender Concentration, vorgenommeu. Die Tiefspritzungen 
brachten eine entschiedene Besserung, indem die Fäden 
und damit auch die Leukocythen abnahmen. Am 5. Octo- 
ber 1899 erhielt Patient die 9. Instillation einer 2,5% 
Arg. nitr.-lösung, wobei zum ersten Mal etwas Blut ans 
der Harnröhre sickerte. Am folgenden Tage trat Fieber 
auf, welches einen intermittierenden Charakter annahm, 
längere Zeit unklar blieb, bis sich eine immer mehr und 
mehr zunehmende, schmerzhafte Schwellung des rechten 
Humero-claviculargelenkes einsteilte. Da Patient Lues 
nicht gehabt hatte, blieb keine andere Möglichkeit, als 
diese Arthritis als eine gonorrhoische ansprechen zu müs¬ 
sen. Der weitere Verlauf gestaltete sich ausserordentlich 
langwierig. Wochenlang hielten das intermittierende Fie¬ 
ber und die Schwellung an. Endlich Ende Januar 1900 
trat Fluctuation ein nnd nach zwei tiefen Incisionen, 
welche Dr. Blumberg so liebenswürdig war vorzu¬ 
nehmen, ging es endlich zur Genesung. Eine Infiltration 
blieb aber an der Stelle der Schwellung dauernd nach 
und auch der Urin war nicht vun Eiterkörperchen ber¬ 
genden Tripperfäden frei geworden. Im April 1900 hei¬ 
ratete Patient gegen meinen Rat. Zum Glück ist aber 
die Frau gesund geblieben und hat ein Jahr später ein 
gesundes Kind geboren. 

Ist auch dieser Fall durchaus nicht eindeutig, da hier, 
wie so häufig in der Privatpraxis, die Untersuchungen 
nicht in der gewünschten, exacten Weise vorgenommen 
werden konnten und der Hauptbeweis, das Vorhanden¬ 
sein von Gonococcen im Eiter der Gelenkschwellung nicht 
erbracht worden ist, glaube ich doch, den Fall als gonor¬ 
rhoischen deuten zu müssen, verursacht leider durch das 
bei der Instillation gesetzte, kleine Trauma. Ausser 
einer gonorrhoischen Arthritis könnte doch nur noch 
eine luetische in Frage kommen, welche aber, abgesehen 
von der stricten Verneinung des Kranken Lues gehabt 
zu haben, indirect durch das bald darauf gezeugte, ge¬ 
sunde Kind auszuchliessen ist. Der fehl geschlagene Nach¬ 
weis von Gonococcen in deu Tripperfäden ist noch als 
kein absoluter Beweis ihres Fehlens anzusehen, die Mög¬ 
lichkeit eines Ueberganges derselben iD den Blutkreis¬ 
lauf bei dem kleinen Trauma nicht von der Hand zu 
weisen. Glücklicherweise gehören aber derartige Ereig¬ 
nisse zu den grössten Seltenheiten und ein Glück für 
den betreffenden Arzt, wenn als einziger Lichtblick bei 
dem sonst so bedauerlichen Fall die gesund gebliebene 
Frau erscheint. 

Ausser dem Trauma, ausser den Erectionen, etc. spielt 
aber die individuelle Disposition keine zn unter¬ 
schätzende Rolle für den Tripperrheumatismus. Unter 
meinen, gerade nicht häufigen Fällen von gonorrhoischem 
Tripperrheumatismus erklärten doch zwei Kranke, dass 
ein vorhergegangener Tripper gleichfalls von rheumati¬ 
schen Erscheinungen begleitet gewesen war. 

Der Beruf kann gelegentlich mitsprechen, wie z. B. 
bei meinem Patienten, der Reisender war, ist aber von 


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untergeordneter Bedeutung und noch mehr gilt das vom 
Alter der Kranken. Es schwankte dasselbe bei meinen 
Fällen zwischen 21 nnd 42 Jahren, und zwar betrafen 
je drei Fälle das 22., 26. und 90., je zwei das 2L und 
27. Lebensjahr, während die übrigen fünf Fälle sich 
verschieden verteilten. Das Lebensalter war demnach 
innerhalb der Altersgrenzen, wo der Tripper vorwiegt, 
ein sehr verschiedenes. 

Von diagnostisch hoher Bedeutung ist die Frage, ob 
der Tripperrheumatismus nur ein Gelenk betrifft oder 
ob er mehrere Gelenke in Mitleidenschaft zieht. In Sie¬ 
ben Fällen beobachtete ich das Ergriffensein nnr eines 
Gelenkes, in 11 dagegen dasjenige mehrerer Gelenke. 
Das entspricht auch den sonstigen Angaben. Der Tripper¬ 
rhenmatismus kann monarthritisch anftreten, braucht es 
aber nicht. In den elf Fällen von Polyarthritis waren 
in vier je 4 Gelenke,, in zwei je 3 und in fünf je 2 Ge¬ 
lenke erkrankt. Unter den einzelnen Gelenken erwies 
sich das Kniegelenk am häufigsten betroffen, nämlich 
12 Mal, dann folgte das Tibiotarsalgelenk mit 8 Mal, 
lerner das Handgelenk mit 4 Mal, das EUbogengelenk 
mit 2 Mal und das Humeroclavicular—, wie das Ober¬ 
schenkelgelenk mit je einem Mal. Aehnlich ist die Rei¬ 
henfolge auch bei den übrigen Autoren. 

Unter den einzelnen Formen der gonorrhoischen Ge¬ 
lenkerkrankung unterscheidet König, dem ich folge: 
den einfachen Hydrops, die sero-fibrinöse und die phleg- 
moQöse Form. Am häufigsten ist nach Bosse 1 ) die sero- 
fibriuöse Form, was ich bestätigen kann, denn in 11 Fäl¬ 
len beobachtete ich diese, in 6 den einfachen Hydrops 
und nur in einem, dem beschriebenen, die phlegmonöse 
Form. 

Das klinische BiJd des Tripperrheumatismus ist durch 
seine Schmerzhaftigkeit, Schwellung, Röte und das inter¬ 
mittierende Fieber so bekannt, dass ich darüber keine 
fforte zu verlieren habe. Hinsichtlich des Fiebers möchte 
ich nur bemerken, dass es nach meinen Beobachtungen 
nur gering und stets intermittierend ist. 

Die Diagnose wird bei jüngeren Männern stets 
leicht sein, schwieriger bei älteren Herren und bei Frauen, 
wo man an die Trippermöglichkeit häufig garnicht denkt. 
Die monarthritische Form wird die Aufmerksamkeit auf 
Gonorrhoe, freilich aber auch auf Lues lenken. Sicher 
unterscheidende Merkmale der gonorrhoischen Arthritis 
von der luetischen gibt es nicht, wir sind auf die Ana¬ 
mnese und den Nachweis gleichzeitig vorhandener ande¬ 
rer, für das eine oder das andere Leiden sprechender 
Zeichen angewiesen. Wo es angeht, wird man zur Klä¬ 
rung eine Röntgenuntersuchung vornehmen lassen, welche 
bei beiden Krankheiten durchaus verschiedene Bilder 
liefert. Klinisch sehr schwierig ist die Differentialdiag- 
nose, wenn Lues und Gonorrhoe gleichzeitig vorhanden 
sind, was ja auch vorkommt. 

Bei Polyarthritis werden das niedrige Fieber, das Be¬ 
fallensein immerhin nicht wer weiss wie vieler Gelenke, 
vor allem aber das Versagen der Salicyltherapie als 
unterscheidende Merkmale von einem gewöhnlichen Rheu¬ 
matismus zu verwerten sein. 

Von den tnberculösen Gelenkaffectionen sind die gonor¬ 
rhoischen verhältnismässig leicht zu unterscheiden durch 
das Auftreten der ersteren mehr im kindlichen Alter, 
durch die Bevorzugung des Hüftgelenkes, die Anamnese etc. 

Die Prognose des gonorrhoischen Rheumatismus ist 
zwar keine gnte, aber doch auch gerade keine schlechte. 
Unter meinen 18 Fällen von Tripperrheumatisraus schwand 
derselbe in der Hallte der Fälle spurlos, in fünf Fällen 
blieb freilich, teils eine geringe Steifigkeit, teils eine 
minime Schwellung des einen oder anderen Gelenkes, in 
zwei eine ausgesprochene Ankylose nach. Zwei Fälle 

, ’) B o s 8 e. Ueber Gelenkl'eiden auf der Basis von Geschlechts¬ 
krankheiten. Berl. klin. W. 1907. Ns 43 h. 44. 


entzogen sich der Behandlung, so dass das weitere Schick¬ 
sal der Kranken mir unbekannt geblieben ist. Bei der 
Behandlung ist wohl alles, was nur bei Rheumatis¬ 
mus angewandt werden kann, versucht worden. Als 
meist geübteste Behandlung galt bis vor kurzem die 
Ruhigstellnng des erkrankten Gelenkes, Wärme und 
Ichthyolvaselineinreibungen bei localer and innerer Be¬ 
handlung des Trippers. Speciell letzteres wird im Allge¬ 
meinen als sehr wichtig angesehen, weil sowohl Besse¬ 
rungen, als Verschlimmerungen der Gonorrhoe selbst ihre 
sofortige Wirkung auf den Rheumatismus zeigen. Bei 
längerer Dauer und chronischem Verlauf kommen Mas¬ 
sage, Schlamm- und Dampfbäder etc. zu ihrem Recht. Da 
man aber mit den Resultaten dieser Behandlung nicht 
zufrieden sein konnte, weil der Verlauf langwierig und 
nicht immer befriedigend war, suchte man neue Behand¬ 
lungsmethoden. Die Serumtherapie hat versagt. Statt 
dessen sehen viele jetzt in der Bier sehen Stauung das 
ideale Mittel, wobei nach Bier in frischen Fällen die 
Martinsche Binde für 22 von 24 Stunden des Tages 
umgelegt werden soll. Mir fehlen darüber noch eigene 
Erfahrnngen. Bosse *), Arapsoff, M&thies 2 ), 
Frank*) etc. berichten über gute Resultate, andere 
sind auch damit noch nicht zufrieden und empfehlen, 
wie z. B. Bendig 2 ), nebenbei noch Collargolklysmata, 
Romeo Ricci 4 ) endovenöse Collargolinjectionen. Kurz, 
wir sehen, dass trotz Neuerungen in der Behandlnng des 
Tripperrheumatismus dieselbe auch noch weiter verbesse- 
rnngsföhig bleibt. 


Oifferentialdiagnose der Abdominaltumoren. 

Von 

Dr. A. v. Bergmann. 

Vortrag, gehalten auf dem V. Estländischen Aerztetage za 
Reval. 


M. H. Ein jeder von Ihnen wird wohl die Erfah¬ 
rungen gemacht haben, dass, wenn er in einem compli- 
ciert- und schwierigliegenden Fall die gewöhnlichen Lehr- 
and Handbücher zu Rate gezogen, er doch meist das, 
was er suchte, nicht fand. Ganz besonders empfindet 
man das in dem so schwierigen Capitei der chirurgischen 
Abdominalerkrankuugen. Diese Incongruenz zwischen der 
Nachfrage und dem Angebot beruht anf dem verschie¬ 
denen Standpunct, von dem die Lehrbücher ausgehen. 
Der Ratsncheude will an der Hand der vorhandenen 
Symptome zur richtigen Diagnose kommen und die Irr¬ 
wege beleuchtet sehn, die er zu vermeiden bat, — und 
das Lehrbuch geht von der richtigen Diagnose aus und 
gibt in der Regel das eng umschriebene Krankheitsbild 
des typischen Falles. So ist es denn verständlich, wenn 
es zu einer Congruenz nicht kommen kann. Erst die 
practische Erfahrung lehrt das in den Lehrbüchern Ge¬ 
botene richtig bewerten. 

Gestatten Sie mir nun an der Hand meiner Erfah¬ 
rung kurz einige Fragen ans der Abdominalchirurgie 
zu beleuchten. 

Am besten diagnostisch abgegrenzt ist das Capitei der 
jetzt wohl ausschliesslich den Gynäcologen zufallenden 
Tumoren, welche von den weiblichen Genitalorganen aus¬ 
gehen. Schwierigkeiten, resp. Irrtttmer in der Deutung 
können wohl erst entstehen, wenn der Tumor eine ex- 


*) 1. e. 

*) Cit. nach Bendig. Zar Behandlnng der Arthritis gon. 
Medicin. Klinik 1908. Jft 34. 

a ) Frank. Ueber Anwendung der Bi ersehen Stauung in 
der Urologie. Med. Klinik 1908. M 21. 

4 ) Ref. in Monatsh. f. pract. Dermatol. 1906. Bd. 47. 8. 212. 


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cessive Grösse erlangt hat und durch diese Grösse allein 
schon imstande ist, die topographischen Verhältnisse 
derart za verschieben, dass der Ansgangspunot der Ge¬ 
schwulst fraglich wird. Bei den langgestielten, unge¬ 
mein leicht verschieblichen Cystomen des Ovariura kann 
es Vorkommen, wie ich es bei meinem Amtsvorgänger 
einmal gesehn, dass ein Darmmyom irrtümlich für eine 
Ovarialcyste gehalten wurde. Die beim Verlagern des 
Tumors nach oben hin sich spannende Flexura sigm. 
(in der der Tnmor sass) täuschte den Stiel der ange¬ 
nommenen Cyste vor. 

Weiter können tuberculöse abgekapselte 
Exsudate diagnostische Schwierigkeiten bieten. Bei 
einem Manne von 50 Jahren habe ich einen Tumor 
operiert, der bei der Aufnahme sich genau wie eine 
Ovarialcyste von grossem Umfange präsentierte: da 
nun diese Diagnose ausgeschlossen war, konnte sie nur 
nach der Seite der abgekapselten Exsndate hin sich 
richten, und da kam nur Tuberculöse in Betracht, denn 
das Exsudat bei malignen Tumoren zeigt keine Tendenz 
zur Abkapselung. Die Operation bewies aber, dass es 
sich um ein multiloculäres Cystom ') handelte, in wel¬ 
ches das Netz aufgegangen war. Es sind dieses äusserst 
seltene Tumoren, die schon ihrer Seltenheit wegen nicht 
richtig diagnosticiert worden sind, ln der Literatur ist 
mir nur ein analoger Fall von Schwarzenberg*) 
begegnet.. Mein Operierter hatte eine über l 1 /* Jahr 
sich erstreckende Leidensgeschichte hinter sich, er war 
in Petersburger und Moskauer Kliniken gewesen, in 
denen er beobachtet, mehrfach punctiert und schliesslich 
mit einer Ordination für innerlichen Gebrauch entlassen 
worden war. 

Endlich geben die Beziehungen, in die dieAdnexades 
Uterus zu den Erkrankungen des Wurmfortsatzes treten 
können, Veranlassung zu diagnostischen Schwierigkeiten. 
Es kann die Tube vom pr. v. aus inficiert werden, man 
hat dann die einseitig erkrankte Tube vor sich, wäh¬ 
rend der Entzündungsvorgang im pr. v. zur Rückbildung 
gelangt sein kann. Adhäsionen zwischen pr. v. und 
Tube sind keineswegs vereinzelte Vorkomnisse, und 
sie stellen den Operateur — Chirurg wie Gynäcolog — 
in gleicher Weise — vor die Frage, ob er nur die ur¬ 
sprünglich beabsichtigte Entfernung des einen Organes 
vornehmen, oder ob er sie alle beide entfernen soll. 

Ist die Exstirpation ausgeführt worden, dann können 
nach geheilter Wunde und nach mehr oder weniger 
lange dauernder Euphorie die alten oder neue Beschwer¬ 
den auftreten, die ihre Erklärung in einem sogenannten 
Stumpfexsudat finden. 

Monate nach ausgeführter Operation palpiert man 
ein dentlich greifbares plastisches Exsudat, welches 
manchmal längerer Badecuren bedarf, um zum Schwunde 
gebracht zu werden. Diese Exsudate habe ich nicht 
am Darm in die Höhe ziehen sehn, sondern sie haben 
die Tendenz, im Becken zu bleiben, und dadurch immer 
wieder die Frage nach der Beteiligung der weiblichen 
Genitalorgane wachzurufen. Es ist eigentümlich, dass 
ich mich nicht erinnere, jemals beim Manne ein derar¬ 
tiges Stumpfexsudat beobachtet zu haben, während ich 
sie beim weiblichen Geschlecht mehrfach und in wechseln¬ 
der Gestalt habe in die Erscheinung treten sehn. So 
trat kürzlich bei einem jungen Mädchen, das vor einem 
Jahr operiert worden war, einen ganz glatten Wund¬ 
verlauf durchgemacht, und ihre Beschwerden verloren 
hatte, unter Fieber ein glatter, kugliger Tumor im 
Becken auf, der während der Beobachtung platzte und 
in kurzer Zeit völlig geschwunden war. Bei einem an¬ 
deren jungen Mädchen, das bald nach ihrer Entlassung 
forciert gelaufen und gesprungen war, traten die gleichen 

*) Petersburger med. W. 1897, Nr. 3. 

3 ) Beitrag zur klin. Chir. XI p. 713. 


Erscheinungen auf, die den Gedanken wachrufen konnten, 
es handele sich am Ende um einen vergessenen Tupfer; 
auch hier erfolgte spontane Rückbildung. Die Entschei¬ 
dung, ob dieser Tumor ein entzündliches, circurascriptes 
Exsudat im Becken darstelle oder ob er doch mit dem 
Ov&rium Zusammenhänge, konnte mit Sicherheit nicht 
erbracht werden. 

Wenn wir auf die Erkrankungen des Coecum über¬ 
gehn, so concurrieren da Carcinom, Tbc., Aktinomykose, 
mit ganz gleichen Erscheinungsformen: blutige Dnrch- 
fälle, Obstipation, Tumor, Verlötung mit dem parietalen 
Peritoneum können bei jedem dieser Leiden in gleicher 
Weise vorhanden sein; und schliesslich gibt es eine 
Appendicitisform, die mit ganz besonders starker Schwar- 
‘ tenbildung in der Umgebung des entzündeten Pr. v. 
i verläuft und die gleichen Erscheinungen macht. Sie 
erfordert auch die gleiche Therapie. Fünf solcher Appen- 
dicitisfälle, die ich radical mit Exstirpation und Darra- 
resection behandelte, sind geheilt, in einem sechsten, 
wo ich nur mit der Entfernung des Pr. v. auszukoramen 
i versuchte, ist Darmperforation und letal auslaufende Pe- 
i ritonitis eiogetreten. 

! Die Aktinomykose führt in seltenen Fällen zu 
i so beträchtlicher Schwartenbildung, die Erweichung be- 
' schränkt sich nur auf geringe centrale Gebiete, dass man 
, ein Neoplasma vor sich zu haben glaubt. Unter meinen 
ersten Fällen von Coecuraaktinoroykose operierte ich 
einen Fall als Sarcom, und da ich die Operation nicht 
radical ausführen konnte, — der Tumor erwies sich mit 
der Blase zu fest verwachsen, — musste ich, nachdem 
letztere an mehreren Stellen verletzt worden war, mich 
entschliessen den Tumor mit dem Paquelin von der 
Blase und vom Coecum abzutrennen. Ich hatte die 
Freude, Patient nach Jahren wohl und arbeitsfähig wie¬ 
derzusehen. Inzwischen waren dann auch in der Lite¬ 
ratur mehrere einschlägige Fälle publiciert worden, die 
das Vorkommen solcher Tumorbildungen bei Aktiuomy- 
kose bestätigten. Die mikroskopische Untersuchung bat 
bei meinem ersten Fall von Bauchaktinomykose im Stich 
gelassen, erst beim dritten oder vierttn Recidiv wurde 
die klinische Diagnose, von der ich nicht abging, be¬ 
stätigt. Auch die bacteriologische Untersuchung ver¬ 
sagt mitunter, namentlich in den Fällen, wo reichliche 
Schwartenbildung vorhanden ist, sie hat aber anderer¬ 
seits den Beweis erbracht, dass auch andere Mikroorga¬ 
nismen, so z. B. Streptococcen namentlich, ein der Akti¬ 
nomykose ähnliches Bild machen können. In der Coe- 
calgegend, oder die ganze unter dem Nabel gelegene 
Bauchwand einnehmend, zeigen diese Tumoren mächtige, 
mehrere Centimeter dicke Schwarten, welche eine Abs- 
cesshöhle umgeben, die nach der Beschaffenheit ihres 
Inhaltes und den Fortsätzen, die sie aussendet, klinisch 
für Aktinomykose gehalten werden kann. Solche Fälle 
haben auch im Verlauf viel der Aktinomykose ähnliches, 
sie verbreiten sich in gleicher Weise, nach der ersten 
Operation treten in der Umgebung neue Schübe auf, 
die Schwarten reichen bis ans Peritoneum und löten 
den Darm an. 

Ich habe drei der typischsten solcher Fälle in der 
Erinnerung; einer hat kürzlich das Krankenhaus ge¬ 
heilt verlassen, nachdem er mehr als ein Jahr daselbst 
behandelt worden war und wiederholt Schwartenexstir¬ 
pationen und Incisionen, sowie schliesslich die plastische 
Deckung einer Coecumfistel durchgemacht hatte. 

Ein zweiter Fall stellt sich dazwischen wieder vor, 
seit Jahren besteht eine gut granulierende Wundfläche, 
die definitiv nicht benarben will. 

Ein dritter endlich ist relativ schnell an stetig fort¬ 
schreitender Eiterung zu Grunde gegangen. 

Der Coecumtumor kann weiter Veranlassung zu 
diagnostischen Irrtümern geben, wenn er nicht oder nur 


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wenig fixiert ist. Bei einem langen Mesenterium kann 
der Tumor nach oben an den Rippenrand und in das 
Epigastriura verlagert werden. Am häutigsten jedoch 
erlebt man es, dass der Tumor für eine Niere ge¬ 
halten wird. So ist in diesem Herbst eine Kranke von 
Dr. Keil mann operiert worden, der ich 1901 die Ope¬ 
ration proponierte, weil ich ein Cnecum-Carcinom ver¬ 
mutete; sie wandte sich nach Dorpat und hier wurde 
angeblich eine Wanderniere constatiert. Im Herbst 1908 
nun wandte sie sich an die Abteilung von Dr. Keil- 
mann, um ihren Ovarialtumor operieren zu lassen, 
hier wurde eine Gäuseeigrosse, gallerthaltige Ge¬ 
schwulst exstirpiert, in die der Wurmfortsatz aufge- 
gangen war. 

Für den Nierentumor muss man sieh an das Po¬ 
stulat halten, welches Le Dentu bereits in seinem 
Lehrbuch so sehr betonte — der Tumor muss in die 
Lumbalgegend zurückgebracht werden können; ich habe 
Le Den tu folgend die Differentialdiagnose machen kön¬ 
nen in Fällen, in denen der angebliche Nierentuinor 
sich als Coecaltumor, oder als tiefstehender beweglicher 
Leberlappen erwies. 

Allein ein zu starres Festhalten an dieser Forderung 
— der Reponibilität in die Lumbalgegend — kann 
gleichfalls zu diagnostischen Irrtümern führen. Abge- 
sehn von den malignen Tnmoren, die die Nierenfett¬ 
kapsel durchwachsen haben und nun an beliebigen 
Stellen Verlötungen herbei führen können, führen nameut- 
lich Erkrankungen des Nierenbeckens zur Fixierung der 
Niere, ja, es ist auch möglich, dass eine anscheinend 
gesunde Niere in dislocierter Stellung fixiert wird. Was 
die Ursarbe dieses immerhin seltenen Vorkommens ist, 
kann nicht immer bestimmt werden, mitunter scheinen 
EntzündungsVorgänge innerhalb des Peritoneum gelegener 
Organ?, vor allem des Wurmfortsatzes und der Gallen¬ 
blase, die extraperitoneale Adhäsionsbilduog ausgelöst 
io haben, in anderen Fällen kann jedoch kein solches 
Moment nachgewiesen werden. So operierte - ich im 
Torigen Jah( einen schlanken hageren Herrn, der an 
Schmerzanfallen litt, welche durch Fahrten, körperliche 
Bewegungen, aber auch ohne alle äusseren Momente 
aasgelöst wurden, mit Temperatursteigerung eiöher- 
gingen. ohne Icterus verliefen. Den Schmerzpunct ver¬ 
legte Patient dabei nach links von der Mittellinie. 
(Eine gegenwärtig in meiner Abteilung liegende Frau 
mit grosser rechtsseitiger fixierter Retentionsniere klagte 
ebenfalls über Schmerzen, vorwiegend, oder ausschliess¬ 
lich links, die mit der Entfernuog des Tumors ge- 
schwaoden sind). Ich glaubte das Leiden jenes Herrn 
auf Cholelithiasis beziehn zu müssen und hielt den irre- 
poniblen Tumor für die in Kantenstellnng befindliche 
Leber* ln diüser Annahme wurde ich dforch die Rönt¬ 
genaufnahme bestärkt. . Die Operation ergab non, dass 
die Leber vielleicht etwas tief stand;, im Uebrigen aber 
ebenso wie die Gallenblase, der Magen und das Duo¬ 
denum; normal war. Der Tumor war die vergrösserte 
nach innen und oben fixierte und dislociörte Niere. Es 
war sehr schwierig* die in allen Dimensionen vergrösserte 
Niere, deren Becken leicht gefüllt war, aus den Adhä¬ 
sionen zu lösen und zu reponieren. Zwei Tage p. op. 
war der Urin eiweisshaltig. Gegenwärtig geht es dem 
Patienten ausgezeichnet. Also Nieren, in welchen Eut- 
zündungsvorgäuge im Becken sich abspielen, Hydro- oder 
Pyonephrose öder auch Nieren ohne nachweisbare Er¬ 
krankung können in dislocierter Lqg,e fixiert werden. 
Wenn das auch die Ausnahme und die Reponibilität des 
Niereutnraors in die Lumbalgegend die Regel ist, so 
wird dadurch'zu diagnostischen Irrtümern Veranlassung 
geboten, namentlich in den Fälleo, wo die functioneile 
Prüfung der Niere ein negatives oder direct irrefüh¬ 
rendes Resultat ergibt. 


So habe ich am 4. XI a. c. eine 56-jährige hagere 
Frau operiert, welche angibt, in letzter Zeit abgema¬ 
gert zu sein. Seit 8 Jahren habe sie Schmerzen in der 
rechten Nierengegend, die in das rechte Bein ausstrahlen. 
Vor 2 Jahren ist eine starke Nierenblutung gewesen, 
die sich am 25. X a. c. wiederholte; man palpierte 
einen etwa 2 Faust grossen Tumor, der sich exquisit 
in die Lumbalgegend verschieben liess, seine vordere 
Fläche liess sich nicht mit Deutlichkeit von der Leber 
abgrenzen, aber der aufsteigende Verdacht, dass die 
Leber am Ende beteiligt sei, musste gegenüber der exqui¬ 
siten Reponibilität in die Lumbalgegend weichen. Zudem 
waren wiederholte Blutungen gewesen, bestanden die in 
das rechte Bein ausstrablenden Schmerzen, wenn auch 
cystoskopisch nichts abnormes gefunden wurde, so war 
d* cli der helle, leicht trübe saure Uria reich an polynn- 
cleären Eiterkörperchen und enthielt vereinzelte rote 
Blutkörperchen. Eine Röntgenaufnahme zeigte keinen 
Nierenstein, sie war allerdings als nicht ganz gelangen 
zn bezeichnen. Bei der Operation fand sich eine Niere 
von normalem Aussehn. Die Niere war dislociert und 
innen in grosser Ausdehnung an die vena cava fixiert, so 
dass sie nnr von vorne nach hinten verschoben werden 
konnte, nicht aber in andrer Richtung zu bewegen war. 
Dadurch rief sie den Eindruck hervor, mit dem tiefste¬ 
hende n rechten Leberlappen einen Tumor zu bilden. 
Die Leber stand in leichter Kantenstellung, so dass die 
vom Lumbalschnitt aus zu palpierende Gallenblase, welche 
einen reichlich kirschgrossen Stein enthielt, von vorne 
nicht zu tasten war. Ich löste die Niere von der vena 
cava, reponierte sie und eröffnete nun das Peritoneum, 
die Gallenblase war mit dem colon transversnm verlötet. 
Sie wnrde exstirpiert mit einem bis auf die Mucosa 
reichenden Stück der Darmwand. Beim Aufschneiden der 
Gallenblase zeigte dieser an Ueberraschungen reiche Fall 
an der dem Darm adhäreoten Kuppe ein kleines Carci- 
nom, welches zwar noch der pathöl. anät. Bestätigung 
bedarf, makroskopisch jedoch durchaus 1 charakteristisch 
aussieht. Dieser Fall lehrt, .wie grosse Täuschungen Vor¬ 
kommen können und hervorgernfen werden durch Adhä¬ 
sionen. Und wie leicht kommen solche zustande!. Zu 
betonen ist, dass solche Adhäsionen extraperitoneal an¬ 
scheinend immer in nächster Nähe des ursprünglichen 
Erkranknngsherdes gefonden werden, intraperitoneal je» 
doch auch an weit entfernten, diametral entgegenge¬ 
setzten Stellen. Weiter führt dieser Fall auf die Tat¬ 
sache, dass es eine Reihe von Tnmoren in der Bauch¬ 
höhle gibt, die vorhanden sind, aber garnicht oder nur 
indirect als solche gemutmasst werdeH können. Die 
Mehrzahl der Magencarcinome, namentlich in dem Ope¬ 
rationsfähigen Stadium, Neoplasmen und entzündliche 
Tumoren der Flexura lienalis und des PancCeas sind 
der Palpation nur in seltenen Fällen zugänglich, ihre 
Diagnose erfolgt indirect durch functioneile Störungen, 
die sie auslösen, oder sie machen sich erst durch ihre 
Metastäsen oder sonstige Folgezustände bemerkbar. 

Endlich seien noch die retroperitonealen Tumoren er¬ 
wähnt, welche, vielfach in ihrer Aetiulogie noch dunkel, 
entweder in näherer Beziehung zum Darm stehn, wie 
die verschiedenen Mesenterialcysten, oder welche an sich 
gutartig sind, wie die Lipome, jedoch durch ihren Sitz 
und ihre Grösse, sowie den schwierigen Weg,! der zu 
ihrer Entfernung erforderlich ist, verhängnisvoll werden 
können; oder es handelt sich mn Tumoren, deren Opera» 
billtät von vorn herein ausgeschlossen ist. Ich habe, 
wenn auch in Zwischenräumen, das Wachstart] eines 
solchen Tumors verfolgen können. Fest und breitbasig 
sass er nach innen von der Gallenblase und der rechten 
Niere der hintern Bauch wand unverschieblich an, früh 
schon machte er Stauungserscheinungen in beiden Bei± 
nen, die daun später wieder schwanieu, der Tumor er¬ 
reichte eine gewaltige Grösse und zeigte dann an einer 


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64 


Stelle Undulation. Die Punction entleerte ca 3 /t Liter 
einer klaren, bräunlich-gelben Flüssigkeit, welche Stärke 
in Zucker verwandelte. Die Section erwies, dass der 
Tumor von der vena cava seinen Ausgang genommen 
batte, diese war durchwachsen; zu keinem andern Or¬ 
gan war der enorme Tumor in irgendwelche nähere Be¬ 
ziehung getreten. Das Pankreas speciell liess sich voll¬ 
kommen unverletzt abtrennen. Der Tumor enthielt meh¬ 
rere Cysteu, deren grösste ich eröffnet hatte. Von einer 
Autorität jra Auslande war der Tumor so sicher als 
Niereutumor augesprochen worden, dass sogar eine Punc¬ 
tion unterlassen und nur das Bedauern ausgesprochen 
wurde, dass dieser Nierenturaor nicht rechtzeitig operiert 
worden ist. Ich kann dieses Thema nicht verlassen, 
ohne eines Tumors zu gedenken, der ineist fttr den 
Finger erreichbar, durch Specula und Rectoskop dem 
Auge zugänglich gemacht werden kaun, und doch nicht 
richtig gedeutet zu werden braucht — ich meiue das 
Rectumcarcinom. ln der Literatur ist inir bisweilen die 
Bemerknug aufgefallen, dass spontane Heilungen dessel¬ 
ben beobachtet worden sind. Nach allein, was wir über 
das Carcinoro wissen, erscheint ein solcher Heilungs- 
Vorgang ausgeschlossen, und audrerseits ist das kliuiscüe 
Bild eines Rectumcarcinoms so eiudeutig, dass eine Ver¬ 
wechselung mit Tbc. oder Lues ebenfalls ausgeschlossen 
erscheint, und doch habe ich zwei Fälle e» lebt, deren 
einer mir von Prof. Garr6 aus Königsberg als in¬ 
operabel 2ur event. späteren Colostoiuie Überwiesen 
wurde. Der Fall ist glatt geheilt, die Blutungen und 
der Tnraor siud verschwunden, Patientin ist seit mehr 
als 5 Jahren frisch und gesund, and nur eine leichte 
Verengerung, die jedoch weich und dehnbar ist, erin¬ 
nert an den Sitz der Affection. Der zweite Fall ging 
mir aus der inneren Abteilung unseres Krankenhauses 
zu. Der Tumor, das Drängen, der Blutabgang und die 
Schmerzen waren unverkennbar. Nach der Colostomie 
erholte sich die hochgradig heruntergekommene Patien¬ 
tin glänzend, und der Tumor schwand, allerdings mit 
Hinterlassung einer Stenose,, die durch das Rectoskop 
nicht passiert werden kaun. 

M. H. Wenn Sie das grosse Gebiet überschauen, das 
ich hier nur flüchtig und skizzenhaft habe beleuchten 
können, so werden Sie zugeben müssen, dass trotz der 
Zuhilfenahme der modernen chemischen und physikali¬ 
schen Untersucbungsme.thoden, trotz RöntgenbUd und 
aller vorhandenen Hilfsmittel die Diagnose der Art ei¬ 
nes Abdominaltumors oder seines Vorhandenseins über¬ 
haupt leider oft genug nicht mit wünschenswerter Prä- 
cision gestellt werden kann, und wir nur au der Hand 
der vorhandenen Symptorpe uns für die Dringlichkeit 
eines Eingriffes oder gegen einen solchen aussprecheu 
können. Das ist denn auch der Standpunct, von dem aus 
wir an den einzelnen Fall heranzutretcu haben. D i e 
Frage nach der Diagnose ist eine secun- 
däre, an erster Stelle steht die Frage: ge¬ 
hören die vorhandenen Symptome — 
natürlich mit Berücksichtigung der Anamnese — zu 
derjenigen Kategorie, bei welcher eine Operation 
sofort indiciert ist oder zur II., bei der ein Ab¬ 
warten gestattet ist, oder endlich zur UL, bei 
welcher ein Eingriff überhaupt contraindi- 
ciert ist. 

Ich meine, es ist ein Unterschied, ob man von diesem 
Standpnnct aus au den Fall herantritt, oder ob an erster 
Stelle die Frage nach der Diaguose steht; ist letzterer 
der Fall, so kann in schwierigen Fällen der richtige 
Zeitpunct zum Eingriffe versäumt und beim Sueben nach 
der Diagnose das Wohl des Kranken za kurz kommen. 
Vom therapeutischen Standpnncte aus habea wir an die 
Fälle der Abdomiualtumoren heranzugehn, zu richtiger 
Zeit zu operieren, auch wenn wir dieses von einer 
falschen oder unvollkommenen Diagnose ans tun. In 


unserer Schnittführung endlich haben wir tunlichst den 
verschiedenen Möglichkeiten Rechnung za tragen, durch 
welche der Symptomencomplex hervorgerufen werden 
kann, welcher nns zum Eingriff zwingt 


Referate. 


Professor Dr. Ramberg: „Die heutigen Methoden zur 
Anregung der Diurese“ Münchener Mediciuische 
Wochenschrift i908, Nr. 39, S. 2028. 

Für die Anregung der Diurese waren bis vor kurzem mass¬ 
gebend Wasseransammlungen im Körper und Nierenerkran- 
knngen (auch ohne Wassersucht). Neuerdings betrachtet man 
jedoch die Diurese für Nierenerkrankungen ohne gleichzeitige 
Wassersucht nicht geeignet, ja sogar bei aenter Nephritis and 
bei Pyelonephritis für schädlich. 

Zur Steigerung der Diurese kann die Verbesserung des ge¬ 
samten Blutamlaufs oder die directe Beeinflussung der Nie- 
reutätigkeit herangezogen werden. Früher glaubte man durch 
die Erhöhung de® arteriellen Blutdrucks den Kreislauf zu ver¬ 
bessern. Durch Heidenhain und seine Schüler ist nachgewie- 
sen, dass die Schnelligkeit des Blutstroms, also die Men*e der 
den Nieren zngeführten, harnfälligen Stoffe massgebend ist. 
Dadurch ist der Gebrauch der Herzmittel viel allgemeiner ge¬ 
worden. Als vornehmstes Herzmittel gilt immer noch die Digi¬ 
talisdroge in ihren verschiedenen Zubereitungen. Weiter kommt 
die Tinctura Stropliauthi in Betracht, für äusserste Notfälle 
mit schwerer cardialer Dyspnoe und entsprechend darnieder- 
liegender Diurese das Strophanthin als intravenöse Injection. 

Bei Herzschwäche ohne weitergehende Kreislaufstörung 
wird mehr Wert auf die Anregung der Nierentätigkeit ge¬ 
legt. Die glänzenden Untersuchungen von v. Schröd er sind 
die Körper der Parinreihe dazu in erster Linie geeignet. Am 
energischsten wirkt das Theophyllin (Dimetliylxatitliin), am 
besten in folgenden Gaben: es wild mit 2 Mal täglich0,1 The¬ 
ophyllin am Tage begonnen, bei noch ungenügender Wii kung 
am 2. Tage auf 2 Mal 0,2 gesiiegen, dann das Mittel nur 
einen Tag um den andern oder noch seltener gereicht und die 
Dosts auf 3 oder 4 Mal 0,2 gesteigert Man erhält so glan¬ 
zende Diäresen. S c h m i e d e b e r g ist es za danken, dass er 
gewisse dem Mittel zur Last gelegte Nebenerscheinungen als 
Zufälligkeiten nachgewiesen bat. Weniger energisch wirkt 
Diuretiu (Theobromin. natr. salicylic.i, noch weniger das reine 
Theohromin. Andere Diuretika, so auch die pflanzlichen Mit¬ 
tel, treten gegen die Purinkörper völlig zurück. Caloiunl und 
salicyisanres Natron schädigen direct die Nieren. Als unge¬ 
eignet zur Diurese dürfte der von G. See empfohlene Milch¬ 
zucker bezeichnet werden, als veraltet die Salze and das Was¬ 
ser. Erwünscht wäre ein snbentan oder intravenös zu appii- 
eiereudes Mittel. 

Auch bei Herzschwäche oder örtlicher Erkrankung der Nie¬ 
ren sind die Purinkörper, besonders wieder das Theophyllin, 
dann aber auch das Diuretin durch kein anderes Mittel zu er¬ 
setzen. Uebermässige Wasserznfuhr vereitelt oft den Erfolg 
der Diurese, daher ist auch der Salzgehalt der Speisen bei 
Nierenkranken zu regulieren, bei hydropisebea and urämischen 
Nierenkranken sogar intermittierend zu beschränken. 


Dr. Th. Z a e s 1 e l n— Genua. Ueber Digitalone. Ein neoes 
Digitalispräparat. D. Medic. Zeitung Nr. 5. 1909. 

Ueber Digitalone (Park Davis u. Co.) machte Verf. Versuche 
und kommt za folgenden Schlüßen: 

1. Digitalone, ein steriler Extract der Digitalisblätter, erfüllt 
die Bedingungen, welche die Therapie an ein Digitalispräparat 
stellt, besser als alle älteren Piäparate. 

2. Es übeririflt die Präparate, welche nur einen Teil der 
wirksamen Bestandteile der Pflanze enthalten, indem seine 
Wirkung eine allgemeinere ist, und ähnlicher der Digitalis- 
wirkung. 

3. In die Venen eingespritzt, hat es einen sofortigen siche¬ 
ren Ei folg and gibt za keinen Unannehmlichkeiten Anlass. 

4. Innerlich verabreicht, hat es eine ziemlich rasche Wir¬ 
kung, welche die Zeit der Darreichung 3—20 Tage über¬ 
dauert. 

5. Das Präparat wird ohne Widerwillen genommen; es wird 
gut vertragen und hat bis jetzt keine cnmulativen Wirkungen 
gezeigt. 

Die Versuche wurden an Kranken gemacht, welche nicht 
nur au einer leichten oder temporären Insufflciens litten, son¬ 
dern auch OeJeme, Üyanose, Atemnot, an regelmässigen Pols, 
ungenügende Diurese etc. aufwiesen. 

F. Holzlager. 


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J. Bnngart: Ueber Recidive bei croüpftser Pneumonie. 
(Münchener Med. W. Ni*. 38. 190b). 

Sekte Beridive weiden bei rtanpöser Pneumonie gelten beo- 
barlitet. Als Recidiv mos» nach Thomas eine neue pneumo¬ 
nische Infiltration bezeichnet werden» die nach eingenetener 
Resorption und vollständiger Emfl-beiung einaetzi. Her frei© 
Intervall karn von 1—26 Tage dauern. Bei den 3 Patienten des 
Vm fasset s ans der H o c li li a n sVct-en Klinik in Köln worde 
zweimal eine fieberfreie Zeit von 3 Tagen und einmal von 14 
Tagen beobachtet Die horchteoehtung mit Böntgenstrahlen 
erleichterte in allen 3 Fällen die ülagnose. Auf der Höhe der 
Krankheit, war ein dichter Schatten sichtbar, der gegen Ende 
des freien Intervalls verschwand, um beim Auftreten des Ke- 
ddivR whder zu erscheinen, ln zwei der an gef ö Inten Fälle 
trat die Entfieberung nach der primären Erkrankung allmäh¬ 
lich ein. w >iauf schon andere Autoren aufmerksam gemacht, 
hab-n. Nach seinem ganzen klinischen Bild unterscheidet sich 
das Recidiv in keiner Weise von der gewöhnlichen croupöseu 
Pnfnmonie. Dabei werden uielst, auch in den Fallen des Au¬ 
tors, die zuerst erkrankten Lnugenlappen befallen. Progno 
itisch sind di© Becidive als eine durchaus günstige Complica- 
tion der Pneumonie anzusehen. Daduich zeichnen sie sich vor¬ 
teilhaft ans vor den Nachschüben und den Wanderpuenmo- 
pien. Was nun die Ursache zur Eutstehnog eines Recidivs an- 
belangt, so nimmt Autor an, dass es sich nm eine Wieder¬ 
holung des ersten Krankheitsproc* sses durch ein Wlederanf- 
leben der bei eii s vernichteten oder wenigstens staik zutück- 
gedrängteti sebädigendeu CocceoWirkung von der eisten lu- 
fretton her handelt. Es wäre also eine völlig neue lufection 
ätiszuschliesseii. 

Wey.erL 

Dr. Nnurney. Töberculinanwendung behufs activer 
Immunisierung. Deutsche Med. Zeitung Nr. 2.1909. 

, Verf. polemisiert gegen die Anwendung giösserer Mengen 
Tiibercolin-Knch und empfiehlt kleine, seltene Gabeu von 
0.1 Tubeicnlin: 100,0 aq. carb. QJb pCt.; davon 1 /, a Pravatz- 
»pritze. Damit erzielte er gute Erfolge bei chirurgischer, 
haut- nnd Lnngentubeicnlose. Auch bei chronischem Eczem, 
chroi.ieehen Eikraukungeu der Blase, Nieren, Dar.n, Banch- 
ted und der Luftwege nicht tu bereu lösen (! Bef.) Chaiacters 
rühmt er dieses Verfahren. Seine Schlussfolgerungen lauten: 

11 Tuberculih an sich ist kein activ immunisierendes Heil- 
niiirl. Es beeinflusst nur vorhandene antoimmnuisatorische 
Voj finge. 

2) Häufige nnd steigende Tnbercttlingaben führen einen 
snpHingenden Itnmnnitätsgrad in eine vorzeitige (? Bef.). 
Reilong Über. Sie bleiben gefährlich nnd schützen nicht vor 
Rückfällen. 

3) Durch kleine nnd seltene Haben wird der Natnrheilnngs- 
vorgaug gesteigert auf dem Wege activer lmmnnisiernng. 

lfie eigentümlichen Widerspiüche anfzuklären mnss dem 
Veif. überlassen bleiben. 

F. Holzinger. 


BDcheranzeigen und Besprechungen. 

Dr. Wolfgang Weichardt. Jahresbericht über die 
Ergebnisse der Immunitatsforschung, unter Mit- 
wiikung von Fachgenossen. HI. Band. Bei ieht über 
das Jahr 1907. Stuttgart. Verl, von Ferdinand 
Enke. 1908. 

Mit bewunderungswürdiger Schnelligkeit bat Weichardt 
den Bericht für das Jahr 1907 fertiggestellt, welcher an 
Umfang denjenigen für das Vorjahr wieder am nm ein Be¬ 
deutendes übertrifft. Diese Zunahme ist nicht unr d»*rch das 
Anwachsen der Immnnitätsliteratnr bedingt, sondern hat seine 
Gründe nach in der Vervollkommnung des Werkes selbst, 
Durch Heranziehung neoer Hilfskräfte, wie Levadlti: 
Pozerski, Lewis, Lewin, Possek, Lüdke, Eisen¬ 
berg, Fröhlich, Sachs, Friedberg, Händel, 
Le ochs, .ist das Berichtsmaterial vollständiger gesammelt, 
zom Teil auch' ausführlicher referiert, wenngleich die Be¬ 
handlung des Stoffes naturgemäss eine recht nngleichmässige 
ist ond vielfach nicht über die Nennung des Autors und der 
Ueberschrift seiner Arbeit binausgeht. Ferner ist das Sach¬ 
register mit grösserer Ausführlichkeit bearbeitet als ln den 
Mden ersten Bänden, womit der Heransgeber einem vieler- 
seits (auch von uns) geäusserten Wunsche nachgekommen ist. 

Die Anordnung des Stoffes hat insofern eine Aeuderung er¬ 
fahren, als die Referate nicht mehr alle, nur nach den 
Antorennamen alphabetisch geordnet, einander folgen, sondern 
zwei grosse Gebiete herausgehoben nnd für sieh getrennt be¬ 
arbeitet worden sind. Es sind dieses die Capitel über «A n a- 


phylaxie» nnd über «Phagocytose, Opsoniu- 
theorie and Verwandtes». Dem erstgenannten Capitel 
geht eine stattliche >zusammenfassende Abhandlung (von 
50 Seiten) über die Anaphylaxiefrage aus der Feder Leva- 
ditis voraus, dem zweiten eine gedrängte aber klare Ueber- 
siclit von W. Rosen thal, welcher bereits im vorher¬ 
gehenden Bande die Opsoninfrage behandelt hatte. Alle übrigen 
Referate ans der gesamten Immnnitätsliteratnr nnd der Grenz¬ 
gebiete (Carcitiom- nnd Syphillsliteratnr) bilden den Hanpttefl 
des Werkes. 

Der Heransgeber selbst hat wiedernm dem Jahresbericht 
eine knrze callgemeine Uebersicht» voraasgeschickt nnd eine 
höchst dankenswerte Zusammenfassnng» folgen lassen. 

Weichardt betrachtet die Abtrennung and gesonderte 
Behandlung einzelner Teilgebiete der Immnnitätsforschung 
zunächst nur als einen Versuch, von dessen Aufnahme seitens 
der Interessenten es abhängen soll, ob dieses System in 
Zukunft beibehalten and weiter durchgeführt werden wird. 
Es dürfte wohl k&om ein Zweifel darüber walteu, dass ein 
Jeder die geringen Unbequemlichkeiten im Anfsnclien der 
einschlägigen Arbeiten gern in den Kaaf nehmen wird, wenn 
die Behandlung der einzelnen Abschnitte ebenso gediegen 
ausgeführt weiden wird, wie im vorliegendem Bande. . 

A. W1 a d 1 m i r o f f. 

Prof. Dr. Salzwedel. Handbuch der Krankenpflege. 
9. Auflage. Berlin. 1909. August Hirsehwald. 

Das in 9 Auflage vorliegende Handbuch der Krankenpflege 
dürfte nicht nur als: Lehrbach für die sich zar Präfang vor¬ 
bereitenden Krankenpfleger geeignet sein, es enthält vielmehr 
soviel practische Ratschläge in populärer Form, dass es sehr 
wohl auch für den H ausgebrauch empfohlen werden kann. 
Nach der etwas zn knapp angelegten Beschreibung des Baues 
nnd der Verrichtungen des menschlichen Körpers beschreibt 
der Verfasser in Übersichtlicher nnd klarer Weise alles auf 
die Krankenpflege bezügliche, wobei besondere Kapitel den 
Hilfeleistungen bei Verletzungen, bei plötzlichen Unglücks¬ 
fällen ond der Pflege bei ansteckenden Krankheiten nnd bei 
Sterbenden gewidmet sind. Zahlreiche Abbildungen erleichtern 
das Verständnis der beschriebenen Handgriffe. Die Aus¬ 
stattung des Buches ist eine gute. 

W. Beckmann. 

Prof. Dr. S. Gottschalk. Gynäkologie. Wien und 
Leipzig. Alfred Hölder. 1909. Preis 6 Mark. 

Das kleine vom bekannten Berliner Gynäkologen Gott¬ 
schalk verfasste Werk bildet den XIII Band der medici- 
niseben Handbibliothek von Dr. F. Lnithlen. Han sollte 
gkr nicht glauben, dass sieh die ganze Gynäkologie in eigen, 
so kleinen Band znsammendrängeu lässt, ond doch findet der 
practische Arzt alles für ihn Wesentliche ond dabei zugleich 
das Neueste. In mehreren Capiteln kommen die Resultate 
eigener Arbeiten des Verfasseis zar Geltung fProl&psoper&tion, 
Chorioepithelioira n. A.). Theoretische Auseinandersetzungen 
sind überall vermieden, nur das, was sich bewährt bat, wird 
empfohlen, seltene Erkrankungen wie Missqildnngeh sind 
ganz unberücksichtigt gelassen worden. Verfasser hat seine 
Aufgabe gelös>, indem er dem practi&chen Arzte in diagnos¬ 
tischer nnd therapeutischer Hinsicht einen e» schöpfenden and 
guten Ratgeber auf gynäcologischem Gebiete geliefeit hat 
Die Ausstattung ond die Textabbild cu ge A des Hnchea 
genügen vollkommen allen Anforderungen. 

W.Beckmao. 


Protocolle 

des DautscLeu ärztl. Vereins zn St. Petersburg. 

Sitzung am 17. November 1908. 

I. Alb an ns hält seinen angekündigten Vortrag: Bemer¬ 
kungen über die diesjährige Choleraepidemie. (Für den 
Drock bestimmt). 

Discnssion: 

Kernig: Ins weibliche Obnchowhospital worden während 
der diesjährigen Choleraepidemie bis znm heutigen Tage ins¬ 
gesamt 570 cboleiakrauke Frauen anfgenommen, vou deren 
274 gestorben sind, d. h 48,1 pCt. Von den intravenös mit 
Serum behandelten Paiiemiuiien starben 51 pCt., dorh wniden 
dieser Behandlungsmethode nnr die sehr nnd änss**rst schwe¬ 
ren Fälle unterworfen, imme» hin ein niederschl&genies, trau¬ 
riges Resultat der Serotherapia. Das MortalitätaurocHnt in 
den nächstfrübeieu Epidemien betrog 1892 : 42 pCt., 1H)3: 
57,7 pCt., 1894 : 60 pCt., 1895: 59,6 pCt. Nach den Angaben 
des städtischen Bnreans beträgt die heutig®. Sterblichkeit 


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40,7 pCt, welche Zahl im Vergleich mit 48,1 pCt. .ein richtiges 
Verhältnis zwischeu Stadt- und Hospitalmoi talität darstellen 
würde. Nach drm „Kusskt Wratsch“ beträgt die Sterblichkeit 
in ganz Eusslaud bisher 47,15 pCt. — Hinsichtlich der Tech* 
nik der intravenösen Inject innen will Kernig, im Anschluss 
au die Discussion der Sitzung vorn 22. Sept. c. liitd im Gegen¬ 
satz zur damaligen Angabe von Dr. Stüh lern ausdrücklich 
consta Limit, dass die ditecte Einführung der Cauiile durch 
die Haut in du- unpräparierte Vene bei Frauen sehr schwie¬ 
rig ist, trotz Stauuug infolge des dicketen Fettpolsters häu 
fig nicht gelingt, sodas8 ioi weiblichen Obuchowh spiial die 
Venen stets frei präpariert werde« mussten, und Reibst daun 
die Einführung schwer war, besonders wenn die Veueu stark 
collabiert waren. 

Serck: Das Verhältnis zwischen Stadt- und Hospitalsterb¬ 
lichkeit kann wohl für andere Kraukheiten gelten, nicht aber 
für die Cholera, welche fast nur im Hospital zur Behand¬ 
lung käme. 

Kernig: Die Diagnose auf Cholera wird vielfach nicht richtig 
gestellt, t>odas8 obiges Verhältnis wohl za Recht bestehen 
dürfte, ln der Praias) unket schule z. R starben nach Prof. 
TschiBtowitsch von 55 Erkrankten nur 6; im kliuischen 
Sinne lag eiue entwickelte Cholera doch nicht vor, wohin 
würden solche Fälle gezählt? 

Schmitz: Die Zahlen in den Zeitnngen stimmen mit de¬ 
nen im cJesbenedjelnik» nicht völlig überein. Nach letzte¬ 
rem beträgt die diesjährige Sterblichkeit 44,8 pCt. Für die 
Epidemie im Jahre 1892 (1. August bis 9. Decemher) betrug 
die Mortalität 50,5 pCt., Ib94 (19. Juni—12. October) 48,7 pCt. 
für die Stadt Petersburg, in ganz Russland etwas weniger 
als 50 pCt. — .Es fragt sich ferner, von wann an der Anfang 
der Erkrankung zu rechnen ist. 

Albanns nnd Kernig: In vielen Fällen kann die 
Stunde der Erkranknng geuan angegeben werden. Die prä- 
monitoriBche Dianboe kann fehlen. Es Ist daran festzuhalten, 
dass Durch fall das erste Symptom der Cholera ist, das Er- 
brecheu erst später auttritt. 

Lun in gibt die Daten aus dem Elisabeth-Kinderhospital. 
Zur Aufnahme kamen 27 Fälle, davon 23 Kinder Jünger als 
6 Jahre. 16 Fälle erwiesen sich als schwere, 11 Falle als 
leichte, gestorben sind 5 Kinder. Bei der Diagnose half die 
Anamnese, die Kinder wurden aus Häusern und Familien 
eingeliefert, in denen schon Cholera vorgekommen war. Fast 
alle Fälle, insbesondere die leichten, sind bacteriologisch fest¬ 
gestellt woiden bis auf zwei. Der Tod trat am 1.—2. Tage 
ein. Nur ein Kind batte das Typhoid durchzumachen. Die 
Behandlung umfasste Folgendes: grosse Dosen Wismnth, 
Thee mit. Wein, Campher, subcutane Kochsalzinfusionen alle 
3—6 Stunden, je nach dem Alter 50—150 Cbcm.; am vorzüg¬ 
lichsten wirkte die Wärmeapplication in Form des Heisslutt- 
bades bis zu 50° C., alle 2 Stunden in manchen Fällen ; höhete 
Temperatur bewirkte Unruhe; in einigen sehr schweren Fäl¬ 
len schien diese Methode direct lebensrettend zu wirken. Das 
Scharapow sehe Serum ist nur in einem Falle injiciert 
worden, weicher nlhht gesundete.' 

li 1 n g e n hat jt893 im Peter-Paulhospital au de* Cholera¬ 
baracke gea»beitet. Es kamen 208 Fälle zur Behandlung, 
von denen 54,2 pCt. starben; ins Typhoid gelangten 5i Fälle, 
Welche letal endigten. Das besj:e Mittel war die Iufusiou, welcne 
die Kranken aus'dem algideu Stadium heraasbrachte, in 7 Fäl¬ 
len als lebensfettend anzosehen war. Bei der Complication 
mit Schwanger sohaft kam es in allen Fällen zum Abort oder 
zur Geburt macerierter Früchte; ob Her Kiudestod durch Au- 
toiotoxication oder Beteiligung der Uterusmuskulatur an den 
Krämpfen eintrat, blieb unbestimmt. Nach der Mitteilung ei¬ 
nes Collegen siud io diesem Jahre ins Peter-Panlshospital 
901 Kranke eingeliefert worden (darunter 70 Fälle mit fal¬ 
scher Diagnose); die Sterblichkeit, beträgt 36,5 pCt. 

Petersen: Wie steht es nm die bacteriologische Unter¬ 
suchung der Entlassenen? Wie gross ist die Zahl der Sec- 
tionen ? Als Prosector ist es ihm 1892 passiert, dass klinisch 
ausgesprochene Cholerafälle bei der Seciion das Bild einer 
Appendicitis und Perforations-Peritonitis ergaben. 

Kernig: Nach Vorschrift der städtischen Choleracommis- 
sioD wird jetzt im Hospital die bacteriologische Untersuchung 
des zu Entlassenden durchgeführt zum grossen Verdruss der 
Kranken. Sie ist jetzt erst möglich, wo die Zahl der Kranken 
geringer geworden. Das zwangsmässige Zurückhalten der 
Recpnvalescenten ist jedoch eine gesetzlich nicht begründete 
Massnahme. Sectionen sind ira weiblichen Obuchowhospital in 
geringer, im männlichen in grosser Anzahl ausgeführt wordeu 
Verwechselung kam einmal vor mit Arsenvergiftung, wo die 
Diagnose 3 Tage schwankte, ln 2 Fällen von Essigsäure- nnd 
einem Fall von Schwefelsäurevergiftuug kam am 3.-4. Tage 
die Cboleraerkrankung hinzu; der Zusammenhang ist in dem 
Sinne zu deuten, dass die Vergiftung das Epithel des Magens 
und Darmes schädigte und alsdann daa wenige Infectiousma- 
teml iw Hospital genügte, um Cholera zu entwickeln. 


Wladimirow: Von deu intravenös reit Serum behan¬ 
delten Fällen starben 51 pCt, wie gross ist da* Mortalftätg- 
procent bei den nicht mit Sernm behandelten Fällen ? 

Albanns nnd Kernig: Parallelfölle stehen nicht zar 
Veitügung. 

Wladimirow: Ich habe den Eindruck, dass die Sero- 
therapi* gegen Cholera, wie bei allen Krankheiten, welche 
nicht durcti reine Toxine, heryorgerufen werden, keine zuver¬ 
lässigen Resultate gibt. 

Albanus: Nach meinen Fällen zn urteilen, bringen die 
Seruniiujeciiotien die Kranken nnr über den ersten Choc hin- 
| weg, verhindern aber nicht den tödlichen Ausgang. 

Petersen erkundigt sich nach dem Preise des SerumB. 

Wladimirow: Es ist jedenfalls teuer. 

II. Dr. Masing demonstriert das Gehirn eines 45jährigen 
Mannes, (Redacteur, Buchdruckereibesitzer), den er seit 6 
Jahren in Beobachtung gehabt hatte- 1901 war er von einem 
schweren apoplectischen Insulte betroffen worden, der voll¬ 
ständige rechtsseitige Hemiplegie, motorische Aphasie, tiefe 
Intelligenzstöi ung etc. zurückliess. Unter guter Pflege er¬ 
holt* sich manches, er konnte wieder etwas sprechen nod 
war nicht ganz hilflos. So sehr sich sein rechter Arm und 
sein rechtes Beiu auch in Contractur und Lähmung befanden, 
so lernte er doch mit beiden noch Function auszuführen. Aus 
dem Bett in seinen Rollstuhl and umgekehrt gelangte er 
selbst und kleidete sich selbst an und aus, wobei natürlich die 
gesunde linke Hand das meiste leistete, aber doch half die 
rechte mit, besonders wusste er durch Andrücken des rechten 
Ellenbogens au den Körper Kleidungsstücke zu fixieren so¬ 
lange, bis die linke Hand zuknöpfte etc. Es war s-i« Ehrgeiz, 
möglichst wenig Dieuste von anderen zu beanspruchen und 
da war es wirklich überraschend, was er noch leistete. 

Die Sectio« zeigte nun die ganze linke Hemisphäre bedeu¬ 
tend verkleinert, besonders in der Richtung von oben nach 
unten, der linke >eiienVentrikel sehr dilatiert. Eine bnch- 
tige, langgezogene Cyste nahm links den Raum ein, der dem 
Corpn8 Striatum, dem Linseukern nnd der inneren Kapsel ge¬ 
hörte. Von diesen Hirnteilen existierte nichts, auch das 
Cianstrum war geschwunden und ein Fass des linken Hiru- 
Bcheukels existierte auch so gut wie nicht. Nur die Inselriude 
war erhalten. Der Thalamus opt. war links verkleinert mit 
kleiueu Erweichnogen; ganz intact war aber der linke Na- 
öleus ruber mit seiner weissen Kapsel. Da alle motorischen 
Cenrren der linken Hemisphäre vernichtet waren, so bat wahr¬ 
scheinlich nur der Nucleus ruber mit seinem Trancus cerebro¬ 
spinalis (M o n ako w) die Bewegungen ermöglicht, die beim 
Pat. bis zaietzt in seinen rechtsseitigen Extremitäten bestanden. 

Director: W. Kernig. 

Secretär: E. M i c h e 18 o n. 


Sitzung am 15. December 1908. 

I. Vor der Tagesordnung stellt Bl essig nochmals die von 
ihm schon in der Märzsitzung demoostriet te, inzwischen von 
Dr. Lezenius operierte Patientin vor (Ektropium und 
Lagophthalmns infolge von Narben der Kopf- und Ge- 
sichtshaiit nach tu bereu löser (lupöser) Ulceration). Erste 
Operation im März: Excision einer Falte der ektropiouierien 
und chemoti8Ch geschwellten Bindehaut, Befreiung beider 
Lider vom Narbenzug der Schläfenhaut durch einen bogen¬ 
förmigen Schnitt längs dem äusseren Orbitalmuskel, unter Opfe¬ 
rung eines Teiles der excessiv ausgedehnten, narbig fixierten 
äusseren Lidcomissur, — an welcher Stelle auch eben noch 
ein Teil ‘der stehengebliebehen Wimpern sichtbar ist—Bildung 
eines neuen Udwinkels durch Vernähnng der Lider im tempo¬ 
ralen Teih Nach dieser ersten Operation war der Lidschiuss 
schon ein recht guter, die Lidspalte aber noch etwas zn lang, 
die Conjunctiva noch leicht ektropioniert. Wegen Versclilim- 
niernug des Zustandes der Kopfhaut wurde Pat. wieder zeit¬ 
weilig dem Kaliukinhospital überwiesen und jetzt im Herbst 
wieder in die Augenheilanstalt aufgenommen. Zweite Opera¬ 
tion im October: Tarsorrhaphie nach Fuchs (mit Bilduog 
eines Hainlappens). Beide Operationen wurden von Dr. Le¬ 
zenius ansgeführt. Der Effect ist nunmehr ein vollständiger: 
die Lidspalte von ganz normaler Coutignralion, Lidschlag 
und Lidschiuss ms behindert. — Zugleich werden Photogramme 
der Pat. (vor und nach der Operation) demonstriert. 

(Autoreferat). 

II. Zeidler hält seinen angekfindigten Vortrag fioer 
Neureiairese bei Trigeminusneuralgie (Die 
Arbeit wird in erweiterter Form im Druck erscheinen) und 
demonstriert iin Anschluss daran eine von ihm beiderseits 
au allen 3 Aesten operierte und geheilte Patientin. 

Di8cu8 sion. 

Michelson erkundigt sich, ob der Vortragende nach 
seinen operativen Eingriffen am Trigeminus Facialislähmnugeu 


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UMIVERSITY OF MICHIGAN 



67 


beobachtet habe, nnd coustatiert, dass die grosse Mehrzahl der 
Neorologen denselben Standpanct wie Vortragender einuimmt, 
indem sie die Nenrexairese bei Trigeminusneuralgie als leicht 
aosffihrbare, ungefährliche und wirksame Heilmethode hin- 
»tellen. 

Häsing fragt, ob die früher übliche einfache Dehnung 
des Nervenstammes jetzt verlassen sei. 

Tiling: Die Exairese ist jedenfalls die beste Methode. 
Für die anfängliche Behandlung scheinen Teslaströme 
empfehlenswert zu sein, wenigstens ist ihm ein Fall bekannt, 
wo diese auf VI *—2 Jahre ein schmerzfreies Intervall ver- 
icbaffteo. 

Petersen: Die demonstrierte Patientin macht den Ein¬ 
druck, als ob sie zur Zeit noch krank sei. 

Zeidler (Schlusswort): Facialisstöruogen habe ich in 
meinen Fällen nicht beobachtet. Die Nervendehnung wird 
heote nicht mehr gemacht. Die Patientin ist ganz gesund. 

HI. Zeidler demonstriert einen von ihm exstirpierten 
riesigen Hydronepbrosesack- ln den Nierenkelchen 
stecken noch einige Calculi, in der Wandung sind Reste des 
Nierengewebes zu finden. Die Krankengeschichte ist in Kürze 
folgende: Patient, 57 a. n.. hat in der Kindheit Schmerzen in 
der rechten Niere gehabt. Im 10. Lebensjahre warde eiu Stein 
per urethram entleert. Im 27. Jahre litt rat. an Kolik, im 35. 
an Gonorrhoe mit nachfolgender Pyelitis. Vor 4 Jahren wurde 
eia Tumor unter dem rechten Rippenbogen bemerkt, der 
langsam wuchs und Schmerzen verursachte. Der Urinbefnud 
war in den letzten Jahren völlig normal. Beim Eintritt ins 
Hospital wurde constatiert: normaler Urin, Tumor in der 
rechten Bancbhälfte, nach nnten bis zur spina anterior snp. 
reichend, rechts in der Nieren- und Lebergegend ein scharfer 
Band fühlbar. Die anfängliche Diagnose lautete anf Nieren- 
tomor, bei einer Consultation mit Dr. K e r n.i g wurde sie 
mit Wahrscheinlichkeit auf einen cystischen Leberturoor ge¬ 
lteilt. Die Operation zeigte eine kolossal grosse Hydronephrose, 
die Leber war klein, ganz nach oben in den linken Kuppei¬ 
raain verdrängt. Die Exstirpation de* Sackes war schwierig 
wegen Verwachsungen besonders mit der vena cava. Nach 
der Operation collabierte Pat. sehr stark, häufiges Erbrechen. 
Oligurie, im Drin etwas Eiweiss nnd Cylinder. Vom 3. Tage 
an «stierte das Erbrechen, die UrinBecretion kam in Gang, 
der Urin wurde normal, gegenwärtig befiudef. sich Pat. in 
völliger Reconvalescenz. 

Discussion: I 

Kernig: Für die Entscheidung, ob Tumoren der rechten I 
Baacbbälfte der Leber oder der Niere angehören, ist ein sehr 
wertvolles Symptom die deutliche Palpation des Leberraudes. 
ln diesem Falle war im Hypogastrium nahe der Spina ilei 
ant. 8iip. deutlich and scharf ein Rand zu fühlen; dieser war 
aber, wie es sich bei der Operation erwies, durch den Uydio- 
Bcpferosesaek vorgetäuscht. Wegen der fühlbaren Fluctuation 
dachte man an einen multipeln Leberecbinococcns. 

Schiel e: Ist der Versuch einer Cystoskopie noch vor der 
Operation gemacht worden, obgleich er früher wegen der 
Urostatahypertrophie nicht gelangen war? 

Zeidler: Nein. 

Häsin g: Sind am Tumor respiratorische Bewegungen 
beobachtet worden ? 

Kernig: Bei derart kolossalen Tumoreu ist die respira¬ 
torische Bewegung nicht mehr zn beobachten und zu ver¬ 
werten wegen Einklemmung. 

Zeidler: Der Tumor war so gut wie unbeweglich. 
Dombrowski: Mit Hilfe der Cystoskopie gelingt die 
Differentialdiaguose immer. Dann ist auch die Exstirpation 
eine leichtere; nach Anlegung des B er gm an n scheu 
Schnittes wird der Sack entleert nnd fällt von selbst vor. 
•Auf diese Weise kann ein Collaps des Pat. vermieden werden. 
Oie Complication mit der Prostatabypertrophie war aber hier 
hinderlich. 

IV. Fick referiert folgende Krankengeschichte: Patient, 

28 a. n, erkrankt auf einer Fahrt an plötzlichen Schmerzen 
im Leibe, bald kommt Erbrechen hinzu, die Schmerzen steigern 
lieh, Pat. erhält. Morphin. In der folgenden Nacht wird er ins 
deutsche Alexanderhospital eingeliefert. Status: Gut ernährt, 
sehr anämisch, Temperatur 36,5, Puls 70 80, von guter Qua¬ 
lität. Klagen über sehr starke Schmerzen im ganzen Leibe, 
besonders in der Ileocoecalgegend und im Epigasirium. Gase 
Rehen nicht ab. Leib nicht gespannt, etwas aufgetrieben, keine 
Asymmetrie, keine Resistenz fühlbar, Darmgeränscbe kaum 
tu hören. Geringe Somnolenz, vielleicht noch vom Morphin. 
Oie Vermutnng8diagnose lautete: DarmunWegsamkeit, woiil I 
dynamischer Ileos, wahrscheinlich entzündlicher Natur, viel¬ 
leicht bedingt durch Appendiciiis. Es wurde beschlossen abzu- 
warten. Im Verlaufe weniger Stunden trat rapide Verschied» 
terung ein, es begann Pnlsbescbleunigung, jede Stunde um 
10 Schläge mehr, Cyanose trat auf, Pat. collabierte; um 
6 Uhr abends war der Zustand desolat, man hatte den Ein¬ 
druck einer Darmperforation, doch war der Leib weich and 


gut palpabel, die Temperatur subnormal. — Die sofortige 
Laparotomie Hess eine blotigseröse Flüssigkeit aus der Wunde 
strömen, keine Appendicitis entdecken; der Darm erwies sich 
als ganz normal; auf dem Netz sah man kleine weisse 
Flecken, was veranlasste, das Pancreas zu inspicieren. Dies 
erwies sich stark geschwellt, von dunkelblutroter Farbe. Es 
wurde eiu Tampon auf das Pancreas gedrückt und der Bauch 
geschlossen. Pat. erholte sich nicht, collabierte weiter trotz 
aller Massnahmen nnd starb am folgenden Morgen. — Vor: 
tragender hat bisher niemals eine Pancreasaffection in so 
frühem Stadium operiert und eine Fettnecrose zu Beginn ge¬ 
sehen. 

ücke demonstriert die bei der Sectlon gewonnenen Präpa¬ 
rate des Pancreas mit der Hämorrhagie und das Netz und 
Mesenterium mit den Fettpartikelchen. 

Discussi on: 

Petersen: Was hatte die Urinuntersuchung ergeben ? 

Fick: Diese wurde leider est nach der Operation gemacht. 
Es fand sich 1,5% Zucker im Urin. 

Westphaien: Die für Fettnecrose angeblich für als 
charakteristisch angegebene Camidgesche Reaction soll 
nach Entfernung des Zuckers ausgeführt werden. Die weissen 
Flecke bestehen aus Fettsäuren und das ab gespaltene Glycerin 
soll im Urin durch jene Reaction nachgewiesen werden. Die 
Diagnose auf Pancreashämorrhagie nnd Fettnecrose wird im 
acuten Stadium wohl selten gestellt werden. 

Fick: Es sind wohl Fälle anch im acuten Stadium richtig 
diagnosticiert und operiert worden. 

Director: W. Kernig, 
becretär: M i c h e 1 s o n. 


Protocolle des XX. Aerztetages 

der 

Gesellschaft Inländischer Aerzte in Dorpat 

vom 28. bis zum 30. August 1908. 


1. Sitzung. 

Freitag, den 28. August. 

1. Dr. A. v. Bergmann: Zum 20. Mal seit seiner Grün¬ 
dung versammelt sich heute der Aerztetag. Sein Zusammen¬ 
kommen war unter den damaligen Verhältnissen ein schwie¬ 
riges. 

Unvergänglichen Dank schulden wir unserem Ehrenmit- 
gliede Dr. Tr u hart, der es durch sein unermüdliches 
Wirken darchzusetzen verstanden hat, dass wir in Wolmar 
znm ersten Mal uns versammeln konnten. Wer jene sonnigen 
Tage mitgem&cht hat in dein kleinen Wolmar, das einst in 
dem geistigen Leben unserer Provinz eine so grosse Rolle 
gespielt hat, dem werden diese Tage in unvei’gesslicher Erin¬ 
nerung geblieben sein, auch wenn wir es uns sagen müssen, 
dass ein grosser Teil der Hoffnungen, die uns damals be¬ 
seelten, unerfüllt geblieben ist. Die rege Beteiligung von 
beiten der Universität, auf welche unser erster Aerztetag 
uns hoffen Hess, ist nor zum Teil iu Erfüllung gegangen, 
nur wenige Vertreter unserer Facultät — diese allerdings 
um so treuer und regelmässiger — wirken befruchtend und 
anregend auf unsere Aerztetage ein, das Gros steht ihnen 
kalt und fremd gegenüber. 

Der jüngere Nachwuchs, den unsere alte alma mater in 
reichem Masse lieferte, spriesst jetzt nur spärlich, das zeigt 
die Not, welche unseie grossen Arbeitsstätten in den Hospi¬ 
tälern bei der Besetzung der Assistentenposten haben. 

Die Hoffnung, dass eine möglichst allgemeine Beteiligung 
an den Aerztetagen zum Bedürfnis aller Aerzte unserer 
Provinz sich ausbilden werde, ist durch die nationalen und 
politischen Gegensätze, die sich namentlich in letzter Zeit so 
sehr verschärft hatten, bisher nicht zur VerwirkHchung ge¬ 
kommen. 

Der Ungunst der Verhältnisse ist es weiter znznschreiben, 
dass die Anregung, welche die Aerztetage in Bezug auf die 
Regelung sauitärer Verhältnisse und hygienisch-prophylac- 
tischer Massnahmen zu geben hofften, nicht in dem Muss 
Anklang und Erfolg haben finden können, wie wir solches 
erhofften. 

Sehen wir also, dass es in der Wirklichkeit wesentlich 
anders ausschaut, als es uns bei unserer Gründung vor¬ 
schwebte, so dürfen wir es uns nicht verhehlen, dass der 
Eutwickeiungsgang unserer Gesellschaft einem allgemein 
geltenden Gesetz unterworfen gewesen ist. 

Ein vollkommener und rascher Erfolg fällt eben nnr aus¬ 
nahmsweise besonderen Glückskindern in den bchoss. Die 
Regel ist, dass der Erfolg mühevoll and durch schwere, conti- 
nuierliche Arbeit errungen wird. 


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Original fro-m 

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Pass eine solche Arbeit von unseren Aerztetagen geleistet 
worden ist, wer dürfte das leugnen ? 

So wollen wir denn weiter arbeiten nnd der Ueberzeugung 
leben, dass dem, hoffentlich noch viele Generationen über¬ 
dauernden Aerztetage, die Erfüllung der Wünsche zu Teil 
weiden wird, unter denen er ins Leben getreten. Wir wollen 
uns vor Augen halten, dass jede Generation verpflichtet ist 
durch anhaltende eifrige Arbeit das Ihrige dazu beizutragen, 
damit diese Wünsche, wenn auch vielleicht in anderer Ge¬ 
stalt. als es uns vorschwebte, in Erfüllung gehen! Eine 
solche Arbeit hat den Segen, dass sie das Bewusstsein weckt, 
wie klein und unvollkommen die Leistung des Einzelnen 
gegenüber den Forderungen der Wissenschaft, den stetig 
wachsenden nnd sich umgestaltenden Aufgaben unseres Be¬ 
rufes sind. Auf dem Boden dieser Erkenntnis erwächst dann 
das Bedürfnis collegialen Zusammenschlusses, das Gefühl 
der Zusammengehörigkeit — der Kampfgenossenschaft in dem 
Streben nach dem gleichen Ziel. 

Lassen Sie mich hoffen, dass auch dieser Aerztetag dazu 
beitragen wird das Capital geleisteter Arbeit zn mehren nnd 
zu stärken das Gefühl unserer collegialen Zusammengehörig¬ 
keit, damit auch er einen Schritt vorwärts bedeute znr Er¬ 
reichung nnserer Ziele. 

Ehe wir an die Arbeit schreiten, geziemt es unserer Toten 
zn gedenken: 

1) Am 6. Sept. bald nach unserem letzten Aerztetage ver¬ 
starb unser Ehrenmitglied Dr. Christian Ströhmberg, 
der von 1904 bis 1907 den Vorsitz unterer Gesellschaft ge¬ 
führt hatte. Unvergessen wird bleiben, was Dr. Ströhm¬ 
berg geleistet, um das Sanitätswesen der Stadt Dorpat auf 
eine mustergültige Höhe zu bringen. Am Grabe des Ent¬ 
schlafenen hat Dr. Tr u hart im Namen unserer Gesell¬ 
schaft einen Kranz niedergelegt. 

Es sind weiter durch den Tod abgerufen worden: 

2 ) Dr. Wilh. vonfiaison am 6. October 1907 in Dohlen. 

3) Dr. Wilhelm Halle am 9. October 1907 in Jeisk. 

4) Dr. Gustav Carlblom am 21. April 1906 in Biga. 

Diese Collegen haben früher zu den Mitgliedern unserer 

Aerztetage gehört. 

2 . Begrüssung des 20. Livländischen Aerztetages durch die 
Präsides der «Gesellschaft pract. Aerzte zu Biga», des Vereins 
estländ. Aerzte, d?s Vereins kurländ. Aerzte und des jüdi¬ 
schen Vereins zu Biga. 

3« Dr. v. Engelhardt hält seinen angekündigten Vor¬ 
trag über «medicinische Wissenschaft und 
Praxis». (Der Vortrag ist in Broschürenform erschienen). 
Keine Discussion. 

4. Dr. v. Engelmann hält seinen angekündigten Vor¬ 
trag über «die Bekämpfung d er S y p h il i s>. (Er¬ 
scheint in der P. m. W.). 

Discussion: 

Dr. Lejin: Häufig, ob mit Becht oder Unrecht, klagen 
Syphilitiker, dass nach Beendigung der ersten Cur beim Aus¬ 
bruch der Symptome des II. Stadiums der behandelnde Arzt 
dem Kranken nichts darüber gesagt hätte, dass die Heilung 
keine endgültige wäre und dass der Betroffene uoch mehrere 
Jahre eine Gefahr in sich berge sowohl für sich als auch für 
alle, die mit ihm in Berührung kämen und daher 2—3 Jahre 
auch weiterhin unter steter Controlle eines Arztes bleiben 
müsste. Um dem Uebel zu steuern muss der Arzt jedem 
Luetiker von vorn herein eröffnen, was er zu erwarten nnd 
wie er sich in den nächsten Jahren zu verhalten bat nnd was 
die Folgen seiner Unachtsamkeit sein könnten. 

Dr. Etzold übernimmt die Behandlung eines Syphilitikers 
nur anf das Versprechen des Patienten hin, sich im Laufe 
3-er Jahre der ärztlichen CoDtrolle nicht zu entziehen. Will 
Pat. sich von einem andern Arzt behandeln lassen, so muss 
er sich eine Abschrift seiner Krankengeschichte holen und 
diesem vorlegen. Wollten alle Collegen so verfahen, so wäre 
das eine provisorische Aushilfe bis znr Durchführung der auf 
dem 7. Aerztetag vorgeschlagenen Massnahmen. 

Dr. Apping: Der Umstand, dass die bei den Landge¬ 
meinden Livlands ausgeschriebenen Luetiker in den Hospi¬ 
tälern der kleinen Städte auf Kosten des Landes behandelt 
werden können, ist ein grosser Schritt vorwärts. Allmählich 
fiberwiuden die Kranken die Scheu, die sie vor dem Hospital 
haben und da ihrer Gemeinde nicht Anzeige gemacht wird und 
anch die Polizei keine Schwierigkeiten macht, so kommen 
viele im Fall eines Becidivs gern wiederum sich einer Hospi- 
talbehandluDg zu unterziehen. Verschämte Kranke gehen in 
die Nachbarschaft und oft lassen Syphilitiker aus Wenden nnd 
Umgegend sich in Wolmar behandeln und umgekehrt. 

Dr. Heerwapen erinnert in Anknüpfung an Dr. Tr ti¬ 
li arts Anfrage daran, wie stark sich auf dem Sypbiliscon- 
gress in Petersburg abolitionistiscbe Strömungen geltend 
machten nnd berichtet über eine nachher erschienene Vor¬ 
schrift des Minist. d. I., welche die Aufsichtsorgane zweier 
bisher den Prostituierten gegenüber ausgeübter Becbte 
beraubt: 


Prostituierte dürfen heute keinen Zwangspass mehr er¬ 
halten — damit ist ihnen volle Freizügigkeit gegeben nnd 
die Aufsicht über sie uns dämm erschwert. Ferner darf 
jeizt ein Frauenzimmer nur dann in die Listen der Pro¬ 
stituierten eingetragen werden, wenn sie selbst ihre Einwil¬ 
ligung dazu gibt. Es kann demgemäss heute jemand offen¬ 
kundiger und eingestandener Weise gewerbsmässig Unzucht 
treiben, ohne die Verpflichtung zu haben sich regelmässiger 
ärztlicher Controlle zu unterwerfen, ohne im Erkrankungsfall 
zwangsweise im Krankenbause interniert und ihrem Gewerbe 
entzogen zu werden ! 

Wischer: Dass diese Verfügnng die Infectionsgefahr durch 
Prostituierte steigert, brauche Bedner hier nicht auszuführen. 
Er würde es für zweckmässig halten wenn der Aerztetag mit 
seiner Autorität gegen die namentlich in neuerer liberaler 
Zeit sich geltend machenden abolitionistischen Tendenzen 
Front machen würde und wenn jeder einzelne Arzt seine 
persönlichen Beziehungen dazu benutzen würde, um massge¬ 
bende Personen, sowie dag grosse Publikum über die unge¬ 
heure sanitäre Gefahr völliger Freigebung gewerbsmässiger 
Unzucht aufzuklären. 

Dr. Trnhart: In der Mitte der 90-er Jahre ist die 
Lnesbekämpfungsfrago wiederholt von uns eingehend beraten 
worden. Im Jahre 1895 war an die Gesellschaft Livl. Aerzte 
vom Medicinaldepartement die Aufforderung gerichtet an 
einem Congress in Petersbnrg, der über die Massregeln zur 
Bekämpfung der Lues beraten sollte, teilzunehmen und vor¬ 
her anch einen Kampfesplan aaszuarbeiten und vorznstellen. 
Eine ad hoc gewählte Commission erhielt den diesbezüglichen 
Auftrag und Prof. Zoege v. Manteuffel nnd ich hatten 
die Ehre schon andern im Januar 1897 tagenden «Congress znr 
Bekämpfung des Lues und der venerischen Krankheiten im 
Reich» als Delegierte unserer Gesellschaft teilzunehmen. 

Abgesehen von dem einige Jahre früher stattgehabten Cbo* 
leracongress waren znm ersten Male in so imposanter Fre¬ 
quenz die officiellen Repräsentanten der medicinischen Wis¬ 
senschaft nnd Praxis und der Mediclnalinstitutionen nnseres 
Biesenreiches zusammengetreten, um ein sachverständiges 
Urteil abzngeben in einer Frage des Volksgesundheitswohles, 
welche so tief, wie wohl kaum eine audere, in die verschie¬ 
densten Gebiete des socialen Lebens hineingreift. Das Gefühl 
der Verantwortlichkeit der Versammlung einer Frage gegen¬ 
über, die anerkanntermassen zu den schwierigsten Problemen 
der öffentlichen Gesundheitspflege gehört, musste sich in nm 
so höherem Masse steigern, als der Herr Minister des In¬ 
nern seine damalige Eröffnungsrede des Congresses mit der 
Kundgebung schloss, dass die Staatsregieruug im vollen Ver¬ 
trauen auf das sachverständige Urteil des Congresses die 
Beschlüsse dieses zur Richtschnur ihres Handelns nehmen 
wolle. 

In voller Hingabe und in rastloser Arbeit ist jener 8 Tage 
währende Congress in SpecialcommiBBionen und in gemeinsa¬ 
men Beratungs-Versammlungen bestrebt gewesen, unter Zu¬ 
grundelegung der ca. 300 Gutachten und Bearbeitungen des 
Programms, welche bei dem vorberatenden Comitee zuvor 
eiogereicht worden waren, die ihm gewordene Aufgabe einer 
Lösung entgegenzuführen. 

Mehr als ein Jahrzehnt ist seitdem verflossen! Von irgend 
welcher practischer Nutzanwendung der damals gemeinsam 
gefassten Beschlüsse habe ich bisher nichts erfahren. Ich 
möchte daher an die Versammlung die Frage richten, ob irgend 
’emand von Ihnen, vielleicht der Herr Medicinalinspectorge- 
lilfe, in der Lage ist, uns darüber Auskunft zu geben, ob je¬ 
ner mit so viel Opfern an Arbeit und Zeit ins Leben geru¬ 
fene Petersburger CongreBs für die Bekämpfung der Syphilis 
im Reich irgend welche practisch bedeutsame Früchte ge¬ 
zeitigt hat? 

Schlusswort des Vortr.: Zur Basis eines aussichtsvollen 
VorgehenR zur Bekämpfung der venerischen Krankheiten 
müssten zunächst zahlenmässige Erhebungen über die jetzige 
Ausdehnung der Lues in Stadt und Land, sowie den jetzigen 
Stand der BehandluDgsfrage angestellt werden. Vortragen¬ 
der proponiert daher womöglich aus allen drei Provinzen 
Material für eine umfasseude Beurteilung der Frage zu 
schaffen und die Luesfrage auf die Tagesordnung der «Balti- 
ti8chen Aerztecongresse» zn setzen. 

5. Dr, W. v. Holst referiert über die Delegiertenversamm¬ 
lung zur Gründung eines «Baltischen Aerztecon- 
grosses». 

Protocoll der Sitzung vom 23. März 1908 zu Biga. 

I. An der Versammlung nahmen teil 

Als Vertreter des Livländischen Aerztevereins Dr. v. Berg¬ 
mann, Dr. v. K n o r r e, Dr. K e i 1 m a n n, Dr. v. Holst. 

Als Vertreter des Estländischen Aerztevereins Dr. v. Wi- 
stinghausen, Dr. W e i s s, Dr. T h o m s o n. 

Als Vertieter des Mitauer und Libauer Aerztevereins: 
Dr. H i 1 d e b r a n d t, Dr. S a d i k o f f, Dr. Otto, Dr. 
Z o e p f e 1. 


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Original fro-rri 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 



fl £s wird beschlossen, «inen Verein onler dem Namen 
{Gesellschaft baltischer Aerzte» zu gründen. 

Der Zweck dieses Vereins soll in der Abhaltung von 
Aerztecongressen bestehen, anf denen durch Referate, Vor¬ 
träge und Demonstrationen wissenschaftliches Leben gepflegt 
and verlieft werden soll. An zweiter Stelle käme die Behand¬ 
lung der Standesfragen in Betracht, die für die Aerzte Est- 
Lir* and Kurlands von gleicher Bedeutung sind. 

Politische Fragen dürfen unter keinen Umständen zur 
Verhandlung gelangen. 

Der Baltische Aerztecongress soll jede drei Jahre in 
Riga, Reval Mitau oder Dorpat stattfinden, seiue jedesmalige 
Dauer drei bis vier Tage betragen. 

VI. Mitglied der Gesellschaft, baltischer Aerzte kann jeder 
Arzt werden, der eine Universität absolviert hat und sich 
beim Vorstand znm Eintritt meldet, sowie den jedesmal neu 
zu fixierenden Mitgliedsbeitrag entrichtet. Gäste können durch 
den Vorstand eingeführt werden, erhalten aber keiu Stimm¬ 
recht. Die Gesellschaft hat das Recht, Ehrenmitglieder zu er¬ 
nennen, die von den Beitragszahlungen befreit sind. 

Die Mitgliedschaft erlischt mit * Ausbleiben der Bei¬ 
tragszahlung zum festgesetzten Termin, ferner infolge einer 
diesbezüglichen Erklärung des betreffenden Mitglieds oder 
daich Ausschluss, wozu zwei drittel Stimweu der in der Ver¬ 
sammlung anwesenden Mitglieder erforderlich sind. 

Die Höhe des Mitgliedsbeitrags wird anf jedem Con¬ 
trols für das nächste Trienninm voraasbestimmt 
Der Präses und der Cassafübrer des Vereins werden 
zum Schloss eines jeden Cougresses aus der Stadt gewählt, 
ia welcher der nächste Congress statlfiuden soll. Die beiden 
aBdereu Provinzen werden durch je einen Vicepräses vertre¬ 
ten, der zu Beginn des Cougresses gewählt wird. Je zwei Se- 
cretäre werden aus jeder der drei Provinzen ernannt 
Der Sitz der Verwaltung der Gesellschaft Baltischer 
Aerzte befindet sich je 3 Jahre hindurch an dem Ort, wo der 
nächste Congress Btattfinden soll. Von der jedesmaligen 
Ueberführuog ist die betreffende Gouvernementsregierung in 
Kenntnis zu setzen. 

Der Congress wird durch Publication in den Tages- 
blättern und der Petersburger Medicinischen Wochenschrift 
eiuberufen. 

Die Gesellschaft Baltischer Aerzte geniesst alle Rechte» 
die io den §§ 20 u. 28 der temporären Bestimmungen Uber 
Vereise und Verbände vom 4. März 1906 aufgezählt sind. 

Dis Gesellschaft Baltischer Aerzte kann Verfügungen . 
treffen,die für ihre Mitglieder und ihren Vorstand verbindlich 
nnd. 

Im Fall der Auflösung des Vereins wird auf der letz¬ 
ten geschäftlichen Sitzung über den Verbleib seines Ver¬ 
mögens beschlossen. 

Die Gründer müssen namentlich genannt und ihre Unter- 
schrift notariell bestätigt werden. 

Es wird ferner aut Vorschlag von Dr. v. H ol s t be¬ 
schlossen, dass der Congress, um den Bedürfnissen der Special- 
Irzte gerecht zn werden, abgesehen von einer allgemeinen 
Sitzung in Spezialsectionen — je nach Massgabe des vor¬ 
liegenden Bedürfnisses tagen soll. 

Die von der Delegierten • Versammlung ausgearbtiteten 
Statuten werden vom Livl. Aerztetage einstimmig angenom¬ 
men- 

Die Vorbereitung des 1. Cougresses, die Ausarbeitung der 
Geschäftsordnung und die Einholung der obrigkeitlichen Be¬ 
stätigung werden dem «Congressbüreau» übertragen, in das 
per Acclamation die vom vorigen Aerztetage her dazu be¬ 
stimmten Herren : Dr. v. Bergmann, Dr. v. K n o r r e, 
Dr. Keil mann und Dr. v. Holst wiedergewählt werden. 
Znm Präses des I. Halt. Aerztecongresses wird anf Voi schlag 
im Präsidiums Prof. Dr. Dell io per Acclamation ge¬ 
wählt. Als Zeitpnnct wird der August 1909, als Ort Dorpat 
ansersehen. 

6. Als Ort des nächsten Livl. Aerztetages, der, im Fall der 
Balt. Aerztecongress 1909 zustande kommt, erst im Jahre 1910. 
ZQsammentreten wird — wird Wenden erwählt. Von einer Be¬ 
stimmung des Termins wird vorläufig abgesehu. 

7. Znm Präses des XX Livl. Aerztetages wird Dr. A. v. 
Bergmann per Acclamation wieder gewählt. Znm Vize- 
präses werden Prof. Zoege v. Manteuffel n- znm 1. Se- 
cretär Dr. W. v. Holst, beide gleichfalls per Acclamation 
wiedergewählt An Stelle des bisherigen 2. Secretärs Dr. W\ 
Kieseritzky,der schriftlich um seinen Abschied eingekoui- 
men ist, wird anf Vorschlag von Dr. E. Schwarz, Dr. 
Emil K r o e g e r - Riga gewählt. Cassaführer wird an Stelle 
des statntenmässig ansscheidenden bisherigen Cassaführers 
Dr. v. K n o r r e Dr. E. K i w u 11 ans Wenden, als dem Orte 
des nächsten Aerztetages. 

8. Es werden folgende Themata für Referate für den kom¬ 
menden Aerztetag proponiert: 


Dr. W. v. Holst: Wochenbettflebef. 

Dr. v. Knorre: Carcinoma Uteri. 

Dr. v. Wistinghansen: Versicherungswesen. 

Dr. W. v. Holst: E p i 1 ep s i e. 

Dr. Christiani und Dr. Berkholz: Säugling s- 
ernährnng. 

9. Prof. Zoege von Mantenffel berichtet über das 
bisherige Ergebnis der Sammlungen zur Gründung eines 
Ernst von Bergmann -Denkmals,dessen pecnniäres 
Resultat noch keineswegs erfreulich genannt werden könne und 
fordert die versammelten Mitglieder der Gesellschaft zu wei¬ 
terer Bekanntmachung des Planes nnd Beisteuer anf. 

(Fortsetzung folgt). 


Wöchentliche Chronik und kleine Mitteilungen. 


— St Petersburg. Die anf Verfügung der Antipest- 
Commission beitn Institut für experimentelle Medicin zn er¬ 
öffnenden Cur Be überBac’teriologie nnd Epide¬ 
miologie der Cholera mit practischen Beschäftigungen 
in der Diagnostik und Desinfection werden in Sessionen — iin 
Febrnar, März und April (jedesmal zn 3 Wochen) Btattfinden. An 
jeder Session, die in 2 Gruppen zerfällt, können nicht mehr als 
50 Zuhörer teilnehmen. Die Kanzlei des Obermedicinal- 
inspectors hat die Verteilung in Groppen übernommen. Dort 
kann man sich auch auf die Corse anschreiben. Die Be¬ 
schäftigungen werden geleitet vou den DDr. S. Dsersh- 
gow8ki, D. S ibolotny, W- Klimenko und W. Pod- 
wyssotzki. 

— In den Medicinalrat ist das Project der neuen 
Universitäts-Statuten eingelauten mit der Aufforde¬ 
rung, sich über den neuen Grad eines Magisters der 
Medicin zu äussern. Diesen Grad beabsichtigt das Ministe¬ 
rium der VolkRaufklärung einznführen. 

— Die Conferenz der Miiitär-Medicinischen Aka¬ 
demie hat in der Sitzung vom 17. Janoar eine Commission 
unter dem Vorsitz deB Cnefs der Ac&demie gewählt, die sie 
mit der Durchsicht der Statuten der Akademie be¬ 
auftragt hat, um dieselben, falls es möglich erscheint, mit dem 
neuen Universitätsstatot in Einklang zu bringen. 

— Prof. D. Ott ist znm Ehrenmitglied des Vereins der 
Aerzte in Rostow a. Don and in Nachitschewan gewählt 
worden. 

— Gebeimrat Dr. L. Berthe nson hat alle seine Bücher 
über Balneologie, Hydrologie, Klimatologie, Beschreibung von 
Mineralquellen, Schlammbädern nnd Carorten — insgesamt 
956 Titel — der rassischen Balneologischen-Gesell- 
schattin Pjatigorsk geschenkt. Für die Gesellschaft, 
die so specielle Zwecke verfolgt, ist dieses Geschenk von über¬ 
aus hohem Wert und Dr. Berthe nson ist auch der Dank 
in gebührender Weise gezollt worden. 

— Zum Director desCorortes Staraja Russa ist 
Dr. S. Parenago, bisher Arzt der Verwaltung der kauka¬ 
sischen Mineralbäder, ernannt worden. 

— Die GonvernementB-Landschaftsversammlong in W j a t k a 
hat beschlossen, eine bacteriologische Station zu eröffnen nnd 
assignierte dem Verwalter der Statiou ein Gehalt von 3000 Rbl. 
jährlich. 

— Der 8. Congress der Deutschen Gesell¬ 
schaft für orthopädische Chirurgie findet am 
13. April (n. St.) in Berlin im Langenbeckhanse statt, einen 
Tag vor dem Zusammentritt der Deutschen Gesellschaft für 
Chirurgie (s. Nr. 4 der St. P. m. W.). Anmeldungen von 
Vorträgen sind an Prof. Dr. Joachimsthal, Berlin, W., 
Gentbiuerstrasse 16 zu richten. 

— Der 5. Congress der Deutschen Röntgen- 
Gesellschaft findet am 19. April (n. St.) ebenfalls im 
Langenbeckhanse in Berlin statt. Anmeldungen von 
Vorträgen und Demonstiationen sind an den Schriftführer 
der Gesellschaft Dr. Immeimann, Berlin W., 35, Lützow- 
stiasse 72 zu richten. 

— Der 2. Congress der Deutschen Gesell¬ 
schaft für Urologie findet im Anschluss- an die beiden 
vorhergehenden statt. Mit dem Congress wird eine Ausstel¬ 
lung wissenschaftlicher Gegenstände verbunden sein. Anmel¬ 
dungen sind zu lichten an Dr. W o s s 1 d 1 o, Berlin, W. 
Victoriastrasse 19. 

— Die nächste Jahresversammlung des Deut¬ 
schen Vereins für Psychiatrie wild am 23.-24. 
April (n. St.) in 0 ö 1 n and Bonn stattfinden. Anmeldungen 
vou Vorträgen sind zu richten an Dr. Hans Laehr in 
Schweizerhof zn Zehlendorf-Wannseebahn. 

— ln London (University College, Go wer Street) wird 
am 6.—9. Jnli (n. St) ein Congre bb für X-Strahlen 
tagen, verbunden mit einer Ausstellung von elektromedicini- 


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sehen und radiologischen Apparaten. Anmeldungen sind zo 
richten an M. Ernst Shofield, 11 Chandos Street/Ca- 
veodisch Square. London W. 

— Die Deutsche Gesellschaft für Geschichte 
derMedicin und der Naturwissenschaften ver- 
anstaltet anlässlich des 200. Geburtstages Cb. Dar¬ 
wins am ö. Februar im Langenbeckhause in Berlin eine 
Darwin-Gedächtnisfeier. 

— An den 21 Universitäten des Deutschen Rei¬ 
ches sind während des Wintersemesters 1908—1909 im Gan¬ 
zen 48718 Studenten immatrieuiiert gewesen; davon 
entfallen aut die medicinischen Facultäten 8562. 
Die Zahl der weiblichen Studierenden betrug auf allen Facul¬ 
täten zusammen 1077 gegen 376 im letzten Sommersemester. 

— Prof. Lubarsch ist zum Leiter der Akademie 
für practische Medicin in Düsseldorf ernannt 
worden. 

— Freiburg i. B. Der Privatdocent für Augenheil¬ 
kunde Dr. W. S t o c k ist zum ausserordentlichen Professor 
ernannt worden. 

— Auf das vacante Katheder der chirurgischen Hospital- 
klinik der medicinischen Fakultät in Paris ist Prof. Del bet; 
für operative Chirurgie Prof. Hartmann gewählt worden. 

— In M o s k a u ist eine Zunahme der Fälle von Erkran¬ 
kung am Flecktyphus constatiert worden. Ebenso wird 
auch aus Charkow und Odessa über eine bedeutende Zu¬ 
nahme von Typhus exanth. und Febris recurrens 
berichtet. 

— Die Städte Dsheddah und Bagdad und ebenso die 
türkische Seestadt Beirut sind als von der Pest bedroht 
verkündet worden. In Odessa siud energische Massregeln tür 
alle Schiffe, die aus jener Gegend kommen, getroffen worden. 

— Peaterkraukongeii sind von Ende December 1908 
bis Mitte Januar 1909 vorgenommen: in Dar es Salam 
(Dentsch-Ostafrikaj, Bagdad, Aegypten, Honkong, 
Japan, Queensland und auf der lusel Mauritius. Es 
handelte sich überall nur um vereinzelte Fälle, nur in Aegyp¬ 
ten war die Zahl der Erkrankungen auf 14 gestiegen (8 To¬ 
desfälle). Die Gesamtzahl der Pesterkrankuugeu in Aegypten 
während des Jahres 1908 beläuft sich auf 1511, die der Todes¬ 
fälle auf 780. Das grösste Contingeut an PeBtfälleu liefert 
nach.wie vor B r i t i s c h-0 s t i n d i e n: vom 6. bis zum 12. De¬ 
cember 1908 waren insgesamt 2044 Personen an der PeBt er¬ 
krankt uud 1588 gestorbeu flaut otffciellen Angaben). 

— Choleraerkrankungen sind im December 1906 
und Januar 1909 ausser in Russland in Japan, China, 
auf den Philippinen uud in den StraitsSettle- 
ments vorgekommen. 

— Verbreitung der Cholera in Russland, ln 
der Woche vom 18. bis zum 24. Januar kamen Choieraer* 
Kränkungen vor: in 8t. Petersburg 160 (42) im Gebiet der 
Donkosaken 1 (2). 

— Vom 28. bis zum 29. Januar erkrankten in St. Peters¬ 
burg an der Cholera 21 Personeu, starben 3, genasen 19, 
iu Behandlung verblieben 267. Seit dem Beginn der Epidemie 
sind 9831 Personen erkrankt, 3867 gestorben und 5677 ge¬ 
nesen. ln der letzten Zeit sind wiederholt Erkrankungen 
unter dem Pflegepersonal der Stadthospitäler vorgekommen. 

— Anlnfectionskrankheiten erkrankten in 
St. Petersburg in der Woche vom 28. Dec. 1908 bis 
zum 3. Jan. 1909 593 Personen. Darunter an Typh. abdom.45, 
Typb. exanth. 3, febris recurreus 97, Pocken 6, Windpocken 
5, Masern 47, Scharlach 65, Diphtherie 85, Cholera 137, 
acut. Mageu-Darmkatarrh 51, an anderen iufectionskraukhei- 
ten 52. 

— Die Gesamtzahl der Kranken in den St. Pe¬ 
tersburger Stadthospitäleru betrug in derselben 
Woche 12061. Darunter Typhus abdominalis 595, Typhus 
exanth. 12, Febris recurrens 484, Scharlach 181, 
Masern 48, Diphtherie 134, Pockeu 13, Windpocken 1, 
Cholera 214, crupöse Pneumonie 132, Tuberculose 561, 
Influenza 252, Erysipel 60, Keuchhusten 14, Hautkrankheiten 
67, Syphilis 514, venerische Krankheiten 344, acute Erkrankun¬ 
gen 1839, chronische Krankheiten 1648, chirurgische Krank- 
neuen 1386, Geisteskrankheiten 3204, gynäcologische Krank¬ 
heiten 225, Krankheiten des Wocheubetts 39, verschiedene 
andere Krankheiten 94. 

— Die Gesamtzahl der Todesfälle in St. Pe¬ 
tersburg betrug in derselben Woche 975 -f 47 Totgeborene 
+ 54 in der vorigen Woche nicht registrierte Fälle. Darunter 
Typh. abd. 21, Typh. exauth. 2, Febris recurr. 5, Pocken 2, 
Masern 17, Scharlach 28, Diphtherie 24, Keucnhusieu 11, 
crupöse Pneumonie 47, katarrhalische Pneumonie 120, Ery si¬ 
pelas 5, Influenza 21, Pyämie und Septicaemie 15, Febris puer- 
peralis 1, '1 uberculose der Luugen 125, Tuberculose anderer 
Organe 24, Dysenterie 2, Cholera 54, Mageu-Darmkatarrh 
26, andere Magen- and Darmerkraukungen 45, Aicoholismos 
14, angeborene Schwäche 60, Marasmus senilis 37, andere 
Todesursachen 269. 


— In der Woche vom 4. bis zam 10. Januat 19&) 6t* 
krankten in St Petersburg an Infectionskrank- 
heiten 755 Personen. Darunter Typhus abdom. 50, Typh. 
exanth. 5, Febris recurr. 105, Pocken 9, Windpocken 7, 
Masern 50, Scharlach 71, Diphtherie 103, acut. Magen-Darm¬ 
katarrh 96, C h o 1 e r a212, an anderen Infectionski ankheiten 37. 

— Die Gesamtzahl der Krankeu ln den Pe¬ 
tersburger Stadthospitälern betrug iu der 
W T oche vom 4. bis 10. Jan. 12300. Darunter Typbus abd. 
596, Typh. exanth. 14, Febris recurreus 472, Schar¬ 
lach 203, Diphtherie 162, Masern 57, Pocken 23, Windpocken 1, 
crupöse Pneumonie 125, Tuberculose 581, Erysipel 67, Keuch¬ 
husten 11, Hautkrankheiten 77, Syphilis 519, venerische 
Krankheiten 333, aente Erkranknngen 1897, chronische 
Krankheiten 1699, chirurgische Krankheiten 1381, Geistes¬ 
krankheiten 3211, gynäcologiBcbe Kranheiten 223, Krank¬ 
heiten des Wochenbetts 41, andere Krankheiten 102, Cho¬ 
lera 267, Influenza 237. 

Die Zahl der Todesfälle betrog in St. Peters¬ 
burg in derselben Woche 953 + 59 Totgeboreue + 54 in 
der vergangenen Woche nicht registrierte Fälle. Darunter 
Typhus abdom. 21, Febris recurrens 2, Pocken 2, Masern 12, 
Scharlach 17, Diphtherie 15, Keuchhusten 6, Cholera 110, 
crupöse Pneuiuouie 48, katarrhalische Pneumonie 122, Ery¬ 
sipel 2, Influenza 12, Pyämie und Septikaemie 12, Langen- 
tuberculose 106, Tuberculose anderer Organe 32, Magen- 
Darm katarrh 44, andere Magen-Darmerkraukungen 34, Alco- 
hoiUmus 10, angeborene Schwäche 53, Marasmus senilis 53, 
andere Todesursachen 263. 

— Die «Fortschritte der Medicin» und die «Zeit¬ 
schrift für Versichernngsmedicin», die bisher 
im Verlage von Max Gelsdorf erschienen, sind vom 1. Januar 
1909 in den Verlag von Georg Thieme in Leipzig über- 
gegangen. 

— Die von Dr. Hirschfeld herauagegebene «Aerzt- 
liche Buchführung, die früher im Verlage von H. 
Spanier erschien, ist in den Verlag von Cnrt Kabitzsch 
(A. Staber) iu Würzburg übergegangen. Die Aasgabe be¬ 
steht aus 12 Monatsheften, welche je nach Umfang der Praxis 
für 1—2 Monate ausreichen, dazu gehört noch ein Hauptbuch 
igbd. M. 3), das wie die.Mouatshefte in Registerform eingerichtet 
ist, dem vielbeschäftigten Arzt somit das zeitraubende Re¬ 
gistrieren erspart, ihn trotzdem aber in Stand setzt, jeden 
rosten and jede Notiz, die er sich über den Kranken ge¬ 
macht hat, sofort aulzufinded. 


— Nekrolog: 1) Am 13. Dec. 1908 verstarb in 
Abas-Tuman der Consultant des örtlichen Miiitärhospi* 
tais Dr. P. Ti m o f ej e w geb. 1862; Arzt Beit 1888. 
2) Am 5. Jan. Dr. Radkowski geb. 1871, Arzt seit 
1895. Er war Ordioator der chirurgischen Abt. des 
Odessaer Stadtkrankenhaases. 3) In Jekatermburg starb 
am Flecktyphus Dr. S. Pi 1 i k i n geb. 1864, Arzt seit 1887. 
4i ln Kiezk (Gouv. Minsk) Dr. J. Urbanski. .5) In 
Warschau Dr. F. 8 c h a d k o w s k i geb. 1855, Arzt 
seit 1880. 6) ln Dublin starb der älieste Chirurg Irlands 
Dr. George Eliis im Alter von 100 Jahren. Er 
hatte den Arzigrad 1834 erlangt und war früher lite¬ 
rarisch sehr tätig. Von der Praxis hatte er sich schon 
vor 40 Jahren zurückgezogen (The Hospital Nr. 101). 


Nächste Sitzung des Vereins St. Fe* 
tersb. Aerzte: Dienstag, d. lO.Febr. 1909. 

Tagesordnung: 1) Hoerschelmann: Ueber Hemia* 
trophia facialis (mit Krankenvorstel- 
Iuug. 

2) Dobbert: Ueber moderne Bestre¬ 
bungen in der Geburtshilfe. 

Entgegennahme der Mitgiiedsbeiträge. 


*+■ Nächste Sitzung des Deutschen ärzt¬ 
lichen Vereins: Montag, d. 16. Febr.1909. 
Tagesordnung: Dr. Thiele: UeberHermaphroditismue. 


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1 ■ ■ 


st. nmmnt 

KElIGmSCEE WOCEENSGEEIFT 


unter der Mitwirkung von 

Br. Ad. v. Bergmann, Dr. E. Eiessig, Dr. 0 Brehm, Dr. X. Dombrowski, Dr. J. Dsirne, Dr. C. Frankenhäuser, 

Riga. St. Petersburg. Libau. St. Petersburg. Moskau. St. Petersburg. 

or. P. v. Hampeln, Or. H. Hildebrand, Dr. W. Kernig, Dr. P. Klemm, Prof. 0. v. Petersen, Dr. 0. v. Schiemann, 

Mitau. St. Petersburg. Riga. St. Petersburg. Moskau. 

Dr. Ed_Schwarz, Prof. G. Tiling, Dr. R. Wanach, Dr. H. Westphaien, Dr. C. Wiedemann, Dr. R. v. Wistinghausen, 

^ 1 ß a - St. Petersburg. St. Petersburg. St. Petersburg. St. Petersburg. Reval. 

Prof. W. Zoege v. Manteuffel. 

Jurjew (Dorpat), 
unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Pehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Dorpat. Riga. 

Dr. Franz Dörbeck. 

St. Petersburg. 


Mt ß St. Petersburg, den 


lieber die Behandlung schwerer Arthritiden. 

Von 

Dr. A. Schawlow, Riga—Kemmern. 
Vortrag gehalten anf dem V. Estländischen Aerztetage 
za Reval. 


M. H. Wenn wir schwere Arthritiden in Behandlung 
bekommen, besonders in speciellen Bade- nnd Curorten, 
wie in Kemmern, wo die Patienten, nachdem sie schon 
oft jahrelang den ganzen Schatz von therapeutischen 
Missnahmen zu Hause durcbgekostet haben, nur mit 
der sichern Hoffnung auf Heilung hinkorameu, ist es 
ms doppelt schwer, machtlos der Krankheit gegenüber 
zu stehen und uns sowie den Patienten mit der Hoffnung 
trösten zu müssen, der Erfolg kann eintreten, oder auch 
nicht. Eine im Laufe von 12 Jahren im Curorte Hem¬ 
mern, der .sich durch stark schwefelhaltige Quellen aus- 
zeiehnet, gesammelte Erfahrung gestattet mir, Ihnen 
vom Standpunct des praotischen Arztes einige Beobach¬ 
tungen über die Art und Behandlung der schweren 
Arthritiden mitznteilen, die ich. in jedem Sommer in 
grosser Anzahl zu sehen Gelegenheit batte. Bis vor 
kurzem musste ich mich, wie die grösste Anzahl der 
Badeärzte, anf die empirische Heilkraft der Bäder ver¬ 
lassen und nur die Bädercur je nach der Individualität 
und dem Verlaufe des Falles mit den verschiedenen ju- 
vantibus Massage, Gymnastik, Stauung, Elektricität u. d. 
ähnlichen verbinden; im Jahre 1906, bald nach Ver¬ 
öffentlichung J. Mendels in den Therapeutischen Mo¬ 
natsheften über das Fibrolysin wagte ich in einem ver¬ 
zweifelten Falle von Polyarthritis chronica progressiva 
eine Fibrolysincur im Verein mit den Bädern, und der 
Erfolg bewog mich diese Behändlungsweise fortzusetzen. 
Hier will ich Ihnen nun über einige in den Jahreu 
1905—1908 angestellten Beobachtungen Bericht er¬ 
statten. 

Das Gros der Falle im Badeorte, speciell in Kemmern 
lässt sich, vom Gesichtspunct des practischen Arztes 
betrachtet, in 4 Kategorien einteilen. 


7. (20.) Februar 1909. XXXIV. JAHRGANG. 


I) Der typische Gelenkrheumatismus. Diese acut ein¬ 
getretene, durch ihren Verlauf characteristische Erkran¬ 
kung wird vou den Schwefelbädern in der grossen 
Mehrzahl der Fälle äusserst günstig beeinflusst. Selbst 
die stärksten Schwellungen, begleitet von unerträglichen 
Schmerzen und häufig von absoluter Bewegungsunfähigkeit 
sehen wir,' im Laufe von einigen Wochen schwinden, 
und der Patient, der elend unter Gestöhn zum Bade 
gefahren wird, fühlt sich bald wie neugeboren; elasti¬ 
schen Schrittes geht er ins Bad und dankbare Krin- 
nerungen begleiten ihn nach Hause. Worauf diese Wir¬ 
kung der natürlichen Schwefelquellen in Kemmern be¬ 
ruht, lässt sich noch nicht bestimmen, ob die Jonen- 
theorie, die leider ans Aerzten noch nicht so recht ge¬ 
läufig ist, hier die Hauptrolle spielt ? Denn häufig ver¬ 
ordnen wir denselben Rheumatikern zu Hause, im Som¬ 
mer und Winter, künstliche Schwefelbäder in grosser 
Anzahl, weit über die 30, die gewöhnlich in Kemmern 
genommen werden, bei absolut negativem Erfolge, wäh¬ 
rend die eine Badecur geradezu die Wunder von 
Lourdes hervorbringt. Ausschliesseu muss ich aus die¬ 
sen Fällen den gonorrhoischen Gelenkrheumatismus, der 
in seinem Verlaufe und Hartnäckigkeit zur 111. Gruppe, 
den Fällen von Pulyarthritis progressiva zu rechnen 
wäre. Obgleich Senator, Bäu ml er und C ursch - 
mann den chronischen Gelenkrheumatismus Zusammen¬ 
halten mit der Arthritis deformans, lehrt gerade die 
Praxis, dass diese beiden Krankheiten streng von ein¬ 
ander zur scheiden sind, und ich muss vollständig 
Hoffa- beistimmen, der mit der Schule der Chirurgen, 
auch Pribrara und His, den Gelenkrheumatismus und 
die Arthritis deformans als Krankheiten sui generis 
hinstellt. 

Auf die einzelnen Verhältnisse dürfte hier nur ganz 
kurz eingegaugen werden, denn diese beiden Krankhei¬ 
ten sind so häufig anzutreffen, dass wohl jeder Arzt sich 
ein präcises Bild mit eigenen Anschauungen, die nicht 
immer dem Lehrbuche zu entsprechen brauchen, machen 
kann. Der schleichende Beginn, das Befallenseiu der 
einzeloen, gewöhnlich der grossen Gelenke, das langsame 


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fortschreiten der Krankheit, bei gleichzeitig recht gros¬ 
sen Veränderungen in den befallenen Gelenken, die aber 
doch nicht der vielfach jahrelangen Dauer der Krank¬ 
heit zu entsprechen brauchen, charakterisieren die Ar¬ 
thritis deformans deutlich und ergeben einen Unterschied 
gegen den chronischen Gelenkrheumatismus, der wohl in 
den einzelnen Fällen in die Arthritis deformans über¬ 
gehen kann, aber nur in einzelnen Fällen, gewöhn¬ 
lich aber den anfallsweisen Charakter bei Beteiligung 
der Mehrzahl aller Gelenke, mit starken Remissio¬ 
nen trägt. Auch sind die anatomischen Veränderun¬ 
gen bei der Arthritis deformans viel prägnanter und 
eingreifender als bei dem chronischen Gelenkrheumatis¬ 
mus. Nach v. Volkmann lassen sich die Veränderun¬ 
gen bei der Arthritis deformans in dem kurzen Satze 
zusammen fassen: „Knochen- und Knorpelschwund auf 
der einen Seite, Knochen- und Knorpelwucherungen auf 
der anderen Seite“ (cit. nach Hoffa, Deutsche Med. 
Woch. Nr. 14, 1907). Die WeichteliVeränderungen sind 
nur secundärer Natur, bedingt von der mechanischen 
Zug- und Druckwirkung der befallenen Knochen und 
Knorpel. Wollenberg meint, dass der Befund in der 
Synovialis bei der Arthritis deformans an das anatomi¬ 
sche Substrat bei der traumatischen Synovialiserkran- 
kung erinnert. Er fand bei schon deutlicher Auffassung 
und Proliferation des Knorpels nur eine einfache Zot¬ 
tenhyperplasie mit geringer Gefäss- und Bindegewebs¬ 
neubildung. Während bei dem chronischen Gelenk¬ 
rheumatismus der Autoren und der primär chronischen 
Polyarthritis vonHoffa und and. schon in frühen Sta¬ 
dien grosse Lymphocytenanhäufungen in dor Synovialis 
aufzutreten pflegen, sieht man solche bei der Arthritis 
deformans nur spärlich und selten. Selbst bei starken 
Veränderungen des Knochen- und Knorpelgewebes, bei 
starken Randwucherungen und Usuren sind die Syno¬ 
vialveränderungen nicht bedeutend. Die hyaline Dege¬ 
neration jedoch tritt im Endstadinm der Arthritis de¬ 
formans in der Synovia stets auf; die ganze Synovia 
kann in schweren Fällen in hyalines, structurloses Ge¬ 
webe verändert sein. Das starke Knacken der Gelenke, 
die sog. Arthroxerosis ist ein deutliches Symptom der 
Arthritis deformans. Gerade bei ihr, wo die Weichteil¬ 
veränderungen nicht im selben Grade einhergehen, wie 
die Knochen- und Knorpelerkrankung ist die Reibung 
bei activen und passiven Bewegungen durch die innige 
Berührung der Knorpel- und Knochenflächen, die nicht 
durch einen stärkeren Synovialerguss von einander ge¬ 
trennt werden, in hohem Grade möglich. Auch die ge¬ 
ringere Schwellung als bei der Polyarthritis rheuma- 
tica und die weniger heftig auftretenden Schmerzanfälle, 
sowie auch die geringere Schnelligkeit der Entwicke¬ 
lung sind alles Momente, die uns klar die Bilder 
der Arthritis deformans und des chronischen Gelenk¬ 
rheumatismus auseinander halten lassen. 

Die III. Gruppe zeigt das typische Bild der von 
Hoffa zusammenfassend beschriebenen Polyarthritis 
chronica progressiva, einer Erkrankung, die in ihrem 
Verlaufe und dem anatomischen Bilde vollständig von 
der Arthritis deformans und dem chronischen Gelenk¬ 
rheumatismus abweicht. Sie gehört zu den schwersten, 
manchmal aber auch zu den dankbarsten Fällen der 
Gelenkkrankheiten, wenn sie nur rechtzeitig in geeignete 
Behandlung genommen wird: 

Obgleich gerade Hoffa sich skeptisch über die Mög¬ 
lichkeit ihrer Heilung ausgesprochen hat, glaube ich an 
der Hand eines genauen casuistischen Materiales bewei¬ 
sen zu können, dass bei frühzeitiger energischer Be¬ 
handlung der Polyartbritis chronica progressiva gute 
Erfolge sowohl quoad valitudinem, als auch quoad resti- 
tutionem erzielt werden dürften. 

Mit dem ehr. Gelenkrheumatismus und der Arthritis 
deformans hat die Polyarthritis chronica progressiva 


viele Erscheinungen gemein. Üoch ist der klinische und 
anatomische Verlauf soweit verschieden, dass es not¬ 
wendig wäre, näher auf diese Krankheit einzugeheu. 

Bei plötzlichem Beginne, mit oder ohne Fieber wird 
eine grosse Anzahl von Gelenken befallen, ähnlich wie 
bei dem acuten Gelenkrheumatismus; doch sind die 
Schmerzen nie so stark wie bei diesem, entsprechen 
meistens nicht der Schwere der Erkrankung. Salicyl 
und seine Präparate sind fast immer absolut wirkungs¬ 
los. Beginnend mit den kleinen Gelenken, den Finger- 
ond Zehengelenken gewöhnlich gleichzeitig, schreitet die 
Krankheit ungemein schnell fort. Im Verlaufe von eini¬ 
gen Tagen bis Wochen sind so' ziemlich alle Körper¬ 
teile befallen, der Patient wird .immer hilfloser, das Ge¬ 
sicht nimmt einen eigentümlichen starren, schwerleiden- 
den Ausdruck an (Kiefergelenke), die Körperhaltung ist 
meist eine in sich zusammengekauerte, wegen der Un¬ 
beweglichkeit der Rückengelenke, oder in leichteren 
Fällen eine liegende. Die Eigenbewegungen siud stark 
herabgesetzt, werden auch wegen der Schwere und 
Schmerzhaftigkeit vermieden. Der Appetit sinkt bis aufs 
Minimum. Starke Abmagerung und eine starke Mus¬ 
kelatrophie treten in» den Vordergrund; die Atrophie 
kann im Bereiche der befallenen Gelenke schon in we¬ 
nigen Wochen ein treten und ist viel stärker, als 
die'Atrophie, die wir bei der Arthritis deformans 
beobachten. Auch die Knochen atrophieren bald, die 
Knorpel schwinden, und die Gelenke nehmen die un¬ 
möglichen Formen an. An den Fingergelenken sehen 
wir spindelförmige Auftreibungen und Verdickungen, an 
den Hand-, Ellenbogen-, Knie- und Fussgelenken die 
mannigfachsten Veränderungen, so dass man glaubte, die 
Deformitäten in verschiedene Typen einteilen zu müssen, 
besonders an den Händen, in einen Extensions-, einen 
Flexions- und einen gradlinigen Typus. (Charcot, 
Teissiger, Roque). Doch hat diese Einteilung, wie 
Hoffa es betont, keinen besonderen Wert, da bei der 
Mannigfaltigkeit und schnellem Wechsel der Formen 
das Einhalten eines bestimmten Typus nicht möglich 
wird. Die Gelenkenden werden verbogen oder auf ein¬ 
ander gepresst, manchmal bayonettartig ineinander ge¬ 
keilt, kappenförmig aufsitzend, die Knochen werden 
kürzer. Allmählich wurden die Patienten immer schwä¬ 
cher, da durch die Veränderungen an den Gelenken, 
die stetig fortschreiten, der Zustand sich stets ver¬ 
schlimmert und leicht erliegen sie intercurrentea Er¬ 
krankungen. Das anatomisch-pathologische Bild weist 
anf eine frühzeitige Erkrankung der Synovialis. Wol¬ 
lenberg, der mit Hoffa zusammen die gründlichsten, 
diesbezüglichen Untersuchungen gemacht hat, schildert 
dieses Bild folgendermassen: „ln frühen Stadien der 
Erkrankung sehen wir eine viel stärkere Zottenwuche- 
rnng der Synovialis, viel weichere Gefässneubildungen, 
viel bedeutendere Proliferation der fixen Bindegewebs¬ 
zellen, als wir dieses je in viel weiter fortgesetztem 
Stadium der Arthritis deformans antreffen. Das Charac- 
teristischste aber sind mächtige, meist dicht bei einander 
gelegene Anhäufungen von Rundzellen, die meist cir¬ 
cumscripta, perivasculäre lymphomartige Gebilde darstel¬ 
len; daneben finden wir auch hier und da eine diffuse 
Durchsetzung des Gewebes mit Lymphocyten. 

Diese lymphoinartigen Rundzellenanhäufungen findet 
man auch bei verschiedenen anderen Erkrankungen der 
Gelenke, sie sind jedoch fast nie so enorm zahlreich 
und dicht; natürlich stellen sie nichts specifisches dar, 
und speciell unterscheiden sie sich vom Tuberkelknöt¬ 
chen ganz scharf. Veränderungen des Knorpels und 
Knochens sind in diesen frühen Stadien entweder noch 
gar nicht vorhanden, oder rein regressiver Natur, indem 
die Knorpel der Usur verfallen, Erosionen aufweisen, 
oder aber von einem der Synovialis entstammenden pan* 
nusartigen Granulationsgewebe substituiert werden. Da* 


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73 


durch wird die Knorpelfläche allmählich in Biodegewebe 
verwandelt. In späteren Stadien können dann auch 
scheinbar geringe Proliferationserscheinungen auftreten, 
und zwar besonders in milde verlaufenden Fällen. So 
kann es unter dem Einfluss des den Knorpel überwu¬ 
chernden Granulationsgewebes zu einer geringen Auf¬ 
quellung der Knorpelsubstanz kommen. Wirkliche Pro¬ 
liferation von Knorpelzellen konnten wir aber nur in 
einem sehr geringe^ Grade feststellen. Es kommt am 
Rande des Knochens zu einem Durchbruche der Corti- 
calis, zu einer Einwuchernng von Granulationsgewebe, 
von der Synovialis stammend, -in die Markhöhle. In 
panz alten Stadien schliesslich starke bindegewebige 
Verdickung und Schrumpfung der Gelenkkapsel, mehr 
oder weniger totale Verwachsung der gegenüberliegen¬ 
den Synovialispartieen und der Gelenkenden. In der 
Nähe der. Verwachsungen immer mehr oder weniger 
starke Lymphocytenanhäufungen und Infiltrationen. Der 
Knorpel ist nun ganz oder fast ganz verschwunden resp. 
durch Riqdegewebe ersetzt, aodass oft,. da auch die 
Corticalis des Knochens stark zerstört ist, nur eine 
dünne Bindegewebslamelle die Begrenzung der Mark- 
■ höhle bildet. Die knöchernen Gelenkenden sind stark 
verkleinert, die Spongiosa äusserst rareficiert, in spär¬ 
liche, düDne Bälkchen verwandelt. Knorpel- und 
Knochenwucberungen sind nicht zu c o n - 
statieren“. 

Das pathologisch-anatomische Verhalten der Weichteila 
and Knochen lehrt uns also, dass mit einer primären 
Erkrankung der Gelenk weichteile eine hochgradige Kno¬ 
chenatrophie mit Destruction des Knocbengewebes einher¬ 
geht. Der Knochen wird abnorm weich, kann dadurch 
leicht verdrängt werden • die Veränderungen, welche die 
Weichteile erleiden, die Schrumpfung der Kapseln 
besorgt, wie Hoffa sagt, die plastische Verdrän¬ 
gung des Knochens; es kommt noch die Atrophie der 
Muskeln hinzu, und mit ihr die Wirkung der Schwerkraft, 
um diese schweren Gelenkveränderungen und -Verzer¬ 
rungen in kurzer Zeit zu vollbringen. Das Fehlen stär¬ 
kerer Wuchernngsprocesse wäre nach Hoffa einer ver¬ 
minderten Vitalität des Knorpel- und Knochengewe- 
bes auf Rechnung zu setzen. 

Der Unterschied der Polyarthritis progressiva von der 
Arthritis deformans ist hiermit klar gegeben; während 
es sich hier um eine Erkrankung der Gelenkweichteile 
mit den sich daraus ergebenden Folgen handelt, beruht 
die Arthritis deformans auf einer Erkrankung der Ske- 
lettaoteile des Gelenkes. Schwerer wäre wohl die Grenze 
zwiscLen dem ebron. Gelenkrheumatismus und der Poly¬ 
arthritis progressiva zu ziehen, doch hier entscheidet der 
Beginn und Verlauf. 

Welche bacteriellen Momente zur Entstehung der 3 
Krankheitsgruppe beitragen, ist eine bis heute noch un¬ 
entschiedene Frage. Eine ganze Reihe YQn Autoren will 
Bacterien gefunden haben. Hoffa gelang es nicht, 
trotz sorgfältigster Prüfnng bei der Polyarthritis pro¬ 
gressiva solche nachzuweisen, obgleich diese Krankheit 
in ihrem Verlaufe und Erscheinungen den bacteriellen 
Erkrankungen, z. B, dem gonorrhoischen Gelenkrheuma¬ 
tismus, wie schon oben hervorgeboben, ähnlich ist. 
Die Gicht in ihren schweren und leichteren Formen, so¬ 
wie die traumatischen Gelenkverletznngen mit consecu- 
tiven dauernden Deformitäten (anch Qsteomyelitis) wol¬ 
len wir als IV. Gruppe betrachten. 

An einer Reihe von Fällen worde nun das Fibrolysin 
angewandt und mit überraschendem Erfolge. Die schwer¬ 
sten sind zur prägnanten Demonstration vor Beginn und 
nach Beendigung der Behandlung photographiert; und 
sollen hier in der Casuistik verwandt werden. Die Tech¬ 
nik der Einspritzungen war folgende: Nach strenger 
Desinfection wurde gewöhnlich in die musc. glutaei mit¬ 
tels Lehr scher oder Li eberg scher über 2 ebetm. 


fassender Spritze der Inhalt einer 2,3 ebetm. enthalten¬ 
den Merk-Mendel scheu Fibrolysinampulle eingeführt. 
Die Einspritzung intr&musculär in die Glutaei wurde 
vorgezogen, weil sie die bequemste und schnellste ist; 
sie geht fast schmerzlos vor sich und ist in einem 
Bruchteile einer Secunde mit geeigneter Nadel und nö¬ 
tiger Uebung ausznführen. Die intravenöse Einführung 
des Fibrolysins, die Mendel so warm für schwere 
Fälle empfiehlt, erfordert einen viel complicierteren Ap¬ 
parat und grösseren Zeitaufwand; wird anch von den 
Patienten in der ambulatorischen Praxis als Operation 
häufig gefürchtet, ln keinem Falle hatten wir un¬ 
angenehme Nebenerscheinungen, weder Brennen, noch 
Sugillationen, wie es eine ganze Reihe von Autoren 
gesehen hat, (Salfeld u. a.) obgleich wir oft bei be¬ 
jahrten Leuten mit stark geschlängelten Hautvenen ein¬ 
spritzen. Auch die übrigen in der Literatur beschrie¬ 
benen Zufälle, wie Kopfweh (Kunkel, Kircz, 
Bau in stack) Schwindel, Uebelkeit, Erbrechen (Lange, 
Latzko, Tussey, Döllken) blieben uns erspart. 
Nur in 2 Fällen bei ganz alten Leuten beobachteten 
wir nach den ersten 3—4 Einspritzungen Durchfälle, 
die aber bald schwanden. Urticaria, die B6k6ss and 
Juliusberg so vielfach bei ihrer Behandlung mit 
Fibrolysin beobachteten, kam auch nicht bei unseren 
Fällen vor. Die Befürchtungen vieler Autoren (schon 
Hebras), dass bei Fibrolysin oder Thiosinaminein- 
spritzungen alte entzündliche Herde wieder in Tätigkeit 
versetzt würden, teilen wir nicht. Die Warnung bei 
Lungentnbercnlose und Herzklappenfehlern (B6k6ss) 
einzuspritzen, scheiot uns in einem zufälligen Zusammen¬ 
treffen verschiedener Umstände, die mit der Fibrolysiu- 
therapie nichts gemeinsam haben, entstanden zu sein. 
Wenigstens haben unsere Herz- und Lungenkranken die 
Fibrolysineinspritzungen ohne jeden Nachteil über¬ 
standen. 

Die Anzahl def Einspritzungen betrug in jedem ein¬ 
zelnen Falle mindestens 30, die täglich in der oben ge¬ 
schilderten Weise vorgenommen wurden. Erst nach 20 
trat gewöhnlich eine Besserung im Zustande auf, die 
dann merkbare Fortschritte machte. Die Schmerzen fin¬ 
gen schon früher an nachzulassen, so nach 10—12 Ein¬ 
spritzungen aber die Aenderungen im Allgemeinzustande 
erforderten eine längere Behandlung. Nach 20—25 
Injectionen Verloren sich immer mehr und mehr die 
Schwellungen der Gelenke, die active und passive Be¬ 
weglichkeit stellt sich fortschreitend wieder eia; der 
Allgemeinzustand hebt sich und die Patienten fühlen, 
dass sie auf dem Wege der Genesung sind. Natürlich 
war immer die Fibrolysinbehandlung vereint mit den 
Bädern, Moor- nnd Schwefelbädern, Massage und Gym¬ 
nastik. Welche Befriedigung aus dem Munde des noch 
vor wenig Wochen verzweifelten Patienten zu hören, 
dass er jetzt auf die Wiedererlangung seiner Gesund¬ 
heit hoffe. 

Zur Illustration wollen wir nun einige der Fälle brin¬ 
gen, wobei aber die Reihenfolge der 4 Kategorien nicht 
eingehalten werden kann. 

I. Frl. L. aus Smolensk 19 a. n. Seit 5 Jahren 
schwere Gonitis des rechten Kniegelenkes. 1907. Rechtes 
Knie 39 ctm., linkes 37 ctm. Umfang. 

Das Röntgenbild ergibt Verdickung der Patella, am 
oberen Femurrande eine Delle, die wahrscheinlich al3 
osteomyelitisch angesehen werden muss. Das r. Knie ist 
stark geschwollen, lässt sich nicht beugen. Patientin 
muss auf eine Krücke gestützt gehen. Von sonstigen Be¬ 
funden wäre Mitr&linsufficienz zu notieren. Das Herz ist 
stark nach links (über 2 Finger) hinter der Mammillar- 
linie verschoben. Fremissement cathaire. Blasen über der 
Spitze. Puls über 110, stark anämisch. 

Diagnose: Osteomyelitis genu dextri. Patientin ist zu 
Hause mit Apparaten, Gipsschienen und interner Medi- 


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cation behandelt worden. Verordnung in Kemmern; ab¬ 
wechselnd Schwefel- und Schwefel-Kohlensanre-Bäder, 
Fibrolysineinspritzungen täglich. Nach 20 Injectionen 
1907 ist der Zustand soweit gebesseit, dass Patientin 
die Krücken wegtun kann, und blos auf den Stock sich 
noch stützen muss. 

Im Juni 1908 kam Pat. wieder nach Kemmern am 
linken Knie ist noch eine Verbreiterung des Gelenkes 
nach oben, mit seitlicher Abflachung zu sehen. Gelenk¬ 
mäuse. Pat. muss sich beim Gehen auf den Stock 
stützen, klagt über leichte Ermüdbarkeit. Schmerzen sind 
selten und gering; der Wioter war relativ gut. 

Dieselbe Behandlung wie 1907. 

Mit jedem Tage bessert sich der Zustand. Nach 2 
Wochen kann Pat. grössere Fusstouren ohne Stock 
vornehmen, die Difformität des Gelenkes ist, wie die 
Photographie beweist, bedeutend geringer. Sogar das Tan¬ 
zen, das Pat. auf eigene Verantwortung riskiert hat, 
wurde gut vertragen. Nach 4 wöchentlicher Behandlung 
gesund entlassen. 

Fall II. Frl. W. aus Tuckum, Bäuerin, 24 a. n. Vor 
2 Jahren plötzlich Kniegelenkentzündung des linken 
Knies ohne jedes nachweisbare Trauma oder sonstige 
Ursache. Pat lag längere Zeit im Krankenhause, doch hat 
sie keine Besserung gefunden. Das Knie ist unförmlich 
dick, 41 Ctm., nach oben hinauf, in der Gegend der Pa¬ 
tella und über diese, deutliche Verdickungen auch Ge¬ 
lenkmäuse fühlbar; ebenso seitwärts, nur an den 11g. 
lateralia noch Furchung sichtbar (vergl. Photographie). 
Heftige Schmerzen bei jeder Bewegung, activen und 
passiven, auch beim Stehen. Es treten sogar spontane 
Schmerzen beim Liegen auf. Das Biegen des Kniees 
geht nur bis zum rechten Winkel. Pat. kann sich nur 
sehr langsam, auf Krücken gestützt, fortbewegen. Diag¬ 
nose: Osteomyelitis genu. Therapie: abwechselnd Schwe¬ 
fel- und Moorwannen, tägl. Fibrolysineinspritzungen, 
leichte Massage. 

Schon nach kurzer Zeit bedeutende Fortschritte. Nach 
ungefähr 10 Tagen haben die Schmerzen auch beim 
Gehen nachgelassen. Pat. kann bedeutend kräftiger auf- 
treten und schon Stehversuche ohne Krücken machen, 
die bis dahin ganz unmöglich waren. Bald (in 3 Wochen) 
konnte ich ihr die Krücke fortnehmen; Pat. geht recht 
gut, nur mit dem Stocke. Sie merkt selbst die immer 
fortschreitende Besserung. Die Verdickungen haben an 
Umfang abgenommen. (Phot. II). Die Beweglichkeit geht 
ohne Schmerzen vor sich, das Knie lässt sich fast bis 
zum normalen beugen: nur bei starker Anstrengung ge¬ 
ringe Schmerzen. In 4 Wochen konnte sie gebessert 
entlassen werden, und glanbe ich, dass bei Fortsetzung 
der Behandlung im nächsten Jahre das Resultat ein 
ebenso glänzendes, wie im Falle I, sein dürfte. 

Fall III. Frau H. aus Witebsk, 43 a. n. Vor 8 Jah¬ 
ren nach der letzten Geburt, traten Schwellungen und 
Schmerzen in allen grossen Gelenken auf, die trotz ener¬ 
gischer Behandlung stationär blieben; allmählich wurden 
auch die kleinen Gelenke, Finger, Zehen, (in den letz¬ 
ten 5 Jahren) befallen und deformiert. Steht die ganze 
Zeit in Behandlung. War mehrfach in Teplitz, Wiesba¬ 
den und Kemmern. Pat. kann nur sehr schwer gehen, 
muss sich auf den Stock stützen. Häufige Schmerzan¬ 
fälle. Fast alle Gelenke sind aufgetrieben, die Gelenk¬ 
enden verdickt, starkes Krepitieren in den Gelenken bei 
Bewegungen. Die Schultern können nicht über die Ho¬ 
rizontale gehoben werden, Bewegung der Arme nach 
hinten ist unmöglich. Schwellungen beider Knie- und 
Malleolengelenke. 

Diagnose: Polyarthritis progressiva. 

Therapie: abwechselnde Schwefel- und Moorwannen, 
tägl. Fibrolysin. 

Binnen 14 Tagen tritt Besserung ein. Pat., die sehr 
intelligent, und schon viel behandelt wurde, macht mich 


selbst auf die fortschreitende „Lösung“ der Gelenke auf¬ 
merksam. Die Schwellungen beginnen zurückzugehen. 
Nach 4 Wochen kann Pat. ohne Stock grössere Spazier¬ 
gänge unternehmen, was noch nie in den 8 Jahren 
möglich war. 

Naoh 40 Einspritzungen wird Pat. bedeutend gebessert 
entlassen. Vor knrzera erhielt ich von Pat. einen Brief, 
worin sie mir die fortschreitende Besserung anzeigt, 

Fall IV. Frao K. aus Liban, 50 a. n. Nach einer 
Operation an der rechten Hand im November 1907 sind 
Steifigkeit und Atrophie aller Finger, bis anf den Dau¬ 
men, nachgeblieben. Zn Hanse wurde ohne Erfolg 
electrisiert und massiert; kommt anf Anraten der li- 
bauschen Aerzte nach Kemmern. (Vergl. Phot. I). Ver¬ 
ordnung: Schwefelbäder, Moorcompressen anf die rechte 
Hand, Fibrolysin. Nach 4 Wochen war der Zustand 
insoweit gebessert, dass alle Finger recht frei bewegt 
werden konnten, etwas langsam noch der Zeigefinger, 
weil an ihm die Sehnen vollständig zerschnitten waren ; 
jedoch ist gute Fnnctionsfäbigkeit zu erwarten. (Phot. II). 

Fall V. Fran Br. ans dem Kownoschen Gouv. 40 a. n. 
Vor 3 Monaten (März 1908) erkrankt bei hohem Fieber ; 
mit Schmerzen, Schwellungen der kleinen Gelenke, die 
anf Salicyl nicht besser wurden, im Gegenteil, der Zu¬ 
stand verschlimmerte sich von Tag zu Tag; immer wei¬ 
tere Gelenke wurden ergriffen. Im Juni d. J. kommt 
Pat. nach Kemmern. Status: Pat. hat einen schwer 
leidenden Gesichtsausdruck; die Mehrzahl der Gelenke 
sind geschwollen und schmerzhaft. Pat. kann nicht 
gehen, sitzt auch beim Schlafen meistens nach vorne 
gebückt; (weil die Gelenke der Wirbelsäule ebenfalls 
ergriffen sind). Die Fingergelenke sind verdickt, die 
Handgelenke geschwollen, fühlen sich dabei weich an 
und die Hände können nur sehr wenig gehoben werden. 
Aehnliche Befunde an den Füssen. (Die Photographie I 
weist recht deutlich auf die Sdhwere des Falles hin). 

Diagnose: Polyarthritis chronica progres¬ 
siva (Hoffascher Typus). Therapie: Abwechselnd 
Schwefel- und Moorbäder, Fibrolysin. 

Wo unsere Kunst, wie es schon H o f f a betont, in 
früheren Zeiten recht machtlos dieser schweren Erkran¬ 
kung gegenüberstand, bewies hier der schnelle Erfolg, 
welchen mächtigen Hilfsfactor wir im Fibrolysin haben 
können. Es dauerte keine 4 Wochen, und Pat. konnte gut 
gehen, ihre Hände gebrauchen, der Appetit stellte sich 
ein, und die Schwellungen waren fast vollständig ge¬ 
schwunden. Schon der Gesichtsaasdruck anf Phot. II 
lässt deutlich die Besserung erkennen. 

Fall VI. Herr M. aus Libau 29 a. n. Fleischer, er¬ 
krankte im Mai d. J. mit starken Schwelluugen der 
Hände und Füsse, Schmerzen, auch im Rücken, so dass 
er den Oberkörper nach vorne geneigt halten muss, wie 
auch Phot. I zeigt. Das Gehen ist nur unter starken 
Schmerzen möglich, zum Ankleiden bedarf er ständig 
fremder Hilfe. Die Auftreibungen der Malleolen-Knie- 
und Hand- und Fingergelenke sind auf der Phot, deut¬ 
lich sichtbar. 

Diagnose: Polyarthritis chron. progressiva (Hoffa). 

Therapie: Moor- und Schwefelbäder, Fibrolysin. 

Auch hier war wie im vorigen Falle, die Wirkung 
des Fibrolysins eine sehr schnelle. Das Resnltat, das 
nos Phot. II zeigt, ist in 3 Wochen zastanJegekommen. 
Man sieht deutlich die restitutio. Die Haltung ist auch 
eine gerade geworden, und ist Patient gut gebessert, 
man könnte fast sagen, gesund nach Hause entlassen. 

Fall VII. Frl. R. 18 a. n. aus Pensa. Vater und 
Mutter leiden an Gicht. Seit dem 13. Lebensjahre treten 
bei Pat. periodisch an verschiedenen Gelenken Schwel¬ 
lungen auf, welche sich constaot an den Fingergelenken 
halten, so dass Pat. keine feineren Arbeiten mit ihnen 
ausführen kann. Im Harne stets Vermehrung der llarnr 


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säure und harnsauren Salze, häufig bis aufs doppelte 
des normalem Cofcffrcienten. 

Diagnose: Arthritis uratica. 

Therapie: Schwefel- und Moorwannen, Massage, Fi- 
brolysin und Gichtdiät (die übrigens Pat. schon seit 
Jahren einhält). 

Nach der Behandlung: erheblicher Rückgang der 
Schwellungen, auch in den Fingern: die Finger sind 
viel gelenkiger geworden: Pat. kann sogar feinere Hand¬ 
arbeiten machen. Auch ist der Harnsäurecoefficient viel 
kleiner als früher. 

Fall VIII. Frau L. aus dem Kownoschen Gouverne¬ 
ment 3S a. n. Nach einer Verletzung vor 2 Jahren, 
ist eine starke Schwellung des licken Kniegelenkes ein¬ 
getreten mit Schmerzhaftigkeit bei Bewegung. Das Knie 
kann nur bis zum rechten Winkel gebogen werden, 
crepitiert stark, der Gang ist mehr nach der rechten 
Seite geneigt,- weil das linke Knie geschont wird. Festes 
Auftreten ist unmöglich. Pat. war schon in Teplitz. In 
Königsberg wurde ihr Operation vorgeschlagen, aber 
ohne Garantie auf Erfolg. Nebenbefund starke Venener¬ 
weiterungen. Bei der Fibrolysinbehandlung machte Pat. 
merkliche Fortschritte. Die Beugung des 1. Knies konnte 
in immer grösserem Winkel vorgenommen werden, der 
Gang wurde normal und Pat. denkt jetzt nicht mehr 
an eine Operation. Pat. ist selbst ausserordentlich mit 
dem erzielten Erfolge zufrieden, der weit ihre Erwar¬ 
tungen übertrifft. 

Fall IX. Herr R. 26 a. n. aus Kowno hat vor 
6 Wochen (Ende Juni 1903) eine Gonorrhoe acquiriert, 
die sofort mit Gelenkschwellucgen eiusetzte. Trotz ener¬ 
gischer Behandlung stetige Verschlechterung des Zu¬ 
standes mit weiter fortschreitenden Schwellungen. Kommt 
deswegen nach Kemmern, wo ich ihm ausser Schwefel¬ 
und Moorbädern noch Fibrolysin verordne, mit weuig 
Hoffnung auf einen baldigen Erfolg, da meinen Erfah¬ 
rungen nach, ebenso wie die Polyarthritis chronica pro¬ 
gressiva, die gonorrhoische Arthritis hartnäckig aller 
Therapie trotzt, und ich noch keinen derartigen Fall 
bisher mit Fibrolysin behandelt hatte. Besonders gab 
die Schwere des Falles zu Bedenken Anlass, da Pat. 
ganz hilflos unter heftigen Schmerzen war. Phot. I, die 
erst eine Woche nach Beginn der Behandlung aufge¬ 
nommen wurde, zeigt deutlich die starke Schwellung 
des r. Malleolargelenkes, die Schwellungen an den Hän¬ 
den und dabei war schon eine leichte Besserung ein¬ 
getreten. Üeberraschend schnell wirkte das Fibrolysin 
günstig. Nach der 20. Einspritzung konnte man täglich 
die Besserung, ich möchte sagen, messen. Dieser hilf¬ 
lose, schwere Mann, der von zwei kräftigen Menschen 
unter starken Schmerzäosserungen seinerseits, nur mit 
Mühe gehoben werden konnte, fing schon nach der 25. 
Einspritzung selbst za gehen an, begann sich selbst zu 
helfen und habe ihn mit gutem Gewissen nach 40 Ein¬ 
spritzungen als geheilt entlassen können. Phot. II ist um 
die Zeit der 30. Einspritzung gemacht worden, bietet 
aber einen so grossen Unterschied gegen Phot. I, dass 
man sich auch ohne Ergänzungsphotographie den Gang 
der Besserung vorstellen kann. Leider war in der 
ganzen letzten Zeit der Behandlung die Witterung zu 
schlecht, um im Freien den Pat. photographieren zu 
ktionen: die Aufnahme im Zimmer hätte nicht so deut¬ 
lich die Unterschiede von den früheren Bildern wieder- 
gebeu können. 

Obgleich noch eine ganze Reihe von Fällen mir zur 
Verfügung steht, will ich um Wiederholungen zu ver¬ 
meiden, die Casuistik mit diesen 9 Fällen schliessen. 
Ich glaube in dieser Auswahl, wie ich sie hier gebracht 
habe, ein recht umfassendes Bild gegeben za haben. 

Es erübrigt noch die Frage, worauf beruht wohl die 
Wirkung des Fibrolysins? So einfach und deswegen 
plausibel die Erklärung Saifelds auch lautet, dass 


hier die eine Hyperämie hervorrufende Wirkung der 
Salicylsäure die Hauptrolle spielt, Hesse sich doch diese 
schwer beweisen. Ist ja der Salicylgehalt, den die Pat. 
bei der Fibrolysinbehandlung einverleibt bekommen, ein 
um vieles geringerer als bei der internen Medication. 
Wenn auch die Salicylsäure nach Bier n. a. als ein 
in der Peripherie stark Hyperämie erzeugendes Mittel 
nachgewiesen ist, und diese Hyperämie beim Gelenk¬ 
rheumatismus und den ihm verwandten Krankheiten 
einen mächtigen Heilfactor darstellt, sehen wir doch 
eine ganze Reihe von Fällen, wo die Salicylsänre in sehr 
grossen Dosen (viel grösseren als bei der . Fibrolysinbe- 
handlnng) gegeben wirff und absolut erfolglos; wo aber 
die Fibrolysin-Cur geradezu Wunder bewirkt. 

Auf die chemische Formel und Darstellung des Fi- 
brolvsins näher einzugehen, dürfte ich wohl verzichten, 
ich brauche blos auf die Arbeiten von Lewandowsky, 
Mendel and Wolf hinzu weisen, die erschöpfend dieses 
Thema behandelt haben. 

Nur kurz möchte ich hervorheben, dass das Fibrolysin 
ein von Mendel-Essen aus Thiosinamin nnd Saii- 
cylsänre hergestelltes Präparat ist, welches die Fabrik 
von Merck in Darmstadt in zugeschmolzenen, sterilen 
Ampullen mit 2—3 Cbctm. Inhalt liefert. Es hat den 
Vorzug vor dem Thiosinamin, dem Allylsulfoharnstoff, 
der leichten Löslichkeit im Wasser, jler grösseren Halt¬ 
barkeit nnd geringen Schmerzhaftigkeit bei Injectionen. 

Nach den mikroskopischen Untersuchungen von Glas 
an Narbengewebe treten bei Anwendung Thiosinamins 
(Fibrolysins) im Gewebe folgende Veränderungen auf. 
Zahlreiche Rundzellen, zwischen ihnen eingesprengt eine 
Anzahl epithelioider Zellen, teils hyalin degeneriert, 
teils als Miculiczsche Formen. Auffallend sind die das 
Granulationsgewebe weithin durchziehenden Bindegewebe- 
stränge, welche eine von anderweitigem Narbengewebe 
abweichende Gestaltung zeigen. Die Grenzen der einzel¬ 
nen Bindegewebsfasern sind auffallend undeutlich, die 
einzelnen Conturen verwischt, die’ Bindege webskerne an 
einzelnen Stellen weit von einander abgedrängt, der 
ganze Strang zeigt ein stark gequollenes Aussehen, die 
Bindegewebsfasern sind walstig und gedehnt.“ 

Als Erklärung für die Wirkung des Thiosinamins 
(Fibrolysins) wird die Chemotaxis herangezogen (Grawitz, 
Mellin), es tritt eine chemische Autolyse mit Anlockung 
von Leucocyten. Auflockerung des Gewebes durch diese, 
und Resorption der Zerfallsprodncte auf. S p i e g 1 e r, 
v. Hebra und Gärtner betonen als Hauptagens die 
lymphagoge Eigenschaft des Thiosinamins • Fibrolysins: 
Hartz vergleicht die Wirkung mit der der Organaera. 
Lewandowsky wieder deutet ausdrücklich auf die 
hyperämisierende Eigenschaft, die es mit dem Senfoel 
gemeinsam hat, hin. Die Summa aller dieser Wirkungs¬ 
weisen könnte, falls sie erwiesen wäre, schon eine gün¬ 
stige Beeinflussung verständlich machen. Scheiden wir 
aber die Theorie von dem feststehenden ab, so müssen 
wir die Wirkung nach folgenden Richtungen als sicher 
erklären. 

1. Die lymphagoge Wirkung ist von unbefangenen 
Forschern deutlich nachgewiesen worden im Tierexperi¬ 
ment und am Menschen. 

2. Die hyperämisierende Wirknng besteht sicher. 

3. Die chemotactische Wirkung. Diese wäre an der 
Injectionsstelle, da das Fibrolysin sehr gut als Fremd¬ 
körper chemotactische Anregung entfalten kann, leicht 
erklätfich. Schwieriger ist es jedoch mit der Fern wir¬ 
knng, warum wir Erfolge in distalen Gelenken sehen, 
wenn wir in die Glntaei einspritzen. Nehmen wir aber 
an, dass die Lencopenie, die Löwitt, Richter und 
Offergeld kurz nach derlnjection bis zu 1500—4000 
Leucocyten pro cmm. sicher beobachteten, um nachher bin¬ 
nen 4*—6 Standen auf die normalen Verhältnisse zurückzu¬ 
gehen, im Verein mit der Iympbagogen und hyperämi- 


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7« 


misierendea Wirkung sich am Locus minoris resistentiae, 
also an den erkrankten Gelenken abspielen durfte, so 
wäre eine zwar theoretische, vielleicht aber doch natür¬ 
liche Erklärung abgegeben. 

Die grossen Erfolge, die mit sehr grossen Namen eng 
verknüpft waren, hatten das Thiosinamio-Fibrolysin auf 
ein solches Piedestal gestellt, dass es aussah, als wäre 
in ihm der Stein der Weisen fUr die Medicin entdeckt 
worden: und der Rückschlag musste erfolgen! Die Lite¬ 
ratur war derart angewachsen, dass man vor lauter Bäu¬ 
men den Wald nicht sehen konnte und ich muss voll¬ 
ständig den Worten Wolfs beistimmen, dass zu leicht 
aus dem post auf das propter hoc geschlossen wurde, 
wobei ich aber seinem Vordersätze, dass alle guten Re¬ 
sultate skeptisch aufznfassen sind, keinesfalls beistimmen 
kann. Es gilt blos den Weizen vom Spreu zu sichten, 
damit eine reinliche Scheidung zwischen dem sicheren 
und dem gewollten Resultate ermöglicht wurde, und da¬ 
mit jeder Anstoss Wegfälle. Bei dieser Art der Forschung 
würde allmählich das Indicationsgebiet für das Fibro- 
lysin in die rechten Bahnen gelenkt werden, die Erwar¬ 
tungen nicht mehr so hoch geschraubt sein, aber das 
Gute würde Allgemeingut werden. So dürfte es sich 
Lohnen, die Untersuchungen Uber die Wirkung des 
Fibrolysins bei narbigen Veränderungen am inneren Ohre 
weiter fortzusetzen, da eine ganze Reihe von unbefange¬ 
nen kritisch prüfenden Autoren, wie Hirschland, 
Cassel, Tonsey, Sogar, Glas gute Erfolge er¬ 
zielt haben. Auch bei narbigen Prozessen, bei denen 
aber die Indicationen streng zu stellen sind, sollte das 
Fibrolysin weiter in Anwendung bleiben. Nicht alle 
Dupuytrensche Contracturen sind auf Fibrolysin zurück¬ 
gegangen, da müsste man eben unterscheiden lernen, 
welche Fälle geeignet wären, welche nicht. Eine ganze 
Reihe von Autoren will bei Sclerodermie mit Thiosi- 
namin-Fibrolysin Erfolg gesehen haben: ich habe es in 
2 derartigen Fällen ,mit absolutem Misserfolge ange¬ 
wandt. Bei Urethralstenosen sollte man ebenfalls, bevor 
zu eingreifenderen Massnahmen geschritten wird, das Fib¬ 
rolysin versuchen (Lang, Scho wrp, Becker). Nicht 
entbehren wollte ich das Fibrolysin in den schweren 
Fällen von Polyarthritis, wo unsere guten Resultate, 
gleich denen Salfelds, Beckers, Tesche ma¬ 
che rs weitere Nachprüfungen veranlassen dürften. 

Literatur. 

1) v. öebra,Archiv f. Dermatologie, 1892—1899. 2) Ton- 
sey-Sinclair, New-York Med. Jonrn. Bd. 63. 3) J u 1 i u 8- 
b e r g, Deutsche med. Wochenschrift 1901. Nr. 36. 4) L a t z k o, 
Wiener kh Wochenschrift, 1892. Nr. 6. 5) L e w a n d o w s k y, 
Ther. d. Gegenwart, 1903. Nr. 10. 6) böilkea, Archiv t. 
exper. Pathol. u. Therapie. iid. 28. 7) Glas, Wiener kl. Wo¬ 
chenschrift, 1903. N. 6 und 11. 8) Richter, Wiener ined. 
Wochenschrift, 1893. 9) Mertens L. J., Wratscn, 1894. 10) 
Mertens L. J., Archiv f. Dermatologie, ßd. 30. 


Zur operativen Behandlung der chronischen 
abscedierenden Prostatitis. 

(Vortrag, gehalten im Verein St. Petersburger Aerzte). 
Von 

Dr. med. P. v. Wiehert. 


In den folgenden Ausführungen will ioh einen opera¬ 
tiven Eingriff besprechen, der in letzter Zeit füt* die 
Behandlung eines Leidens vorgeschlagen worden ist, 
welches durch seiue lauge Dauer häufig für die Fat. 
etue grosse Belästigung bildet, uämlich die chrouischen 
Eueruugeu in der Prostata. Wenu wir von den durch 
Tuberculose, durch Fremdkörper, durch Traumen und 
durch Metastasierung von einem anderen Herde im 


Körper verursachten Eiterungen absehen, haben wir 
diese Erscheinung am häufigsten im Verlaufe und Ge¬ 
folge der Gonorrhoe zu beobachten, nebenbei, aber mit 
weit geringerer Häufigkeit als Endstadium der Prosta¬ 
titis, die auf chronischen Congestionszuständen beruht. 
Ueber die Häufigkeit der Prostatitis bei Gonorrhoe hat 
sich im Laufe der letzten Jahre in den Ansichten der 
Aerzte ein grosser Waudel vollzogen — Fürbringer 
z. B. erklärte sie noch in den 80-ger Jahren als ver¬ 
hältnismässig seltene Coraplication, während man jetzt 
allgemein der Ueberzeognng ist, dass in der überwälti¬ 
genden Mehrzahl aller Gonorrhoen die Prostata in mehr 
oder minder hohem Grade beteiligt ist. (Casper z. B. 
schätzt in seinem „Lehrbuch der Urologie" von 1903 
den Procentsatz anf mindestens 85). Diese Erkenntnis 
ist ans geworden dank den methodischen Untersuchungen 
der Prostata and ihres Secrots, wobei als Kriterium der 
Erkrankung die Anwesenheit von Eiter in diesem gilt, 
ohne Rücksicht auf vorhaudene oder fehlende subjective 
Symptome, die in früherer Zeit als das ausschlaggebende, 
wenn nicht alleinige Moment galten. Andererseits haben 
wir durch diese Untersuchungen auch die Erfahrung 
gewonnen, dass es eine ganze Menge Prostatitiden gibt, 
die subjectiv völlig symptomlos verlaufen. 

Wenn wir uns den Gang der Infection der Urethra 
post, vergegenwärtigen, so ist klar, dass dabei auch 
sofort die Ausführungsgänge der Prostata in Mitleiden¬ 
schaft gezogen werden können, eigentlich müssen — 
durch Verschwellung derselben entsteht sofort Stauung 
in der Drüse, als klinischer Ausdruck derselben der 
desquamative Katarrh, Trübung der 11. Harnportion und 
Anschwellung des Organs. Uebrigens variiren die Symp¬ 
tome je nach Acuität des Processes und Ausdehnung 
der befallenen Partien bedeutend und kommen hier 
auch weiter nicht in Betracht. Von diesem Stadium aus 
kann sich die Erkrankung entweder zurückbiiden, oder 
chronisch werden, oder noch weiter fortschreiten. 

In letzterem Falle tritt, während der Eotzündungs- 
process anf das perialveoläre prostatisebe Bindegewebe 
übergreifend za einer immer reichlicheren eitrigen Secre- 
tion führt, am Ansführungsgange, an der Stelle, wo 
das geschichtete Pflasterepithel in das kubische der 
Drüsenaiveule übergeht, ein Verschluss ein; infolge 
dessen kommt es zu Stagnation der eitrigen Massen mit 
Einschmelzung des umgebenden Gewebes. Dieses Moment 
kann in zweifacher Weise in Erscheinung treten: sehr 
stürmisch, mit hoher Temperatur unter starken lokalen 
und allgemeinen Symptomen. Diese Form war die in 
früherer Zeit ausschliesslich bekannte Prostatitis, führt 
in ihrem peracuten Verlauf zu rascher eitriger Ein- 
schmelzuog der Drüse oder einzelner Teile derselben, 
kann auch mituater eitrige Phlebitis verursachen und 
kann schliesslich spontan nach Rectum oder Blase durch¬ 
brechen. 

Die andere Erscheinungsweise der Abscessbildung in 
der Prostata geht bei weitem ruhiger vor sich, häufig 
sogar unbemerkbar für den Pat., in dessen Krankheits- 
bewa8steein die Vorgänge in der Harnröhre die grösste 
'Rolle spielen. Es kommt hierbei entweder zur Bildung 
einzelner grösserer Abscesse, die von einer richtigen pyo¬ 
genen Membran ausgekleidet mit einem mehr oder minder 
derben Bindegewebswaii umgeben sind, oder zu mehr 
indurativen Processen, bei denen kleine Eiterherde in 
reichlichem Bindegewebe eingebettet liegen — beide 
Typen mit häufigeu Uebergängen iu einander, so dass 
man oft in der einen Prostatahäifte die eine, in der 
auderen die andere Kraukheitslurm vurfiadet. 

Diese chronisch eiusetzendea and verlaafeuden Prosta¬ 
titis! ormen sind nun diejenigen, auf deren operative Be¬ 
handlung ich ihre Auimerksamkeit lenken möchte. Den 
snbjectiven Symptomen nach können sie sehr ver¬ 
schieden charaoterisiert sein. Zunächst ist daran festzo- 


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halten, dass ebenso wie die acute anch die chronische 
Prostatitis snbjectiv völlig syroptomios verlanfen kann; 
es handelt sich dann doch fast immer um die nicht sehr 
hochgradig ergriffenen Fälle, solche, in denen die Ent¬ 
zündung auf einem geringeren Grade Halt gemacht hat— 
diejenigen, die schon bis Einschmelznng und Abscess- 
bildung gediehen sind, lassen wohl kaum ein oder das 
andere der bekannten subj. Prostatitissymptome (Harn¬ 
drang, Schmerzen beim Urinieren, abnorme Sensationen 
in Damm, Rectum und Oberschenkeln, Kitzel, Druck u. 8. w.) 
vermissen. 

Von objectiven Symptomen der uns hier interes¬ 
sierenden Prostatitisformen kommen zunächst in Betracht 
die palpatorischeo Veränderungen an der Drüse. In den 
ausgesprochenen alten Fällen mit Abscessbildung ist der 
Untersuchungsbefund per Rectum ein ganz characteri- 
stischer: zunächst pflegt der Umfang der Drüse meist 
vergrössert zu sein; manchmal ist sogar die normale 
Configuration der Prostata garnicht mehr zu erkennen. 
Statt derselben fühlt man eine derbe Platte mit einzel¬ 
nen, verschieden grossen, eiodrtlckbaren Stellen, die 
oft von scharfon, wallartigen Rändern umgeben sind. 
Von diesen extremen Fällen bis zu denen, wo man 
palpatoriscb kaum etwas Pathologisches Anden kann, 
kommen alle Uebergänge vor. Ein zweites objectives 
Symptom ist die Pyurie, welche durch das Hineinge¬ 
langen infectiösen Prostatainhaltes iu die Blase entsteht. 
M i n e t macht gerade für diese Erscheinung die spontan 
nach der Urethra perforierten kleinen Abscesse ver¬ 
antwortlich, die der Recialpalpation entgehen. Diese 
Pyurie trägt häufig einen intermittierenden Character. 

Das wichtigste und wesentlichste Symptom ist die 
Entleerung von Eiter durch Expression der Prostata 
und dieses ist auch beim Fehlen aller weiterer Krank- 
heitszeichon bestimmend und beweisend, es sei denn, 
dass wir es mit vollständig zur Urethra abgeschlossenen 
Ahscessen zu tun haben, welche aber dann der Rectal¬ 
untersuchung nicht entgehen würden. Goldberg hat 
freilich kürzlich nachgewiesen, dass auch in Fällen reiner 
Prostatahypertrophie ohne irgendwelche gonorrhoische 
oder anderweitige entzündliche Antecedenlien Lenko- 
eyten im Secret Vorkommen können — es ist dasselbe 
aber in solchen Fällen stets spärlich und schwer er¬ 
hältlich nnd daher kann man im Allgemeinen ans dem 
Vorhandensein von Eiterkörperchen stets auf eine Prosta¬ 
titis sch Hessen. 

Die bacteriologische Untersuchung des exprimierten 
Secrets lässt häufig, namentlich in den älteren Fällen, 
Gonococcen vermissen, sie gehen dann unter; anderer¬ 
seits können sie sich auch wieder sehr lange halten, so 
habe ich sie einmal in einem Falle gefunden, wo die 
lufection über 20 Jahre zurücklag. Sehr oft dagegen 
findet man in dem Eiter eine Menge anderer Bacterien, 
natürlich ist es in solchen Fällen unmöglich zu ent¬ 
scheiden ob sie sich secundär in dem Urethral secret 
vermehren und dann nach oben gelangen, oder ob sie 
primär dem Prostataeiter beigemengt sind. In anderen 
Fällen wiederum enthält der Eiter bei mikroskopischer 
Untersuchung g&r keine Bacterien. 

Für Diagnose und Therapie sind diese Schwankungen 
im Uutersnchnngsbefnnd belanglos, wichtiger dagegen 
ist die Tatsache, dass anch der scheinbars v. v. „asep¬ 
tische" Eiter für die Frau eines solchen Pat. anch die 
Veranlassung verschiedener catarrhalischer Zustände 
werden kann. Ueberaus häufig sind in der Praxis solche 
Fälle, wo trotz mehrmaliger und sorgfältiger negativer 
bacteriologiscber und cnltureller Analyse des Prostata¬ 
eiters anf Gonococcen and andere Bacterien es dennoch 
zu einer Erkrankung der Fran kommt. Der Eheconsens 
ist daher bei vorhandener Prostataeiterung unbedingt 
erst nach dem Versehwinden jeglichen Eiters aus dem 


Exprimat zu erteilen und nicht nnr von dem Nichtvor- 
handensein der Gonococcen abhängig zu machen. 

Auf ein Symptom der chron. Prostatitis ist schon vor 
einigen Jahren von Gasper aufmerksam gemacht worden. 
Es ist das Vorkommen von Residualharn. C. erklärt es 
für durch einen Contractionszastand des Sphincter be¬ 
dingt. Plausibler erscheint mir die in neuerer Zeit von 
Goldberg für diese Erscheinuug gegebene Erklärung, 
der darin einen paretischen Zustand der Blase erblickt, 
ln wieweit dabei anch noch rein mechanische Bedingun¬ 
gen für die Retention mitwirken, bleibe nnerörtet. 

Für die Behandlung der chron. Prostatitis sind 
im Allgemeinen Massage nnd Spülung die wirksamsten 
Mittel. Nebenbei werden Snppositorieo, Sonden, kleine 
Klysmen, Bäder, locale Hitzeapplio&tionen etc. mit Vor¬ 
teil angewendet. Die ßehandlung ist wie bekannt meist 
eine langwierige nnd stellt sowohl an Geduld and Er¬ 
fahrung des Arztes als auch an die Ausdauer des Pat. 
häufig grosse Ansprüche. Natürlich wird mau um so 
eher Aussichten auf Erfolg haben, je leichter der Grad 
der Erkrankung und je frischer der Fall ist — die 
congestiven resp. catarrhalischen Stadien wird man rela¬ 
tiv leicht beseitigen können, schon schwerer die unter 
Bildung kleinerer Abscesse einhergehenden Fälle. Ist es 
aber zur Bildung der grossen schlaffen Abscesse ge¬ 
kommen, so lassen doch die therapeutischen Verfahren 
meist im Stich, hin und wieder mag es unter Aufbietung 
enormer Geduld und Consequenz bei jahrelanger Behand¬ 
lung mal bei einem und dem anderen Fall znr Aus¬ 
heilung kommen, im Allgemeinen gibt es nnr Besserun¬ 
gen, im günstigsten Fall scheinbare Heilungen. Die Pat. 
gewöhnen sich an einen gewissen Restbetrag ihres 
Leidens, schenken kleinen Harntrübuqgen und Secretio- 
nen keine Aufmerksamkeit nnd halten sich im Uebri- 
gen für gesund. Ciechanowski hat vor einigen 
Jahren auf die Bedeutung der chron. Prostatitis beim 
Zustandekommen des Symptomcomplexes von Harn¬ 
störungen im vorgerückten Alter hingewiesen und 
schreibt ihr die fast ausschliessliche Rolle für das Zu¬ 
standekommen der Hypertrophie zu. Nach neueren 
Untersuchungen von Motz und Percarnau findet 
aber bei der reinen Hypertrophie eine ausschliessliche 
Neubildung drüsigen und musculären Gewebes statt, 
Eutzündungsvorgänge fehlen dabei. Die einander zu 
widersprechen scheinenden Resultate beider anato¬ 
mischer Arbeiten finden ihre Erklärung darin, dass viele 
(vielleicht auch die meisten) klinisch als Prostatahyper¬ 
trophie bezeichneteu Fälle ia rein anatomischem Sinne 
es garnicht sind, sondern chroniohe Prostatitiden, die in 
jahrelangem Bestehen dann auch zu Veränderungen der 
oberen Harnwege führen. 

Während für die acuten, phlegmonösen Prostataei te- 
rungen die Indicätion zum operativen Eingriff dnrch die 
Schwere der allgemeinen nnd localen Symptome leicht 
gegeben ist, ist es verhältnismässig nicht lange her, 
dass man sich bei der Behandlung der chronischen Eite¬ 
rungen anf Empfehlung verschiedener Autoren (D e s - 
nos, E9cat, Albarran u. a.) des Messers bedient. 
Im Allgemeinen gilt für die Notwendigkeit des opera¬ 
tiven Eingriffs als bestimmend die Aussichtslosigkeit der 
angewandten Therapie, nebenbei werden von den ein¬ 
zelnen Autoren auch noch andere Gesichtspuncte gel¬ 
tend gemacht. So hält z. B. Desnos die ; eitrige Pro¬ 
statitis an und für sich, ganz abgesehen von dem Be¬ 
stehen eines Abscesses für ein Object chirurgischen Ein¬ 
griffes, da stets die Gefahr eines Uebergreifens des Eite¬ 
rn ngsprocesses auf das periprostatische Gewebe und 
daraus Allgemeininfeetion drohe. Ebenso befürworten 
Albarran und Mi net die frühzeitige Incision, wäh¬ 
rend auf dem französischen Urologeucongress 1907, wo 
dieses Thema auf der Tagesordnung stand, nur wenige 
Redner eine durchaus abwartende Therapie befürwor- 


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teten. Dagegen waren bei d i a g n o s t i e i e r t e m 
Abscess alle Teilnehmer an der Discussioo auf dem ge- 
nannten Congress darin einig, dass operiert werden 
müsse, einige wenige waren für Eröffnung vom Rectum, 
die grösste Mehrzahl hielt den perinealen Eingriff für 
indiciert. Weniger Einstimmigkeit herrscht in Hinsicht 
auf die operative Behandlung der kleinen multiplen 
Abscesse, ebenso gewichtige Stimmen sprechen zu Gun¬ 
sten einer frühen Eröffnung wie für eine zunächst ab¬ 
wartende Therapie. Seinen Grund hat das zum Teil 
wohl auch darin, dass die Grenze zwischen Prostatit. 
chron. katarrh und purulenta und kleinen Abscessen oft 
garnicht zu ziehen ist. 

Al bar ran unterscheidet in Hinsicht auf die thera¬ 
peutischen Indicationen 4 Arten von Prostataabscessen: 

1) Acute geformte Abscesse mit Fieber und Hainbe¬ 
schwerden ; in diesen Fällen ist der perineale Eingriff 
angezeigt, das Eingehen vom Rectum wegen Gefahr von 
Urethro rectal fisteln und unvollkommener Heilung zu ver¬ 
werfen. 

2) Abscesse mit weniger drohenden Erscheinungen. 
Auch da muss man den Abscess vom Perineum aus er¬ 
öffnen, ohne drohende Symptome abzuwarten, besonders 
da bei spontaner Eröffnung der Abscesse nach der Harn¬ 
röhre zu die Prostatitis nicht ausheilt und oft Peripro¬ 
statitis mit allgemeiner Infection sich anschliesst. 

3) Chronische Prostatitis mit zahlreichen mehr oder 
minder nach der Harnröhre zu offenen Eiterherden: für 
diese Fälle sind Massage und Spülungen am Platz. Hier¬ 
her gehören auch die Fälle alter Abscesse, die nach der 
Harnröhre durchgebrochen, aber unvollkommen geheilt 
sind; wenn Massage und Sptilnngen versagen, muss nach 
Perineotomie ein Curettement der Prostata ohne Eröff¬ 
nung der Harnröhre und mit Verschonung der canalicuii 
ejaeulatorii gemacht werden. 

4) Die Abscesse der hypertrophischen Prostata, für 
welche die perineale Prostatectomie indiciert ist. 

Diese AI bar r an sehe Einteilung ist sehr übersicht¬ 
lich und klar — ich habe mich auch bei der Indica- 
tionsstellung für meine Fälle an sie gehalten. Ich habe 
die Operation im Laufe der letzten l 1 /* Jahre an 7 Pat. 
gemacht, und will, um nicht durch Wiederg be in ex¬ 
tenso der etwas einförmigen Krankengeschichten zu er¬ 
müden, letztere unter Weglassung alles Unwesentlichen 
summarisch abhandeln. 

Die Fälle betrafen teils meine Privatpatienten, teils 
Kranke des Börsenhospitals. Einer war 48 Jahre alt, 
die anderen zwischen 25 und 35. Die gon. Infection 
lag bei 5 mehrere Jahre zurück, einer war 4 Monate 
krank. Fieber über 38 bestand bei einem Pat., der eine 
Recrudescenz einer älteren bestehenden Prostatitis hatte, 
Temperaturen um 37,5 waren bei einem Pat., die anderen 
waren fieberlos. Gerade diese letzteren waren schon 
längere Zeit verschiedenartig ohne dauernden Erfolg 
behandelt worden — immer wieder gab es Recidive, 
A nsfluss und verschiedene Sensationen am Damm. Ueber 
Schwere im Kreuz klagten alle Pat., die beiden fiebern¬ 
den hatten auch stärkere Schmerzen und Reizerschei¬ 
nungen bei der Miction und vollkommen trüben Harn, 
während die anderen leicht getrübten und zum Teil 
.klaren Harn mit Bröckeln und Fäden aufwiesen. Das 
exprimierte Prostatasecret enthielt in allen Fällen Eiter, 
3 von den älteren Fällen eine reichliche Bacterienflora 
(Secundärinfection), in 1 (dem frischeren) Falle auch 
Gonococcen. Palpatorisch per Rectum waren in 4 Fällen 
grössere (bis zu 3 Kop. grosse) Abscesse zu fühlen, 
während 2 mehr das Bild der Durchsetzung mit klei¬ 
neren Eiterherden darboten. In 2 Fällen war der 
Abscess beiderseitig, in 4 einseitig (3 rechts, 1 links). 

Der Eingriff selbst bestand in allen Fällen in prärec- 
m Bogenschnitt, Ablösung des Sphincter vom Bulbus, 


Durchtrennung des M. rectonrethraliSj Spaltung der 
Prostata auf einer oder beiden Seiten, je nachdem die 
Abscesse sassen, Drainago der Höhlen, Tamponade der 
mittleren und Naht der seitlichen Partien der Wunde. 
In meinen ersten 2 Fällen habe ich die Operation ohne 
Eröffnung der Urethra gemacht, später habe ich immer 
die Urethra membranacea eröffnet, einen Prostataretractor 
eingeführt und die Drüse nach unten gezogen. Dieses 
Verfahren hat sehr viel für sich, man gewinnt bedeu¬ 
tend an Uebersicht, die Incision der Prostatakapsel lässt 
sich unter Controlle des Auges vollziehen und eine even¬ 
tuelle Blutung besser beherrschen. Auch das Eindringen 
in die Drüsensnbstanz wird wesentlich erleichtert. Bei 
der Operation muss man darauf achten, dass man ge¬ 
nügend die znr Urethra vorgehobene Partie des Rectum 
ablöst; wenn das nicht genügend geschieht, arbeitet man 
sich unfehlbar in die obersten Schichten des Rectum hinein, 
wodurch die bei richtigem Vorgehen nicht blutige Ope¬ 
ration zu einer sehr blutigen werden kann und die 
Uebersicht sehr erschwert wird. — Proust führt so¬ 
gar Fälle an, wo die Operation aus diesem Grunde 
nicht vollendet werden konnte. 

In den Abscessen findet man oft sehr wenig Eiter, 
meist ist die Abscessmembran nur mit schleimig-eitrigen 
Massen belegt, deren Entfernung durch Austupfen ge¬ 
lingt. Curettiert habe ich die Abscesshöhle nur einmal, 
in allen anderen Fällen wurde nur eröffnet, und durch 
einen Isoformstreifen drainiert. Durch die Urethral¬ 
wunde wurde ein dicker Nelalonkatheter in die Blase 
eingefübrt und für mehrere Tage liegen gelassen. 

Der postoperative Verlauf war in allen Fällen ein 
glatter, kleine Teruperaiursteigerungen gab es in fast 
allen Fällen in den ersten Tagen. Die Nachbehandlung 
bestand in den meisten bällen nur in Tamponwechsel 
und Blasenspülu’ gen; in dem einen Falle wo noch Gono- 
ooccen nachzuweisen waren, wurde auch die Urethra 
nachbehandelt. 

Bis znm völligen Schloss der Wunde vergingen 3—4 
Wochen, in einem Falle dauerte es über 6 Wochen, da 
ich sehr lange wegen sich wiederholender Blutungen au6 
den Venenplexus tamponieren musste, schliesslich verlief 
auch dieser Fall gut. Das Endresultat kann ln allen 
Fällen durchaus befriedigend genannt werden, die Pat. 
sind alle von ihren Beschwerden geheilt. 3 von ihnen 
habe ich nach der Entlassung nicht wieder gesehen, bei 
den anderen habe ich Gelegenheit dazwischen mich von 
der Dauerhaftigkeit der Heilung zu überzeugen. ! 

Ueber die beiden anderen Verfahren zur Eröffnung 
prostatischer Eiternngen, vom Rectnm, resp. der fossa 
isohio-rectalis aus, fehlen mir persönliche Erfahrungen. 
Das Eingehen vom Mastdarm aus erscheint mir aber reia a 
priori nicht geeignet, gerade bei den schlaffen chroni¬ 
schen Abscessen genügenden Abfluss und günstige Hei- 
lnngsbedingungen herbeizufüüreu, zudem ist es ein Ope¬ 
rieren im Dunkeln und in einem unsauberen Terrain. Es 
wird dennoch häufig empfohlen, u. a. auch noch neuer¬ 
dings von Vogel in einer Arbeit: Die eitrigen Erkran¬ 
kungen der Prostata. Ich habe beim Lesen dieser und 
anderer Mitteilungen, in denen das rectale Vorgehen 
empfohlen wird aus den Beschreibungen der dasselbe in- 
dicierenden Zustände immer den Eindruck gewonnen, dass 
den betreffenten Autoren stets das Krankheitsbild der 
acuten eitrigen Prostatitis vorschwebt, für diese Kate¬ 
gorie mag das Verfahren, namentlich in der ländlichen 
Praxis seine Berechtigung haben — in der Behandlung 
der chron. Abscesse ist ihm aber die perineale Opera¬ 
tion unendlich überlegen. 

Die von L u s k für die Behandlung fluctoierender Pro¬ 
stataeiterungen empfohlene Incision vom Cavum isebio- 
rectale aus soll nach des Verf. Angaben Neben Verletzun¬ 
gen sicher vermeiden lassen; ob das Verfahren sonst noch 
angewandt wird, ist mir unbekanot, 


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Günstig verlaufende Fälle gestatten natürlich keine 
weitgehenden Folgerungen; immerhin halte ich mich be¬ 
rechtigt anf Grund derselben und nach Kenntnisnahme 
der einschl. Literatur zu folgendem Schluss zu kommen: 

Für die chronische Prostatitis, die zur Bildung grosser 
schlaffer Abscesse, resp. zur Durchsetzung mit vielen 
kleinen Eiterherden führt und den übrigen Behandlnngs- 
sittein trotzt, ist die perineale Prostatotomie mit Er¬ 
öffnung und Drainage der Höhlen zu empfehlen. Das 
Verfahren ist technisch nicht schwierig und ermöglicht 
Wiederherstellung der Pat. in relativ kurzer Zeit. 


Referate. 

H. Wilson. Treatment of nminited fractnres of the 
neck of the femur by the use of coin silver nails. 
Behandlung der unvereinigten Schenkelhalsfracturen 
mittelst geprägter Silbernägel. (Americ. Journal 
of orthopedic surgery. Januar. 1908). 

Verfasser empfiehlt warm in Fällen von nicht zusammen- 
gewachsenen intracapsulären Schenkelhalsfracturen nach dem 
Vorschläge von Nicolaysen die nebeneinander liegenden 
Fragmen te mittelst langer silberner Nägel zusammenzunageln. 
Ein 4 Zoll langer und 3 /s Zoll dicker Nagel wird durch eine 
kleine Incision nnter der Spitze des Trochanter durch den 
Schenkelhals und Scbenkelkopf bis ins Acetabulnm hineinge- 
jagt; Aber dem Nagelkopf wird die Hant vernäht. Die wenig 
icbmerzhafte Operation kann unter Localanästhesie oder sogar 
ohne jegliche Narcose ausgeführt werden. .Der Kranke nimmt 
bei der Operation die Rückenlage ein, das beschädigte Bein 
wird möglichst abduciert; der Nagel wird also in horizontaler 
Lage ein geschlagen. Nach der Operation wird auf einige Mo¬ 
nate ein fixierender Verband angelegt, in dem der Kranke 
schon nach 2 Wochen aofstehen und auf Krücken hemm* 
gehen kann. Unter dem Reiz des Fremdkörpers tiitt sehr 
raseb eiue Consolidierang der Fragmente ein, wodurch die 
Gobraachsfähigkeit des Beines ganz bedeuteud gebessert 
wird. 

W beschreibt einen Fall, wo diese Operation bei einer 
36-jftbrigea Fran IV> Jahre nach dem Unfall mit dem glän¬ 
zendsten Resultate ansgefühit wurde. Nicolaysen bat 
diese Operation mit Erfolg bei schwächlichen Greisen von 
82 Jahren ansgetührt. 

Weber. 

E. Tel fand. Hydrocele im Kindesalter. (The Medical 
.Chronicle. 1908. Mai). 

Mit Ausnahme der fiydrocelen, die sich nach einem Trauma 
oder einer hereditär luetischen Affection des Hodens ent¬ 
wickeln, ist die Hydrocele bei Kindern als Resultat eines 
unvollständigen Verschlusses des processus vaginalis peritouei 
»Zusehen. Dadurch wird auch das oft vorkommende Zusam¬ 
mentreffen einer Leistenhernie nnd Hydrocele und die ver¬ 
schiedenen Formen der letzteren erklärlich. Bel Kindern ist 
es vorgekommen, dass nach längerem Tragen einer Bandage 
der Leistenbruch geheilt wird, der Hydrocelensack dagegen 
wegen mangelnden Abflusses der Flüssigkeit stärker anschwillt. 
Die Hydrocele ebenso wie der Leistenbruch ist bei Knaben 
fiel häufiger wie bei Mädchen; die techte Seite wird mehr 
bevorzngt. Die Hydrocele partialis funicuiaris, bei welcher der 
»veränderte Hoden appart von der Schwellung durchgefühlt 
werden kann, ist der am meisten vorkommende Typus. Die 
Flüssigkeit kann ans dem Sack nur äusserst selten in die 
Bauchhöhle ausgedrückt werden, obgleich ein enger schmaler 
Kanal fast immer vorhanden ist. Bei Darmstörungen wächst 
der Hydrocelensack oft bedeutend, was auf das Eindringen 
von Flüssigkeit ans der Baachhöhle zurückzuführen ist. In 
zwei Fällen von beginnender Bauchfelltuberculose fingen die 
vorhandenen Hydrocelensäcke mächtig an zu schwellen. Es 
ist zn beachten bei Stellnng der Diagnose, dass bei Kindern 
grosse Enterocelen vollständig durchsichtig sein können, nnd 
dass bei Hernieneinklemmungen bei Kindern die Flüssigkeits- 
ansammlung im Hernienaack sehr gross sein und eine Hydro¬ 
cele vortänschen kann. Die Hydrocelenoperation bei Kindern 
muss ein Anslösen des ganzen Sackes bis znm äusseren 
Leistenring nnd im Vernähen des letzteren bestehen. 

Weber. 


BOcheranzeigen und Besprechungen. 

Sonnenburg uud Mühsam. Compendium der Ver¬ 
bandlehre. Berlin. Hirschwald. Zweite Aufl. 94* S. 

Das Bnch gibt einen Auszug aus den Vorlesungen, die 
Prof. Sonnenburg an der Kaiser-Wilhelms Akademie für 
das militärärztliche Bildtiugswesen hält. Ein grosser Vorzug 
des Compendiums besteht darin, dass keine veralteten Metho¬ 
den geschildert werden, sondern nur solche, die sich den Ver¬ 
fassern in ihrer langjährigen Tätigkeit am Krankenhause Moa¬ 
bit In Berlin bewährt haben. Bei Behandlong von Fracturen 
wird der Extentionsbehandlnug nach Bardenhauer besondere 
Aufmerksamkeit geschenkt. Die kurze und knappe Beschrei¬ 
bung verschiedener Verfahren wird durch gute Zeichnungen 
und Photographien ergänzt. Dem practischen Arzt kann das 
kleine Werk als willkommener Leitfaden empfohlen werden. 

Weber, 

H. Watten borg. Wie verschaffen wir unseren Kin¬ 
dern gesunde Knochen nnd erhöhen dadurch die 
Widerstandskraft des Körpers gegen Krankheit? 
Aerztiiche Rundschau. München. 1908. 

Es ist eine populär gehaltene Schrift, in welcher der Verf. 
auf Erfahrungen auf 60jähriger ärztlichen Praxis basierend, 
seine Ansicht über die Rachitis, die Haupturheberin der Kno¬ 
chenerweichungen, klarlegt. Ebenso wie im Pflanzen- Und Tier¬ 
reich die Individuen, die nicht alle für ihre Ernährung nötigen 
Bestandteile erhalten, allmählich verkümmern und zu Grande 
gehen, erkrankt der Mensch, der für den Aufbaa seiues 
Knochensystems nicht genügend Phosphor und Kalk auf- 
niromt, an Rachitis. Die Rachitis entwickelt sich nicht in den 
frühesten Kinderjabren, sondern meistens schon bevor das Kind 
geboren wird. Deswegen müssen die schwangeren Frauen 
ganz besonders angehalten werden, in diätetischer und hygie¬ 
nischer Hinsicht eine rationelle Lebensweise zu führeu. Ausser¬ 
dem empfiehlt Verf. Phosphor- and Kalkpräparate in gut ver¬ 
daulicher und assimilierbarer Form innerlich zn verabreichen. Es 
gelang ihm ein Präparat herzustellen, das als ein gallenar- 
tiger Knoclienstoff bezeichnet werden kann. Dieses Präparat 
enthält sämtliche Bestandteile des Knochengerüstes in auf¬ 
geschlossener laichtverdaulicher Form als milchartige Flüssig¬ 
keit ähnlich dem Reisschleim. Dieses Mittel ist unter dem 
Namen cWatienberg’s Phosphorkalkmilch» in den 
Handel gebracht worden. Durch fleissige Aufklärung der Be¬ 
völkerung Über das Wesen der Rachitis und über die Mittel, 
um dieser Krankheit vorznbeugen, und durch eine rationell 
durcügeführte Phosphor- nnd Kalktherapie ist es dem Verf. 
gelangen die Zahl der Racbitiserkrankungen in dem Distrlct, 
in dem er über 60 Jahre tätig war, ganz bedeutend zu ver¬ 
ringern. 

Weber. 

Prof. Dr. Nocht: Tropenhygiene. (Sammlung Göschen). 
Verl. G. J. Göschen, Leipzig. 1908. Gebunden 
80 Pfen. 

Ein Taschenbüchlein vou kuapp 90 Seiten, in erster Linie 
für Laien berechnet, aber auch jedem Arzte, der sich als Neu¬ 
ling in die Tropen hegibt, von ldteresse. 

Ohne strenge Capiteleinteilung (welche durch Inhaltsver¬ 
zeichnis und Register beim Nachsclilagen ersetzt wird) behan¬ 
delt Prof. Nocht, der bekannte Leiter des Institutes für 
Schiffs- und Tropenhyaieoe in Hamburg, das ganze Gebiet in 
fortlaufender Darstellung. Er beginnt mit der wichtigsten 
Tropenkrankheit, der Malaria (einschliesslich Schwarzwasser- 
fieber), und wendet sich dann zu den Übrigen durch Insecteh 
vermittelten Infectionen, wie gelbes Fieber, Fiiatiakrankhek, 
Kala-Azar, Zeckenfieber, Schlafkrankheit, Pest; ferner be¬ 
spricht er Typhus und Rahr in Zusammenhang ifiit der 
TrinkwaBserfrage, sowie 1 epra, Geschlechtskrankheiten arid 
Pocken vom Standpuncte des Tropenarztes und gibt das Wich¬ 
tigste über Giftschlangen, ehe er zu den Fragen der Tropen- 
hygiene sensu strictiori übergeht: Einwirkung des Klimas 
auf den Organismus, Essers, Trinken (Alcohol!), Wohnung, 
Kieiduug etc. Den Schluss bilden Betrachtungen über Tropen¬ 
tauglichkeit und Acclimatisation. 

Die knappe, aber frische, fliesseude Darstellung, welche be¬ 
ständig die grosse persönliche Erfahrung der Verfassers 
durchfühleu lässt, bringt es mit sich, dass sich das Büchlein 
wie eine Erzählung liest und iu dem Leser ein zusammenhän¬ 
gendes Bild des besprochenen Gebietes hinterlässt. 

A. W1 a d i m i r o f t. 

K. Ewald. Hilfsbuch zum Anlegen chirurgischer Kran¬ 
kengeschichten. Wien. Franz Deuticke. 1909. 

Jeder Arzt, der sich mit literarischen Arbeiten beschäftigt* 
| weiis es, wie wertvoll es ist, dass die Krankengeschichten* 
I die ihm das Material für seine Arbeit geben sollen, möglichst 


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80 


ausführlich ond exact geführt werden, and dass sie verwahrt 
werden, dass sie im nötigen Falle leicht gefunden und bei 
Nachuntersuchungen der Kranken leicht ergänzt weiden 
können. 

Das obengenannte Buch, das teilweise nach den Vor¬ 
schriften, die in der Ko eher sehen Klinik in Bern befolgt 
werden, verfasst ist. teilweise des Verfassers originelle Mass- 
regeln enthält, zeigt uns auf welche Art und Weise die 
Krankengeschichten so geordnet und verwahrt werden, dass 
sie in jedem Moment leicht gefunden und verwertet werden 
können. Ausserdem gibt er eine ganze Reihe von Kranken- 
geschicbtsschemen, die sehr ausführlich verfasst sind und für 
Hilfsärzte, die mit dem Krankenbogensciireiben noch nicht 
besonders vertraut sind und leicht wichtige Facta tibersehen 
könnten, sehr willkommen sein wird. Am Ende des Buches 
wird ein sehr ausführliches Krankheitsregister für chirur¬ 
gische Krankheiten aufgeftibrt, das aus 406Nummern besteht, 
und nach welchem die Krankengeschichten geordnet werden 
müssen. 

Weber. 

Encjelopfldie der practischen Medicin, heransgegeben von 
Dr. M. T. S c h n i r e r and Prof. Dr. H. Vier- 
ordt unter Mitwirkung zahlreicher Professoren 
und Docenten. Wien und Leipzig 1909, Verlag von 
Alfred Höider, IV. Band (R—Z). 764 Seiten mit 
253 Abbildungen. 

Der IV. Band der Schnirer-Vierordtsehen Encyclo- 
pädie der practischen Medicin *) reibt sich den von uns be¬ 
reits bei ihrem Erscheinen lobend besprochenen ersten drei 
Bänden dieses Werkes ebenbürtig an. Aus der grossen Zahl 
der Artikel dieses Bandes machen wir hier nur einige grös¬ 
sere Artikel namhaft, so den Abschnitt «Bachen», in wel¬ 
chem der bekannte frühere Heidelberger, gegenwärtig Lem- 
berger Laryngologe Prof. A. Jurasz auf 30 Seiten die Ana¬ 
tomie, Physiologie ond die Krankheiten dieses Gebiets, sowie 
die Therapie (einschliesslich der Operationen) bespricht, ferner 
die Artikel: «Badiodiagnostik und Röntgenthe¬ 
rapie» von Docent Dr. Freund -Wien, «Rückenmark s- 
krankheiten» voo Prof. L. Bru h ns-Hannover, «Ve¬ 
nenerkrankungen» von Prof. Payr-Graz, <$tao- 
ungsbyperämie» von Prof. V. Schmieden - Berlin 
*. s. w. —■ ohne damit sagen zo wollen, dass nicht auch die 
übrigen Artikel ebenso sorgfältig von ihren Bearbeitern be¬ 
handelt worden sind. 

Mit dem vorliegenden Bande ist nun die treffliche «Ency- 
clopädfe der practischen Medicin», welche nicht weniger als 
3260 Qnartseiten Text und 1312 Abbildungen enthält, zum 
Abschluss gelangt, Nach eingehender Prüfung des vollende¬ 
ten Werkes muss man den Heransgebern und dem Verleger 
das Zeugnis ausstelien, dasB es ihnen gelnugen ist, die Auf¬ 
gabe, welche sie sich gestellt hatten, dem practischen Arzte 
einen die gesamte Heilkunde umfassende, auf der Höhe mo¬ 
derner Wissenschaft stehenden zuverlässigen Berater nnd 
Führer za geben, bei welchem er über alle in der Ansübung 
der Berufstätigkeit anftanchenden Fiagen eine präcise, auf 
wissenschaftlicher Forschuug und practischer Erfahrung be¬ 
ruhende Aoskunft erhalten kann, in vollem Masse zu erfüllen. 
Es ist in dem Werke dem Bedürfnis der Praxis in erster 
Linie Rechnung getragen und infolgedessen vorwiegend die 
specielle Pathologie und Therapie in allen ihren 
Zweigen sowie die allgemeine Therapie (mit beson¬ 
derer Berücksichtigung der in neuerer Zeit zu hoher Blüte 
gelangten physikalischen Therapie) zur Darstellung gelangt, 
aber auch die Hilfswissenschaften (Anatomie, Physiologie, 
Chemie, Bacteriologie etc.) haben Berücksichtigung gefunden. 
Es kann daher die neue Encyclopädie dem practischen Arzt 
als wertvolles Nachschlagewerk durchaus empfohlen werden. 

Besondere Anerkennung verdient die treffliche Ausstattung, 
namentlich der saubere Druck und das schöne Papier, welches 
bei einem häufig benutzten Nachschlagebnch von nicht gerin¬ 
ger Wichtigkeit ist. 

B e r n h o f f. 

„Lehrbuch der Augenheilkunde“, herausgegeben von 
Dr. Axenfeld. Verlag von G. Fischer in Jena. 
Preis 14 Mark. 

ln diesem Lehibnch hat A xe nfe ld in Gemeinschaft mit 
9, der jüngeren Generation angehörenden Ophthalmologen ein 
Werk geschaffen, das in vieler Hinsicht eigenartig ist. Anf 
654 beiten bieten die Veifasser in übersichtlicher Zusammen¬ 
stellung alles, was der Studierende nud practische Arzt zur 
Orientierung biauchen könnte. Trotz der ratgebenden Arbeit- 
teilung erscheint uns das Werk wie aus einem Guss: die 
einzelnen Abschnitte sind dmchaus einheitlich in ihrem Plan 
nnd greifen so vielfach in einander, dass sie fast anmerklich 


# ) Die 19. Liefern ng ist uns leider oioht angegangen. 


zn einem Ganzen verschmelzen. Etn verhältnismässig grosser 
Abschnitt (156 Seiten; handelt über die Therapie im Allge¬ 
meinen (Axenfeld) und die Untersucbungsmethoden (A x e n- 
feld, El sehnig, He iue). Dann folgen, meist in anato¬ 
mischer Anordnung, Capitel über die verschiedenen Augen- 
krankhtiten (bearbeitet von Bilschowsky, von Hippel, 
Schirmer, Axenfeld, Elschnig, Krickmann, 
Bach, Peters, Graeff nnd Heine). Ueberall gehen des 
klinischen Schilderungen anatomische ond physiologische Be- 
merkongen voraus und es folgen ihnen Angaben über die 
therapeutischen nnd anch chirurgischen Massnahmen. Dis 
Uufallsentschädigung and die Beziehungen der Allgemeiner¬ 
krankungen zu den Augeusymptomen werden ebenfalls be¬ 
sprochen. Eine weitgehende Berücksichtigung der pathologi¬ 
schen Anatomie vermittelt das tiefere Verständnis der klini¬ 
schen Ausführungen. Hypothesen werden nnr kurz und mit 
Auswahl geboten, unentschiedene Streitfragen fast ganz ver¬ 
mieden. Hervorragend geluugen ist die bildliche Ausstattung 
des Lehrbuches. 455 z. T. farbige Abbildungen kommen dem 
knappen Text zu Hilfe und ersetzen längere Beschreibungen. 
Ich verweise hier z. B. auf die Gegeuttberstellnng ophthalmo¬ 
skopischer Veränderungen und mikroskopischer Durchschnitte 
der Aderhaut (K rückmann). Zum Schluss geben 10 Ta¬ 
feln mit 27 Abbildungen eine Uebersicht über die wichtigsten 
AngengrondVeränderungen. Man darf dem Buche eine weite 
Verbreitung wünschen. 

Ischreyt 


Protocolle des XX. Aerztetsges 

der 

Gesellschaft livländischer Aerzte In Riga 

vom 28. bis zum 30. August 1908. 

(Fortsetzung). 

2. Sitzung. 

1. Prof. D e h i o dankt für die auf ihn gefallene Wahl zum 
Präses des kommenden «Baltischen Aerztecongre»- 
s e s> und erklärt sich bereit, sie anzunehmen. 

2. Prof. Dehio verliest den Rechenschaftsbericht des Ver¬ 
eins «zur Bekämpfung der Lepra», nnd fügt eine 
Beihe interessanter Einzelheiten hinzu. Der Bericht ist be¬ 
reits im Druck erschienen und wird unter die Mitglieder des 
Aerztetages verteilt. 

DiscussioDen: 

Dr. B i c h l e r: «Mit der Nastin B. I. Behandlung wurde 
im Rigaseben Leprosorinm im Januar d. J. begonnen. Ausge¬ 
schlossen von der Behandlnng wurden: Nieren-Lungen- and 
Magenkranke sowie auch vorgeschrittene L. nervo rum-Fälisu 
Es wurden 20 Kranke gespritzt nnd 3t>0 Einspritzungen ver¬ 
abfolgt. Um ein definitives Urteil zu haben, sind die bisherigen 
Erfahrungen noch zu spärlich. Bei L. nervorum ist grosse 
Vorsicht am Platz. Bei 2 Kranken konnte man eine specifische 
Wirkung auf die Leprome constatieren. 

Dr. Sadikoff: Wie College Bichler sagte, sind die 
Nastineinspritznngen oft recht gefährlich. Es wäre nur interes¬ 
sant zu erfahren, ob er oder ein anderer der Collegen mit 
d£m alt Gegengift empfohlenen Kedrin Versuche gemacht hat. 
Ich habe ähnlich wie Bichler einen Rückgang der Tuberosi- 
täten nach Nastin, aber auch nach Thyreoidin beobachtet, 
doch ging die Krankheit Bpäter wieder vorwärts. 

Dr. M. Hirschberg berichtet über einen Fall von cir- 
cumscripter Lepra tubero-maculosa, wo nnr 
ein Fleck am Arm mit Bacillen vorhanden war nnd eine län¬ 
gere Röntgenbehandlung einen positiven Erfolg herbeifübrte, 
die Bacillen waren geschwunden, und die Behandlungsart muss 
zur Nackpiüfung empfohlen werden. Freilich könnte es sich 
auch um eine*Remission bandeln. L a s s a r s wenig ermonterndie 
Erfolge mit X strahlen bei Lepra beruhen anf ungenügender 
Zeit der Behandlung und Auswahl der Fälle. Hinsichtlich der 
Deyckeschen Behandlung mit Nastin muss besonders die 
Reklame getadelt werden (Telegramme in politischen Zeitnngen 
u. s. w.), zweitens muss man annekmen, dass die Präparate 
nicht ganz so angefertigt sein können, wie in den ersten An¬ 
gaben Deycke-Tarhas, sonst müssten sie eben so tener sein 
wie Radium. Man lese nach, welche Procednren Deycke machte, 
bis er Nastin erhielt. Uebrigens gibt es verschiedene Na- 
stine (A. B. etc.), doch rufen alle organischen Substanzen eine 
Reactiou hervor. Es heisst daher kiitisch ab warten 1 Die 
Erfolge am rkaseben Leprosorium berechtigen nicht zu opti¬ 
mistischer Anffassnng. Unnas sogenannte Heilungen sind 
geradezu Selbstbetrug, denn wir haben alles nachgeprüft und 


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UNIVERSETY OF MICHIGAN 



I 


81 


nichts Aehnliches gesehen. Remissionen kommen vor, Hel¬ 
lingen trotz aller Therapie weit seltener. 

Dr. Ed. Schwarz hält seinen Vortrag «UeberCri- 
lioslitftt n n d Lnes». (Erscheint in der Petersburger 
uedic. Wochenschrift). 

Discnssion: 

Dr. M. S e b ö n f e 1 d t: Ich kalte den geschilderten Krank- 
foitsfell in keiner Hinsicht für die Beziehnngen der Lnes 
cerebri zur Crlminalität charakteristisch, sondern milchte 
darin nur einen manischen Erregungszustand erkennen, ein 
Aeqnivalent der manisch-depressiven Nenropsychose, für den 
die Lues eventuell den letzien Anstoss dargestellt haben mag, 
wie er aber auch ohne Lues und ohne criminelle Verstösse 
»tödlich oft zur Beobachtung gelangt. 

Dr. Sokolowski: Ich halte es für gefährlich, die Psy- 
dieses, welche bei vorhandener Lues Vorkommen, zu sehr zu 
ipcificieren nnd mit allzu detaillierten Diagnosen za ver¬ 
sehen, wie Amentia, Dementia. Die verschiedensten Psychosen 
treten anf bei degenerierten Individuen, die zntäilig luetisch 
worden. Ich muss Dr. Schönfeld darin beistimmen, dass 
der Erregungszustand in dem von Dr. Schwarz referierten 
Kall dnrclians nichts für Gehirnlues charakteristisches aut- 
zoweisen hat. 

Dr. E. Schwarz: Schlusswort: Die Einwendungen des 
Herrn Schönfeldt waren za erwarten. Aehnliche sind in 
der Literatur oft gemacht worden nnd werdet) noch oft 
gesucht werden, wae vom einseitig psychiatrischen Ge- 
itehtipanct ans nicht anders möglich ist. Es dürfte 
aber diesem Standpnnct ähnlich wie dem in der Aetio- 
logie der Tabes nnd Paralyse ergehen, der die Rolle der 
lies anfangs leugnete nnd der jetzt fast gauz verlassen 
worden Ist. Die Anschauungen über die Aetiologie der Para¬ 
lyse sind aber für den Kranken ganz und gar irrelevant, 
denn die Paralyse ist unheilbar. Bei der Lues cerebri dagegen 
ist die ätiologische Auffassung von entscheidender Wichtigkeit. 
Oboe die energische spectfische Therapie werden ähnliche 
Patienten unheilbar dement werden; retrospectiv würde 
unjaanch dann sagen: Der Manu war zq Dementia prä¬ 
destiniert nnd die circulare Psychose hat eben mit Demenz 
geendet! Wiederholen will ich, dass beweisende Reagentien 
ent von der Zukunft zo erwarten sind, die dann die Irrtümer 
klären werden. 

Gegen Dr. Sokolowski möchte ich anführen, dass es 
lieb aaeh meiner eigenen Anschauung nicht am einen dummen 
Matche n gehandelt hat, sondern einen durchaus intelligenten. 
Is Uebrigen möchte ich ihn anf meine Entgegnungen Dr. 
Schönfeld t gegenüber verweisen. 

Dr. Sok o 1 o ws k i -und Dr. T. Klemm sprechen Über 
Morbus Basedowii». Während Dr. Sokolowski 
das Krankheitsbild and die neurologisch • internistischen 
Bebsadiangsresait&te bespricht, berichtet Dr. Klemm 
fiber die Ergebnisse der operativen Basedowbehaudlung. (Beide 
Vorträge erscheinen in der Pet. med. Wochenschrift). 

Discnssion: 

Dr. v. Hol st: Es hat mir zur grössten Genugtuung ge¬ 
rächt, dass Dr. Sokolowski in allen wesentlichen Punoten 
ait den öbereinstimmt, was ich in einem Vortrag über das- 
Mibe Thema auf dem Estländischen Aerzetag 1903 berichtet 
habe. Während ich auch schon damals die kühlen Halbbäder 
trsrn betürworten konnte, erschien und erscheint mir anch 
jeut der Nutzen der Struma- rsp. Sympathicusgalvauisation 
direhsss fragwürdig. Anch Sokolowski würde sich wohl 
Kbweriich allein auf diese therapeutische Mtssoahme be- 
Mhränken, deren Beurteilung neben den anderen doch meist 
«gewandten diütetisch-hydriatiscben weit wichtigeren Mass- 
uhrnen kaum einwandsfrei gelingt. 

Ali seltenes Symptom hätte das Hautjucken erwähnt werden 
Minen, das schwer zu beseitigen ist, and noch mehr müsste 
J E. vor dem Thyreoidingebrauch gewarnt werden. 
Nicht wegen des Namens aber wegen der therapeatischeu 
Auflassung erscheint mir die Diagnose M. B. noch immer 
tu seiten gestellt zu werden. 

Dr. v. E n g e 1 h a r d t: Die Beteiligung des Sympathicns 
ts dem Krankheltsbilde des M. Basedowii scheint durch die 
Krau eschen Untersuchungen geklärt. Die Hypersecretlon 
der Glandula thyr. erregt als autagonistische Wirkung eine 
starke Ueberproduction von Adrenalin, welches seinerseits den 
Sympathicns in Reizzustand versetzt und einen richtigen 
Srnpathicismas hervorruft, wodurch das Doppelbild er¬ 
klärt wäre. 

Eine zweite Frage von practischem Interesse scheint mir 
ji« su sein, wie lange das Basedowische Herz den Gefahren 
w Operation auch ohne Narcose ausgesetzt werden darf? 
Dk Entscheidung, ob bereits eine Myodegeneration oder eine 
wufachft Taciiyc&rdie vorliegt, ist tür den Internisten sehr 
Mbwer, da bei dem tiasedowherz die feste Relatiou zwischen 
Arbeit und Pulsgrösse fehkt. Kür die Fälle, welche bereits 
VMriosclerotlsche Verändernngen zeigen, möchte ich das 
»Mütrism nicht in der Therapie missen. 


Dr. Greiffenhagen führt einen Kail von Recidiv resp. 
Erneuerung der Erkrankung nach psychischem Tranma an, 
nachdem bereits 14 Jahre seit der Operation verflossen wa¬ 
ren. Ferner rät er zu Versuchen mit der Röntgenbestrahlang 
der Strnma. Nachteile von der Narcose hat er bisher nicht 
beobachtet, nnd die schweren Erscheinungen nach der Opera¬ 
tion erscheinen ihm als Antointoxication, hervorgerufen durch 
Malträtierung der Schilddrüse. 

Dr. Lejin: Ausgehend von dem Standpnnct, dass der 
Blntgefä88tonns bei Basedow gelitten hat, und angesichts 
der Beobachtung, dass die Franklinsche Donche and der 
SinasoidaUtrorn erkrankte Blutgefässe auch sonst günstig 
beeinflusse habe ich bei Basedowikern beide Methoden mit 
viel Erfolg angewendet nnd zwar im Scheerschen Vierzellen¬ 
bade bei mä88igem Strom durch 8—10 Minuten. Ausserdem 
verordnete ich reizlose Diät, sorgte für richtigen Stuhlgang 
and tägliche kalte Abreibungen des Thorax und der Arme. 

Prof. Zoege v. Manteuffel hat früher die Tliyrectomie 
ansgeführt, wie Dr. Klemm, doch ohne mit den Resultaten 
zufrieden zu sein. Er sehe, dass Dr. Greiffenhagen, 
Klemm und andere dasselbe erlebt hätten, der Exophthal¬ 
mus bleibt nach. Er habe daher, gestützt auf die damals 
herrschende Nerventheorie nach J o n n e s c u, die Sympatht- 
cnsresection ansgeftthrt uud zwar mit günstigem Frühresul¬ 
tat. Nach späterer Prüfung der Danerresnltate der Resectlo 
Sympathie! schien auch diese nicht das Richtige zu sein. Sie 
beseitigt fraglos den Exophthalmus, doch die Herzsymptome 
bleiben. Daher empfehle sich bei geringem Exophthalmas 
Thyrectomie, bei hochgradigem Tliyrectomie -f Resectio Syiu- 
pathici and zwar bei Zeiten. 

Ohne Narcose schmerzen die Operationen nur bei Kocher 
nicht, bei mir dagegen sehr, und ich operiere daher unter 
Aethernarcose. 

Dr. E1 i a s b e r g: Die gefahrbringenden Symptome für das 
Basedowische Auge sind Weitstehen der Lidspalte, Nach¬ 
stehen des Oberlides beim Senken des Blickes, seltener Lid- 
schlag. Durch diese drei Symptome wird eine grössere Fläche 
des Auges andauernder Verdunstung unterworfen nnd die 
Widerstandsfähigkeit der Hornhaut herabgesetzt. Fremdkör¬ 
per uud in den ConjunctivalsHCk gelangte Uilien werden nicht 
leicht entfernt, kleine Infiltrate confluiereu und geben zn 
Abscessbildung Veranlassung, nnd die ganze Hornhaut stirbt 
iu vielen Fällen ab. Als Therapie kommt Jodoformvaselin- 
salbe 2—3 mal täglich in Betracht, ferner feuchtwarrae Kom- 

S ressen zur Nacht und Epilation der lose sitzenden Cillen 
es äusseren Winkels und schliesslich Vernähung der Lid¬ 
ränder. 

Prof. Dehio refetiert kurz über die Verhandlungen des 
Congiesses für innere Medicin in München vom J. 1906, die 
znm Ergebnis führten, dass eine interne Behandlung nur bet 
frischen und nicht hochgradigen Erkrankungen befriedigende 
Resultate ergebe. Schwerere und längere Zeit dauernde 
Fälle von Morb. Basedowii sollen so bald wie möglich ope¬ 
riert werden. Redner stimmt dem nach seinem persönlichen 
Erfahren bei. Als bequeme hydriaüsche Behandlungsmethode 
bei Morb. Basedowii empfiehlt Redner feuchtkalte allmählich 
sich erwärmende Lakeneinwickelongen bei gleichzeitigem 
internem Gebrauch von Möbius scheut Antithyreoidin. 

Dr. med. I d e 1 s o n. Die Diagnose d. B. wird eher za oft 
als zu selten gestellt. Struma fiudet sich häufig bei jungen 
chlorotischeu Mädchen in der Pubertätszeit, wo denn die An¬ 
nahme eines Morb. Basedowii unberechtigt wäre und bei der 
grossen Suggestlbilität der Patienten eventuell nachteilig wir* 
ken könnte. Für die Therapie käme Rhodagen uooh in Frage, 
von welchen J. häufig Erfolge gesehen hat. Er selbst sei bis¬ 
her nicht in der Lage gewesen, die Hilfe des Chirurgen ln 
Anspruch zu nehmen, und wäre selbst bei schweren Fällen eine 
interne Behandlung zuweilen von Erfolg gewesen. Zufällig 
seien 2 seiner Patientinnen vor 3 Monaten bei Kocher ope¬ 
riert worden, ein leichter nnd ein schwerer Fall. Es ist interes¬ 
sant, zu constatieren, dass es beiden nach wie vor schlecht geht. 

Dr. H a u s 8 m a n n : Die Diagnose des Basedow wird siclier 
zn selten gestellt. Es ist möglich, dass junge Mädchen mit vor¬ 
übergehender Drüsenschwellung Abortivfäile darstellen. Sicher 
ist die fleischlose Diät gut, wie sie B i r c h e r in Zürich 
durchführt, speciell neben dem Einfluss der Höhenluft. 

Die Wirkung der Diät wird verständlich wenn rann an die 
Experimente Pacolocos, BickelsWohlgemoths n.a. 
denkt, weiche zeigen, dass die Secretionsgrösse der Drüsen¬ 
organe deutlich von der Art der Nahrung abhäiurt. 

Dr. Stender: Wünscht bezüglich der lodioation zur Ope¬ 
ration zwischen unbemittelten and wohlhabenden Patienten su 
unterscheiden. Bezüglich der Bevölkernngsklassen, die von 
ihrer Hände Arbeit leben, müsse die Frage der Operation mög¬ 
lichst früh aufgeworfen werden. 

Bezüglich der Kr&nkheitsformen, die neben dem Basedow 
noch hysterische Erscheinungen aufweisen» sei die Operation 
erst ohne weiteres von der Hand zu weisen. Besserungen der 
hysterischen Erscheinungen seien nach der Operation beobach¬ 
tet worden. 


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82 


•'Natürlich könhe vorderhand nur vön einer suggestiven Wir¬ 
kung' die Rede sein. 

Dr. von Bergmann ist zu einer Zusammenstellung 
seiner Fälle nicht gekommen, kann daher auch keinen Ueber- 
blick über dieselben geben. Aus deu ersten Fällen, die alle 
in Chloroformnarcose operiert wurden, ist einer hervorzuheben, 
in dem trotz Narcose und trotz bestehender Kachexie ein voll¬ 
kommener, bis jetzt anhaltender Erfolg erzielt wurde, «ln letz¬ 
ter Zeit ist es in den meisten Fällen gelungen, die Operation 
unter Infiltrationsanästhesie nach vorausgeschickter Mor- 
phlüm-Scopolamininjection (nach Kymmell) so weit in ihrer 
Schmerzhaftigkeit zu mildern, dass sie ohne Narcose zu Ende 
geführt werdeu konnte. Wichtig ist, die Kranken vor der Ope¬ 
ration an das Liegen in der für die Operation notwendigen 
Lage zu gewöhnen. (Rolle im Nacken). Das Schwierige wird 
immer die Entscheidung bleiben, wahn der Pat. noch und 
wann er nicht mehr operiert werden soll. Je nach dem der 
Chirurg zu dieser Frage Stellung nimmt, wird er mehr oder 
Weniger Misserfolge haben, aber auch gelegeutlich einen Fall 
zur Heilung bringeu können, der unoperiert sicher verloren wäre. 

Dr. E. Sokolowski (Schlusswort): Auf die Erwägungen 
Dr. Stendels habe ich zu erklären, dass ein sehr geringer 
Teil meiner Patienten den unteren Klassen entstammt. Aller¬ 
dings ist unter den elementaren Verhältnissen viel eher mit 
der Möglichkeit za rechnen, dass bei vorhandener Hysterie der 
operative Eingriff als wohltätiger Shock wirken kann. 

Auf die Anfrage Dr. v. Hola ts und die von ihm ausgespro¬ 
chene Entwertung einer galvanischen Behandlung des M. Bas.— 
muss ich betonen, das ich bisher an der galvanischen Behand¬ 
lung fest gehalten habe, aber mehr wegen der von autorita¬ 
tiver Seite immer wieder verlautbarten Empfehlungen als 
wegen eigener Beobachtung; letztere sind nicht einwandfrei, 
weil ich keinen Fall ausschliesslich mit Galvanisation 
behandelt habe. Die von Seiten Prof. D e h i o s befürworteten 
Packungen Basedow-Kranker muss ich als sehr wirksames 
Mittel anerkennen. Auf die kühlen Halbbäder habe ich Beto¬ 
nung gelegt, weil ich seit einer Reihe von Jahren über eine 
sehr complette Badeeinrichtung verfüge und daher ausgiebige 
Gelegenheit gefundeu habe, die Wirkung der Halbbäder za 
beobachten, sowie ihre grosse Bequemlichkeit zu constatieren. 
Dr. Grieft'enhagen legte unter Anführung eines concre- 
ten Falles Gewicht auf die ätiologische Bedentung des psy¬ 
chischen Shocks für die Bas. Krankheit. Ich möchte dieses 
äthiologische Moment nicht gerade aus der Welt geschafft 
wissen, als vielmehr seine Bedeutung einschrftnken und zwar 
in dem Sinne, dass die psychiche Emotion die Bas. Krankheit 
zwar auBlösen könne, aber lediglich bei den Individuen, welche 
die Disposition dazu in sich tragen, respective ans kropfigen 
Familien stammen. 


3. Sitzung. 

Df. T. v. Hampeln hält das Hanptreferat über die 
G i c ht, das nachstehend in vom Vortragenden selbst ver¬ 
kürzter Form wiedergegeben ist: 

Nach einleitenden Mitteilungen über die Beziehungen der 
Harnsäure zur Gichtfrage geht Vortragender zur Pathologie 
der Gicht über. In üblicher Weise unterscheidet er zwischen 
äusserer, Extremitätengicht and innerer, visceraler Gicht. 
Seine Aufgabe sei, auf die äussere Gicht eiozugehen. Diese 
tritt in der die Gicht zu einer eigenartigen Erkrankang stem¬ 
pelnden sog. typischen Form aut, Gichtanfall und Gicht¬ 
tophi. Es wird aber auch eine atypische, irreguläre Form an¬ 
erkannt, anf deren Zusammenhang mit der Gicht aus gewissen 
klinischen Eigentümlichkeiten wohl geschlossen wtrden kann, 
die aber nicht erwiesen ist. Unter solchen irregulären Formen, 
NB. der äusseren Gicht, führt Vortragender erstens Rheuma¬ 
tismus — ähnliche Gelenkschwellungeu and -schmerzen an, 
sodann aber anch die sog. Heberden sehen Knoten und die 
’Dnp uytrensche Contraklar. Beachtung verdienen in allen 
diesen Fällen die oft anfallende Neigung des Harnes zur 
Ansscheidung reiuer Harnsäure oder von Uraten. Doch sei die 
Frage nach der Stellung dieser Fälle eine noch offene, erst 
allgemeiner durchgeführte -blutanalytische- und Stoffwechsel- 
1 Untersuchungen können sie entscheiden. Anfallend sei die 
rel. Seltenheit der typischen Gicht bei ans zam Unterschiede 
vom Westen Euiopas. Dagegen käme die rheumatisch frag¬ 
liche Gichtform, sowie die Heb.-knoten und Dup. Coutiaktur 
hier ausserordentlich häufig vor: dadurch würde die ganze 
Frage eigentlich noch verwickelter. Es scheint fast, dass ge¬ 
rade die sog. typischen Formen zu den Ausnahmen 
gehören und nur unter dem Einfluss besonderer klimatischer 
Verhältnisse oder Lebensgewohnheiteu häutiger anftreteu. 
Auch in Bezog aut diese Frage müsse man Bich gedulden nud 
‘weitere Untersuchungen experimenteller Art abwarten. 

Dr. v. Engelhardt hält sein Correferat über die 
•Gicht, das in der Petersfo. med. Wochenschrift io extenso 
erscheint. 


Discussion: 

Dr. v. Kruedener: Während bis vor 15 Jahren die 
Diagnose gichtischer Veräudernngen am Auge selten geetetlt 
wurde, kommt man jetzt häufig in die Lage, die Gicht alt 
ätiologisches Moment in einer Reihe von Aogeuerkrankungen 
anzusehen. Ich führe insbesondere die gichtische Keratitii 
mit Hauteroptionen wie Acne ros&cea and die schleichende 
Iritis an, ferner bestimmte um das 50. Lebensjahr auftretende 
Kataraktformen, Neuritis optica, Glaucom und etwas seltener 
gichtische Augenmuskellähmungen. In einem Falle beobach¬ 
tete ich im Fundus oculi hochgradige Gefässveränderongen 
und nebenbei schmerzhafte Gicbtaufälle des Auges bei gleich¬ 
zeitiger Geistesstörung. 

Dr. S a d i k o f f: Die Herren Referenten führten schon den 
Zusammenhang der Gicht mit Erkrankungen der Atmangs- 
orgaue an; da ich selbst Gichtiker bin und mich, wie ich 
glaube, gut beobachtet habe, so möchte ich darauf hinweisen, 
dass bei mir die Gichtanfälle fast immer nach einer Erkrao- 
kuug der Luftwege, wie Schnupfen oder Bronchialkatarrh ein¬ 
getreten sind. Ich habe bemerkt, dass ich die Anfälle ver¬ 
meiden kann, wenn ich z. B. den einfachen Schnupfen sofort 
auf das peinlichste behandele. 

Diese Erfahrung soll der Nachprüfung empfohlen sein. 

Dr. v. Engelhardt: Was die Diagnose der Gicht ans 
dem Harnsäuregehalt des Blutes anlangt, so dürfte die bemer¬ 
kenswerte Tatsache zn erwähnen sein, dass die Garro dache 
Fadenprobe bei Minkowski fast in allen Gichtfällen po¬ 
sitiv ausfiel, während sie Ebstein fast niemals glückte. 
Dieser seltsame Widerspruch ist von den beteiligten Autoren 
noch nicht aufgeklärt worden. 

Mit den statistischeu Daten über die Verbreitung der dicht 
muss man sehr vorsichtig sein, da die Diagnose von den 
subjectiven Standpuuct des Arztes iu dieser Frage abhäagt. 
Es wäre doch unbilig, nur dann den Gichtkranken in die Sta¬ 
tistik anfznnehmeu, wenn er seinen ersten Anfall gehabt bat. 

Was die Eutsteüung der Harnconcremente anlangt, ao 
wären die interessanten Experimente Ebsteins nachao* 
tragender spritzte ein Ammoniakderivat der Oxalsäure Tieren 
unter die Haut uud erzielte damit 1) eine entzündliche Bei¬ 
zung der Harnwege and 2) Concremente, die Oxalsäure ent¬ 
hielten. Dieser Vorgang scheint dem bei der (Jicht Ihn lieh 
zn sein. 

Ueber die Wirkung der Kemmerscben and Arensbarger 
Bäder gegen Gicht verfüge ich nor über wenige nicht ermu¬ 
tigende Erfahrungen. 

2. Dr. K r a n n h a 1 s hält seinen Vortrag: «Ueber coi* 
jnnctivale und entane Tubercnlint*eaction>. 
(Der Vortrag wird später in wesentlich erweiterter Form in 
der St. Petersb. med. Wochenschr. erscheinen). 

Discussion: 

Dr. K n b 1 i weist darauf hin, dass die Ophtha!moreaction 
dazwi8cheo kraukhafte Zustäude am Auge wieder wach rott. 
Auch am gesunden Auge verursacht sie mitunter verschiedene 
Störungen: conj. und kerat. phlyct., kerat. parenchymat. Er 
mahnt znr Vorsicht. Die üphthaimoreaction soll versucht 
werden 1) nur an ganz gesunden Augen. 2) soll sie, wenn positiv, 
an demselben Auge nicht wieder (wenigstens nicht bald) er¬ 
probt werden. Es sind zuverlässige Präparate zu gebrauchen 
und die Reaction ist nur, wenn notwendig, anznwenden. 

Dr. H. Schwartz berichtet im Anschlnss an den Vortrag 
über vorläufige Resultate der Pirquet sehen Co tan reaction, 
welche Ihm durchaus für die Specifität und practische Brauch¬ 
barkeit zu sprechen scheinen. Die detailliertere Zusammen¬ 
stellung der beobachteten Fälle legt hierzn l)r. Lempert 
vor- 

Dr. Lempert: Cutaoe Tnbercnlin-Impfnng ergibt bei 
Kindern viel bessere und za verlässigere Resultate als bei 
Erwachsenen. Von 121 von ihm im Kinderhospiial geimpften 
Patienten reagierten positiv 46—38°/°, negativ 75—62°/ 0 . 

Von 46 positiv reagierenden hauen 30 Fälle (68%) klinisch 
sicher nachgewiesene Tbc., 6 (13°/o) waren klinisch suspect, 
und bei 10 Kindern kounte mau zurZeit der Impfung keinerlei 
Zeichen der Tbc. nachweisen. Von diesen letzteren war bei 
einem durch Section später Bronchialdrüsentnbercuiose, bei 
eiuem anderen durch Operation Peritonitis tbc. nach gewiesen. 
Von den 6 Suspecten waren 4 Scrophulös, bei den Übrigen 2 
war chronische Bronchitis, Abmagerung nnd hereditäre Be¬ 
lastung nachweisbar. Also hatten von 46 positiv reagierenden 
38 geuügenden Grund dazu, so dass man nur in 8 Fällen von 
j einer vollkommen latenten Tbc. sprechen könnte. 

Von 32 klinisch sicher Taberculöaen fiel die Reaction 
30 Mal positiv aus, 2 Fälle im letzten Stadium der Langen* 
resp. Darmtuberculose reagierten negativ. 

| Von 75 negativ reagierenden waren in 71 Fällen absolnt 
keine Zeichen der Tbc. klinisch nachweisbar (jo 10 Fällen 
i durch Section bestätigt), in eioem Falle sprach der Befand 
und der klinische Verlauf für acute Miliartbc. der Longen, 
j bei der Section war nor chronische catarrhalische Pnenmoaie 
l nachgewiesen, einer kam ans der Chirurg. Abteilang mit der 


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Diagnose «knotige Form der Peritonitis tbc.» Später bei 
der Untersuchung per rectum erfolgte Durchbruch eines 
Abscesses in denselben, Pat. hörte darnach anf, zn fiebern, und 
war in kurzer Zeit als gehellt entlassen. 2 waren oben er¬ 
wähnte Tubercnlöse im letzten Stadium. 

Die intensivsten Formen der Eeaction waren im Initial- 
gradinm der Tbc. bei Scrophulösen und klinisch Gesunden 
beobachtet, die kliRisch schweren Fälle ergaben fast ausnahms¬ 
los eine ganz schwache, resp. im letzten Stadium gar keine 
Beaotioo. In 3 Fällen, die längere Zeit im Hospital lagen, 
wnrde bei wiederholten Impfongen mit dem Verschwinder 
der Cntanreaction das Auftreten der Diazo-Eeaction im Harn 
eooBtatiert 

Diese Beobachtongen beweisen, dass Cntanreaction im 
Kindesalter grosse diagnostische and prognostische Bedeutung 
bat and infolge ganz einfacher Technik und vollkommener 
Ungefährlichkeit grosse Verbreitung auch bei practischen 
Aerzten finden wird. 

Dr. Hausmann: Ge kommt ans oft darauf an, zu consta- 
lieren, ob die Tuberculose offen oder activ ist nnd da reichen 
die Opbthalmo- und Cntanreaction nicht ans. Wenn in vielen 
Fällen die klinische und bacteriologische Untersuchung kein 
Besnltat gibt, habe ich mit Erfolg versucht, im nüchternen 
ansgebeberten Mageninhalt Tuberkelbacillen nacbznweisen, 
n. z. in kleinen Spntnmpartikeln die nachts verschlackt 
worden sind. Die Fälle von Lungentnbercnlose sind nicht 
•eiten, wo die Kranken keinen Auswurf haben und über- 
baopt nicht hasten. Hier werden die geringen Mengen des 
Spntams, die bis an den Larynxrand gelangt sind, bei Schluck- 
bewegnngen direct in den Magen geworfen. Es ist zu 
empfehlen, auch Bonst bei Analysen des nüchtern ansgehe¬ 
berten Magensaftes dort, wo ein Verdacht auf Tuberculose 
besteht, die Untersuchung auf Tubeikelbacillen zu machen. 

Dr. Reinhard: Das hier angeführte Material bestätigt 
Dar noch des Weiteren, dass die Ophthalmoreaction keine 
specifische für die Tuberculose ist. Es ist auch von den 
Experimentatoren mit dem Tnberculin der Umstand nicht be¬ 
rücksichtigt worden, dass die Conjunctiva anf verschiedene 
Beize, chemische, physikalische oder bacterielle ganz gleich¬ 
artig reagieren kann. Es sind keine Parallelexperimente mit 
anderen nicht tuberculösen Bacterieugiften als Controlle in 
dietea Fällen gemacht worden. Jedenfalls ist der practische 
Wert der Ophthalmoreaction znr Zeit sehr fraglich nnd die 
Experimente gehören noch dnrchans nnr in die Institote. 

Dr. v. K r ü d e n e r: Dr. Ktannhals hat ja schon selbst 
die nötigen Einschränkungen für die Ophthalmoreaction be¬ 
stimmt. Wenn die Angen vorher untersucht sind, eine 
Neigung besonders zn scrophulösen Processen ausgeschlossen 
ist, ein einwandsfreies frisches Präparat angewandt wird, 
kann die Eeaction rnhig in vorsichtiger Weise vorgenommen 
werden. Meine Untersuchung erstreckt sich gleichfalls auf 
eine grössere Anzahl von Fällen, und ich kann nur mitteilen, 
dass nach einmaliger Anwendung der Methode niemals 
danernde Schädigungen vorhanden waren. 

Dr. Sohn fragt, ob der Vortragende irgend ein Anti* 
septicuin zu der Tnberculinlösung hinzusetzt, ob er sich 
täglich eine frische herstellt und wie lange eine Lösung 
haltbar ist. 

Dr. K r a n h a 1 s, Schlusswort: Die Eeactionslösung (Alt- 
tnberculin - K o c h 1°/«) ist möglichst häufig (jeden 2-3 Tag) 
frisch zu bereiten. Als Verdünnungsflüssigkeit dient physio¬ 
logische Kochsalzlösung oder 2°/ 0 Borsäurelösung. Den Herrn 
Ophthalmologen gegenüber bemerkt Referent, dass bei Ver¬ 
meidung kranker Augen sich wohl kaum je üble Zufälle er¬ 
eignen werden, und dass man in einigen zweifelhaften Tuber- 
colosefällen auch instillieren könne, wenn eine geringe Con¬ 
junctivitis da sein sollte. 

3. Dr. Berkholz hält seinen Vortrag: «Ueber 
Scharlach and seine Complicationen». (Der Vor¬ 
trag ist erschienen in der «Monatschrift für Kinderheilkunde», 
Novemberheft 1908). 

Da die Aetiologie des Scharlachs noch immer unbekannt ist, 
lind wir bei der Diagnose allein vom klinischen Bilde ab¬ 
hängig. Dasjenige Symptom, welches allein den Scharlach 
von allen übrigen Krankheiten unterscheidet, ist sein Exanthem, 
als sogenanntes «Enauthem» anch anf den Schleimhäuten 
sichtbar. Die Anwesenheit des Exanthems sichert die Diagnose 
des Scharlachs in jedem Falle. Die Abwesenheit schliesst bei 
scbarlachäbnlicheu Hauterkrankungen Scharlach aus. — Die 
Scharlach-Angina beruht nicht mehr auf der Scharlachinfection, 
sondern hat ihre Ursache zusammen mit den übrigen ge¬ 
fürchteten Complicationen in einer secunaäreu Streptococcen- 
infectiou, deren Eingangspforte, wie für das Scharlachgift 
auch angenommen werden muss, der Rachen ist. Das unbe¬ 
kannte Scharlachgift schädigt den Organismus und macht ihn 
in höherem Grade für die Streptococceninfection empfänglich. 
Bie Erkrankungen des Herzens nnd der Nieren sind auf das 
Scharlachgift resp. anf seine Toxine znrückznführen. Be¬ 
weisend dafür ist die Beobachtung desselben bei «reinem 


Scharlach» — ohne secnndäre Streptococceninfection. Die 
poBtscarlatinösen Herzerkrankungen betreffen das Hyocard 
und änssern sich in Labilität des Pulses, Iuäqualität der 
Herzaction nnd Veränderungen des I. Tones mit Auftreten 
von Geräuschen. Die Scharlachmyocarditis ist an sich harmlos, 
wo sie ohne Complicationen mit Streptococcen bleibt. — Vom 
Verlauf der Scharlachnephritis gibt die fortlaufende Urin¬ 
untersuchung folgendes Bild: als erster pathol. Bestandteil 
treten im Urin vereinzelte rote Blutkörperchen anf, mit ihnen 
zugleich oder etwas später einzelne granulierteCylinder, dann 
erst kommt es zur Eiweissausscheiduug durch die Nieren. 
Zugleich mit diesen ersten Symptomen fällt eine besondere 
Blässe der Hautdecken und ein Anstieg des Körpergewichts 
durch Wasserretention anf. ln umgekehrter Reihenfolge 
schwinden die Erscheinungen. Rote Blutkörperchen sind 
hänfig noch lange nach überstandeuer Nephritis im Harn 
nachweisbar. Schwere, Dauer und Ausgang der Scbarlach- 
nephritis sind individuell sehr verschieden. Nach Ansicht des 
Vortragenden macht die Scharlachnephritis nie Fieber. Ein 
gewisser Grad der Schädigung der Nierenparenchyms ist bei 
jedem einzelnen Scharlachfall vorhanden. Die sogen. Nephritis 
stellt nur einen höheren Grad diser Schädigung dar. 

Schlussfolgerungen: 

1. Der Scharlach änssert sich primär nor in dem charak¬ 
teristischen Exanthem and Enanthem, secundär in den nicht 
weniger charakteristischen Erscheinungen am Herzen und 
an den Nieren. 

2. Die grösste Mehrzahl der Scharlachfälle compliciert sich 
mit Streptococcen; diese secundäre Infection kann zn sep¬ 
tischen localen Complicationen in allen Organen oder zur 
allgemeinen Sepsis führen. 

3. In der regelmässigen Schädigung des Parenchyms des 
Herzens nnd der Nieren dnrch die Toxine des Scharlachs liegt 
mit ein Grund für den oft bösartigen Verlauf der secundären 
Streptococceninfection. 

4. Ans diesen am Krankenbett gesammelten Erfahrungen 
ergibt sich für uns in therapeutischer Hinsicht die wichtige 
Forderung, im Verlauf jeder Scharlachinfection, dem Herzen 
nnd den Nioren eine besondere Schonung angedeihen zti lassen. 
Ersteres geschieht durch langdauernde Bettruhe, die Scho¬ 
nung der Nieren aber hauptsächlich durch Einschränkung der 
Flüssigkeitszufnhr. 

Disc □ s b i o n : 

Dr. v. Hampeln: Die Myocarditis scheine ihm doch nicht 
erwiesen. Es sei ja bekannt, dass bei .einer grossen Zahl von 
Infectionskrankheiten, Typhus abdom., Diphtherie und so auch 
beim Scharlach Myocarditiden Vorkommen, aber aus der an¬ 
gegebenen klinischen Erscheinung anf ein häufiges Vor¬ 
handensein wirklich myocarditisclier Veränderongen 
zu 8chlie88en, erscheine ihm nicht berechtigt. Jene können 
ebensogut ans toxischen Schwäcüezuständen des Herzens er¬ 
klärt werden. Wahrscheinlich handelt es sich auch in vielen, 
Fällen bloss darnm nnd noch nicht nm Myocarditis. 

Dr. Berkholz, Schlusswort: entgegnet Dr. Hampeln, 
dass Romberg in 8 Fällen die Myocarditis pathologisch¬ 
anatomisch hat nachweisen können. Dass dieses nicht häufiger 
gelungen, liegt an der Gatartigkeit der Fälle nnd an der 
Mangelhaftigkeit der path.-anatomischen Technik. 1 Dr. Berk¬ 
holz stützt sich auf Autoritäten wieKrehl und Rom- 
berg, die in den beschriebenen Fällen Myocarditis consta- 
tierten. 


4. Sitzung. 

Von 2 bis 5 Uhr nachmittags. 

1. Dr. Reinhard hält seinen Vortrag: «Zur Behand¬ 
lung deB Trachoms und der scrophulösen 
Ophthalmie bei gleichzeitig bestehenden Er¬ 
krankungen der oberen Luftwege». (In der St. 
Petersburger Med. Wochenschrift erschienen. Nr. 2, 1909). 

Discnssion: 

Dr. K n b 1 i bestätigt die Ausführungen des Vortragenden 
nnd macht darauf aufmerksam, dass die Tatsache des häufigen 
Zusammenhanges zwischen Augen- und Nasenkrankheiten von 
vielen practischen Aerzten, selbst von Augenärzten noch nicht 
genügend gewürdigt wird. 

Dr. v. Krüden er: Nach meiner Erfahrung, die durch 
das Zusammenarbeiten mit Dr. v. zur M ü h 1 e n eine recht 
grosse ist, lässt sich der Verlauf des Trachoms durch Opera¬ 
tionen am Lymphapp träte des Schlundringes nicht beeinflus¬ 
sen. Anders ist es mit den scrophulösen Erkrankungen, die 
ja direct von den Erkrankungen der Nase, der Tonsillen, der 
Rachenmandel etc. abhängig sind. Hier gelingt es, durch die 
chirnrgi8che Therapie des Nasenrachenraumes nnd der Neben¬ 
höhlen grosse Heilerfolge zn erzielen. Diese Erkrankungen 


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werden hoffentlich bald noch mehr Berücksichtigung erfahren, 
als es jetzt geschieht. 

Dr. Reinhardt: Schlusswort: Herr College v. R r fl d e - 
ner ist des Opfer eines verhängnisvollen MisVerständnisses 
geworden. Ich habe in meinem Vortrage nirgends behauptet, 
dass das Trachom eine Entzündung der Nasenhöhle und der 
Nebenhöhlen hervorrnfen könnte. Jcb habe vielmehr betont, 
dass bei der Häufigkeit der Nasenerkrankungen Überhaupt 
ein cansaler Zusammenhang dieser Leiden mit sehr grosser 
Vorsicht angenommen werden soll, trotz diesbezüglicher An¬ 
gaben mehrerer Autoren. Was jenen Fall mit schwerem Tra¬ 
chom betrifft, so war auch dort natürlich nicht die Nasen- 
erkranknng vom Auge ausgegangen, sondern sie war von den 
behandelnden Colleges und anfangs auch von mir übersehen 
worden. 

Dr. W. Bnettner: Zn den periodischen Magen' 
k rankheiten. Periodisches Auftreten zeigt eine ganze 
Reihe von Krankheiten. So tritt bei Frauen mit ihrer physio¬ 
logischen Periode manches organische und manches nervöse 
Leiden nur zur Zeit der Menses deutlich hervor und wird 
dadurch ein periodisches Leiden. Ferner bedingt die abwech¬ 
selnde Exacerbation und Remission mancher organischer Lei¬ 
den, wie der Appendicitis und der Steinleiden, eine Periodici- 
tät. Es verlauten periodisch eiuige Infections-Krankheiten; 
ferner die Gefftsskrisen und einige Stoffwechsel-Krankheiten. 

Die Hauptgrnppe der periodisch anftretenden Krankheiten 
bilden aber die Nervenkrankheiten. Eine ansgesprochene Perio¬ 
dicität des Auftretens irgend eiuer Krankheit spricht im All¬ 
gemeinen in hohem Grade für deren nervöse Natur. Dieses 
gilt für die periodischen Magenkrankheiten im Speciellen in 
so ansgesprocher Weise, dass wenn bei exquisit periodischen 
Magensymptomen organische Magenaffectionen diagnosticiert 
werden, welche gar operative Eingriffe zur Folge hatten, man 
wohl meist von Irrtümern sprechen darf, welche nicht unver¬ 
meidlich waren. Die Periodicität verleiht manchem Kmnk- 
heitsbilde erst das Charakteristische. So sind die einzelnen 
Magensymptome, die bei den gastrischen Krisen verschieden¬ 
artig auftreten, an sich durchaus nicht charakteristisch für 
die gastrischen Krisen, sondern erst dag periodische Auftreten 
dieser Magen Symptome gibt die Möglichkeit, diesen Sympto- 
men-Complex zu erkennen. Vortragender ist ferner der An¬ 
sicht, dass die Periodicität bei Beurteilung der Stelluug und 
des Platzes einer Krankheit oder eines Symptomen-Complexes 
eine solche Rolle spiele, dass er beispielsweise die genuine 
periodische Hypersecretion zwar dicht neben das gennine 
periodische Erbrechen stelle, aber nicht neben die cotinnirli- 
che Hypersecretion, die ihrem Wesen nach einen völlig ande¬ 
ren Zustand repräsentiere. 

Vortragender glanbt nun, dass man bei den Nervenkrank¬ 
heiten im Allgemeinen in klinischer Hinsicht zwei Arten von 
Periodicität unterscheiden könne. Die eine typischere Art der 
Periodicität finde sich bei einigen Krankheiten, die den Sitz 
der Läsion im Centrainervensvstem haben, so bei der Migräne 
(für welche wir lientzuge ja ziemlich allgemein centralen Sitz 
annebmen), so bei der Epilepsie u. s. w. Man könne hier von 
dem Anfalle als von dem Ausgleiche einer Spannung sprechen. 
Wenn die Spannung ausgeglichen ist, so dauert es in typischen 
Fällen eine gewisse Zeit, bis sie wieder so weit gediehen ist, 
dass wieder ein Anfall zn gewärtigen ist. Die andere atypische 
Art der Periodicität findet sich beispielweise bei den Neural¬ 
gien. Hier kann beim Anfalle vom Ausgleiche einer Spannung 
garnicht die Rede sein. Es macht den Eindruck, als ob der 
cyklische Ablauf der pathologischen Erscheinungen ganz beson¬ 
ders der Ganglienzelle des Centralnervensystems eigentümlich 
sei. Vielleicht ist es der nicht im Central-A pparate gelegene 
Sitz, welcher bei den Neuralgien die von der ausgesprochenen 
Periodicität der centralen Krankheiten abweichende, atypische 
Art der Periodicität bedingt. Vortragender glaubt nun auch 
bei den nervösen Gastralgien oder Cardialgien zwei Arten von 
Periodicität in klinischer Hinsicht unterscheiden zu können. 
Diejenigen Cardialgien, welche atypische Periodicität anfwei- 
sen, sind zn vergleichen mit den Neuralgien, sie siud vielleicht 
tatsächlich Neuralgien des oberen Lendensympathicns im 
Sinne B n c h’s. Dagegen sollte die typische Periodicität aufwei¬ 
sende, andere Gruppe der Gastralgien nicht als neuralgischer 
Schmerz anfgefasst werden. Neuralgisch ist diese Cardialgie 
nicht bei klinischer Betrachtung, denn sie zeigt einen ganz aus¬ 
gesprochenen Typus in ihrer Periodicität, was die Cardialgie 
nach Art der Neuralgie nicht tut, und eine Neuralgie stellt 
diese Cardialgie mit typischer Periodicität wohl auch in patho¬ 
logisch-anatomischer Hinsicht nicht dar, denn wir haben den 
locus morbi für sie wohl wahrscheinlich im Centralnerven¬ 
systeme zn suchen. Vortragender möchte — was die Art der 
Periodicität anlangt — diese Gruppe von Cardialgien verglei¬ 
chen mit den oben erwähnteu Nervenkranheiten, welche ty¬ 
pisch periodisch auftreten. Abgesehen muss hier natürlich 
werden von den die MenseB begleitenden Gastralgien, die 
flicht hierher gehören. Aber es sind zu dieser Gruppe der 
Gastralgien zu rechnen die Cardialgien, die als Aequivalent 


für die Migräne auftreten nnd diese zeigen, dass eine Gast- 
ralgie wenigstens centralen Sitz haben kann. Zn dieser Groppe 
von Gastralgien mit ausgesprochener Periodicität gehören fer¬ 
ner jene Cardialgien, die bloss ein Symptom sind bei den gast¬ 
rischen Krisen, bei dem genninen periodischen Erbrechen 
nnd bei der genninen periodischen Hypersecretion. Ziemlich 
ausgesprochene Periodicität zeigen ferner jene Cardialgien, 
die, wenn schon gelegentlich ein sehr bevorstehendes Symp¬ 
tom, so doch nur Teilerscheinung einer Anämie, Neurasthenie 
nnd Hysterie sind. Dann mnss man aber nach Ansicht des 
Vortragenden die Existenz einer genninen periodischen Car¬ 
dialgie annehmen, die nicht Teilerscheinnng einer Hysterie 
oder Neurasthenie oder Anämie ist, sondern eine selbständige 
Neurose. Soweit Vortragender das ans der ihm zugänglichen 
Literatur ersehen kann, bat nur Boas eine periodische Car¬ 
dialgie als selbständige Neurose beschrieben. Boas bat dann 
aber im speciellen Teile seines Werkes über Magenkrankheiten 
einer solchen genninen, periodischen Cardialgie als einer 
selbständigen Neurose nicht mehr Erwähnung getan. Vor¬ 
tragender nimmt die Existenz einer solchen genninen perio¬ 
dischen Cardialgie an, weil sich Fälle von echt periodischen 
Cardialgien bei Patienten finden, die keine Tabes haben, die 
nicht nenrasthenisch oder hysterisch oder anämisch sind, die 
keine Malaria gehabt haben und nicht an Migräne leiden. Vor¬ 
tragender stellt diese snpponierte gennine periodische Cardialgie 
dicht neben das gennine periodische Erbrechen nnd die ge¬ 
nnine periodische Hypersecretion, die er beide gleichfalls für 
selbständige Neorosen hält, und erkennt sogar Uebergänge 
zwischen diesen einzelnen Zuständen an. 

Vortragender führt ans, wie die typischere Periodicität, von 
welcher die Rede war, tatsächlich ja nnr im Vergleiche zu 
der atypischen Periodicität, welche andere Krankheiten auf- 
weisen, typisch sei. Nnn ereignet es sich aber oft, dass dieses 
Charakteristische in der Periodicität für längere oder kürzere 
Zeit völlig verloren geht, so im Status hemicranicus, so im 
Ststns epileptlens nnd ebenso in einem analogen Status, 
welcher sich nicht selten einstellt bei den gastrischen Krisen 
nnd wohl auch bei den genuinen periodischen Magennenrosen. 
Gerade in solchem Status, wenn die Periodicität zeitweise 
verwischt ist, suchen die Kranken den Arzt oder die Klinik 
aof, während der kurzdauernde Anfall nicht ohne weiteres 
znm Arzte führt, so dass auf diese Weise gerade der Status 
mit völlig verwischter Periodicität relativ bänfig znr Auf¬ 
zeichnung gelangt. Bei genauer Aufnahme der Anamnese 
würde aber doch in den meisten dieser Fälle eine ausge¬ 
sprochene Periodicität sich nachweisen lassen. 

Vortragender spricht, dann über die 'Beziehungen der ge- 
nnineu periodischen Magenkrankheiten zn den gastrischen 
Krisen und endlich über ihre Beziehungen znr Migräne. Wenn 
nämlich die genuinen periodischen Magenkrankheiten — die 
gennine periodische Hypersecretion, das gennine periodische 
Erbrechen und die supponierte gennine periodische Cardialgie 
vergesellschaftet sind mit heftigen Kopfschmerzen, so 
kann die Differentialdiagnose zwischen genuiner periodischer 
Magenneurose nnd Migräne sehr schwierig werden. Ara be¬ 
kanntesten ist dieses Verhalten für die periodische Hyper¬ 
secretion, wenn bei ihr gleichzeitig Kopfschmerz besteht. 
Dieses ist dann ein Zustand, der nach Rossbach Gastro- 
xynsis heisst. Eine selbständige Stellung hat dieser Znst&nd 
nicht zu beansprnchen. Gehört er nun zar Migräne oder zur 
periodischen Hypersecretion ? Einerseits hält M o e b i u s die 
Gastroxynsis für eine Abart der Migräne, andererseits halten 
Riegel, Boas und andere Autoren sie für eine Abart der 
periodischen Hypersecretion. Es scheint Vortragendem sich 
so zu verhalten, dass wohl beide Ansichten znrecht bestehen, 
insofern als nämlich ein Teil der Fälle von Gastroxynsis der 
periodischen Hypersecretiou, ein Teil — vielleicht der kleinere 
Teil — der Migräne znznzählen sein dürfte. Vortragender 
ist übrigens der Ansicht, dass die Migräne nur selten eine 
Hypersecretion aufzuweisen hat. Die Angabe, dasB grosse 
Mengen sanrer Flüssigkeit erbrochen werden, ohne dass etwas 
genossen wurde, wird ja bei echter Migräne nicht selten ge¬ 
macht. 

Darnach müsste män znr Annahme gelangen, dass Hyper¬ 
secretion ein nicht seltenes Symptom der Migräne sei. Vor¬ 
tragender hat bei Migräne-Patienten, die solche Angaben 
machten, öfters den Magen auf nüchternes Secret hin im An^ 
falle untersucht, aber bisher dabei nie irgend erhebliche 
Mengen nüchternen Secretes erhalten. Es scheint also die 
Hypersecretion während des Migräne-Anfalles selten vorzu- 
koinmen. Auch in Fällen, in deuen periodisch gleichzeitig 
heftiger Vomitus und Kopfschmerz auftreten, kann der Diffe¬ 
rentialdiagnose Schwierigkeiten bereiten, insofern nämlich die 
Frage der Erblichkeit und andere bezügliche Fragen unsicher 
beantwortet werden. Man wird aber solche unklare Fälle 
nicht als besondere Gruppe hinstellen, sondern dieselben ge¬ 
hören eben entweder der Migräne oder dem periodischen 
Erbrechen an. Bezüglich der Fälle von periodischen O&r- 
dialgien mit Kopfschmerz sind die Verhältnisse völlig analog 
aufznfassen. 


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(Die Arbeit erscheint ausführlich [im «Archiv für Ver- 
d&iaufs-Kr&nkheiten» ). 

(Autoreferat.) 

DiscuBsion. 

Dr. Schröder: Ich möchte nur kurz darauf hinweisen, 
dass die von mir beobachteten Schmerzanfälle keine strenge 
Gesetzmässigkeit der Periodicität erkennen Dessen. Im Käh¬ 
men desselben psychischen Anfalles wechselu häufig in re¬ 
gelloser Folge Kopfschmerzen, bisweilen solche hemikrani- 
scken Oharakiers, mit Schmerzen in den Extremitäten, ga- 
itralgischen Beschwerden und Schmerzzuständen in anderen 
Körpergebieten ab. Mitunter dehnte sich der Kopfschmerz hemi- 
kramscher Abart über die entsprechende Körperhälfte zu» ei¬ 
ner completten Bemiaigie aus. Auch ist das Auftreten der 
Schmerzänfälle nicht an bestimmte Entwicklungsstufen der 
Psychosen gebunden. Jian begegnet ihnen nicht nur in den 
früheren Stadien und im späteren Verlauf der psychischen 
Verstimmung, sondern auch nach Ablauf der Psychosen in 
den freien intervalleu. Immerhin kann man sagen, dass die 
Zeiten des allmählichen Abklingens der Psychose und die 
sogenannten freien Intervalle in überwiegender Häufigkeit 
dmch Schmerzanfälle compiiciert werden. 

Dr. v. Holst: Während der grössere Teil der Ausfüh¬ 
rungen de» Vortragenden theoretisch-hypothetischer Art war 
und in Bezug auf seia Bestreben, die periodischen Störungen 
der Magentunclion mit bestimmten Gehimcentren in nahen 
Zusammenhang zu bringen, mir etwas gew&gt erschienen ist, 
so vermisste ich dagegen um somehr die Schilderung der 
periodischen Magenstörungen, über die Dr. Schröder und 
ich seinerzeit berichtet haben und deren Kenntnis auf vielfäl¬ 
tiger, genauer klinischer Erfahrung beruht, nämlich die Oom- 
plicationen rsp. Aequivalente des manisch-depressiven Irreseins 
und gewisser gastrischer Störungen. 

Dr. Büttner, Schlusswort: Mir lag es hauptsächlich da¬ 
ran, eine Trennung der Auen der Periodicität in 2 Typen in 
klinischer Hinsicht zu versuchen. Ueber den Sitz der in 
Frage kommenden Läsion habe ich mich nnr vermutungweise 
ausgesprochen, 

3. Dr. v. E nge lmann hält seinen Vortrag: «Zur In- 
dication der operativen Behandlung der 
Frostatahypertrophie». (Der Vortrag erscheint in 
der St. Petersb. med. Wochenschrift). 

Discnssion: 

Prof. Zöge v- Man leu ffel glaubt, darauf hinweisen za 
müssen, dass der Streit um die perineale and suprapabische 
Operation müssig sei. Wir brauchen beide. Es gibt hohe Becken, 
bei denen von unten nichts zu machen ist and dicke Bäuche, 
bei denen die Operation von oben schwierig ist. B o 11 i u 1 be¬ 
richtete über viele lebenbedrohende Blutungen. 

Dr. v. Engelmann, Schlusswort: Der von Prof. 
Zöge von Mantenffel geforderten Individualisierung bei 
der Bestimmung des therapeutischen Vorgehens ist iu meinem 
Vortrage Hechnnng getragen worden. Den primären Schluss 
der blase nach der Prostatectomia suprapubica hat Vor¬ 
tragender nach einer schlechten Erfahrung infolge mangel¬ 
hafter Function des Verweilkatheters bei inficiener Blase 
verlassen und führt, allerdings nicht die Tamponade sondern 
die Drainierung der Blase durch ein dickes GumUiidram 
durch die Bauchwuude aus. Dadurch wird eiue bessere Be¬ 
einflussung der Blasen wunde gewährleistet. Das Drain kann 
nach 4—5 Tagen, je nach dem Zustand der Blase entfeint 
werden. Die Blasewunde schliesst sich meist rasch. 

4. Dr. A. Berg hält seinen Vortrag: <Zur (lonorrhoe- 
bebandl ung». (ln Nr. 45, 1908 der St. Petersburger med. 
\V oclienschr. erschienen). 

Discnssion: 

Dr. G. v. Engelmann: Die Vorzüge der Silbereiweiss- 
veibindungen gegenüber dem argeptum nitric. sind nicht 
darin zu sehen, dass dieselben specifischer wirken als das 
arg. nitr., auch darin nicht, dass sie tief eindringen, sondern 
4ass sie reizloser sind, in früheren Stadien der acuten 
Oonorihoe angewandt werden können und weuiger CompU- 
cationen im Befolge haben, namentlich weuiger Erkrankungen 
an Epididymitis bei Anwendung der Spülungen. Auch die Be¬ 
handlung der chronischeu Formen mit neissen Lösungen 
combiniert mit Dilatation und Massage ist nach meiner Er¬ 
fahrung von vorzüglichen Resultaten begleitet. 

Dr. A. Berg, Schlusswort: Durch Calderone 
and L o h u s t e i n ist bei vergleichenden V ersuchen testge- 
steilt, dass die subepitheliaie Infiltration bei Irrigation der 
Urethra mit arg. nitr. eine tiefergehende ist als bei Anwen¬ 
dung der Silbereiweissverbindungeu. Daher empfiehlt sich der 
Gebrauch des arg. nitr. zur Erzielung einer Tiefen Wirkung. 

■ &• Dr. Bey be r hält seinen Vortrag: «Die Bolle der 
Infeetion im Kriege». (Erscheint in der St. Peters¬ 
burger med. Wochenschrift). 


Discuösion! 

Dr. Schiemann vermisst im Vortrage von Dr. Be y her 
den Unterschied in den Sommer- und Winterverletzungen. 
Letztere gestalten sich bei der unhygienischen russischen 
Winterkleid ung entschieden ungünstiger. Ferner hält er den 
Procentsatz der iuficierten Wuuden überhaupt für zu hoch, 
da ein grosser Teil der leicht Verletzten nicht in die Hospi¬ 
täler, die Dr. B e y h e r das Material gegeben haben, aufge¬ 
nommen worden sind, sondern einfach weitergeschickt wurden 
in Hospitäler, die einige Tagereisen weiter entfernt lagen, wo 
sie schon mit vollkommen geheilten Schusswunden ankamen. 
Was die Schrapneilverletzuug und deren Iufection anbe¬ 
triff... schliesst er sich Dr. Reyher an, d. h. wenn auch 
mal ein Schrapnell reactionsios einheilte, so fand man doch, 
wenn man darauf einschnitt, regelmässig einen kleinen 
Abscess um das Schrapnell herum. ■' 

Dr. Hornhaupt: Vom theoretischen Stacdpnnct ist jede 
Schusswande sicher als inficiert zu betrachten. Pracusch 
spielt jedoch diese Tatsache nicht eine so wesentliche Bolle, 
wie es von Dr. Be y her dargesteiit wird. Der Procentsatz 
der inficierten Schusswunden ist verschieden je nach der Lage 
des Lazaretts, ln den vorne gelegenen Lazaretten wird er 
sicher grösser gewesen sein als iu den Beservelazaretten. 
Das von mir im Archiv für kiin. Chirurgie veröffentlichte 
Material über Gelenkschüsse znm Beispiel zeigt, ein wie 
grosser Procentsatz von Gelenkschüssen quasi per primam 
heilten. Practisch dürfen daher die Schusswunden, die 
durch Mantel gesobosse zustande kommen, als nicht infi¬ 
ciert angesehen und behandelt werden, und iu diesem Siuue bleibt 
die von £. v. Bergmann ausgesprochene Ansicht bestehen. 

Prof. Zöge v. Manteuffel: Dr. ßeyhers Arbeit 
hatte im wesentlichen den Zweck, Klarheit zu bringen — und 
ioh glaube dieses wird immer verdienstlich sein, einerlei ob es 
schon zu practischen Schlüssen beiecütigt oder nicht. (legen 
Bornhaupt möchte ich anfühlen, dass wir schon nach 
8 Stunden und früher böse Phlegmonen fanden, die durchaus 
nicht gleichgültig waren. Weiter im Bücken war das Material 
durchgesiebt. Key her hat versucht, beides zu berück¬ 
sichtigen, z. B. auch das Material Dr. Bornhaupts, um 
allgemeine Schlüsse zu ziehen. Die Grundsätze der Berg¬ 
mann sehen conservativen Therapie werden fürs erste aus 
äusseren Gründen beizubehalten sein, aber wir können uns 
doch deswegen 4er Wahrheit nicht verschliesseo, dass das 
Gros der Wunden iuficiert ist 

Dr. Reyher, Schlusswort: Wegen Zeitmangel sind 
die von Dr. Scniemann gerügten Mängel entstanden; ver¬ 
weise auf demnächst erscheinende Arbeit. Dr. Bornbaupts 
Behauptung, dass infeciion keine Bolle spielt, wiederlegt sich 
durch angeführte Mortalität. 

6. Dr. Saarfels hält seinen Vortrag: «Die von 1899— 
1908 im Kinderhospital beobachteten Coxitis- 
Fälle». (Erscheint in der si. Petersb. Med. Wochenschr.). 

Dr. v. V i e t i n g h o f f hält seinen Vortrag: «Zur The¬ 
rapie des Klump f assea». (Erscheint in der St. Peters¬ 
burger med.Wochenschrieft). 

DiscuBsiou: 

Dr. Thilo schliesst sich den Ausführungen des Dr. von 
Vietlnghoff an und erläutert einige Klumpfussveibäude 
and Schienen, die in seinem Werke «Orthopädische 
Technik» (Wiesbaden. F\ Bergmann. 1908) ver¬ 
öffentlicht sind. 


6. Sitzung. 

Sonnabend den 30. August, von 9 bis 1 Uhr. 

1. Referat über die Gallensteiuerkranknugeq. 

a) Dr. Scbabert: Aetiologie und Pathologie, 
(ln Nr. 47 der St. Petersbg. med. Wochenschr. erschienen). 

b) Dr. v. Bergmann: Chirurgische Behand¬ 
lung der Cholelithiasis. 

Vortr. referiert über den Stand der Gallenblasenchirurgie, 
wie derselbe sich dank deu Arbeiten von Langenbuch, 
Kehr, Körte und vieler and. gestaltet hat. Von den In- 
dicationen für die Operation ausgehend, erwähnt Vortr. die 
Cholecystendyse, die einzeilige Oholecystotomie,—die zwei¬ 
zeilige ist wohl gegenwärtig ziemlich allgemein aufgegeben 
wordeu—und kommt daun zur Cholecystectomie, die er in letzter 
Zeit fast ausschliesslich ausgeführt hat, da in seinem Material 
Fälle, in denen es wünschenswert wäre, die Gallenblase zu 
erhalten, so gut wie garnicht verkommen. Die grosse, palpa- 
ble Gallenblase, deren Inhalt durch Stein- oder Narbeo¬ 
verschluss im CysticuB gestaut ist, zeigt immer Verände¬ 
rungen der Wand, so dass es nicht angezeigt ist, eine solche 
Gallenblase zu erhalten. 


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UNIVERSITY OF MICHIGAN 



Durch ftetzverlÖtungen kann eine solche Gallenblase auf¬ 
fallend hart erscheinen, so dass der Verdacht eines Neoplasma 
geweckt wird. Die Operation ist in diesen Fällen immer vor¬ 
zunehmen, es sei denn dass anderweitige Symptome die Diag¬ 
nose des Neoplasma zweifellos machen. 

Die Diagnose der geschrumpften Gallenblase ist oft sehr 
schwierig, der Ei edel sehe Lappen kann wenig ausge¬ 
sprochen sein, die Di uckeinpfindlichkeit ist nicht charakte¬ 
ristisch. da sie bei Magen- und Duodenalulcus auch vorkommt. 
Die Spaunnng des oberen Segments des r. M. rectus, die man 
bei allen drei erwähnten Möglichkeiten findet, ist geignet, 
eine abnorme Resistenz vorzutäuschen. Am ehesten ergibt 
eine genaue Anamnese Stützpuncte für die richtige Diagnose. 
Nur selten erhält man die aber, namentlich bei einem Material, 
das sich vorherrschend aus den unteren Schichten der Be¬ 
völkerung recrutiert. 

Beim Choledochusverschluss durch Stein ist eingeschrampfte 
Gallenblase die Regel. 

Eine grosse, paipabele Gallenblase bei Choledochusver¬ 
schluss soll immer den Verdacht auf Tumor wachrufen. 

Ein unvollständiger Icterus ist beim Choledochusstein keine 
Seltenheit. 

Tritt Verschluss der Gallengänge ein, so sollen die acuten 
Erscheinungen lieber abgewartet werden, jedoch darf diese 
Kegel nicht schematisch befolgt werden. Bei eitriger Cholan- 
gioitis soll möglichst früh operiert werden, bei dieser Er¬ 
krankung sind alle Autoren in der Empfehlung der üepaticus- 
drainage einig, über deren Anwendung sonst die Meinungen 
geteilt sind. Es ist zu berücksichtigen, dass der im Cbole- 
duchus befindliche Stein selbst vun einem Chirurgen, der so 
grosse Eifahruugen auf diesem Gebiet besitzt, .wie Kehr 
io lt> ü /a der Fälle übersehen worden Ist 1 

Zu wenig wird in der Literatur betont, dass bei der Chole- 
lithiasis auch eine pylephlebitische Erkrankung möglich ist. 
Vortr. hat einen Fall gesehen, m dem ein typischer Kolikan- 
fali mit dem Abgang eines sehr grossen Concrements endete. 
Der Stein war so gross, dass offenbar ein directer Durch¬ 
bruch in den Darm stattgefunden hatte, im Anschluss daran 
traten Schüttelfröste und hohes Fieber auf, dabei wurde der 
früher aufgeiriebene Leib weich und unempfindlich und 
fanctionierte der Darm normal. Die Ansicht der hinzu gerufenen 
Chirurgen war geteilt, die einen hielten eine Operation für 
aussichtslos, die anderen wollten der Möglichkeit einer Cholan« 
gioitis Rechnung tragen nnd operieren. Die Kranke entschloss 
sich zur Operation, der ich dank der Freundlichkeit des Ope¬ 
rateurs beiwohnen kounte. Es handelte sicii offenbar um eineu 
Durchbruch ins Duodenum, da breite massige Adhäsionen 
zwischen dem Choledochus und Duodenum bestanden. In den 
Gallengäogen und der geschrumpften Gallenblase fand sich 
kein Eiter. 

Dass, wenn auch sehr selten, bei Pylephlebitis spontaner 
Ausgang in Genesung erfolgen kann, steht fest; ist es 
möglich, die lichtige Diagnose zu stellen, so warte man lieber 
ab, denn durch den Eiugrilf ist man nicht imstande, die 
Situation günstig zu beiufiusseu. 

Bei der Difierentiaidiaguose kommen vor allem das Magen- 
nnd Duodenaluicus in Betracht, welche durch die Adhäsions- 
biidung, die sie veranlassen, Erscheinungen auslöseu, die 
kliniscu irreführen, es kann in diesen Fällen zu typischeu 
Kolikartigen Schmerzen, ja zu leichtem Icterus kommen. 

Der hinaufgeschlagene uud fixierte W ur in f ortsatz 
kann gleichfalls in derselben Weise irrefüüren. 

Eine verlagerte und fixierte Niere, wenn 
dieselbe sonst gesund ist, kann für eine Schwellung des 
rechten Leberiappens mit Galleobiasentumor gehalten werden. 

Kehr 8 ßalionschnitt und der von K ocher moditicierte 
Czerny sehe Hakenschnitt concurriereu beider Aufgabe, das 
Opei ationsterraiii fi eiznlegen. 

Vortr. hat iu letzter Zeit den Kocher sehen Schnitt be¬ 
vorzugt der späteren besseren Narbe wegen. Der Kocher- 
sciie schnitt legt das Operationsgebiet in befriedigender Weise 
tiei. • 

Zum Schluss erwähnt Vortr. der Polemik, die Kehr gegen 
Ritter (Carlsbad) eröffnet, welcher für die exspectativ be- 
nandelten Fälle eine Mortalität von ü,04 h berechnet, während 
uie Chirurgen Kymrnel 20,7 H, Kehr 1S-H von ihrem 
Material verlieren. Das Falsche solcher Schlussfolgerungen, 
wie Ritter sie gezogen, liegt in der Ungleicbartigkeit des 
Materials. Carisbad wild doch zum grossen Teil von sog. 
Gallensteinträgern besucht, während den Chirurgen die 
Gallenstein kranken und zwar meist bei vorgeschrittenen 
Leiden zugeüen. Binder (ll u , o) und N a u n y u (.157«! geben 
denn auch gauz andere Zahlen für die Mortalität der Chole- 
Jithiasis. Der oben erwähnte Fall erkrankte und verlief 
lödlicü unmittelbar nach eiuei Carisbader Cur. 

(Autoreferat.) 

(Fortsetzung folgt). 


Zuschrift an die Redaction. 

Wir erhalten von Geheifhrat Dr. I.. Bertbenson foi- 
gende Zuschrift, der wir hier gern Raam geben, indem 
wir die Empörung Dr. Berthensons über den schamlosen 
Mis auch seines Namens zu Reclamezwecken vollkommen be¬ 
greifen and billigen. 

«Sehr geehrter Herr Redacteurl 

Ich bin genötigt. Sie am Veröffentlichung folgender Erklft- 
rung zu bitten. 

Zufällig erfuhr ich, dass die Nr. 11811 der Zeitnag «Nowoje 
Wremja» im Inseratenteile eine marktschreierische Reclame 
über Salzgurken enthielt, in welcher nicht nur mein Name, 
sondern auch ein Facsimile meiner Unterschrift figurierte. 

Beim Lesen dieses von einem gewissen Gurkeuhändler 
W. Lossjew fabriciertön Inserats wurde mir klar, dass ich 
das Opfer einer schändlichen Machinatiou seitens eines Men¬ 
schen geworden war, der sich durch Betrug eine schriftliche 
Notiz über den Genuss von Gurken von mir verschafft hatte. 

Der genannte Herr, der sich als Patient zu meinem Kran- 
keuempfaug angeschrieben hatte, erklärte mir zunächst, nicht 
er sei der Kranke, sondern sein Auftraggeber, der selbst 
nicht kommen könne, weil er za Bett liege, und ihn, Lossjew, 
nur gebeten habe, zu erfahren, ob er Gurken, welche keine 
Choleravibrioneu enthalten, geniessen dürfe. Als ich ihm 
darauf kurz meine Meinung sagte, bat er mich, meine Ant¬ 
wort aufzuschreiben, was ich, nichts Böses almend, aoeh tat, 
indem ich meinem Assistenten einige Zeilen dictierte, die der¬ 
selbe auf meinem Receptformular niederschrieb. 

Indem ich der Bitte W. Lossjews willfahrte, war ich na¬ 
türlich weit davon entfernt, zu ahnen, dass der vorgebliche 
Kranke meine Antwort zum Betrüge und zu schamloser Re¬ 
clame ausnutzeu würde. 

Tief empört über die niedrige Handlungsweise W. Lossjews, 
j halte ich es für meine Pflicht, zu meiner Verteidigung dieselbe 
durch die Presse bekannt zu machen. Selbstverständlich habe 
ich W. Lossjew unter Androhung gerichtlichen Einschreitens 
verboten, meinen Namen weiterhin in seinen Reclamen zu 
nennen. 

Mit vorzüglicher Hochachtung 

Leo Bertbenson. 

St. Petersburg, den 29. Januar 1909». 


Wöchentliche Chronik und kleine Mitteilungen. 

— S t. P e t e r s b u r g. In der 3itzung des Medicinalrats 
vom 13. Januar wurde die Frage über den Kampf mit 
der Cholera in Petersburg beraten. 

Der Minister des lauern, dem das Protocoli der Sitzung 
vorgelegt wurde, machte eine Randbemerkung, in welcher er 
die Einführung einer Canalisation und einer ge¬ 
regelten Wasserversorgung für dringend und u n- 
bedingt notwendig im Interesse des Staates hält. Vor¬ 
läufig empflelt er, die temporären Massnahmen, die der Gehilfe 
des Obermedicinalinspectors, Dr. S c h m 1 d t, vorgeschlageu 
hat, durchzufuhren und hoffe, daB8 der Medicinalrat es 
nicht unterlassen werde,seinerseits unverzüglich Mass- 
regeln zu ergreifen, die zum Erlöschen der Epidemie füh¬ 
ren könnten. Der Minister seinerseits meint, dass sofort 
Schritte gemacht werden müssen zur Verhinderung einer 
weiteren Verunreinigung der Newa und zur Desinfectkm der 
Müllgruben. Er wundert sich, dass iu dieser Beziehung im 
Verlauf von 6 Monaten nichts getan worden ist, und erklärt, 
eine weitere Untätigkeit sei nicht zu dulden. 

— Die von der Duma und dem Reichsrat genehmigte Er¬ 
höhung des £tatB der chirurgischen Klinik 
der Dorpater Universität um 12000 Rbl. jährlich 
hat die Allerhöchste Bestätigung erhalten, 

— Im Jahre 1909 vollenden sich 100 Jahre seit der Grün¬ 
dung der L Medicinischen Akademie in War¬ 
schau, die auf Verfügung Kaiser Nikolaus I. im Jahre 1831 
geschlossen wurde. 

— Am 25. Januar fand anlässlich des 50-jährigen Jubi¬ 
läums des Vereins der Marineärzte inSt. Peters¬ 
bur g eine feierliche Sitzung statt, in welcher der Obermedi- 
cinalinspector der Flotte, Dr. A. Öujew, die Festrede hielt, 
der Secretär, Dr. Faddejew, den bericht über die 50 jährige 
Tätigkeit des Vereins verlas and Dr. W. Krawtsclienko 
einen Vortrag hielt über «die Tätigkeit der Schifisärzte des 
1. und 2. Uceangeschwaders während des russisch-japani¬ 
schen Krieges 1904—1905». Begrüssungen und Glückwünsche 
wurden dargebracht: vom Medicinalrat durch Prof. Rein, 
vom Pirogowschen Chirurgenverein durch Dr. A. Tr oj a n o w, 
vom Deutschen ärztlichen Verein — Dr. W. Kernig, von 
der Dermatologischen Gesellschaft — Prof. 0. v. P e t e r s e n, 


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voa4erGynäkologischen fateseltsohaffc —Prot. D. Ott, Von der 
Ophthslmologiselien Gesellschaft — 1 Dr. Tichomirow and 
Äesslieh beglückwünschte den Verein der Sohn des Grün¬ 
ders desselben — Dr. Rosenberger, weiland Generalstabs- 
doctor der Marine, — Ingenieur Eosenberger. 

— Die 0 ff i c i e r s c fi ä r p e ist durch Allerhöchsten Ukas 
vom 20. Janoar d. J. allen Aerzten des Militärres- 
sorts verliehen worden. 

— Der Privatdocent für Geburtshilfe und 
Kinderkrankheiten an der Universität zu Moskau, I 
Or. N. P o b e d i n s k i ist als ausserordentlicher Professor I 
bestätigt. , v 

— Der Professor der ge r i c b 11 i c h e n Medici n 
sn der Universität zu Moskau, Dr. P. Minakow ist zum 
Prorector erwählt. 

-Zum Dekan der medicinischen Facultät der Uni verei¬ 
nt zu Charkow ist Prof. N. Obolenski erwählt 

*0riMT. ‘ 

— Der Corpsarzt des 10. Armeecorps, wirk). Staatsrat, 
Dr. Badetzki »i zum Geheimrat befördert. 

— Der Arzt an dein chirurgischen Hospital der 
Big an chenGem ein Schaft der Barmherzigen Schwestern 
derüussischen Gesellschaft deB Koten Kreuzes, Dr. P. K 1 e m m 
ist mm Chefarzt des genannten Hospitals ernannt. 

— 25 - j ä h r i g e 8 A ra t s j u b i l ä u m. Am 1. Januar voll¬ 
endeten sich 25 Jahre, seit Dr. T h e o d o r T i 1 i n g die 
Leitung der von der Stadt Kiga unterhaltenen Irrenanstalt 
Rothenberg übernahm. Unter seinem Directorat ist die An¬ 
stalt durch umfangreiche Hauten wesentlich erweitert uud 
verbessert worden. Da Dr. Tiling am Tage seines Jubi¬ 
läums im Auslände sieh befand, so konnte erst nach seiner 
Rückkehr am 6. Januar eiue Feier staufindeu, an der Bicb 
die Stadtverwaltung, die Gesellschaft practischor Aerzte in 
kiga, fi Miere Assistenzärzte, das Personal der Anstalt, einige 
Patienten u. s. w. beteiligten. Von der Gesellschaft practi- 
scher Aerzte wurde dem Jubilar eine Adresse überreicht 
ond von den früheren Assistenten eiu Ehrengeschenk. 
Von den Anstaltsttrzten wurde dem Jubilar eine mit seiuem 
Bildnis geschmückte F estschrift dargebracht. — Di. T i - 
ling, der gegenwärtig im 67. Lebenjahre steht, hat bekannt¬ 
lich Beine mediciuiscbe Ansbildung in Dorpat ei halten, wo er 
von 1862— 67 studierte und 1869 die Doctorwtirde erlangte, 
«oiaut er Assistent in Kotheuberg und von 1871—84 Ordina- 
tor au der Irrenanstalt Nikolaus des Wundertäters in 
St. Petersburg war, um daun die Leitung der Irrenanstalt 
fiothsnberg zu übernehmen. 

— Zur Eröffnung einer Privatheilanstalt in Per- 
naa unter dem Namen «Sanatorium des Curorts 
Pernau» ist, wie die «Livl. CV>uv.-Ztg.» mitteilt, einem 
Herrn Ernst Bahre dieConcession erteilt worden. 

— Dem Verein derFabriksärzte in Moskau Ist es 
gestattet worden, in den ersten Tagen des April den er¬ 
nten al 1 r u s s i s c li e n CongresB für Fabriksmedicin 
und aanitätsfragen in Moskau zu veranstalten. 

— Die Zeitschrift <Chirurgija> wird nach dam Tode 
von Prof. P. Djakonow unter Kedaction von seinen 2 
Assistenten DDr. Napalkow und Tereb i n ski weiter- 
erscheiuen. 

— Die vielfach unerquicklichen Beziehungen der 
Landschaftsämter zu deu Laudschaftsärzten 
bestellen in manchen Gouvernement immer fort und bilden 
ein chronisches UebCl, unter welchem die Bevölkerung am 
meisten za leiden hat. «Quidquid delirant reges plectuutur 
Ackaei?. Am 1. Februar dieses Jahres quittierten alle 
Landscbaftsärzte des Kreises Galitsch (Gouv. 
Kostroma) auf einmal den Dienst, weil sie das Verhallen 
du Landschaftsamtes gegenüber vei schiedenen Bestimmungen 
and Forderungen der Aerzte und Sanitätsbehörden für un¬ 
zulässig erklärten. 

— Die Warschauer hygienische Gesellschaft will im Feb¬ 
ruar eine Ausstellung veranstalten zur Veranschau¬ 
lichung des Kampfes gegen den Aicohol. 

— In Odessa wird die Gründung eines weiblichen 
medicinischen Instituts geplant. 

— Am 15. März d. J. begeht das Journal «Prak ti¬ 
tsch eskaj a M edi zi n a> das 25- j äh r i ge J u bii ä u m 
seines Bestehens. 

— Ku88ischeMedicini8cheCongre8se:Am 2.*—4. 
April Tagnng der beständigen Pirogo wsclien 
Commission zurErforschung der Tn bereu lose. 
Vom 28. December 1909 bis zum 6. Jannar 1910 
XII. Versammlung Russischer Naturforscher 
und Aerzte in Moska u. — December 1910 III. Ver¬ 
sammlung Russischer Psychiater in St. Peters¬ 
burg. — December 1909 IX. Versammlung Russischer 
Chirurgen in Moskau. 

— XVI. internationaler medicinischerCongress. 
Die Leitung des XVI. internationalen medicint- 
»chen Congresses erlaubt sich, die Herren Referenteu 


darauf aufmerksam zu machen, dass die Manntocripte derRefera'te 
bis zum 28. Februar, welches Datum nunmehr als der spft*' 
teste Termin festgesetzt ist, an das Congressbureau, 
Budapest, VIII. Esterbäzy-öasae 7, einzusenden sind. 

Den Mitgliedsbeitrag von 25 Kronen österr.-ung. Währung 
wolle man mittelst Postanweisung an den Schatzmeister des 
Oongresses, Herrn Prof. Dr. von Elise her (Budapest, VIII. 
Esterhazy-Gasse 7) einsenden. 

— Wir erhalten von derDeutschenGesellschaftfür 
Urologie folgeudeZuschrift: «Sehr geehrter HerrCollege! Die 
Vorarbeiten zu dem vom 18. bis einschliesslich 22. April d. J. 
im Laugenbeck-Hause zu Berlin, Ziegelstrasse 10—Jl, ta¬ 
genden zweiten Congress der Deutschen Ge¬ 
sellschaft für Urologie haben zur Aufstellung fol¬ 
genden vorläufigen Programmes geführt: Sonntag, den 
18. April, nachmittags 4 Uhr: Vorstandssitzung in der 
Geschäftsstelle Berlin W., Viktoriastraese 19. Abends 8 1 /» 
Uhr: Begrnssung und Empfang der Oongresstdilnehmer mit 
ihren Damen durch die Berliner Mitgiieder der Deutschen 
Gesellschaft für Urologie. Montag, den 19. April, pünkt¬ 
lich 9 Uhr, Eröffnung des Congresses im Langeubeck-Hause 
und daran anschliessend 1. wissenschaftliche Sitznng bis 1 Uhr. 
Thema: Urologie und Gynäkologie. Referenten: 
Prof. Dr. 8 t o e c k e 1 - Marburg. Prof. L)r. Wertheim- 
Wien. Nachmittags 27 3 —5 Uhr : Sitzung, Vorträge. Dienstag, 
den *0. April, vormittags 9—127* Uhr, Sitzung. Thema: 
Die eitrigen, nicht (oberen lösen Affectioneu 
der Nieren. Referenten: Prof. Dr. von Frisch- Wien. 
Prof. Dr. B a r t h - Danzig. Nachmittags 4—6 Uhr: Sitzung, 
Vorträge; daran auschliessend Projectiousabeud. Abends 
8 ‘ Uhr: Bankett mit Damen. (Der Ort wird am ersten Con- 
gresstage im Bureau bei Herrn Heizer, Langenbeck-Haus, 
bekannt gemacht.) Mittwoch, den 21. April, vormit¬ 
tags 9—12'* Uhr: Sitzung. Thema: Blasen tumoren. 
Referenten : Prof. Dr. C a s p e r - Berlin. Prof. Dr. Zucker- 
kandl-Wieu. Nachmittags 27* Uhr: Generalversamm¬ 
lung; daran anschliessend: Sitzung, Demonstrationen In >d«r 
Generalversammlung erfolgt der Finanzbericht des Kasften- 
fükrers, Wahl des Vorstandes, Bericht der Commission für 
Statutenänderungen. (Statutenänderungen köunen nur dann 
vorgenommen werden, weDn die diesbezüglichen Au träge den 
Mitgliedern mindestens acht Tage vor der Geschäftssitzung 
mitgeteilt worden sind und bedürfen zwei Drittel Majorität.) 
Donnerstag, den 22. April, vormittags 9—12V, Uiir 
soll noch eine Sitzung stattfinden, falls die augeineldeieu Vor¬ 
träge und Demonstrationen noch nicht erledigt sein sollten. 
Anmeldungen zur Discussion, sowie von Vor¬ 
trägen und Demonstrationen, au dsueu sich auch 
Nichtmitglieder mit Genehmigung des Vorsitzenden beteiligen 
können, müssen bis spätestens 15. März bei der Ge¬ 
schäftsstelle in Berlin (Sanitätern Dr. Woseid lo, YV., 
Victor!astr. 19) erfolgen. Spätere Anmeldungen köunen nur 
dann Berücksichtigung finden, wenn die Zahl der bereits an- 
geineldeten Vorträge es gestattet. Die Teilnehmkarten 
für Mitgiieder sind gegen Erstattung des Beitrages, 
für Nicülmitgiieder im Betrage von 10 Mark, an deu 
Congresstagen bei Herrn Melzer im Langenbeck-riause in 
Empfang zu nehmen. Sie müssen beim Eintritt in den Saal 
vorgezeigt werden. Sämtliche Teilnehmer des Congresses 
werden gebeten, sich rechtzeitig in die Präsenzliste 
bei Herrn Meizer einzutrageu (um deutliche Schrift wild 
gebeten). Ebenda liegt die Liste zur Etnzeichnung der Teil¬ 
nehmer au dem gemeinsamen Bankett aus. Anmeldungen 
neuer Mitglieder sind auf deu bei Herrn Melzer erhält¬ 
lichen Vorschlagsformularen, mit der eigenhändigen Unter¬ 
schrift der drei voischlagenden Mitglieder der Gesellschaft^ 
an den Schriftführer, Herrn Wossidlo, zu richten. Aul- 
nahmesitzungen linden seitens des Vorstandes während der 
Dauer des Congresses nach Bedürfnis statt. Die Namen 'der 
Gewählten werden in den Sitzuugen bekannt gemacht. An¬ 
schliessend an den Congress findet eine Ausstellung 
wissenschaftlicher Gegenstände (Präparate, Ab¬ 
bildungen etc.) sowie urologischer Instrumente und 
Apparate in den Nebenräumeu des Langenbeek-Hauses 
statt. Die Herren Collegen, die die Ausstellung beschicken 
wollen, werden gebeten, die betreffenden Objecte bis zum 
1. April bei Herrn Dr. Arthur L e w i n , Berlin W. 50, 
Tauenzienstrasse 13, anznmelden, sowie die Objecte 
selbst bis zum 15. April an Herrn H. Melzer, Berlin N., 
Ziegelstrasse 10/1 i (Langenbeck-Haus) einzuscbicken. Die 
Ausstellungsgegenstände selbst weiden gegen Feuersgefabr 
versichert, es wird deshalb am Wertangabe der betreffenden 
Ubjecte gebeten. Die Gesellschaft haftet für Abhandenkom¬ 
men and Beschädigung nicht. Alle Gegenstände sind mit 
genauer Adresse des Absenders zu versehen, da sousi Rück¬ 
sendung unmöglich ist. Alle weiteren Auskünfte erfolgen 
durch die Geschäftsstelle in Berlin. Posner. Zucker¬ 
kand 1. W o s s i d i o. 

— Von dem orthopädischen Institut Rizzoli 
in Bo 1 ogn a (San Michele in Bosco) ist ein We 11be - 


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UNIVERSfTY OF MICHIGAN 



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w e rb z&r Erlangung des Preises Humbert I. eröffnet, 
der im Betrage von 3500 Lire för das beste Werk oder die 
beste Erfindung anf orthopädischem Gebiet zugeteilt wird. 
An dem Wettbewerb können sioh sowohl italienische wie aus¬ 
ländische Aerzte beteiligen. Schluss des Wettbewerbes ist der 
31. December (n. St.) 1909. Die Teilnehmer, haben sich an den 
Präses des Instituts Rizzoli in Bologna (Giuseppe Bac- 
c belli) zu wenden, von dem auch die Statuten zu er¬ 
halten sind. 

— Unter den Aerzten, die in den Schreckenstagen von 
Messina die erste ärztliche Hilfe den Verwundeten leisteten, 
befand sich, wie wir einem in der «Nordliv. Ztg.» veröffent¬ 
lichten Briefe entnehmen, auch unser Landsmann, der Flagg- 
mannsarzt. der Baltischen Flotte, Dr. Alexander v. 
Bonge, welcher als Chefarzt des gerade in der Nähe von 
Messina ankernden russischen Geschwaders mit den ihm un¬ 
terstellten Marineärzten die ersten Verbandplätze anf den 
Trümmerstätien Messinas errichtete. 

Die Universität Heidelberg hat eine Spende von 
130000 Mark zwecks Grtindnng eines radiologischen 
Instituts erhalten. 

— Die Universität zu Genf feiert im Juli dieses 
Jahres das J u b i 1 ä u m ihres 300 -jährigen Bestehens. 

— Die belgische medicinische Akademie hat 
Prof. Dr. S e n a t o r in Berlin zum aaswärtigen Ehren¬ 
mitglied erwählt. 

— Der amerikanische Milliardär Andrew Carnegie, 
der für die Robert K o c h - S t i f t u n g eine halbe Million 
Mark gespendet hat, ist zum Ehrenmitglied dieser Stif¬ 
tung ernannt worden. 

— Zum Nachfolger von Prof. Flügge auf den Lehrstuhl 
für Hygiene au der Universität Breslau ist Prof. Rieh- 
Pfeiffer- Königsberg berufeu. 

— Der Director des pathologischen Instituts an der Uni¬ 
versität zu Jena, Prof. Müller ist von seinem Lehramt 
zurückgetreten. 

— Der Privatdocent für Augenheilkunde an der Uni¬ 
versität zn L a u s a n n e, Dr. S. E p e r o n ist zum Pro- 
f e s s or ernannt. 

— Der Verkauf ärztlicher Praxis ist ehren¬ 
gerichtlich strafbar—so bat der prenssische ärzt¬ 
liche Ehrengerichtsbeschluss neuerdings entschieden. Der 
betreffende Vortrag war auch von dem zuständigen Land¬ 
gericht nnd Oberlandesgericht für nichtig erklärt worden. 
Uebrigens hat der ärztliche Ehrengerichtshof schon wieder¬ 
holt festgestellt, dass ein Arzt, welcher die auf dem Ver¬ 
trauen der Patienten beruhende Praxis einer Ware gleich 
durch Vertrag zu veräussern oder käuflich zu erwerben ver¬ 
sucht, gegen die Gebote der ärztlichen Staudesehre sich 
vergeht. 

— Nach einer von dem bekannten Berliner Pädiater Prof. 
Dr. AdolfBaginaki versuchten Berechnung des lebens¬ 
rettenden Wertes der Diphtheriebehandlnng 
mit dem Behringschen Serum, sind allein im Deut¬ 
schen Reich im letzten Jahrzehnt durch das Behring- 
sche Sernm über 162000 Menschenleben gereuet worden. 
Dabei ist noch in Betracht zu ziehen, wie viel an Arbeits¬ 
kraft und Schaffensfähigkeit durch die Abkürzung der Krank¬ 
heit, die Milderung des Verlaufes und die Beseitigung der 
Uebertragungsfähigkeit durch die Serumbehandlung gewonnen 
wurde. 

— Verbreitung der Cholera in Russland, ln 
der Woche vom 25. bis zum 31. Januar erkrankten und star¬ 
ben an der Cholera: in St. Petersburg (mit den Vor¬ 
städten 141 (40) Personen, im Gon vernement St. Petersburg 
1 (1), im Gebiet der Donkosaken 2 (1). 

_ Vom 4. bis zum 5. Januar erkrankten in St. Peters¬ 
bur g an der Cholera 13 Personen, starben 6 und gena¬ 
sen 18. ln Behandlung verblieben in den Hospitälern 271 
Kranke. Vom Beginn der Epidemie sind 9987 Personen er¬ 
krankt, 3915 gestorben nnd 5781 genesen. 

— Anlnfectionskrankheiten erkrankten in 
St. Petersburg in der Woche vom 11. bis zum 17. Jan. 
1909 677 Personen. Darunter an Typhus abdominalis 36. 
Typb. exanth. 1, Febris recurr. 128, Pocken 10, Wind- 

S ocken 14, Masern 62, Scharlach 63, Diphtherie 96, aent. 
[ageu-Darmkatarrh 75, Cholera 152, an anderen Infec- 
tionskrankheiten 40. 

— Die Gesamtzahl der Kranken in den St. Pe¬ 
tersburger Stadthospitäleru betrug in derselben 
Woche 12521. Darunter Typhns abdominalis 576, Typhus 
•xanth. 12, Febris recurrens 549, Scharlach 204, 
Maseru 67, Diphtherie 180, Pocken 30, Windpocken 1, 
Cholera 316, crupöse Pneumonie 126, Tuberculose 592, 
Influenza 248, Erysipel 56, Keuchhusten 11, Hautkrankheiten 84, 
Syphilis 530, venerische Krankheiten 327, acute Erkrankun¬ 


gen 1854, chronische Krankheiten 1718, chiirargUclie Krank» 
beiten 1441, Geisteskrankheiten 3215, gynäcologische Krank¬ 
heiten 226, Krankheiten des Wochenbetts 37, verschiedene 
andere Krankheiten 112. 

— Die Gesamtzahl der Todesfälle in St. Pe¬ 
tersburg betrug in derselben Woche 938 4* 49 Totgetiorene 
4- 59 in der vorigen Woche nicht registrierte Fälle. Darunter 
Typh. abd. 18, Typh. exauth. 0, Febris recurr. 1, Pocken 2, 
Masern 13, Scharlach 17, Diphtherie 20, Keuchhusten 9, 
crupöse Pneumonie 40, katarrhalische Pneumonie 159, Erysl- 
pelaB 8, Influenza 16, Pyämie und Septicaemie 18, Febris puer- 
peralis 1, Tuberculose der Luogen 118, Tuberculose anderer 
Organe 34, Dysenterie 1, Cholera 53, Magen-Darmkatarrb 
30, andere Magen- und Darmerkranknngen 41, Alcoholismug 
5, angeborene Schwäche 48, Marasmus senilis 20, andere 
Todesursachen 266. 


— Nekrolog: 1) In Moskau starb am 25. Ja¬ 
nuar der Privatdoceut der Ophthalmologie Dr. N.Pra- 
w o s 8 u d im Alter von 48 Jahren. Er hatte 20 Jahre 
an der Moskauer Augenheilanstalt gedient und war 
consultierender Arzt für Augenkrankheiten an ver¬ 
schiedenen Hospitälern Moskaus. Nach dem Tode Prof. 
Krjukows soll er für die Besetzung des vacauteo 
Lebistnhls als erster (Kandidat gegolten haben. 2) Am 
16. Januar verstarb Dr. Lu kjan o wski im Mosk. 
Gouv. 3) am 18. Januar Dr. A. P e t r o w am Fleck¬ 
typhus in Zarew (Gouv. Astrachan) geh. 1847, Arzt 
seit 1869. 4) Dr. Nedjelski in Kiew geh. 1862, Arzi 
seit 1893. 


Druckfehlerberichtigung. 


ln Nr. 5. der St. Petersburger Med. Wochenschrift Seite 67, 
Zeile 49 von unten ist zu lesen: Riga anstatt Dorpat. 


Nächste Sitzung: des Vereins St. Pe* 
tersb. Aerzte: Dienstag,d. lO.Febr. 1909. 

Tagesordnung: 1) Hoerschelmann: Ueber Hemis- 
trophia facialis (mit Kranken Vorstel¬ 
lung). 

2) Dobbert: Ueber moderne Bestre¬ 
bungen in der Geburtshilfe. 

— Diejenigen Vereinsmitglieder, die noch keinen Fragebo¬ 
gen für das biographische Album erhalten haben, werden er¬ 
sucht, sich zwecks Zustellung eines solchen an den Präses, 
Dr. Bk B1 e s s i g, Mochow^ja 38, wenden zu wollen. 


Entgegennahme der Mitgliedsheiträge. 


Nächste Sitzung des Deutschen ärzt¬ 
lichen Vereins: Montag, d. 16. Febr.1909. 

Tagesordnung: Dr. Thiele: UeberHermaphroditismos. 


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st. msimit 

UEDIGimSGHE WOCHENSCHRIFT 

unter der Mitwirkung von 

Dr. Ad. v. Bergmann, Dr. E. Blessig, Dr. 0 Brehm, Dr. X. Dombrowski, Dr. J. Dsirne, Dr. C. Frankenhäuser, 

Riga. St. Petersburg. Libau. St. Petersburg. Moskau. St. Petersburg. 

Dr. P. v. Hampeln, c r. H. Hildebrand, Dr. W. Kernig, Dr. P. Klemm, Prof. 0. v. Petersen, Dr. 0. v. Schiemann, 

Riga. Mitau. St. Petersburg. Riga. St. Petersburg. Moskau. 

Dr. Ed. Schwarz, Prof. G. Illing, Dr. R. Wanach, Dr. H. Westphalen, Dr. C. Wiedemann, Dr. R. v. Wistinghausen, 

Riga. St. Petersburg. St. Petersburg. St. Petersburg. St. Petersburg. Reval. 

Prof. W. Zoege v. Manteuffel. 

Jurjew (Dorpat), 
unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Dorpat. Riga. 

Dr. Franz Dörbeck. 

St. Petersburg. 


Jfe 7 St. Petersburg, den 14. (27.) Februar 1909. XXXIV. JAHRGANG. 


Ueber Coxitis. 

Von 

Dr. Saarfels. 

Vortrag, gehalten auf dem XX. Livländiscken Aerztetage zu 
Riga. 

M. H.! Ich werde mir erlauben, Ihnen nach dem Ma¬ 
terial des hiesigen Kinderhospitals einige statistische 
Daten über die tuberculöse Coxitis vorzulegen. Ich muss 
aber voransschicken, dass solche Statistiken, welche zum 
grössten Teil auf Umfragen basieren, bei uns zu Lande 
gewöhnlich mehr Mühe machen als sie Resultate er¬ 
geben, weshalb sie ja auch nur selten gemacht werden. 
Das liegt z. T. an unseren mangelhaften Postverhält¬ 
nissen, z. T. am mangelnden Verständnis der Patienten. 
Für unsern Fall kommt noch hinzu, dass inzwischen 
die Revolution nicht wenig Wohnortsveränderuogen ver¬ 
anlasst hat. Es ist daher als ein durchaus günstiges 
Resultat zu betrachten, wenn ich über reichlich die 
Hälfte der Patienten Auskunft erhalten habe. Das ist 
fohl dem Umstande zu verdanken, dass die Statistik 
Rinder betrifft und ich mich folglich an die mehr sess¬ 
haften Familienväter zn wenden hatte. 

Die Zahl der Patienten beträgt nach Ausschluss der 
anverwertbaren Fälle 179, für die Zeit vom Herbst 1899 
bis Eßde 1907, also für etwas mehr als 8 Jahre. Die 
Fälle aus dem Jahre 1907 beeinträchtigen die Endresul¬ 
tate ein wenig insofern, als unter ihnen etwas mehr 
noch nicht Geheilte vorhanden sind, dafür allerdings 
auch weniger Todesfälle. 

Doch ist der Unterschied nicht so gross, dass er die 
Zahlen wesentlich ändert. Von diesen 179 Patienten 
waren 63 °/ 0 Knaben, 37 % Mädchen; linksseitige Coxitis 
56’/ a °/ 0 , rechtsseitige 38V 2 %, doppelseitige 6 %. Es 
tiberwiegen also stark 1) die Knaben und 2) die linke 
Seite. Die Gründe dafür sind unbekannt. 

Was das Alter anbetrifft, in dem die Erkrankung be¬ 
ginnt, so fällt sofort das 4. Lebensjahr mit 30 Erkran¬ 


kungen auf, gegen 13 V 2 als Durchschnittszahl der übri¬ 
gen Jahre. Den Grund dafür sieht man in dem starken 
Wachsiam der Knochenkerne um diese Zeit. 

Weiter habe ich versucht, den Kalendermonat festzu¬ 
stellen, in dem die Krankheit begonnen hat, und dabei 
ein Ueberwiegen der Erkankungen im Beginn des Som¬ 
mers und des Winters nnd im Ganzen ein Ansteigen 
vom Frühling bis zum Schluss des Jahres coustatieren 
können. Wenn sich diese Beobachtung an einem grös¬ 
seren Material bestätigen sollte, so wäre dadurch eine 
Uebereinstimraung mit den acuten Infectionskrankheiten 
constatiert, vielleicht auch einige Schlüsse Uber Infections- 
modus und Prophylaxe erlaubt. 

Bezüglich der Diagnose lässt sich aus dem Material 
ersehen, dass die Mnskelatrophieauch in frischen Fällen 
eine sehr constante Erscheinung ist. Ich habe für 68 
Patienten Umfaugsmasse der unteren Extremitäten auf¬ 
gezeichnet gefunden. Keine messbare Atrophie wurde 
nur 1 Mal constatiert. Das Kind war nach stricter 
Aussage der Mutter erst 2 Tage krank, wies aber alle 
Symptome einer beginnenden tuberculösen Coxitis auf 
— bis auf die Muskelatrophie. Bei den geheilten und 
nachuntersuchten Kindern fehlte die Atrophie nur in 1 
Fall, wo die Krankheitserscheinungen im Gaozen 2 Mo¬ 
nate gedauert batten. 

Es wird vielleicht manchen von Ihnen befremle:i, das*? 
wir diese ganz leichten Fälle ohne weiteres als tuber- 
culöse Coxitis bezeichnen. Dafür spricht aber uie Tat¬ 
sache, dass bei vorgeschritteneren Fällen häufig ange¬ 
geben wird, das Kind hätte schon 1 oder 2 Jahre vor 
der Erkrankung vorübergehend etwas gehinkt, etwa 1 
oder 2 Monate lang. Das beweist, dass leichte, schnell 
heilende — oder scheinbar heilende — Formen tuber- 
cnlöser Coxitis Vorkommen. Andererseits kennen wir 
keine andere Krankheit, die in dieser Form aufträte. 

Ich komme nun zum Wesentlichsten — den End¬ 
resultaten. Von den Todesfällen im Hospital habe ich, 
nm sie zusammen mit den Resultaten der Umfrage ver¬ 
werten* zu können, nur so viele in Betracht gezogen, 


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als mir durch die Umfrage] bekannt geworden waren, 
d. h. ich habe sie im Verhältnis der beantworteten 
Rundschreiben reduciert. 

Es sind von den 179 Fällen 39 nachuntersucht, 38 
haben schriftliche Auskunft erteilt, 16 sind im Hospital 
gestorben; es liegt also von 93 Patienten das Endre¬ 
sultat vor. Die Gesamtmortalität beträgt 24,3 %, 
noch krank sind 18,9 %, gesund — 56,8 %. 

Die Zahl der Ungeheilten ist relativ gross wegen der 
kurzen Beobachtungsdauer. Nach der grossen König- 
schen Statistik, welche einen Zeitraum von 20 Jahren 
umfasst, ist die Zahl der Geheilten und der Gestorbenen 
grösser, die der Ungeheilten entsprechend kleiner. 

Das functioneile Resultat ist in 60 Fällen bekannt. 
Alle können geben, und zwar 52 ohne Hilfsmittel, 3 
mit Krücken, 4 mit einem Stock, 1 mit einem Apparat. 
Genauere Daten besitze ich über 41 Fälle. Von diesen 
haben eine reelle Verkürzung 81, eine Adductionscon- 
tractur 15, eine Ankylose 24. Mit beweglicher Hüfte 
sind also 17 von 41 geheilt. 

Behandelt wurden 105 Patienten rein conservativ, 
19 mal ist eine Ausschabung des Gelenks gemacht wor¬ 
den, 55 mal die radioale Resection. Eine Gegenüber¬ 
stellung der Resultate dieser Behandlungsmethoden hat 
nur einen relativen Wert, weil ja nur die schweren 
Fälle reseciert werden. Wo also die Resection schlech¬ 
tere Resultate gibt als die conservative Behandlung, 
da lässt sich ein Schluss über den W'ert der Methode 
nicht ziehen. Um so mehr fällt es aber ins Gewicht, 
wenn die Resection in gewissen Puncten gleiche oder 
bessere Resultate ergibt. 

Die Sterblichkeit beträgt für die radical Resecierten 
— nach der erwähnten Correctur für die im Hospital 
Gestorbenen — 33,8 %, für die Ausgeschabten — 
23,8 °/ 0 , für die rein conservativ Behandelten — 19 °/ 0 , 
ist also natürlicherweise für die Operierten grösser als 
Ihr die nicht Operierten. Die Heilungsziffer beträgt für 
die Resecierten 47,8 %, für die Ausgeschabten 57,1 %, 
für die couservativ Behandelten 61,8 %. Dabei ist zu 
bemerken, dass weniger als V, der Patienten reseciert 
ist, also nur die schwersten Fälle. Diese Unterschiede 
sind also nicht so gross wie nach den Unterschieden im 
klinischen Bilde zn erwarten wäre. Es ist darnach 
verständlich, dass bei König, welcher fast die Hälfte 
seiner Patienten reseciert hat, diese Zahlen noch näher 
zusammenrücken. Würde man s /* aller Kranken rese- 
cieren, so wären die Zahlen vielleicht gleich. 

Eine auffallende Tatsache ergibt sich bei der Be¬ 
trachtung der Todesursachen, für welche ich natürlich 
alle mir bekannten Todesfälle in Betracht ziehe. 

Es starben von den 55 radical Operierten: 

An Collaps.1 

An directen Folgen der Coxitis (also 
langdauernde Eiterung, Erschöpfung, 

amyioide Degeneration).5 

An bereits vor der Operation vorhandener 

multipler Tuberculose.5 

An intercurrenten Krankheiten .... 2 

An tuberculöser Meningitis.1 

In diesem letzten Fall trat die Meningitis 4 Monate 
nach der Resection im Anschluss an Scharlach auf. 

Von den 19 Ausgeschabten starben 3, und zwar alle 
an Meningitis. 

Von den 105 conservativ Behandelten starben : 

An directen Folgen der Coxitis 2 
An intercurrenten Krankheiten 2 
Aus unbekannter Ursache . . 1 

An Meningitis.6 

Es entfallen also in der ersten Gruppe auf Meningitis 
6 1 /» % der Sterbefälle, in der 2. und 3. zusammen — 


64,3 %, d. i. das Zehnfache. Eine Generalisation der 
Tuberculose oder auch nur eine Metastase ist — bis atif 
die 1. Meningitis — bei keinem der radical Operierten 
beobachtet, und namentlich, was ich ausdrücklich 
betonen möchte, keine einzige in directem Anschluss an 
die Resection. Es wird also durch die radicale Opera¬ 
ration die sonst auch in leichten Fällen vorhandene 
Gefahr der Verschleppung der Krankheit nach anderen 
Organen sehr wesentlich vermindert, wenngleich durch 
die bereits vorhandene schwere, oft multiple Erkran¬ 
kung eine grössere Sterblichkeitsziffer bedingt ist als 
für die leichteren conservativ behandelten Fälle. 

Weiter wird durch die Resection die Heilnngsdauer 
abgekürzt. Sie beträgt für die Resecierten seit Beginn 
der Behandlung im Mittel ca. 18 Monate, für die Ueb- 
rigen — ca. 22 Monate. Dabei ist wieder zu berück¬ 
sichtigen, dass zur ersten Gruppe viele verschleppte, 
häufig mit inficierten Fisteln versehene Fälle gehören. 
Zudem sind die Patienten der zweiten Gruppe tatsächlich 
viel länger krank als es scheint. Ich erinnere nur 
daran, dass König bei seinen Spätresectionen, welche 
bei conservativ Geheilten infolge von Contracturen vor¬ 
genommen wurden, in 8 /« der Fälle noch tubercuiöse 
Producte gefunden hat, also Eiter, Granulationen, Käse¬ 
massen, Knochenherde und Sequester. Dementsprechend 
erhält man bei der Nachuntersuchung auf die Frage 
nach Schmerzen von Nichtoperierten oft die Antwort: 
„Zuweilen, bei schlechtem Wetter.“ Die Resecierten 
waren immer ganz schmerzfrei. Es folgt aus alledem, 
dass der zahlenmässige Unterschied der Heilungsdauer 
durch die tatsächlichen Verhältnisse noch bei weitem 
übertroffen wird. 

Es ist nach alledem wohl anzunehmen, dass die Aus¬ 
sichten quoad sanationem bei der Resection bessere sind 
als bei conservativer Behandlung, wie das ja auch aus 
anderen Berichten hervorgeht. Was die allgemeine An¬ 
wendung der Resection für alle Patienten unmöglich 
macht, ist das iu vielen Fällen schlechtere functionelle 
Resultat, und zwar in erster Linie die uuvermeidliche 
Verkürzung. Bei conservativer Beüandluug, einschliess¬ 
lich einer Ausschabung des Gelenks, stellt sich in vielen 
Fällen gar keine Verkürzung ein — ich habe das in 
10 Fällen bei der Nachuntersuchung feststellen können, 
und wo sie vorhanden ist, beträgt sie im Mittel 3 cm. 
Nach der Resection haben wir im besten Fall 2 cm. 
Verkürzung, im Mittel 5,8 cm. Die bei uns in 4 Fällen 
mit conservativen Methoden erreichte klinische resti¬ 
tutio ad integrum ist natürlich nach einer Resection un¬ 
möglich. 

Was die Beweglichkeit der Hüfte betrifft, so liegen 
die Chancen günstiger für die Resection, denn sie hat 
in 5 von 13 Fällen bewegliche Hüften geliefert. Von 
den conservativ Behandelten schliesse ich die 4 mit der 
restitutio ad integrum aus, weil sie doch für eine Ope¬ 
ration nicht iu Betracht kämen, sowie weitere 3 leichte 
Fälle, welche noch nicht geheilt sind. Es bleiben dann 
— wenn man die Ausgeschabten hinzurechnet — von 
24 — 4 bewegliche Hüften, welche eine wirkliche 
Pseudarthrose haben. 

Uebrigens ist es zum mindesten fraglich, ob diese 
Patienten mit Pseudarthrosen denen mit Ankylosen ge¬ 
genüber im Vorteil sind. Mehrere von ihnen hatten 
eine tauchende, wenig ausdauernde Gangart, wie sie für 
die congenitale Luxation typisch ist. Auch die Verkür¬ 
zung ist bei ihnen durchschnittlich grösser, da ja bei 
stärkerer Deformität des Gelenks nur die Ankylose ein 
Hinaufrücken des obern Femurendes auf das Darmbein 
sicher verhindern kann. 

Wichtig für die Function ist noch bei eingetreteuer 
Ankylose die Steilung des Oberschenkels zum Becken. 
Die ideale Stellung iu leichter Abduction und Flexion 


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lasst sich auch bei sorgfältiger und l&ngd&uernder Be¬ 
handlung bei weitem nicht immer dauernd sichern, und 
zvar hauptsächlich wegen der Neigung zur Addnction. 
Es findet sich bei den mit Ankylose geheilten Fällen 
eine Adductionscontractur bei 4 von 7 Resecierten, bei 
9 von 14 nicht Resecierten, also bei letzteren etwas 
öfter. Wenn wir noch die häufigere Pseudartbrosen- 
bildung nach der Resection in Betracht ziehen, so er¬ 
gibt sich, dass auch die Contractar häufiger durch die 
Resection verhindert wird als bei conservativer Behand¬ 
lung und bei weniger radicalen Operationsmethoden. 

Zum Schluss will ich versuchen, aus der Betrachtung 
des uns vorliegenden Materials einige Schlüsse darüber 
m ziehen, wie sich die Resultate der Behandlung ver¬ 
bessern Hessen. Da ist vor allem das späte Erscheinen 
der Kranken zu erwähnen. In den 3 ersten Krank- 
heitsmonaten kommt nur '/* der Kranken in Behand¬ 
lung, die grössere Hälfte erscheint nicht vor */* J&hr. 
Nor ganz vereinzelte Fälle sind vor der Aufnahme lege 
artis behandelt worden, die meisten haben nur Haus¬ 
mittel angewandt. Sehr schlimm steht es auch mit der 
Aosdaner der Patienten. Sie sind in unserer Beobach¬ 
ter im Darchschnitt etwa 3 Monate verblieben, während die 
mittlere Krankheitsdauer nach Beginn der Behandlung 
20 l /a Monate betrug. 68 Patienten sind nur 1 Monat 
oder noch kürzere Zeit behandelt worden. 

Eine Besserung dieser Verhältnisse erwarten wir von 
der anfklärenden Tätigkeit des practisohen Arztes. Das 
Ideal wäre natürlich, die Patienten schon in den ersten 
Krankheitswochen in Behandlong zu bekommen und bis 
zur definitiven Heilung in Beobachtung zu behalten. 

Was die Behandlung selbst betrifft, so dürfte eine 
etwas ausgedehntere Anwendung der Resection bessere 
Resultate liefern. Namentlich kann man unbedenklich 
die Resection in allen den Fällen empfehlen, wo eine 
nennenswerte Verkürzung ohnehin zu erwarten ist, al 30 
bei jeder stärkeren Knochenzerstörung, weiter bei jeder 
Erkrankung, welche deutliche Allgemeinsymptome ver¬ 
ursacht, denn die Meningitisgefahr ist hier eine recht 
grosse. 

Das functionelle Resultat kann höchst wahrscheinlich 
gebessert werden durch Abschaffung der Stützapparate. 
Die Mehrzahl der Patienten hat kürzere oder längere 
Zeit den hier in Riga hergestellten und relativ billigen 
Apparat getragen; doch ist man im Kinderhospital zur 
Ueberzeugung gekommen, dass dieser Apparat die Hüfte 
nicht genügend fixiert and namentlich die Abductions- 
slelluug in keiner Weise garantiert. Er begünstigt also 
die Psendarthrosenbildung und die Adductionscontractur. 
Erfahrungen mit dem wesentlich vollkommeneren und 
auch wesentlich teurem H essingsehen Apparat stehen 
uns nicht zu Gebote; er wird auch meines Wissens in 
Riga nicht hergestellt. 

Infolge dieser Erfahrungen sind im Kinderhospital seit 
dem vorigen Jahr 1) die Indicationen für die Resection 
erweitert worden, und zwar ist jedesmal nur die ra- 
dicale Resection, nicht die blosse Ausschabung gemacht 
worden, welche wesentlich schlechtere Resultate liefert; 
2) ist der Stützapparat durch den Gypsverband ersetzt 
worden, und zwar nicht nur für die conservativ Behan¬ 
delten, sondern auch für die Resecierten. Mit den seit 
Einführung dieser Veränderungen erzielten Resultaten 
kanu man, soweit sich das schon jetzt bearteilen lässt, 
sehr zufrieden sein. Zahlenbelege lassen sich wegen der 
kurzen Zeit noch nicht beibringen. 

Ich möchte aber zur Stutze dieser Ansichten darauf 
hinweisen, dass König an der Hand eines Materials 
von fast 600 Coxitikern genau dieselben Erfahrungen 
gemacht bat. 


Bemerkungen zur Novozon-Therapie. 

Von 

Dr. med. Friedr. Hinz-Berlia. 


Nachdem ich die Novozon-Präparate in die Praxis 
eingeführt nnd nunmehr schon 8 Jahre ihrer weiteren 
Prüfung gewidmet habe, ist es selbstverständlich, dass 
ich die Literatur über Novozontherapie mit regem Inte¬ 
resse verfolge, zumal, wenn es sich um so gediegene 
Arbeiten handelt wie um die casnistischen Beiträge zur 
Novozon-Therapie in Nr. 43, 1908 dieser Wochenschrift 
von Dr. v. Kügeigen. Es sei mir daher gestattet, 
im Anschluss an die 4. in genannter Arbeit veröffent¬ 
lichten Fälle von Novozonbehandlung mit einigen Be¬ 
merkungen bervorzutreten, die, wie ich glaube, geeignet 
wären, bei eventuellen weiteren Versuchen die Arbeit 
zn erleichtern resp. zur Aussohliessung von Irrtümern 
nnd damit zur Erzielung von unbeschränkterer Wirkung 
des Novozons bei zu tragen. 

Für solchen Zweck käme zunächst die Technik der 
Anwendung in Betracht, die für Novozonpräparate von 
derselben Bedeutung ist wie für viele andere Medika¬ 
mente. Zweckentsprechende Dosierung des betreffenden 
Novozonpräparats, besonders zn Beginn der Behandlung 
ist ein wesentliches Erfordernis für die Wirkung, umso¬ 
mehr als die Toleranz der einzelnen Individuen für 
Novozon ungemein verschieden ist. Durch unrichtige 
Dosierung werden leicht unerwünschte Nebenwirkungen 
(Kollern im Leibe, Durch fall, Leibschmerz) hervorgeru¬ 
fen, die den Kranken belästigen, den Eintritt der 
richtigen Wirkung des Mittels meist erheblich verzögern, 
ja sogar dadurch ganz vereiteln könneo, dass sie den 
Kranken sowohl wie den Arzt von der Fortsetzung der 
Behandlung abschrecken. Zur Feststellung der leitenden 
Gesichtspuncte für die Behandlung des speciellen Falles 
ist nicht selten eine gewisse Zeit erforderlich, und es 
muss hier hervorgehoben werden, dass besonders bei 
chronischen Krankheiten eine Beobachtungsdauer von 
2 Wochen durchaus nicht hinreicht, am ein endgültiges 
Urteil über die Novozonwirkung za gestatten. Bisweilen 
vergehen allein schon 2—3 Wochen, bis der Organismus 
des Kranken an die gradatim zn steigernde Einfuhr des 
Novozon soweit gewöhnt ist, um grössere wirksamo 
Dosen von l Gramm und darüber zu vertragen, und 
nicht immer ist dann dies gleich das Novozon purum, 
sondern häufig ein schwächeres Präparat. Um die ein- 
tretendeu Erscheinungen richtig zu bewerten, darf ferner 
die- zweifache Wirkung des Novozon nicht ausser Acht 
gelassen werden; einerseits wirkt es durch seinen 
Magnesiumgehalt, andererseits durch den sich abspalten¬ 
den Sauerstoff. Der Magnesiumgehalt steigert die Alka- 
lescenz des Blutes, welche ihm grössere Lösuugsfähigkeit 
der in den verschiedenen Organen abgelagerten Harn¬ 
säure verleiht, sodass nicht nur die täglich sich bildende 
nnd die mit der Nahrung fertig eiogeführte, sondern auch 
nooh ein Pins aus der in den Organen und Gelenken 
abgelagerten Harnsäure in die Blutbahn gelangt (cf. 
Haig). Durch Parallelversuohe an 2 annähernd gleichen 
Kranken, von welchen dem einen eine Mischung von 
Magnes. carb. und Magnesiumoxyd, dem anderen Novozon 
gereicht wird, kann man sieh leicht überzeugen, dass in 
dem einen Falle die Harnsäurelösung und Ausscheiduog, 
in dem andern die energischere Oxydation der Harn¬ 
säure zn Harnstoff in den Vordergrund tritt. Je all¬ 
mählicher man die zunehmenden Dosen steigert, desto¬ 
mehr hat der Organismus Zeit, sich der Verarbeitung 
des Novozons zu adaptieren und umso vollständiger geht 
die Verbrennung der Harnsäure zu Harnstoff vor sich. 
Bei Gicht und anderen Harnsäurekrankheiten tritt dies 
häufig erst im 2-ten oder 3-teo Monat ein. Überhaupt 


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92 


schwankt ja auch der Verlauf von Harnsüurelösung, 
ihrer Ausscheidung und Verbrennung je nach den ver¬ 
schiedenen Einwirkungen auf den Organismus wie 
Kälte, psychische oder physische Erregungen, Schwitz- 
proceduren u. a. Durch solche und ähnliche Einflüsse 
kann auch der stricte Nachweis der Sauerstoffwirkung 
in den ersten paar Wochen der Novozon-Therapie bis¬ 
weilen recht compliciert und schwierig werden. 

Sodann ist die Regulierung der Darmentleerung bei 
der Novozontherapie überaus wichtig. Der Patient muss 
täglich auf 2—3 malige breiige Ausleerungen durch 
Novozon gebracht werden, wobei natürlich die inner¬ 
halb 24 Stunden eingeführte Flüssigkeitsmenge von Be¬ 
deutung ist. Die vergrösserte Menge frisch gelöster 
Harnsäure im Blute erheischt zu ihrer Verdünnung ver¬ 
stärkte Flüssiekeitszufuhr, ohne welche leicht eine nach¬ 
teilige Wirkung der Harnsäure auf das Nierenepithel 
erfolgt, die durchaus vermieden werden muss, weshalb 
die Flüssigkeitseinnahme der Patienteu gegen früher oft 
bis auf das doppelte Quantum täglich gesteigert werden 
muss. Flüssigkeitsbeschränkung in der Novozontherapie, 
die doch eine Ausführungscur der Abfallstoffe darstellt, 
ist überhaupt nicht angebracht. 

Die meisten dieser Hinweisungen wären wohl mit 
Nutzen auf den Fall 1 der Arbeit von v. Kügelgen 
anwendbar gewesen. Da dies nicht geschah, kann man 
aus demselben zwar kein durchaus positives, noch 
weniger aber ein negatives Resultat für die Novozon- 
wirknng entnehmen. Die auffällige Abnahme der 
Schmerzhaftigkeit der Gelenke hängt nach meiner Er¬ 
fahrung indess wohl von eingetretener Lösung der da¬ 
selbst abgelagerten Harnsäure ab. 

Fall 2 weist von Beginn der Behandlung auf un¬ 
zweckmässige Dosierung hin, denn Patient klagt schon 
vom 2-ten Tage ab über Magenschmerz und Kollern ira 
Leibe. Die Dosis von lVa Gramm war offenbar zu gross, 
hätte viel niedriger gegriffen und in genügender Menge 
schleimiger Flüssigkeit (Haferschleim oder Milch), bei 
sehr empfindlichem Magen vielleicht sogar warm gereicht 
werden müssen. Zwecks besserer Angewöhnung an das 
Mittel müsste zuerst wohl besser Novozon-Kakao oder 
Novozon-Eiweiss gereicht werden mit allmählichem Ueber- 
gang auf Präparate mit stärkerem Sauerstoffgehalt, womit 
Durchfall und Leibkollern vermieden worden wäre. Wo 
auf Novozoneinfuhr Durchfall und flüssige Stöhle ein- 
treten, oder auch dort, wo die Defäcation noch fest oder 
breiig ist, jedoch mehr als 3—4 mal täglich erfolgt, da 
ist der Stuhlgang meist grau oder weissgrau gefärbt, 
was eine Folge des nicht resorbierten Novozons ist. 
Verliert aber der Patient bei Novozongebrauch den 
Appetit, so ist das ein Hinweis darauf, dass sein Magen 
mangelhaft Salzsäure absondert. Die spärlich vorhandene 
Salzsäure wird dann für die Lösung des Novozons so 
stark in Anspruch genommen, dass man das für die 
Verdauung erforderliche Quantum von Salzsäure durch 
Salzsäuredarreichung ersetzen muss. Ohne dies tritt sehr 
bald Abneigung des Kranken gegen Novozon ein, be¬ 
sonders gegen Novozon purum. Für Fall 2, meine ich, 
wäre eine mit kleinen Dosen beginnende, vorsichtig 
steigende Behandlung zweckmässiger gewesen und hätte 
ungleich bessere Resultate ergeben. Aber selbst trotz 
der durch die unzweckmässige Dosierung verschobenen 
Grundbedingungen für normale Wirkung des Novozons 
und trotz der dadurch behinderten Resorption desselben, 
weist die vergrösserte Tagesmenge des Urins und die 
Verbesserung des Pulses auch hier deutlich auf eine 
partielle Wirkung des Novozons hin. 

In Fall 3 sind es wohl die zu schnell gesteigerten 
Dosen, welche die Unzukömmlichkeiten hervorriefen. 
Vom 9. Juni ab, also vom 7-ten Behandlungstage hätten 
die Dosen verringert oder wenigstens 1—2 Tage ausge¬ 
setzt werden müssen. Statt dessen hat Patient 9 Tage 


lang flüssige Stühle gehabt, wodureh die Harnausschei¬ 
dung vermindert und die Novozonwirkuug undeutlich 
wurde, während die Nachperiode trotzdem eine deutliche 
Verstärkung der Diurese, also der Novozonwirkung, 
zeigt. AU eine weitere Nachwirkung muss die geschil¬ 
derte Hauteruption betrachtet werden. Solche Efflores- 
cenzen mit oder ohne Begleitung von Nachtschweissen 
sind häufige Erscheinungen bei Novozonbehandlung, die 
meist in der 2. oder 3. Woche hervortreten. Die merk¬ 
liche Besserung des Befindens des Kranken sehe ich für 
die Nachwirkung des Novozongebrauchs an, die in der 
Mehrzahl der Fälle beobachtet wird. 

Fall 4 steht im allgemeinen ebenfalls unter dem Ein¬ 
fluss zu grosser Dosen, während die Verschlechterung 
des subjektiven Befindens wohl auf die wiederholten 
Katheterisierungen zurückgefübrt werden muss, wie das 
vielfach beobachtet und von den Urologen bestätigt wird. 
Immerhin ist aber auch in diesem Falle noch eine 
deutliche Wirkung des Novozons ersichtlich, denn die 
Tagesmenge des Urin steigt um V 2 Liter, die vorhan¬ 
denen Spuren von Eiweiss schwinden, Chloride und 
Harnstoff nehmen zu. Dass auch die Harnsäure zu¬ 
nächst zunahm, dürfte sich aus meinen oben ge¬ 
machten Ausführungen erklären. 

Der Annahme v. Bunges, dass vermehrte Harnsäure - 
biidung bei der Gicht nicht Ursache, sondern Symptom 
sei, kann ich deshalb nicht beipflichten, weil ich das 
verstärkte Auftreten der Harnsäure als eine Folge der 
vergrösserten Lösung derselben durch Novozon oder 
andere Medikamente oder Einflüsse betrachte, wodurch 
eine grössere Menge gelöster Harnsäure sowohl za 
Harnstoff oxydiert wie auch ausgeschieden wird, 
j Schliesslich möchte ich noch einige Worte zu den 
I Anmerkungen von Ktigeigens auf Seite 554 sagen. 
Auf Grund meiner Erfahrungen in der Novozontherapie 
stimme ich der ersten Anmerkung vollkommen bei. 
Dosiert man vorsichtig, verringert man nötigenfalls 
rechtzeitig die Dosis, setzt sie vielleicht zeitweise ganz 
aus, oder ändert das gereichte Präparat, so kann man 
in den allermeisten Fällen wohl jede unerwünschte 
Nebenwirkung vermeiden. 

Bezüglich der zweiten Anmerkung glaube ich hervor¬ 
heben zu müssen, dass die von Möller erwähnten 
Fälle zwar selten, aber dennoch Vorkommen und wohl 
auf dem stärkeren Oxydationsbedürfnis des betreffenden 
Organismus beruhen. In solchen Fällen muss dann die 
Erhöhung der Dosis versucht werden. 

Die in Anmerkung 3 aufgezähllen Beschwerden sehe 
ich in der Mehrzahl der Fälle als durchaus nicht un¬ 
erwünschte Reactionserscheinungen an, die ineist un¬ 
schwer von den Kranken ertragen werden. Ich schreite 
gegen solche auch nur soweit ein als nötig, um sie nicht 
lästig werden zu lassen. Richtige Dosierung bei ver¬ 
stärkter Flüssigkeitsznfuhr ist am meisten geeignet, 
solche Erscheinungen nicht aufkommen ?u lassen, was 
die in der Anmerkung genannten Collegen inzwischen 
wohl selber durch eigene Erfahrungen festgestellt haben. 

Dass die mit Umsicht und Fleiss gemachten Ver¬ 
suche des Collegen v. Kügelgen nicht gleich das 
erste Mal ganz zufriedenstellende Resultate ergaben, 
darf indess weiter nicht abschrecken. Wäre es doch 
unbillig, zu verlangen, der Experimentator müsse bei 
Nachprüfung jedes neuen Mittels gleich die Technik der 
Anwendung beherrschen und auf Grund seiner Erstlings¬ 
versuche schon eine erschöpfende Meinung über die 
Wirkung des Medikaments abgeben können. Deutliche, 
wenn auch nur teilweise Novozonwirkung ist ja in den 
geprüften Fällen auch zu Tage getreten, und mehr 
werden auch wohl andere Experimentatoren anfänglich 
nicht erreicht haben. Der grossen Zahl unzweifelhafter 
Erfolge gegenüber, die mit der Novozontherapie bereits 
überall erzielt werden, wollen einige Fälle weniger 


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03 


glücklicher Anfaugsversüptie schliesslich ja 4Uch wenig 
bedeuten. Ich hoffe, dass eventuelle weitere Prüfungen 
unter Berücksichtigung der vorstehenden Ausführungen 
bald Resultate ergeben werden, die d,enen früherer 
Autoren auf dem Gebiete der Novozontherapie näher 
kommen werden. Auf Grund meiner und fremder 8-jähri¬ 
gen Erfahrungen halte ich das Novozon für ein sehr 
wertvolles, höchst brauchbares Mittel. Seine Wirksam¬ 
keit beruht auf der Fähigkeit, die gesunkene vitale 
Energie der Gewebszelle wieder annähernd auf ihre 
normale Höhe zu bringen, die Atemgrösse und ihre 
Frequenz, sowie die Herztätigkeit anzuregen und die 
Ausscheidung der Abfallstoffe erheblich zu fördern. Auf 
dieser Grundlage glaube ich das Novozon gegen Stoff¬ 
wechselstörungen jeder Art als sicheres und wirksames 
Mittel unbedingt empfehlen zu können. Seine Anwen¬ 
dung erfordert freilich eine gewisse Uebnng. 

Die Anschauungen über Sauerstofftherapie, welche die 
überaus gediegene Arbeit von Dr. Rane Nr. 48 (1908) 
dieser Wochenschrift entwickelt, sind durchaus be¬ 
herzigenswert. Wenn er meint, in allen Cnlturländern 
trachte man auf allen möglichen Gebieten danach, die 
günstigen Wirkungen des Sauerstoffs prophylactisch so¬ 
wohl als auch für Heilzwecke auszunutzeu, und deshalb 
sollte map auch in der mediciuischen Praxis in Zukunft 
diesem eben so einfachen wie schönen Mittel grösseres 
Interesse zu wenden als bisher, so kann solche Stellung 
zur Sache nur zweckentsprechend erscheinen. Bedarf 
doch die in mancher Hinsicht noch unaufgeklärte 
Wirkungsweise des Sauerstoffs in der Novozon- resp. 
Sauerstofftherapie, wie alles in der Wissenschaft, ohne 
Frage noch „mehr Licht“. 

7 - 


lieber die Behandlung der Placenta praevia. 

Sammelreferat von Dr. W. Beckmann. 


ln letzter Zeit ist die Fiage von der Behandlung der Pla¬ 
zenta praevia von nenein aufgerollt, wobei sich einige moderne 
Geburtshelfer davon leiten lassen, dass das Recht des Kindes 
aufs Leben höher einznscbätzen sei als bisher. Da diese Frage 
auch den practischen Arzt interessiert, sei es gestattet, anf 
einige neuere Arbeiten über dieses Thema hinznweisen. 

W. Hannes (Centralbl. f. Gyn. 1908, Nr. 42) berichtet über 
die Resultate der in der K ü s t n e r'sihen Klinik geübten Be- 
bsndluugsineihoden. Er bricht eine Lanze für die intr&amniale 
Hystereuryse, mit der eine Gesamtmortaiität der Matter von 
5 pCt. (6 auf 119 Fälle) erzielt wurde. Dadurch wurden die 
bestmöglichen Chancen für die Mutter geschaffen, da mit com- 
binierter Wendung nach Brazton Hicks Hammer- 
ichlag 63 pCt. Zweifel 7,8 pCt. und Fre n nd 10,1 pCt. 
mütterliche besamtinortalität verzeichnen. Hannes verlor 
zwar 2 Frauen an Luftherz, meint aber dieses falle dem Me¬ 
treurynter nicht zur Last, weil sowohl die Hand, welche den 
Ballon einfuhrt, als nach die zur Wendung eingeführte Hand 
Luftembolie verursachen kann. Nnr eine Frau ging an Pyä- 
mfe zu Grunde (03 pCt.), die übrigen an Herzfehler resp. Anä¬ 
mie oder Verblutang aus einem Cervixriss. Hannes berech¬ 
net für sein Verfahren 57,5 pCt. lebende Kinder, also vielmehr 
als für die combinierte Wendung, bei welcher Hammer¬ 
schlag nur 16 pCt. lebende Kinder erhielt. Die Hystereuryse 
wird daher dem practischen Geburtshelfer als bestes und sou¬ 
veränes Mittel bei der Behandlung der Placenta praevia 
empfohlen. 

r. fisch (Centralbl. f. Gyn. 1906, Nr. 39) berichtet über 
einen Fall von Luftembolie bei Placenta praevia, welche bei 
der Weudong nach Braxton Hicks zustande kam und 
weist anf 7 ähnliche Fälle hin, bei welchen es za Luftembolie 
bei der combinierten Wendung kam. Er rät bei der Ausfüh¬ 
rung dieser Operation die Seiten- Bauch- und Knie-Ellenbogen- 
läge zn vermeiden und bei der Rückenlage das Becken etwas 
höher za lagern, damit die Luft vermöge ihres geringen spe- 
cifltchem Gewichtes an dem eingeführten Arme wieder vorbei 
uacb aussen gelangen könne. 

B. Krönig (Centralbl. f. Gyn. 1608, Nr. 46> sieht den 
Öchwerpunct der Behandlung der Placenta praevia in der Blut- 
itiUong. Trotz Wendung und Tamponade kommen salbst in 
wn Kliniken Blutverluste von 1000—1900 ccm. nnd mehr vor. 


Diesen Blutverlusten gehen solche während der SchwaUgd?* 
schaft bei geschlossenem Muttermunde voraus. Ebenso blutet 
es auch nach Ansstossung des Kindes, weswegen in 6—10 pCt. 
der Fälle die Placenta manuell gelöst werden muss. Selbst 'dar¬ 
nach blutet es dazwischen trotz Dührssen scher Utero-Vaginal- 
Tamponade weiter bis der Exitus eintritt. Bekanntlich hängt 
die Blutung meist davon ab, dass die im Istbmus und oberen 
Teil der Cervix verlaufenden mütterlichen Gefässe infolge der 
Wehentätigkeit zwar zerreissen, infolge der mangelnden Kon- 
traction der Isthmuswand aber nicbt zum spontanen Verschloss 
gebracht werden können. Lässt sich jede Debnnng des Istbmus 
verhindern nnd dieser Teil des Geburtsscblauches während der 
Geburt umgehen, so kann es zu keiner profusen Blutung kom¬ 
men. Dieses lässt sich durch möglichst hohe Ausführung des 
klassischen Kaiserschnittes erreichen. K. hat die Operation 
6 mal ausgeführt, wobei 5 Frauen weniger als 300 grm. Blut 
verloren, nnr in 1 Fall, in welchem der Cervicalcsnal schön 
für 3 Finger durchgängig war, betrug der Blutverlust ca. 800 gr. 
Sollte es nach der Extraction des Kindes bluten, so lässt sich 
die blutende Stelle unter Controlle des Auges gut tamponieren, 
oder es köunte die supravaginale Amputation nötigenfalls an- 

f «schlossen werden. Bei bereits eröffnetem Muttermunde hat 
er Kaiserschnitt natürlich keinen Sinn, da der Isthmus schon 
ad maximum geweitet ist. Hier muss die Wendung ausge- 
fübrt werden. Bei Blutungen in 'der Nachgeburtsperiode rät 
K.. falls Massage und heisse Spülung nicbt bald zum Ziele 
führen, die supravaginale Amputation des Uterus auszuführen. 
Ist die Frau bereits inficiert, so unterbleibt der klassische 
Kaiserschnitt. In solchen Fällen mache man den vaginalen 
Kaiserschnitt wenn die Placenta hinten sitzt; sitzt die Pla¬ 
centa vorn so behandle man nach Brazton Hicks. 

E. Opitz iCentralbl. f. Gyn. 1906, pag. 1502) bespricht die 
Prophylaxe der Luftembolie und rät im Gegensatz zu Esch 
(siehe oben) bei allen gebnrtshülflichen Operationen anf dem 
Qaerbett und g&uz besonders bei der Placenta praevia den 
Oberkörper der Frau zu erhöhen. Dabei sinkt der Uterus becken¬ 
wärts, die Scheide wird eher verkürzt nnd ein Ansaugen von 
Luft findet nicbt statt. Ausserdem bleibt ein positiver Druck 
in den Blutgefässen des Beckens und des Uterus erhalten. Bei 
erhöhtem Steiss nach Esch diingt dieLnft in die Scheide und 
besteht ein negativer Druck Im Unter leibe. Am grössten ist 
die Emboliegefahr bei der Ausführung des suprasymphysären 
Kaiserschnittes, den S e 11 h e i m bei der Placenta praevia (Cen- 
traibl. f. Gyn. 1906, Nr. 40) vorschlägt. Hierbei wird in Becken¬ 
hochlagerung der Placentarboden in weiter Ausdehnuug frei¬ 
gelegt. 

Gegen den erwähnten Vorschlag S e 11 h e i m s polemisiert 
W. Hannes in einer weiteren Arbeit (Centralbl. f. Gyu. 
1909. Nr. 3), in welcher er gleichzeitig über 246 Fälle von 
Placenta praevia berichtet. Der Baiion muss stets i n die Ei- 
blase (alBo niemals bei stehender Blase) gebracht werden. Eb 
wird mit 500—650 Ccm. steriler Flüssigkeit angefüllt and an 
ihm ein Gewicbtszng von 600—800 gr. angebracht. Bei voller 
Eiöffnnng und bestehender Blutung muss sofort entbunden 
werden. Die Kolpearyse ist darch die Hystereuryse völlig 
verdrängt, ln 60% aller Fälle wnrde die Ballonbeh&ndlung 
durcbgefübrt, dabei kamen von den Kindern, die bei Eintritt 
in die Beobachtung unbeschädigt and lebensfähig waren, 70% 
lebend zur Welt. In den Fällen, wo freie Eihäute zu 
tasten waren, wurde die Blase gesprengt und die Geburt der 
Natur überlassen, dabei kamen alle lebensfähigen Kinder auch 
lebend zur Welt. Bei voller Eröffnung ergab die innere Wen¬ 
dung von 6 lebensfähigen, 5 iebensfriscbe Kinder in der Kli¬ 
nik, und 15 lebende Kinder in 19 Fällen in der Poliklinik. 
Nnr selten konnte an den zangengerechtsteheuden Kopf der 
Forceps angelegt werden, denn dann blutet es bei Placenta 
raevia nicht mehr, dabei wurde von 3 lebensfähigen Kindern 
lebend exrahiert. Die combinierte Wenduug nach Braxton 
Hicks wird in der Klinik nicht mehr ausgeführt in der Poli¬ 
klinik ergab sie eine kindliche Mortalität von 82 pCt. (Hom- 
merBchlag fand 84 pCt.). Die jetzt verlassene Kolpenryse 
ergab in 4 Fällen nnr 1 lebendes Kind. Gaze- und Watte- 
tumponade der Scheide wird verworfen nnd nur ais Notbe¬ 
helf angewandt. Sie ist gefährlich wegen der Infectlonsge- 
fahr. Tatsächlich ging 1 von den beiden tamponierten Frauen 
septisch zu Grunde. Das Gesamtresultat für die Kinder: 
in der Klinik sind 60 pCt. der Kinder lebend geboren, lebens¬ 
fähig gewesen und am Leben geblieben, in der Poliklinik so¬ 
gar 75 pCt.! Fürwahr ein glänzendes Resultat. Die Gesamt¬ 
mortalität beträgt für die Mütter 6,6 pCt. und zwar speciell 
bei der Hystereuryse 5,5 pCt. Todesursachen bei der Hyste- 
renryse : 2 mal Luftherz, einmal Herzfehler, einmal Anämie, 
einmal Verblutung aus einem Cervixriss, 3 mal Sepsis. Von 
den anders behandelten Frauen starben 3 an Anämie nnd je 
eine an Luftherz, Eclampsle, Herzfehler, Uterusruptur uud 
Sepsis (tamponiert eingeliefert). 

Auf Grund dieser Zahlen spricht sich H. durchaus und 
warm für die Hystereuryse ans und erachtet den von S e 11 • 
heim empfohlenen cervicalen Kaiserschnitt nnd den von 
K r ö n 1 g empfohlenen Kaiserschnitt als unnötig. Tamppnade 


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ftar.li der Gebart bat H. nie nötig gehabt. Somit fällt aach 
die Trennung der Geburtshilfe nach K r ö n i g in die der 
Klinik and der Praxis weg. Mir scheinen die Zahlen von 
Hannes so beweiskräftig, dass die Methode von B r a.x t o n 
Kick8, für welche Henkel in seiner Arbeit (Aich, für 
Gyn. Bd. 86. H. 3) für die Praxis Propaganda macht, von jetzt i 
an in den Hintergrund za treten hat. 

Die Besaitete von Herffs (Beiträge zur Gebli. nnd Gyn. 
Bd. 13 H. 3) sind bedeutend schlechter als die von Hann es. 
,Es ergaben 120 Fäile eine mütterliche Mortalität von 7,5pCt. 
and eine Kindersterblichkeit von 60 pCt. Angewandt wurden: 
Scheidentamponade (meist Kolpeuryse) 6 Mal, Blasenstich 
18 Mal, 44 frühzeitige Wendungen, 14 Wendungen aas 
Beckenendlage, 28 rechtzeitige Wendungen und 21 Hystereu- 
rysen. Als Todesursachen worden verzeichnet: 3 Mal Sepsis, 

3 Mal Luftembolie, 4 Mal Verblutung ex atonia uteri. Da 
die Mortalität beim. klassischen Kaiserschnitt immer noch 

4 pCt beträgt, so glaubt v. H e r f f nicht an die Möglichkeit 
durch diese Methode die Sterblichkeit der Mütter herabzu- 
setzen, aach glanbt er nicht, dass die Verblntungsgefahr ver¬ 
mindert würde. 1 Die Sterblichkeit der Kinder könne zwar 
durch den Kaiserschnitt herabgesetzt werden, doch siebt er' 
dies als Nebensache an. 

Aus den angeführten Arbeiten scheint dem Referenten 
hervorzugehen, dass fürs erste die von 8ellbeira und 
Krönig empfohlenen neuen Behandlungsmethoden der Pla- 
centa praevia durch cervicalen resp. klassischen Kaiserschnitt 
nicht anznwenden sind, dagegen von den alteu Methoden: 
einer zielbewussten and frühzeitigen Mettearyse das Wort 
geredet werden darf, 


Referate. 

J. Honorowski: Gleichzeitige Differentialfärbong von 

Bindegewebe, Muskelgewebe und elastischer Fa¬ 
sern. (Przegl^d lekarski. 1908. Nr. 44)'. 

H. empfiehlt eine nene Färbemethode, mit der er immer 
gute Contrastbilder erhalten za haben angibt, die noch nach 
4* Monaten ihre Farben vollkommen bewahrten. — Es werden 
3 Lösungen bereitet: 1 

Lösung I: Haematoxyllni cryatall. in snbst. 0,2 

Besorcin-Fncbtin (Grübler) in sahst. 0,02 
Alcohol 70°—100,0. 

Lösung II: Liq. fern sesquichlor. Pharm. 1 ccm. j 

Acidi mariat. concentr. pari 2 ccm. 

Lösung III: Fuchsin! S. 0,1 

Acidi picronitrici concentr. (aquosi) 100,0. 
Unmittelbar vor dem Gebrauch wird auf je 5 ccm. der 
Lös. I ein Tropfen der Lös. II hinzugesetzt. Möglichst feine' 
Schnitte des in Peraffin gebetteten Präparates weiden in die¬ 
ser Mischung durch 12—24 Stunden gefärbt, dann, nach Aus¬ 
waschen in Wasser (ans der Wasserleitung) Auf */* Minute 1 
in die Lösung III getaucht, darant in 96* Alcohol, Carboi- 
xylol, Xylol, endlich Einschliessen in Canadabalsam. Das Bin¬ 
degewebe wird rot, das Muskelgewebe gelb, die Zellkerne 
dunkelgrau, die elastischen Fasern (selbst die allerfeinsten) 
fast schwarz gefärbt. 

W. D ö r b e c k. 

K. Mayer, stud. raed. Anwendung des Magnetismus 

zur Bestimmung der unteren Grenze des Magens 
nnd von Speiseröhreerweiternngen. (Przeglgd* le¬ 
karski. 1909. Nr. 2). 

Mayer schlägt zur Bestimmung der unteren Mageu- 

f ranze folgende Methode vor, die er an sich selbst und an 
'atlenten geprüft bat. Der zn untersuchende Patient ver¬ 
schluckt ein kleines mit einer Kantschukhülle versehenes and 
an einer langen, feinen Schnur befestigtes Stück Magneteisen 
and wird darauf mit der vorderen Körperfiäche vor eine Bus¬ 
sole gestellt Letztere ist an einem vermittels einer Kurbel inj 
verschiedener Höhe verstellbaren Stativ befestigt. Durch ab- 1 
wechselndes Heben und Senken der Bussole wird diejenige 
Höhe bestimmt, bei welcher die Nadel der Bassole am deut¬ 
lichsten von dem verschluckten Magneteisenstückeben beein¬ 
flusst wird. Die gefundene Höhe entspricht der Lage 4e* ver¬ 
schluckten Magnets, resp. der unteren Magengrenze (oder 
event. der Speiseröhreerweiternng). 

W. D ö r b e c k. 

Radlinski: Weitere Erfahrungen mit Excision der 
F/unjculargefässe bei der radicalen Herniotomie. 
(Przegl^d lekarski 1908. Nr. 49). 

In einer früheren Arbeit (Rocznik lekarski 1907, Bd. I« 
H. III) hat R. eine von ihm vorgeschlagene Modifikation 


der RadicalOperation bei Hernia ingninalis beschrieben, die 
darin bestand, dass er die Gefässe des Samenstranges mit 
Ausnahme der Art. deferenMalis entfernte. Im vorliegenden 
Artikel werden die anatomischen Verhältnisse, auf denen die 
Modification begründet ist, nochmals znsammengefasst and die 
Vorzüge der modificlerlen Operation auf Grund klinischer Er¬ 
fahrung erörtert. 

Der Hoden wird von 3 Arterien mit Blut versorgt: 1) von 
der A. spermatica interna (aus. der Aorta), 2) von der Ä..fnni- 
cnlaris (aus d. Ä. epigastrica inferior) nnd 3) von der A. lie¬ 
feren tialls (aus dem System d. A. hvpogastrica). Zwischen die¬ 
sen 3 Aesten bestehen reichliche AnastomoSeu, dank welchen 
4er Blatznänns zum Hoden bei einer Sperrung der Art. sper- 
mat. int. o her h al b der Einmündung der.Han.pt- 
anastomose mit der A. deferen ti alin (etwa 2 ctm. 
über dein oberen Pöl des Testikels) nicht dauernd beeinträch¬ 
tigt wird. Die A. deferentialis ist dnrch ein festeres Binde¬ 
gewebe mit dem Vas deferens eng verbunden, während die 
übrigen znm Fnnicftlus spermaticns gehörenden Gefässe, von 
loserem Bindegewebe nmhnllt, sich leicht anf stumpfem Wege 
isolieren lassen. Ist diese Isolierung bei der Operation zu¬ 
stande gebracht, so unterbindet Verf. die A. spermat. in¬ 
terna 2 Finger breit über dem oberen Pol des Hodens und 
excldiert die isolierten Gefässe des Samenstranges. Beim Ope- 
riereo einer Varicocele wird dnrch die Modification nach 
Radlinski das oft so mühevolle Antsnchen und Isolieren 
der Art. spermat. interna unnötig; es genügt vollkommen; dfen 
. Gefässbtindel des Samenstranges in toto auf der oben ange¬ 
gebenen Höhe zn unterbinden, nachdem nur das Vas deferens 
mit den ihm fest anliegenden ä. n. w. deferent. vom übrigen 
Gefässbündel gesondert ist, und das Letztere auf einer Strecke 
von 4—5 ctm. zn excidieren. Beim Ausfuhren der ßadical- 
Operation nach Bassini biete die vorgeschlagene Modifici- 
tion insofern einen grossen Vorteil, als beim Vernähen der 
Fasern der Mm. ooliqnus internus Und transversus einerseits 
nnd des ligam. Ponpartii andererseits die Oeffnung für den 
Übriggebliebenen Teil des Fnnicnlns spermaticns nur so, ge¬ 
ring zu sein braucht, dass sie fast der gewöhnlichen Entfer¬ 
nung zwischen 2 aufeinanderfolgenden Nähten entspricht, ein 
Umstand, der zur Verhütung von Recidiven wesentlich bei¬ 
trägt. Ferner erleichtere der unbedeuteude Umfang des Fuoi- 
culns beim obenbeschriebenen Verfahren auch die Naht der 
oberen Schichten der Banchwandungen. Die nach der Bas¬ 
si n i sehen Operation so häufig anftretenden nn4 die Nach¬ 
behandlung störenden- Schwellungen des Scrotums and Tes¬ 
tikels werden beim Operieren nach R. weniger häufig und in 
geringerem Masse beobachtet 

R. hat im Ganzen 32 Fälle nach der beschriebenen Weise 
mit gutem Erfolge operiert. Für contraindiciert hält er sein 
Verfahren in Fällen, wo die Gefässe des Vas deferens wäh¬ 
rend der Operation etwa lädiert wurden, und bei Jünglingen 
unter 14—16 Jahren, da der Blatznflnss ans der Art defe- 
reutialls allein für den noch in der Entwickelnng begriffenen 
Testikel vielleicht doch unzureichend sein dürfte. 

W. Pörbeck. 


BOcheranzeigen und Besprechungen; 

Prof. Dr. E. Sonnen bürg: Pathologie und Therapie 
der Perityphlitis (Appendiciti^) 6. Auflage. Leipzig, 
F„ C. Vogel 1908. Pr. 6 Mark. 

Sonnenbnrg gehört bekanntlich zn den ersten Auto¬ 
ritäten auf dem Gebiete der Appendicitis and ist daher.dorch* 
aus berufen, seine Eindrücke, denen ein Material von 3480 
Fällen zu Grunde liegt, den Practikern mitzuteilen. Selo 
Bach lässt den Meister überall erkennen, desseu Ratschlägen 
man gern folgen kann. Die übersichtliche Gruppierung nnd 
Besprechung des Materials, von dem uns die prägnantesten 
Krankengeschichten mitgeteilt sind, ruft bei der Lektüre des 
Buches nicht nur keine Ermüdung hervor, sondern fesselt den 
Leser in dem Masse, dass er das Buch nur ungern aus der 
Hand legt. Originell sind die Beobachtungen des Verf. über 
die Lenkocytose bei der Appendicitis, mit deren . Hilfe er un¬ 
ter Berücksichtigung des Pulses und der Temperatur zn einer 
richtigen anatomischen Diagnose zu gelangen versteht. Von 
einer richtigen Diagnosenstellung bängt aber bekanntlich die 
Therapie ab. So gelingt es dem Verf., der wie die Mehrzahl 
der Chirurgen ein Anhänger der Frühoperation ist, die 
Appendicitis Simplex rechtzeitig zn erkennen und annütze 
Operationen za vermeiden. Das Bach von Sonnenbarg 
ist, da es eine wichtige Frage aus einem Grenzgebiet behan¬ 
delt, besonders auch den Gynäkologen und inneren Mediciuern 
zu empfehlen. Aber auch die Chirurgen werden mit Interesse 
die Erfahrungen ihres Fachkollegen zor Kenntnis nehmen. 

W. Beckmann. 


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UMVERSITY QF MICHIGAN 



Prof. Pr.wA. Düfef-sitn; Gynäkologisches Vademekum. 
9. Auflage. Berlin. S. Karger 19Q9. 

Das rühm liehst bekannte gynäkologische Vademekum be¬ 
darf wohl keiner weiteren Empfehlung, da sein Ruf fest be¬ 
fändet ist. Der practische Arzt und Studierende benutzen 
di« Buch gern, weil es besonders ihren Bedürfnissen sage* 
passt ist. 138 Textabbildungen und 11 Tafeln, die in dem 
kleinen Bache enthalten sind, erleichtern das Verständnis. In 
der oenen Auflage ist das Kapitel über Prolapse nmgearbeitel 
nnd neue Kapitel über Behandlung vor and nach Operationen, 
über allgemeine nnd specielle gynäkologische Untersuch'!?ngs- 
metboden, über straf- and civilrechtlicke Verantwortlichkeit 
des Operateurs, über Bier sehe Rückenmarksanästhesie und 
Skopolamin-Dämmerschlaf nnd über die neuesten Fortschritte 
der Asepsis hinzngefügt. Das Büchlein zeichnet sich dnroh 
goto Ausstattung aus und dürfte auch in dieser Auflage bald 
vergriffen werden. 

W. B e c k m a n n. 

W. GuUmann. Medicinische Terminologie. 
Ableitung und .Erklärung der gebräuchlichsten 
PachauBdrücke aller Zweige der Medicm und ihrer 
Hilfswisseüschafteh. Dritte nmgearbeitete und er¬ 
weiterte Auflage. Verlag von Urban und Schwar¬ 
zenberg. Berlin nud Wien 1909. Preis Mk. 18. 

•Es gibt wohl kaum eine Wissenschaft, die eiQe so reiche, 
vielgestaltige and complicierte Terminologie besitzt, wie die 
Medicin. Und mit jedem Tage wird diese Terminologie dnreh 
Bildnog nnd Aufnahme nener Ausdrücke immer reicher and 
complicierter, sodass selbst ein Arzt, der mit der medicini- 
seben Literatur vertraut ist, kaum imstande ist, die ge¬ 
samte Onomatologie aller medicioiscben Disciplinen za be¬ 
herrschen. Daher werden lexikographisebe Werke, die im 
Falle eines anfkommenden Zweifels oder der Unkenntnis 
eines noch nenen und wenig bekannten Terminus technicus 
rasch und: leicht zur Orientierung dienen, allmählich zum .Be¬ 
dürfnis und zu einem notwendigen Bestandteile mediciniscber 
Bibliotheken. Von dem vorliegenden Werke Gottmanns 
»ms gesagt werden, dass es mehr bietet als es verspricht, 
denn nicht nur die (gebräuchlichsten FacbanidrÜcke»,: son¬ 
dern auch gar manche wenig gebräuchliche und z. T. auch 
obsolete, die aber doch hin und wieder Vorkommen nnd dem 
Leser Schwierigkeiten machen können, sind in das Bach auf- 
genomroen und erklärt. Sehr dankenswert ist es, dass nicht 
nor die rein medicinischen Fachausdrflcke, sondern auch die 
der sog.. Hilfswissenschaften, wie Chemie, Physik, Botanik, 
Zoologie, Berücksichtigung.gefunden haben, denn bei der Ent¬ 
wickelung aller dieser Zweige der Naturwissenschaften findet 
eine stetige Verschiebung ihrer Grenzen und ein Ioeinander- 
greifen der einzelnen Disciplinen statt, so dass znm Verstehen 
der einen ein Beherrschen der Nomenclatnr der anderen not¬ 
wendig ist. Man muss nur.darüber staunen, wie ein Autor 
rine.solche Arbeit leisten und eine solche Fülle von Kennt- 
nisten beherrschen kann. Einen grossen Vorzug des Werkes 
bildet die knappe Ansdrucksweise. Die Erklärungen sind so 
abgefasst, dass nnr das zum Verständnis der Termini not¬ 
wendigste gesagt nnd alles practisch unverwendbare Beiwerk. 
weggelassen ist. Hierdurch ist es möglich geworden, das 
riesige Material auf nnr 1388 Lexikonspalten onterznbringen. 
Bahnend hervorbeben möchte ich noch, dass Verfasser hin¬ 
sichtlich der Orthographie bei dem K- nnd Z-Lant den Grund¬ 
sau befolgt, «rein lateinische sowie durch Vermittelung des 
Lateinischen übernommene Worte mit C zn schreiben, da¬ 
gegen deutsche oder direct dem Griechischen entlehnte mit 
K bezw. Z>, wobei letzterer Buchstabe in griechischen Worten 
eben nnr da geschrieben wird, wo im Griechischen ein Z steht. 
Die jetzt vielfach übliche, aber durchaus unmotivierte and 
nnphilologische Schreibweise, welche das lateinische C oder 
gar das griechische K durch Z ersetzt, wird von G o 11 ^ 
mann glücklicherweise nirgends angewandt. Wir finden 
«Cysten», Cystoskopie, «Mikrocyten», «Cytoblaste» n. s. w., 
aber nie die barbarisch anznschauenden Worte «Zyste», «Leu¬ 
kozyten» n. dergL Schade nor, dass auf dem Titelbatt der 
für richtig anerkannte Grundsatz nicht eingehalten und «me- 
dieinisch» mit einem Z geschrieben ist. Wenn Verf. in dem 
Vorwort znr im Jahre 1902 erschienenen ersten Auflage 
seines Baches sagte: «über die Berechtigung eines Buches 
entscheidet der Erfolg», so hat er hiermit ein Urteil ge¬ 
sprochen, das ganz zn seinen Gunsten aasgefallen ist, denn 
das Vergriffensein zweier Auflagen in 5 Jahren and die Not¬ 
wendigkeit einer dritten Auflage im 6. Jahr beweisen nicht 
nor die Berechtigung des Buches, — eine solche Nachfrage 
beweist das Bedürfnis and das Verlangen nach einem solchen 
Werk. Es kann daher auch kaum ein Zweifel besteheo, dass 
die neue, bedeutend erweiterte Auflage denselben Erfolg 
haben wird wie die beiden früheren« 

F. Dörbeck. 


ProtocoHe des XX. Aerztetages. 

der 

Gesellschaft llvländischer, Aerzte In Riga 

vom 28. bis zum 30. August 1808. 

(Schloss.) 

c) Dr. H. Truhart: Obolelith iasis und Pan.- 
creassrkranknngen. Erscheint iu der St. Petersburger 
Med. Wochenschrift. 

Discussion: 

1. Dr. v. Engelhardt: Es handelt sich bei der Gallen- * 
Steinkrankheit auch dämm, ob es möglich ist die ersten An¬ 
fänge einer Cholecystitis, leichte Reizznstände der Gallenblase 
zn diagnosticiereu! Ich meine nun, dass das wohl io den mei¬ 
sten Fällen gelingt nnd bin überrascht gewesen, wie oft man 
diesen chronischen Reizzustand findet — ich meine fast jede * 
3., 4. Frau, die wegen irgendwelcher Verdannngsbeschwerden 
in meine Sprechstande kam, litt daran — es ist eine der bäa-' 
figsten Krankheiten. Ich bediene mich schon seit Jahren bei 
der Untersuchung eines Griffes, der mir gute Dienste leistet. 
Die Patientin setzt sich auf ein niedriges Tabourett, die 
Beine ein wenig gespreizt and stützt sich in möglichst le¬ 
gerer Haltung mit beiden Ellenbogen auf die Kniee (Unter¬ 
arm leicht horizontal!). Ich sitze oder stehe — ich ziehe den 
Sitz vor — so auf der rechten Seite der Patientin, dass mein 
Gesicht ihrer Seite zngekehrt ist nnd nehme die gleiche Stel¬ 
lung wie sie ein, nnr dass meine rechte Hand den rechten 
Rippenbogen der Patientin in der Gallenblasengegend mit 
einer sehr ergibigen Hantfalte umfasst, so dass die 4 Finger¬ 
kuppen tief unter die Lebergegend kommen müssen, während 
das Colon unterhalb bleibt nnd nur bei tiefer Inspiration mau 
das deutliche Gefühl hat, dass ein voller runder Körper ge¬ 
gen die Hand audrängt. Liegt ein Reizznstand der Gallen¬ 
blasengegend vor, so unterbricht die Patientin oft plötzlich 
die Inspiration, weil sie einen stechenden Druckschmerz fühlt 
der nach oben in die rechte Brustseite ansstrahlt. Die Häu¬ 
figkeit dieses Befundes lässt Zweifel an der Richtigkeit der 
Diagnose anfkommen — öder es ist die Drockempfindlickeit 
der Inci 9 nrgegend—ein häufiges Vorkommnis, das noch fast als 
normales Verhalten anzusehen ist. Wohin rangieren dann 
die Fälle, bei denen die Drnckempfindlichkeit nicht zn con- 
Btatieren ist? Ich bitte die Herren Collegen diesen Befand 
naclizaprüfen. In jedem Falle ist natürlich die Untersuchung 
in der Rückenlage auch vorznnehmen, wobei es allerdings 
verkommen kann, dass dnreh Druck anf den Leberrand in- 
direct ein Drnck anf die sympathischen Plexns des Epi« 

S astriums aasgeübt wird and dort Schmerz hervorgernfem wird. 

•ieser Täuschung entgeht man bei dem von mir geschilder¬ 
ten Handgrift. 

2. Dr. B o r n h a n p t: In dem hier vielfach besprochenen 
Fall von Choledoclinsverschluss mit nachfolgender Sepsis hielt 
ich den operativen Eingriff für indiciert trotz des schwerau 
AUgemeinznstandes der Patientin aus folgenden Gründen. 
Erstens handölte es sich nm eine circa 30 Jahre alte, sonst 
kräftige Fran, deren Pals im Verhältnis znm Allgemeinzn- 
stande ein befriedigender war. Ferner fühlte ich unter der 
Leber über der Gallenblasengegend eine deutliche druck¬ 
empfindliche Resistenz, so dass ein'Eiterherd in 
der Banchhöhle, der die Ursache zn den schweren Allgemein- 
erscheinungen darstellen könnte, nicht mit Sicherheit ansge¬ 
sprochen werden konnte. Der trotz der abgegangenen Gallen¬ 
steine noch bestehende Icterus konnte sowohl als Folge der 
Sepsis, als anch als Folge der noch bestehenden partiellen 
Staaung in den Lebergängen dnreh einen Choledocbusver- 
schluss aufgefasst werden. Selbstverständlich musste man 
auch an eine bestehende Cholangitis denken. Jedenfalls konnte 
man hoffen, dass die Allgemeininfection vom sonst kräftigen, 
jungen Organismus noch überwunden werden könnte, falls 
die Ursache zur Allgemeininfection radical beseitigt worden 
wäre. Die Operation zeigte, dass die Resistenz durch die aus¬ 
gedehnten Verwachsungen mit der geschrumpften Gallenblase 
bedingt war. Im Choledochus, der in weiter Ausdehnung mit 
dem herangezogeneu Duodenum fest verbacken war, ist kein 
Stein gefunden worden. Elter war nicht vorhanden. Der Fäll 
zeigt daher, dass die Allgemeininfection im Moment des 
Durchbraches des Steins aus dem Choledochus in das Duo-' 
den um entstanden war, und dass die Patientin dieser Allge¬ 
meininfection erlegen ist. 

3. Dr. v. Bergmann: Der Icterus iet bei der Indicationa- 
8tellung zur Operation sehr mit Vorsicht zn verwenden. Sehr 
wichtig ist die Anamnese. Referent hat irrtümlich einen Fall 
mit Icterus, Fieber, Schüttelfrost und grosser Leber operiert, 
welcher auf Sepsis beruhte, die von einem Decubitus auf der 
Ureterschleimhaut dnreh Steine geursacht war, die bereits 
znm grössten Teil in die Blase geglitten waren. Anamnestisch 
war hier angegeben worden, dasü am ersten Tage der Br- 


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Original ffom 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 



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kranknng eia wurstförraiger Tamer in der rechten lliacalge- 
gend palpiert worden war (dilatierter Ureter). Dieser Tumor 
war später versehwnnden. 

fieferent stellt seine Mitteilung, dass Dr. Greif fenha- 
g e n die Gholecystendyse empfiehlt, dahin zarecht, dass 
Dr. Greiffenbagen diesen Staudponct nicht einnimmt 

4. Dr. Reilmann macht auf die Möglichkeit aufmerksam, 
dass durch rechtseitige Tubargravidität das Bild acuter Gal¬ 
lenwegerkrankung vorgetäuscht werden kann; nicht nnr die 
Art Schmerzen lässt eine Verwechselung zustande kommen, 
sondern bemerkenswert ist auch, dass bei Tubargravi¬ 
dität sich ausgesprochener Icterus zeigen 
kann. Tatsächlich sind solche Verwechselungen vorgekom¬ 
men und erscheint es nicht unnötig, bei Fraaen gegebenen 
Falls an solche Möglichkeit zu denken. Die Beantwortung 
der Frage, ob eine Extrauteringravidität vorliegt ist gewöhn¬ 
lich leicht zu beantworten, wenn sie überhaupt gestellt ist. 

5. Prof. Zöge v. Manteuffel: Dr. v. Bergmann hat 

gesagt, Tumoren sind zu fühlen nur bei Netzverwacbsung 
und Neoplasma (Carcinom). Ich fürchte, ich habe Dr. Berg¬ 
mann missverstanden, denn das wird Dr. Berg man n ja 
auch gesehen haben, daBS der Tumor der Gallenblase ein j 
wichtiges Symptom bei der sonst so schwierigen Diagnose j 
der Cholelithiasis ist. t 

6. Dr. Schubert: Statt des Schlusswortes auf das er 1 
verzichtet, gestattet er sich 3 Präparate zu demonstrieren: . 

1) Ein Präparat, chronisch recidivierende Chole* j 

cystitis mit zweimaligem Gholedochusverschluss. Der Fall i 
gehört zu den seltenen, weil er durch Shock nach dem Durch- ; 
tritt des Steins durch den Gholedochus letal endigte. 1 

2) Eine Gallenblase mit Steinen und beginnendem 
Gysticuscarcinom and 

3) eine Stenose des Ductus Wirsunglanus,die 
Glykosurie zur Folge batte. Der Stelle der Stenose entsprach ein 
Ulcus duodeni. Es entsteht aber für alle diese Fälle die princi- 
piell wichtige Frage, ob nicht Erkrankung der Pancreas die pri¬ 
märe, das Duodenalulcus die Becundäre ist. Bisher bevorzugt 
man ausschliesslich die Annahme, dass das umgekehrt sei. 

7. Dr. Bergmann: Der palpable Gallensteintumor ist 
sicher ein sehr wertvolles diagnostisches Moment, das leider 
nnr in dem kleinsten Teil der Fälle vorhanden ist Die auf¬ 
fallende Härte eines Gallenblasentumors soll den Verdacht | 
auf Neoplasma wachrufen, ohne einen jedoch von der Opera- i 
tion abzuhalten, denu entzündliche Verlötungen mit dem Netz I 
können ganz ähnliche Tumoren machen. Der von Dr. v. En- 

f elhardt angegebene Schmerzpunct hat Referent in einem 
alle irre geführt, statt der völlig gesunden Gallenblase fand 
er einen nach oben geschlagenen und fixierten kranken 
Wurmfortsatz. Es ist daher denkbar, dass abnorme Span- 
nungsverbältnisse im Dickdarm (Obstipation) diesen Druck¬ 
schmerz hervorrnfen. 

2. Dr. B o r n h a u p t hält seinen Vortrag: Ueber acute Pan- 
ercatitis.» (Erscheint in der St. Petersburger Medicin. Wochen¬ 
schrift). 

Discutfsion. | 

1) Dr. v. E n g e 1 h a r d t: Dr. Bernhaupt hat sich nicht 
darüber geäussert, wie sich Temperatur and Puls bei der Pau- 
creatitU acuta verhalten. Wenn in den ersten 24 Stunden die 
für die Pancreatitis charakteristischen Symptome in heftigen 
Epigastralgien Erbrechen und verfallenem Aussehen bestehen, ein 
undeutlicher schmerzhafter Tumor in der Pancreasgegend zu füh¬ 
len ist, so bezweifle ich die Möglichkeit, auf diesen Symptomen- 
complex hin die Diagnose auch nur mit einiger Wahrscheinlichkeit 
zu stellen. Am 2. und 3. Tage, wo es zur Operation zu spät ist. 
steht das Bild des Ileus im Vordergründe ohne die localisierte 
Darmsteifung — nur allgemeiner Meteorismus liegt vor. Ein 
ähnliches Krankheitsbild kann uns bei schweren Herzattaquen 
entgegentreten. Der bekannte Fall Panum (tlerzruptur) wies 
ausserordentlich heftige Erscheinungen von Seiten des Abdo¬ 
mens auf: Erbrechen, Schmerz, Meteorismus. Ich habe selbst 
einen sehr ähnlichen Fall gesehen, wo die Frage entstand, ob 
es Bich um Herz, ob Pancreas oder Ileus handelte — dabei 
Temperaturen bis 38,5 — und bei der Section fand sich Herz- j 
ruptur und im Pancreas nur eine verwaschene Zeichnung der 
Zellen und fettige Degeneration. Aber für das Krankheitsbild 
selbst musste man doch die Herzruptur verantwortlich machen. 

2) Dr. T r u h a r t: Von den beiden Vorrednern sind so in¬ 
teressante die Pancreaspathologie betreffende Fragen ange¬ 
regt worden, dass ich mit Einwilligung der Versammlung 
unter Bevorzugung des mnltum vor dem multa auf meinen 
zweiten «Ovulum und Pancreas» betitelten Vortrag 
verzichten möchte, um die hierdurch gewonnene Zeit zur Be¬ 
sprechung jener Fragen zu verwenden. Es freut mich consta- 
tieren zu können, dass die von dem Herrn Gollegen Born¬ 
haupt bezüglich der sogenannten «acuten Pancreatitis» 
entwickelten Anschauungen im grossen und ganzen sich mit 
den von mir gewonnenen decken. Hier und da kann ich ihm 
jedoch nicht beipflichten nnd will ich bei Beleuchtung dieser 
Pubcte dieselbe, in seinem Vortrage eingebaltene Einteilung 
beibehalten. — Was zunächst die vielumstritteue Todesur¬ 


sache bei jenen acnten Formen der Pancreaserkrankangeo ati 
belangt, so teile nach ich die neuerdings von G a 1 e k e und 
G. von Bergmann verfochtene Ansicht der Autoiotoxica- 
tion, bei welcher wir,nicht wie Doberauer annimmr, in ge* 
wissen Zufallsproducten des necrotischen Pancreas, sondern in 
dem resorbierten Pancreastrypsin als solchen die schädliche 
Naxe zu erblicken haben, welche den Vergiftnngstod verur¬ 
sacht. Schon im Jahre 1898 haben N e u c k i nnd T s c h e p u r- 
kowski an der Hand zahlreicher Tierexperimente es klarge¬ 
stellt, dass bei plötzlicher massenhaften Üeberflutung des Blut¬ 
kreislaufes mit zurückgestautem normalen Pancreassecret die 
Lyiupho- und Leucocyten nicht mehr imstande sind das Tryp¬ 
sin in ausreichendem Masse zu binden und unschädlich zu 
machen und, dass durch eine solche überschüssige Trypsinau- 
häufung im Blut der Tod herbeigeführt werde. Weitere Unter¬ 
suchungen haben gelehrt, dass dem menschlichen Blutserum 
und zwar dem Euglobulin desselben auch antitryptische Eigen¬ 
schaften zukommen. Bei Ueberladung mit Trypsin ist das Blut¬ 
serum aber nicht mehr imstande die nunmehr erforderliche 
antifermentative und antitoxiBche Schutzkraft zu entwickeln 
nnd bei dem Ausbleiben dieser Hemmungswirkung tritt unter 
den Erscheinungen der Vergiftung, der Hämolyse und der 
Asphyxie der Tod ein, wonach sich bei sorgfältig ausgeführter 
pathologisch anatomischer Untersuchung Gerinnungserschei¬ 
nungen ia den Lungeucapillaren und in der Pulmonalarterie 
nachweisen lassen. — Die Trypsinvergiftung des Organismus 
vermag ich aber nicht als die a u s 8 c h 1 i e s s 1 i c h bei den 
acuten Pancreaserkraugungen in Frage kommende Todesur¬ 
sache anzaerkennen. Meine Studien haben mich vielmehr zu 
der Ueberzeugung geführt, dass als solche in manchen Fällen 
zweifellos eine acute auf reflectorischem Wege zustande 
kommende Lähmung des in der Medulla oblongata belegenen 
vasomotorischen Gentranis angesprochen werden muss. Und 
zwar ist es hierbei keineswegs erforderlich, dass gerade der 
Plexus solaris und das Ganglion semilunare selbst von dem 
dnrch die Pancreashaemorrbagie hervorgerufenen mechanischen 
Insult getroffen wird wie Zänker solches annabm; auch die 
lötzlich einsetzende Erschütterung des im Pancreas selbst 
efindlichen sympathischen Nervenapparates (Fasergeschichte 
und Ganglien) können die gleiche Reflexwirkung im Gefolge 
haben: ich erinnere an die bei der fondroyanten Pancreas- 
apoplexie so oft fast momentan eintretende tödliche Kata¬ 
strophe; als Analogon verweise ich ferner auf den mit 
Blitzesschnelle sich einstellenden Tod bei der Embolie der 
Arteria mesar&ica Buper. In anderen Fällen wieder wird, znmsl 
nach kurz zuvor schon einmal stattgehabter schwerer abdo¬ 
minaler Shockwirknng und bei hierdurch hervorgernfeuern 
schweren Collaps, eine nochmals wiederkehrende, wenn auch 
weniger abnndaute Blutung allein schon, in anderen Fällen 
eine sich hinzugesellende tiefgreifende septische Infection, 
genügen, den Exitus herbeiznführen. Endlich kann es sich 
aber auch um anderweitige Gomplicationen nnd am eine 
«Goncarrenz der Todesart» handeln. 

Wenden wir unsere Aufmerksamkeit non der Aetiologie 
nnd Pathogenese zn. Schon im Jahre 1899 hatte ich auf 
dem IX. livl. Aerztetage Gelegenheit, im Gegensatz za der 
damals allgemeingiltigen Theorie des microparasitären ätiolo¬ 
gischen Ursprungs der acoten Pa n c reaser krank uugeu meine 
Stellungnahme dahin za prftcisieren, dass Blntnng and Ne* 
crose der Drüse nicht als Folgeerscheinung einer entzündli¬ 
chen Primärinfection, sondern als Krankheitserscheinnngen 
anzusehen sind, die pathogenetisch durch Autodigestion 
hervorgerufen werden, indem das zufolge von Rückst&nung 
in die Drüsensnbstanz nnd über diese hinaus abfliessende 
Pancreassecret vermöge der ihm innewohnenden fermentati¬ 
ven Eigenschaften auf dem Wege partieller tryptischer Ver¬ 
dauung der Blntgefässwandungen die Haemorrhagien, 
infolge der tryptiscben Zersetzung der Zellkerne der Gewebe 
die Necrose und znfolge von Spaltung des Nentralfettes 
in den Fettzellen die Fettzersetzung, die sog. Fettgewebs- 
necrose verursache. In allen später von mir veröffentlich¬ 
ten Arbeiten über Pancreas pathologie habe ich gleichfalls 
diesen Standpunct der Selbstverdanung vertreten und auf 
weitere Stuaien gestützt die Fermenttheorie ansgebaat. Sie 
hat auch — bezüglich der Fettgewebsnecrose wenigstens — 
seit Anfang des neuen Jahrhunderts allgemeingiltige Aner¬ 
kennung gefanden. Ein Gleiches lässt sich bezüglich der 
Pancreäshaemorrhagie und — Necrose nicht sagen. Die Pa¬ 
thogenese dieser Krankheitserscheinungen wird auch heut¬ 
zutage noch von den Antoreu als «völlig ungeklärt» and als 
«rätselhaft» gekennzeichnet. Gegen die genesis der Autodi¬ 
gestion worden nnd werden im Wesentlichen zwei gewichtige 
Argumente ins Feld geführt. Diese Einwände warzein ei¬ 
nesteils in dem Satze, dass das Organgewebe gegen die 
zerstörende Einwirkung der eigenen secretoriscben Prodacie 
gefeit ist nnd anderenteils, dass die Fermente nar als 
Vorstufen, als Zymogene im Pancreas vorgebildet seien, dass 
mithin auch das Trypsinogeu erst der Einwirkung der Ente- 
rokinase, des Darmerepsins etc., also der Activiernng bedürfe, 
um Eiweisssnbstanzen zu verdauen (Heidenhain, P»w- 


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low, GFUainer, Polga n. v. a.) Diese Sätze entbehren 
anch meines Erachtens keineswegs der Berechtigung, aber 
nor in einzuschränkendem Sione. Es steht ebenso sicher fest, 
dui die Zelle nnr so lange vor der fermentativen Selbstzer- 
Mtxaog gefeit ist, als deren vitale Eigenschaften noch kei- i 
Derlei Beeinträchtigung ihres Ernährungszustandes, noch 
ieise Dystrophie erfahren haben: desorganisierte 
Oswebselemente fallen unter allen Umstän¬ 
den dem zersetzenden Einflüsse der Fermente 
anheim und tausendfach lehrt die practische Erfahrung der 
Pathologie am Krankenbette und an der Leiche, dass das 
Panereastrypsin ancb ohne Mitwirkung der Entero- 
kinase, des Erepsins, des Secretins auf zuvor schon lädiertem 
oder sonst krankhaft afficiertem nnd dadurch prädisponiertem 
Boden seine schwerwiegende eiweissverdauende Wirkung i 
assübt. I 

Zorn Beweise hierfür sei flüchtig an das von Güssen- j 
bauer schon sog. «Verdauungsekzem» der Haut an 
der Augmündungsstelle der Paocreasfistel, die ich in meiner \ 
Kasuistik (siehe statistische Tabelle B. Pathologische Anato- ! 
nie) 39 Mal verzeichnen konnte, erinnert. Ferner verweise ich ! 
auf die so häufig zii beobachtenden Verdauungsulce- I 
rationen au dem Wandapparate des Magendarmtractos I 
(98 Mal laut meiner Statistik), ferner auf die dem Chirurgen I 
wie dem Pathologen gleich wohlbekannte salzige V e r d a u - ! 
nngsmaceration aller Gewebselemente in der nnmittel- 
baren Umgebung der Drüse: der serösen Hüllen und Häute 
des Netzes and der Gekrösewurzel der benachbarten Muskel- j 
gebflde, der zäh-fibrösen Ligamente, der derbfesten pancreati- t 
gehen Drusengänge, nnd anf die Perforations-Arro- 
lion der Blutgefäss Wandungen (27 Mal laut meiner Tabelle); 
ich erinnere endlich an die schon angeführte, in alter jüngster 
Zeit erst zugestandene tryptische Haemolyse inner¬ 
halb des geschlossenen Blutkreislaufs. Es unterliegt für mich 
daher gar keinem Zweifel, dass es ausser den angeführten, in 
dem Darm producierten Zymolysinen auch soost noch im i 
Organismus Faktors geben moss, denen die Eigenschaft au- j 
kommt die Pancreasprofermente in wirksame Ferraeate umzu- 
windelu. Und in der Tat ist — freilich erst in allerjüngster 
Zeit (1907) — in unzweideutiger Weise der Nachweis einer ! 
lolehen Aktivierung des Pancreassaftes durch gewisse, insbe¬ 
sondere Calciumsalze gelungen und der Beweis geliefert wor¬ 
den, dass die proteolytische Wirksamkeit des auf diese Weise i 
ans dem Trypsinogen umgewandelteu Trypsins eine sogar 1 
noch ausgiebigere und stärkere ist als wie sie bei der Akti- 
rfernng dieses Pro ferme nt es durch Enterokinase erzielt werden 
kann (Delezenne, Drouin, Znnz). Es leuchtet nun < 
ein, dass bei krankhaft desorganisierten Geweben die in die- 1 
ton, so z. B. in den atheromatös oder sklerotisch veränderten i 
Pkrtien der Blutgefässwandungen die in ihnen abgelagerten 
Salze die Kinase abgeben, welche — bei etwaigem Kontakt ! 
von Pancreaesaft mit diesen puncta mlnoris reststentiae—das 
Trypsinogen in activ wirksames Trypsin verwandeln. Hier- 
mitistaber meiner Ansicht nach der Schlüs¬ 
sel für die bisher als «rätselhaft» hingestell¬ 
te Pathogenese der Hämorrhagie, der Ne- ; 
crose nnd der Fettgewebsnecrose des Pan- 1 
ereas gegeben, die ich seit 10 Jahren als dnreh Selbstver- j 
dsoongsvorgäuge hervorgernfene Krankheitserscheinongen ■ 
gekennzeichnet habe. Erst sekundär pflegen in der nnroittelba- 
reo Nachbarschaft der Gewebe mehr oder weniger starke 
entzündliche Beactionserscheinungen sich geltend zu machen 
und ans diesem Grande scheint es mir nicht berechtigt, wie 
solches auch vom Collegen Bornbaupt geschehen ist, von 
einer «aenten Pancreatitis» zu reden; denn primär 
bandelt es sieb bei diesen acuten Krankheitsformen des Pan- 
creas um eine Autodfgestions-Neeroseresp. H ä - 
norrhagie. In der Symptomatologie spielen unter 
den Initialer schein ungen die kolikartig anftretenden Schmerz- 
infälle, das Erbrechen, der Kollaps und die unmittelbar sich j 
anschliessende, tagelange Stahl- and Windverhaltung die am 
meisten hervortretende Bolle. Die Schmerzen, welche meist 
im Epigastrium, seltener in den Hypochondrien localisiert ! 
sind und in die Schultergegend oder auch in das Krenz ans* 1 
strahlen, sind von ausserordentlicher Heftigkeit Sie erreichten j 
in Einzelfällen so excespive Höhe, dass selbst zn dem Ver- j 
soche des suicidinm geschritten worden ist. Diese Schinerzan- ! 
fülle werden verursacht dnreh den schabweise stattbabenden 
lötzlichen Ergoss von Bl nt in die Pancreassubstanz nnd die 
ierdutch bedingte mechanische gewaltsame Zerrung der sen¬ 
siblen Nervenfasern, welche in den perivasculären sympathi¬ 
schen Nervengeflechten eingelagert sind. Bei ihrer nicht be¬ 
streitbaren Aehnlichkeit werden diese echten Pancreaskoliken 
nnr zn häufiig mit Gallensteinkolik verwechselt. Besonders 
anch der Umstand, dass die Schmerzen sich nicht selten in 
der rechts vom Epigastrium gelegenen Oberbanchgegend (Pan- 
creaskopf) etablieren nnd weiterhin in Folge der hervorge- j 
mfenen Compressiou des Choledochns durch den blutinfiltrier- 
ten Panereaskopf sich oft Icterus als klinisches Symptom hin- ! 
ngeaellt. hat in überaas zahlreichen Fällen i64 Mal in mei- i 


ner Casnistik) zur Fehldiagnose «Cholelithiasis» geführt und 
wie ieh in »Deinem heutigen Vortrage über «die Beziehungen 
der Gallensteinerkranknngen znm Pancreas» an der Hand 
einer sorgfältigen umfassenden Statistik nachgewiesen habe, 
zn der weitverbreiteten Ueberschätznng der ätiologischen 
Bedeutung der Cholethiasis für die aenten Formen der 
Erkrankungen dieses Organes geführt. Tatsächlich werde in 
meiner Oesamtcasoistik von 4200 Fällen von Paucreaserkran- 
knngen die Coincidenz mit Gallensteinen 366 Mal (= 8,71 pCt.) 
nnd zwar unter anderen in 632- Mal mit Fettgewebsnecrose 
einhergehenden Krankheitsfällen 121 Mal (= 19,145 pCSt.) con- 
atatiert, während sich in den 642 Fällen von chronischer Pan- 
creatitis, die sich bekanntermassen nahezu niemals mit abdo¬ 
minaler Fettgewebsnecrose zu vergesellschaften pflegen, das 
Vorhandensein von Gallensteinen 178 Mal (=27,7 pCt.) fest¬ 
stellen liess. Ans dem klinischen Symptom des Icterus allein 
darf nicht wie solches so oft geschieht der Rückschluss auf 
das Vorhandensein von Steiuen in den Gallenwegen gemacht 
werden. Gelbsucht wird nach den Erfahrungen der Gallenstein- 
Chirnrgen bei Steinen in der Gallenblase und im Cysticus 
oder bei Cholecystitis acuta io 80—90 pCt., ja selbst bei Cbo- 
ledochus- und Hepaticussteinen in 30 pCt. der Fälle vermisst. 
Weit häufiger wird Icterus bei Compression des Choledochns 
durch Neoplasmen, durch chronische Pancreatitis bezw. durch 
den blutinfiltrierten Panereaskopf verursacht. Laut meiner 
Pancreasstatistik (vergl. meine beistehende Symptomatologie 
Tabelle D.) kam ln der Gesamtcasnistik Icterus 544 Mal zur 
Beobachtung: 184 Mal bei Vorhandensein von Gallensteinen, 
wobei in der weittiberwiegenden Mehrzahl der Sitz dieser aus¬ 
schliesslich nur die Gallenblase war und 360 Mal bei Pan- 
creaserkrankungen, bei welchen weder Gallensteine noch 
Entzündnngsvorgänge in den Gallenwegen hatten nachgewie¬ 
sen werden können. 

Das unstillbare sich so häufig wiederholende Erbrechen — 
neben den initialen Schroerzantällen — das bei Pancreashae- 
morrhagie und Necrose am constantesten auf tretende klini¬ 
sche Symptom, fördert meist reichliche Galle zu Tage, welche 
zu Folge der Duodenalparese nicht weiter befördert in den 
Magen zurtickgestaut wird. In 56 Fällen meiner Casnistik 
handelte es sich um Haemathemesis: das in die Pancreassnb- 
st&nz mit wuchtiger Gewalt sich ergiessende Blut bahnt, die 
dnctuli pancreatici zertrümmernd, sich durch den Wirsung- 
sehen Gaug den Weg in den Zwölffingerdarm, um meist 
per os, weit seltener per annm (23 mal) ausgeschieden zu 
werden. «Faecoloides» bezw. faeculeules Erbrechen habe ich 
n n r in 9 Fällen verzeichnet gefunden. Diese letztere Tat¬ 
sache vereint mit dem Fehlen fohl- oder sichtbarer Peristal¬ 
tik nnd dem Mangel einer local nachweisbaren gestellten 
Darmschlinge bürgen wohl allein schon dafür, dass es sich 
bei diesen ileusartigen Symptomen um einen dynamischen, 
um einen paralytischen Uens in den oberen Darmparlien han¬ 
delt Dieser ist als durch die Pancreasapoplexie verursachte 
Reflexlähmung aufzufassen. Der von Dr. Bo r n h a u p t ge¬ 
machten Angabe der grossen Seltenheit der symptomatischen 
Begleiterscheinung der Glykosuiie muss ich in Grundlage 
meiner Statistik widersprechen, denn von allen Ausfallser¬ 
scheinungen der änsseren und inneren Pancreassecretion er¬ 
weist sich die Glykosnrie als die relativ am häufigsten zur 
Geltuug kommende. Als Beleg hierfür dienen folgende Zah¬ 
lenreihen. Verzeichnet waren laut stattgehabter sorgfältiger 
Untersuchung: « 

ln der Gesamtcasnistik Steatorfhoe. Azotorrhoe. Glykosnrie. 
von 4200 Fällen: 108 mal. 39 mal. 692 mal. 

Bei Pancreashaemorrha¬ 
gle nnd Necrose in 

827 Fällen: 12 mal. 3 mal. 81 mal. 

Anch kann ich der «Trockenheit der Zunge» keine patho- 
gnomische Bedeutung beimessen. Speichelfluss kommt freilich 
nnr sehr selten vor, meist ist aber die leicbtbelegte Zunge 
feaebt, es sei denn, dass sich secundär infectiöses Fieber 
hinzngesellt. 

Anf die Diagnostik nnd die Diagnose näher einzu¬ 
gehen verbietet mir leider die stark vorgerückte Zeit. Behufs 
Beleuchtung der Unzuverlässigkeit jener und der Unsicher¬ 
heit dieser mögen gleichfalls Zahlen reden. In den 827 Fällen 
der acuten Erkrankung des Pancreas wurde die klinische 
Diagnose 416 Mal offen gelassen, in den übrigen 411 Fällen 
lautete sie nur 63 Mal und zwar meist nur vermutuugsweise 
oder mit Wahrscheinlichkeit auf Paucreaserkrankungen ver¬ 
schiedener Art. 26 Mai auf Appendicitis bezw. Perityphlitis, 
37 Mal auf Baucbtumoren, 64 Mal auf Cholelithiasis, 69 Mal 
Bauchfellentzündung bezw. Perforationsperitonitis, 116 Mal auf 
Darmocclusion bezw. Obturation und in 36 Fällen zersplit¬ 
terte sich die Diagnose. 

Was zum Schluss die Therapie aubetrifft, so kann diese 
ihrem Wesen nach nur eine chirurgische sein. Bezüglich der 
Art des operativen Vorgehens befinde ich mich mit dem Herrn 
Collegen Bornhaupt auf durchaus gleichem Buden. Auch 
ich bullige der Ansicht, dasB es vor allem darauf ankommt, 
so frühzeitig wie möglich das Pancreas freizulegen, um dem 


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fclnterguss. welcher zufolge des durch ihn ausgetibten 
Druckes den Ernährungszustand des Pancreasparenchyius 
schädigt, Bahn, gleichzeitig aber auch dem Drüsensecret, wel¬ 
ches das lädierte Drüsengewebe zu zersetzen droht, dnrch 
ration el le möglichst vollständige Tamponade nnd Drai¬ 
nage ausgiebigen Abfluss nach aussen zu schaffen. 

Bei der mir vorliegenden Kasuistik der akuten Pancre&s- 
erkrankungen handelt es sich unter der Zahl der 290 operier¬ 
ten Fälle 121 Mal um Frö ho peratio ne n (gerechnet bis 
zum 5 resp. auch noch 6 Erkrankungstage) mit 52 (=*42,97%) 
Heilerfolgen nnd 164 Mal um Spätoperationen mit 53 (=>32,317h) 
Heilerfolgen; in 5 Fällen konnte ich den Zeitmoment des ope¬ 
rativen Eingreifens nicht mit Sicherheit feststellen. Die ge¬ 
waltigen Fortschritte der operativen Therapie, die dank der 
allmählich sich schon mehr und mehr einbürgernden Vervoll¬ 
kommnung des chirurgischen Verfahrens erzielt worden sind, 
lassen sich am besten veranschaulichen, wenn wir die Opera¬ 
tionsresultate ans den früheren Jahren denen der Neuzeit 
vergleichend gegenüber stellen: Bis zum Jahre 1900 (incl.) 
wurde bei 51 Frühoperationen 11 Mal (= 21,569h), vom Jahre 
1901 an bis zum heutigen Tage bei 70 Frühoperationen 41 Mal 
(= 58,571h) Heilung erzielt Es ist mithin seit dem Anfang 
dieses Jahrhunderts gelungen die frühere Mortalitätsziffer 
78,44h auf 41,43°/o herabzudriicken und es lässt sich mit 
Sicherheit voraussehen, dass die Mortalität noch eine ganz 
wesentliche Herabminderung erfahren muss, sobald die zweck- 
mässigste Art und Weise des chirurgischen Vorgehens und 
der Nachbehandlung Allgemeingut der Aerzte geworden ist. 

(Antoreferat.) 

3) Dr. Engelhardt: I)r. Bergmann möchte ich erwi¬ 
dern, dass ich ihm den genannten Fall gezeigt hatte, weil ich 
fürchtete es könne in den nächsten Tagen das Bild noch com- 
plicierter nnd dann vielleicht der operative Eingriff nötig sein. 
Dass die Entscheidung, ob beim Ileus operiert werden soll oder 
nicht, im Einzelfall durchans nicht so einfach ist, wird mir 
Dr. B. zngeben. Ich erinnere ihn bloss an einen Fall, den wir 
gemeinsam behandelten. Ein junger Mann, der früher einmal 
eine Üeberhafte Appendicitis (?) durchgemacht hatte, erkrankt 

{ »lötzlich mit heftigen Schmerzen im Leibe, nicht streng loca- 
l8iert, und Erbrechen, leichten Temperaturen und einer hefti¬ 
gen sichtbaren Peristaltik der Mittelbauchgegend ohne local 
gesteifte Schlinge und bei gutem Pulse. Auf Atropininjection 
wird der Zustand erträglicher, auf hohe Irrigationen gehen 
Stuhlbröckel ab, der Leib ist weich. Dem Drängen der Eltern, 
die den Patienten nicht in Riga operieren und nach Peters¬ 
burg transportieren wollen, wird nachgegeben und am andern 
Tage stirbt der Patient daselbst. Näheres liess sich trotz ver¬ 
schiedener Briefe an den behandelnden Professor nicht ermit¬ 
teln. Hier meinte Dr. B. noch, mit der Operation warten zu 
können nnd doch war damit vielleicht der günstige Augen¬ 
blick versäumt- Die localisierte Diagnose beim Ileus ist nicht 
immer möglich, und daher möchte ich davor warnen, die Pan- 
creatitis auf die von Dr. Bornhanpt angegebenen Symptome 
bin zu diagnosticieren. 

Dr. Bornhanpt (Schlusswort): Was die Frage von Dr. 
von Engelhardt anbetriflt, wie es mit dem Pulse und 
der Temperatur bei der acuten Pancreatitis sich verhält, so 
mnB8 ich um Entschuldigung bitten, wenn ich in der Eile 
beim Vortragen diese wichtigen Momente nicht berührt habe. 
Weiter verweise ich auf mein Mannscript, respect. gedruckten 
Vortrag. Was die Frage der* Frühdiagnose anbetrifft, so ver¬ 
hält es sich damit nicht so Wie Dr. v. E n g e 1 h a r d t es 
meint, dass wir nur auf die plötzlich auftretenden.Schmerzen 
im Abdomen, Erbrechen, Stuhlverhaltung sofort die Diagnose 
einer acuten Pancreatitis stellen sollen, sondern ich habe es 
im Gegenteil betont, dass der Allgemeinzustand eines solchen 
Patienten auf uns sofort den Eindruck einer schweren Er¬ 
krankung, die sich plötzlich und rapid entwickelt, macht. Halo- 
nierte Angen, verfallenes Anssehen, trockene Zange und an 
Heftigkeit beständig zunehmende Schmerzen im Abdomen, die 
sich sehr bald bis zur Unerträglichkeit steigern, das sind die 
allarmierenden Symptome. 

Kocher scheint nur darin zu weit zu gehn, dass er 
verlangt, im Beginn müsse der Arzt unterscheiden können, ob 
eine Occlusion oder ein peri tont tisch er Process vorliege. Diese 
Entscheidung ist zuweilen auch schou im Beginn schwer, 
namentlich weil hier auch noch die Fälle In Betracht kommen, 
in denen eine reiu functionelle Gas nnd Kotsperre vorliegt. 
Der Fall, den Dr. v. Engelhardt anführt, kam aber erst 
am 3. oder 4. Tage seiner Erkrankung in meine Behandlung, 
da ist das Bild schon verwischt und die entzündlichen Erschei¬ 
nungen können derart überwiegen, dass sie das Grnndleiden 
zu verdecken imstande sind. 

Ich habe angeführt, dass wir sofort an eine Parforationspe* 
ritonitis oder Darmocclusion denken müssen, wenn wir ein 
derartiges Krankheitsbild vor Augen haben. Wenn also der¬ 
artig stürmische Erscheinungen vorliegen, dürfen wir die acute 
Pancreatitis in der Differentialdiagnose nicht vergessen. Die 
richtige Diagnose ist in solchen Fällen n n b e d i n g t leich¬ 
ter im Beginn der Erkrankung in den 


ersten Stunden zu stellen, wo das Abdomen. nickt ppf- 
getrieben und die Untersuchung desselben nicht wesent¬ 
lich erschwert ist. — Wenn wir eine Perforations¬ 
peritonitis ausschWessen müssen, die Localisation einer eyen? 
tuellen Occlusion nicht finden, die ganze Erkrankung dagegen 
ins Epigastricnra verlegen müssen, so sind wir verpflichtet, 
an eine acute Pancreatitis zu denken. Zucker im Harn macht 
die Diagnose wahrscheinlicher. 

Dr. Hausmann hält seinen Vortrag: Dip Methode 
zumTasten normalerMagendarm teile. Sie beruht 
auf 3 Principien. 

1) Der Tiefenpalpation auf der hinteren Bauch wand: Wirbel¬ 

säule, Psoas, wozn man mit den Fingerspitzen während des 
Exspirinms in die Tiefe dringe. , 

2) Der .Gleitpalpation, wozu wir während des Exspirinms in 
der Tiefe in einer zur Achse des Organs querer Richtung 
Gleitbewegungen machen. 

3) Der topographischen Palpation, bei der systematisch 
Magen- nnd Dickdarmteile, Coceum, Ileum ascendens, Appendix, 
in ihrer Lage und ihrem Verlanf bestimmt werden. 

So kann grosse Curvatur in 30%, Pylorus in 20H, Colon 
transversum in 60%, Coecum in 80%, Ileum ascendens in 85°/» 
Flexura Sigmoidea in 90%, Appendix in .10%, Pancreas io 2°/ 0 
getastet, werden. 

Die klinische Bedeutung dieser Methode ist eine grosse, 
besonders zur Lecalisierüng von Tumoren. , ln einem Falle 
konnte ick einen Tumor, der klinisch als Magencarcinopa 
imponierte und von Petersburger und Berliner Autoritäten 
als solches diagnosticiert worden war, nur dadurch die richtige 
Diagnose stellen und ein Magencarcinom ausschliessen. 

Die Palpation auf dem Psoas ist die einzig sichere Methode, 
zur Diagnose bei chronischer exsndatfreier Appendicitis. 

Die palpatorischen Befunde sollen in Skizzen eingetragen 
werden; wenn nötig nach Messungen aller Distancen. 


6. Sitzung. 

Von 3—6 Uhr Nachmittags. 

Krankendemonstration im Stadtkrankenhanse., 

1) Dr. G. K i e s e r i t z k y demonstriert 1) Blutpräpa¬ 
rate der verschiedenen Leukämieformen, zum Teil 
von mit Röntgenstrahlen behandelten Patienten Btammend, 

2) einen Fall von ly m ph.older bezw. chronischer 
lymphatischer Leukämie. Sichtbare Vergrösserun; 
der Hals-, Axillar- und Inguinaldrüsen. Anscheinend grosser 
Milztumor; doch ist die Milz wohl palpabel, aber nur mftssig 
vergrössert; der Tumor beBteht im starkvergrösserten, in 
Paketen zusammenhängenden, (Mesenterial-?) Drüsen —ge¬ 
ringe Druckempfindlichkeit , der Drüsentumoren. Starker 
Druckschmerz des Sternum. Auftreten der Drüsenschwellung 
angeblich vor 3 Monaten, mit dem langsame Zunahme des 
Umfanges: Qrganbefand normal ,im übrigen. Beschwerden 
gering: etwas Kurzatmigkeit, Schwächegefühl, . nächtliche 
Schweisse; ; 

3) einen Patienten mit einem Aneurysma des Trun¬ 
cus anonymus. Beteiligung des Bogens an der Aneu- 
rysmabildung nicht nachweisbar weder durch Percussion noch 
durch Röntgeooskopie. Pulsierender Tumor oberhalb des rech¬ 
ten Sterno-clavicnlargelenkes. Herz gross — Ictns im VI 
ICR in d6r vorderen Axillarlinie, lautes systolisches und 
diastolisches Geräusch über dem Sternum und im II (und III) 
r. ICR. Dumpfer II Aortenton. Kein Oliver-Cardarelli. Keine 
Recurrensparese. Puls links beiderseits stark, isochron, voll, ge¬ 
spannt, etwas unregelm. nngleichm. Rechte Pupille reactionslos, 
eng; Lues geleugnet,keine Zeichen einer früher acquirierten. 
Seit l 1 /* Jahren oft geringgradige Hämoptysis (Ursache wahr¬ 
scheinlich ein Inf&rct, keine eprämouitorische» Blutung). Im 
Sputum nie Tbcbacillen, doch M o r o sehe Tiiberculinprobe 
positiv. 

(Antoreferat.) 

2) Dr. Makaweisky demonstriert: Tumor verdächtige 
Zellen im liquor cerebrospinalis. 

Patient (Privatklinik Dr. med. Ed. Schwarz) zeigt 
Symptome eines Hirntumors. Liquor deutlich getrübt, nach 
dem Centrifugieren ziemlich reichliches farbloses Sediment. 
Cytologisch, ausser einer geringen Zahl vou Bymphocyten. 
runde, zum kleinen Teil ovale Zellen von verschiedener Grösse, 
bedeutend grösser als Leukocyten. Die Kerne der meisten 
Zellen blasig, mit Nucleolus; bei einigen deutlich sichelförmig; 
sehr zahlreiche polynucleäre Zellen (bis 7—8 Kerne). Einige 
Zellen haben eigentümlich conceatrisch geschichtetes Proto¬ 
plasma. — Da die Zellen morphologisch weder mit Leuco- 
cyten noch mit Meniogenzellen identificiert werden können, 
müssen sie entsprechend dem klinischeu Befund, als Tumor - 
zellen angesehen weiden. 

(Autoreferat.) 


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' 3) Dr. 5 c h a b e r t bespricht an einer Heilte von Präparaten 
die Anatomie und Histologie der E e c u r r e n e m i i z; das 
Charakteristische sei das, leucocytäre Infiltrat der Malphigi- 
scben Körperchen, das eine ausgesprochene Tendenz zur Ne- 
cross zeige, peripher gegen die Umgebung abgeschlossen duich 
eine Zone starker Fibrinansscheidung. Durch Confluenz 
solcher Infiltrate entstehen die primären lnfarctähnlictien 
Zustände, die aber von den secundären thrombotischen In- 
farcten zu unterscheiden seien. Der ganze Process gibt 
tür die Recarrensmilz 5-6 typische Einzelbilder, die sich aber 
auch an einer einzigen Milz combiniert vorfinden können. 

Zum analytischen Studium so complexer Vorgänge empfiehlt 
es sich Stucke von bestimmtem Typus in kleinen Rea¬ 
genzgläsern (2,5 Ctm. Durchm.J nach Kaiserling zu con- 
servieren und sie zur vergleichenden Untersuchung autzu- 
bebeo. Uebersichtsbilder am ganzen Organ wirken teils Ver¬ 
wirrend durch die Menge und Uebergänge der Details, teils 
weisen sie nicht charakteristisch genug das Typische der eiu- 
selneu Componenten auf. Zu Lehrzwecken eignet sich diese 
Methode auch an anderen Organen an denen complicierte pa¬ 
thologische Vorgänge in verschiedenen Stadien sieb gemeinsam 
vorlinden. 

(Antoreferat.) 

4) Dr.’O. v. E n g e 1 m a u n: a)Demonstration von Präparaten. 

1. Prostata and Blase eines Prostatikers der 1 Jahr vor 
seinem, an Pneumonie erfolgten Tode, mit vollem Erfolg 
nach Botti ni operiert worden war. Die Urinentleerung 
war bis zum I*ode normal geblieben. Im Präparat aind die 
glatt vernarbten Furchen deutlich sichtbar. 

2. Drei Blasen- und Prostatapräparaie von 3 Wochen, 
2 Wochen und 1 Woche nach Bo ttini scher Operation an 
iniercunenter Pneumonie, Exacerbation der bestehenden Cy- 
stitis und Beckenphlegmone Verstorbenen. In allen Fällen 
war duich die Operation das Mictionshindei.nis beseitigt 
wurden. Im 3. Fall bestand ein inficierter falscher Weg, von 
dem die Phlegmone ausgegangeu ist. Die Schorfe 1 sind in 
allen Präparaten znm grössten Teü bereits äbgestossen, die 
Einschnitte deutlich sichtbar.. 

3. Vier dnreh Prostatectomia saprapubica, nach Frey er, 
ia toto entfernte Prostatahypertrophien. Die eine Prostata 
von enormer Grösse entstammt .einem Patienten, der vorher 
iMal vergeblich nach Bottini operiert worden war. Sämt¬ 
liche Patienten worden mit guter Blasenfonction genesen 
ouiaesen. 

4 Mikroskopische Präparate: Spirochäte .pallida und re- 
fringens im Ausstrichpräparat, und Spirochäte pallida im 
tiebnittpräparat (Silbertärbuug,) 

b) Vorstellung einer Patientin mit Pemphigus vulgaris mit 
Schleimhaut affectionen int Munde. 

c) Bericht über einen 100-jährigen Prostatiker, der vor 8 Mo¬ 
naten wegen chronischer compieter Eetentio orinae nach 
Bottini operiert wurde und seitdem normale Blasenfunction 
ood klaren Urin zeigt. (Fat. zur Demonstration nicht er¬ 
schienen.) 

(Antoreferat.) 

6) Dr. med. Ed. S ch w ar z demonstriert eiBen Fall von 
Heine Mediuscher Krankheit. Ueber denselben Fall 
hat er am 19. Nov. 1906 im Verein practisoher Aerzte zu 
Higa einen Vortrag gehalten, der in der St. Petersburger 
medicinischen Wochenschrift erscheint. 

6) Dr. Ke 11 mann demonstriert 1 Fall von gummöser 
Vaginitis. 

Pas. ist 29 Jahre altr 4 Jahre verheiratet und hat, nach¬ 
dem sie 3 Mal abortiert hatte, im Mai d. J. ein lebendes Kind 
geboren; Ca. 10 Wochen nach der Geburt bemerkte sie eine 
'Geschwulst von üünereigrösse, die zur Vulva herausragte 
und sie beim Sitzen hinderte; um diese Zeit hat Pat. einige 
Tage stark geblutet. 

Am 1. Vlll. 08 wurde Pat. in die gyn. Abt. des Kranken¬ 
hauses anfgenoramen. Der Allgemeinzustand war sehr gut, 
keine Anämie, keine Oedeme, Organe gesund. Nur einige 
.Beckendrüsen waren leicht geschwollen. 

Uterus and Aduexa boten keinen patholog. Befund. 

An Stelle der hinteren Columna ein mit mehrfachen Ulcera 
besetzter Wulst, der zum Scheideneingang hin die Dicke von 
2 Daumen hat, sich nach oben hin verjüngt; auch die vordere 
Columna erscheint verdickt. Eine vereiterte Excisiouswunde 
erklärt Pat. damit, dass ein auswärtiger Aizt zum Zweke 
mikroskop. Untersuchung etwas ausgeschnitten hätte und 
nach der Untersuchung die Entfernung des Uterus und der 
Scheide vor geschlagen hätte. 

Die Schwellung der hluteren Columna zn beurteilen machte 
Schwierigkeiten und wir kamen nach Ausschluss aller Mög¬ 
lichkeiten zur Annahme, dass es eine luetische Affection sein 
könnte, welcher Annahme, Herr College Engelmann, dem 
die Pat. gezeigt wurde, nicht widersprach, ohne mit Sicher¬ 
heit Lues diagnosiicieren zn wollen. Eine Uutersnchang des 
Ehemannes seitens des Coliegen Engelmann ergab keinen 
Anhaltspnnct für Lnes. Nachträglich erfuhren wir aber, dass 


Pat. als Rind einen Ansscblag gehabt bat, der erfolgreich mit 
grauer Salbe behandelt worden sei. 

Die mikroskopische Untersuchung eines excidierten Stückes 
ergab nichts Charakteristisches: kleinzellige Infiltration und 
dazwischen grosse epitheloide Zellen mit grossen Kernen, die 
von uns nicht näher bestimmt werden konnten. Das Gewebe 
des Tamors erwies sich bei der Excision nicht sehr blutreich, 
so dass von einer besonderen Versorgung der Excisionswonde 
abgesehen werden konnte. 

Nach alledem war ein Versuch der Heilung mit Darreichung 
von Jodkali gerechtfertigt, der auch vollen Erfolg hatte. 
Der Tumor und die Ulcera sind bereits jetzt Coach 4 Wochen), 
fast völlig geschwunden. Pat. fühlt sich gesund. Sie hat im 
Laufe der 4 Wochen ein Mal 5 Tage leicht geblutet 
(Menses). 

(Anmerkung beim Druck des Referats): 

Am 11. XI. 08 stellte sich Pat. gesund vor. 

Im Nov. referierte Dr. Poorten in der (Gesellschaftpract 
Aerzte zn Riga über einen Fall, den er im Juli 06 beobachtet 
hatte und den er als Chorioepitbelioma gedeutet hat; die 
Patientin ist mit der auf dem Aerztetage demonstrierten, wie 
nachträglich festgestellt werden konnte, identisch. 

Dr. K e i 1 m a n n demonstriert eine Frau mit kleiner Blasen- 
sch.eidenfisteL Wichtig ist in diesem Fall, dass sich ein 
ätiologisches Moment feststellen lässt, dem gegenüber eine 
wirksame Prophylaxe hätte geübt werden können. Nach der 
Entbindang trat nämlich Harnverhaltung ein, die durch 
24 Stunden trotz Anwesenheit einer Hebamme nicht mit dem 
Katheter behandelt wollten ist. Hierbei hat die Dehnung des 
Blasenmundes bewirkt, dass eine, bei der im ganzen leichten 
.Geburt des Kindes, geschädigte Gewebspartie definitiv necro- 
tisierte und am 3 Tage post partum die Fistel zustande 
kam. Der Rat S c h a 1 1 z e s, auf das Sorgfältigste die Fnnction 
der Blase in den ersten Tagen des Wochenbettes zu Über¬ 
wachen und für regelmässige Entleerung zn sorgen, Hesse 
manche Fistel vermeiden. 

(Anm. beim Druck des Referats): 

Interessant ist es, dass die Fistel nach 4-wöchlgem Be¬ 
stehen bei Anwendung eines Verweilkatheters ohne Operation 
spontan geheilt ist. 

Im Anschluss an die Ausführungen des Dr. Schubert 
referiert Dr. K e i 1 m a n n über seine Beobachtungen re- 
enrrenskranker Mütter. 

Von 9 Müttern habeD 6 lebende, 8 tote Kinder geboren. 

Alle lebend geborenen Kinder erkrankten bis znm 8 Tage 
and starben. Bei einem wurde die falsche Diagnose Meningitis 
gestellt und Spirillen nicht gesucht, bei einem worden keine 
gefunden, bei allen anderen konnten Spirillen intra vitam nach- 
gewiesen werdeu; sie schienen sogar zahlreicher, als bei Er¬ 
wachsenen zn Bein. Ein Kind war ausserhalb der Anstalt 
geboren worden, die Mutter wurde als septische Wöchnerin in 
die Anstalt gebracht, wo Spirillen nachgewiesen wurden; 
auch dieses Kind erkrankte und auch in dessen Blnt wurden 
Spirillen gefunden; dieses Kind genas; wahrscheinlich ist es 
erst nach seiner Oebnrt inficiert worden, wie anch die Matter 
erst nach der Entbindung erkrankt zn sein scheint 

Bei den toten Kindern konnten wiederholt im Herzblut 
reiohlich Spirillen uachgewiesen werden and es gelang Dr. 
Bertels, nach 62 Stunden post mortem Spirillen zu finden. 

Interessant ist, dass wir auch im Blut eines totgeborenen 
Kindes Spirillen fanden. 

Im Nabelschnnrblut war der Spirillenbefund negativ bei 
zwei lebendgeborenen Kindern, die beide erkrankten und starben; 
bei einem derselben konnten, wie schon erwähnt, Spirillen 
nicht gefunden werden. 

Positiv dagegen war der Spirillenbefund Im 
Nabelvenenblut eines totgeborenen Kindes. 
Das Präparat wird demonstriert. 

(Antoreferat), 

7. Dr. L u n d b e r g : Ich habe Ihnen einige Fälle von m- 
operabelem Cer*vix- nnd Portiocarcinom vorzustelleu, 
welche wir hier im Krankenhanse mit Aceton behandelt haben. 

Zuerst wurde diese Methode vom Amerikaner Gellhoru 
angewandt. Als vor einem Jahre dieselbe anch anf der Natur¬ 
forscher-Gesellschaft in Dresden empfohlen wurde, führte Herr 
Dr. Keil mann diese Behandlungsart anch bei ans eiu. 

Sie besteht in Folgendem: Nach vorhergegangener Ex- 
cochleation und Verschorfung mit dem Paquelin wird ein 
Röhrenspeculum eingefüürt und soviel von der Flüssigkeit 
eingegossen, als nötig ist um die Wandfläche zu bedecken. 

Darauf Hessen wir das Mittel 20 Minnten lang einwirken. 
Diese Behandlung wurde 2 Mai wöchentlich wiederholt. 

Im ganzen waren in unserer Behandlung 9 Fälle. 

Eine Patientin ist, vor 2 Monaten geBtorben. Sie hat bis 
zuletzt mit ihren Angehörigen in einem Zimmer znsammeu 
gewohnt. Nach Aussagen des Mannes hat sie weder irgend 
eine stärkere Blutung gehabt, noch auch durch schlechte Aus¬ 
dünstung das Zusammenleben gestört. Sie ist allmählich au 
Inanition zu Grund® gegangen. 


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üeber 5 Patientinnen, die längere Zeit behandelt worden 
waren nnd in relativ gutem Zustande entlassen wurden, fehlt 
weitere Nachricht. 

Augenblicklich befinden sich in Behandlung 3 Fälle, an de¬ 
nen die Herren sich überzeugen können, wie fest und glatt 
die Narben sich nach solchen Aetzungen anfühlen. 

Die Vorzüge dieser Behandlungsmethode bestehen im Ge¬ 
gensatz zur Anwendung der rauchenden Salpetersäure und der 
Chlorzinkiösung in absoluter Schmerzlosigkeit bei der Anwen¬ 
dung des Mittels. Die Blutungen werden geringer und der 
Fötor schwindet fast vollkommen. Kranke, die sonst streng 
isoliert werden müssten, können jetzt im allgemeinen Saal 
liegeu, ohne die Nachbarschaft irgend wie durch üblen Geruch 
zu belästigen. (AutoreferaD 

8. Dr. Alfred Schneider: M. H.! Sie sehen hier eine 
Reibe von Präparaten, die die Entwickelung 
menschlicher Eier zeigen. Auf einige von ihnen möchte 
ich Ihre Aufmerksamkeit besonders richten. 

Das I. Präparat stellt das jüngste Ei dar, das in der ge¬ 
burtshilflichen Abteilung des ötadt-Krankenhauses beobachtet 
worden ist. Es reiht sich an die jüngsten bis jetzt beschrie¬ 
benen Eier an, an das Peterssche nnd das Graf Speescbe, 
nnd bildet insofern ein Unicum, als es nicht angeschnit¬ 
ten ist. 

Wir sehen am Präparat die gesamte Decidna and in Bie 
eingebettet das Ovulum. Das Besondere dabei ist, dass man 
die Decidua reflexa sive capsularis das Ei allseitig amgeben 
sieht. Seiner Grösse entsprechend mag es 8—10 Tage alt sein. 

Das näcbstäitere Präparat zeigt ein Ei von der Decidnal- 
schleimhaut befreit und von Chorionzellen rings umgeben. 

EJuige weitere Präparate beweiBeu die Tatsache, dass der 
Fruchttod nicht sofort vom Abort gefolgt zu werden braucht, 
Bondern dass die Eihäute sich eiue Zeit lang weiterentwickeln 
können: die Früchte in diesen Eiern sind ganz klein gegen¬ 
über der vorgeschrittenen Ausbilduug der Eihäute. 

Dass die Ausstossuog fast oder völlig reifer Früchte iu der 
Kapsel mit Placenta nicht zu deu grossen Seltenheiten ge¬ 
hört, zeigt schliesslich die Keihe der letzteu nnd grössten 
Präparate; sie sind im Laufe nur weniger Jahre in der ge¬ 
burtshilflichen Abteilung gesammelt worden. 

Hier, m. H., sind 2 brauen, die die Indicationsstellung bei 
der Operation von Ovarialtumore,n illustrieren sollen. 

Die eine Frau, ein Mädchen von 19 Jahren, ist von dem 
nebenliegenden Tumor vor 2 Wochen befreit worden. Im 
Laufe eines Jahres hat er sich bis zu dieser beträchtlichen 
tirösse und einem Gewicht von über 37 russ. Pf. entwickelt, 
und erst die hochgradigen Atembeschwerden veranlassten die 
Pat. zur Aufnahme in die gynäkologische Abteilung dieses 
Krankenhauses. 

Es ist ein Kystoma ovarii, wahrscheinlich gatartig, daher 
konnte das andere Ovarium, das gesund erschien, der Fran 
belassen werden, zumal die Jugend der Pat. and der Umstand, 
dass sie Jüdin ist, die das Ausbleiben des Kindersegens 
schmerzlicher als andere empfindet, es besonders wünschens¬ 
wert erscheinen iiess. 

Unter der Weisung, sich von Zeit zu Zeit vorzustellen, um 
daB Verhalten des zurückgelassenen Ovarinms prüfen zu 
können, wird Bie entlassen werden. 

Die zweite Person soll in den nächsten Tagen zur Opera¬ 
tion kommen. Sie beherbergt einen malignen Tumor. Dass er 
bösartiger Natur ist, lasst sich aus dem Behr schnellen 
Wachstum — seit dem Februar d. J. — erschlossen und 
aus dem Umstande, uass sie um die Zeit wegen eines Tu¬ 
mors der gegenüberliegenden Seite an anderem Orte operiert 
worden ist und dieser Tumor ein Sarcom war. Es wäre in 
diesem Falle also, trotzdem Pat. gleichfalls jung und Jüdin 
ist, doch geboten gewesen, das andere Ovarium mit zu ent¬ 
fernen auch dann, wenn es bei der Operation noch gesund erschei¬ 
nen mochte. 

9. Dr. uied.Becker demonstriert:DAtresiaani Vesti¬ 
bül a r i s; der Enddarm mündete in das vestibuium bei gleich¬ 
zeitigem Faulen der AusmUnduug an normaler Stelle. Die 
Matter litt an demselben Entwicklungsfehler. 

2 ) Thoracopagus. Bei den ziemlich ansgebildeten Foeten 
hatte sich der eine in Längslage, der audere in Qnerlage 
gestellt. Die Geburt konnte nur beendet werden dadurch, dass 
die Verwachsung mit dem Sichelmesser getrennt wurde, 
worauf jeder FoetuB einzeln, der vordere durch Wendung und 
Extraction, der hintere dnrch Extraction am Fuss entfernt 
wurde. Beide Foeten waren bereits abgestorben. 

(Autoreferat). 

10. Dr. Jankowsky: Kranken Vorstellung: